M. 106 V-r- •• tf temer AntkchaUMgsblaU Wm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). SamStaz den 7. September „ Ihr Vermächtniß. Roman von Maximilian Msegelt«. lSortfetzung.) Heyd empfahl sich nun ehrerbietigst von den Damen. „Auf Wiedersehen, Herr Baumeister." Und Hertha reichte ihm zum Abschied die Hand. „Lindenheim wird Sie jederzeit gern sehen," sagte der Oberförster, „und wenn ich bitten darf, so geben Sie uns am nächsten Mittwoch die Ehre." Der Baumeister versprach zu kommen. „Möge es mir beschieden sein, mich Ihnen erkenntlich zeigen zu können für Ihre Liebe, denn Sie beschirmten und bewachten mich in schweren Stunden wie ein Vater — mich, der ich Elternliebe nie kennen gelernt." Heyd bestieg nun den Wagen, auf dem der Secretär und der Kutscher schon Platz genommen, und fort ging es in leich« tem Trabe die Anhöhe hinauf. „So recht, Liese, so recht, Lotte," schmeichelte Friedrich seinen Pferden, die gleichmäßig ausholten. Nach einer Weile wandte er sich halb um und meinte, daß es heute doch ein weit beffere« Fahren wäre, wie damals, als der Herr so krank war. — „Mein Kind, wir haben eine bewegte Woche hinter uns," sagte der Oberförster zu seiner Tochter, als sie dem Hause zuschritten. „Und eine segensreiche Woche, mein lieber Vater; doch nun wirst Du Dich auch recht schonen, denn Du hattest ja alle Sorgen um den Kranken auf Deine Schultern genommen." „Nun, darum gräme Dich nur nicht, meine Tochter, denn es war nicht anstrengender, als das Reiten durch die Forsten, besonders im Winter zur Zeit des Holzschlags, aber sage nur, Hertha, wie gefiel Dir der Herr Baumeister?" Mit ihren großen blauen Augen sah sie ihren Vater betroffen an. „Mein guter Vater," sagte ste anscheinend ruhig, „zu uns kommen viele Männer, von hohem Adel bis zum einfachsten Landmanne, aber sie alle erscheinen mir nicht so edel wie dieser Mann in seinem einfachen und würdevollen Auftreten. Findest Du nicht selbst, mein Vater, daß diese» ungekünstelte Wesen und seine natürliche Bescheidenheit ihn überall beliebt und gerngesehen machen müffen l — Und wie zufrieden mögen wohl die Leute sein, die mit und unter ihm zu arbeiten haben I Was sagst Du nur zu dem herrlichen Liede, das seine wundervolle Stimme weit in den Wald'hinein trug? Hast Du je etwas Schöneres gehört ? Und dieses Lied, das so wunderbare Erinnerungen in mir wachrief — das ist sein Lied. Als die Herren da waren wegen der Wegebauten und Du uns auf kurze Zeit verließest — da erfuhr ich es. Ach, mein guter Papa, unser Wald ist herrlich, so herrlich, wie er weit und breit nicht ist, aber etwas fehlt ihm — das Meer, das seine Wellen an unsere Abhänge oder Grenzhügel wirft." Hertha fuhr nach einer kleinen Pause fort: „Als ich vor zwei Jahren auf der Oberförsterei Warnow war, da haben Hildegard und ich täglich stundenlang hinabgeschaut von den Buchenhöhen Wollins auf das majestätische Meer oder an den Ufern den Wellen gelauscht, was sie erzählten von fernen Ländern und dem Reichthum und der Pracht de« Meeresgrundes. Wenn die goldene Sonnenscheibe mit ihrem Purpur in ihrer erhabenen Ruhe hinabstieg in die ewigen Fluthen — ach, mein lieber Vater — alle diese schönen Erinnerungen zogen an meinen Augen vorüber — in seinem Liede." „Nun, meine Tochter, ich bin ganz Deiner Meinung, konnte ich mir doch schon Dein Urtheil denken. Er ist ein edler Mann. In meinem Leben habe ich viele gute Menschen kennen gelernt, aber so sympathisch wie dieser Mann war mir selten einer. Aber sage mir, Hertha, woher kennst Du denn diesen Mann?" Hertha sah ihren Vater überrascht an. „Woher weißt Du nur, Vater, daß ich diesen Herrn kenne? Noch habe ich mit keinem Menschen davon gesprochen!" „Nun, mir «ar es nur so, als wenn Du ihn längst kennen mußtest!" „Ja, lieber Vater, ich kenne ihn allerdings, aber nur zweimal im Leben ist er mir begegnet. Als ich damals von Tante Walten kam, als sich der Zug verspätete, stieg er in das nämliche Coupse, doch fuhr er nur bis zur nächsten Station; dann sah ich ihn wieder auf dem Balle in Danzig, als ich mit Tante Doctor Einkäufe zu meiner Aussteuer machte." 