icßener ümilkTiblällcr Unterhaltungsblatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). MWWMS^M!SM?SWWW>SSWNSMSWSWMM«L^WUS8NSSSMMS«WS>MSW>WSWWM^^MMWWDMS Unebenbürtig. R»M«N von H. von Ziegler. (Fortsetzung.) Eine Stunde später raffelte der Hohenthal'sche Wagen über die Schloßrampe de» Wildenstein». Der Baron sprang heraus und half einer tief verschleierten Dame, sowie einem Kinde heraus. Der Diener, welcher ihnen die Thür öffnete, blieb wie angewurzelt stehen und starrte beinah faffungslos auf die schlanke Frauengestalt. Da trat sie plötzlich zu ihm, bot ihm die kleine Hand und sagte wehmüthig: „Sie erkennen mich doch wieder, Ranke, nach vier langen Jahren! Wie freue ich mich, den Wildenstein und seine Bewohner wiederzusehen!" „Lomteß Therese?" rief der Mann jubelnd und doch auch erschüttert, „nun ist Alles gut, da Sie wiederkommen; wir meinten Alle, Comteß seien gestorben!" „Da« bin ich im gewissen Sinne auch," gab sie weh« müthig zurück, „ich führe — einen anderen Namen und komme nur, meinen sterbenden Vater da» letzte Mal zu sehen." Da» gab einen Aufruhr unter den Leuten, al» e» wie ein Lauffeuer bekannt wurde, Comteßchen sei gekommen; sie hatten sie Alle beinah vergöttert und der Sch nerz war ein großer gewesen, al» man geglaubt, sie sei gestorben. Freilich, gefragt hatte Niemand die Herrschaft, aber diese nannte nie mehr den Namen der Tochter und Schwester, und Therese war und blieb verschollen. Und nun kniete sie endlich am Bette de» sterbenden Vater», preßte schluchzend ihre Lippen auf seine welke Hand und flüsterte ihm tausend Liebesnamen zu; jeder Groll war ausgelöscht und die Herzen strömten all' die Liebe und Zärtlichkeit aus, die feit Jahren zurückgedrängt worden. „Du kommst noch zurecht, mein Kind, um mir die Augen zuzudrücken," stammelte der Sterbende mit herzzerreißendem Lächeln; „mir geht's besser wie der armen Mama, die gestorben ist, ohne Dich noch einmal zu sehen!" „Vater, lieber theurer Vater," schluchzte die junge Frau, „wie danke ich Gott für diese Stunde! Sie löscht alr die »infamen, trüben Jahre der Verbannung au»." „Bist Duden» nicht glücklich, Therese?" fragte der Graf mißtrauisch und die Stirnader schien zu schwellen- „Deine Worte deuten es an." „O doch, Papa, sehr glücklich! Friedrich liebt mich ebenso innig, wie ich ihn, und wenn ich von trüben Jahren sprach, so meinte ich darunter nur die Entfernung von Euch und dem Wildenstein." „Sprich nicht von — jenem Manne," entgegnete der Vater finster, „ich kann nicht von ihm höre«, aber Dein Kind, — wo ist Dein Töchterchen?" Therese flog in'» Nebenzimmer, wo Nora fich mit Onkel Hohenthal sehr lebhaft unterhielt. „Ich bringe Ihnen das Kind sogleich zurück, Eduard," bat sie hastig, „Papa will e» nur sehen. Komm', Nora, zum kranken Großpapa." Da» blonde kleine Mädchen trippelte an der Hand der Mutter in'» Krankenzimmer, scheu und angstvoll, denn es kannte ja den Großvater noch nicht und bangte fich so vor ihm. Tiefgerührt blickte der Sterbende in dies süße Kinder- geficht, welches ihn au» blauen Augen angstvoll anstarrte, mühsam streckie er die Hand au« und sagte halblaut: „Komm' her, mein Kind, wie heißest Du?" „Nora," entgegnete die Kleine lächelnd, „aber die Mama nennt mich auch Mäuschen und Schäfchen." „Weißt Du — wer ich bin?" „O ja," sagte sie mit glänzenden Augen, „der Großpapa, den ich sehr lieb haben