Die Tochter des Meeres. Nimm wm K. *(«•!«. (Schluß.) „Sie werden mich entschuldigen, wenn ich nicht weiter auf Einzelheiten eingehe/ entgegnete Frau Digby, „aber ich hatte sehr triftige Gründe, weshalb ich nicht länger die Aufsicht, von der Sie sprechen, übernehmen konnte. Deshalb jedoch hat sich mein Interesse an dem lieben Mädchen nicht verringert und ich dachte soeben daran, daß ich diese Kleinigkeit an die in der Aufforderung angegebene Adresse schicken und damit zugleich die Mittheilung verbinden könnte, daß meinem besten Wissen nach Miß Cora sich von hier aus nach Deutschland begeben und dort jedenfalls das Haus ihrer Kindheit aufgesucht hat, wo man entweder sie selbst oder eine weitere Spur von ihr finden wird." „Ich freue mich, Ihnen diese Mühe ersparen zu können, Frau Digby," erwiderte der Herzog höflich. „Ich bin zwar zu strengster Geheimhaltung verpflichtet, doch kann ich Ihnen so viel sagen, daß sehr Wichtiges von Miß Cora« Aufsinden abhängt. Und wenn ich durch Ihre Hilfe im Stande sein sollte, etwa« dazu beizutragen, so können Sie sich darauf verlassen, liebe Frau Digby, daß es nicht an Dank von Ihrer Freunde Seite fehlen wird." Frau Digby schüttelte den Kopf und sagte: „Mein lieber Herzog, solche egoistische Gedanken sind mir fern. Theilen Sie dem Mädchen lieber mit, daß ich sie nicht vergessen habe und daß meine besten Wünsche für ihr ferneres Glück und Wohlergehen sie begleiten." Der Herzog verbeugte sich zwar höflich, obwohl das leichte Lächeln, in dem mehr Spott als Heiterkeit lag, nicht ganz Frau Digbys Wünschen entsprach. „Sie werden die Freude haben, Ihre guten Wünsche vielleicht glänzender, als Sie vermuthen, erfüllt zu sehen. Miß Cora« Zukunft wird in der That einen auffallenden Contrast zu den Sorgen und Demüthigungen ihre« früheren Lebens bilden." Lim-tag öee 8. August Nr. 98 *v * v •• y v ÄNMeMMMk zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). a. B sE „Netta, ich denke, Du gehst und machst Lady Marston einen Besuch," sagte Rupert zu seiner jungen Gemahlin, als sie und der Gräf wenige Tage nach Lord Trevilles Visite auf Schloß Biddulph zusammen beim Frühstück saßen. „Nach ihrem Verlust ist es nur eine nothwendige Aufmerksamkeit und wir find ja auch entfernte Verwandte." „Und Du willst wohl, daß ich dabei tiefe Trauer anlege und Thränen vergieße?" unterbrach die junge launische Frau ihn heftig. „Du bist gegen Alle übertrieben rücksichtsvoll, nur nicht gegen mich. Dich je nach meinen Wünschen zu richten, da« kommt Dir nie in den Sinn. — Schade, daß Du nicht Lady Marian geheirathet hast, wenn sie Dir so am Herzen liegt. Findest Du es nicht sehr unfreundlich und rücksichtslos, Onkel?" fuhr sie fort, indem sie sich mit kindischem Schmollen zu ihrem Schwiegervater wendete. „Ich habe doch noch kein einziges Vergnügen gehabt, feit ich verheirathet bin und ich dachte doch, daß er ein Ende nehmen würde, sobald ich erst fort von dem gräßlich langweiligen Platze wäre." „Jedenfalls, Rupert, halte ich es für richtig, noch mit dem Besuche zu warten," antwortete Lord Treville ruhig. „Es wäre unter allen Umständen eine sehr peinliche und unnöthige Aufgabe für Deine Frau." „Wie Du willst, Vater," entgegnete Rupert ungeduldig. „Er ist vielleicht ebenso gut, wenn Du die Führung der Frau übernimmst, die Du für mich gewählt hast. Du bist mehr daran gewöhnt, mit den Faros zu verkehren, als ich." Rupert bereute diesen Vorwurf, sobald er ihn ausgesprochen hatte; es war nur der Ausbruch seines ungestümen Temperaments darüber, daß ihm die schönsten Hoffnungen durch seine eigene Verblendung zerstört worden waren. Cora und Marian Biddulph waren in der That mehr als gerächt durch die