422 „Hm," sagte ihr Vater gedankenvoll, „doch da fällt mir 8 noch," betheuerte Curt hoch und heilig und küßte ihre welke soeben ein, daß Curt an Dich geschrieben, er theilt Dir mit, I Hand. „Helfen Sie mir doch aus dieser fatalen Klemme, daß er am Sonntage unser Gast sein wird. Die Karte liegt I muß auf Ehrenwort morgen das Geld zahlen," und er griff noch in der Kanzlei, ich vergaß, sie herunterzubringen." I hastig in seine Brusttasche und reichte ihr einen Schuldschein A über 22,000 Mark. „Zweiundzwanzigtausend Mark," sagte Fünftes Capitel. Curt mit besonderer Betonung. Am folgenden Sonntag traf Curt von Walten zur be- I „Nein, mein Herr von Walten, es geht wirklich nicht, stimmten Stunde auf Lindenheim ein. j es ist mein letztes Geld." Curt wurde wie immer auf das freundlichste empfangen I Aber Curt wich so leicht nicht von der Fahne; er führte und schien auch wieder bei bestem Humor zu sein. Sorgen I seine ganze Liebenswürdigkeit und seine ganze Beredtsamkeit und Kummer hatte er nie kennen gelernt und die großen und I in'» Feuer, bis er endlich nach vielen Mühen doch sein Ziel kleinen Hinderniffe des täglichen Lebens nahm er mit Leichtig- I erreichte und ihren letzten Depotschein über 20,000 Mark auf kett. Er erzählte vom vorigen Herrenabend im Clubhause I die Danziger Sparbank erhielt. Schnell schob Curt den und von den Champagnerströmen, die von Hartung an seinem I Schein in seine Brusttasche und Beide kehrten jetzt um. Geburtstage fließen ließ. I Frau Doctor war ernst und schweigend, Curt dagegen Der Oberförster und Tante Doetor dagegen berichteten I heiter wie immer; er drehte die Reitgerte um den rechten von dem Unglück des Baumeisters Heyd und den Tagen der I Zeigefinger und pfiff halblaut ein lustiges Lied. letzten Woche. I „Wie Sie nur so vergnügt sein können in dieser Ver- „Ah, war ja schlechte Einquartierung für Lindenheim," | faffung, Herr von Walten, das ist mir unerklärlich," sagte sagte Curt, „aber Heyd — Heyd? Wo bringe ich den nur I Frau Doctor nicht ohne Sarkasmus. hin? — Ah, richtig, hatte ja kürzlich die Ehre auf dem I „In dieser Verfassung? Heute roth, morgen tobt, aber Maskenball, wo Sie ja, gnädigste Tante, und Hertha auch I chacun ä son gout — und warum auch Grillen fangen in waren; übrigen» — harmloser Mensch, glaube ich." j unseren Tagen I Dem Muthigen allein gehört die Welt, bestes Curt, der nicht gut zehn Minuten auf einem Platze aus- I Tantchen; man muß das Leben von der heiteren Seite hielt, es wäre denn gerade bei den „Vier Wenzeln", trillerte I nehmen." eine Gavotte, nahm des Onkels Reitgerte vom Nagel und I Die Tante Doctor konnte sich mit der Ansicht des schnei- begab sich nach dem Hofe. In fünf Minuten ging er durch j digen Lieutenants nicht befreunden, der seinen schönen Schnurrzehn Thüren und die erste war gewöhnlich die des Pferde- I bart durch die Finger gleiten ließ. Aber sie sagte sich auch stalles. Er streichelte dann Minka, des Oberförster» Reitpferd, | wieder: „Sicher ist mir mein Geld doch auf alle Fälle, und und beneidete dann den Onkel um diesen prächtigen Renner, j wenn er nicht pünktlich mir die Summe zahlt, dann brauche Bor zwei Jahren kaufte ihn der Oberförster für ein billiges I ich es ja nur dem Steuer zu sagen, der in solchen Dingen Geld in Polen, heute freilich, bei der großen Steuer