1895 Donnerstag den 10. Januar snMskMNsr T'- AisS iÄSSIM MKH^^MUW •rxjn'lA ’•?•- '?;■'***—■*•■» <•* 4 XL*" ,; S*f-< -1 <: T % tef/*- TäOFaS® R£5>laE«SKa**! E^dWK^^WWGMi ^KSSKKM»«8EWVW«S4 . ,... , „ AWWMMM KMMW ’^7*^z LWA^M UuterhaltimgMM nun Gießener Anzeiger (General Anzeiger). Sturmfluth. Roman von E m. Heinrichs. (Fortsetzung.) „Ein Deserteur unter meinem Dache? Ach, was Sie sagen, wer sollte es denn sein, ich müßte ihn doch kennen, um ihn zu beherbergen. Sie meinen doch nicht, daß es Herr Hamson sein könne?" fragte der Professor. „Ich weiß es nicht, da ich so lange noch nicht hier bin, also den Neffen der Hauptmanns Ehrhard auch nicht gekannt habe." „Alle Wetter, Sie meinen am Ende den Willibald Ehrhard, der vor zehn Jahren als Einjähriger seinen Unteroffizier niederschlug und dann in die weite Welt lief?" „Ja, den meine ich; sein Onkel, der Hauptmann, wird ihm wohl fortgeholfen haben." „Da sind Sie auf einem Holzweg," erwiderte der Professor bestimmt. „Hauptmann Ehrhard hätte ihn unbedingt dem Militärgericht ausgeliefert und würde es noch heute thun, mein Ehrenwort darauf. Es gibt für ihn kein größeres Verbrechen, was der Neffe sehr wohl weiß und sich deshalb hüten wird, hierher zurückzukehren. Der Denunciant wird meinen amerikanischen Gast dafür gehalten haben." Er war während dieser Unterredung mit dem Commissar, der sehr nachdenklich geworden war, durch einen schmalen Corridor geschritten, an dessen Ende sich die mit einem Windfang versehene Hofthür befand. Der Beamte hatte es sehr wohl bemerkt, daß Leonore soeben aus dem Keller heraufkam, der ebenfalls einen Ausgang nach dem Hofe befaß. „Leonore," rief der Professor, „weißt Du vielleicht, ob Friedrich im Pferdestall ist?" „Er sitzt wohlbehalten im Keller, Papa!" Friedrich war ein junger Bursche, der im Hause Kutscher-, Gärtner- und sonstige Dienste, welche dem alten Thomas zu schwer waren, verrichtete. Er hatte des Herrn Stimme gehört und kam jetzt die Treppe heraufgesprungen. „Zünde die Stalllaterne an und leuchte uns," gebot der Professor. Nach wenigen Minuten standen die beiden Herren im Pferdestall, welcher zugleich al« Wagen-Remise diente nnd ein Pferd, einen sehrischönen Schimmel, und zwei elegante Wagen enthielt. Der Commissar hatte die Stalllaterne selber genommen, um überall umher zu leuchten, er warf einen scharfen Blick nach jener Seite, wo sich die Thür bchnden mußte, sah aber nur ein Stück Mauer und einen mit Decke« versehenen, wie es schien, neu lackirten Landauer, von einer Thür jedoch keine Spur. Etwas verdrossen verließ er den Stall, händigte dem draußen wartenden Friedrich die Laterne ein und warf noch einige spähende Blicke umher. Es war nichts Verdächtige» zu entdecken, der Hof war gepflastert, die Gartenmauer an der Rückseite bewacht, eine Flucht ganz unmöglich. Als sie in'« Haus zurückkehrten, athmete der Professor beruhigt auf, da er jetzt überzeugt fein durfte, daß Willibald glücklich entkommen war. Auf wie lange? Da» war eine zweite drohende Frage. Der Commissar hatte sich mit Hamson, welcher eine sehr humoristische Miene aufgesetzt und sich von den Damen „bi» morgen" beurlaubt hatte, entfernt. Die drei Zurückgebliebenen saßen mit sorgenvollen Gesichtern jetzt in der