UnterhaUimgsblatt ;»m Kießrner Anpiger (Genrml-An;eiger). V « xMV V V ü in 11 ic r bisiki' l WIv ■ WU DM EÄK WWL: MH gMLM uuumks Unebenbürtig. Rvman von H. von Siegler. (Fortsetzung.) Völlig vereinsamt stand die arme Frau in dem Park, den sie so oft al» Kind in tollem Uebermuth durchjagt; sie war eine Fremde geworden, losgeriffen von Heimath und Familie um de» Einen willen, den sie so innig liebte und um derentwillen sie auch nicht eine Minute bereute, sein Weib geworden zu sein. Blauer, lachender Frühlingshimmel wölbte sich über ihr, jubelnd stiegen die Lerchen empor, aber dennoch flössen ihre Thränen heiß und unaufhaltsam. Und dann verließ der Zug da» Schloß. Durch die schwachbelaubten Bäume sah Therese den schwarzbehangenen Leichenwagen, die Leidtragenden und da» Pferd de» Vaters, da sank sie in die Kniee und faltete die Hände über der Brust. „Lebe wohl, Du Theuerster, ich habe Deinen Abschieds» kuß empfangen! Nein, nein, Du hast mir nicht geflucht, Du liebtest Dein verstoßenes Kind doch noch zärtlich — und er thut es ebenfalls, Rudolf, der nun allein übrig bleibt auf dem Wildenstein. Gott segne ihn, ich — werde ihn nie Wiedersehen I" Mit zitterndem Herzen stand auch der Erbe de» Heim» gegangenen, Graf Rudolf, drunten am Sarge und verbarg da» Antlitz mit der Hand. Die feierlichen Segensworte des Geistlichen erklangen durch den dumpfen, modergefüllten Raum, die Blumen dufteten betäubend, die Sonnenstrahlen huschten scheu hinab in da« Gruftgewölbe — einen Moment wankte der starke Mann, als müsse er sinken. Da faßte ein starker, treuer Arm den seinen, an seiner Seite stand Hohenthal und blickte ernst und theilnehmend in sein verstörtes Antlitz. „Muth, Rudolf/ murmelte er, als die Anderen sich entfernten, „wie lange dauert'«, dann dürfen auch wir hierUiegen und ausruhen vom Erdenleid. Es ist ja nur eine Prüfungszeit auf Erden, Gott wird uns doch endlich die Bürde abnehmen — ich leide nicht weniger vielleicht al» Du." Sin stummer Händedruck, ein schwerer Seufzer, und Graf Rudolf wandte sich, um zu gehen. Fünf Jahre sind vorüber, Flur und Wald stehen wiederum in voller Blüths, der Himmel wölbt sich klarblau über der Erde, die Vögel zwitschern in den lichtgrünen Zweigen- Durch die menschenbelebten Straßen der Hauptstadt schlendert ein ernster Mann mit tiefgebräuntem Antlitz und nachdenklichem Ausdruck in den dunklen Augen; es ist ihm Alles bekannt und doch auch völlig fremd, denn dis Jahre rauschten vorüber, seit er zuletzt hier gewesen und drüben im dunklen Welttheile Afrika hat er vergessen, wie's in der Heimath zugeht. „Daheim," murmelte Graf Wildenstein schwerseufzend, „daheim — und dennoch so einsam wie draußen in der Wüste." Er ist dreißig Jahre nun und wie einst, als er um Melanie von Roden warb, noch schön, stattlich und vornehm. Er hatte am Aequator gelebt und gekämpft, hat mehr gesehen wie so Mancher daheim im Vaterlande und steht doch allein inmitten dieses hastenden, jagenden Menschenknäuels. Als fein Vater gestorben, hatte Graf Rudolf einen tüchtigen Verwalter für den Wildenstein genommen und Hohenthal gebeten, die Aufsicht über das Ganze zu übernehmen, denn ihn litt es nicht in den hohen, leeren Räu iten, welche nun so völlig einsam standen; überall schienen ihm die ge liebten Todten zuzunicken und Theresen» trauriges Gesicht, wie er e» zuletzt gesehen, als sie hinabstieg in die