Dienstag den 8. Januar ♦ V* V •• V V rekeMk UnterhaUungsdiatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). 1805 1 , JLäX Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) „Tante Dorothea weiß es bereits, scheint aber mehr Furcht und Angst als Freude darüber zu empfinden," erwiderte Leonore, „mache Dir darüber keine Illusionen, Lisbelh! — Auch sie verlangt seine sofortige Abreise, will ihm aber doch erst gnädigst eine Audienz gewähren. Zum ersten Male hat Tante Dorothea mir eine große Enttäuschung bereitet," setzte sie mit gedrückter Stimme hinzu, „ich habe größer von ihr gedacht." „Ja, das betrübt auch mich mehr, als ich sagen kann," sagte Elisabeth unruhig, „ich werde aber doch mit ihr reden, verlaß Dich darauf, Lore- Großer Gott, welchen Begriff muß der Arme von seiner Familie mit zurücknehmen, wie arm und verlassen muß er sich jetzt erst vorkommen!" „Nun, von der alten Tante wird er diese Engherzigkeit auch sicherlich nicht vorausgesetzt haben," sprach jetzt Hamson, der bisher schweigend mit geschloffenem Schirm neben den beiden Damen dahingeschritten war. „Sein Enthusiasmus für diese Verwandte grenzte nahezu an Verrücktheit; auch ich bin deshalb sehr enttäuscht worden. Arm und verlassen aber wird Willibald Ehrhard, abgesehen davon, daß er sich drüben eine neue Heimath, Ehre, Anerkennung und Freunde erworben hat, sich dennoch nicht fühlen können angesichts Ihrer Liebe, Ihrer aufrichtig empfundenen Wiedersehens-Freude, meine Damen!" „Wie gut und fließend Sie in unserer Sprache sich ausdrücken können, Herr Hamson!" rief Leonore. „Und Sie sind doch gewiß Vollblut-Amerikaner?" „Nicht so ganz, mein Großvater mütterlicherseits stammte aus Deutschland und hat mir als kleinen Jungen diese Sprache beigebracht. — Aber wäre es nicht gerathen, mein Fräulein," setzte er etwas zögernd hinzu, „von Willibalds gefährlichem Entschlüsse jetzt zu reden und Fräulein Ehrhards eigentliche Aufgabe —" »Sie haben Recht; daß ich das Wichtigste auch vergessen konnte!" fiel Leonore hastig ein. „Denke Dir nur, liebe Lisbeth, wozu mein grausamer Papa ihn getrieben hat: zu dem I wahnsinnigen Entschluß, sich selber seinen Richtern hier zu stellen." „Wovon Sie allein ihn zurückhalten können, Fräulein Ehrhard!" schaltete Hamson ein. „Und weshalb ich Dich auch im Grunde von Tante Dorothea weggeholt habe, liebes Herz! — Um ein Wiedersehen mit Dir hat Willibald mich eigens gebeten, nun aber mußt Du auch Deinen ganzen Einfluß aufbieten — und dieser wird noch bedeutend genug sein, wie, Herr Hamson?" „Viel bedeutender, als Sie es zu ahnen vermögen, mein Fräulein!" „Schön, Du mußt diesen Einfluß aufbieten, Elisabeth, um den Unglücklichen vor sich selber zu retten, ihn zur schnellsten Abreise zu bewegen." Elisabeth Ehrhard schwieg, nur ihr eiliges Vorwärtsstreben zeugte von der inneren Aufregung und Ungeduld, die sie erfüllte. „Sie wohnen mit ihm im Hotel?" fragte sie nach einer Weile. „Ja, im Bahnhofs-Hotel, mein Freund nennt sich hier Mister Wilson. Dürfen wir auf Ihren Beistand rechnen, mein Fräulein?" „Ich kann Ihnen noch nichts versprechen," erwiderte Elisabeth zögernd, „bin ich mir doch selbst nicht darüber klar, ob Willibald das Rechte mit seinem