1S95. Samstag den 13. Juli. Nr. 82 !■<£> ^miiiskblsflsk UnterhaUmigsdiaU ?nm Gießener Amcigcr (Generat-AnMer). rsi Die Tochter des Meeres. Semei sm ä. Kissi«. (ftfLvHjifcMnni 1 XLV. Cora war wie ein scheues Reh aus dem Zimmer geflohen, al» das Rollen des ankommenden Wagens an ihr Ohr schlug. Sie war nicht schüchtern, aber sie war überzeugt, baß man der Verdacht erregenden Situation die schlechteste Auslegung geben würde, daß es ihr buchstäblich an Muth gebrach, ihrer Beschützerin und den Auseinandersetzungen entgegenzutreten, die sie unvermeidlich von dieser und der gekränkten und getäuschten Trisia zu ertragen haben würde. Und als sie ihr Zimmer erreichte, brach sie in athem- losem Schrecken zusammen. „Wenn ich doch nur ein Mal wieder in dem einsamen Häuschen oder auch nur in dem bescheidenen Zufluchtsort bei Miß Minchin wäre I" klagte sie. „Dort war ich wenigstens nicht so abhängig!" Jetzt hörte fie Schritte . . . dann wurden plötzlich die Thüren geöffnet ... ein Schrei ertönte ... und dann folgte tiefe Stille, als ob das Zimmer, in welchem das Zwiegespräch stattfand, verschloffen worden wäre. Endlich ertönte eine Glocke; es eilte Jemand rasch die Treppe hinab, und dann gab das heftige Schließen der Hausthür genügend Kunde von dem Vorgegangenen. Es hatte vielleicht ein Streit stattgefunden, der mit der Entfernung des Herzogs endete. Was würde nun geschehen? Würde fie als gefährliche Betrügerin aus dem Hause gewiesen werden? Ach, es würde nur eine Wiederholung der Vergangenheit sein! Und stolz und voll Bitterkeit erwartete Cora diesen neuen Wechsel in ihrem Schicksal. Aber ihr Muth und ihre Festigkeit kamen ihr glücklicherweise zu rechter Zeit zu Hilfe, al» da» Oeffnen der Thür fie rasch aus ihren Träumereien weckte. Frau Digby kam in ihr Zimmer, noch in ihrer eleganten Theatertoilette. „Setzen Sie stch, Cora," sagte sie mit mehr Ruhe al» die Veranlassung ihres Besuches eigentlich zuließ. „Ich bin gekommen, Sie über etwas zu fragen, und hoffe, daß Sie mir die Wahrheit sagen, Cora," Hub Frau Digby an und beobachtete ruhig Coras aufgeregtes Gesicht- „Wo sind Sie mit dem Herzog von Dunkbar bekannt geworden ?* „Ich kenne ihn so gut wie gar nicht," antwortete das Mädchen. „Und doch können Sie ihm in meinem Haufe und während meiner Abwesenheit sogar eine lange geheime Unterredung gewähren?" „Ich bin nicht gewöhnt, zu lügen!" antwortete Cora in seltsam hartem Tone. „Damit geben Sie zu, daß Sie Unrecht gethan haben, und sehr, sehr viel zu gestehen und deshalb um Verzeihung zu bitten haben," sprach Frau Digby mit halb triumphirender, halb besorgter Miene. „Vielleicht gibt er eine viel mildere Auslegung für mein Zugeständniß," erwiderte Cora mit Würde in ihrem ganzen Ton und Wesen. „Wenn es nun wahr wäre, daß der Herzog von Dunbar in Ihrer Abwesenheit ohne mein Zuthun mich besuchte, da wäre es wohl kaum ein Verbrechen, daß ich ihn nicht sofort wieder aus Ihrem Hause wies, noch bevor er Zeit hatte, mir seinen Besuch zu erklären. Ist das ein Vergehen, Frau Digby?" Die Lady zögerte, denn sie war sich recht gut bewußt, daß dem Anscheine nach Coras Worte auf Wahrheit beruhten. „Doch müssen Sie