Gruft, umweht von Trauerfloren, stahl sich bis hinein in seine Träume. Da damals eine wissenschaftliche Expedition nach den Nilquellen in der Residenz ausgerüstet wurde, schrieb Widm- stein an das Eomitö, um zu fragen, ob er sich auf feine Kosten wohl anschließen dürfe; natürlich lautete die Antwort bejahend und drei Wochen später reiste Graf Rudolf nach Hamburg ab, von wo aus die Expedition sich einschiffen wollte. Der Abschied von Hohenthal war ihm ebenso schwer gefallen, al» dem Baron selbst. „Lebe wohl," hatte Letzterer ernst und wehmüthig gesagt, „am liebsten wäre ich mit Dir dem herben Schmerze entflohen, der mich hier überall umgibt; allein ich darf nicht, e» wäre pflichtvergessen- Ich will au«, harren auf der Scholle meiner Väter, wohin mich der Allmächtige gestellt; auch Dein Eigenthum soll nun unter meiner Obhut sein, Rudolf! Ich werde täglich hinüberreiten und nach dem Rechten sehen." „Tausend Dank, mein lieber Freund! Wenn ich wie Du wäre, dann bliebe ich auch; doch, Eduard, i« ist nicht nur 114 der Schmerz um die Lobten — sondern um die Lebende, der mich forttreibt! Ich konnte nicht und durfte nicht anders handeln, aber hier drinnen in der Brust wühlt ein Stachel „Kehre gesund zurück, Rudolf, und schreibe mir, so oft Du kannst; ich werde Dir getreulich Alles berichten, was hier geschieht — Aller, hörst Du! Wegen des Wildenstein kannst Du ohne Sorge reisen, ich verstehe mich, wie Du weißt, auf die Landwirthschaft und sorge sür das Besitzthum" So reiste der Graf denn ab und Hohenthal blieb; er wurde von dem Tage an noch ernster und stiller, zog sich in sich selbst zurück und lebte nur allein der strengsten Pflicht« erfüllung. Seine größte Genugthuung bestand darin, dem Freunde alle Halbjahre die vortrefflichsten Berichte zuzusenden, die dann auch voll warmen, herzlichen Dankes ausgenommen wurden. Monatelang hörte der Baron nicht« von dem Grafen, eines Tages erhielt er aus Marseille einen Brief: „Ich bin im Begriffe, heimzukehren; ist es Dir möglich, mich aus der Hauptstadt abzuholen, so komme um den 20. Mat herum zu mir in das . . . Hotel." Heute war nun der genannte Termin und Wildenstein erwartete unruhig den Freund; er kam soeben vom Bahnhofe, wo er vergeblich unter den Paffagieren Umschau gehalten; war mochte dem sonst so Pünktlichen dazwischen gekommen sein, daß er dar anberaumte Rendez«vou« vergessen. Unschlüssig blieb der Graf an einer Litfaßsäule stehen, um die Theaterzettel zu lesen, er wollte die Auswahl treffen, welches Stück er heute Abend sehen könne. Da mit einem Male überlief den kräftigen Mann ein nervöses Zittern, unverwandt, starrenden Auges stand er da und blickte auf die eine fettgedruckte Annonce: „Opernhaus. Einmalige« Gastspiel des Bariton Herrn Friedrich au« Mitau." War'» denn möglich, zur Stetten befand sich in der Hauptstadt, vielleicht mit ihr — Therese! Wie ein Alp legte es sich auf Rudolfs Brust, er mußte sich anhalten, um nicht zu finken und dann brach eine unsägliche, reine Freuds durch da» Chaos in seinem Innern. Beim ersten Schritt auf heimathlichem Boden begegnete er der heißgeliebten Schwester, die er einst in starrer Unbeugsamkeit von sich gestoßen! War da« nicht ein Gotteswink, sie wieder aufzusuchen, sich rmt ihr wieder zu versöhnen? Ja, dann würde er nicht mehr so einsam und verlassen sein, würde ein Heim besitzen, welches durch der kleinen Nora