wirklich r herig — een Loch gekehrt): während c, Kerl, it, (nach schlapp, iU Ende." r Moden- le von auch bemüht, ebe ist es vornehmen :n. Dieser U*. Das cheint hier veimal im Weltdame mb Mutter ingt einen unter den währt den argestellten xpeditionS- -Preis der schmackvolle rei, Appli- für Häkel-, c Art. - ier Arbeits- December- sür Weihastern und rdd ecken rc. : vor. Er nalmustern, rer Muster- ch gebunden :0 Pfg. in Tw'.etmeyer muar 1896 Handlungen in. Eine : Solovor- :rt. Stutt- Großoctav. den jungen letflein zur [len, ist in von Hessen clamationen rprobte Ge- it. Da die jen Poesien prache, als dieser Bescher Perlen vielen auch Abtheilung auch jeder, ■an erfreuen ■clamations- s vereinigte n, in denen e Ausnahme chatzkästlein" ienheit nach UntrchaUnngMatt ?um Me'ßenrr Anzeiger (Generat-AnMgrr) GamsksH -e» t Leeemöer ■ — __ As W '-X • Dichterfrühling. -ist,rische Original-Novelle von Carl Lassau. (Fortsetzung.) «r,^°lzmann drückte Wolfgang die Hand. „Ja, mein »lcibiades, so soll er sein; auf die eine oder andere Weise müssen Sie mich mit dem guten Mädchen in Berührung bringen, daß ich urtheilen kann; er ist ja eine uralte Wahr, heit, daß vier Augen mehr sehen als zwei, besonders wenn diese vor Liebe blind find! — Nun heißt es aber, da» Reine- dium gegen alle Schmerzen in Anwendung bringen: das ist «!^itl Ich hoffe, Sie recht oft im Hörsaal und in der Gesellschaft zu sehen, die Sie längst entbehrt haben!" „Auch darin haben Sie Recht, Freund!" entgegnete Goethe. „Hier meine Hand darauf!" Salzmann griff zum Hute. „Meine Stunde schlägt! Ade, mein Aleibiade»; ich gehe beruhigter, al» ich gekommen bin! Wolfgang geleitete ihn hinaus und setzte sich dann in den Lehnstuhl, um — an Friederike zu denken. Aus seinem Brüten störte ihn Herder, der hereinstürmte, auf und sagte: „Ich komme, ein Gesunder, und Sie, mein theurer Goethe, scheinen jetzt krank zu sein! — Wie, ein Liebesglück, welches Sie so lange in jenen stillen Winkel fesselte, macht Sie nicht fröhlicher?" Goethe erröthete und gestand zögernd: „Sie hatten doch Recht, mein Freund, als Sie meinten, Liebelei verderbe uns den Lebensweg und man könne sich leicht über eine Meinung täuschen!" „Eie haben doch nicht etwa Kiesel für Edelsteine ge- nommen?" fragte Herder voll Theilnahme. „Das nun eben nicht," gab Goethe zurück. „Friederike «rion ist nicht unwissend und hat sich an mir gebildet; aber vv sie die Rechte ist, die mir den Blick in die Weite nicht dsengen würde, das ist mir zweifelhaft; und das ist mein ganze» Unglück!" ., Herder schüttelte den Kopf. „Das muß man eben prüfen! habe diese Erfahrung allerdings nicht gemacht, denn ich mu* Ihnen bei dieser Gelegenheit gestehen, daß ich ebenfalls gefesselt bin; meine Bräut heißt Caroline Flachsland und wohnt in Darmstadt!" ,,*£• da wünsche ich Ihnen Glück, mein lieber Freund!" schüttelte ihm Goethe warm die Hand. „D, warum wußte das nicht früher? Wie hätten Sie mich mit gutem Rath versehen können!" y „Roch ist es nicht zu spät!" entgegnete Herder treuherzig- „Wenn ich jenes Mädchen nur einmal sehen und sprechen könnte!" Wolfgang seufzte tief auf. „Sie und Salzmann sollen mir rathen! Sie Men sie sehen! Das Herz sagt ja, sie ist die Dir vom Schicksal Bestimmte; aber der kühle Verstand verneint e» und sagt, sie kann Dir auf die Dauer nicht ae- nügen!" * Herber entgegnete: „Das ist das Schwanken de» Menschen gegen den