fühlen, daß es sehr unschicklich von Ihnen ist, in meiner Abwesenheit Besuche anzunehmen," sagte sie sorschend. „Es lag auch gar nicht in meiner Absicht, es geschah ganz ohne meinen Willen," lautete die Antwort. „Ich hatte keine Ahnung von des Herzogs Besuch, ich glaubte nichts Anderes, als daß er mit Ihnen und Miß Digby in seiner Loge säße. Ich hatte in der That noch keine zwanzig Worte mit ihm gewechselt." R „So sind Sie schon früher mit ihm zusammengetroffen?" fragte die Lady. „Allerdings habe ich ihn einmal gesehen und habe ihn, al» ich ihm einst im Gebirge begegnete, um eine kleine Gunst da« Mädchen. „ Ä L.. „Allerdings mar ich Ihnen zu großem Danke verpflichtet, versetzte Frau Digby verlegen, „aber ich kann Ihnen meine aufrichtige Güte nicht besier beweisen, als dadurch, daß ich Sie von dem zurückhalte, was Ihr Glück und Ihren guten Namen untergraben würde. Sie müflen wissen, daß es geradezu Wahnsinn wäre, an ehrenwerthe Absichten seitens des Herzogs von Dunbar zu denken. Darum sollten Sie es mir Dank wissen, wenn ich Ihnen einen so unschicklichen und gefährlichen Verkehr untersage," schloß sie ziemlich stolz. „Der aus einer einzigen kurzen Unterredung bestand, füftte Cora kalt hinzu. „Warum schracken Sie dann davor zurück, daß ich Sie mit dem Herzog fände?" sagte Frau Digby triumphirend. „Sie dürfen mir nicht zürnen, Frau Digby, wenn ich Ihnen die Wahrheit sage," erwiderte Cora ruhig. „Ich floh aus dem Zimmer, weil ich glaubte, Sie würden den einfachen Zufall mißverstehen, wie das auch jetzt der Fall ist. Und," fügte sie hinzu, während sie ihre großen Augen mit unwider- stehlichem Ausdruck zu der Lady aufhob, „ich will es nur ge- stehen: ich habe auch schon zu viel von Mißverständnissen ge- XLVI. „Leben Sie wohl, Miß Nettal Erinnern Sie sich Ihr« Versprechens," sagte Rupert, als er dem jungen Mädchen tw letzten langen Blick zuwarf. Es lag in der That etwas in dem ganzen Auftreten dü jungen Seemanns, das wie ein Zauber auf das junge, M erfahrene Mädchen einwirkt. Er war so hübsch und sah P votnetyn aus. 8ä$cltt; roomu sie zurückschautr, als sie davonsprang, lag ein Triumph der Freude. „Sie ist ein reizendes GeschöpsI" dachte er bei sich, er sich von ihrem gewöhnlichen Zusammenkunftsort entfernte- „Und wenn unsere unschuldige Liebelei auch keinen Zweck h ' so ist sie doch ein Balsam sür das Herz eines schwergeprüften ^"und"eiV halb spöttisches Lächeln spielte bei diesem Gedanken um seine Lippen, als er mit einer ungeduldigen M wegung den Kopf zurückwarf und seinen Schritt plötzlich i P beschleunigte, daß er bei einer scharfen Wendung des Mg », wo die Zusammenkunft stattgefunden hatte, fast gegen litten, um vor weiteren solchen Prüfungen nicht zurückzuweichen. Frau Digby, Sie sprachen von Ihrer Trissa ... das Herz würde Ihnen brechen, wenn von ihr etwas so Unfreundlicher gesagt oder gedacht würde. Können Sie nicht mit mir fühlen, wenn ich Ihnen mein heiliges Wort verpfände, daß ich nie etwas gethan habe noch thun «erde, was eines Mädchens — einer jungen Dame, wenn Sie wollen — unwürdig wäre? Ist Ihnen das nicht genug?" „ .. „Dann können Sie fagen, daß Sie keinen Gedanken, keine