KMW öe» 1ö. Orkoöek, Igligg» Ihr Vermächtniß. Römern »on Maxirnili-rn M-egcli» (Asrtsrtzmlg.) Hertha blickte zur Erde, aber sie sah und hörte nichts, denn vor ihren Augen flimmerte es und vor ihren Ohren schwirrte es, und dennoch war ihr nun so leicht um's Herz, als hätte sich eine Centnerlast davon gewälzt. Ruhig stand Heyd auf. Er legte seinen Arm um ihren Nacken und sah auf ihr starkes, welliges Haar-KJhm war es, als klang in seinem Innern die Stimme wieder, die er einst so oft, so gern gehört, es waren dieselben Töne, dieselben Worte, die sein Herz einst mit namenlosem Weh erfüllten. Wie ein heiliges Vermächtniß klang es: „Sei glücklich, mein guter Arthur." „Hertha," sagte er und zog sie an sich, und zwei thränen- feuchte Augen blickten ihn an so selig, als strahlte ihm ein ganzer Himmel entgegen. Es war das erste Mal, daß sie ihren Namen von seinen Lippen hörte. Durch ihre Thränen sah er auf den klaren Grund ihrer reinen Seele, der so klar war wie der Grund des Baches im Sonnenschein. Murmelnd drängten die Wellen vorwärts, als eilten sie, das Liebesglück weiter zu erzählen den Wellen des Flusses und des Meeres. Durch das dichte Laub fielen Sonnenstrahlen auf zwei glückliche Menschen und unsichtbare Strahlen gingen zurück aus ihrem Herzen zum Dom des Himmels. Langsam ließ Heyd seine Hand über ihr Haar gleiten und küßte ihre Stirn. „Mein guter Arthur," sagte sie kaum hörbar, „könntest Du empfinden, wie unendlich glücklich ich jetzt bin. Die Wirklichkeit hat meine schönsten Träume weit übertroffen. Seit Monaten warst Du mein ganzes Sinnen- Mein ganzes Können und mein ganzes Lieben werde ich daran setzen, Dich, Du edler Mann — mein guter Arthur, glücklich zu machen und zufrieden zu sehen. Aber sage mir doch, hast Du mich auch ein wenig lieb?* fragte fie zaghaft mit bittender Stimme. „Seit jenem Tage, Hertha, als ich Dir mein Leben vor die Seele führte, wie er zuvor noch kein Sterblicher erfahren, dort oben auf der Bank unter Deiner Tanne, mein Lieb, seit jenem Tage hast Du mein ganzes Herz erfüllt. Ja, meine liebe Hertha, Dein Arthur liebt Dich ebenso innig wie Du ihn liebst." Beide hielten stch fest umschlungen und Arthur hauchte den ersten Kuß auf die Lippen der Rose von Lindenheim. Lange standen sie so in ihrem Glücks, als wäre die Welt ringsum für sie nicht da. Kein Lüstchen rührte sich, kein Wölkchen stand am blauen Himmelszelt; es schien, als hätte die Schöpfung selbst ihre Freude an diesem glücklichen Paar. Zwei Ringeltauben zogen über ihren Häuptern dahin, sie kamen aus den Weizenfeldern von Wildenau und flogen nach der hohen Eiche unweit des Kugelfanges, wo sie ihr Nestchen hatten. „Laß uns nun zu unserem guten Vater gehen," sagte Heyd nach einer Weile. „Gewiß, mein guter Arthur; wie wird er sich freuen, wenn er von dem Glück erfährt, das seiner Tochter wider» fahrem ist und das mir erscheint wie der Himmel auf Erden. Du hast mich so namenlos glücklich gemacht und doch bin ich nur ein armes Mädchen." Sie schmiegte stch an seine Seite und blickte innig zu ihm hinauf. „Meine gute Hertha, einst solltest Du einen reichen Mann heirathen, dessen Geld Dich vor aller Roth schützen sollte; aber wie so ganz anders ist es gekommen, wie wunderbar spielt oft das Schicksal — er wurde arm und wohl zu Deinem Heile. Aber bisweilen fügt es auch das Schicksal, daß Menschen über Nacht reich werden — ein Sommernachtstraum. Dir aber, meine gute Hertha, liegt ja an dem leidigen Gelds ebenso wenig wie mir, und davon soll auch unser ferneres