Liebhaber! Mein Theurer, so lange Ersterer nicht ganz in den Letzteren aufgeht, kann von wahrer Liebe keine Rede sein! Glauben Sie mir: Echte Liebe ist der Gor- bische Knoten, den Keiner lösen, den auch ein Alexander nicht durchhauen kann! Doch nächstens mehr! Der Professor bat mich zu sich bestellt! Ade!" 9 . Er reichte Goethe die Hand und ging, Wolfgang aber dachte über den Gordischen Knoten der Seele nach. Acht Tage später stürzte schon zur frühen Stunde Wolf- gang Goethe zu Salzmann herein und rief: „Sie kommen, sie kommen, mein Sokrates! Da lesen Sie!" Ec zog einen Brief aus der Tasche und reichte ihn Salzmann, welcher las: „Mein lieber Herr Goethe! Da uns die Verwandtenpflicht in die Nähe Ihrer Stadt bringt, werden wir, das heißt meins Frau, Friederike und ich, Sie in den nächsten acht Tagen einmal heimsuchen! Wir bitten indeß, sich um unsertwillen nicht zu incommo- diren, da wir unser Unterkommen bereits bei Verwandten bestellt haben. Ich begrüße Sie freundlich und zeichne als Dero ergebener Diener Johann Jacob Brion, Pfarrer." Salzmann blickte auf und fragte: „Run?" Goethe versetzte: „Der Brief ist acht Tags alt, sie können NicjzeN. 578 von „Ach, bist Du fort? Aus welchen gold'nen Träumen Erwach' ich jetzt zu meiner Qual l Kein Bitten hielt Dich auf, Du wolltest doch nicht säumen, Du flogst davon zum zweitenmal! Zum zweitenmal sah ich Dich Abschied nehmen, Dein göttlich Äug' in Thränen steh'n Für Deine Freundinnen — des Jünglings stummes Grämen Blieb unbemerkt, ward nicht geseh'n. O, warum wandtest Du die holden Blicke Beim Abschied immer von ihm ab? O, warum ließest Du ihm nichts, gar nichts zurück«, Als die Verzweiflung und das Grab? Wie ist die Munterkeit von ihm gewichen! Die Sonn' scheint schwarz, der Boden leer. Die Bäume blüh'» nicht mehr, die Blätter find verblichen, Und Alles welket um ihn her. Zu Oertern hin, wo er mit Dir gegangen, Er läuft, zum Bogengang, zum Bach, Und findet Dich nicht mehr und weinet voll Verlangen Und voll Verzweiflung dort Dir nach! Dann in die Stadt zurück, doch voller Grauen, Und find't Dich nicht, Vollkommenheit! Ein And'rer mag nach den gezierten Puppen schauen, Ihm find die Närrchen all' verleid't! Geliebtes Herz, o laß Dich doch erflehen, Und schreibe ihm, daß Du ihn liebst! Sonst laß ihn Dich im Leben nicht mehr wiedersehen, Wenn Du ihm diesen Trost nicht giebstl Nicht wiedersehen? — Entsetzlicher Gedanke, Ström' alle Deine Qual auf mich! Ich fühl' fein Weh so ganz! Es ist zu viel, ich wanke, Ich sterbe ganz allein für Dich!" Sine bewegte Zeit folgte. Das juristische Examen ward i Goethe gut bestanden, die öffentliche Promotion bereitete sitzers fröhlich beschlossen; Goethe «ahm von Friederike verdrießlich Abschied und kehrte sinnend heim in sein Logis. Man hatte für den andern Tag noch eine Zusammen« kunst verabredet, aber ein entscheidendes Wort fiel auch hier nicht. Nach einem endlichen kühlen Abschied war Goethe zuletzt obendrein froh, daß die Brions fort waren, wenn es seiner Eitelkeit auch einen Stob gab, sich von Friederiken abweisend behandelt zu sehen. Er freute sich, daß der auf« dringliche Mensch, der Lenz, ihm über das Peinliche de« Abschiedes so gut hinweghalf. In einer Landkutsche fuhr dis Familie Brion die Straße auf Lauterburg zu. Di« Reisenden waren aber nicht wenig überrascht, als im nächsten Wirthshause, wo die Rosse gefüttert wurden, plötzlich