auf I keinen Spaß versteht. Indessen so weit kann es nicht kommen, Pferde, dazu der hohe Rubelcours, wäre dies mit unseren I denn die paar Monate werden auch vergehen, und wenn Hertha Preisen eine Compensatio». I erst die Baronin von Walten ist, dann hat e» auch keine Curt ging nun am Fließ entlang. I Roth." „Hm, hm — verdammte Geschichte," murmelte er vor I Inzwischen waren sie am Hause angelangt und schritten sich hin und theilte mit der Reitgerte die Luft, so daß eine I der Veranda zu, auf der der Oberförster und feine Tochter Schaar Enten, die am Schilf saß, quackend und mit aus- I soeben Platz genommen. , , gebreiteten Flügeln das Weite suchte. „Hm — verdammte I „Minka bleibt sich immer gleich, sieht brillant aus, Onkel, Geschichte das l Wird nicht recht wollen — wird heißen Kampf I müßtest ihr Mähne und Schwanz stutzen lassen, sagte Curt, — geht aber nicht anders! Ah, lupus in fabula — I indem er die Reitgerte an den Stuhl hing, auf dem er sich da kommt sie angewackelt — Stern noch immer auf Höhe." I niederließ. , , ... „Ach, gnädigstes Tantchen - sehr angenehm, Sie allein I „Nein, Curt, mir ist das Pferd so lieber und seiM zu sprechenI Dienst thut es auch ohne ein sportmäßiges Aussehen. Und sie gingen am Fließ entlang der kleinen Wiese zu, «Nun freilich, Onkel. - Da kaufte Kamerad Bornheim während Hertha den Mittagstisch zurecht machte. — | kürzlich famoses Pferd, englische Rasse, von einer Gräfin „Hatte Unglück im Spiel — fatale Sache - Sprich- I von Koronatzka aus Polen — Oberst ist ganz futsch! wort sagt schon: Glück in der Liebe, Unglück im Spiel. - „So," sagte der Oberförster überrascht, »da« wundert Brauche nothwendig zwanzigtausend Mark und Sie müssen I mich sehr. Die Gräfin soll doch aus Prinzip weder Vieh noch mir helfen, bestes Tantchen, weiß bei Gott keinen Ausweg!" I Landesproducte nach Deutschland verkaufen, denn fie haßt „Ich helfen? Um Gotteswillen, Herr von Walten, wo Alles, was deutsch heißt- In ihrem Hause wird meistens denken Sie hin, was soll das nur werden!" rief die alte I französisch gesprochen, ihre Kleider kommen aus Paria, ihre Dame erregt. „Da werden Sie sich schon an die Baronesse, I Weine au» Bordeaux und die tausend Dinge, die sie sonst Ihre gnädige Frau Mama, wenden müssen; denn ich kann und I noch braucht, nur aus Frankreich. Mich wundert s nur, daß mag Ihnen nichts mehr geben!" I sie jährlich ihre Reise nach dort durch das bei ihr so in Un* „Aber liebstes, bestes Tantchen, ich bin Ihnen doch gewiß I gnade gefallene Land macht! Ihre einzige Tochter verheirathete gut für dieses Sümmchen und rechne Ihnen bessere Zinsen, I sich vor zwei Jahren mit einem angeblich sehr reichen Grasen, als die Sparbank in Danzig." I der vielbegütert in der Normandie leben soll. Jedoch schemt „Herr von Walten," sagte die Frau Doctor sehr ernst, I mir der Segen nicht gar zu groß, denn der Comte de Reflux „ich gab Ihnen neulich fünfzehntausend Mark, als wir in 1 — dies ist sein Name — soll auch ständiger Gast in Monte Danzig waren und wenn mir Ihr Schuldschein darüber auch I Carlo sein. Des alten Thielemanns Neffe traf dort im verso gut ist, wie die erste Hypothek auf Schloß Walten, so mag I gangenen Jahre die ganze Gesellschaft." ich Ihnen doch nichts mehr geben; und in so kurzer Zeit wieder I „Also Monte Carlo!" sagte Curt überrascht. „Mutz solche Gummen zu verspielen, das ist denn doch ein großer I dort wunderbares Land fein!" Leichtsinn, den ich nicht bestärken möchte, wiewohl Sie ja thun I „Herrliches Land, dieser Küstenstrich von der Riviera vir und lassen können, was Ihnen beliebt. Hätte der Onkel auch I zu den Pyrenäen, und besonders Monaco, dieses wunderbare nur eine Ahnung davon, daß Sie spielen, ich