Glück nicht abhängen. In unserer Zeit ist es bei gar vielen Menschen zur Einbildung geworden, daß das Lebensglück einzig und allein von großen Reichthümern abhängt. Sie sehen nicht dis bescheidene Hütte, die Raum genug bietet für glückliche Menschen; ste sehen nur die Welt in Glanz und Wohlleben, an dem ihr Herz hängt, und ihre Liebe — wenn von einer solchen überhaupt noch die Rede ist — steht dann hinten an. Wenn wir nun vor den Vater treten, meine gute Hertha, so laß uns nichts von dem Bunde verrathen, den unsere 478 m aus und den Wald Stimmen Herzen besiegelt, laß uns thun, als ständen wir uns noch s u..„ 4. ebenso gegenüber wie vor einer Stunde, als wir das Zimmer B mein Her» aebört verließen." g * ’ ö -- und dankbarem Herzen an der Hand Ihrer Tochter, welcher . Arn gen ier stand der Oberförster und sah hinauf zu den Wipfeln seiner alten Vertrauten. Er war so feierlich ge« „Wie Du willst, mein guter Arthur, ich werde mich be« I Freudmthränen.^ W Satet6 unb roeinte ^winßctt» Unb £3cibc tmtcn ein» 1 ($? füfttß fßiwp t«ji. r» j ,r Der Oberförster schob das Kreisblatt, in dem er gelesen, I Himmelsdom und Thränen fielen in seinen weißen"Bart W den anderen Zeitungen, stand schweigend auf und strich I die ersten Thränen, die Hertha bei ihrem Vrter aeseben seinen langen weißen Bart. I Er führte fie zu Heyd, breitete seine Hände Beide merkten nun, daß er etwas Besonderes vorhatte I ’Pt0$ - «Der Herr segne Euch und behüte Euch." und etwas sagen wollte, und Heyd wollte ihn hierin auch I Eine feierliche Stille herrschte im Zimmer, nicht stören. 8 Hertha öffnete das Piano und weit hinaus in Mit ernster Miene trat der Oberförster vor den Tisch I drang das Lied, das vier Hände spielten und zwei unb stand so einige Schritte den Anderen gegenüber, die am | sangen: Fenster und am Piano standen. | «Harre meine Seele, harre des Herrn, „In dieser Stunde," begann der Oberförster, „die nun I 311168 if;m befehle, hilft er doch so gern." gekommen ist, in welcher der Herr Baumeister Abschied von i Am Fenster stand der Oberförster und sah uns nehmen wird, möchte ich Dir, meine Tochter, eine Mit- I r""": "... .... *. Wlie - |Vlt„ theilung machen, die ich mir bis zu diesem Augenblicke erspart | stimmt, als stände er am Altar. Er pries den Himmel für habe: So lange Du lebst, mein Kind, war mein Sinnen und I die Stunden, die er ihm befchteden und dachte auch an sein Arbeiten darauf gerichtet, Dir Deine Zukunft möglichst sorgen« 8 Glück, das ihm nur kurze Zeit bescheert war. frei zu gestalten. Blieb auch von dem Gehalt nicht allzuviel | Kaum waren die letzten Töne verklungen, so trat Tante übrig, so waren doch die Erträgniffe aus der Wirthschaft in I Docior ein mit dem Postboten, der eine Depesche brachte, manchen Jahren so ergiebig, daß es mir eine Freude war, I Der Wirth vom „Deutschen Hause" hatte sie gesandt, am Schluffe des Jahres meine Rechnung zu machen. Aber I Heyd öffnete sie. ich kann sterben und dis große Welt ist Dir noch ein fast I »Vom Baurath Wiebe," sagte er, die Depesche dem unbekanntes Gebiet, auf dem Lug und Trug in breiter Spur I Oberförster überreichend. ihre Wege gehen; und schon viele Menschen, die mit den I »Dem neuen Bauinspector sendet die herzlichsten Glück« besten Vorsätzen das Elternhaus verließen, sind in ihrer Ver« | wünsche Ihr Wiebe," las der Oberförster vor und siegte sie trauensfeligkett in's Verderben gestürzt. Aber auch dieses | °"f den Tisch. Heyd schrieb einige Zeilen auf ein Notizblatt, bedarf es nicht einmal; denn