sonniges Lachen wieder erhellt und verschönt wäre. Ohne sich weiter zu besinnen, eilte er in'« Opernhaus, sich ein Billet zu holen, dann schritt er langsamer, sinnend dem Hotel wieder zu. Eine Fluth von Gedanken durchwirbelte sein Hirn, am liebsten wäre er sogleich zu Therese geeilt, um sie an sein Herz zu schließen; aber Geduld, es dauerte nur noch wenig Stunden bis zum Abend. Da plötzlich brauste um die nächste Ecke eine Cavaleabe, voran eine Dame im rothseidenen Reitkleide, laut lachend und scherzend, an ihrer Seite ein junger Offizier, der nur Äug' und Ohr sür sie zu haben schien. Wildenstein hatte zuerst nur flüchtig, gleichgiltig hingeblickt, doch al« er im Sonnenschein da« Haar der Reiterin röthlich flimmern sah, da schaute er fie genauer an. L _ „Melanie, sie selbst in der That! Und wo ist der Fürst, ihr Gatte?" Mitten auf der Straße stand ein einziger Kinderwagen, darin schlummerte sorglos ein kleines Mädchen; wahrscheinlich mochte die Wärterin in einen nahen Laden gegangen sein, ohne zu ahnen, in welch' ernste Gefahr ihre Schutzbefohlene gerathen werde. Die Eavalcade kam näher, das Pferd der Dame bäumte und tänzelte schnaubend, sie riß e« nicht herum und ihr Be- gleitet sah wohl kaum den Kinderwagen, al« im letzten Moment eine nervige Männerfaust da« hoch ewporsteigende Roß niederriß und sodann am Zügel seitwärts lenkte- Hoch und finster stand Graf Rudolf vor der schönen, laut aufkreischenden Reiterin und sagte streng: „Ein anderes Mal möchte ich doch größere Vorsicht anrathen, gnädigste Fürstin. Ein Menschenleben ist doch zu edel, um für eine Laune auf'» Spiel gesetzt zu werden." Die Dame zuckte zusammen, glühendes Roth färbte ihre Wangen und sie entgegnete hastig: „Nun, mein Herr, Sie lnd sehr kühn und muthig, doch würde ich Ihnen rathen, ein andermal Damen der vornehmen Gesellschaft mit Ihren Rathschlägen nicht zu belästigen." „Der Wink ist schätzenSwerth. Bisher sah ich bei meinen Standesgenossen stet» weibliches Taktgefühl und Mitleid für Diejenigen, welche ohne ihr Zuthun in Gefahr geriethen. Sie erlauben mir, Frau Fürstin, daß ich mich Ihnen bekannt gebe." Und mit einer tiefen, spöttischen Verbeugung entnahm er seiner Brieftasche eine Visitenkarte, sich nach Überreichung derselben sogleich entfernend. Die schöne, rothhrarige Fürstin Porscu blickte halb neugierig, halb ironisch auf das gelbliche Kartenblatt in ihrer Hand. Aber was war das? Es trug die neungezackte Grafenkrone und den Namen: „Rudolf Graf von und zum Wildenstein." „Ach, der schöne, romantische Graf aus Afrika," rief sie überrascht, „da» hätte ich nie gedacht 1 Ec scheint einigermaßen Wüstenmanieren angenommen zu haben, aber das schadet nichts; ich hätte ihn so gern als Jugendfreund begrüßt." Aber der romantische Graf dachte keineswegs an die reizende Amazone, welche er eben so unritterlich behandelt; seine Gedanken flogen zu einer Anderen, nach der sich sein Herz gesehnt seit langen Jahren. 