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Oskar würde lachen, wenn er wüßte, daß ich, deren gutes Gedächtniß Jeder bewundert, ein so wichtiges Datum gänzlich vergessen habe; aber es ist, bevor wir noch lange hier in Neuseeland waren, so viel geschehen und mir war, als ob ich in wenigen Monaten so viele Jahre älter geworden wäre, daß Alles, was jenseits des Meeres lag, wie in nebelhaftem Schatten verschwamm- Lag ich wirklich einmal in dem großen, altmodischen Schlafzimmer eines Mecklenburger Pächterhauses und hörte die Krähen in den hohen, kahlen Bäumen schreien? Selbst die Tapete — große Sträuße von Stiefmütterchen auf gelbzrauem Grund — taucht vor mir auf, während ich schreibe, und wenn ich mich weiter in dem Zimmer umsehe, erblicke ich Gertrud in ihrem weißen Bett mir gegenüber, die eine Hand unter dem Kopf, wo da» üppige Haar den Fesseln des Netzes, welches sie trug, zu entrinnen strebt, die blauen Augen nur halb geöffnet, als ob sie zwischen Wachen und Träumen lägen, wobei ihre Lippen leise „Christia" rufen. Die Mutter war uns schon vor langer Zeit gestorben, daß sie nur noch als eine süße Erinnerung unserer Kinderzeit in uns lebte, und mein Vater starb, als ich noch ganz klein war. So blieben wir drei Geschwister, Oskar, Gertraud, Christa Leonhard allein zurück. Oskar sorgte brüderlich für uns und als er sich verheirathete, gab er uns in feiner Frau eine ältere Schwester. Obgleich das Alles wie ein Traum hinter mir liegt, er» wnere ich mich doch deutlich des Tage», als wir zum ersten Male Brautjungfern waren und Gertraud in ihrem weißen Kleid und dem Vergißmeinnichtkranz in dem prächtigen Haar so bestrickend schön aussah, daß ein junger Förster, welcher der Trauung beiwohnte, ihr acht Tage darauf einen Heirathr- antrag machte und erst nach hartem Kampf begriff, daß ihr entschiedene« „Nein" wirklich als solches zu nehmen war. „Ich werde einmal einen reichen Mann heirathen," pflegte sie damals zu sagen, wobei sie den schönen Kopf wohlgefällig zurückwarf, „und dann, Christa, sollst Du immer bei mir leben und mir das Haar fristren, denn das versteht Niemand so gut wie Du. Und sobald ich meiner schönen Kleider und Hüte überdrüssig bin, sollst Du sie haben, und Bücher, so viel Du willst und ein Pferd zum Reiten, dann wirst Du sehr "glücklich sein." Ach, das Alles dünkt mich so lange her und nicht allein das wirkliche Meer, sondern auch ein Meer von Thränen, Schmerz und Leidenschaften liegt zwischen jenen Tagen und dem heutigen. Gertraud ist, — ja, wo ist sie? Und ich sitze träumend da und starre in's Leere, das Gesicht feucht von Thränen. Fanny, die Frau meines Bruders, nannte uns immer ihre Kinder, da sie wie Oskar bedeutend älter war als wir. Sie zeigte sich uns in der That wie eine sorgende Mutter und als der erste Gedanke an Auswanderung laut wurde, erklärten wir Beide entschieden, daß, wohin Fanny auch ginge, wir ihr folgen würden und thun, was in unseren Kräften stände, um ihr das Leben in der neuen Heimath so leicht wie möglich zu machen. Oskar war leider für keinen bestimmten Beruf erzogen worden und als er sich verheirathete, merkte er, daß feine Mittel nicht ausreichten, ein so behagliches Leben zu führen, wie er wünschte. Die Briefe eines Freundes in Neuseeland brachten ihn zuerst auf den Gedanken, dort sein Glück zu versuchen und nach reiflichem^Erwägen wurde beschlossen, daß wir im kommenden Frühjahr un» nach Neuseeland einzuschiffen gedachten. Die Reise war für Gertrud und mich eine herrliche