auch auf dem rechten Wege | das er als Depesche zurückgab. kannst Du Unglück haben, mein Kind, in Krankheit und I . Den Postboten aber lohnte er reichlich, der sich dankend mancherlei Gefahr, die kein Mensch im Voraus sehen kann. I unb hocherfreut entfernte, nachdem er sich an Speise und Aber was auch kommen -nag, was auch Dir immer begegnen 1 Trank gestärkt. mag im Leben, bewahre stets Deinen guten Glauben. Und I Als Tante Doctor von dem Glück erfuhr, das auf wenn einst meine Augen nicht mehr sehen und meine Ohren | Lirdenheim so überraschend eingekehrt, war ihre Freude über« nicht mehr hören werden, so wende Dich in allen Stürmen, I groß und von Herzen kamen ihre Glückwünsche, die sie Jedem die Dir entgegen kommen, vertrauensvoll an diesen Mann, I brachte, die aber um so freudiger waren, als sie von dem der Dir zu jeder Zeit gern mit Rath und That zur Seite I großen Reichthum und der Herkunft des Baumeisters erfuhr, stehen wird. I „Dachte mir's doch gleich, mein Kind," sagte sie zu Aber es ist noch eine andere Mitthsilung, die ich Dir I «"tha, ihr sanft die Wangen klopfend; „sein ganzes Wesen, machen muß. Dein Onkel Sandow, deffen Namen Du Dich I ’ein würdevolles, freundliches Auftreten verrieth es mir schon wohl kaum noch erinnerst, ist vor kurzer Zeit in eine andere \ ja, mich betrügt man nicht," meinte sie lächelnd mit Welt gegangen. Er hinterließ uns die Hälfte seines großen I vielsagender Miene und drohte mit dem Finger. Vermögens - mehr denn eine halbe Million." I r Freudig überrascht blickte sie zu Heyd, als wollte sie „ TZ ? 6apiteL sagen: „Höre doch, höre doch nur, mein guter Arthur, wie I S Jahr ist seit jenem glücklichen Tage verfloffen schnell sich das Schicksal ändert, wir sind reich geworden über I ? r J1? » fe^en wir die drei Menschen wieder Nacht, fürwahr ein Sommernachtstraum." I 'n schönster Harmonie, in glücklicher Zufriedenheil. d,n "“•**»" ""d ««- N d« ** „Die anders Hälfte seines Vermögens hat Dein Onkel I rtlta S macht von der Bahnstation jenem Herrn vermacht, den er ebenso liebte, wie wir ihn gern I fügsam bewegt sich nur das haben — nämlich unserem werthen Herrn Baumeister — dem I Jattb^en ^ge, der an dem Waldessaum Baron Dietrich Arthur von der Heyd, der h-ute von uns I t* ^glichen Forst entlang führt. Von Weitem sieht man Abschied nimmt." ' 9 ü°n UnS schon das Schloß auf der Anhöhe liegen. Eine halbe Meile Lertba taumelte an'« . | ”oc demselben erhebt sich am Grabenrande der letzte Grenz« ÄS" WffiT’neSAtfi' mSan’fi' Ä-***kr ä” SBt«< e"ll“9 »-Sen Sbereschenbinme. WellameU s-Ä6ÄTÄÄbR bie“*-8tb“f“ “f ei?‘ I ™ fattosfaiebeelfengitte, auf einem einen SL mte auÄrurt Ä11" »ItWntogeMuben ,'ehl sich ein ungef» und diese Stätte ein theures Vaterhaus! Mit dieser Gewiß« j bis z^nächsten°Dorft"""^"^^ aIImäU9 bie W (affen@ie E Ihrer Schwelle ziehen mit freudigem । Alles, was unser Auge hier erblickt, zeugt von größter Mi!L Sauberkeit und Läßt auf eine Musterwirthschaft L „Ser Herr ist mein Hirte, mir wird nichts in des Oberförsters Hände überging, I Thränen glänzten in vieler Augen. In den Hinteren ^bäuden und' Stallungen waren nur BauAettor^ £ wenige ganze Fensterscheiben, und Spinnen und Fledermäuse Dankbarkeit gebracht wurde. , , öw* Wten sich hier sehr behaglich. Gar viele Reparaturen und I , Die dreißig Mann, die in dieser feierlichen Stunde den Veränderungen mußten ausgeführt und verfallene Häuser I Psalm sangen, bildeten keinen ständigen Gesangverein durch neue ersetzt werden Seit zwei Monaten kamen