bittere Reue, die sein Glück vergiftete. Auf Rettas Antlitz flammte die Zornerröthe auf, und ihre nächsten Worte würden wohl bewiesen haben, daß sie nicht so ganz als eigensinniges Kind zu betrachten sei, sondern daß sie. auch etwas von dem eifersüchtigen Stolz einer Frau an sich trug; aber in demselben Augenblicke wurde die Thür des Frühstückszimmers geöffnet und der Diener meldete: „Der Graf und die Gräfin von Belfort und der Herzog von Dunbar find im Bibliothekzimmer, Mylord, und wünschen Sie in wichtigen Angelegenheiten zu sprechen." von gebracht hatte. LXVIII. ent» dem un- und sein Auge auf das vornehme und interessante, doch schieden nicht mehr junge Gesicht der Same, die neben Herzog von Dunbar stand, fiel, da war ihm Alles noch erklärlicher wie bisher. „Verstand ich recht? Ist diese Dame die Gräfin Belfort?" fragte er bei der Begrüßung den Grafen etwas erstaunt. „Ganz recht, Graf Treville," erwiderte Ernst Belfort, „nur mit dem kleinen Zusatz, daß sie die Mutter und nicht die Gemahlin des jungen Mannes ist, über dem so lange eine Gewitterwolke geschwebt hat. Das ist ohne Einfluß auf die Angelegenheit, die uns hierhergeführt hat, da der unglückliche Streit zwischen mir und Ihrem Bruder nicht nur längst beigelegt ist, sondern auch ernste Zweifel über die wahre Ursache von Lord Faros Tod aufsteigen. Und erlauben Sie mir zu sagen, daß die Natur dieser Verhältniffe derart ist, daß sie wohl kaum die Oeffentlichkeit vertragen," setzte er mit einem Blick auf Lady Belfort bedeutungsvoll hinzu. „Nun, das beruht auf Ansichten. Jedenfalls habe ich mich bisher jeder Maßregel, meines Bruders Tod zu rächen, enthalten," lautete die Antwort des Grafen. „Darf ich Sie bitten, zur Sache zu kommen? Ist diese Dame, die so lange für tobt gehalten wurde, wieder erschienen, um sich von ihres Sohnes Sicherheit zu überzeugen?" „Doch nicht so ganz," sagte jetzt die Gräfin. „Eine weniger selbstsüchtige Angelegenheit war es, die mich herführte, Mylord. Und doch steht sie in naher Beziehung zu Ihrem verstorbenen Bruder und der vermeintlichen Ursache seines Todes. Ich spreche von der namenlosen Waise, die er in sein Haus nahm, von Cora vom Meere- Es sind sehr bemerkens- werthe Ereignifie an's Licht gekommen. Es ist sehr viel Grund zu der Vermuthung vorhanden, daß die in Frage stehende junge Dame die Erbin eines alten Namens und großer Besitz« thümer und die rechtmäßige Eigenthümerin einer Pairschaft ist, die jetzt eine Andere besitzt. Und da Ihr Sohn der Erste war, der sie aus ihrer hoffnungslosen Gefangenschaft rettete, hielt ich es für eine keineswegs unschickliche oder unnütze Förmlichkeit, Ihnen die Thatsachen mitzutheilen, die wir entdeckt haben und Sie zum Beistand aufzufordern." Und als Graf Trevilles Züge allmälig weicher wurden und sein Auge dringend um weitere Erklärung bat, da gaben die unerwarteten Gäste in freundlicher Weise Bericht über die Einzelheiten der seltsamen Behauptung, welche die lang abwesende Mutter Ernst Belforts durch Zufall in Erfahrung Lady Marston stand vor den Bildern, vor welchen Cora damals gestanden, als Frau Aston sie überraschte. Sie studirte die Gestchtszüge der schönen Frau mit einem neuen, unerklärlichen Interesse. Nicht nur die Schönheit war es, welche die Gräfin jetzt so mächtig anzog, sondern die auffallende Aehnlich« keit mit einem Mädchen, das sie nicht vergessen konnte: Die namenlose und doch so mächtige Cora! Das Porträt hatte eine wunderbare Aehnlichkeit mit dem unbekannten Findling. Es bemächtigte sich Lady Martans eins Angst, welche sie sich nicht zu erklären wußte. „Diese Ungewißheit ist entsetzlich!" murmelte sie. „Ach, wenn ich doch nur die Wahrheit wüßte!" Kaum