wüßte nicht, I Felseneiland," erwiderte der Oberförster; „nur schade, daß war er thäte. Sagte er doch kürzlich erst: „Karten- und I dort der Teufel seine Netze besonders ausgelegt hat, wo die Börsenspiel enden nie gut, denn dazu ist der reichste Mann I Leidenschaft des Spiels jahraus jahrein so Viele zum frühen nicht reich genug." Daher werde ich Ihnen auch nichts mehr I Ende treibt. Aber wie dem auch fein mag, die Verhältmtze geben, denn ich möchte nicht Ihr Unglück." I der guten Gräfin von Koronatzka müssen sich wirklich zu ihrem „Aber, gnädigstes Tantchen, nur dies eine einzige Mal • Nachtheile geändert haben. Der große, von dem Staroflen einst so wohlgepflegte Wald, wohl über zehn Quadratmeilen groß, ist vollständig in Händen von Leuten, die so schnell wie möglich abholzen, und Bauhölzer und Mauerlatten schwimmen jetzt munter die Weichsel herab. Auch unseren Forsten brachte er Nachtheile, denn während Bauhölzer unter die Taxe gingen, waren für Mauerlatten zeitweise gar keine Abnehmer, weil diese Hölzer zollfrei durch die Grenze gingen. Natürlich wurden drüben die Berkaufsverhandlungen und Verträge in fran- Dscher Sprache geführt, sofern es nicht in russischer Sprache riAhig war. Als ich im vergangenen Herbst in Polen war, und mir den großen Pelz und die hohen Stiefeln kaufte, da sah ich die gnädige Frau ihre lange Seidenrobe über den nicht sehr reinen Hof schleppen, und ich hatte so das Gefühl, als ich auch noch verschiedene andere Dinge sah, die mir nicht behagten, daß hier eine echte polnische Wirthschaft sei, mit der e« oft gar zu schnell ein Ende nimmt." »Ab« woher kommt nur ihre Antipathie gegen Alles, was deutsch heißt," fragte Curt erwartungsvoll. „Der Neid, Curt, nichts als Neid ist es," erwiderte der Oberförster. „Als vor Jahren unser Volk die Fackel der Cultur nach unserem halbbarbarischen Nachbarlande brachte, da war es ihm hochwillkommen. Intelligenz, Fleiß, Ausdauer und Treue, Eigenschaften, die unser Volk auf dem ganzen Erdball characterisiren, nahmen sie mit hinüber und viele Jahre ging es ihnen auch recht gut. Industrie, Handel und Wandel nahmen Aufschwung, was den Ruffen auch sehr angenehm war. In den östlichen Provinzen ließ sich der Landmann nieder und Grund und Boden wurden rationeller be- wirthschaftet. Die angrenzenden polnischen Besitzer, die gewohnt waren, vom Himmel sich ihre Bedürfniffe in den Schooß werfen zu lassen, erwachten aus ihrer Lethargie. Mit scheelen Augen sahen sie auf den Fremdling, der ea besser verstand, Kapital herauszuschlagen, und wenn auch Viele einsichtsvoll genug waren, die wohlgemeinten Rathschläge mit Vertrauen anzunehmen, so sahen doch auch Viele neidisch über des deutschen Nachbarn Zaun und fanden wenig Freude an dessen blühenden Wiesen und Feldern. Mit den Jahren wurden drüben die Verhältnisse aber auch schwieriger; und wenn auch immerhin dort die Landwirthschaft noch mehr abwarf, wie in unserem Lande, so gingen doch Viele zu Grunde, die an noble Passionen gewöhnt waren und nur den lieben Gott und schlechte Inspektoren für ihre Wirthschaft sorgen ließen. Bei den Polen kam auch vielfach noch der Haß dazu, denn die Deutschen liebten Ordnung und Ruhe und hielten treu zu Kaiser und Reich, und Zar Alexander II. hat im letzten polnischen Aufstande wohl erfahren, was er an seinen Deutschen hatte. Damals war drüben für unsere Landsleute eine sehr trübe Zeit, denn mit dem Kaiser mußten sie es halten und mit ihren Nachbarn mochten sie es auch nicht gern verderben. Nun haben wir ja schon viele Jahre Ruhe, aber der Pole hofft immer noch im Stillen auf die Auferstehung seines Reiches. Als vor einigen Jahren des Grafen von Ostrolanski Gut unter den Hammer kam, da fand man das