sie wöchentlich zweimal im ß m,ber Oberförster seine Erbschaft angetreten, ließ I Schulhause beim Lehrer Hoffmann zusammen und übten • es er sich pensioniren und zog als Forstmeister a. D. mit schwerem I waren die Unterbeamten der Oberförsterei Lindenheim' die f°,n* ^e nem lteben Lindenheim, wo er einst zu sterben | Lehrer aus dem Dorfe und die Gutsbesttzersöhne jener Um» gehofft hatte. g gegend. y 1 Noch einmal durchstreifte er vorher seine Forsten. t Wenn Menschen friedlich beieinander wohnen, wenn sie Von dem moosigen Boden der Tannenecke auf dem Berge j gesund sind und Alles haben, was ihr Herz begehrt, dann schritt er in's Thal hinab durch die dichten Brombeersträucher I sogen sie wohl zuweilen: Wir haben den Himmel auf Erden- im Laubwalde bis zur Grenze von Wildenau und von dem I ,, Unb f° war es auch jetzt auf Schloß Walten. Es blieb rauschenden Mühlbache bei Heidenfließ bis zur Schwedenschanze I ^nen nichts zu wünschen übrig und sie konnten sich nicht bei Strakowo. Noch einmal begrüßte er seinen Culturgarten I senken, daß es in einer anderen Welt noch besser fein könnte, und verweilte lange bei seinen selbstgezogenen Eichen, von dem als ihrer Zufriedenheit und Glückseligkeit. Fenster seiner Kanzlei sandte er noch stumme Abschiedsgrüße I . , W und feine junge Frau standen am Erkerfenster und hinauf zu den Wipfeln der alten Buchen und Eichen — den I 'a*en über ben großen Park hinweg in das stille Thal. Vertrauten so vieler, vieler Jahre. I »Du hast mich so unendlich glücklich gemacht, mein lieber Aber noch schwerer schied der Bauinspector aus seinem I Arthur, mein guter Mann. Gebe der Himmel, daß es unser Dienst und nur durch Bitten seiner Braut und ihres Vaters | ^°enlang so bleibe," sagte sie und legte ihren Kopf an seine ließ er sich endlich zu diesem Schritte bewegen. Schulter. Ein reiches Feld der Thätigkeit blühte Arthur ja auch I r , "?Ier ^,ittntie£ 9e6e t6" wiederholte Arthur und nahm hier, denn an Arbeit war kein Mangel und nach Erledigung I ,te tn x t t der dringendsten Geschäfte verweilte er lange auf seinem I n * ®uw, meine gute Hertha, das wir in unserer Studierzimmer, um unverdrossen an einem neuen Werke zu I gefunden, ist das Schönste und Edelste, was uns die arbeiten. I Schöpfung gegeben, und genau so wie wir es empfinden, so Aber auch dem Forstmeister, der ebenfalls an rüstiges I L?»»/8 Himmel jedem Menschen zugedacht von der kleinsten Schaffen gewöhnt war, kamen hier seine reichen Kenntnisse I rum größten Palasi. Ader wie der Mensch meist sehr zu statten; freilich war es hier anders als auf Linden- I S* „SS A?»8 Eigenen Glückes lst, so führt er auch ost heim, denn während er dort eine sehr große Forst und ver- I E? ®ott fei’ä geklagt, es gibt hältnißmäßig kleine Landwirthschaft hatte, war hier das Um- I 8» S6 ?°,^un£8^' in benen Friede und Eintracht im gekehrte der Fall. y Eheglück gänzlich fehlen. Dort herrscht die Unzufriedenheit, Unter Heyds Leitung wurde bald tüchtig gearbeitet, als I b?rt l» ?a9n nur,. bie !snnliche Begierde ihr Scepter und er hier einzog. Wohl an hundert Handwerker waren allent- I ® wehr zu finden, als in den großen Städten, halben thätig. Laß uns, meine gute Hertha, unsere Liebe pflegen, laß Prächtige Anlagen wurden hergestellt und im umgebauten E e! S “nEen Kräften steht, laß uns Palmenhause waren bald wieder die verschiedensten Palmen I roo ,nott) rtbut und ich glaube, wir werden in unserer und seltensten Orchideen. Brauchbare, fleißige Leute wurden I Umgebung, in unserer