6 „Therese, ich komme zu Dir, endlich — endlich!" flüsterte er wiederholt. m , p „ , _ , Im Hotel angelangt, fand er einen Brief Hohenthal« vor, über den er verwundert den Kopf schüttelte. Derselir lautete: t „Lieber Rudolf! Ich bin gleichfalls in der Residenz, kann Dich jedoch erst am 2 t. d. M. aufsuchen, da ich vorher noch eine ernste Pflicht erfüllen muß. Kannst Du mich also selbst besuchen, um so lieber! Dann komm' am 21. Nachmittags zu mir; wir haben uns viel zu erzählen, auch schwere, trübe Nachrichten warten auf Dich. Auf Wiedersehen denn. In treuer Freundschaft Dein Eduard." „Guter, alter Pessimist," sagte Wildenstein vor sich hin, „er ist nun wohl einige vierzig Jahre alt und wird immer mehr ein alter Junggeselle. Er konnte eben Theresen« Verlust nicht ertragen; armer Eduard!" Er schellte und als der Kellner eintrat, bestellte er sich Abendbrod, fragte auch gleichzeitig, wer den Brief abgegeben „Ein Kellner aus dem Fürstenhof, Herr Graf," berichtete der Mann dienstbeflissen, „er meinte, der Herr Baron, welcher die Besorgung bestellte, kämen vielleicht erst in der Nacht wieder zurück." , „Es ist gut. Wann fährt der Wagen in's Theater?' „Um acht Uhr, Herr Graf." „Ich will ihn benützen, lassen Sie es mich wissen. In der Loge, worin Graf Wildenstein feinen Platz hatte, faßen erst einige sehr elegante, sehr gesprächige und nicht übermäßig fein aussehende Damen, welche ihre Unterhaltung nur auf Augenblicks unterbrachen, um ihn zu mustern, und sodann ungenirt weiter schwatzten. „Sonst ist die schöne Frau stet« so pünktlich, aber vielleicht ist sie noch vorher geritten." „Fürst Porscu muß ein nachsichtiger Gatte sein- „Aber wo denken Sie hin! So geschmacklos ist die schöne Durchlaucht nicht, wie andere Sterbliche mit ihrem Gemam zu leben; er ist schon seit dem Herbst in seiner Heimath, wo er bet Hofe eine angesehene Stellung bekleidet und währenddem amüstrt sich die schöne Dame hier allein." „Ah bah, allein gewiß nicht. Sie hat immer einen Schwarm von Herren im Gefolge." „Sie ist wirklich schön, diese» rothe Haar findet man 17L Stirnaber schwoll bedenklich; es war keine günstige Zeit, die sich die Fürstin zum Erneuern ihrer Bekanntschaft ausgesucht. Der Vorhang fiel und nun mit einem Male wandte fie sich bezaubernd lächelnd zu ihrem Nachbar- „Sie kennen mich also gar nicht mehr, Graf Wilden» stein?" fragte sie kokett. „Und doch habe ich Sie, auch ohne Vorstellung, auf den ersten Blick wieder erkannt." „Ich besitze dasselbe gute Gedächtniß, Durchlaucht, Ihr Haar allein schon würde Sie auch solchen Menschen verrathen, die Sie weniger gut kennen, als ich die Ehre habe," erwiderte Wildenstein kühl. „O, so müßte ich noch mehr zürnen, Herr Graf, daß Sie nicht zu mir kamen, trotz unserer alten Freundschaft." „Ich war mehrere Jahre verreist und bin erst seit vier» undzwanzig Stunden wieder hier, Frau Fürstin," entgegnete der Graf ernst und ablehnend, „und will keinerlei gesellige Beziehungen anknüpfen, sondern nur in mein Heim zurückkehren." Verführerisch schimmerten Melanies dunkle Augen, doch umsonst! Einmal hatte sie ihn bethört und nie wieder; er gehörte nicht zu den Leichtgläubigen, welche rasch vergessen. Als dann Stetten als Wolfram wieder auftrat, als er mit unendlicher Wehmuth das Lied an den Abendstern fang und Wildenstein tiefergriffen lauschte, da bog sich die Fürstin zu ihm, daß die Spitzen ihres Aermels seine Hand streiften und flüsterte ihm leise zu: „Haben Sie ihn wiedererkannt, den interessanten Mann, der Therese heimführte?" gestorben!" Ein scharfer Stich drang durch Wtldensteinr Brust; das war der Ton, den er selbst einst angeschlagen, als das schöne, junge Weib an des Vaters Leiche vor ihm gestanden; denn alle Schuld rächt sich auf Erden- „Stetten," begann er noch einmal und bot dem Sänger die