Lenz zu Pferde auftauchte und sich ihnen sogleich näherte. Er machte sich vorzüglich an Friederike und flüsterte ihr zu: „Trauen Sie diesem stolzen Herrn Goethe nicht; er ist aus vornehmer Familie, die sich niemals mit der Ihrigen verschwägern wird; zudem hat er — ich bitte um Verzeihung — derartige Verhältnisse schon mehrere gehabt!" Friederike Brion sah ihn groß an, erwiderte aber nichts. Inzwischen waren die Pferde versorgt, so daß die Reise fort- gesetzt werden konnte. Lenz nahm deshalb von der Familie Abschied und kehrte nach Straßburg zurück, Friederike aber ward unterwegs recht unwohl. Die Ursache der Krankheit aber gab sie den Eltern nicht an. Andern Tages traf Goethe bei den „Gorgonen" Lenz und fragte ihn beiseit: „Nun, war sagen Sie zu der De- moiselle Brion?" Reinhold Lenz schien heute noch spöttischer als sonst und entgegnete: „Mein lieber Herr Goethe, diese« Landmädchen mit seinem weißen Fähnchen soll doch wohl nicht einst Ihre Frau Gemahlin werden?" Goethe antwortete nichts; er kniff die Lippen zusammen und murmelte: „So bin ich denn doch zuletzt auf mein eigene» Urthetl angewiesen!" Am folgenden Tage sandte er Friederike solgeude Verse nach: also jeden Tag eintreffen! Nun eile ich zu Herder, denn Sie Beide sollen Ihr Urthetl abgeben!" Da lächelte Salzmann und sagte: „Mein Alcibiades! Ich habe mir die Sache hin und her überlegt: In der Liebe kann man Keinem rathen! Sehen will ich das Mädchen aller« dings und meine Meinung will ich auch unverholen und rückhaltlos sagen! Das Handeln ist Ihre Sache!" Goethe nickte. „So habe ich es mir gedacht, mein Freund! Aber sagen Sie, sind liebe Menschen, daß sie, die mich so lange verpflegt, meine Gastfreundschaft nicht einmal beanspruchen?" „Die Leute gefallen mit!" „Das freut mich! Und nun Ade! Sobald sie da sind, schicke ich zu Ihnen!" „Gut!" Er war schon davon. Bei Herder fand er Lenz, den er nicht von der Stelle zu bringen vermochte und der so Mitwisser von dem Besuche Friederikens wurde. Spöttisch meinte er: „Da bin ich denn doch neugierig, wie die Omphale aussieht, die unfern Herkules so lange am Spinnrocken festgehalten!" Goethe warf dem Aufdringlichen einen eiskalten Blick zu, den der Livländer gar nicht zu bemerken schien. Er attachirte sich eben jetzt Goethe in so auffallender Weise, daß feine Freundschaft kaum ohne Beleidigung zurückzuweisen war. ; Für den Nachmittag meldete dann ein Bote aus dem E Hause des Rathsherrn Caspar Ehrlicher de« Besuch der ? Familie Brion, eben al» sich Lenz verabschieden wollte, an. So trafen denn auch Salzmann und Herder in Goethes Wohnung ein, ehe die Brionr anklopften. Sie waren nicht allein, denn Rosa und Fanny Ehrlicher begleiteten ihre Verwandten. So kam er, daß sich Wolsgang und Friederike kühler gegenüberstanden, als es sonst wohl der Fall gewesen wäre, daß auch die Begrüßung der Familie Brion mit Wolfgang unter den Augen dreier fremder Herren weniger intim vor sich ging, al« sonst hätte geschehen dürfen. Goethe flüsterte Salzmann sofort zu: „Ein giftiger Mehlthau ist über Nacht gefallen; der Nachtfrost hat die schönste Blüthe geknickt!" r Nach einer etwas ceremoniellen Vorstellung schlug Goethe einen Spaziergang in die Robertsau vor, wo man in einem Kaffeegarten einkehren könne. Nur mit Mühe und unter Hinweis auf die Sesenheimer Gastlichkeit durste es hier geschehen, daß man auf Goethen» Rechnung eine Kollation