soll. Ich habe den Bildern von Dir und Großmama jeden Abend ein Küßchen geben müffen." „Kleiner Engel!" murmelte der Graf, deffen Augen feucht wurden. „Ja und ich muß nun auch zum lieben Gott beten, daß Du wieder gesund wirst," plauderte das Blondköpfchen, welches auf einmal alle Schüchternheit vergaß, „die Mama faltet mir die Hände und hilft mir, wenn ich das Gebet nicht ganz auswendig weiß, denn, siehst Du, es ist sehr lang- Ich muß auch beten, daß der liebe Papa gesund bleibt —" „Sprich nicht so viel, Nara," unterbrach die junge Frau die Kleine, „der Großpapa wird sonst müde davon." „Nein, nein," lächelte dieser gerührt, „laß sie nur plaudern, Therese." 170 „Sie soll Dir etwas vorfingen, Papa; komm', Nora, sing» einmal Dein Mailiedchen." Nora nickte, faltete die runden Kinderhändchen und begann mit Hellem Sümmchen das bekannte Kinderlieb: „Komm', lieber Mai, und mache Die Bäume wieder grün, Und lah uns an dem Bache Die Veilchen wieder blüh'n." Es war eine unendlich rührende Scene und kein Auge der drei lauschenden Personen blieb trocken, denn Hohenthal war gleichfalls auf die Schwelle getreten. Sein ernst beroun# bernder Blick ruhte auf der mädchenhaften Gestalt der Geliebten, die so stolz zu ihrem Lieblinge hinschaute. Wie war doch Alle» so anders geworden, wie gut führte Gott es hinaus I Als Nora geendet, nahm Therese sie in die Arme, küßte sie und flüsterte ihr zu: „Nun geh' mit Onkel Eduard in den Garten; der liebe Großpapa muß ruhen." „Ja," tuschelte die Kleine, „aber bitte, ich will ihm erst die Hand küssen, weißt Du, als wenn ich dem Papa gute Nacht sagte." Und sie schlich auf den Zehen zu dem Sterbenden, unter dessen geschlossenen Augenlidern Thräne um Thräne hervorquoll, preßte die frischen Lippen auf seine welke Hand und raunte ihm zärtlich zu: „Gute Nacht, Du lieber Großpapa! Schlafe schön und träume von mir I Ich komme dann wieder zu Dir." Als der Baron mit der Kleinen hinausgegangen war, blieb es still in dem Gemache, Vater und Tochter fühlten, wie ihre Herzen einander näher kamen durch dies kleine, unschuldige Geschöpfchen, aber keines wagte zuerst zu sprechen. Endlich seufzte der Sterbende tief auf. „Therese, Gott segne Dich für Deine Kindesliebe! Du hast mir vergeben, daß ich Dich verstieß, um — um jenes Mannes willen?" „Ich habe Dir nichts zu vergeben, mein armer, theurer Vater, sondern Du mir, denn ich handelte gegen Deinen Willen. Aber siehst Du, Papa, ich empfand tief drinnen im Herzen, daß es der einzige Weg zum Glücks war, der sich mir glänzend aufthat- Hohenthal schätzte und achtete ich hoch, aber zu lieben vermochte ich ihn nicht, wie das Weib eben lieben muß und soll „Ja," nickte der Sterbende schmerzlich, „es steht schon in der Bibel, daß das Weib um des Geliebten willen Bater und Mutter verlassen soll. — Ach, Therese, unsere Handlungsweise konnte nicht anders sein, aber was Deine Mutter und ich dabei gelitten, ist namenlos; unsere Herzen brachen fast, als drunten der Wagen fortrollte, der Hohenthal und Dich ausgenommen." „Der treue, herrliche Eduard," rief die junge Frau voll dankbarer Rührung, „er hat mir stets von Euch berichtet mit der liebevollsten Genauigkeit und ohne ihn wäre ich eine Zeit lang völlig verlassen gewesen!" „Mein armes Kind! Es mußte sein um unsere» alten Geschlechter willen! Aber nun — laß un» Abschied nehmen — für ewig! Der Tod naht, die