Rechte, „wollen Sie unversöhnlich sein? Ich komme zu Ihnen, ein Anderer al« der Waldenstein vor Jahren, um mich mit Ihnen und Therese zu versöhnen." „Es ist — zu spät," murmelte der Angeredete und stöhnte so qualvoll auf, daß Rudolf erstaunt zu ihm aufsah. „Rein, nicht zu spät," rief er eindringlich. «Nehmen Sie die Hand, welche ich Ihnen biete, lassen Sie mich Ihr Schwager sein um des Herrgottes Willen da droben im Himmel!" , L „ „Nicht doch, Herr Graf," erwiderte der Sänger und blickte finster zu dem Sprecher auf, „Sie haben einst das Tischtuch zerschnitten zwischen der hochgeborenen Grafensamiiie auf dem Wildenstein und der Gattin des schlichten Sängers; der Riß bleibt und läßt sich nie mehr ungeschehen machen. Glauben Sie mir, es ist besser so!" „Und Therese?" fragte Wtldenstein ganz erschüttert. Wird auch sie des Bruders Bitte abweisen und mich nicht mehr sehen wollen? O, mein Herr, wissen Sie, daß ee erbarmungslos ist, ein solches Verlangen wie das meine schnöde ab,»weisen?" (Fortsetzung folgt.) tl.... hip, Kttaubernde naive Lächeln — man begreift, e Aber ein Blick unnahbarer Abwehr, schneidender Kälte M S!Mw&rmen" I traf jetzt die Dame, und ohne zu antworten sah der Graf auf daß die ^^Esi^?at schon mancher Unheil angerichtet; kennen I die Bühne. Doch Melanie ließ sich nicht abschrecken, und Sie nickt die Geschichte jene» spanischen Gesandtschaftsattaches, I schmeichelnd flüsterte sie ihm zu: "Dirnen Sie mir, Herr ®™ ZZ m Ä a«»" I Graf, daß ich diesen wunden Punkt berührte? Sie wissen, bet ^Still da kommt sie! - Willkommen, Durchlaucht, wir I wie herzlich ich Antheil an 3^em Befinden nehme." , , "TV"! rZrtft hi.f @ie gewartet" I „Ich danke Ihnen, Durchlaucht, aber es gibt angelegen» $öt"effieä tttde eine ®tege80ötHtt rauschte Fürstin I Helten, an die auch wahre Freundschaft nicht rühren darf." Melanie Vorscu in die Loge, gefolgt von jenem Offizier, der I Kaum war der Vorhang gefallen, so stand Wildenstein ™w lit neffi wm. I auf, verneigte sich leicht vor der schönen Fürstin und eilte, $eU Lächelnd begrüßte sie jene beiden Damen, und nahm dann I ohne sich weiter um diese zu kümmern, hinaus. Er wollte tbren Sitz ein dicht neben Graf Wildenstein, ihr grauer I und mußte Stetten sprechen. War fragte er letzt «ach dem Atlaskftid streifte ihn, doch keine Muskel zuckte in seinem schönen rothaarigen Weibe, deren vollen Zorn er sich zweimal Antlitz er nahm völlig gleichgiltig den Operngucker auf, um | an einem Tage zugezogen! Nur fort wollte er, ihm schien B bK ^reiUS die alte Bekanntschaft auszufrischen, ließ sich nicht So schritt denn Graf Rudolf wartend hin und her, ohne loaleick aursübren denn die Ouvertüre der Oper „Tannhäufer" I auch nur mit einem Blicke nach den kichernden Schausplele- beaann Wildenst'einr Blick streifte den Theaterzettel und der I rinnen zu sehen, die den ernsten Mann erstaunt anblickten. S J« von Eschenbach sang. Sollte er ein Verwandter von ©tetten gab seinen Gedanken sogleich eine andere Richtung. Wie hatte I ebenfalls so kühl ablehnend und gar nicht collegialisch zu der Graf sich doch draußen in den Wüsten Afrikas geändert! I ihnen. ,K. Wo war der starre Stolz geblieben, der unbarmherzig, wenn I Endlich öffnete sich die Thür, der länger erschien im schon unter den bittersten Seelenqualen, die einzige Schwester j Rahmen derselben, fertig zum Fortgehen und Blicks sehr