Gelüste haben, um — wenn eine so wahnsinnige Idee mög. lich wäre — zu des Herzogs Höhe emporgezogen zu werden?" fragte Frau Digby zaghaft. „Gewiß nicht!" versetzte Cora bestimmt. „Es wäre Wahnsinn, daran nur zu denken . . . aber ich würde auch die Hand eines Prinzen nie annehmen, wenn ich ihn nicht liebte." „Das ist eine sehr richtige Ansicht, Cora, und hoffentlich auch Ihre aufrichtige Meinung/- erwiderte Frau Digby, „und das Beste in solchen Fällen ist, sich so viel als möglich vor jeder Gefahr zurückzuziehen. Es ist zum Beispiel sehr leicht möglich, daß der Herzog von Dunbar die ganze Saison über hier bleiben wird, da er eine große Zuneigung zu meinem i Sohne gefaßt hat und auch Trissa schon großes Interesse zugewendet, und ich hoffe, Sie werden durch ein zurückhaltendes Benehmen gegen ihn beweisen, daß Sie es mit Ihrer Erklärung ernst gemeint haben." Cora verneigte sich, mehr mit dem Stolz einer Königin, als mit der Ergebenheit einer Abhängigen. „Gut!-- schloß Frau Digby ausstehend. „Ich will Sie nun nicht länger von Ihrer Ruhe zurückhalten, Cora. Ich habe nur noch eine Bitte an Sie: daß Sie weder mit dem Herzog, noch mit Trissa über diese Unterredung sprechen. Sie | bleibe ganz geheim und sie wird hoffentlich nur dazu dienen, I daß in Zukunft Aller noch besser geht als bisher und meine I Gefühle der Dankbarkeit und Zuneigung gegen Sie sich er- I höhen- Gute Nacht, meine Liebe l" I ' Sie bog sich herab und drückte ihre Lippen mit etwas I heuchlerischer Zärtlichkeit auf des Mädchens Stirn. Doch war I es auch nicht böse von ihr gemeint. Sie erachtete er nur für I die Pflicht einer Mutter, zwischen dieses gefährliche Mädchen I und die glänzende Partie zu treten, die, wie siehoffte.ihrer Tochter jetzt in Aussicht stand. Und sie begab sich mit dem j beruhigenden Gefühl zur Ruhe, daß jetzt Alles in befriedigender Weise seinen Lauf nehmen würde. Dagegen währte es lange, bevor Cora ihr Lager aus- suchte und als sie ihre brennenden Wangen endlich in dis j Kissen drückte, da empfand sie ein bitteres Gefühl der Unterdrückung und Ungerechtigkeit in ihrer Brust, das den Schlaf von ihr bannte. Lieber wäre sie in die öden, einsamen Berg- I regionen zurückgekehrt, wo sie Nacht für Nacht in Kälte und 8 schwerer Sorge zugebracht hatte, al» daß sie auf diesem Lager I ruhte, daß in ihrer jetzigen Stimmung einem Dornenbett glich. gebeten/ erwiderte da» Mädchen stolz. „Dar war mein ein-1 ziges Zusammentreffen mit dem Herzog. Ich wußte damals j gar nicht, daß er der Herzog von Dunbar war." Frau Digby war etwas betroffen. Sie hatte ihr Wort j gegeben, die elternlose Waise über ihr vergangenes Leben nicht I mit Kreuz- und Querfragen belästigen zu wollen und sie wagte I nun kaum nach der Bedeutung dieser Anspielung zu fragen, I obgleich sie viel darum gegeben hätte, alle Einzelheiten dieser I geheimnisvollen Zusammenkunft zu erfahren. „Miß Cora/- fuhr sie deshalb mit sanfterer Stimme I fort, „warum wollen Sie mir nicht die Wahrheit über Ihre I Vergangenheit mittheilen? Halten Sie es nicht für besser, I eine ältere Dame, die Ihnen rathen kann, zu Ihrer Ver- I trauten zu machen?" Frau Digby hätte vielleicht das Gewünschte erreicht, wenn I ihr Ton ein aufrichtiger gewesen wäre. So aber wich Cora I instinetmäßig vor der Falle, die ihr gestellt war, zurück. „Ich bin Ihnen sehr dankbar für das Interesse, welches I Sie an mir nehmen,-- erwiderte sie ruhig, „aber ich möchte I lieber über die Vergangenheit schweigen. Die Erinnerung I daran ist zu schmerzlich und es find so viel Andere darein I verwickelt, daß er gewissermaßen Verrath wäre, ihre Namen I zu nennen.