Bibliothek, nur im Flüstertöne ihre Bemerkungen austauschend. „Ich grolle dem leichtsinnigen Burschen, der uns Alle in die peinlichste Lage gebracht hat," brummte der Professor, sich ein Glas Wein einschenkend. „Habe buchstäblich Todesangst geschwitzt, als der Commissar feine Polizeinafe in den Pferdestall stecken wollte. Du konntest das Kunststück mit dem Landauer doch nicht allein fertig bringen, Lore?" „Ganz allein, Papa! Ich wollte den Friedrich doch nicht al« Mitwisser haben! Kaum sah ich den Commissar an der Thür herumschnüffeln, als ich wie der Wind hinaus war, den Landauer zurückschob und seine Schutzdecken kunstvoll zur vollen Verhüllung der Thür gebrauchte." „Es war famos gemacht, und das im Dunkeln, Du Schelm?" „Bewahre, die Stalllaterne hing doch nebst Zündhölzer« in der Corrtdor-Ntfche am Windfang. Es ging Alle» vortrefflich, kein Auge hat mich gesehen und al« ich zurückkehrte, schlüpfte ich die Kellertreppe hinunter, wo ich Friedrich« Stimme hörte, um dann ganz harmlos wieder heraufzukommen." „Du bist ein vortreffliche» Mädchen," belobt« fie der 18 Professor, „wahrhaft bewunderungswürdig, der Deserteur kann sich bei Dir bedanken." „Ach, der arme Willibald," seufzte die Frau Professor, „er geht mir zu nahe, wo er nun wohl umherirren mag. Es wird heute Nacht kein Schlaf in meine Augen kommen." „Unb wirst mir auch noch krank davon werden," grollte der alte Herr, zornig auf« und abfchreitend. „Und der Bursche verdient's nicht einmal, ist uns doch im Grunde auch fremd. Herrgott, habe ich sogar lügen müssen um seinetwillen, und wenn der Commissar die Thür gefunden, mich als Lügner gebrandmarkt hätte, — Kinder, habt Ihr keinen Begriff von dieser Schande, vor welcher mich nur die Klugheit und Energie eine» so jungen Dinges wie unsere Lore bewahrt hat?" «Ja, Heinrich, ich begreife Deine Angst sehr wohl, da ich sie selber schwer genug empfunden," versetzte seine Gattin. „Danken wir dem Himmel, daß er die Gefahr so glücklich an uns vorübergeführt —" „Unsinn," unterbrach der Professor sie ärgerlich, «als wenn der Himmel einer Gesetzesverletzung und Lüge extra beistehen sollte. — Das ist schon mehr eine gedankenlose Lästerung, meine Liebe." „Der Denuneiant spielt aber doch die schlechteste Rolle in diesem Drama," ries Leonore mit zornblitzenden Augen, „und ich schwöre darauf, daß die Melchior uns diesen Dienst erwiesen hat. Wie eine Spionin ging sie neben uns her und al» ich mit Elisabeth aus dem Hause kam, ihr die Mittheilung machte, da —" Sie verstummte plötzlich, starr vor sich hinbltckend, und nickte dann dem Vater energisch zu. „Sie hat's gethan, verlaß Dich darauf, Papa! Elisabeth vergaß bei der unerwarteten Mittheilung alle Vorsicht, stieß einen Schrei aus und rief dabei feinen Namen. Als ich mich erschrocken umsah, konnte ich nur ein Frauenzimmer entdecken, das unter einem großen Regenschirm eiligst über den Fahrdamm nach der entgegengesetzten Seite schritt- Es war sicherlich Bernhardine Melchior." „Ohne Zweifel,* brummte der Professor, „die rachsüchtige Hexe ist zu Allem fähig, fobald es gilt, den Ehrhards zu schaden. Sie wird, schon mißtrauisch geworden, in einem Straßenwinkel gewartet haben, um irgend ein Geheimniß zu ergattern, was ihr denn auch