einnahm. Zwar suchte Wolfgang stet« Friederikens Seite auf, aber Lenz attachirte sich ihm allenthalben, so daß auch jetzt eine Vertraulichkeit verhindert ward. Uebrigens flüsterte Salzmann Wolfgang bald zu: „Das Mädchen ist ein Engel, aber keine Frau für meinen Alcibiades; die müßte ein cryflallinischer und doch felsenfeste» Gefüge haben!" Herder aber meinte: „Mein junger, lieber Freund, wa» wollen Sie mit dem simplen, wenn auch zarten Geschöpfchen! Schönheit vergeht! Sie müssen ein weibliches Wefen voll Geist und Esprit itui sich haben!" Riekchen Brion sah in ihrem weißen Musselinkleidchen, weHe« Wolfgang nur zu gut kannte, allerliebst, wenn auch etwas ländlich au«. Ma« besah nun da« Münster und bestieg den Thurm. Hier verabschiedeten sich Salzmann und Herder, und Goethe mußte e» nunmehr Lenz noch Dank wissen, daß er blieb und Rosa wie Fanny Ehrlicher unterhielt. Erst jetzt fand er Gelegenheit, mit Friederike heimlich und allein zu reden, aber nun zeigte es sich auch, daß das „himmlische Geschöpf" echt mädchenhaft trotzen konnte, denn sie war und blieb zum Verdruss- Goethen» kurz. Auch Frau Maria Magdalena stellte sich sehr gemessen gegen Wolfgang, nur der Pfarrer war ganz der Alte. . _ Der Tag ward im Garten de» Rathsherrn Ehrlicher , sich vor. nahe am Eontade« unter Theilnahme der Familie de» Be« Bald darauf, am 22. Juni, unternahm Wolfgang der- 579 ■ «Freund sagst Du? halb mit seinen Freunden Engelbach und Weyland eine Tour über Zabern nach Saarbrücken. In der Nähe des letzteren ^s. den man «ach einigen Tagen erreichte, liegt da« ein. Jagdschloß Neunkirchen. Hier übermannte bei der Stille eine« Sommerabends Wolfgang dis Sehnsucht nach ^^deriken. Er sandte ihr deshalb von hier aus folgendes Gedicht al« Gruß zu: „Wo bist Du jetzt, mein unvergeßlich Mädchen, Wo weilest Du? Wo lacht die Flur, wo triumphirt das Städtchen, Dem Du hörst zu? Seit Du entfernt, will keine Sonne scheinen, Und es vereint Der Himmel sich, Dir zärtlich nachzuweinen Mit Deinem Freund! All' meine Lust, ist fort mit Dir gezogen; Still überall Ist Stadt und Feld; Dir nach ist selbst geflogen Die Nachtigall. O, komm' zurück! Schon rufen Hirt und Heerden Herbei Dich leis'; Kehr' bald zurück, sonst wird es Winter werden Ringsum im Kreis!" X rzt?i8Äetbrottn Hielt sich Wolfgang noch, höchst melan. choltsch allerdings, zu den Freunden, dann aber eilte er, mäh. rend diese ein Kohlenbergwerk bestchtigten, von unwidersteh. kicher Sehnsucht getrieben, nach Sesenheim. Er wurde, wie stets, gastfrei ausgenommen. Der Lieb, lmg der Hauser war wieder da und Alle» vergessen I Schnell war dar Leben wieder im gewohnten Geleise. Aber die Zugabe, die Zugabe! Der Mensch hatte über dem Liebhaber dieselbe vergessen, bis die Wirklichkeit ihn wieder daran mahnte. Vollständig ernüchtert kehrte Goethe bald wieder nach Straßburg zurück. Hierzu hatten Reinhold Lenzen« Verleumdungen nicht am wenigsten beigetragen! VII. z Bitterer Abschied. Müssen wir scheiden, ach, ist unerbittlich das Schicksal» Reich' mir noch einmal die Hand! In mir lebt ewig Dein „ Bild! In Wolfgang Goethe» Seele saß der Stachel bitterer Reue! Zog ihn sein Herz mit unwiderstehlicher Kraft nach Friederiken hin, so sagte ihm der Verstand doch klar genug, daß au» einer Verbindung zwischen ihm und der Pfarrer»- tochter nie etwa» werden könne. Solche beunruhigende Gedanken mußten nun erstickt werden; da