Entschlüsse getroffen hat, da er ja eben kein anderes Mittel, stch die Heimath wieder zu öffnen, für ihn gibt." „Um Gotteswillen, kennst Du die Strafe nicht, welche auf seinem Vergehen steht?" fragte Leonore entsetzt. „Ich weiß, Liebste, und schaudere selbst davor zurück. Es ist so grausam, ihm gleichsam die Thür zu zeigen, ihn wieder hinaustreiben zu müssen in die Fremde, nachdem er kaum den Fuß auf heimathlichen Boden gesetzt. O, mein Gott, woher soll ich den Muth zu dieser Herzenshärte nehmen?" Ihre Stimme bebte wie von verhaltenen Thränen, die sie nur mühsam niederkämpfte. Leonore und Hamson schwiegen erschüttert. „Mein Freund Ehrhard hat stch drüben eine sehr geachtete Stellung und ein Vermögen erworben," begann der Amerikaner nach einer Welle. „Seinem schönen Hause fehlt 14 trat die Gebieterin, welche ec dort unter den Damen de« Lande« wohl leicht finde« würde. Aber in seinem Herzen wohnte nur ein blonder Kind, von welchem er träumte in den Stunden der Ruhr und da« ihn heimtrieb in'« deutsche Vaterland trotz de« Bannes, der auf ihm ruhte, trotz drohender Gefahr von Kerkerhaft und entehrender Strafe. Wenn diese Eine sich entschließen könnte, mit ihm zu gehen, um al« sein Weib die Verbannung mit ihm zu theilen, dann würde er keine Stunde mit der Abreise zögern." Leonore schwieg gegen ihre Gewohnheit mäuschenstill, da der unverblümte Sinn dieser Rede sie buchstäblich verblüffte und sie ängstlich auf Elisabeths Antwort zu warten schien. „Ich denke besser von Willibald," lautete diese merkwürdig ruhig» „oder er müßte drüben in Amerika den Begriff deutscher Frauenwürde und Sitte gänzlich verlernt haben." „Pardon!" sagte Hamson mit unzerstörbarem Gleichmuth. „Ich vergaß, daß ich mich in Deutschland befinde." „Wo man nicht so ohne Weitere« mit einem Manne davonläuft, mein werther Herr!" versetzte Leonore. „Aber nun Friede, wenn ich bitten darf, wir find zur Stelle." Sie öffnete die Gartenpforte und wollte die Klingel an der Hauöthür ziehen, als diese stch öffnete und der Professor mit Willibald Ehrhard heraustrat. „Da find ja unsere Ausreißer," rief der alte Herr überrascht, „und da haben wir auch Fräulein Ehrhard. Run müssen Sie doch wieder mit zurück in'« Hau», Willibald I" Willibald und Elisabeth hatten sich bereits mit einem Händedruck begrüßt und folgten dann schweigend dem Hausherrn, der sie, nachdem sie Mäntel und Hüte abgelegt, zu seiner Frau in's Wohnzimmer zurückbrachte. Hamson und Leonore bildeten den Nachtrab. „Fräulein, ich bitte demüthiq und wehmüthig um Verzeihung für meine unüberlegten Worte," sagte er leise. „Meinen Sie etwa, das ginge so leicht, wie Sie Ihren nassen Mantel ablegen?" bemerkte Leonore schnippisch. — „Hilf, Thomas," setzte sie, zu dem alten Thomas gewendet, hinzu, „trage den Mantel de« Herrn in’« Waschhaus, hier wird er eine Ueberschwemmung anrichten." Der alte Diener lächelte und trug den triefenden Mantel fort, während Hamson noch in leisem Tone eindringlich auf Leonore einredete. „Wo bleibst Du denn, Leonore? Wo steckt Herr Hamson?" tönte plötzlich de« Professor« Stimme nach der geöffneten Thür. „Ach, Papa, der Herr Amerikaner war buchstäblich eine Dachtraufe," rief Leonore lachend, „ich ließ seinen Mantel deshalb durch Thomas in’s Waschhaus bringen." „So, so, dort kann er aber doch nicht trocknen, — he, Thoma», der Mantel des Herrn muß in die Küche!" rief er dem zurückkehrenden Diener zu. „Befindet sich bereits dort, Herr Professor! — Was ich noch fragen wollte, soll ich nicht lieber die Gartenpforte abschließen?" „Wollte ich Dir gerade sagen, Alter! Dort ist ja auch eine Klingel. Und dann die Hausthür gut verschließen!" „Soll besorgt werden, Herr Professor 1" erwiderte Thomas, dar Hau« verlassend. „Daß auch die Melchior just in’« Haus fallen mußte," brummte der alte Herr, dem es sehr unbehaglich zu sein schien. „Sie hat ihn vorhin doch nicht gesehen?" fragte Leonore hastig. „Höchstens seinen Schatten, was allerdings für sie auch schon hinreichend wäre, um weiter zu spiouiren. Wo verließ sie Euch?" „Vor Tante Dorothea« Wohnung, sie wollte von dort nach der Apotheke." „Das Frauenzimmer wäre, wenn es eine Ahnung davon hätte, zu Allem fähig. Das wäre ein Fressen für die gute Bernhardine. Es liegt mir wie ein Alp auf der Brust." Thomas trat wieder ein und verschloß und verriegelte mit großer Umständlichkeit die Hausthür. „Der Regen gießt wie mit Mulden herunter," sagte er. „Wenn wir heute Nacht nur das Hochwasser nicht kriegen, Herr Professor!" „Die Elbe war sehr hoch bei Dresden," bemerkte Leonore, „doch war man dort noch nicht besorgt. Haben e« ja auch erst int August gehabt." „Das schützt doch nicht," erwiderte der Professor, „wir haben hier allerdings nichts zu fürchten, die Promenade liegt hoch und kann von der Fluth nicht erreicht werden. Aber die Vorstadt und die an der Benke gelegenen Straßen sind beim Hochwasser stets sehr schlimm' daran." „Haben Sie hier auch eine Wasserstraße?" fragte Hamson etwa« ironisch. „Ein ganz unbedeutendes Flüßchen, die Benke genannt, welches sein Wasser von den Gebirgsquellen erhält, auch auf Umwegen mit der Elbe durch einige Nebenflüsse Fühlung hat. Wenn diese über ihre Ufer treten und einige Wolkenbrüche im Gebirge, was durchaus nichts seltenes ist, dazu kommen, dann wird die Benke furchtbar in ihrer Zerstörungswuth. Gott möge verhüten, daß dieses Unglück im Dunkel der Nacht eintritt!" „Herr Professor!" flüsterte Thoma», feinen Herrn bei Seite winkend, „es treiben stch draußen allerlei Kerle herum, die, wie mir fcheint, sich unser Haus aufs Korn genommen haben. Wäre es nicht besser, wenn die Gesellschaft sich nach oben begeben wollte?" „Den Kuckuck auch, da» wäre eine schöne Bescheerung," brummte der Professor erschreckt, „hast Dich wohl getäuscht, Alter!" „Na, ich sage nichts weiter, al» von wegen Fräulein Melchior, Herr Professor! — Dis hat Katzenaugen und einen scharfen Riecher- Ich habe eine Heidenangst vorhin, al« sie hier auf dem Flur umherschielte, ausgestanden." „Du weißt also, wer drinnen ist?" „Lieber Gott, wie sollt’ ich's nicht, Herr Professor! — Ich habe ihn schon als kleinen Jungen gekannt und lieb gehabt. Und die Kreuzspinne hat ihn sicherlich auch erkannt." „Gut, wir wollen jede mögliche Vorsicht gebrauchen, Thomas! Ich danke Dir für Deine Mittheilung. Gib gut Acht aus die Thür und laß Niemand ein, bevor Du mich benachrichtigt hast. Stecke den Schlüssel in’« Schloß