glücklich gelungen ist. — Wenn der tolle Bursche nur jetzt Hal» über Kopf die Stadt verließe, da sicherlich alle Hotels revidirt werden." „Seinem Freunde Hamson wird man doch nichts anhaben können?" meinte Leonore. „Nein, doch muß er jedenfalls angeben, wer und wo fein Begleiter ist, der mit ihm im Bahnhofs-Hotel logirt. Nun, es wird genau genug nachgeforscht werden, besonder» von der Militärbehörde. Dieser letzte Streich des saubere« Neffen kann dem armen Hauptmann den Garaus machen." „Ach, schweige von ihm!" rief die Frau Professor erregt. „Sr ist und bleibt mit feiner Despotie die eigentliche Ursache seines Unglücks und würde ihn jetzt ebenfalls denun- eirt haben. Ein verknöcherter Soldat, wie er stet» gewesen ist, besitzt kein menschlich fühlendes Herz mehr." „Ra, na, nur nicht über's Ziel hinausschießen, Alte!" brummte der Professor. „Ich konnte ihn doch nicht hier behalten und wünsche ja von Herzen, daß er glücklich über's Weltmeer zurückkehrt. — Herrgott," unterbrach er sich plötzlich, „nun erwacht der Wind auch noch und peitscht den Regen in Strömen herunter. Horch — was ist denn das?" „Das sind die Thurmglocken I" rief Leonore. Der alte Thomas öffnete die Thür und meldete: „Das Wasser ist schon da; nun ist das Elend fertig, Herr Pro- feffor!" , ., Dieser verließ das Zimmer, fuhr in feinen Ueberzieher, riß den Hut vom Nagel und stürmte hinaus. V. Willibald Ehrhard, welcher den ihm von früherer Zeit noch wohlbekannten Weg durch den Pferdestall des Professors trotz der Dunkelheit glücklich passtrt hatte, war draußen auf dem Hofe einen Augenblick im Zweifel darüber gewesen, in welcher Weise er seine Flucht fortsetzen sollte. Durch bett «« den Stadtgraben stoßenden Garten, der sicherlich von jener Seite ebenfalls bewacht wurde, durfte er nicht entfliehen, er entschloß sich also kurz, einen ziemlich gefährlichen Weg über eine Planke, welche den Hof von dem benachbarten Besttzthum trennte, zu wählen. Wie es hier freilich jetzt nach zehn Jahren aussah, konnte er nicht wissen, damals hatte ein bösartiger Kettenhund Haus und Hof bewacht. Diese Erinnerung schoß ihm blitzschnell durch den Kopf. An seiner Freiheit an und für sich war ihm im Grunde nicht viel gelegen, oder doch? — Der Gedanke an Elisabeth ließ sein Auge aufleuchten. Vor allen Dingen aber mußte er des Professors Ehre retten, ihn und die Familie nicht in fein Verderben mit hinetnreißen. Er war stets ein vorzüglicher Turner gewesen und befand sich im nächsten Augenblick schon auf der anderen Seite, wo zu feiner Beruhigung kein Hund anschlug und zwar aus dem einfachen Grunde, weil das Besttzthum zum Verkauf stand und augenblicklich ganz unbewohnt war. Die größte Gefahr war jetzt überwunden, die weitere Flucht leicht bewerkstelligt. Er brauchte nur durch den großen Garten und schließlich über eins etwas bröcklige Mauer, um sich vorderhand wenigsten« in Freiheit zu wisse«. Rasch durchschritt er die wohlbekannte Promenade und gelangte unangefochten nach jenem alten Hause, wo Tante Dorothea wohnte. Er zog den Hut tief in die Stirn und drückte sich in einen Winkel der Thür, wo er ziemlich lange warten mußte, bis Elisabeths Stimme, welche dem alten Thomas eine gute Nacht wünschte, sein Herz schneller klopfen