aber Studien und Arbeit dazu nicht ausreichten, so fing Wolfgang ein rüde» Leben an; er ritt dir wildesten Pferde, lag auf den Fecht- böden herum und besuchte die Weinschenken. Bald kannte man überall den bildschönen Studenten, der nirgend« lange weilte und, wie von einem finstern Schatten verfolgt, vor sich selbst floh. Sein Gefährte bei allen diesen Ausschweifungen war Niemand anders als — Reinhold Lenz. Dieser hatte inzwischen einen Brief nach Sesenheim geschickt, welcher lautete: „Hochehrwürdiger, wohlehrsamster Herr Pfarrer! Versprochenermaßen theile ich Ihnen mit, daß Herr Goethe bereit» vor längerer Zett sein juristische« Examen bestanden hat und flch nun zur Doctorpromotion vorbereitet. Wie mir scheint, sucht der junge Herr sein Gewissen gewaltsam durch ein wilde« Leben zu betäuben; allem An- scheine nach wird er Straßburg nunmehr verlassen. Ich thue Ihnen diese« Alle» in schuldiger Freundschaft kund und bitte um Discretion. Ihrer Frau Haurehre und Demoisellen Töchtern bitte ich meinen respektvollsten Gruß zu vermelden, womit ich verbleibe rx, «3«, hat sich war!" lachte Lenz höhnisch. „Den Ab- schied hat er ihr gegeben! Und ich - ich muß diese» Wesen so rasend lieben!" „Unglücklicher!" rief Troost. „Ja, Unglücklicher!" bestätigte Lenz. „Hängt sie doch noch immer an dem Verräther!" Troost schüttelte den Kopf und sagte dann ängstlich: „Lieber Reinhold, verschone mich mit dem Weiteren; ich will nichts wissen, nichts gehört haben!" „Giebst Du Dein Wort?" schrie er dagegen. „Mein Ehrenwort!" versicherte Troost. „Wohl!" lachte da Reinhold. „Ich aber werde bestrebt sein, sie mit allen Mitteln zu erringen! Lebe wohl!" Er stürzte davon. An demselben Tage hatte Goethe eine sehr ernste Unterredung mit Salzmann. „Mein lieber Alcibiades," sagte dieser, „in einigen Tagen ist der ersehnte Augenblick da, wo ich da« J. U. D. hinter Ihren theuren Namen setzen und Sie als Juris utruisqu» doctor begrüßen darf! Ich weiß, daß dieser Moment Sie mir entführt und doch ist e« nöthig! Sie gehören in den Strom der Welt und glauben Sie mir, Sie werden prächtig mit ihm fahren! Jedoch eine Pflicht hätten Sie noch vorher!" Wolfgang blickte zur Erde. „Sie denken an Sesenheim!" „Ja, Freund!" Goethe sann nach und flüsterte dann traurig: „Ich muß — Abschied nehmen!" «Und zwar schriftlich!" fügte der Actuar bei. „Sie kennen ja das Märchen von der Dornenhecke, in welcher viele Prinzen, die die Prinzessin zu befreien kamen, hängen blieben und eines elenden Todes starben!" „Ich verstehe!" lächelte Goethe matt. „Ich nehme fchrist. lich Abschied, so schwer e» mir auch avkommt, mein Lieber!" „Trösten Sie sich. E» ist nichts Unehrenhafte«, da ein Verlöbniß nicht vorliegt." „Und doch fühlte ich mich moralisch gebunden, bi« selbst der Spötter Lenz ihr „Fähnchen" cittrte; da schämte ich mich ihrer! Habe ich e« nickt stet» gesagt, daß mir von diesem Livländer einst große« Weh kommen müsse? Gr hat mir jäh die Binde von den Augen gerissen!" Salzmann beruhigte den Aufgeregten und zog ihn mit sich fort. (Schluß folgt.) Der Wachtelzug mit der Eisenbahn durch Deutschland. Aus Oberitalien schreibt man den „Münchner R. N.": Man hat in Deutschland, wenige Eisenbahnangestellte der Linie Basel-Luxemburg «»«genommen, keine Ahnung davon, i kluger und guter Mensch, saß in theologische Studien vertieft | da, als Lenz höchst aufgeregt eintrat und rief: „Nomen eet