Zeit. Wir hatten nichts weiter zu thun, als uns zu amüsiren und alle Welt war sehr lebenswürdig gegen uns. Kein Schatten trübte unsere fröhlichen Gemüther, alles war Licht und Sonnenschein. Das einzige wichtige Ereigntß auf der Reife war, daß - 78 — Gertraud sich durchaus mit einem jungen Manne verloben wollte, der sterblich in ste verliebt war. Wir dagegen wollten die Verlobung durchaus nicht zugeben, weil der junge Mann ein großer Taugenichts zu sein schien und wahrscheinlich wegen schlechter Streiche von seinen Eltern nach Amerika geschickt wurde. Das kostete Fanny einige Thränen und Gertraud ge- rieth in Aufregung. „Warum sollte ich ihn nicht heirathen?" rief sie. „Ich würde stets gut und freundlich mit ihm sein und als mein Mann würde er sich bessern." Aber aus dieser Verlobung wurde doch nichts.' ? d Uns in der neuen Heimath einzurichten, war anfangs eine schwere Aufgabe; es gab so viel zu thun und wir wußten herzlich wenig, wie es zu thun war, aber all' unsere Nachbarn — die nächsten wohnten eine halbe Stunde entfernt und bis zur nächsten Stadt waren es über vier Stunden — zeigten sich in jeder Weise freundlich und gefällig. Besonders die Junggesellen, welche damals Dreiviertel der Bevölkerung um uns herum bildeten, waren mehr als freundlich, manchmal fast zudringlich in ihrer Höflichkeit. Oskar schalt mitunter darüber und meinte: „Ich bin ein unglücklicher, beklagenswerther^Mann, der drei hübsche Frauenzimmer in Obhut hat! Das wird ein schönes Leben für mich werden!" Gertraud jedoch, welche durch die letzte Liebesaffaire und deren plötzliches Ende etwas eingefchüchtsrt war, zeigte sich stets auffallend zurückhaltend und meine Natur war dies stets gewesen. Eines Abends — es mochten wohl vier Wochen vergangen sein, seit wir unser neues Heim bezogen hatten, — befand ich mich in der Küche und half Marie, unserem unerfahrenen deutschen Mädchen, den Thee bereiten. Fanny war nicht wohl und hatte sich niedergelegt und Gertraud war in ihrem Zimmer. Da plötzlich vernahm ich auf der Veranda Oskars Stimme im Gespräch mit einem Fremden. Gleichzeitig rief Fanny auch nach ihrem Thee und bat mich, Oskar zu ihr zu schicken. Nun hatte ich mich bei meiner angeborenen Schüchternheit noch nicht von der Aufregung erholt, in welche die täglich neuen Männergesichter mich versetzten und ich eilte daher, Gertraud herbeizurufen. Sie saß vor dem Spiegel und betrachtete darin ihr hübsches Gesicht. Sie trug ein Kleid von weichem, blauem Wollenstoff, der das liebliche Weiß und Roth ihres Gesichts wie das leuchtende Gold ihres Haares ungewöhnlich schön hervorhob. „Ich soll Orkar holen, sagst Du, Christa?" entgegnete sie auf meine Bitte. „Warum thust Du es nicht selbst? Ach, es ist wieder ein fremder Herr da? Wie sie uns überlaufen, nicht? Gut dann, ich werde zurückhaltend fein." Als ich später in das Eßzimmer kam, plauderte sie mit Herrn Ausbach — so hieß der Fremde, ein Deutscher, — als ob sie ihn von Kindheit an gekannt hätte. Er war ein Mann von mittlerer Größe, ziemlich braun gebrannt, breitschulterig, mit einem Kopf voller braunen Locken und mit Manieren, welche verriethen, daß er sich weit mehr in der guten Gesellschaft bewegt hatte, als all' die Anderen, deren Bekanntschaft wir bisher gemacht. Etwas interessirte mich gleich bei unserem ersten Beisammensein an ihm, — das war der traurige Ausdruck seiner großen, grauen Augen. Sie besaßen für mich etwas rührend Melancholisches, das nur verschwand, wenn ihr Eigenthümer lächelte und das