I £ li IS- 1 .. . . "'*■ üniilk'iiblüllcr KW V8W-^W MZM daß ich eine bis zwei Stunden fortbleibe, aber ich verspreche Ihnen, vor Einbruch der Nacht zurück zu sein und hoffentlich mit guten Nachrichten. Wollen Sie mir vertrauen?" „Ja, ja l An Ihnen kann ich nicht zweifeln!" antwortete er innig. „Nur stellen Sie mich auf keine zu harte Probe," setzte er hinzu, als sie das Feld in der Wand langsam wieder zuschob und dar Gesicht, das einen so tiefen Eindruck auf sein Herz gemacht hatte, seinem Blick entschwand. Cora wartete kaum das letzte Wort ab. Geräuschlos glitt sie aus dem Zimmer, schloß hinter sich zu, steckte den Schlüffe! in die Tasche, und eine schmale Hintertreppe hinablaufend, die sie vorher bemerkt hatte, schwang sie sich durch ein Fenster, das ungefähr fünf Fuß von der Erde war, in's lotete« Sie hatte den Erdboden erreicht und war im Schatten der Bäume dahingeeilt, ehe es möglich war, zu entscheiden, ob die schlanke Gestalt ein menschliches Wesen war. Ihr Unternehmen erforderte aber auch Eile und Muth. Sie war eine volle, Meile von dem Orte entfernt, von welchem sie zur Ausführung ihres Planes Hilfe zu erhalten hoffte. Und seltsam I Dieser Ort war die Heimath des Lord Faro der, wie -es schien, für sie gefährlichste Ort. Dort waren, wie sie wähnte, Jene, welche dem Neffen des Verstorbenen, dem Geliebten ihrer jungen Herrin, helfen, und den Kummer seiner Verhaftung und seines traurigen Schicksals zu verhindern suchen würden. Vielleicht wurde Netta selbst von dem Gedanken an Ernsts Gefahr und den Jammer, den sie empfinden würde, wenn sie den Geliebten und den Vater mit einem Schlag verliere, erweicht- So rasch wie ihre Füße sie tragen wollten, lief Cora und betrat endlich mit bangem Herzen wieder den bekannten Grund und Boden. Der Gedanke an Lord Faro schien wie eine drückende Last auf ihr zu liegen, und es war ihr, als höre sie seine Stimme, wie sie sich dem Pavillon näherte, in dem er zuerst Worte gesprochen! hatte, die sie jetzt nur zu gut verstand . . . Worte, die vielleicht an seinem Tode und ... . Ernsts Sünde und Gefahr schuld waren. Es war ein schrecklicher Gedanke, aber er gab ihrMuth, zu handeln. Und sie ging weiter, bis sie die Laube erreichte. Die Tochter des Meeres. »oman von X. »Hol«. (Fortsetzung.) „Mylord, das ist Thorheit," rief sie. „Sie müflen noch drin bleiben. Um Gotteswillen, setzen Sie sich doch nicht der Entdeckung aus!” ,, „Soll ich denn in dieser Mausefalle bleiben, bis ich erstickt oder verhungert bin?" sagte Lord Belfort erregt, „während ich auch noch Sie in Gefahr bringe, Cora?" „Und wenn ich mich nun verpflichte, die Gefahr mit Ihnen zu theilen, wenn Sie mir beistehen wollen, meine Sicherheit zu wahren?" lautete ihre rasche Antwort. „Ich habe schon einen Plan zu Ihrer Flucht, nur müffen Sie mir Zeit laffen, erst Alles dazu vorzubereiten und müffen mir Ihr Wort geben, unter keinem Vorwand zu versuchen, dies sichere Versteck zu verlaffen." „Cora, wollen Sie mit mir fliehen, wollen Sie die Finsterniß erhellen und die Reue mildern, die fortan mein Leben verdunkeln muß," fragte er in leisem, zärtlichem Tone. Aber das Mädchen wich vor seiner Berührung, seinem Blick zurück. „Möglicherweise begleite ich Sie, bis ich Sie in Sicherheit weiß," erwiderte sie kalt, „aber wenn Sie mich nicht vertreiben wollen, Mylord, bitte ich Sie, mich nicht durch solche Worte zu beleidigen. Ich fürchte nichts," setzte sie stolz hinzu, „ich kann mich vor jedem wirklichen Feind, wie vor jedem scheinbaren Freund vertheidigen, aber ich würde meinen guten Namen nicht unnützerweise für das Glück eines Andern auf's Spiel