zu verstoßen vermochte, um den Stammbaum tadellos zu er» verwundert auf, als em Sremtier zu ihm trat und mit kalten! I regier Stimme um einige Minuten Gehör bat- c>ekt verlangte es ihn sehnsüchtig nach Therese und deren | „Ich habe zwar nicht die Ehre, Sie zu kennen , herzigem blonden Kinde, welches er damals so unfreundlich von I meinte Stetten höflich,, „doch bitte ich sehr, hier in meine sieb gewiesen- kaum konnte er den Schluß der Vorstellung ab» I Garderobe einzutreten. warten um Stetten aufzusuchen. Hohenthal hatte ihm gleich» I Graf Wildenstein athmete gepreßt, als sich die Thür falls längere Zeit nichts von Therese mitgetheilt und plötzlich, I hinter ihnen schloß, und feine nächste Frage lautete: „Kennen mitten in der rauschenden Musik, ergriff ihn eine heiße, un» I Sie mich denn gar nicht mehr? sägliche Angst als ob irgend ein Unglück geschehen sei. I Prüfend schaute der Sängerin das bärtige, gebräunte, Und ietzt' trat Stetten al» Wolfram auf, er war unver» I zuckende Antlitz des vor ihm stehenden; nur die Augen ändert stattlich und schön wie damals, als er ihn zum ersten | schienen ihm bekannt, doch dann schüttelte er verneinend den Male sah, seine Stimme voll, sympathisch und dabei unend» Kopf. -6 lich schwermüthig. I „34 Bebaute, mein Herr, mein Gedächtniß ist nicht „Der schöne Mann," flüsterte die Fürstin Porscu ihrem I das beste." , „ Verehrer zu, „er hat eine romantische Lebensgeschichte, denn | „Sie sollten Th"esens Bruder nich- "^derttkennen. man erzählt sich, seine Gattin sei eine Gräfin, die er ent» | Da veränderte sich Miene und Haltung zur Stettens in führt habe" I erschreckender Weise; kalt, abstoßend, beinahe feindselig stand Das 'Theaterflüstern drang auch an Graf Rudolfs Ohr, er da; die Hände sanken schlaff herab und die Stimme klang seine Hand umspannte den Operngucker wie im Krampf, seine I schneidend, als er antwortete: „Meine Frau gat leinen Stirnaber schwoll bedenklich; es war keine günstige Zeit, die ] Bruder- Er ist vor Jahren schon für sie, wie sie für ihn - tfe Nm Lri«mm>- ee tznfessn KlaNe. Non Garsla Blnckir. (Sottben.) Rechte Originalität ist da» Urwüchsige einer rücksichtslos kräftig und bestimmt entwickelten Eigenart; was man dagegen heut« noch so nennt, sind meisten» nur die Auswüchse einer geschraubten Sulturleben«. E» fehlt dabei vor allem die Naivetät, »in Original jener echten Sorte war noch der, am 2. Mär» in seinem 85. Jahre verstorbene, John Stuart Blackie, Professor de» Griechische« an der Universität Edinburg. Di« Erscheinung de« alten Herrn gehSrte zu den Wahrzeichen der Stadt und auch in London war er «ine Berühmtheit, nicht nur in wissenschaftlichen und literarischen, sondern kaum »eniaer in Damenkreisen, deren Liebling er war. Da sein Name auch in Deutschland nicht unbekannt ist, darf ich Vielleicht einige kleine Erinnerungen an ihn erzählen. Ich Kachte seine Bekanntschaft im Frühsommer 1889 in der rosenreichen Villa der Vorstadt Putney bei meiner Freundin, der jetzt auch verstorbenen Dichterin Emily Pfeiffer,*) deren »armer Freund er war. Der Zweck seine» Besuche» war der der Eondolation zu einem schweren Verluste, welchen sie vor Kurzem erlitten hatte. Er war aber seiner jugendfrohen Natur nicht möglich, bei Traurigem lange zu verweilen, und so fand ich ihn auch schon bei meinem Eintreten in da» Zimmer hingegossen in einen tiefen Fauteuil