Innere seines Wohnhauses total demolirt und alle Spuren ließen darauf schließen, daß hier ein mörderischer Kampf stattgefunden. — Dem war aber nicht so! Der gute Graf hatte nur die Angewohnheit, jeden Tag vor seinem Mittagsschläfchen von seinem Sopha aus achtzehn Patronen aus seinem Revolver abzu- stuern, um sich so bald in seinen schönsten Traum zu wiegen. Wie oft hat wohl der gute Graf sein liebes Polenreich verengt gesehen — ja, wenn das Erwachen nach dem Traum nicht wäre!" „Und wo hat denn der Graf, bei dem jedenfalls etwas nicht in Ordnung war, fein Ende genommen?" fragte Curt weiter. „Er soll — einem on dit zufolge — jetzt ständiger Gast des reichen Grasen von Torbatszkt in St. Cloud bei Parts stin, nachdem der von Ostrolanski einige Jahre die Pariser Salons unsicher gemacht hat, denn dieser Graf war ein bildhübscher Mann und ein Cavalter vom reinsten Waffer, in dessen Oberstube auch Alles in schönster Ordnung war," erwiderte der Oberförster. „Freilich, wenn man von den tollen Streichen hörte, die er öfter angestellt, dann konnte man allerdings manchmal den Kopf schütteln. Da kam der Graf eines Tages mit zehn gleichgesinnten jungen Edelleuten von einer tollen Fuchsjagd in seinen Hof gesprengt; in wilden Sprüngen setzten sie dann in das Herrenhaus, um in jenem Zimmer abzusttzen, dessen Thüren und Wände das kriegerische Aussehen trugen. Hungrig wie die Wölfe, speisten sie dann im Nebenzimmer ihr beliebtes Bigus und Srasy, während Knechte und Mägde draußen polnische Nationallieder fingen mußten." Dar Mittagsmahl war inzwischen beendet und Hertha schenkte alsbald den iKaffee ein. „Möchtest Du nicht von diesem Kuchen essen, Curt? Oder darf ich Dir von jenem herüberreichen ?" fragte Hertha ihren Verlobten und zeigte auf ein Gebäck, das sie selbst bereitet hatte. „Danke Dir, danke wirklich, Schatz, weißt ja, Kuchen ist nicht mein Fall, aber halbe Tafle Kaffee würde ich noch gern trinken, wenn Du die Güte hättest." Und er zündete sich eine Cigarette an- „Sag' einmal, Curt, wann warst Du denn zuletzt auf Walten?" fragte der Oberförster nach einer Pause. „War gestern dort, lieber Onkel, o, entschuldige nur, vergaß zu grüßen. Kann Neues von dort nicht mitthetlen. Mama ist ziemlich wohl, den Umständen entsprechend, und die Jnspecloren besorgen ja nach wie vor die Wirthschaft." „Hm," sagte der Oberförster, „weißt Du vielleicht, was in diesem Jahre auf dem Felde gepflanzt ist, das an den königlichen Forst grenzt?" „Nein, lieber Onkel, bedaure, habe gar nicht darnach hingesehen, eigne mich ja zum Landwirth so wenig wie zum Müller oder Maler!" „O, das ist Unrecht, Curt, Du solltest Dich wenigstens «etwas darum kümmern, denn wie die Leute auf Boden erster Klaffe Lupinen und Buchweizen säen können, wie im vergangenen Jahre, das ist mir unbegreiflich!" Curt stand auf und trommelte ungeduldig an der Scheibe des Fensters, das nach dem Garten hinausging. „Wenn es Dir recht ist, Curt, so gehen wir ein wenig spazieren?" sagte Hertha, indem sie das werthvolle Kaffeeservice zusammenstellte, das ein Geschenk des alten Amtsvorstehers, ihres Pathen, zum letzten Geburtstage war. „Gehen wir nach dem Tannengang, Hertha! Denn die Zeit eilt schnell und ich muß bald zurück," und Beide schritten hinaus in den Garten. „Habt schon fleißig gearbeitet — Blumen blühen ringsum." „Ja, Curt, doch diese Blumen sind ja alle Jahre dieselben; aber wie kommt es nur, daß sie Dir heute gerade auffallen? Hattest doch nie Sinn dafür, wie Du der Landarbeit auch kein Jntereffe abgewinnen kannst!" Curt blickte Hertha lachend an. „Hast nicht ganz Unrecht, Schatz, aber sage selbst, paßt für Militär nicht besser Sinn für Pferde und dergleichen, al» das langweilige Zusehen, wie