setzen." «Nun, ich werde es versuchen, ich werde warten," sagte er, „aber e» ist eine schwere, eine sehr schwere Aufgabe, wenn man, wie ich, auf ein einziges lebendes Wesen angewiesen ist und dieses eine das theuerste und edelste Geschöpf ist, das mir auf meinen langen Wanderungen bisher vorgekommen. Doch es sei I Ich gebe mein Wort darauf, nur verlaffen Sie mich nicht, laffen Sie mich den Sonnenschein Ihrer Gegenwart genießen," setzte er hinzu, als sie eine ungeduldige Bewegung machte. „Gut denn! So hören Sie!" sprach sie rasch. „Möglich, M - Dort blieb sie einen Moment stehen. War e» Einbildung oder unterbrach wirklich eine Stimme d e Stille? . . . War es nicht eine ihr bekannte liebe Stimme, die voll Theilnahme, wenn nicht voll Innigkeit drinnen sprach ? Coras Blut erstarrte bei dem Tone, obgleich sie in fieber- Hafter Aufregung war, als fie sich nun niederbog, um zu horchen. Um des Himmels willen, das war Rupert Falkners Stimme! Und die ersten Worte, die sie hörte, klangen sanft und theilnahmsvoll. 1 „Nein, Sie dürfen nicht sagen, Sie seien einsam und verlassen, wenn Sie Alles haben, wodurch Sie Freunde und Verehrer zu Ihren Füßen sehen können," läuteten die in der Laube leise geflüsterten Worte. „Einst glaubte ich, daß ich Geist, Liebe und stolzes Selbstbewußtsein in einem Mädchen vorzöge," uhr » leidenschaftlich fort, „aber ich habe mich grausam ge- täuscht. Sie sind in Ihrer sanften Anmuth, Einfachheit und Trauer tausend Mal entzückender, als Sie es im Glanz Ihres Ranges, Ihres Reichthums und Ihrer Heiterkeit sein könnten!" Cora ahnte wohl, an wen diese Worte gerichtet waren; ia, sie konnte sich sogar den Blick vorstellen, welcher sie be- gleitete und sich das bezaubernd süße Lächeln vergegenwärtigen, das Retta so gut verstand, wenn sie bezaubern wollte. . ... "Ach, ich gehe weit fort von allen Denen, die Interesse dafür haben, ob ich heiter oder traurig bin," klang es seufzend von Rettas Lippen. „Ich werde aus meinem eigenen Hause verbannt in dem Augenblick, wo es mir am theuersten ist und der Tod meines armen Vaters mir tiefen Kummer bereitet, und nun soll ich bei einem alten, kranken Onkel leben, der schon den Namen meines Vaters nicht gern nennen hörte! Ich glaube nicht, daß ich es werde ertragen können," fuhr sie leidenschaftlich fort. „Sie können sich denken, wie bitter ich es empfinde, wenn ich gegen Sie, einen mir Fremden, von meinem Kummer spreche. Aber ich habe ja Niemanden außer Ihnen und in Kurzem werde ich auch diese Erleichterung für meinen Schmerz, meinen Kummer verloren haben! Und dann, glaube ich, gräme ich mich zu Tode. . . . Doch Sie sind mir ja fremd und es ist sehr thöricht von mir, Ihnen so zu vertrauen." „Sagen Sie lieber, es ist ein Beweis Ihres edlen, groß- müthigen Characters," sprach er voll Wärme. „Miß Faro, ich vermag Ihr Naturell zu schätzen, wie es geschätzt zu werden verdient und bin nicht- so ehrlos, Vortheil aus Ihrer Jugend und Unerfahrenheit ziehen zu wollen." ™ "As haben gewiß schon Jemand, der mehr Anrecht auf Ihre Theilnahme und Ihr Interesse hat," sagte Netta und sandte sich ab. „Und es ist Unrecht von uns Beiden, in so thörichter Weise miteinander zu reden . . . wenn ich erst fern von Ihnen bin, werden Sie mich deshalb verlachen." „Lachen . . . über Ihr großherziges Vertrauen? Nie!" lautete die erregte Antwort. „Miß Faro, ich stehe an Rang unter Ihnen, ovgleich ich nach leisen Andeutungen, die ich er- halten habe, glaube, daß ein Geheimniß über mir schwebt, das vielleicht eines Tages aufgeklärt wird. Aber wenigstens kann ich auf Wahrheitsliebe und Ehre als mein Erbtheil Anspruch machen