omen, Troost; ich bin gekommen, Dir etwas anzuvertrauen und das, was Dein Name besagt, von Dir zu erholen!" ia . fragte Jener und legte die Feder hin- „Was ist denn passtrt?" „Alles ist passtrt, die Welt geht unter!" schrie Lenz. „Das verhüte Gott gnädiglich!" meinte Troost und erhob sich. „Komme übrigens, Freund Lenz, zu Dir und erzähle!" Reinhold starrte lange vor sich nieder, darauf begann er: „Es handelt sich um diesen — Goethe!" „Unfern Freund!" betonte Troost. „Freund?" rief da Lenz heftiger- — So hoch steht er doch wohl nicht!" Troost blickte ihn verwundert an: „Ich begreife Dich mcht, doch erzähle!" , „ Lenz rang nach Athem und bemühte stch dann, weniger leidenschaftlich zu sagen: „Nicht nur, daß ihn Fortuna wie aus Amaltheas Füllhorn mit Glücksgütern überschüttet hat, nein, er besitzt auch die Neigung de» besten, des edelsten Mädchens, welche» er — verräth!" „Ich denke, sie sei ihm Braut, Geliebte, seine Muse!" meinte Troost. Dero ehrerbietiger Diener Reinhold Lenz." Nachdem der junge Mann diesen Brief auf die Post gegeben, packte ihn doch da» böse Gewissen beim Schopf und trieb ihn zu dem Theologen Troost, der ihm seit der Abreise seine« Herzen«freundes Jung eine ausrichtige Freundschaft entgegenbrachte. Troost, ein etwa« altfränkisch gekleideter, sonst aber SW - daß im letzten März 256,000 Wachteln von Egypten durch Deutschland (via Brindtfi»Gotthard) nach London gesandt wurden und daß diese Sendungen im April und Mai bi« Anfang« Juni je nach der Witterung m viel größerem Maß» stab fortdauern, um je nach dem mehr oder weniger ergiebigen Fange die Zahl von 1'/» bi« 2 Millionen zu erreichen. Diese Wachteln werden sodann in London verspeist. Der Grund dieser Sendungen durch Deutschland besteht darin, daß diese« Jahr aus dringendes Verlangen der frone zöflschen Landwirthe und Jägergesellschaften die französische Regierung durch Dekret vom 4. März in Anbetracht der Schonung dieser der Landwirthschast so nützlichen Thiere, bereu Transport durch Frankreich während geschloffener Jagdzeit verboten hat. Wer daran zweifeln sollte, braucht nur die Marseiller Ze'tung, den „Semaphore" vom 3. April, zu lesen, worin in einem Artikel da« obige Dekret angegriffen wirb. Der Artikel führt au«, baß durch diese« Verbot die Sendungen durch den Gotthard und Deutschland fortdauern und baß ba« Dekret nicht« andere« bezweckt, al« ben französischen Dampfern unb Eisenbahnen zu Gunsten der englischen Dampfer unb ausländischen Eisenbahnen zu schaben. Der „Ssmaphon" ist nämlich ba« Organ bet egyptischen Wachtelvertilger. Schon seit verschtebenen Jahren kämpften bie französischen Jagdvereine, bereit Organ bie Pariser Jagdzeitung „Le Ehafleur Pratique" ist, gegen die Er- laubniß diese« Transit« durch Frankreich, aber durch die Jntriguen bet Wachtelspekulanten, beten eifriger Vertheidiger ein französischer Depatirter ist» gelang e« ihnen bi« jetzt jedes Jahr, bie Erlaubniß des Transits zu erlangen, obschon et mit bem französischen Jagdgesetz in Widerspruch steht- Gewiß haben auch Wenige in Deutschland Ahnung davon, was eigentlich diese scandalöse Wachtelspeculation ist. Verschiedene Speculanten, wovon, wie man sagt, ein oder zwei Italiener sind, und welche jedenfalls zu keinem Thier« fchutzverein noch Jagdverein gehören, fangen in den Monaten: letzte Hälfte Februar, März, April, Mai unb Anfang Juni in Egypten bie Wachteln in Netzen, um