der kleinen Hofthür, die birect in die Stallung führt." Er ging jetzt in’« Wohnzimmer, wohin sich Leonore bereit« mit Hamson begeben hatte und wo diese Beiden eine lustige Unterhaltung in Fluß gebracht batten, deren Kosten sie freilich fast allein tragen mußten, da Willibald, an Elisabeth« Seite sitzend, ihre Hand in der feinen haltend, leise, zärtliche Worte zu ihr sprach, denen sie mit glühenden Wangen in holoer Verwirrung lauschte. „Entscheide Du, Theuerste, was ich thun soll!" flüsterte er. „Sofort wieder von Dir gehen oder mich dem Gerichte stellen?" „Nein, nein, Willibald!" erwiderte sie mit zuckenden Lippen- „Du würdest die entehrende Strafe nicht überleben-" „So muß ich gehen, ohne Hoffnung von Dir scheiden, Elisabeth?" „Weshalb ohne Hoffnung? Menschen sind wandelbar und wenn ich dem Papa über kurz oder lang mittheile, daß ich nach Amerika gehe, dann wird er sein Töchterchen doch nicht allein reisen lassen." Willibald zog ihre Hände an seine Lippen und hätte sie selbst am liebsten an seine Brust gepreßt, wenn nicht in diesem Augenblicke der Professor eingetreten wäre, um die Gesellschaft zu ersuchen, in ein hofwärts gelegene« Zimmer, das die Bibliothek genannt wurde, sich zu begeben. „Weshalb, Papa," fragte Leonore erregt, „fürchtest Du Spione?" „So etwas der Art allerdings. Fräulein Melchior ist sicher nicht vergebens hier gewesen, da ihre Neugierde erregt worden ist." „Sie glauben, daß sie mich erkannt hat?" sagte Wlli- I bald. „Dann will ich mich sogleich entfernen, Herr Professor, 15 — Atiff ^"tchte ihm ein Papier hin, welches der Professor er- griff und beim Schein der Flurlampe überflog. „Das ist stark," rief er in Heller Empörung, „nicht ein» ut Uniform hinter welchem einige Helme auftauchten. „Ich din der Polizeicommissar Stemann —" ?ch erkenne Sie jetzt, Herr Commissar," fiel der Professor ein, „was wollen Sie denn von mir?" hl« & „ein? Ort«™8*' S"MlUli”9 6il 36” i" 6"«™' »Es ist also kein Ausgang?" „Nein, schon seit Jahren nicht mehr." „Dürfte ich den Pferdestall sehen?" „Sie glauben mir nicht, Herr Commissar?" „O gewiß, doch bin ich verpflichtet, jeden Raum zu durchsuchen." »Ja so," rief der Professor lachend, „weifen Verbrecher suchen Sie denn eigentlich unter meinem Dach? Als freier, um Sie nicht irgend einer Gefahr oder Verdächtigung aus- . mal der Grund einer solchen ungeheuerlichen Maßregel wird zusehen. j angegeben. Hat man mich vielleicht im Verdacht eine« Dieb« „Nein, nein, diese Furcht ist übertrieben," rief Elisabeth, I stahls oder gar Mordes? Dafür werde ich Genugthuuna for- „Bernhardtne Melchior ist erbittert, auch wohl rachsüchtig, I dem, mein Herr Commissar!" aber nicht bis zu einer solchen Schlechtigkeit." I Dieser zuckte die Achseln. „Streiten wir un« nicht darüber," sprach der Professor I „Sie dürfen es mich nicht entgelten lassen, Herr Pro« ungeduldig, „Vorsicht ist unter allen Umständen geboten." j fessor l" sagte er bedauernd. „Ich muß meine Pflicht erfüllen." Die Frau Professor hatte sich bereit» erschreckt erhoben I „Natürlich ich veraaß das in der Erreauna des Auaen, »SSS5™** iib“ , «E» «M- -he-'W bes wrgen, wogegen die beiden Amerikaner protestirten, um nicht I .. . Z, " , . , durch