geschah selten genug. Im Ganzen machte Herr Ausbach auf mich den Eindruck eines ruhigen, zurückhaltenden Mannes, dem nichts ferner lag, als uns zu „überlaufen", wie Gertraud vorausgesetzt hatte. „Wir glaubten bereits, Sie wollten uns überhaupt nicht kennen lernen, Herr Ausbach," meinte Oskar in seiner herzlichen, gutmüthigen Art, die man hier zu Lande so hoch zu schätzen weiß. „Wir wohnen schon über einen Monat in diesem Hause und der ganze District hat uns lange seinen Besuch gemacht, nur Sie nicht — und Sie sind doch fast unser nächster Nachbar," „Und Ihre Schwester, Herr Ausbäch," fiel Gertraud ein, „wird sie sich überhaupt nicht herablaffen, uns zu besuchen?" Mir schien es, als ob der Gefragte bei diesen Worten leicht zusammenfuhr, als ob er dieselben nicht erwartet hätte und nun nicht recht wußte, was er darauf antworten sollte. Die Theetasse, welche ich ihm eben reichte, entglitt beinahe seiner Hand und er bat mich seiner Ungeschicklichkeit wegen um Entschuldigung, bevor er Getrauds Frage beantwortete. Dann sagte er: „Meine Schwester wird sich außerordentlich freuen, recht bald Ihre Bekanntschaft zu machen," worauf er mit einer gewissen Hast zu mir gewendet fortfuhr: „Reiten Sie gern, Fräulein Christa?" Er lächelte, während er so sprach. Er hatte ein angenehmes, mildes Lächeln. Ich erzählte ihm darauf, daß mir der Gedanke, hier reiten zu können, derjenige gewesen sei, welcher mich am meisten nach der neuen Welt gelockt hatte. Das gab unserer Unterhaltung eine andere Wendung, so daß Herrn Ausbachs Schwester, von welcher wir hin und wieder als von einem hübschen Mädchen und einer besonders kühnen Reiterin hatten reden hören, an jenem Abend nicht mehr erwähnt wurde. Zwei Tage darauf aber kam ste zu uns, und der Eindruck, welchen sie bei ihrer ersten Einführung auf mich machte, war ein ziemlich unangenehmer. Gertraud und ich waren sehr neugierig a"f Fräulein Ausbach gewesen; — im Umkreis von sieben bis acht englischen Meilen war sie das einzige junge Mädchen, welche« auf gleicher Bildungsstufe mit uns stand. Wir hatten jedes über sie hingeworfene Wort gesammelt und unsere daraus gebildeten Meinungen gingen einigermaßen auseinander. Als daher Gertraud plötzlich in das Zimmer hcreingestürzt kam, in welchem ich ruhig lesend saß und rief: „Christa, Herr Ausbach mit seiner Schwester!" da war es kein Wunder, daß ich mein Buch auf die Erde fallen ließ und mir das Herz heftig klopfte- Im nächsten Moment hob Herr Ausbach das Buch auf und feine Schwester schüttelte mir die Hand so kräftig, daß meine Finger davon schmerzten. Sie war nicht gerade hübsch, aber auch nicht häßlich, und hatte volles, dunkles Haar, welches sie in einem Chignon und einer um dieses herumgelegten Flechte trug, die gewiß nich! auf ihrem Kopf gewachsen war. Ihre Augen besaßen viel Feuer, ihr Mund war klein und hübsch geformt, ihre Zähne wie die Perlen. Aber in ihrer ganzen Erscheinung lag etwas, was mich vom ersten Augenblicke an zurückstieß und dies Gefühl habe ich nie verloren. Sie sprach viel und mitunter so seltfam, wie mich dünkte. Zum Beispiel bat sie uns, als sie sich fünf Minuten im Zimmer befand, sie Magdalene zu nennen und rieth, uns von unserer Schwägerin nicht kurz halten zu lassen, sondern uns zu amüsiren, so oft sich Gelegenheit dazu böte. Ihr Bruder sprach kein Wort mit ihr, auch nahm er nicht die geringste Notiz von dem, was sie sagte. Nur ein oder zwei Mal, wenn ste in ihrer Redeweise besonders unweiblich war, schien es mir, als ob er leicht