sie nach London zu senden. In welchem Maßstabe diese Leute die armen Vögel vertilgen, kann man leicht denken, wenn man weiß, daß einer dieser Speculanten allein 30 Kilometer Netze ausspannt. Die gefangenen Vögel werden sodann nach und nach zur Küste gesandt, unb bott, eng anrtnanber gepreßt, in niebrigen Käfigen auf bas Deck bet Dampfer verladen. Nach einer Seereise von sechs bi« sieben Tagen werden sie bei ihrer Ankunft in Marseille auf die Eisenbahn gesetzt, um nach London spedirt zu werden. Einige Dampfer nehmen über 100,000 Wachteln an Bord. Wenn man nun bedenkt, daß alljährlich l‘/2 bis 2 Millionen Wachteln im Hasen von Marseille angekommen, so kann man nicht ohne ein gewisses Gefühl de» Bedauerns ausrechnen, wie viele Millionen dieser armen Thiere man in Egypten fangen muß, damit zwei Millionen lebendig in Marseille ankommen. Wie man behauptet, gehen schon in den Netzen viele zu Grunde, und wenn nicht gerade Gelegenheit da ist, bie Vögel wegzusenden, werden sie getödtet, um in der nächsten Umgebung zum Spottpreise verkaust zu werden. Ferner kann man sich denken, wie viele dieser armen Thiere während de» Transport» bl« an die Küste zu Grunde gehen, da bie Verbindungen in Egypten primitiv sind. Zunächst kommt die Seereise von sech» bi» sieben Tagen, oft bei hoher See. Augenzeugen behaupten, e» sei ein jammervoller Anblick, diese armen Thiere, eng aneinander gepreßt, in niedrige Käfige gepackt zu sehen, lebendige und auch die schon seit Tagen tobten, alle» durcheinander. E» ist gewiß nicht übertrieben, anzunehmen, baß kaum ein Viertel ber in ben Retzen gefangenen Wachteln lebenbig in Marseille ankommt, und drei Viertel davon zu Grunde gehen. E» werden also jede« Frühjahr von diesen Speculanten ungefähr acht Millionen vertilgt, welche aus dem Wege waren, nach Europa zu kommen, um zu nisten- Diese Thatsache ist wirklich empörend. Man merkt übrigen» in Europa ganz gut, daß in ben letzten Jahren bie Zahl ber Wachteln abnahm. Die natürliche Folge bieser systematischen Mötderei ist nicht nur ein enormer Schaben für bie Landwirthfchaft und für die Jagd, sondern auch eine grausame Thierquäletei. Der Unfug dauert nun schon mehrere Iahte. Um Wachteln von Egypten nach England zu senden, gibt e» nur zwei Wege, da ber Seeweg um Spanien unmöglich ist. E» bleibt ber Weg durch Frankreich und derjenige durch Deutschland. Um bei ber französischen Regierung bas Verbot buichzubtingen, würbe von Seiten bet französischen Jägervereine stets barauf aufmerksam gemacht, baß der Weg durch Deutichland natürlicher Weise geschloffen sei, weil man dort zu strenge Jagdgesetze habe und zu seht auf Jagdschutz bei geschloffener Jagd sehe, um zu einem so grausamen Vet- tilgungrkrieg dieser nützlichen Vögel die Hand zu bieten. E» wäre die» ja ganz gegen den deutschen Charactet; nirgend» wie in Deutschland wirb das Wild so gehegt und gepflegt. Da ein Theil dieser Wachteln, welche jetzt in Käfigen durch deutsche» Gebiet reifen, wenn sie nicht in Egypten gefangen würden» nach Deutschland gekommen wären, um dort zu nisten, fo ist ber Wachtelfang ein birecter Schaden. — Wenn nun Deutschland erlaubt, daß dieser Unfug fortbauert, so ist für nächstes Iaht kein Grund mehr vorhanden, daß die französische Regierung das Verbot beibehält. Es hängt aber bie Frage jetzt ganz von Deutschland ab. E» sollten, wenn e» noch nicht geschehen ist, von Seiten aller deutschen Jagdgesellschaften und Thierschutzvereine die nöthigen Schritte ge- than werden, um dieser abscheulichen und ber Landwirthschast so schädlichen Wachtelspeculation ein für alle mal ein Ende zu bereiten. Was den Nutzen der deutschen Eisenbahnen an« betrifft, fo ist der Gewinn ja ein Tropfen im Meer. Die Strecke von Basel nach Luxemburg übet deutsche» Gebiet ist zu kurz, um nur von Summen sprechen zu können. Literarisches. Die Weihnachtsnummer der »Moder««» Kunst* (Verlag von Rich. Bong, Berlin, ä Heft 60 Pfg.) ist soeben erschienen und ist wieder von jener eigenartigen Feiertagsstimmung erfüllt, die sie zu einer der beliebtesten mit Ungeduld erwarteten Erscheinungen unter dem deutschen Christbaum macht. Der ganze Inhalt des überaus prächtig ausgestatteten Heftes athmet Festfreude. In goldener Schrift auf blauem besternten Grunde erstrahlt die Ueberschrift „Weihnacht" schon auf dem Umschläge, durch dessen von Eiszapfen und Stechpalme umrahmtem Ausschnitt sich der Blick auf eine wundervolle Strandland- schaft eröffnet, au? deren Schneedecke eine hell erleuchtete Kirche aufragt, ein „Friedenstraum nach dem Wintersturm", wie es in den sie begleitenden Versen von Heinrich Vollrat Schumacher heißt. Text und Illustrationen bringen dann in sich stets steigernder Folg« lustige Winter- und Festtagssbilder. So schildert Fritz Gehrke mit Pinsel und Feder eine „Hörnerschlittenfahrt" im Riesengebirge voll heiterer Zwischenfälle. Da läßt Paul Oscar Höcker einen „angejahrten" Rittmeister schalkhaft gerade in dem Augenblick, wo er sich an das einsame Weihnachtsfest des Junggesellen zu gewöhnen beginnt, „unter die Haube kommen". Da versenkt sich Gustav Klitscher gar in die stummen Gefühle eines Festkarpfen, der mit knapper Roth der Gefahr entgeht, die Wechnachtstafel des Gutsherrn zu schmücken AuS all' dem lustigen Schellengeklingel des Humors klingt es dann wieder wie ernstes Glockengeläut, wenn Adalbert von Haustein in volltönenden Reimen da» Geheimniß von der Geburt des Christkindleins zu einem sich an jeder Wiege wiederholenden Wunder verallgemeinert. Zwei große doppelseitige Kunstbeilagen in Aquarell-Farbendrnck, Antonia de Banuelo»' „Mein Liebling" und Rich. Frieses „Elch in der Schneeschmelze", erglänzen in berückender Farbenpracht und tragen so zu dem festlichen Schmuck der in ihrer Art einzigen Nummer bei. Die übrigen farbigen Text- Illustrationen, wie das „Weihnachts-Diner" von M Rejchan und die „Festvorstellung" von I. Wehle, schildern einzelne Situationen aus den Feiertagen der Kleinen wie der Erwachsenen. Unter den Kunstbeilagen in Holzschnitt nimmt die erste Stelle ein die große dreiseitige Reproduc- tion des berühmten Bildes von A. von Werner „Die Eröffnung des Deutschen Reichstages durch Kaiser Wilhelm II am 25. Juni 1888", ein Gemälde, dem sich das „Intermezzo" aus Friedrichs des Großen Zeit von Robert Warthmüller, einer der Hauptanziehungspunkte der diesjährigen Kunstausstellung, würdig an die Seite stellt. Daß es möglich ist, eine solche Festnummer im Einzelverkauf für 3 Mark, im Abonnement für 1 Mark abzugeben, ist ein glänzender Beweis für die Leistungsfähigkeit der deutschen Journaltechnik, an deren Vervollkommnung gerade die „Moderne Kunst" einen überwiegenden Antheil hat. Kedaetion: «. Schehda. — Druck und «erlag der Brühl'schen UniversMiS-Buch. und Steindruck«-« (Pietsch k Vcheyd«) in Metzen.