Umgegend und besonders im Dorfe in den Dienst gestellt und bezogen ihre einfachen, aber freund- I ""^neingroßes Feld finden." lichen Wohnungen. I @r stnch feiner Frau das starke Wellenhaar und küßte Als dann endlich die „segensreiche heilige Ordnung" ein- I t0r b gekehrt, klangen eines Tages die Glocken der kleinen Dorf- I re°9t' wein guter Arthur, es sei, wie Du kirche zum Schloß hinauf und tn die Ebene; es war der Tag, I »T* s. nJ™ u ™ te herab auf den grünen Waldau dem sich Arthur und Hertha am Altäre Treue vor Gott I ™ 7? an b^ Sabn entlang und weit hinüber hinzog. und den Menschen geloben wollten. I ., oär Watten und dessen Umgebung begann nun eine fegens» Das kleine Gotteshaus, das am Ende der Dorfstraße wa?2 wirk?/ in ei0en SäÄ’Ä Ä" KM ÄJÄ Ü»" bet lebe» Schmuckes entbehrt, ein Aussehen so feierlich und lich die höchste 8eit - ZttM S/ l 2/L9Ä' beweiben, wie bas Leben des Heilandes selbst. tnunb spr§. ^Denn schon ^dasFuAwerk kostet rsiel Geld aber S e nem freundlichen Septembertage fand diese einfache, das nach dem zwei Meilen entfernten Städtchen fährt, um den aber würdige Feler statt, der ganz den Seelen dieser Menschen I Arzt zu holen, das schieben auch weniger Unbemittelte bis entsprach. Bis auf den letzten Platz war die Kirche gefüllt. I zum letzten Augenblicke auf und der Jünger Aeskulaps kommt ersten Reihen saßen der Forstmeister mit dem Bau- I dann in vielen Fällen nur zur rechten Zeit, um den Tobten» rath Wiebe und Tante Doetor; dann folgte der Marine- schein auszustellen. ö ' " nebS serE Fräulein Wiebe mit Unter dem hohen Tannenbaum, der strahlend am Weih- '§ew Verlobten, dem Baumeister Wlllmanns. Auch sah man I nachtsabend das große Schulzimmer erleuchtete, versammelten b ? doetor Lenzmann nebst Frau und die ganze Mittwochs- I sich die Armen des Dorfes und der Abbauten in freudiger g sellschaft von ehedem. I Aufregung. Der alte Prediger, die Lehrer, der Schulze und und Gesang leiteten die Feier ein, dann | einige Dorfältesten fanden sich dort ein. Die Weihnachtsfeier SJ®1Je «rnfteStebe: bes alten Predigers uno als dieser sein I wurde eingeleitet mit ernsten, ergreifenden Worten und Stille unb Ämen gegeben, ertönte von dem Chor herab der ' Nacht, heilige Nacht" klang es zum Sternenzelt ober" durch Rrdaction: A. Schihda. — Druck und Verlag bet BrShl'jchm UniverfiMS-Buch- und Steindruck«« (Pietsch & Scheyda) in Gießen. so nah» an sich. € nach £ Wenig am wc Zeit r eilten i ihm n anders voll vc Ehrerb wie eir die er Herzen D erwärn Forstm« Lieber; mit D Jahre! wirst - Himmel A, Briefe; wünsche Le Hören > Alten i kleine fl Wünscht die finstere Nacht zur lichten Höhe. Nun wurde Jeder an seinen Platz geführt, wo er dann vorfand, was er am noth- wendigsten brauchte. ____________ (Schluß folgt.) Das Geschichtliche der Kochkunst bringt ein Artikel in der neuen Auflage von Meyers Con- versations-Lexikon vorzüglich zur Darstellung. Wir glauben daher auf den Dank unserer geehrten Leserinnen wie auf die Anerkennung jedes Gourmands rechnen zu dürfen, wenn wir den interressant und anziehend geschriebenen Aufsatz mit freundlicher Genehmigung der Verlagshandlung hier wiedergeben: Kochkunst, die Kunst, Speisen und Getränke schmackhaft, leicht verdaulich und nahrhaft zu bereiten. Die zweckmäßige Zubereitung der Speisen erfordert in oft unterschätztem Grade eine Berücksichtigung des chemischen Verhaltens der Nahrungsmittel beim Kochen und eins Kenntntß der Bedeutung der einzelnen Nahrungsstoffe für den Ernährungsprozeß. Das ungleiche