-- ,, , , I „Wenn Sie sich über die Vergangenheit nicht aussprechen I wollen, so können Sie sich doch wenigstens meinen Wünschen I fügen. Bedenken Sie wohl, daß ich Sie bereitwillig und ohne j weitere Fragen mit meiner Tochter in nähere Berührung ge- I bracht habe und es ist daher sehr nothwendig, daß Ihr ganzes I Betragen ein tadelloses fei-" „Sie brauchen keine Furcht zu hegen, Frau Digby! Ihre j Tochter wird keinen Schaden von meinem Umgang haben," erwiderte Cora stolz, „und so lange ich in Ihrem Hause bin, werde ich mich stets der Hausordnung fügen, wenn nichts Unbilliges voü mir verlangt wkcd/' • «Worüber Sie sich felbst zum Richter machen wollen, ! wie mir scheint?" entgeW-te Frau Digby erregt. „Rein, ich würde Sie selbst darüber entscheiden lassen, sagte das unerschrockene Mädchen. „Wenn ich ein freies Mitglied Ihrer Familie sein soll, so muß ich natürlich Minen eigenen Gefühlen folgen, es sei denn, daß Sie direkten Befehl zum Gegenthrtl geben. Wenn Sie nicht wünschen, daß ich einen Ihrer Gäste empfange, warum sagen Sie es mir alsdann nicht? Ich unterwerft mich gern, besonders unter der Bedingung, daß Sie mir erlauben, es Sir Fülle zu sagen, damit er mich nicht für albern und eigensinnig halte." Frau Digby wurde roth vor Aerger. „Ich verstehe," fagte sie, „Sie haben, wie Sie sehr gut wissen, einen Rückhalt an Sir Fülle." , „Und doch haben Sie selbst mir versichert, daß Sie mich gern und aus freien Stücken in Ihr Haus aufnehmen ; . • sonst würde ich nie darauf eingegangen sein," vertheidigte sich - 327 — zurückblieb. XLVII. „Lady Marian, es ist wohl unmöglich. Ich habe Lora zu sehr geliebt, um an einer Anderen dasselbe Gefallen zu finden. Ach, Lady Marian, die menschliche Natur mit all' ihren Leidenschaften ist in allen Schichten der Menschheit dieselbe! Natürlich können Sie nur jene Ihrer eigenen Sphäre be- urtheilen und ich hoffe, daß Sie in kurzem in einer paffenden, aufrichtigen Liebe Ihr Glück finden werden. Wenn ich irgend welche Nachrichten für Sie habe, werde ich dafür sorgen, daß dieselben Sie sofort erreichen und Ihre Besorgniffe zerstreuen, setzte er sanft hinzu. Und leicht die Land drückend, die fie ihm reichte, wandte er sich ab und verschwand in den Gebüschen, während Lady Marian in einem Zustand unerklärlicher, trauriger Enttäuschung Farben zeigte." , r Marian hatte dieser leidenschaftlichen Rede mit bang klopfendem Herzen zugehört und sie konnte nur zu schmerzlich mit ihm empfinden. Sie wagte nicht zu reden, aus Furcht, er könne ihr eigenes Geheimniß errathen. »Ich sehe, daß meine Erzählung Sie nur gelangweilt hat, Lady Marian," sprach der junge Mann traurig. „Verzeihen Sie mir!" „Nicht doch! Sie