machte. Sie trat heran und blieb zögernd vor der Treppe stehen. Die kleine flackernde Gasflamme, welche den Platz nur nothdürstig erhellte, ließ ihr unruhiges Umherspähe« dennoch deutlich erkennen. Willibald hustete leise und trat dann rasch an sie heran. „Elisabeth, da bin ich," flüsterte er, „ich wollte Dich nur sehen und dann meine Flucht fortsetzen, da ich voraussetze, daß es wirklich die Häscher gewesen sind." „Ja, sie waren es, Gott fei gelobt, daß Du hier bist," erwiderre sie ebenso leise. „Du kannst jetzt nicht fort, da jedenfalls Dein Gasthof und der Bahnhof bewacht werden. Folge mir rasch hinein, Willibald, hier wirst Du ein sicheres Asnl finden." „Nein, Elisabeth, Du sollst um meinetwillen nicht leiden, Tante Dorothea aber hat mich bereits verurtheilt." „Um Gotteswillen, komm', ich höre Stimmen. O, wenn Du nur ein wenig Liebe für mich empfindest —" „Alle Liebe meine» Herzens gehört Dir von Kindheit an," flüsterte er, den Arm um fie legend, „führe mich wohin Du willst, Geliebte!" Sie eilten hinein, die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo Tante Dorothea wohnte und wo ein Mauervorsprung ein natürliches Versteck für ihn bildete. Dann zog fie die Klingel. Tante Dorothea öffnete nach einer Weile. „Ist Papa ungehalten?" fragte Elisabeth unruhig. „Nein, noch nicht, er ist sogar sehr bei Laune. Hast Du Willibald gesehen?" „Ja, Tante, er wird verfolgt, man hat ihn denuneirt, beim Professor war Haussuchung." „Und hat man ihn gefunden?" „Nein, Tante Dorothea, ich bin entwischt," sprach Willi- bald, rasch hervortretend, „ich wollte Dich nicht belästigen, doch Elisabeth meinte Die alte Dame streckte ihm tief erschüttert die Hände entgegen und zog ihn wortlos in ihre Arme. „Zum Henker noch einmal," tönte die Stimme de« Hauptmanns plötzlich aus der geöffneten Zimmerthür, „wie lange soll das Geschwätz denn noch dauern? Ist e» die Lisbeth?" „Ja, Papa, ich bin'«; komm' nur, man fürchtet das Hochwasser. Ich muß den Keller räumen lassen, wir könnten am ■ Ende nicht mehr in'» Hau» gelangen." 19 „Wie sollte ich nicht, hat'« mir doch so oft al« Knabe zum Scherz und später auch in schwerer Stunde, als mich, wie heute, die Häscher suchten, im bittersten Ernste als stcheres Versteck gedient." „Gut," versetzt sie zufrieden, „wollen also erst mal Deinen Ueberzieher, der allerdings bedenklich trieft, und auch den durchweichten Hut dort in Sicherheit bringen. Die naflen Spuren muß ich rasch verwischen, meine alte Mine schläft schon, wir haben also keine überflüsstgen Augen und Ohren Willibald"' ^ne $ampe und leuchte mir, Sie schritt mit den nassen Kleidungsstücken voran und er folgte ihr mit der Lampe nach einem neben ihrer Schlaf, kammer befindlichen Garderoberaum, wo fich hinter einer durch einen ganz besonderen Mechanismus zu öffnenden Tapetenwand ein Versteck befand, der den Vortheil besaß, auch von innen in gleicher Weise geöffnet werden zu können. Tante Dorothea legte Hut und Rock auf ein Brett, unter welches ste eine wollene Decke zum Auffangen des Wassers uud schob dann ein viereckige« Brettchen bei Sette, um frische Luft hereinzulaffen. ** ">ir im Zimmer gemüthlich plaudern, «eun e« klingeln sollte, weißt Du ja Bescheid." Tante Dorothea deutete auf