Verhalten des Fleisches beim Aufsetzen mit kaltem oder heißem Wasser, die Unbrauchbarkeit harten Wasser« zum Kochen der Hülsenfrüchte sind naheliegende Beispiele. Die neuere Zeit hat daher auch vielfache Bestrebungen aufzuweisen, die Chemie für die Kochkunfi nutzbar zu machen, und dies erscheint um so nothwendiger, al« jetzt auch neue Präparate, wie Fleischextract, Gewürzextracte 2c., in die Küche eindringen, manche Chemikalien, wie doppel- kohlensaures Natron, Weinstein, Salicylsäure re., häufiger benutzt werden und mannigfache Maschinen und Appa- (z. B. der Dampfkochtopf) die alten einfachen Geräthe mehr und mehr verdrängen. Eine gute Küche befördert: 1) die Volkswirthschaft durch Sparsamkeit bei der Zubereitun der Speisen, indem die wahre Kunst darin besteht, mit möglichst geringen Mitteln viel zu erreichen; 2) die öffentliche Gesundheit, weil schlechte Küche den Magen verdirbt, während eine richtige Zubereitung die Speisen gesunder und nahrhafter macht, und 3) den ästhetischen Sinn, den gesellschaftlichen Verkehr und die Gastfreundschaft. Geschichtliches. Zahlreiche Funde von Kohle in der ältesten menschlichen Niederlassungen, in den Höhlen Deutschlands, Frankreichs und Englands, im Löß der Rheinthales u. a. O. neben den Gebeinen der Hyänen und des Mammuts weisen darauf hin, daß der Mensch in ältester Vorzeit bereits dar Feuer gekannt und für seine Zwecke verwendet hat, zu einer Zeit schon, wo er noch nicht einmal verstand, ein Thongeschirr anzufertigen, eine Kunst, welche sich bis in die Rennthierzeit hinein verfolgen läßt. Es ist demnach sicher anzunehmen, daß man damals trotz des Fehlens irdener Geschirre auch schon Methoden des Kochens gehabt. Ueber letztere geben die noch jetzt bei vielen auf primitiver Culturstufe stehenden Völkerschaften gebräuchlichen Arten des Kochens Aufschluß. Man kann nämlich mehrere Methoden unterscheiden, einmal das Kochen der Thiere im eignen Balge, wie es nach Herodot bei den Skythen gebräuchlich war, und ferner die sogen. „Steinkocherei", nach welcher man in eine dicht gemachte, mit Wasser gefüllte Grube glühende Steine wirft und das Wasser auf diese Weise zum Kochen bringt. Außerdem hat man wohl in vorgeschichtlicher Zeit häufig auf dem vom Feuer erhitzten Boden das Fleisch in der Asche geröstet oder, auf einen Stock gespießt, direct über dem Feuer gebraten. Die Sittte, in Gruben zu kochen, hat sich auch nach Einführung der Thongefäße noch längere Zeit erhalten. Die Kochkunst verbreitete sich im Alterthum von den asiatischen Ländern über die Inseln Chios und Sicilien, über Griechenland und später über Italien. Obwohl die Griechen im Allgemeinen mehr einer einfachen Lebensweise huldigten, so riß doch auch bei ihnen, vorzüglich in Athen, mit dem überhandnehmenden Luxus zugleich der Aufwand bei den Tafelfreuden ein, und wie sehr zur Befriedigung derselben die Kochkunst selbst beitragen mußte, erhellt aus der ziemlich vollständigen Aufzählung der ausgewählten Gerichte und der mannigfachen Küchengeräthe, die uns Athenäos in feitren „Deipnosophisten" geliefert hat, sowie aus dem Umstand, daß man in Prosa und Poesie bis Gegenstände einer feinen Tafel und die Regeln der Kochkunst abhandelte, wie dies von Archestratos von Gela (494 v. Chr.), dessen Werk von Quintus Ennius ins Lateinische übersetzt wurde, und andern geschah. Roch höher wurde der Luxus in dieser Beziehung in Rom getrieben. Noch während des zweiten Punischen Krieges gab es Köche, welche in den Städten auf dem Markt öffentlich ausstanden