erbebte; doch wenn er sich wirklich darüber ärgerte, so zeigte er das in keiner anderen Weise. Er hatte sich an meine Seite gesetzt und unterhielt mich lebhaft, während Gertraud und Fräulein Ausbach auf dem Sopha uns gegenüber Platz genommen hatten und bald in ihr eigenes Gespräch vertieft waren. Unser Thema bildete zunächst das heruntergefallene Buch. Es war „Die ägyptische Königstochter". „Haben Sie Ebers „Kaiser" schon gelesen?" frug er. „Nein, noch nicht." O, dann wollte er es mir den folgenden Tag schicken. Ich war von jeher eine Freundin vom Lesen und nahm sein Anerbieten dankend an. Es entstand eine kleine Pause und Beide lauschten mir dem Gespräch unseres Gegenübers. „8 dalene „<ä über so „9 ihres I dergleick kommen Die Na Di traut) i welches Hi der Frc D< öffnet i merkten, Gertrar Ar kühl 6ei all' De! ist hohe M sich in Aerger Befehl gleichfall ihr Brr Thür h No Blicken rung, bi entgegen - „(S rief Ge begreife glücklich, Bekannt Fa schüttelt! Ge ständniß fallen. 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Lag schicken, fett und nahm lauschten wir „Was für ein reizendes Kleid Eie tragen!" sagte Mag« dalene Ausbach. „Ist das Piquö?" „Satin!" entgegnete Gertraud in fast entsetztem Ton über solche Unwiffenheit. „Natürlich Satin!" wiederholte die Erstere, sich sichtlich ihres Jrrthums schämend. „Ich bin so thöricht und vergeffe dergleichen immer, ich lasse mir alle meine Sachen von Paris kommen und da schickt man mir, was man für gut befindet. Die Namen der Stoffe sind mir selten bekannt." Die Pariser Schneiderin klang uns imponirend. Gertraud warf einen Blick auf Magdalenens grauesMeitkleid, welches allerdings tadellos faß. Hier wendete sich Ausbach wieder mir zu und zwar mit der Frage, wie mir die Reise gefallen habe. Damit war ein weites Feld für unsere Unterhaltung eröffnet und wir verplauderten die Zeit angenehm, bis wir merkten, daß auch Magdalene von ihrer Reise sprach und Gertraud seltsame Geschichten vom Schiff erzählte. Aurbach erhob sich schnell, indem er zu seiner Schwester kühl bemerkte: „Fräulein Leonhard wird sich wohl kaum für all' Deine früheren Erlebnisse interessiren, Magdalene, und es ist hohe Zeit, jetzt an den Rückweg zu denken " Magdalene erröthete leicht und zum ersten Male zeigte sich in ihrem Wesen ein Schatten von Verwirrung. Es mochte Aerger über die zurechtweisenden Worte sein, die mehr einem Befehl al« einer Vermuthung glichen. Sie erhob sich indessen gleichfalls, wünschte uns Allen in viel wärmerer Weise als ihr Bruder einen „Guten Abend" und folgte Jenem zur Thür hinaus. Nachdem sie ihre Pferde bestiegen hatten und unseren Blicken entschwunden waren, hörte ich zu meiner Verwunderung, daß unsere neue Bekanntschaft auf Gertraud gerade den entgegengesetzten Eindruck gemacht hatte, wie auf mich. „So ein lustiges Mädchen! So heiter und voller Leben!" rief Gertraud entzückt. „Wie? Dir gefällt sie nicht? Das begreife ich nicht, Christa. Ich für meinen Theil bin überglücklich, eine solche Nachbarin zu haben und gedenke unsere Bekanntschaft so viel wie möglich zu cultiviren." Fanny, welche eine Weile im Zimmer gewesen war, schüttelte den Kopf und schloß sich in ihrem Urtheil mir an. Getraud schmollte und meinte, wir hätten kein Ver- ständniß für Charactere. Damit ließen wir das Thema fallen. So war denn das erste Glied zu der seltsamen Freundschaft gebildet und Gertraud hatte den kleinen Bach überschritten, welcher zum mächtigen Strome zwischen ihr und mir anwachsen sollte. 