der Pflug durch'« Erdreich geht oder hören das monotone Getrommel der Dresch- und Häckselmaschinen oder am Ende das geisttödtende Erbsensäen und Heuernten mit ansehen?" „Ja, Curt, Dir mögen ja alle diese Arbeiten so erscheinen, wie Du es soeben sagtest, aber dennoch wäre es gut und von Deinem größten Jntereffe, wenn Du wenigstens in Eurer großen Wirthschaft ein wenig nach dem Rechten sähest! Der Papa hat ganz Recht und wollte ich Dir dasselbe auch schon neulich sagen. Es könnte bei Euch gar Manches anders, Vieles bester fein und wäre es sicherlich auch, wenn die gute Tante so schalten und walten könnte, wie sie gern möchte." „Aber, Schätzchen, gräme Dich doch darum nicht — man muß das Leben immer von der heiteren Seite nehmen, das ist die echte Lebenrphilosophie." Und Curt summte einen Armeemarsch aus alter Zeit und bewegte den Kopf nach dem Takte. (Fortsetzung folgt.) Die Erzählungen eines Kindes. 424 - t Vater hat dann gesagt, er will nicht schreiben, und da hab' Redaction: 3t. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfltäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & ©djctjba) in ®i B ich selbst geschrieben." „Warst Du auf dem Centralfriedhof bei der Mutter?" (Schluß.) 1 - Die Kleine weint: „Ich bitt', Herr Doctor, sie hat ... " „Im April ist sie ins Spital hinein'kommen, am Grün- I kein Grab nicht." — „Kein Grab?" — „Nein, kein WÄ’W» SfÄWÄU b«. «TltaÄwffl ’m* bie’stabet btei'b™“1 »enu ft« I $ Dann -r,M ft- um mchl,D«n Stetae ® arfrfwn bat bat's aleich tu weinen angefangen. Und I er hat wehe Augen. Und das Mädel, was drei Jahre ist, sie hat gesagt: Meine liebe Tochter, ich werde nimmer lang I kann nicht reden ; sie deut't und f.i.™ u Hnb wann bast Du ste das letztemal gesehen?" | gern reden und kann nicht. Weil aber das dritte Mädel, — Ich war an ein' Sonntag dort und am Mittwoch ist's I das was neun Jahre ist, auch bis zu fünf Jahren nicht ge« sckan aestorben Wir baben aewußt, daß es schlecht I redet hat, so glaubt der Vater, ste wird doch auch einmal sthoNtgestorben. ben.9 Wenn man die beiben ftttet Rf - betm der Vater wird ausgeschimpft, wenn er spät in Dienst I aber verschenken nicht . . . daß er der Vater rst . . . nur kommt, und ich habe müssen bei die Kinder bleiben. Und da j so auf a Weil' weggeben . . . und wenn ich dann in ein ist der Briefträger 'kommen, da hab' ich noch müssen 3 kr. | Dienst oder in «, Arbeit gehen könnt ^ denn der Va^er ,ablen und er bat aesaat: „Es ist wer gestorben im z memt, in a Lehr, das wär für uns das Beste, oa yau Rudolphspitsl." Ich bin gleich zu einer Nachbarin ge- I man doch a paar Kreuzer zum Zulegen und dabei lernt ich aanaen und hab'« ihr gesagt. Abends ist der Vater 'kommen. | auch was ..." ,r , , ,. K Z°,b°u.-»- h°. -- --°>ch i« «in-»gsg* f XX 5 fftÄ “■BW ---- «ine tarn* W. wir haben 8« n«6t Zen m» feinen Rühen unb Seften geschlafen/ Unb das Stab weint fUl not sich hin unb I Hingebung ift • . • (»Sleue« Wiener Tageblatt J schüttelt mit langsamer, schwerer Bewegung den Kopf ... I ---------— Und dann fährt es fort: „Die ganze Zeit hat der Vater I nur gesagt: Kinder, bet's für die Mutter." - Und dann hat I WSNtSiNNNtztgSS. er die Kleine genommen, was drei Jahre hat, und hat ge- I r^'kackt durLaMlagen, Du hin. Der Vater war beim 21. Regiment, da kann er beigegeben ist, oder n Brühe weichgAchtatn^ß schmackhaft All«« ickreiben" \ mit gehackter Petersilie und ein wenig Muslatnutz Wmau^i „Der Vater hat sich also immer mit Dir berathen?" | gemacht und mit braungeröstetem Mehl »ebunden Auch he — „Ja, er hat immer gefragt: Wie soll man das thun oder I Kartoffeln hinemgeschnitten und darin weichgekocht, etwas billiger kochen, daß wir nur auskommen können. Der l gut.