und sich dingen ließen. Besonders berühmt waren die sicilischen Köche. Viele Freigelassene verdankten der Kochkunst ihr Glück, und während früher der Kochsklave den niedrigsten Rang eingenommen hatte, rückte derselbe nach und nach in die erste Stelle vor. Seit der Bekanntschaft mit der asiatischen Ueppigkeit nahm aber der Hang zu kostbaren und ausländischen Tafelgenüffen so überhand, daß man für nöthig hielt, Gesetze zur Beschränkung der Schmausereien zu erlassen, die freilich ohne besondere Wirkung blieben. Die Verschwendung eines Lucullus und Hortensius, welche Mahlzeiten gaben, deren Kosten sich auf viele Tausende beliefen, ist sprichwörtlich geworden. In der Kaiserzeit, unter Augustus und Tiberius, gab es förmliche Schulen und Lehrer der Kochkunst, an deren Spitze Apiciu« stand. Der Kaiser Vitellins soll einmal in einer einzigen großen Schüssel, welche über eine Million Se- sterzien kostete, das Gehirn von Fasanen und Pfauen, die Zungen von Flamingos, die Milz und Leber der kostbarsten Seefische haben auftragen lassen. Im Mittelalter waren die Leistungen der Kochkunst nicht sehr erheblich: Das Hauptgewicht wurde nicht auf gute Zubereitung, sondern auf Masse und Nahrhaftigkeit gelegt. Außer den Erträgnissen der Jagd und des Fischfanges, Hülsenfrüchten, eingesalzenen Fischen, gepökeltem und geräuchertem Fleisch aß man in der Hauptsache Rindsfleisch und Rindsbraten, und ftisches Fleisch wurde überhaupt nur bei besonderen Gelegenheiten auf den Tisch gebracht. Selbst für die Herren im Gefolge der Fürsten galt es als ein Leckerbissen. Wir lesen z. B. über die Seltenheit des Genusses vom frischem Fleisch in England zu dieser Zeit, daß Anna Boleyn zum Frühstück ein Pfund Speck und eine Kanne Bier verzehrte und die Hofdamen der Königin Elisabeth zur gleichen Mahlzeit Pökelfleisch, Brot und Bier erhielten. Die Wiege unserer modernen Kochkunst ist Italien. Dieses Land nahm im 16. Jahrhundert auch in der Kochkunst unbestritten die erste Stelle ein; dieselbe wurde künstlerisch-wissenschaftlich betrieben. Katharina von Medici, die Mutter Karls IX., führte diese Kunst in Frankreich ein. Aber erst unter Ludwig XIV. gelangte sie auf den Gipfel der Vollkommenheit, und von dieser Zeit an wurde Frankreich in Sachen der Kochkunst als maßgebend anerkannt. Die Regentschaft und die Regierungszeit Ludwigs XV. übten auf die Entwickelung der Kochkunst den günstigsten Einfluß aus, während unter Ludwig XVI., der in der Hauptsache mehr ein Vielesser als ein Feinschmecker war, Stillstand eintrat. Durch die Zubereitung, den starken Zusatz von Würzen aller Art, die Hinzufügung wohlschmeckender Saucen rc. gelangte man dahin, daß die Nebendinge zur Hauptsache wurden, so daß Goethe in einem Briefe (1779) mit Recht tadeln konnte, daß die Köche bei den Speisen einen Hautgout von allerlei anbringen, darüber Fisch wie Fleisch und da« Gesottene wie dar Gebratene schmeckt. In Frankreich führte die Revolution einen ganz enormen Rückschlag herbei; erst unter dem ersten Kaiserreich war ein Wiederaufblühen der Kochkunst zu bemerken, aber unter ganz wesentlich veränderten Verhältnissen. Es wurde theilweise mit den alten Traditionen der Ueberfeinerung gebrochen. Namentlich die raffinirten Täuschungskünste, in denen sonst die französischen Köche ex- cellirten, gab man auf, und es gilt jetzt in der Kochkunst der Grundsatz: jedes Fleischgericht muß sein eignes, natürliche» Aroma, jede« Gemüse seinen natürlichen Geschmack, seine natürliche Färbung haben. (Schluß folgt.)