2. Capitel. Wir waren während der ersten Monate in Neuseeland so glücklich, trotz der harten Arbeit, die uns Allen ungewohnt war, und der ost recht schlechten Kost. Wir versuchten uns Alle der Reihe nach im Kochen und bemühten uns, es unserer unerfahrenen Dienerin Marie beizubringen. Mir gelang das am besten, infolge dessen ich zur Wirthschafterin und Oberaufseherin im Küchendepartement ernannt und mit einer reichlichen Anzahl weißer Latzschürzen und einem Kochbuch versehen wurde. Gertraud hatte das Wohnzimmer in Ordnung zu halten und für das ganze Haus die Strümpfe zu stopfen, während Fanny die Augen überall hatte und zugriff, wo es Roth that, das heißt in den ersten Monaten nur. Dann wurde dem jungen Ehepaare ein Sohn, der kleine Fritz, geboren, welch' wichtiges Ereigniß in dem ganzen Hause große Aufregung hervorrief. Wir bewoh> ten ein hölzernes, mit Schindeln gedecktes Haus, — nicht groß, aber hinreichend, um bequem zu fein. Darin hatten wir ein einziges Wohnzimmer, doch war das« lelbe sehr geräumig und der Stolz unseres Herzens, wenn wir es mit den unserer Nachbarhäuser verglichen. Stand doch sogar ein Pianoforte darin, dasselbe, welches einst unter den Händen unserer seligen Mutter erklungen war, und ein Blumentisch, den bald Geranien, Fuchsias und Rosen 19 - füllten. Außerdem war da ein schmucker Bücherschrank, dessen Inhalt zum größten Theil mein Eigenthum war, und überdies befand sich in der einen Ecke ein Nähtisch, auf welchem drei zierliche Nähkörbe, mit Atlas gefüttert und bunten Bändern geschmückt, standen. Wir hatten das Zimmer eigenhändig tapeziert und ein paar gute Kupferstiche in hübschen, einfachen Rahmen aufgehängt. Für die Fenster nähten wir Cattunvorhänge und auf den Fußboden legten wir einen Teppich, welchen wir aus Deutschland mit herübergebracht hatten- Als wir dann noch ein lederbezogenes Sopha, Stühle und einen ovalen Tisch, den eine einfache grüne Decke zierte, hineingetragen hatten, war das Zimmer in unseren Augen vollendet, und Oscar bis auf den Hausflur entgegeneilend, zogen wir ihn triumphirend mit uns fort, damit er unser Werk bewundern sollte. Während das Haus gebaut worden war, hatten unsere Nachbarn Oscar wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der Platz, welchen er für dasselbe gewählt hatte, ziemlich tief lag und daß das bei den heftigen Regengüssen, welche in Neuseeland zuweilen fallen und die Buchten erstaunlich hoch anschwellen, nicht ganz ungefährlich sei. Nach reiflichem Ueberlegen schien indessen kein Grund zur Besorgniß vorzuliegen. Unser Haus stand ja noch über dem höchsten Wasserzeichen der letzten Jahre. Nur die Maoris, die halbwilden Ureinwohner des Landes, — von denen, nebenbei gesagt, nur wenige in unsere Nähe kamen, — konnten sich einer Zeit erinnern, zu der da« Wasser bis zu dem kleinen Grasplatz gestiegen war, welcher vor unserm Hause lug. Oscar sprach auch davon, sobald seine Geschäfte wirklich anfingen, zu prospertren, ein neu^s, viel schöneres Haus auf einem der höher gelegenen Plätze bauen zu wollen. Das jetzige, verstcherte er uns, fei nur eine interimistische Wohnung und vor der Hand auch nur als solche zu betrachten. Doch uns gefiel sie so weit ganz gut und eine Zeit lang ging Alles glatt und schön. Von dem Wohnzimmer und meinem Schlafzimmer aus hatte man eine reizende Aussicht. Die Landschaft war im Vordergründe allerdings flach und einförmig, den Hintergrund aber bildete eine stolze Bergkette, die im Winter ein leuchtendes Schneekleid anlegte. Die