den Mauervorsprung und - Bald saßen sie nebeneinander in dem alten, glatt« eilte rasch ins Zimmer zurück, um ihrem Bruder in den I Haartuch-Sopha, wo das Kätzchen behaglich schnurrte. Ueberzieher zu helfen. Daß Willibald diese günstige Minute I „Doch nicht die damalige Miez noch?" fragte er, da» benutzte, um Elisabeth, welche fich durchaus nicht sträubte, I schwarze, glänzende Fell desselben streichelnd. stürmisch an sein Herz zu ziehen und ihren Mund mit Küssen I „Nein, sie ist tobt, dies ist ein Töchterchen von ihr, da, zu bedecken, war ganz natürlich. Als der Hauptmann heran- i ebenso klug und anhänglich ist. — Erzähle mir nun, wie e« stampfte und mit grollender Stimme zur Eile mahnte, da I Dir drüben ergangen, lieber Willibald." hatte Elisabeth den schwarzen Schleier dicht vor'« Antlitz ge- I „Ach, Tantchen, es ist die gewöhnliche Geschichte eine» zogen, um die verrätherische Gluth zu verhüllen., I jungen Menschen, der ohne Lebenserfahrungen und Weltklug. „Nun sitzt der Eandidat wieder böse in der Tinte," I hell, mit bescheidenen Mitteln, die ich ja vor Allem Deiner lamentirte der alte Herr weiter die Treppe hinab, wobei seine I unerschöpflichen Güte verdankte, in eine ganz andere Welt Schwester leuchtete. „Und die arme Sude, die sollen sie nur I hinauskam, als in welcher er geboren und aufgewachsen war. gleich in den Erker hinauf bringen; denn wenn's Wasser hoch I 34 mußte bitteres Lehrgeld bezahlen und war oft nahe daran, geht, steigt's über den oberen Stock hinauf, das Haus liegt I das jammervolle Leben von mir zu werfen. Du glaubst gar zu niedrig." I nicht, Tante, wie viele derartige Existenzen in solcher Weise „So schlimm wird's wohl nicht werden," meinte die I drüben zu Grunde gehen. Wer in dem großen Strome de« Tante zuversichtlich, „ein solches Wasser haben wir ja seit I Erwerbs nicht mitschwimmen kann, geht unter, ohne daß sich fünfzehn Jahren oder noch länger nicht gehabt. Na, gute I ihm ein Finger zur Rettung darbietet Ich hatte da» Glück, Nacht, kommt gut nach Hause." I einen Freund zu finden, der mich stützte und emporhob —" Sie blieb noch eine Weile auf dem ersten Treppenabsatz I „Den jungen Mann, den Du zu mir schicktest?" unterstehen und stieg dann rasch wie ein junges Mädchen wieder I brach Tante Dorothea ihn überrascht. hinauf, um Willibald durch leisen Anruf mit in ihre Wohnung I «3a, meinen lieben Richard Hamson, dessen Bekanntschaft zu nehmen, welche ste sorgfältig verschloß und verriegelte | ich einem kleinen Dienste, den ich ihm leistete, verdankte und Drinnen blickte der junge Mann in tiefer Erregung rings ber mein Schicksal dadurch mit einem Schlage umwandelte." umher, Alles war wie früher, nichts hatte stch verändert in I »Worin bestand dieser Dienst?" dem einfachen Zimmer, jedes Bild an den Wänden, der lange | „"3” der einfachen Warnung, eine Brücke, welche dem Spiegel, Alle grüßten wie alte Bekannte und auch an der I Umstürze nahe war, mit seinem Pferde nicht zu beschreiten. Bewohnerin schienen die Jahre spurlos vorüberaeaanaen I , 3»genieur hatte ich mit einem Blick die Gefahr erkannt zu sein. 0 u B I und mahnte ihn, lieber einen Umweg von einigen Meilen zu „Du findest Alles wieder, wie Du es verlassen hast, | ma4en- da ich