zwischen weichen Kiffen, den kürzlich erschienenen Band Gedichte meiner Freundin in der Hand, mit sonorer Stimme daraus vorlesend, wa» ihm am besten gefallen hatte. Al» er glaubte, jetzt auch der Pflicht der Liebenswürdigkeit genügt zu haben, holte er mit rascher Bewegung au« der Brusttasche ein Päckchen verschiedener Papierfiücke: Annoncen, Briefumschläge, Theaterzettel u. dgl., setzt« sich lebhaft ausrecht und la», mit Begleitung nicht weniger lebhafter Handdewegungen in dramatischem Pathos seine eigene«, darauf htngeworfenen Sonnette- Ihren Werth kann ich nicht mehr beurtheilen; aber e» waren darin kraftvoll empfundene poetische Gedanken, die ihre Wirkung auf mich nicht verfehlten. Sr bemerkte es, und nachdem er bei unserer gegenseitigen Vorstellung kaum Notiz von mir genommen hatte, war ich jetzt mit einem Male in seinen Gesichtskreis getreten, und er richtete sich fortan fast ausschließlich an mich. »ls Mr». Pfeiffer sich erhob, um uns in den Garten zu bitten, wo der Lunch serviert sei, sagte er zu mir, wie Jemand, dessen Gebote nie in Zweifel gestellt werden: Sie bleiben noch ein wenig bei mir, fetzen Sie sich: „sit ye doon, •ityedoon,“ hieß das gemüthliche Schottisch. Ich verstand da» feine Lächeln meiner Freundin, al» sie da» Zimmer verließ und gehorchte. „My dear,“ redete er mich an, „Sie haben «in warme» poetische» Empsinden; lassen Sie uns noch ein wenig zusammen plaudern," und dabei drückte er mir die Hand. — „Natürlich kennen Sie Burns?" (Er sprach den Namen im breitesten schottischen Accent mit dem rauh ge« schnurrten r.) und nun erzählte er von dem Streben und dem Eharacter de» großen Volkrdichter», von den Schwierigkeiten, die er al» sein Biograph empfunden habe, um dem moralischen Gefühl und dabei doch auch dem hart angegriffenen Poeten gerecht zu sein, erklärte viele» in dessen Leben mit geistvoller Milde de» Urtheil», und recitirte dazwischen mit feuchten Augen die urkräftigen, leidenschaftlichen und rührenden Verse bei Manne», der auf der Berghaide und hinter dem Pflug seine» Genius wartete. Die Begeisterung lag wie Frühlingshelligkeit auf Blackie'» Zügen, fein langes, weiße» Haar schien wie vom Wind getragen; über dem ganzen Manne war eine Art theatralischer Würde, die aber ein so ächte» Element der Wahrheit barg, daß ich glaubte, einen der alten Barden vor mir zu sehen. *) Wilhelm Jordan hat in seinen Andachten w* «yklu« ihrer Genette au« dem Englischen übersetzt. AM meldete im Auftrage ihrer Herrin da» Frühstück warte auf un«; aber mein Gefährte hielt mich nochmal» fest: „Ich werbe Ihnen mein Buch über vurn« schenken," sagte er. — Da» freute mich, unb ich bat, er möchte auch einige Worte seiner Hanb hineinschreiben. „Ja, recht gern; dann geben Sie mir jetzt aber auch einen Kuß 1" — „Da» will ich thun, er sei in Ihnen dem Dichter geweiht I" Im Vorzimmer stand da» Mädchen mit einem Shwal für mich, denn e» sei im Garten kühl. Der Professor schien auch nur leicht gekleidet, und ich wollt« ihm meinen runden Pelzmantel umhängen. ■ Er aber wehrte sich sehr gegen die Verweichlichung, und dazu «och in Form eine« Frauenkleidungsstücke«, beruhigte sich aber, al» ich ihm vor« stellte, wie schön seine rostge Gesichtsfarbe und sein weiße« Haar gegen den grauen Pelz mit der großen silbernen Schließe aussehen würden. Al» wir am Spiegel vorbetkamen, warf er einen zufriedenen Blick