Umrisse jener Bergkette, die sich in der krystallenen Klarheit der Neuseeländer Luft von dem sonnigen, blauen Morgenhimmel oder von dem rothgluhenden Abendhimmel grell abhoben, kannte ich bald auswendig. Sie bildeten in meinen Augen die Gestalt einer tobten Riesin, die auf dem Rücken lag, die Arme über, der eisigen Brust gekreuzt hat und deren welliges Haar rückwä-.ts wogte, bis es sich in den weicheren Linien der ferneren Berge verlor. Diese Bergkette füllte zu der Zeit, von der ich schreibe, einen Theil meines Lebens aus. Ich kann nicht an jene Tage zurückdenken, ohne daß sie vor meinem inneren Auge erstände und meine Erinnerung sorderte. Mochte die Sonne hell und strahlend über ihr lachen, mochten schwarze Wolken schwer und drohend über ihr lagern, — immer waren sie meinem Herzen theuer. Wenn ich in der Küche beschäftigt war, galt es mir stets als ein großes Vergnügen, Gertraud im Nebenzimmer singen zu hören. Sie liebte die Musik und hatte einen Theil ihrer Lieder aus der deutschen Heimath mitgenommen- Ich schließe einen Moment die Augen und sehe sie wie damals am Ciavier sitzen. Ach, armes Instrument, — Dir war gleich Deiner Herrin ein seltsames Schicksal beschieden. Ich will versuchen, meine Schwester in ihrer ganzen Schönheit und blühenden Jugendfrische zu schildern- Sie halte prächtiges, goldblondes Haar, dick und glänzend wie Atlas, Augen wie zwei Stückchen tiefblauen, lachenden Himmels und ein paar rothschwellende Lippen wie die eines unschuldigen Kindes. Sie war die größte von uns Allen und in meinen Augen die „Königin im Rosengarten der Mädchen". (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. gl Schutz der Hühner gegen Frostschäden. Die Hühner sind gegen andauernde Kälte viel empfindlicher al- allgemein angenommen wird,' und wenn fie auch nicht so leicht erfrieren, so nehmen sie durch die Kälte doch ost Schaden. Zunächst empfiehlt es sich daher, bei einer Kälte von mehr als zwei Grad die Hühner entweder gar nicht oder doch nur kurze Zeit ins Freie zu kaffen. Ferner ist es wichtig, die Hühner im Winter täglich einmal warm zu füttern, wozu sich gekochte Kartoffeln ganz gut eignen. Auch giebt man dazwischen gequellte in heißem Wasser warm gemachte Gerste. Zu heiß dürfen diese Nahrungsmittel aber natürlich nicht sein. Zum Anger vieler Geflügelliebhaber erfrieren schönen Hähnen und Hennen auch oft die Kämme und Schellen (Ohrenläppchen), was dann ganz abscheulich aussteht, indem die sonst so schön rothen Kämme und Schellen weißgrau und blaugrün werden. Gegen solche Frostschäden schützt man die Hühner, wenn man ihnen die Kämme in kalter Winterszeit alle 5 bis 8 Tage mit präparirtem Schweinefett, welches billig in den Apotheken zu haben ist, einreibt. Außerdem ist es wichtig, daß man bei Frostwetter die Hühner nur im Stalle saufen läßt oder im Freien nur aus Gefäßen, die Deckel mit kleinen Löchern haben. Denn sobald das Huhn beim Saufen sich die Stellen und oft auch den Kamm naß macht, fo erfriert im Winter der Kamm und die Schellen am leichtesten. • ♦ • Wasserdichtmachen von Papiertapeten, Pappe U. s. w. Hierzu empfiehlt die „Pharm. Ztg." eine Auflösung von Schellack in Methylalkohol (Holzgetst). Nachdem die Lösung warm erfolgt ist, setzt man etwas Carbolsäure und fein verriebenes Bleiweiß zu und bestreicht die Rückseite der Tapete sorgfältig damit und läßt sie erst trocknen, ehe man sie auf die Wand klebt. Pappen kann man beiderseitig bestreichen. • Gefüllte Eier. Von hart gesottenen Eiern schneidet man