hatte sie die Worte gesprochen, so hörte man „Gräfin Belfort!" rief Netta erregt. „Gerechter Gott! Rupert . . . Ernst ist doch nicht schon verheirathet? Wer in aller Welt könnte es sonst sein? Soll ich gehen und nachsehen?" Und hastig sprang sie auf, um ihre Absicht auszusühren, aber Graf Treville mischte sich ernst dazwischen. „Nein, Netta, es ist vielleicht ein Jrrthum . . . aber jedenfalls ist es nicht Deine Sache, zu sehen, wer Lord Belforts Gemahlin ist und was sie von mir wünscht." Und sie von der Thür wegschiebend, die sie inzwischen erreicht hatte, öffnete er dieselbe und schloß sie mit festem Griffe wieder hinter sich, während Rupert und seine Gemahlin aus's Höchste neugierig und überrascht zurückblieben. Als Graf Treville die Thür zum Bibliothekzimmer öffnete einen Wagen sich rasch nähern und schließlich vor dem Thole halten. Einen Moment stand sie zögernd und unentschlossen da, aber im nächsten Moment flog sie nach der Thür, verschloß sie hastig hinter sich und begab sich rasch in ihre Gemächer zurück. Dort wartete bereits ein Bote auf sie in Gestalt der treuen Frau Aston, die ihr mit bleichem Gesicht und vor Aufregung zitternden Lippen entgegentrat. „Ach, meine theure Lady," sagte sie erregt, „bereiten Sie sich auf etwas Schlimmes vor! Es sind Gäste da, die ohne sehr wichtigen Grund nicht kommen würden . . . Graf Tre- ville, der Herzog von Dunbar, Lord Belfort, Miß Cora und noch eine Dame ... sie wünschen Sie in wichtigen Angelegenheiten zu sprechen und meinten, ich könne bei Ihnen bleiben, da es möglich sei, daß ich gebraucht würde. Mein liebes, liebes Kind — denn ich liebe Sie wie eine Mutter, Mylady, — fassen Sie Muth und vergessen Sie nicht, daß Sie zu der alten Familie gehören, wenn auch nicht in direeter Linie, und daß Sie sich unter allen Umständen als eine wahre Biddulph zeigen müssen." Wenn Marian Biddulph je ihrer Geburt würdig aus- gesehen hatte, so war es in dem Augenblick, als sie mit stolzer Anmuth die beiden Edelleute begrüßte und sich dann mit halb fragender, kalter Miene zu Cora und der unbekannten Dame wandte. „Bermuthlich erfahre ich bald, welcher Veranlassung ich diese ungewohnte Zahl Gäste verdanke?" sagte sie kalt und stolz. „Ich kann kaum annehmen, Graf Treville, daß es nur ein Beweis freundschaftlicher Aufmerksamkeit ist." „Sie haben recht, meine liebe Lady," sagte der Graf, „es ist keine gewöhnliche und in vielen Beziehungen auch keine angenehme Angelegenheit, die uns heute herführt, aber ich glaube, wir erweisen Ihnen mit der quälenden Erwartung keinen Gefallen und darum will ich sofort zur Sache kommen: Diese Dame hier ist Lord Belforts Mutter, die man für tobt gehalten," schaltete er mit einer leichten V-rbeugung gegen diese ein, „aber in diesem Augenblick haben wir nichts direct mit ihr zu thun. Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen vor nicht langer Zeit andeutele, man habe ein eheliches. Kind Philipp Biddulphs und Ida Merricks entdeckt. Die Beweise für die Abstammung dieses Kindes liegen nun vor und dasselbe ist demnach Erbin der Titel und Besitzungen, deren Sie sich eine Zeit lang erfreut haben. Es ist ein schmerzlicher Umschwung, meine liebe junge Lady, den aber glücklicherweise nicht die geringste Schande ober der leiseste Vorwurf begleitet, und ich hoffe, daß noch eine höhere und glänzendere Stellung Ihrer harrt." Jetzt waren Marians Lippen leichenblaß, aber ihre Stimme zitterte nicht, als sie antwortete: „Wer ist meine Rivalin? Wo sind die Beweise, Graf Treville?" „Bermuthlich sind Sie ziemlich im Klaren darüber, wer Ihre neue Verwandte ist," erwiderte der Lord. „Miß Cara, treten Sie näher und erlauben Sie, daß ich Sie Ihrer