Freude hat meine letzten Kräfte aufgezehrt!" „Wo ist — Rudolf?" Eine tiefe Angst zitterte durch Theresen» Stimme, über der Grafen St rn glitt ein Schatten. „Er ist ein Wildenstein, Kind, — und hat einstmals eine Schwester verloren." Die arme Frau zuckte erbleichend zusammen, aber sie schwieg, sie kämpfte das schwere Weh erst hinunter, ehe sie antwortete: „Ich verstehe, Papa, Rudolf will mich nicht sehen! Es thut weh — aber ich zürne ihm nicht, denn im Herzen ist er mir doch gut. Gott segne ihn!" Und dann nahmen sie ernsten, tiefbewegten Abschied von einander; Therese kniete am Bette der Vaters, dessen Hand sie innig in den ihren hielt. Die warme, hell« Matensonne schien zwischen den grünen Vorhängen hinein wie ein Gruß von oben und das brechende Auge des alten Mannes richtete sich auf die goldenen Strahlen, welche er nun zum letzten Male sah. „Lebe wohl," hauchte er, „für immer. — Ich gehe — hinüber in — dis ewige Heimath. — Herr Gott, vergib — mir meine — Sünden!" Währenddem war Baron Hohenthal mit der kleinen, fröhlich plaudernden Nora hinüber geschritten nach dem anderen Flügel, um durch die Veranda in den Garten zu gelangen. Doch die Thür war verschlossen, sie mußten wieder zurück und al» sie im Wohnzimmer des alten Grafen standen, trat ihnen unvermuthet Rudolf entgegen. Sein Antlitz war bleich, finster, ein feindseliger Blick sprühte auf das blonde Kind, welches so unbefangen neben Hohenthal einhertrippelte, und schon wollte er fich abwenden, als letzterer ihn mahnend anrief: „Rudolf, bleibe hier! Mein kleines Pathchen, Nora, will Dich begrüßen." „Bist Du auch ein neuer Onkel?" fragte dis Kleine zutraulich und blickte den fremden, düstern Mann unerschrocken an; „ich habe vorhin erst einen Großpapa bekommen, der ist aber sehr krank und liegt im Bett. Wie heißt Du denn, Onkel? Soll ich Dir eine Hand geben?" Voll naiver Kindlichkeit lief sie zu dem Grafen hin und reichte ihm das rosige Händchen, doch dieser schien es nicht zu bemerken, die Adern an den Schläfen schwollen unheimlich an. „Ich bin Dein Onkel nicht," stieß er rauh hervor. — „Eduard, nimm das Kind fort, ich — kann es nicht sehen." Nora blickte mit großen Augen den „neuen Onkel" an; war sie denn unartig gewesen, daß er ihr nicht die Hand gab, sie smußte es noch einmal versuchen! Und wiederum streckte sie ihm vertrauensvoll die kleinen Hände hin und sagte, etwas schüchterner und befangener als vorhin: „Warum bist Du mir böse, lieber Onkel? Soll ich nicht Deine Hand bekommen?" Tief drinnen in seiner Seele erwachte ein weicheres, milderes Empfinden, aber der alte Groll, das tiefeingewurzelte Standesvorurtheil bäumte sich hoch auf und ohne sich zu besinnen, stieß er die kleine Hand von sich. „Fort mit dem Kinde! Es gehört nicht auf denWtlden- stein, nicht zu un», und ich mag es nicht sehen." Das süße Gesichtchen ward dunkelroth vor Zorn, aber dennoch weinte Nora nicht; ihr Auge blitzte, sie stampfte mit dem Füßchen und rief mit Hellem Sümmchen lief gekränkt: „Du willst mir die Hand nicht geben! O, dann werde ich'» der Mama sagen, das ist sehr unartig von Dir, denn ich war ganz artig, das kann der liebe, gute Onkel hier sagen. Der ist immer lieb zu mir und hat mir auch ein Bonbon geschenkt, aber zu Dir komme ich nie mehr!" „Rudolf," mahnte Hohenthal ergriffen, „willst Du Deinen Haß und Groll selbst an diesem Kinde