als Fußgänger mich nicht hinüber getraue. Willibald," begann ste, „ich bin conservativ, mein Jungel" I ®in Dankes, welcher daneben stand, verlachte mich höhnisch „Und auch Dein goldenes Herz habe ich wiedergefunden, ^°^nden Steg. Doch bevor er die Mute Tante," erwiderte er bewegt. „Man wollte mir weismachen, erreichte, krach e Alles zusammen und begrub ihn n den Strom, daß Du kein Willkommenrwort für mich hättest —" I dem wir ihn nicht erretten konnten. Hamson stieg vom „Nun, aufrichtig, lieber Junge, ich habe mich ansanas I ™em, das er am Zügel führte. Er dankte mir mit einem auch nicht über Deinen Brief gefreut," fiel die alte Dame 5°™ ^nb,ebru£ fttr bie ^^"ung und so gingen wir im ruhig ein, „ich wittere etwas von dem alten Leichtsinn und I ^sprach mit ernander weiter, brs er schließlich genug au» mir da« betrübt mich zu tief. Du siehst ja nun auch, wohinDdne ^wusgeholt hatte, um mir einen tatsächlich rettenden Vor- Tollkühnheit Dich geführt hat" 9 I schlag zu machen, nämlich die sichere Anwartschaft auf einen «Nun freust Du Dich aber doch über Deinen schlimmen Z^7Ä?osten bei einem großartigen Effenbahn-Unternehmen. Jungen, nicht wahr, Tantchen? — Die Sehnsucht lieb mir I % ich durch einen Augenblick der Glück« in mein keine Ruhe, ich wär' daran gestorben." B I rechtes Fahrwasser und habe, wie ich mir sagen darf, der „Die Sehnsucht nach mir?" fragte sie lächelnd. Empfehlung meine« hochherzigen Freunde« keine Schande „Nach Dir und Elisabeth." I gemacht. »Nun ja, ich will'« ja glauben, lieber Willibald, Vor mich mehr, als ich sagen kann, lieber Willi- allen Dingen aber müssen wir jetzt erst für Deine Sicherheit I £?;bJ ~ 3)11 baf* also drüben eine feste und geachtete sorgen, da er sehr wahrscheinlich ist, daß man Dich auch bei I ® errungen? mir suchen wird. Du kennst doch Dein altes Versteck noch?" I «. , °"4 Erwögen genug, um an einen eigenen Herd — ' w । denken zu können." „Sieh', sieh'," meinte bie alte Dame, ihn nachdenklich anblickend, „willst also heirathen?" „Es ist mein sehnlichster Wunsch, Tante Dorothea," erwiderte er lächelnd. „Dann verstehe ich aber durchaus nicht, weshalb Du Dein Glück durch diese tollkühne Heimkehr so leichtsinnig auf« Spiel setzen konntest," rief ste kopfschüttelnd. „Aber Herzens-Tantchen, das höchste Glück, die Aus« erwählte meines Herzens, mußte ich mir doch erst au» der Heimath holen Glaubst Du etwa, ich könnte drüben ein Mädchen finden wie Elisabeth Hellbach, genannt Ehrhard? Und wenn Kerker ober gar der Tod meiner hier harrten, ich mußte zurück über'« Weltmeer, fei’« auch nur, um sie noch einmal zu sehen." „Darum also," sagte Tante Dorothea, sorgenvoll vor fich hinnickend, „aber diese Treue gefällt mir. Armer Junge, wenn Elisabeth nun schon verheirathet gewesen wäre?" „Dann hätte ich ihr die Hand gedrückt, sie wie eine Schwester begrüßt und mir den Staub von den Füßen geschüttelt, um für immer von Lieb' und Hoffnung Abschied zu nehmen. Aber es ist anders gekommen, Tante Dorothea!" setzte er mit leuchtendem Blick hinzu. „Sie, die schöner er- blüht ist, al» ich ste in meinen stillen Träumen jemals gesehen, 30 hat «uch mir ihr rttitM Herz, ihre «ebe und Treu« bewahrt und ist entschlossen, mein Weib zu werden/ (Fortsetzung