Cousine als die jetzige Gräfin Marston vorstelle." Cora trat mit einer Schüchternheit näher, die sie als das namenlose Findelkind nie gezeigt hatte. „Können Sie mir verzeihen? Können Sie mir freundlich gesinnt sein?" sagte sie. „Ich habe so viel gelitten und doch ist mein einziges Vergehen, daß ich am Leben geblieben bin, um Ihnen Ihre Stellung zu entreißen." Der freundliche Ton und die demüthige Miene Coras rührten Marians Herz ein wenig, aber die Prüfung war dach eine zu harte, um sie geduldig zu ertragen. „Erst muß ich Beweise haben . . . Beweise!" sagte sie- „Dann ist es Zeit genug, von Verzeihung und Freundschaft zu sprechen. Graf Treville, Sie Ernst, der Herzog sind vielleicht so freundlich, mich aufzuklären." „Die einfachen Thatsachen sind folgende," nahm der Herzog das Wort. „Es hat sich ganz unbestreitbar heraus- gestellt, daß sich Graf Philipp Biddulph und seine Gemahlin mit ihrem Kinde an Bord der „Seemöve" befanden, die bet ytiif dem Thöke schloffen da, verschloß e Gemächer Gestalt der ib vor Auf- bereiten Sie i, die ohne Graf Tre- ! Cora und i Angelegenen bleiben, ltein liebes, !r, Mylady, Sie zu der : Linie, und re Biddulph Erdig aus- : mit stolzer in mit halb inten Dame nlaffung ich e kalt und daß es nur e der Graf, n auch keine t, aber ich Erwartung he kommen: an für tobt gung gegen lichts direct i ich Ihnen eliches. Kind )le Beweise >r und das- , deren Sie schmerzlicher cklicherweise :rf begleitet, re Stellung chre Stimme te Rivalin? trüber, wer „Miß Cora, Ihrer Cou- sie als das r freundlich en und doch chlieben bin, kirne Coras ig war doch sagte sie. Freundschaft >g sind viel- nahm der rar heraus- e Gemahlin den, die bei Kania Cruz Schiffbruch litt, wobei sämmtliche Paffagiere mit Ausnahme des Kindes umkamen. Frau Biddulph oder die Wärterin, wie im Vorgefühl dessen, was auch wirklich geschah, nähte in des Kindes Kleider das Geburtszeugniß und eine Abschrift ihrer Trauungsurkunde ein, und diese Kleider, die Lord Belfort mit sich brachte, bilden nun de» ersten Beweis dafür, daß Miß Cora Graf Philipp Biddulphs eheliches Kind ist. Außerdem gibt es noch verschiedene andere Beweise in Gestalt kleiner Werthsachen und der auffallenden Aehnlichkeit der jungen Dame mit dem Porträt ihrer Mutter, welches in demselben Zimmer steht, in welchem sie Lord Belfort verborgen hatte." „Und worin wohl der Hauptgrund liegt, daß mein armer Bruder sich unwissentlich zu ihr hingezogen fühlte," bemerkte Graf Treville, „ist daraus zu erkennen, daß er — das weiß ich — eines der Opfer von Miß Merricks Schönheit war. Liebe Marian, wenn Sie doch ahnten, welchen Schmerz und Kummer die Erinnerung an die Vergangenheit mix verursacht und wie aufrichtig ich Theil an Ihrem Mißgeschick nehme — Sie würden mich nicht so hart beurtheilen- Es gibt eine Person, die keinen Grund zur Reue hat — dieses edle Mädchen hier ausgenommen — sie kann vielleicht muthiger und mit mehr Erfolg um Ihre gütige Verzeihung für den Schmerz bitten, den wir Ihnen durch unsere nothgedrungene Handlungsweise verursacht haben. Cora, wollen Sie Ihre Bitte mit der des Lord Belfort vereinen?" „Coral" wiederholte Marian. „Cora! So ist sie Ihre Verlobte, Lord Belfort?" Der junge Edelmann schüttelte traurig den Kopf. „Nein, Marian, nein! Auch in ihrer Verlassenheit stand Miß Cora in dem, was man den wahren Adel nennt, zu hoch über mir, als daß ich auf eine Erwiderung der Liebe hoffen könnte, die sie mir damals schon abgewann. Und jetzt, da sie Anspruch auf die Huldigungen der Höchsten und Vornehmsten machen kann — wie könnte ich da auch nur im Entferntesten auf ein so unverdientes Glück hoffen?" Plötzlich aber erhellte sich Lord Belforts Gesicht