die Anzahl der Couverts ihre Gegenwart zu verralhen. = wareingetreten,dieThür hintersich schließend. Sein Darüber entstand zwischen Hamson und der Tochter des Hauses ^fer Blick musterte blitzschnell die auf dem Flur versam« ein neckende, Wortgefecht, das bald jede Furcht verbannte und Personen, von welchen Hamson ihn besonder» zu in« keine Gespenster mehr auskommen ließ. | den Damen de» Hause» Elisabeth „Mein Himmel, wie spät ist e» schon," rief Elisabeth ^arb ihm ebenfalls bekannt war. plötzlich erschrocken au«. „Papa wartet bei Tante Dorothea I »Wollen Sie mir gefälligst sagen, wer dieser Herr ist?" auf wich und wird schon außer Rand und Band fein." i fragte der Commissar mit einer Handbewegung gegen den „Ach, da» glaube nur nicht," tröstete Leonore, „Tantchen I Amerikaner. spielt Schach mit ihm und wird heute Abend jedenfalls so I «$err Hamson, Sohn eines meiner englischen Freunde, zerstreut sein, daß sie fortwährend verliert. Dann ist Onkel | Archer sich Jahre lang in Amerika aufgehalten und auf der Hauptmann stet» guter Laune" | Reise nach England mir einen Besuch abgestattet hat." „Ich will aber doch lieber gehen," erwiderte Elisabeth. | »Hat man mich etwa im Verdacht?" nahm Hamson „Dann begleite ich Dich!** rief Willibald. j spöttisch lächelnd da» Wort. „Dann ist es am Ende noth« Noch ehe Elisabeth etwas erwidern konnte, ertönte ein j wendig, mich zu legitimiren." heftige» Klingeln an der Hausthür. I „Ich bitte darum," erwiderte ihm der Commissar kurz. „Da haben wir die Bsscheerung," sagte der Professor | »Der Paß ist dem Anschein nach in Ordnung," sagte er letfe, „Thomas hat die Pforte verschlossen, man hat dort also j hierauf, da» Papier wieder zurückg bend. „Doch bebaute ich, nicht geklingelt, sondern ist einfach in den Vorgarten ein« I Sie trotz alledem ersuchen zu müssen, mir nach dem Polizei« gedrungen. Ich habe an der Pforte eine einfache Glocke an« j bureau zu folgen. Es ist, wenn auch nur eine Formalität, bringen lassen, welche durch einen Druck auf die äußere Klinke leider unerläßlich." sofort ertönt, wenn die Pforte verschlossen ist. — Nun, «Bitte, gehe sogar recht gern mit Ihnen," erwiderte = roan°tc et sich an bett alten Diener, welcher die | Hamson trocken, „wird mir ein ganz besondere» Vergnügen Thür öffnete. gewähren, die deutsche Polizei in solcher Weise kennen zu , ' ,-<6ch glaube, es ist etwa» Nicht in Ordnung, Herr Pro- I lernen. Sie erlauben mir aber doch vielleicht, diese Dame fessorl" stotterte der Alte. I erst nach Hause zu geleiten?" «"^kennen doch noch den kleinen Hofausgang durch den I »Nein, mein Herr, das kann ich nicht gestatten. Es Stall, Willibald?" k wird überhaupt Niemand das Haus verlassen, so lange ich „Ja, aber mein Ueberzieher und Hut —" | hier anwesend bin." a ... »Kommen Sie Alle mit, Sie auch, Herr Hamson," ent« I , Die Stimme de» Commissar» klang sehr gereizt, wobt Professor, „wir Beide begleiten Fräulein Ehrhard infolge der ironischen Bemerkung bes Amerikaners. "0C™Ur t k , L »Sie kennen diese Dame wohl, Herr Commissar!" sprach Wieder ertönte das Klingeln und zwar noch heftiger, | der Professor. „Fräulein Ehrhard, die Freundin meiner al« zuvor. Tochter, welche ihren Vater abholen muß. Er ist spät, mein „Begib Dich in Tante Dorotheas Wohnung und erwarte j Diener wird sie begleiten. Sie werden gegen ihre Entsernuna un» unten auf dem Flur," flüsterte Elisabeth dem Verfolgten | nichts einwenden können, sonst muß ich einen Boten binschicken zu. der ihre Hand heftig drückte und dann rasch dem Pro« I um den Hauptmann zu beruhigen." 