und ich würde lieber mein Leben opfern, als das Vertrauen nicht rechtfertigen, das Jemand in meine Treue und Ergebenheit gesetzt hat." XIX. Cora lauschte halb betäubt von Schmerz diesem Zwie- gespräch. Dann blickte sie durch eine Lücke in dem Gebüsch und sah die beiden ihr so bekannten Gesichter. In Ruperts dunklen Augen lag die männliche, sanfte Innigkeit, die ihrem Mädchenherzen eine so selbstlose, treue Liebe eingeflößt hatte; in Nettas halbabgewandtem Gesicht da- gegen die kokette Schüchternheit, die der mädchenhaften, un- schuldigen Verwirrung so ähnelte. . sühAlles, fühlte Alles . . . oder vielmehr schien das Bild sich ihr wie mit glühendem Eisen in das Gedächtniß einzuprägen, um in späteren Tagen voll größeren Wehes wieder hervorgeholt zu werden. Sie trank den bitteren Kelch bis auf den letzten Tropfen Und als eine Bewegung des arglosen Paares sie an den Rückzug mahnte, glitt sie aus ihrem Versteck, das für sie in einer Folterbank geworden war, und schwankte davon. Bis dahin hatte sie sich beherrscht, aber jetzt lief es ihr in ihrer Seelenpein heiß durch alle Adern und sie warf sich in ihrem wilden Schmerze auf den kühlen grünen Rasen, aus dem die Thautropfen noch im Sonnenschein glitzerten. Cora konnte nicht weinen . . . diese Erleichterung war chr versagt . . . aber sie stöhnte voll bitterer Entrüstung und Verachtung. Wie fie Beide haßte, Beide verachtete! Sie haßte sie wegen der Herzlosigkeit, daß sie Alles, was ihnen am Heuer- sten gewesen war, so bald vergessen konnten ... sie verachtete sie wegen der Schwäche, daß sie Reiz und Anziehungskraft in der Theilnahme und Huldigung eines Fremden finden konnte, während sie, die Waise, ihrer ersten Liebe trotz aller Versuchungen treu geblieben war. Dieser Gedanke, der ihr wild durch den Kopf fuhr, gab ihr plötzlich Muth und Kraft. Sie sprang auf. „Er soll trotzdem gerettet werden! Um jeden Preis!" rief sie. „Wie groß auch seine Fehler sein mögen, er bereut sie, er ist aufrichtig und muthig. Und es ist ja Niemand da, den Tod des unglücklichen Mannes zu rächen und ihm Thränw nachzuweinen, die nur durch die Strafe des armen Ueb-r- lebenden getrocknet werden können. Wenn es mir gelingt, sr habe ich doch Etwas, wofür ich leben, Etwas, woran ich später in meiner Einsamkeit denken kann." '* Seltsames Mädchen! . . . Während Rupert Falkner noch der Liebling Ihrer Seele war, gelobte sie, sich der Sicherheit feines Rivalen zu widmen .... ein Gelübde, das nur der bittersten Verzweiflung entsprang und das später auf eine fo harte Probe gestellt wurde! Sie eilte weiter, bis sie gegen Abend, als die unter- gehende Sonne die Gegend in herrliche Beleuchtung setzte, si§ wieder heimlich dem Hause näherte, das den versolgten Flücht- > ling barg. Sie bemerkte dunkle Gestalten, die in der Nähe des Hauses auf- und abpatrouillirten. Geräuschlos glitt sie durch das Gebüsch und sprang lachend auf die Brüstung eine» offenen Fensters an der Seite des Hauses, wo Lord Belfort gefangen war, und unbemerkt, wie sie glaubte, betrat sie dar Haus. Doch es war keine so leichte Aufgabe, ihren Weg durch das Gewirr altmodischer Corridore, Treppen und Gänge zu finden. Eine Thür nach der andern öffnete fie leise und schloß sie wieder, wenn sie sah, daß sie nicht mit dem Zimmer in Verbindung stand, das sie suchte. Endlich aber gelangte sie in ein Zimmer, das dem eichengetäfelten so ähnlich war, daß sie sich versucht fühlte, einzutreten und es näher in Augenschein zu nehmen. Da bemerkte sie, daß die Möbel noch unbenutzter aussahen, als in Ernst Belforts geheimem Verstecke. Die Stühle waren übereinander gestellt, die