auslassen, welches doch unschuldig ist? Sieh' in dessen blaue Augen und Gott lenke Dein Herz." „Ich kenne es nicht," beharrte der Graf finster, „nimm es fort — ich kann diese Stimme nicht hören." „Wir werden gleich wieder fortfahren," nickte Hohenthal bekümmert, „ich will nur noch ein wenig mit Nora in den Garten gehen, bis ihre Mutter herauskommt." Als Beider Schritte verhallt waren, griff Rudolf an die wild pochenden Schläfen und stöhnte qualvoll: „O, Allmächtiger, es ist furchtbar schwer, fest zu bleiben, aber ich kann nicht anders — und ich würde ebenso wieder handeln, wenn es sein müßte. Ich habe meine Schwester für immer verloren —" Da brach er plötzlich ab und lauschte, eine Stimme rief seinen Namen, angstvoll, dringend und immer von neuem: „Rudolf, Rudolf!" Nur Eine konnte so rufen: Therese. Aber er ahnte auch, weshalb und stürzte hinaus aus dem Zimmer, den Gang hinab, nach dem Schlafgemach des Vaters. Auf der Schwelle desselben stand eine schwarze Frauengestalt. „Er stirbt, Rudolf, komm' zu ihm!" klang es ihm tonlos entgegen; der eine ernste Augenblick riß alle Schranken nieder, welche Menschenkurzstchtigkeit errichtet. „Vater, o mein theurer Vater, fall ich Dich verlieren! stöhnte der unglückliche Sohn und sank zu Boden neben dem Sterbelager, an da» soeben der Tod heranschwebte. — "a lächelte Gras Wildenstein matt, sein brechender Blick umsaßte beide Kinder, ihre Namen war der letzte Hauch seiner Lippen, dann ging er hinüber, still und friedlich. Betend knieten die Geschwister nebeneinander, endlich erhob sich Rudolf und drückte dem Verklärten sanft die Augen zu, sein Arm streifte das Gewand Theresens, er athmete schwerer, aber dennoch that er nicht, als bemerkte er sie. Sie sah es wohl, sie kannte ihn zu genau, um eine weichere Regung zu erwarten und dennoch ließ es sie nicht ruhen, noch einen letzten Versöhnungsversuch zu machen. „Rudolf," bat sie in bebenden Tönen, die gefalteten Hände ihm entgegenstreckend, „habe Erbarmen, sage, daß Du mir vergibst — hier am Todtenbette unseres geliebten Vaters I Hast Du mich denn wirklich aus Deinem Herzen gestrichen?" Ein dumpfes Stöhnen rang sich aus seiner Brust, dann murmelte er zornig vor sich hin: „Ich wollte, daß ich es könntet" „Bruder," schrie die junge Frau herzzerreißend und stürzte vor ihm hin, „so liebst Du mich doch noch l Rein, nein, Du hast Deine Schwester nicht verstoßen." Aber die bösen Mächte in seiner Seele siegten von neuem; kalt und feindselig trat er zurück, ein unnahbarer Ausdruck prägte sich in den bleichen Zügen aus und er sagte kurz: „Doch, ich that's! Ich — habe keine Schwester mehr — sondern nur ein fleckenloses Wappenschild!" „Rudolf," erwiderte Therese, schwer aufseufzend, „Du hast es gewollt, wir gehen in dieser Stunde auf ewig von einander, und nimmer wird mein Weg den Deinen kreuzen, selbst wenn ich — sterbe, kann ich nicht mehr nach Dem rufen, der mir einst theuer war, denn mein Bruder hat — keine Schwester mehr! .Ob Dein reines Wappenschild im Stande sein wird, einst die Sehnsucht nach Der zu stillen, die Dich auch in dieser schweren Stunde liebt und segnet, mußt Du erst versuchen. Lebe wohl, Rudolf!" „Lebe wohl," klang's zurück und die junge Frau schritt hinaus, aber als sich die Thür hinter ihr geschloffen, vernahm sie drinnen einen dumpfen Fall; Graf Rudolf war an der Leiche seines Vaters besinnungslos