die Spitze ab und schält das Innere vorsichtig heraus. Das Weiße der Eier, etwas gekochten Schinken, einige Pfeffergurken und Sardellenfilets schneidet man in kleine Würfel und mischt Alle» untereinander, das Eigelb dagegen drückt man durch ein Sieb und verrührt es mit Oel, Essig, Pfeffer und Salz zu einer dicken Sauce. Unter diese Sauce rührt man hierauf eine Mischung von */» Theelöffel Liebigs Flerschextract mit 3 Eßlöffel kochendem Wasser, in der man 2 weiße Tafeln Gelatine aufgelöst hat. Nun füllt man die Eier so mit dem Gehackten und der Sauce, daß diese unten, in die Mitte und oben kommt, schließt die Eier mit der abgeschntttenen Spitze und läßt sie erkalten, worauf man sie auf Endivienblätter anrichtet, die mit Essig, Oel, Pfeffer und Salz angemengt wurden. * Essenz von Apfelsinenschalen, auch Temperenzlerwein genannt. Man füllt eine Weinflasche zu ’/4 mit reinem weißen Tisch wein und giebt vor und nach die dünn übgeschälten, in kleine Stückchen geschnittenen Schalen fast bi» zur Füllung hinein. Nach einigen Wochen gießt man den Inhalt der Flasche in ein Gesäß und läßt ihn auf dem Feuer heiß werden. Hierauf siebt man die erhitzte Masse durch ein Haarsieb oder ein Mullläppchen, vermischt die gewonnene Flüssigkeit mit 4 bi» 5 Flaschen Weißwein, 4 bi» 5 Pfund Zucker und läßt da» Ganze ordentlich durchkochen. Die erkaltete Mischung füllt man auf Flaschen, verkorkt diese gut und stellt sie an einen kühlen Ort. Bei sorgfältiger Zubereitung ist diese Effenz dem Verderben nicht ausgesetzt. Zu einem Glas Limonade genügt •/< Glas Effenz. 80 - Frische Bratwurst erhält man nur selten gut; doch ist ee eine kleine Mühe, fie auf folgend«'Weise selbst zu bereiten : 1 Pfund gut durchwachsener Schweinefleisch (am beste» Karbonadenstück) wird zu kleinen Stückchen gewiegt, mit etwa« Salz und Pfeffer vermischt und vermittelst eine» Blechwursthörnchens in einen mitteldicken Darm gefüllt, den .man bei einem Schweineschlächter in der Regel für 10 Pfennige kauft. Den gefüllten, an beiden Enden mit einem Faden zugebundenen Darm läßt man in einem Tiegel (nicht zugedeckt) mit etwa» Butter und wenig Wasser auf jeder Seite ungefähr 15 bi» 20 Minuten langsam schmoren, dann allmälig gelb und braun werden. Literarisches — Di« Kritik, Wochenschau des öffentlichen Lebens. Herausgegeben von Karl Swneidt. Verlag von Hufgo Storm, Berlin W., Gleditschstr. 35. In Heft 17 (vom 26. Jrnuar) dieser imm^r interessanter sich gestaltenden Zeitschrift werden in einem „Lug'nsland" überschriebenen Artikel die bedeutenderen Ereignisse der letzten Zett vom Herausgeber der Zeitschrist einer stellenweise recht scharfen, an anderen Stellen auch wieder sehr launigen hun oristisch- fatirischen Besprechung unterzogen. Die in diesem Artikel enthaltenen Ausführungen find interessant und anregend selbst für Denjenigen, der nicht in allen Stücken dem Verfasser beipflichten kann. Die im Jnhaltsvcrzeichnitz angegebenen Untertitel lassen schon einen Rückschluß auf Geist und Inhalt der Plauderei zu. Sie lauten: Bismarcks Pelzmütze und Hohenlohes Genie. — Des Kaisers Wunschzettel. — Die Ordnungssäute Lenzmann. — Revolutionäres Wurst- papter. — Immer mehr Schulden! — Dem deutschen Reich und nicht dem deutschen Volke. — An wetteren lesenswerthen Beiträgen enthält dieses Heft: Leibliche und geistige Roth. Von E. Rebe. — Sascha Schneider. Von Fritz Stahl. — Social - philosophische Briese. — Von Dr. H. Eckener. — Staat und Chriftenthum. Von Leo N. Tolstoj. — Musikalische Indifferenz. — Von