Tapeten hingen zer- rissen von den Wänden herab. Das ganze Zimmer sah wüst und verwährlost aus. Coras scharfes Auge bemerkte da» sofort und sie wolllr das Zimmer schon wieder verlassen, als ihr Blick auf ein großes Bild fiel, das mit der Bildfläche gegen die Wand lehnte und zwar so schief, daß es jeden Augenblick umstürzen konnte. Sie trat näher, um er gerade zu richten; dabei sah fie, daß es das Porträt einer schönen jungen Frau war, deren Züge sie an irgend ein bekanntes Gesicht erinnerten. Sie kehrte das Bild dem Lichte zu und sah es genau an. Der Kopf war unvergleichlich in seiner strahlenden Schönheit, von einer Anmuth, wie sie Cora nie gesehen hatte. Sie zog rasch das Medaillon hervor und verglich es mit dem Gemälde. Die Züge waren dieselben und Cora konnte nicht zweifeln, daß dieselbe Frau auch dem Maler dieses Bildes gesessen hatte. Aber wer war es? War es denn möglich, daß die Geliebte Lord Faros eine Tochter der Biddulphs gewesen? Und wenn 267 mit Be. Be- Ton eine seligen Angelegenheit zu thun hat, aus dem Hause zu treiben," versetzte die Haushälterin mürrisch. „Es ist mehr, als ich ertragen kann, zu sehen, wie ein so liebes Geschöpf, wie meine junge Herrin, der Thorheit eines Manne« und der Eitelkeit eines Mädchens wegen unglücklich wird. Nun gehen Sie aber fort von hier ... und wenn Sie mir sagen, was Sie wünschen, helfe ich Ihnen, wenn ich es für recht halte." (Fortsetzung folgt.) „Glauben Sie, das Porträt einer so schönen Frau würde derart vernachlässigt werden, wenn ihm nicht Tod oder Un- ehre anhaftete?" entgegnete die Haushälterin scharf. „Welches von beiden ist der Fall?" fragte Cora voll Jn- tereffe. „Es ist so schön!" ,,Meinen Sie, Schönheit sei Alles?" sagte Frau Aston schnell. „Sie sind hübsch, Miß Netta ist schön und meine eigene, liebe junge Herrin ist nicht so hübsch wie Sie Beide, aber sie wird glücklich und geehrt sein, wenn Sie vergessen und unglücklich sind oder wohl auch Reue über Ihre Handlungsweise empfinden." Cora schauerte unwillkürlich zusammen, als die alte Frau diese bitteren Worte in einem so scharfen, zornigen Tone sprach, als ob sie das Schicksal beeinflussen könnte. »Warum trauen Sie mir so viel Schlechtes zu?" sagte das Mädchen etwas gereizt, als ihre schon vorher erschütterten Nerven sich von dem ersten Schrecken erholt hatten. „Wissentlich füge ich weder Ihnen noch einem Andern ein Leid zu." . hat das Original dieses Bildes vielleicht auch ge- dacht oder gesagt," war der alten Dame kühle Antwort, als sie nun ihrerseits das Bild umkehrte. „Und doch verursachte sie Sünde und Blutvergießen und einen unnatürlichen Streit, und sie st daran gewöhnt, daß ihr Bild aus den Hallen verbannt wird, in welche sie Kummer und Elend gebracht hat." „Wer war sie? Was that sie hier?" fragte Cora rasch. ., . »Was kann Sie das interesstren? Was kümmert Sie diese Frau? Und Sie haben auch nichts in diesem übelberüchtigten Zimmer zu suchen," entgegnete Frau Aston um geduldig. Doch während sie so sprach, wanderten ihre Augen mit bestürzter, halb entrüsteter Miene von dem Bilde zu Cora. m . ."3^ will hier nichts als meine Pflicht thun und die Befehle Ihrer Herrin ausführen," antwortete Cora stolz. „Und wenn Sie nicht noch mehr Schrecken und Elend wünschen, w lassen Sie mich meinen Vorsatz ausführen ... und stehen Sie mir darin bei." „Ich werde helfen, Sie und Alles, was mit der unglückdem so war, warum wär dem Porträt eines so schönen, edlen Geschöpfes ein so unwürdiger Platz angewiesen worden? Cora fühlte sich wie gefesselt von diesen großen Augen, während in dem Lächeln ein koketter Muthwille lag, der von