befinden sich sehr im Jrrthum," sagte fie seufzend. „Ich kann Ihren Kummer nur zu gut Mitempfinden ... ja, nur zu gut!" wiederholte sie leise, als die ganze bittere Erinnerung an die Vergangenheit ihr plötzlich durch den Sinn ging. „Dank, tausend Dank!" erwiderte er feurig. „Gott verhüte, daß Sie so zu leiden haben, wie ich." „Vielleicht finden Sie Trost bei einer Würdigeren," entgegnete sie theilnehmend. Rupert blickte sie mit ernster Theilnahme an und sagte: „Frau Digby, ich hoffe, daß Ihr junger Schützling nicht krank ist?" fragte der Herzog von Dunbar zögernd bei seinem zweiten Besuch nach dem denkwürdigen Theaterabend. Frau Digby empfand ein gewiffe» Unbehagen und ihre Tochter wurde roth vor Aerger und Eifersucht über diese unwillkommene Anspielung auf ihre verachtete und doch gefürchtete Nebenbuhlerin. n . „O nein, krank ist fie nicht," fagte die Lady zögernd: „sie ist nur mit ihren Studien beschäftigt . . - und S,e wissen vielleicht nicht, daß Sie nur bei besonderen Gelegenheiten in unserem Kreise zu erscheinen wünscht." „Ich glaubte, sie sei Ihr Mündel, Frau Digby, und wenn ich mich nicht irre, sah ich sie vor kurzem n einer von Sir Fulkes Gesellschaften," lautete des Herzogs kühle Antwort „Ja, mein Onkel hat es ganz besonders gewünscht, sagte Frau Digby, „aber sie weicht immer jeder Berührung mit Fremden aus, wahrscheinlich ihrer völlig dunklen Herkunft halber und aus Furcht, daß sie gelegentlich einmal darüber befragt werden könnte."- ., „ „Ich kann das gar nicht für fo schlimm ansehen, er« widerte Her Herzog. „Meiner Meinung naH . ist es viel beffer^ gar keine Verwandte als Wechte um ungebildete zu befitzen. 1 „sie mögen von Ihrem Standpunkte aus Recht haben," sagte Frau Digby mit erzwungenem Lächeln,, „ich aber bin, offen gestanden, für gute Herkunft fehr eingenommen. „Mit Recht, meine liebe Lady!" sprach der Herzog kühl; „aber wie ich soeben bemerkte, würve Miß Cora sich sehr natürlicher Weise ganz der Familie anschließen, die sie mit ihrer Anmuth und ihren Talenten erfreut. Ja, ich glaubte in der That, mehrfachen Anspielungen von Sir Fulke entnehmen zu I dürfen, daß Ihrem eigenen Sohn das Glück einer solchen Ver- I bindung bestimmt sei." I „Mein Sohn Granville! O nein!" rief Frau Digby ganz I entrüstet aus. „Ich bin überzeugt, daß ihm eine solche ^dee I nie in den Sinn gekommen ist!" „Dann ist er weniger scharfsichtig, als ich geglaubt hatte, I entgegnete der Herzog- „Ich werde Herrn de Bettune sagen, I daß das Feld frei ist, denn ich bin überzeugt, daß er in dieser I Richtung gewiffe Wünsche hegt." „ . | W Mit diesen Worten stand der Herzog auf und empfahl I sich in sehr herzlicher Weise, aber, wie beide Damen bemerkten, I ohne mit einem Wort zu «wähnen, daß er seinen Besuch zu I wiederholen gedenke. (Fortsetzung folgt.) Madame Sans Göne. Roman nach Victorten Sardou und F. Morroan. Deutsch von Adel» »or«or. (Fortsetzung.) Mit der Zustimmung Hoches erhob sich Lefebvre, lief I aus die Straße, holte den Kapitän und seine Gefährtin ein, | und theilte ihnen die Einladung mit. Die erste Bewegung Bonapartes war, es abzuschlagen, I denn er empfand nie Hitze Koder Durst. Außerdem