zusammengebrochen. Voll stiller Verzweiflung suchte Frau zur Stetten den Baron und ihr Kind auf, kaum vermochte sie die Worte hervorzustoßen: „Lassen Sie uns fortfahren, Eduard, mein Vater — ist hinübergeschlummert." „Arme Therese," sprach Hohenthal feierlich, „Sie thun mir unsäglich leid; Sie haben recht, wir wollen sogleich fortfahren." „Aber Hohenthal, ehe man Papa beisetzt, muß ich ihm noch einen Kranz bringen; nur — Rudolf kann ich nicht mehr sehen." „Ich will Ihnen helfen, gnädige Frau; daß er noch derselbe geblieben ist, wußte ich genau, aber Geduld! Gott wird auch ihn einst ändern." Der Wagen fuhr vor, doch im selben Moment stürzten auch die Dienstboten heran, um „das Comteßcheu" zu begrüßen; jedes drängte herbei, die Hand zu küssen, welche so gütig stets gewesen, und ein freundliches Wort zu vernehmen, wie früher so oft. Bitterlich weinend drängte Nora an die bleiche Mutter, welche wortlos, tieferregt die Hände der Leute schüttelte und ihnen zunickte. „Soeben ist Graf von Wildenstein verschieden," sagte Hohenthal, feierlich das Haupt entblößend, „geht hinein und versprecht Eurem neuen Herrn dieselbe Treue, die Ihr dem Tobten erwiesen." Als Therese im Wagen saß, Nora neben sich, Hohenthal gegenüber, da löste sich der starre, heiße Schmerz ihrer Seele in einem Strom von Thränen. Weinend lehnte sie in den violetten Seidenpolstern; der schwere Verlust, den sie erlitten, die herbe Zurückweisung des Bruders und das letzte Fortgehen aus dem Elternhaus erregten sie tief und abweisend erhob sie die Hand, als der Baron sie herzlich zu trösten begann. War konnte man ihr auch sagen? Sie mußte den bitteren Kelch bi« zur Hefe leeren, mußte allein mit sich ringen nach Faffung und nur der Allmächtige dreben konnte ihr Weh mit seinem Tröste lindern. Die kleine Nora saß ganz verschüchtert neben der Mama, nur von Zeit zu Zeit blickte sie den gütigen Onkel wie hilfeflehend an und er nickte ihr liebevoll zu; bas süße, blonde Geschöpfchen hatte sich ihm tief in’« Herr genistet und der Gedanke, es wieder von sich lassen zu müssen, erschien ihm sehr-schwer. „Großpapa ist tobt?" flüsterte dar Kind fragend. „Er sagte ja, er wolle schlafen. Ach, der arme, süße Großpapa sah so traurig aus, ganz so wie Mama — wenn ich nicht brav war." „Nora," rief jetzt die weinende Frau und öffnete sehnsüchtig der Kleinen beide Arme, welche sich auch sogleich zärtlich hineinschmiegte, „komm' her, sag' mir, daß Du mich lieb haben willst und — immer bei mir bleibst." „Ja, wenn der Papa hier wäre," flüsterte dar kleine Mädchen, „dann wäre es so schön hier. Aber, nicht wahr, wir reisen zu ihm? ' „Ja, o gewiß! Er wird uns vermissen und hier — haben wir Niemand, der uns lieb hat." „Niemand, Therese ?" klang es schmerzlich von Hohenthal« Lippen und er streckte ihr voll warmer Herzlichkeit die Hand entgegen. „Vergeben Sie mir, Hohenthal," entgegnete sie, dankbar seine Hand drückend, „ja, Sie sind mein vielgeliebter Freund, ohne den ich oftmals im Dunkeln getappt hätte. Gott lohne es Ihnen für und für. Nicht wahr, Sie werden auch meins Nora gleich lieb behalten?" „Ja, das werde und will ich," sagte der Baron, sich über die schmale Hand neigend, um sie zu küssen. „Gott verhüte, daß es dazu komme, aber wenn Ihr Kind einmal allein int Leben stehen sollte, dann mag es sich daran erinnern, daß Schloß Hohenthal ihm eine zweite Heimath und