Paul Ertel. — Vom Büchertisch u. s. w. Für Gesunde und Kranke von gleicher Wichtigkeit ist eine Zeitschrift, welche in anschaulicher und gemeinverständlicher Weise Belehrungen über das weite Gebiet der Gesundheitspflege giebt. Wenn nun das betreffende Familienblatt auch noch billig ist, so sollte e« Niemand im Interesse seiner Kinder, Pflegebefohlenen und Familienangehörigen versäumen, das Blatt zu halten und zu lesen: Wir können darum Jedermann aufs Wärmste empfehlen: Der ärztliche Hausfreund. Gemeinverständliche Belehrungen für Gesunde und Kranke. Herausgeg. von Physikus Dr. A. Kühner, Chefredacteur der „Gesundheit, Zeitschrift für öffentliche und private Hygiene." Vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint monatlich zweimal. Verlag von Richard Böhm, Leipzig. Auch durch die Post zu beziehen. (Post-Zeitungs-Preisliste Nr. 33 »). — „Gesundheit ist ReichthumI" -st -st Richard Skowronnek, der junge talentvolle und erfolgreiche Dramatiker, beweist durch seine neueste, in den jüngst erschienenen Heften 9 und 10 von ,B0M Ael» »UM SRett* (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. Preis des Heftes 75 Pfennig) zum Abdruck gelangende Novelle „Mein Vetter Josua", daß er auch auf dem Gebiete Der Erzählung über eine reiche Skala von Stimmungen verfügt. Die, feinste psycholische Begründung mit fesselnder Handlung vereinende Arbeit, deren Inhalt eine tiesergreifende, zu einem dragischen Ausgange hindrängende Lebensgeschichte ist, gereicht der durch ihren bedeutsamen litterarischen Inhalt rühmlichst bekannten Halbmonatsschrift zur Zierde, die auch in ihren neuesten Heften eine Fülle des köstlichste» Jllustrationsschmuckes und deS interessantesten Lesestoffes bietet. Wir erwähnen unter den Illustrationen das in farbigem Aquarellfaksimiledruck hergi stellte Winterbild Friedr. Stahls, eine schmucke Eisläuferin „In voller Fahrt" darstellend, ferner die ansprechende Darstellung 6e8 Straßenlebens auf dem Kärntner-Ring in Wien, das pittoreske Bild „Die Pariserin" von E. de. Montzaigle, sowie die auf den Umschlägen sich präsentirenden Farbenbilder der „Hochzeitsreise um die Welt", welche dem Leser die Wunder des Pharaonenlandes vorführen. Lebhaftes Interesse dürfte auch die Studie über das Schweizer Parlament aus der Feder des Berner Schriftstellers Dr. I. Langhard erregen, die mit den Porträts der hervorragendsten Parlamentarier geschmückt ist. Weitere reich illustrierte Artikel wie „Die Visitenkarte", „Das Ende des Buches", „Im Pullmanwagen", „Alexander Girardi", „Deutsche Corpshäuser" u. a. m. zeigen die Vielseitigkeit des Blattes und die sorgfältige Berücksichtigung des modernen Lebens, die auch in dem reichhaltigen „Sammler" zum Ausdruck kommt, dessen Rubriken „Von Tag zu Tag", „Mode", „Hausgarten", „Sport", „Zum Kopfzerbrechen" für alle Mitglieder der Familie Unterhaltung und Belehrung bieten. Unser» Se ern sei die Geist und Auge gleich erquickende, mit Recht als das vornehmste unsrer illustrirren Blätter geltende Familienzeitschrift auf das Wärmste empfohlen. Redaction: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Glchcn. Famtz setzt genau: ein blasses ein Jeder blond, ziem Und i ein schmale dasjenige 6 zu plump e Das 1 Gertri Oskar, zum uns Ausba zu erwiderr nicht kräftil „Bleib tretend, wo werdet nicht Wesen bur$ Eindruck, £ wollte, als Gertra Handschuhen Schwägerin. , »Wir kommen," a Spiegel den „ »Herr ä fein, seine S fuhr Fanny sprechend, s und woher I K Gertrai Anstrengung, Handschuh b