durften I er und das junge Mädchen, basier begleitete, keine Zeit weibliche Gestalt anramte, die von der entgegengesetzten Rich. । tun0 Emirat gerade noch rechtzeitig bei Seite, um einen Zu-1 tammenstoß zu verhindern und mit einem um Entschuldigung I Laudon Gruß den Lut ziehend, wollte er weitergehen. I ^ Aber ein Ausruf, dessen Worte ihm kaum verständlich | u-bfeta Bl» bwitte ben glänzenden Augen Lady Marian Biddulphs. I b Er war nicht eingebildet, aber unmöglich onnteihment. I gehen, wie es bei diesem unerwarteten Begegniß in des Mäd- I *“ SSÄ unb «t«e Ihm mwwm.g« Me S. M°. M-l °ft- »i-q«, «---Ich « ft- - Sora meine ich — nicht so weit gereist oder ist Lord . . . I Sie stockte, denn die Stirn des jungen Mannes ver- de, fth-t- E 6«;" -°d „Darf ich eine gleiche Frage an Sie richten?" fuhr er fort, I als wolle er der Unterhaltung eine andere Wendung geben. I „Bei Ihnen ist e» jedenfalls etwas Anderes ... Sie können I nach Belieben Herumreisen, wo Sie wollen." Marian schüttelte traurig den Kopf. „Leider muß ich sagen, daß das nicht der Fall isi-MA Vater ist infolge eines unglücklichen Sturzes sehr leidend und deshalb von den Aerzten auf einige Zeit hierhergeschickt worden. Ich ließ mir ftetlich nicht träumen, daß ich einem bekannten Gesicht hier begegnen würde," fuhr sie halb verlegen fort, „aber mir wurde gefaßt, daß Lady Emily und ihre Nichte hier feien und ich fürchte mich vor dieser Begegnung, obgleich ich sie für unvermeidlich halte." „Ein großherziges Mädchen kommt leicht über solche Un- annehmlichkeiten hinweg, Lady Marian," erwiderte er. „Kennen Sie Miß Cora?" fragte Marian rasch. „Und wollen Sie mir s-gen, aus welchem Gründe das unglückliche Mädchen die Beschützer ihrer Jugend'sö früh verließ?" „Das ist nicht leicht zu sagen," erwiderte Rupert ernst. „Ich habe Cora al» kleines Kind aus einem fernen Lande von halbwilden Eingeborenen förmlich gekauft und zu meiner Mutter nach Bremen gebracht, um Cora der Barbarei und dem Elende zu entziehen." , „ ,fL m „„ „Wie kam Miß Cora zu den halbwilden Menschen? frug Marian erstaunt. . ., „Ein englisches Schiff war dort untergegangen und die Eingeborenen, hatten das Kind aus den Wellen gerettet. Ich klebte Cora erst wie ein Kind und als sie zur Jungfrau heranwuch», da schwor ich mir im Stillen, daß keine Andere als Cora meine Frau werden sollte ... bis ich erfuhr, daß sie bei der ersten Versuchung, bei der ersten Aussicht auf Pracht und Reichthum mich vergessen hatte I . . . Und dennoch konnte ich sie nicht aufgeben. Ich folgte ihr nach England. Ich sparte weder Zeit noch Mühe, bis ich ihre neue Heimath entdeckt hatte. Stellen Sie sich vor, was ich empfand, als sich die Verlorene beim Wiedersehen mir in den schwärzesten verlieren, wenn sie das Marktschiff nach SSvres, das in einer Stunde abging, erreichen wollten. „Pah, um fünf Uhr geht ein anderes," sagte Lefebvre. „Das Fräulein wird vielleicht nichts dagegen haben, sich einen Augenblick auszuruhen," fügte er hinzu, indem er sich zur Begleiterin Bonapartes wendete. Dar junge Mädchen entgegnete, daß sie gern ein Glas Wafler annehmen wolle. Bonaparte folgte also Lefebvre. Ein Tisch