ich sein väterlicher Freund und Beschützer sein will." „Ich wußte es, Eduard, und diese Worte sind für mich ein Lichtblick, ein Trost an diesem schweren Tage! Zu vergelten vermag ich Ihre Liebe nicht, nur beten will und werde ich, daß es Gott der Allmächtige selber thun möge." — Im Ahnensaal des Wildensteins unter Palmen und Lorbeerbäumen hatte man den Grafen aufgebahrt; die schwere, goldbefranzte und mit dem schimmernden Grafenwappen gestickte Sammtdecke, welche schon seit Jahrhunderten zu dem Zwecke gedient, lag zu Füßen des Sarges, ringsum flammten auf hohen Silberkandelabern dicke Wachslichts und verbreiteten ein gespenstisches Dämmerlicht in dem weiten Raum, dessen hohe Fenster schwarz verhüllt waren, um das Helle Tageslicht nicht hineinzulassen. Das welke, magere Todtenantlitz sah friedlich aus, als fei das jahrelange Leid und Weh nun hinweggewischt mit mildversöhnender Hand. Die gesammten Dorfbewohner, die Nachbarn und Alle, die irgend ein Interesse an dem Wildenstein hatten, kamen herbei, den stillen Tobten zu sehen, der im Leben so oft gütig und theilnehmend mit ihnen gesprochen, denn so streng der Graf auf die Reinheit seines uralten Namens und Wappenschildes hielt, er kannte auch genau die wahre Bedeutung des noblesse oblige und war feinen Untergebenen stets ein gütiger, gerechter Herr gewesen. Die Todesanzeigen waren umhergesandt auf starkem, schwarzgerändertem Papier; unter der kurz gehaltenen Todesanzeige aber stand nur ein einziger Name: Gras Rudolf von und zum Wilden stein als Sohn. Tiefbewegt schloß Hohenthal das Couvert in seinen Schreibtisch, damit Therese es nicht sehen möge; sie wollte so gern noch bleiben, bis der geliebte Vater beigesetzt worden, um von seinem Sarge noch Abschied nehmen zu können und Eduard pflichtete ihr bei, er sand den Wunsch sehr natürlich. So stand, als die Glocken läuteten und vom Schloß- thurme die Posaunen erschallten, im Park, ganz verborgen und einsam, eine schlanke Frau in tiefen Trauergewändern, um von Weitem den ernsten Zug zu sehen: Therese zur 5 Stetten. Auf ihre dringenden Bitten war Hohenthal nicht »Hrtt«: «. «ch.Yd-. - Druck ««dkerlagHrühl'schm UuivrMStSEmh. «nd Gt.«,d-uck»«i (Pi.tjch & Sch'Yda) i« ***• 15*2 -»-> bei ihr geblieben, sondern mit zur Beisetzung gegangen; nach - fataler Zwischenruf. Feudales Wahloandidat. derselben wollte er sie sogleich abholen, um in die Gruft I > • Meine Herren! Nach meinem bisherigen Wirken be- binabmsteigen. (Fortsetzung folgt.) I darf es keiner ausführlichen Entwicklung meiner Programm«. ymaozuflergen. | Sie wissen ja, was ich immer im Auge gehabt . . . — I Wähler: „Jawohl, das Monocle.^ GeMeiNNÜtzrgeS. I @tren9 postalisch. Postsecretär von auswärts, ..„w «1» »t., I (einen erkrankten College» besuchend): „Es freut mich, daß Stahlfedern lange und immer rem zn er I nieder so gut erholt haben." — College: „Ja, der halten, ohneste zu „r^^öM.Dieseunwahr^cheinllch ^zthatte mich schon aufgegeben.« - Postsecretär: „Aber «-I-- «ragott S«t di« -«hm-.°--w°iMt.- das Tintenfaß stellt und so ost man Sesch^ieben. die Fsder I ^ie kluge Käthe. „Papa, find die Schwalben die zwischen diese Schrotkörner stellt. Die Feder trockenes Kochsalz und reibt damit tüchtig den Wachsüberzug und das Eisen ab- Derartig behandelte | . '«"« M,d-, «>n R°ft 6ef«lt. B.,„ ... Dr. -.a. 1 ------ \ R Wichmann, Nervenarzt in Braunschweig. Preis 80 Pfg. Verlag I von Otto Salle in Braunschweig. — Der durch sein Buch „Sie | Wasserkuren" schnell bekannt gewordene Nervenarzt läßt hiermit, ge- I wissermaßen als Ergänzung desselben, eine weitere Schrift folgen, um I den Laien mit dem Wesen der hauptsächlichsten Nervenkrankheiten be- , !