folgt.) Der „Voss'sche Milbenfänger." (Deutsche» Reichs-Patent No. 78010.) Der in seiner Fürsorge um die Pflege und den Schutz unserer Stubenvögel unermüdliche Hoflieferant Herr Gustav Vor« in Köln hat neuerdings das Inventar der Hülfs» mittel zur Pflege der Vogelwelt und des größeren Haurge- flügelr um eine Erfindung bereichert, welche in interesfirten Kreisen berechtigtes Aufsehen macht und unstreitig als ein gewaltiger Fortschritt auf dem Gebiete der Vogelpflege zu bezeichnen ist. Es handelt stch um nichts Geringeres, als um die radikale Vertilgung der Milbe, diese« zähesten und schlimmsten Bedrängers der Stubenvögel und de» Hausgeflügels. Wir waren von altersher gewöhnt, die Milbenplage als ein liebet anzusehen, gegen welche« „lein Kraut gewachsen" sei, denn wenn er auch an klugen Rathschlägen und allerhand Mittelchen zur Bekämpfung derselben niemals gefehlt hat, so wußte doch der Vogelfreund au» eigener Erfahrung, daß im günstigsten Falle vielleicht eine vorübergehende Milderung, keineswegs aber eine totale Beseitigung der Plage erzielt werden würde. Die winzige Milbe, mit bloßem Auge kaum sichtbar, weiß sich gegen jede Verfolgung sehr geschickt zu schützen. Man mag den geplagten Vogel noch so gründlich reinigen, ihn mit milbenmordenden Sub- stanzen noch so sehr bespritzen und einreiben: die Milbe wird in dem dichten Gefieder an schwer erreichbaren Stellen immer ein sichere» Versteck finden. Tagsüber halten sich diese Schmarotzer bekanntlich zumeist in den geheimsten und verborgensten Ecken und Winkeln des Käfigs, in den Ritzen der Sprunghölzer und Sitzstangen verborgen und erst wenn das Dunkel und die Stille der Nacht hereingebrochen, fallen sie in großen Massen über ihre Opfer her, sättigen sich stundenlang am Blut derselben und suchen erst mit eintretender Tageshelle ihre Schlupfwinkel wieder auf. Nur der bewährte Fachmann, der da» lichtscheue »er» derbliche Treiben der Milbe vielfach zu beobachten Gelegenheit hatte, nur der wirkliche Vogelfreund, der Mitgefühl besitzt für die Leiden der gefiederten Welt, konnte sich dazu verstehen, Zeit und Mühe auf die Erfindung eine» Mittel» zu verwenden, dessen Bewährung im Vorau» nicht» weniger al» gesichert erschien. Keiner war berufener zu dieser Aufgabe al» Herr Vos», dessen ornithologische Großhandlung mit ihren unerreicht vortrefflichen Vogelfutter-Speciall- täten, die allein ein ruhmreiche» Blatt in der Geschichte der Vogelpflege ausmachen, durch ganz Deutschland stch verdienter Anerkennung erfreut. Der „Voss'sche Milbenfänger" besteht aus zwei ungleichen Metallhülfen. In die kleinere Hülfe wird da« Käfig-Sprungholz refp. die Geflügel-Sitzstange gesteckt und dieselbe dann in die größere Hüffe — den eigentlichen Milben- sänger — eingeschoben, so daß die einzelnen Thelle zu einem Ganzen vereinigt sind und jetzt nur noch die Befestigung im Käfig refp. in den Geflügelställen erübrigt, welche stch in bequemster Weise bewerkstelligen läßt. Gestützt auf die langjährige Beobachtung de» Erfinder», daß bte Milben nach verrichteter Arbeit stch an den Sprunghölzern und Sitzstangen entlang in ihre Schlupfwinkel zurückziehen, ist in dem Milben- Unger selbst ein sicherer und warmer Schlupfwinkel dargeboten. Die größere