und Stühle wurden herbeigebracht, die auf der Landstraße in den Schälten gestellt wurden, dann Gläser und zwei Flaschen eine» guten säuerlichen Weines, der von den Hügeln von Marly her» stammte. Man stieß auf die Nation an, und Bonaparte, etwas heiterer geworden, stellte seine Schwester Marie-Anne vor, bester bekannt unter dem Namen Elisa, die in der Folge Felix Bacciochi heirathen und nacheinander Fürstin von Piombino und Lucca, später Großherzogin von Toscana werden sollte- Elisa, deren beständige Streitereien einst gleich denen ihrer Schwester die Geduld Napoleons erschöpfen sollten, die inmitten seiner Galanterien widerspenstig war und sich höchst eifersüchtig auf ihre jüngeren Schwestern, die Könige geheirathet hatten, erwies, war damals sechzehn Jahre alt. Sie ahnte nicht ihre zukünftige Größe, noch die neidischen Gelüste, die deren Folge sein sollten. Sie war ein großes, braunes und magerer Mädchen, mit mattem Teint, sehr schwarzen und sehr üppigen Haaren, starken, Sinnlichkeit verrathenden Lippen, etwas vorstehendem Kinn, mit einem Gesicht von vollkommenem Oval und einem tiefen und intelligenten Blick. Ihr ganzes Aussehen war von Hochmuth getränkt, und ihr Auge ruhte verächtlich auf den kleinen Leuten, mit denen sie sich vor dem Laden der Obsthändlerin zu Tische setzen mußte. Elisa war eines jener Fräulein von Saint-Cyr, deren nach den Regeln der Madame de Maintenon geleitete Erziehung aus der königlichen Schatulle bestritten wurde, und die sich Alle als dem Schädel Jupiters entsprungen hielten. Ein Decret vom 16. August hatte das Erziehungshaus von Saint «Cyr als einen royalistischen Herd unterdrückt. Die Eltern waren genöthigt worden, ihre Töchter so rasch als möglich zurückzuholen, und die Anstalt leerte sich schnell. Bonaparte hatte aus Mangel an Geld lange gezögert, seine Schwester aus dem aufgehobenen Kloster abzuholen. Das Haus mußte jedoch im September vollständig geräumt sein, und Elisa richtete daher auf den Rath ihrer» Bruders eine Bitte an das Directortum von Versailles, man möge ihr die nothwendige Summe geben, damit sie zu ihrer Familie zurückkehren könne- „ „ Aubrun, damals Bürgermeister von Versailles, stellte ihr ein Zeugniß aus, welches constatirte: „das Fräulein Marie- Anne Bonaparte, geboren am 3. Juni 1777, am 22. Juni 1784 als Zögling in die Erziehungsanstalt von Saint-Louis eingetreten, sich dort noch befinde und die Summe von 352 Livres erbat, um sich nach Ajaccio, dem 352 Meilen entfernten Wohnort ihrer Familie zu begeben." Laut dieser Autorisation war Bonaparte am Morgen »ach Versailles gekommen, um seine Schwester abzuholen. Er führte sie mit sich nach Paris und begab sich von dort nach Corsica. Lefebvre und Hoche beglückwünschten den Kapitän, daß es ihm aus diese Weise gelungen sei, die zarte Familienangelegenheit zu erledigen. Bonaparte theilte ihnen gleichzeitig mit, daß die Verpflichtung, seine Schwester nach Hause zu bringen, ihm erlaubt hatte, seine eigene Wiedereinsetzung in die Armee mit größerer Energie zu verlangen. „Sie werden also bald wieder zu Ihrem Regiment stoßen?" fragte Hoche mit Jntereffe. (Fortsetzung folgt.) machen!" „Der