grausamem Triumph über Herzen sprach, die sich von den sirenenhaften Reizen hatten fangen lassen. Vielleicht konnte Cora das nicht begreifen, aber sie wußte, daß sie das Bild hätte Stunden lang betrachten und einen ganzen Roman aus dem Ausdruck des Gesichtes weben können. Aber ein leises Geräusch von Fußtritten in ihrer Nähe weckte sie aus ihren Gedanken. Rasch stellte sie das Bild wieder an seinen Platz und schritt der halboffenen Thür zu, die aber zu ihrem Schrecken in demselben Augenblicke von einem Schatten verdunkelt wurde, der ihr den Ausweg vertrat. „Was thun Sie hier, Miß?" fragte Frau Aston rauher Stimme. „Hier ist kein Ort, wo Fremde nach lieben Herumstreifen dürfen." „Ich bin auf Lady Marians Wunsch hier, um ihre fehle auszuführen," lautete die feste Antwort, in bereut trotz der etwas zweifelhaften Stellung der Sprecherin gewisse Würde lag. „Hat Lady Marian Sie hierher geschickt?" fragte die Haushälterin ungläubig. „Nein, nicht in dieses Zimmer. Ich öffnete es aus Versehen und wollte es soeben wieder verlassen. Es thut mir leid, wenn mein Jrrthum irgend welche Unannehmlichkeit ver- ursacht," entgegnete das Mädchen, indem sie sich halb spöttisch in dem ungewöhnlichen Zimmer umsah. „Das Zimmer ist, wie Sie sehen, verlassen und unbenutzt — außer von den Tobten," sagte Frau Aston. Langsam, aber festen Schrittes trat sie näher, doch nicht ohne vorher vorsichtig die Thür zu schließen, als ob sie das Eintreten irgend eines Dritten verhindern wollte. „Ist sie tobt?" fragte Cora und wandte sich dem Bilde wieder zu. Madame Sans Göne. Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger. (Fortsetzung.) „Lefebvre ist in der Section, wo abgestimmt wird," dachte Catherine, während sie sich auf den Weg machte. „Ehe die neuen Offiziere gewählt sind, wird er nicht zurückkommen, und das dauert zwei gute Stunden. In der Section der Filles-Saint-Thomas brauchen sie immer lange Zeit — es sind lauter gute Redner, außer meinem Lefebvre I Ich habe also Zeit, einen Sprung zum Kapitän Bonaparte zu machen. Sie mußte bei dem Gedanken an ihren Kunden, den blassen und magern Artillerieoffizier, lächeln: „Er hat ohnehin nicht viel Wäsche," sagte sie bei sich. „Das Hemd wird ihm fehlen." Und mit einem Seufzer fügte sie hinzu: „Da ich die Bürgerin Lefebvre werde, will ich dem Kapitän Bonaparte nichts schuldig bleiben — lieber soll er mir schuldig sein! Auf jeden Fall nehme ich seine Rechnung mit. Fragt er danach, so gebe ich sie ihm — wenn nicht, nun dann eben nicht! Ich würde es nie wagen, ihn nm Zahlung anzugehen — der arme Junge! Da« ist ein fleißiger Arbeiter I Ein Gelehrter, immer beim Lesen oder Schreiben. Was für eine traurige Jugend! Als ob nicht alles seine Zeit hätte." Sie schnitt eine halb traurige, halb ärgerliche Grimasse, indem sie die Hand in die Tasche steckte und die Wäscheberechnung des Kapitän Bonaparte befühlte. Sie begab sich in das von Haugeard geleitete Hotel de Metz, wo damals der bescheidene Artillerieoffizier wohnte. Er bewohnte ein kleines Zimmer im dritten Stockwerk, das die Nummer 14 trug. Die Jugend dieses grandiosen und verhängnißvollen Mannes, der das Jahrhundert mit seinem Namen erfüllen sollte, und dessen Ruhm, von einer blutigen Aureole umgeben, noch heute unseren Horizont röthet, war ohne besondere Bewegungen, ohne überraschende Enthüllungen. Erst später wollte man darin prophetische Besonderheiten entdecken, die sein Genie enthüllten und seine wunderbare Laufbahn weissagten. „, Äinb, als junger Mann täuschte Napoleon alle Welt. Nichts konnte sein Glück ankündigen, Niemand glaubte an seinen Werth. Seine ersten