und nahm einen glückstrahlenden Ausdruck an, denn es hatte sich eine Hand leise auf seinen Arm gelegt, ein bittender Blick traf ihn aus den schönen, ausdrucksvollen Augen und eine süße Stimme flüsterte ihm zu: „Ernst, Ihnen verdanke ich Alles. Wollen Sie das Glück zerstören, da» mir zu verschaffen Sie sich so sehr bemüht haben?" Da legte Ernst Belfort die Hand seiner Braut in die seiner Mutter, die schon gelernt hatte, das schöne Mädchen wie eine eigene Tochter zu lieben. Der Herzog hatte die ganze kleine Scene verstanden und es geschah, daß ein geheimer Schmerz sein Herz durchzuckte, der eines heilenden Balsams bedurfte, denn seine nächsten Worte klangen abgebrochen und gedämpft, als er sich zu der blassen bisherigen Gräfin von Marston, jetzigen Miß Biddulph, wandte. „Marian, da ich glaube, wagen zu dürfen, öffentlich einen tiefen und geheimen Wunsch zu bekennen . . . darf auch ich Sie vielleicht nun um das Glück bitten, das Sie mir einst versagten, als ich es — ich gestehe es — in rückstchtrloser Weise, nur an meine eigenen Interessen denkend, von Ihnen erbat ? Jetzt ist es anders. Dieses edle Mädchen, das jetzt den Lohn für all' den erlittenen Kummer findet, hat mich gelehrt, was Liebe bedeutet und wenn Sie meine aufrichtigen, ernsten Gelöbnisse erhören wollen, können wir ein Glück kennen lernen, Marian, wie wir es nie in den Tagen ununterbrochenen Wohlergehens gefunden haben. In Gegenwart Derer, welche das größte Interesse an unserem, an Ihrem Schicksal haben, bitte rch Sie, meine geliebte Braut zu werden." Marians Antwort war den Ohren der Umstehenden nicht hörbar, ausgenommen dem Bewerber, der um ihre Antwort bat Daß sie aber die uneigennützige Aufrichtigkeit des Herzogs zu schätzen wußte, mag aus der unbestreitbaren Thatfache hervorgehen, vaß zwei glänzende Hochzeiten an einem Tage in ? der Kapelle von Schloß Biddulph und Villa Faro gefeiert wurden, und daß die beiden Bräute Cora, Gräfin von Marston, und Marian Biddulph waren. — Madame Sans Gsne. Roman «ach Victorten Sardou und F. Morr«««. Deutsch von Adel, Berger. (Fortsetzung.) Gofsin, der Bürgermeister, flüsterte dem Präsidenten ins Ohr: „Mein armer, lieber Termaux, wenn der Gesandte Braunschweigs alles sagt, ist dieser Schnapphahn von Beaure- paire im Stande, uns alle durch seine Briganten füsilieren zu lassen." „Ja, mein armer Gofsin, das befürchte ich auch," antwortete der Präsident traurig. Aber Neipperg begnügte sich, geschickt ausweichend, zu sagen: „Ich hatte nicht die Zeit, die Ansicht dieser Herren zu hören. Sie übernahmen ja die Antwort an den Generalissimus." Diese Offenheit gefiel Beaurepaire, und er antwortete sogleich: „Ihre Mission ist also erfüllt, mein Herr! Wollen Sie mir gestatten, daß ich Sie selbst zu dem Vorposten geleite?" „Commandant, ich stehe zu Befehl!" Ehe Beaurepaire den Saal verließ, wandte er sich noch einmal zu dem Präsidenten und dem Bürgermeister. „Meine Herren," sagte er, „ich habe meinen Leuten versprochen, mich mit ihnen eher unter den Ruinen von Verdun zu begraben, als die Stadt zu übergeben. Ich hoffe, daß Sie meine Ansicht theilen." „Aber, Commandant, wenn die ganze Stadt kapitulieren wollte!" rief der Präsident- „Wenn die Einwohner sich weigerten, sich bombardieren zu lassen, würden Sie trotz einer ganzen Bevölkerung fortfahren, ein mörderisches Feuer zu unterhalten? Sagen Sie, was würden Sie thun? Wir erwarten Ihre Antwort." Beaurepaire dachte einen Augenblick nach, und dann brach er los: „Wenn Sie mich zwingen, die Stadt zu übergeben, so will ich mir — hören Sie es meins Herren — ehe ich diese Schande ertrage, und meinen Schwur breche, lieber eine Kugel durch den Kopf schießen. Ich habe