Kriegsminister hat mich mit meinem Kapitän»- rang dem 4. Artillerie-Regiment zugetheilt; aber ich gehe nach Corsica, um meine Schwester zu begleiten," antwortete Bonaparte. „Ich bin autorisirt, dort wieder da» Kommando meines Freiwilligen-Bataillons zu übernehmen." „Viel Glück, Kamerad," sagte Hoche. „Geht es vielleicht dort auch los?" „Es geht überall los." „Wie schade, daß man sich nicht zu gleicher Zeit auf zwei Stellen tödten lassen kann," sagte nun mit Enthusiasmus Catherine, deren Zünglein schon brannte. „Ah, meine Freunde, wenn das Glück mir günstig ist," rief Bonaparte mit Ueberzeugung, „dann werde ich Euch schon Gelegenheiten geben, mit Ehren zu fallen oder Ruhm, Titel, Würden und Reichthum in der Furche des Siege» zu finden! Aber entschuldigt meine Schwester und mich, es wird spät und wir müssen uns zu Fuß nach Ssvre« begeben." „Und wir, ehe wir uns auf den Weg machen, um dar von den Preußen bedrohte Verdun zu befreien, müssen nach Paris zurück und diesen künftigen Husaren mitnehmen," sagte Catherine fröhlich, indem ste auf den bereits ganz reisefertigen, kleinen Henriot deutete. Das Kind betrachtete ungeduldig alle diese Leute, die plauderten und gar nicht daran zu denken schienen, sich auf den Weg zu machen. „Vielleicht sehen wir uns wieder, Kapitän Bonaparte," sagte Hoche, seinem Kameraden die Hand drückend. „Auf dem Wege de» Ruhmes," fügte Lefebvre hinzu- „Um dahin zu gelangen, müssen wir da» Marktschiff beim Pont de Sovre» besteigen," sagte Bonaparte lächelnd. „Kommen Sie, Fräulein von St Loui»," fügte er, gegen seine Schwester gewendet, hinzu. Unterwegs plauderten sie miteinander. „Wie findest Du diesen Kapitän?" fragte Bonaparte die Pensionärin. „Den Kapitän Lefebvre?" „Rein — der ist ja verheirathet. Seine Frau ist diese gute Seele von Catherine. Aber der andere, Lazare Hoche." „Er ist nicht Übel." „Würde er Dir als Mann gefallen?" Die künftige Großherzogin erröthete und machte eine abwehrende Bewegung. „„ , t m . „O, er paßt Dir also nicht," sagte lebhaft der Bruder, ihre Bewegung als Weigerung auslegend. „Das ist schade. Hoche ist ein guter Soldat, er hat eine Zunkunft vor sich. „Ich habe nicht gesagt, daß Hoche mir mißfällt," mur> melte Elisa- „Aber, lieber Bruder, ich bin zu jung, um ans Heirathen zu denken und dann . . ." „Und dann?" L . „Möchte ich nicht einen Gatten, der nicht dem Kon g ergeben ist. Nein, einen Republikaner werde ich niemals heirathen." „Du bist also Royalistin?" „In Saint-Cyr waren es Alle." „Nun, da« rechtfertigt ja das Aufhebungsdekret," sagt Bonaparte lachend. „Seht mir diese Fräulein von St- Lom» an. Solche Aristokratinnen. Es wäre vielleicht nothwendtg, einen neuen Adel zu schaffen, um Gatten für sie zu finden. „Und warum nicht," antwortete die hochmüthige EM Bonaparte runzelte die Stirne. Die Antwort Elisa» choquierte ihn nicht, aber ihre hohen Ansprüche beunruhigten $ „Nun, da wird es ja leicht sein, ihr einen Mann zu verschaffen," dachte er. „Meiner Treu, diese kleinen Mädchen haben von nichts eine Ahnung. Ohne Mitgift, m Brüdern ohne Stellung — und das will noch Schwierigkeit Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) ttt