hinein, schlug da» Mantelende in verbesserter Weise über die Schulter, steckte dann seinen Arm durch den meinen, und vergnügt maschirlen wir in den Garten. „We love one another, do we notP fragte er, al» wir zwischen Blumenbeeten über den weichen Rasen schritten; und natürlich bejahte ich! (Schluß folgt.) GEeinnützigss. ASvbeir de» Osterete». Um die Ostereier schön zu färbe«, sind nachstehende Ingredienzen dem heißen Wasser betzumischen: für Braun Zwiebelschale, für Rot Lochenille, für Blau Indigo, für Gelb Safran, für Grün Spinatmaffe. ,$«« eteite der Weisen.* Das soeben erschienene 7. Heft enthält folgende größere und kleinere Aufsätze (mit zusammen über 30 Abbildungen): „Darwinismus und Sprachwissenschaft" von A. v. Schweiger-Lerchenfeld: „Entwickelung des PanzrrschiffbaueS"; „Die Pressen"; „Die Weinkeller" (Schlußartikel); Zugvögel, Revolverkanonen, Erläuterungen zum Verständnisse der Landkarten, Eleetrotechnische Mittheilungen, Gartenwirthschaftliche Rathschläge, Selbstthätige Bremsen an Winden u. s. ro. Außerdem die Fortsetzung von „Städtepläne aus allen Welttheilen" (Caltutta, Teheran, Bombay, Jerusalem und Mekka), sowie die Liste der mit werthvollen Bücherprämim bedachten Löser der im t. Hefte der Zeitschrift gestellten Preisfragen. „Der Stein der Weisen" (A. Hartlebens Verlag, Wien) ist heftweise in jeder Buchhandlung erhältlich und kostet das reich illustrirte Heft (30 bis 40 Ab bildungen) nur 30 kr., bezw. 50 Pfg. * * Bon dem großen nationalen Werke „ LchiUerS Briefe", herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Fritz Jonas (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), sind unS soeben die Lieferungen 47 bis 58 (Band V) zugegangen, welche die Briefe aus der Zeit vom 2. Juli 1796 bis 31. December 1798 enthalten. In diesen Jahren erschienen die Wallenstein-Trilogie, das Lied von der Glocke und die hervorragendsten Balladen Schillers, Goethes „Wilhelm Meister" und „Hermann und Dorothea". Auf alle diese Werke gehen die Briefe Schiller« ausführliis ein; man schaut dem Dichter überall in die Werkstatt und eine Fülle ästhetischer Weisheit offenbart sich auf jeder Seite des stattlichen Bandes. Aber nicht weniger bedeutungsvoll wie für den Dichter und Philosophen sind diese Briefe für den Menschen Schiller. Sein Vater starb, sein Sohn Ernst wurde geboren, seine Schwester Luise verlobte sich — jedes Familienereigniß findet hier einen Widerhall, und zeigt uns Schiller stets als einen aufmerksamen, zärtlich besorgten Sohn und Familienvater. Ein Fremder, dem Schiller als Dichter unbekannt geblieben wäre, müßte aus diesen Briefen den Eindruck einer ganz ungewöhnlichen, geistig ebenso hochstehenden als menschlich liebenswürdigen und anziehenden Persönlichkeit mit hinwegnehmen. Für uns Deutsche aber, die wir in Schiller eine unsere nationalen Größen, einen unserer ersten Volksbildner, den edelsten Führer int Reiche idealen Fühlens und Denkens verehren, sind seine Briefe eine unschätzbare Ergänzung sein« Werke; wer diese besitzt, sollte jene nicht entbehren.. Der geringe Pre» von 25 Pfg. für das Heft gestattet auch dem weniger Bemittelten die Anschaffung dieser Briessammlung, die zudem in ihrer hübschen, eleganten Ausstattung «in« Zierde jeder Büchersammlung darstellt. griSuNiex: g. Gch«yda. *•> K«ük Mld «Mag b* AmMl-kschex wrü>«ckkA»«uch- unb 0temi>*n4w«i fPtedfch A Gcheyda) in