9 ** ' 6’0t , I » Die Dame darf mit Ihrem Diener da» Hau» verlassen, ' °kser »ornig, „brennt'» denn irgendwo ober Herr Professor!" ermiberte der Beamte nach kurzem Nach« wa*t?" ' matt so ungebührlichen Lärm zu machen | denken. „Der Herr Hauptmann ist wohl bei seiner Schwester?" °6 »»«», «14« dl- rannte, 6dte Reck Ä ÄoÄÄÄÄ» S " »"d taSWewrt mm 6,1« bi- ,um B°d.n' b,a, ?iu S » iwarbtou6m ei”e -"b wt? äs Ära In Un'iÄ Ä,™ Ä“ I °«--n taffe«, we.hd° wie" 6- bl. Ktabe 16 unbescholtener Bürger dieser Stadt, al» Universitätslehrer, habe ich doch wohl da» Reckt, darnach zu fragen." „O gewiß, Herr Professor I" versetzte der Beamte ver« ! legen. „Es ist uns die Mtttheilung zugegangen, daß stch ein Deserteur unter Ihrem Dache befinde." (Fortsetzung folgt.) GeineinirNtziges. Die Anlage von Winterfutterplätzen für Vögel, besonders in den Obstgärten, lohnt sich reichlich durch insectenfreie Bäume. In der Mitte des Obstgartens wird im Kreise Tannen« oder Fichtenreisig aufgesteckt und in der Erde befestigt; innerhalb des Kreises gibt man auf den Boden Bretter und darüber viel Reisig zu einem Haufen, auf ibcn man Getreideabfälle, Brodbröfel rc. wirft. Die Vögel suchen dadurch Eingang in den Reisighaufen, sind gegen Wind, Schnee und Raubthiere geschützt und vertilgen desto freudiger die schädliche Jnsectenbrut. • O * Erneuerung von Baumanstrich. Hat man al« Hasenschvtz sür seine jungen Bäume allerlei mehr oder weniger übelriechende Stoffe gewählt (Asa foetida oder Speckanstrich, oder Anstrich mit einer Mischung von Ockno und Ochsenblut), so vergesse man nicht, diesen Anstrich von Zeit zu Zeit zu er« neuern. ♦ • • Gegen Vie Raupen. Wir erinnern daran, dürre Blätter nicht auf den Obstbäumen zu laffen. Denn in denselben befinden sich die Nester des Baumweißlings und des Goldasters. Dort, wo man mit den Händen nicht hinreichen kann, senge man die Nester mit einer Raupenfackel ab. Man übersehe auch nicht die Eier des Ringelspinners, die dunklen Ringe um die Zweige. ♦ Behandlung von Pflanzen im Winter. Wenn nach strenger Kälte wieder mildere Tage eingetreten sind, wird man finden, daß alle noch im Freien stehende Pfianzen, wie: Salat, Spinat, Gemüsesetzlinge u. dgl., vom Frost gehoben wurden, dieselben müssen einzeln wieder angedrückt werden, weil sie sonst bei der nächsten Kälte sicher zu Grunde gehen. Die Länder mit Schwarzwurzeln, StachyS, Kerbel« rüden und ähnlichem sind soweit zu bedecken, als man auch bei der Kälte frische Gemüse graben will. • • • Zum Schutze der Goldfische und Salamander. Ein Hauptgrund des frühen AdsterbenS ist der Umstand, daß diese Thiere meistens zu sehr der Sonne ausgesetzt werden. Durch längere Einwirkung der Sonne ist das Wasser so er» wärmt, als habe e« V4 Stunde lang auf dem warmen Ofea gestanden- Daß hierbei die Thierchen zu Grunde gehen müssen, wird jedem einleuchten. In