ä. - I iannt -u machen. Es gelangen in dem lehrreichen und interessant ge- Die unter dem Namen „Johannrsvrov ve- I Wrieb’nen Büchelchen die Neurasthenie, Melancholie, Gehirnerweichung, kannte ickotenartiae Frucht, welche bei uns nur als Naschwerk I Tobsucht, Hysterie, Veitstanz, Epilepsie, Dämmerzustände, llligrane, r - »inhern beliebt ist sonst aber weiter keine Vewendung I Schlaganfall, Rückenmarkskrankheiten, Ischias u. s. w. in elner siir \ L/fiZlb eine viel größere Jedermann verständlichen Weise zur Beiprechung. Manche der land findet, spielt in den Ländern ihrer Heimaty eine Wl 8 OB I Jrrthümer über die oder jene Nervenkrankheit finden hier auf Rolle. Schon in Südfrankreich wird der die Schoten liefernde I (gr™6 nJeueften Anschauungen der Wissenschaft Aufklärung. Auch d-n a«g-l°chl-« Amchlsaft dni-lbm WM Emm-ch-»; im I Orient wird heute noch in theueren Zeiten die Frucht zu | non -30 Jedermann die Anschaffung ermöglicht, m dm Mchl -«m-hlm Md mit S-rft°nmchi W- B-°db-mb-itm, Händen eines jeden Nervenkranken fein; sie wird überall willkommene benutzt, und find hierunter auch die in der Bibel im Gieichnitz j Belehrung bieten. * SÄ,FSÄS Ä £ "» ÄS««- ÄÄ'SS'ffÄÄ wa» ää*rrsÄs.ssäsums W Ls?fÄü: als magere Zukost zu seiner Fastenspeise genoffen haben mag. I @teti®{eit ousgeführt worden, daß manche Partien von grandioser Auch zur Erzeugung eines Branntweins findet die zucker- I Anlage sind, erkennt Jeder, der nur die Bilder vergleicht, welche das reiche Frucht im Orient Anwendung, und könnten die aus- | neue (16.) Heft der Familienzeitschrift ,3«r ^sue?wbnta?bef s 1 « k ‘TrÄhortt" darstellenden Früchte I W Deutsches Verlagshaus Bong & Eo., Preis des Vlerzehntagyestt gekochten, dann allerdings „Träbern varneuenoen rzru^r , , w ib^(i)-d)e aIte Eiderschleuse und rm Gegenrecht wohl schon in biblischen gelten zur Schweinemast An I W) großartige neue Schleuse von Holtenau. Mit das Jmpo« Wendung gefunden haben und sich der in der Uebersetzung | |mlte|te be§ Canalbaues ist aber wohl die Hochbrücke bei Grünen h gebrauchte Ausdruck dann wohl ^b^bktigen^^ 2!rübetn p I Slnf ch . «ätwarrdrnck ift einer der Vorzüge, die ,,(siir knüpfen. Auch als Koff.efurrogat, l guten"Stund)' allen anderen Zeitschriften voraus hat. Dann sind Feigenkaffee, Aird die Frucht im Orient und in Südfrankreich | 9,ei(.$ QUC§ bie Romane nicht zu vergessen, die Uber das sonst ublich benutzt: auch gibt der eingedickte Saft ein beliebtes Loxir- I Durchschnittsmaß weit hmauSrageu. „Ecce ego — Erst kom^.mde" mittel Die Früchte, gequetscht und ausgekocht, liefern ein D01l Ernst von Wolzogen ist schlechthin e'nDfi-isterwerdeni^er taD>i.ntwirÄmtibiC2 MU MMjit N XÄ dasselbe Decoct ein Mittel gegen Sommersproffen bilden. — I e;t ein überaus zeitgemäßer pupulärer Artikel von vr. Franz (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. k Oppenheimer über das Thema der „Heiserkeit. Kunstberlagen Iand^ Reich elt, Berlin N.W.) | beliebte Gratisbeilage Illustrierte Klasstkerbiblwthek (Chamstos ® • dichte) vervollständigen das reichhaltige Heft.