Jahre waren die eines armen, schüchternen, arbeitsamen, stolzen und ein wenig finsteren Studenten- Er litt grausam unter dem Weh des Elends. Seine Armuth isolierte ihn, und das lebhafte Gefühl, das er stets für die Familie, den Stamm empfand, ließ ihm die prekäre Lage, in der sich die ©einigen befanden, sehr peinlich erscheinen. Sein Vater, Charles Bonaparte, besser gesagt: de Bonaparte, aus einer alten, edlen Familie von Toskana, die sich seit zwei Jahrhunderten in Ajaccio niedergelassen hatte, übte den Advokatenberuf aus. Alle seine Ahnen waren Rechtsanwälte gewesen. Charles Bonaparte erwies sich als einer der glühendsten Anhänger Paolis, des corsischen Patrioten. Als Paoli die Insel verlassen hatte, unterwarf er sich der französischen Behörde. Obwohl Mitglied des Verwaltungsrathe« von Corsica und sehr bekannt, lebte Charles Bonaparte in sehr beschränkten Verhältnissen. Er besaß kein anderes Vermögen als einen * 268 — Grundbesitz, Wein- und Olivengärten, die kaum zwölf, hundert Lire jährlich abwarfen und die er selbst bewirth. schäftete. Später, infolge von Unruhen, deren Schauplatz Corfica war/ verlor er auch diese Einkünfte, und er lernte wirkliche Noth kennen. Er war mit Lätitia Romolino vermählt, geboren am 12. August 1749, einem schönen jungen Mädchen mit reinen Zügen und dem Profil einer antiken Camee, das später so viel Festigkeit und Klugheit, verbunden mit einer seltsamen, geschärften Gabe der Voraussicht, beweisen sollte. Antwortete sie doch, als sie den Titel einer Madame Möre trug und an der Seite ihrer Söhne, der Beherrscher Europas, thronte, auf die Vorwürfe Napoleons, daß sie nicht ihre ganze Civil- liste aufbrauche: „Meine Kinder, ich spare für Euch, die Ihr es eines Tages vielleicht nöthig haben werdet!" Nach einer nicht geleugneten Tradition wurde Na. poleon Charles von Lätitia am 15. August 1769 geboren. Er war also der zweite Sohn des Ehepaares Bona» porte. Eine sehr plausible Annahme behauptet jedoch, daß Josef der Jüngere war. Demzufolge wäre er das in Ajaeio geborene Kind und Napoleon, am 7. Januar 1768 geboren, hätte Corsica zur Wiege. Der in der Ecol.e militaire existirende Geburtsschein, der bei der Aufnahme des jungen Napoleon vorgewiesen ward, trägt wohl das Datum de? 15. August 1769, aber andere Dokumente können die Verwechslung rechtfertigen, die in der Folge entstand. Vor allem der Trauungsschein Bona, partes und Josefinens. Man hat gesagt, daß Josefine sich aus Cocetteris jünger machte, was zutrifft, aber man hat hinzugefügt, daß Bonaparte, um den Altersunterfchied aus« zugleichen, sich seinerseits um zwei Jahre älter machte. Er mochte durch Galanterie bewogen worden sein, sein wahres Alter nicht anzugeben, und außerdem existirten die Motive nicht mehr, die seine Eltern zu einer Vertauschung der Ge. burtsscheine trieben. Die Ursache dieser Verjüngung lag in der Thal in der Altersbedingung für die Aufnahme in die Militärschule von Brienne. Der ältere, Napoleon, hatte das vorgeschriebene Alter von zehn Jahren überschritten. Indem die Eltern ihm den Geburtsschein des um zwei Jahre jüngeren Josefs, der durch, aus nicht militärisch angelegt war, gaben, ermöglichten sie den Eintritt des künstigen Generals in die Schule. Zwei Umstände beeinflußten die Bildung seiner Ideen und die Verhärtung seines Charactes: die politischen Unruhen in seinem Vaterland und das Elend seiner Familie. Der Bürgerkrieg um seine Wiege, die Armuth am väterlichen Herde verhärteten seine Seele und verdüsterten seine Kindheit. Beim Eintritt in die Schule von Brienne war er ein ernster Knabe; er verließ sie traurig und