Behältern, wo sich der Salamander nicht abwechselnd aus dem Wasser erheben und außer demselben ruhen kann, geht er bald zu Grunde. Stets sollte in solchen Behältern ein gröberer, rauher Stein liegen, von dem ein Theil über dem Wasserspiegel hervorragt. Goldfischen und Salamandern in Behältern find jeden Tag etwa» Brodkrumen, Ameiseneier oder ganz kleine Erdwürmchen zu verabreichen und in Ermangelung derselben einige, etwa linsengroße Abschnitte von rohem Fleisch. ♦ Holländische Suppe. Man bedeckt den Boden einer Kasserole mit Nierenfett und Scheiben von fettem Schinken, legt darauf Abfälle von Fleisch und Geflügel, sowie Zwiebelscheiben, WurzUwerk rc. und läßt das Fleisch braun anbraten. Dann gießt man ein Liter Wasser hinzu, läßt Alle» ein« Stunde kochen, fügt noch zwei Liter Wasser Hei und läßt diese drei Liter Brühe auf zwei L:ter eindünsten. Hierauf gießt man sie durch ein Sieb, kocht sie wieder auf, gibt d einen guten Theelöffel Liebig» Fleischextract bei und serviert sie. Vermischtes. Sehr freigebig iu seinen Neujahr-Wünsche« ist ein Einsender Namen» W. in der „Magdeb. Ztg.", denn er wünscht Folgendes: Gute Fahrt den Weltumseglern, „Alle Neune" wackern Keglern, Actionären Dividenden, Künstlern viele Lorbeerspenden, Knopflochschmuck den Ordensjägern, Käufer allen Bruchverlegern, Jedem Backfisch viele Tänze, Alten Jungfern Kaffeekränze, Jedem Gasthaus gute Betten, Magerwerdung allen Fetten, Rundung allen allzu Schlanken Und Genesung allen Kranken! Jedem jungen Ehepaar Storchbesuch im neuen Jahr! * Wünsche sonst noch Mancherlei: Daß der Weinstock gut gedeih', Daß das Obst und daS Getreide Nicht durch schlechtes Wetter leide; Daß kein Riesen-Schneefall stör' Eisenbahn- und Postverkehr, Daß — fällt ganz zufälliger Weise Eine Dame auf dem Eise — Gleich ein Retter sei zur Hand, Der ihr Hilfe bringt galant; Daß nur wer besitzt Talent, Spielen lern' ein Instrument Und uns nicht ein jeder Stümper Aergre mit Klaviergeklimper, Daß di« Wittwen Tröster finden Und mit diesen sich verbinden; Daß das Fleisch sei nicht zu theuer, Daß ermäßigt werd' die Steuer, Daß jed' Ferkelchen und Schwein Bleibe von Trichinen rein, Daß im Bier nur Malz und Hopfen, Doch von Glyzerin kein Tropfen; Daß kein hohler Zahn Euch plage, Keine Reu' am Herzen nage, Daß Euch keine Sorge drücke Und kein enger Stiefel zwicke, Daß der Frauen Wirthschaftsgeld Bis zum Monatsschlusse hält! -p * * Wünsche sonst viel Gutes noch: Jedem Baß das tiefe „doch", Jedem Operncomponisten Einen guten Librettisten, Allen edlen Dichterlingen Die von Lenz und Liebe singen, Mitleidsvolle sanfte Wesen, Welche ihre Verse lesen, Obdach allen Heimathlosen, Ruhig Blut den Herrn Franzosen; Ruheplätze allen Müden, Allen Nationen Frieden; Jedem treuen Liebespaar Baldigst Trauung am Altar, Jedem durstgeplagten Zecher Einen schäumend vollen Becher, Jedem Schlasraum gute Luft, Strafe jedem falschen Schuft, Licht auf Treppen und auf Treppchen, Tod den Schleppen und den Schleppchen, Feldern fruchtbare Durchfeuchtung Und dem Reichstag viel Erleuchtung! Guten Muth in allen Tagen, Frisches Hoffen, neues Wagen! Rebection: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er. Ehr. Pietsch) in Gieren.