Metallhülse — der Mtlbenfänger - ist vielfach durchlocht, damit die Milben in da» Innere der HAfe einkriechen. Hier befindet ftch eine Wattpolsterung, die mit einer zur Tödtung der Milben entsprechend präpa- rirten, völlig geruchlosen und für Vögel und Geflügel absolut unschädlichen Substanz imprägnirt ist. — Schreiber diese» hat mit dem Milbenfänger sehr gründliche Versuche angestellt und war von den Rusultatm auf'» Höchste Überrascht. Er fand 12 Tage nach Anbringung de» Milbenfänger« int Vogelkäfig Tausende Schmarotzer leblo» in der Metallhülse vor und er kann nach diesen, selbst ermittelten und nach gleichen von anderer Seite bestätigten Resultaten nicht dm geringsten Zweifel hegen, daß der „Vo««'sche Milbenfänger" seine Ausgabe voll und ganz erfüllen wird. Bei dem geringen Preise desselben: 25 Pfg. pro Stück für Canarienvögel, Finken und andere kleinere Vögel; 40 Pfg. pro Stück für Amseln, Staare, Drosseln, Sittiche und andere Vögel dieser Größe, und 50 Pfq. pro Stück für Hühner, Tauben u. f. w. ist die Anschaffung Jedermann ermöglicht. Jean Bungartz, Ritter p. p., Thiermaler und Redacteur. Vermischtes. Haus und Häuslichkeit. Wozu ein großes Haus? Es nützt nicht voll, noch leer, Zu einem großen Hau« gehört ein große» Heer, Zu einem großen Herr gehört ein reicher Sold, Zu reichern Sold gehört ein eigner Schacht von Gold. Zum Schacht voll Gold gehört viel Müh' wohl, ihn zu graben; Drum will ich auf der Welt ein kleine» Hau» nur haben. Das größte Hau» ist eng, da» kleinste Haus ist weit, Wenn dort ist ein Gedräng und hier Zufriedenheit. Rückert, e • ♦ Selbstgefühl. Ein Meister wirst feinem Lehrling vor, daß er feinen Verdienst verbraucht habe. „ . . - Dazu kommt noch", bemerkt er, „daß Du 3 Mk. 60 Pfg. für zwei eingeschlagene Laternen zu zahlen hast!" — Lehrling (stolz): „Meister, da» find Ehrenschulden." • Guter Rath. Gast: „Wie viel Hectoliter schenken Sie täglich au»?" — Wirth: „Im günstigsten Falle sieben." Gast: „Ich wüßte ein Mittel, wodurch Sie täglich mindesten» acht aurschenken." — Wirth: „Und da» wäre?" — Gast: „Schenken'» nur jede» Gla« gehörig voll ein." ♦ Kniff. Herr: „Sie betteln und thun nicht einmal Ihren Hut herunter!" — Strolch: „Ja, sehen Sie, wenn ich den Hut abziehe, so merkt schon von Weitem ein Gendarm sogleich, daß ich bettle. So aber meint er, ich führe blo» im Stehen ein freundliche», Gespräch I" Enttäuschung. „O, lieber Mann, da seh' nur einmal diesen zudringlichen Menschen, der uns schon eine halbe Stunde folgt. Wenn es nur keine Effersuchtsscene gibt —" — Mann (einfallend): „Daß Du Recht hättest, liebes Lottchen l Leider hat» der Kerl auf mich abgesehen, ich bin ihm noch die ganze Einrichtung schuldig, e« ist der Schreinermeister Wunderlich." * G Der Sohn de» Politiker». Vater: „Nun, Karl, hast Du schon wieder nachsttzen müssen?" — Karl: „Ja, leider. Ich sage e» ja immer: E» wird nicht eher besser in der Welt, al« bi« die Schule vom Unterricht getrennt wird." ♦ • ♦ Nur nobel. Ein Eckensteher wird von seinem Kameraden gefragt: „Donnerwetter, wa» rauchst Du denn da für einen Stummel?" — Der Gefragte antwortete stolz: „Havannah-Auflese." Redactisn: «. Ech.yda. - Druck mtb Verlag der Brühl'schev Druck«« (ge. «hr. Pietsch) in Giejzcn.