verbittert. Seine Kameraden hatten sich über seinen italienischen Accent, über den barocken Namen Napoleon lustig gemacht; sie nannten ihn Paille-au-Nez und schmähten ihn wegen seiner Armuth; man weiß, wie grausam dieser Kinder, hohn ist und welche tiefe Wunden er bei seinen Opfern zu- rückläßt- Ein fleißiger Schüler, besonders stark in der Mathematik, der wenig spielte, außer im strengen Winter, wo er, ein srühzeitiger Stratege, im Hof der Schule von Brienne die Gefährten zum Sturm auf Festungen aus Eis und Schneebällen ansührte, verlebte er fast unbeachtet die ersten Jahre seiner Existenz. Zu dieser Zeit befreundete er sich mit Burrieux, dem künftigen Coneessionär, seinem intimen Sekretär, der sich für die Wohlthaten und die Nachsicht seines kaiserlichen Freundes rächte, indem er ihn in den von der Polizei der Restauration bezahlten Memoiren schmähte und verleumdete. Von Brienne kam er in die Ecole militaire, und auch dort litt er unter jenen kleinen, täglichen Wunden, jenen Nadelstichen, die manchmal den Tod bringen, die alle armen jungen Leute kennen, und über die sie sich nicht zu beklagen wagen. Er besaß kein Geld, und da er die kostspieligen Vergnügungen der Söhne aus guten Familien nicht theilen konnte, hielt er sich, eine Art von Paria, abseits. Diese Jsolirung in einem Alter, wo das Herz zu erwachen pflegt, hat sicherlich dazu beigetragen, den, der später der Mann von Bronze werden sollte, gefühllos und auch unerbittlich zu machen. Sein Vater war im Alter von neunundreißig Jahren an einem Magenkrebs gestorben, als der Sohn am 1. September 1785 zum Sekondelieutenant der Bombardier-Com- pagnie des Regiments de la Före, in Valencia in Garnison, ernannt ward. (Fortsetzung folgt.) o ---------------- Gemeinnütziges. Neues für die Küche. In der gegenwärtigen, an frischen Gemüsen noch armen Zeit ist es gewiß vielen Hausfrauen willkommen, auf ein Gemüse aufmerksam gemacht zu werden, das in Oesterreich und der Schweiz wegen seines angenehmen Geschmackes immer mehr Verbreitung und Anklang findet. Es sind dies die Blüthenknospen der Schwarz, wurzeln, welche, ehe sie aufbrechen, kurz abgepflückt werden. Dieselben werden in Salzwaffer aufgekocht und nachher wie jedes andere junge Gemüse behandelt. Ein Versuch ist jeder Hausfrau anzurathen. * Um Damenhüte sicher und ohne die Uebelstände, welche die Durchstecknadeln mit sich bringen, auf dem Kopf zu befestigen, bringt M. Savage in Manchester innen am Hut- raub einen entsprechend gebogenen Kamm aus Horn, Celluloid oder sonst einem nachgiebigen Material an, dessen Zinken innen winklig nach oben gebogen vorstehen und in die Frisur ew gesteckt werden. Diese Befestigung trotzt selbst dem heftigste» Sturme, da dieser bei seinem Bestreben, den Hut abzuheben, die Zinken nur desto fester in's Haar eindrückt. (Mitgetheilt vom Internationalen Patent-Bureau Carl Fr. Rsichelt, Berlin N.W.) • • Leder zu reinigen. Saffian- und Chagrinleder, welches schmutzig geworden, reinigt man mittelst eines Schwammes und lauwarmen Wassers, welch' letzterem einige Tropfe» Essig- oder Salzsäure zugesetzt sind. Der rein ausgewaschene Schwamm wird mit der Lösung befeuchtet und unter Anwendung eines reinen Handtuches fest ausgedrückt, so daß er ungefähr wie Gummi elasticum wirkt. Eine auf dem Leder angebrachte Vergoldung leidet bei einiger Vorsicht nicht. Hauptsache bleibt, daß der Schwamm nicht naß, sondern bloß feucht ist. _____ Literarisches Johanna von Sydow's neue Monatsschrift: „Die praktische Küche" beweist auch in dem soeben erschienenen Juniheft wieder tt)« gediegene Richtung nach allen Seiten hin, sowohl in Bezug