e» geschworen, Verdun bis zum Tode zu vertheidigen." Er schritt der Thüre zu, dann kam er rasch wieder zurück, schlug mit der Faust kräftig auf den Tisch und wiederholte: „Ja, bis zum Tode, bis zum Tode!" Er entfernte sich, von Neipperg gefolgt, und ließ die Honoratioren in großem Entsetzen zurück. „Er will sich umbringen? Meiner Treu, daswäre eine große Erleichterung für alle Welt," sagte Lowendaal, der eben geräuschlos in den Berathungssaal ^zurück-gekehrt war. Alles eilte auf ihn zu und befragte ihn, was in der Stadt vorgehe. „Von beiden Seiten wird fest bombardirt," sagte er mit seinem skeptischen Lächeln. „Die Freiwilligen laufen wie Wiesel über die Wälle. Ach, diese Lassen vom 13.1 Sie haben eine Art weiblichen Teufel bei sich; die Frau des Kapitäns Lefebvre, sagte man mir, eine Marketenderin, die wie verrückt hin- und herläuft, Munition herbeiträgt, sich an die Geschütze spannt, aus den preußischen Granaten, die auf den Wellen niederfallen, die brennenden Lunten herausreißt — ich glaube wirklich, daß sie schon mehrmals die Gewehre von neben ihr gefallenen Voltigeuren aufgerafft mb sich nicht eher entfernt hat, als nachdem sie sie avgefeuert hatte wie ein Mann! Glücklicherweise gibt es nicht viele solcher Soldaten wie diese Amazone, sonst kämen die Oesterreicher nie herein." „Sie hoffen also noch, Baron?" fragte der Präsident. „Mehr als je. Ich sage Ihnen ja, das Bombardement war nothwendig. Die Einwohner halten noch keinen genügenden - 868 Eindruck erhalten. Meinem Diener Leonard half es gar nichts, daß er meinen Instructionen gemäß die Handwerker und Bürger aufhetzte und ihnen tausend Schrecknisse erzählte. Sie glauben es nicht und dachten nur ungern an eine Kapitulation. — Morgen früh werden sie sie alle verlangen." „Sie geben uns die Hoffnung wieder I" „Ich sage Ihnen, Herr Präsident, man wird Sie zwingen, die Kapitulation zu unterzeichnen." „Der Himmel erhöre Siel" seufzte der Präsident. „Aber der Gesandte des Herzogs von Braunschweig ist bereits ins Hauptquartier zurückgekehrt. Wieso bringt man ihn zurück? Er hat den Kapitulationsentwurf bei sich." „Es genügt, wenn ein Vertrauenswürdiger in das österreichische Lager geht und das Duplikat, das Sie noch bei sich haben, mit der Versicherung hinträgt, daß der Generalissimus die Thore morgen offen finden wird." „Aber wen soll man mit dieser Mission betrauen?" „Mich!" sagte Lowendaal. „Ah, Sie retten uns!" rief der Präsident und freudestrahlend aufspringend umarmte er ihn, als hätte er einen Boten des Sieges vor sich. XI. Die Mission Leonard«. Einige Augenblicke später verließ Lowendaal mit dem Duplikate des Kapitulationsentwurfes in der Tasche das Stadthaus und suchte auf dem Markte Leonard auf, der ihn dort erwartete. Mit leiser Stimme, obwohl Niemand zuhören konnte, ertheilte ihm der Baron einen ziemlich detaillierten Befehl, Leonard machte eine überraschende Bewegung, welche bewies, daß er den Auftrag verstehe, aber auch, daß er ihn in Verlegenheit setze und sogar etwas erschrecke. Er ließ ihn sich zweimal von seinem Herrn wiederholen. Dieser fügte in strengem Tone hinzu: „Sie zögern, Leonard? Sie wissen doch, trotzdem wir uns in einer belagerten Stadt befinden, gibt es hier Gefängnisse und Gendarmen, welche die hinsühren könnten, die, wie ein Bekannter von mir, das Staatsstegel nachgemacht und den Steuerbeamten falsche Rezepiffe gegeben hatten." „Leider weiß ich dar, Herr Baron," sagte Leonard in unterwürfigem Tone. „Wenn Sie es wissen, vergessen Sie es nicht mehr," antwortete der Baron, etwas milder werdend. „Leonard, es ist mir unangenehm, einen so ergebenen Diener, wie Sie es find, erinnern zu müssen, daß ich ihn von der Galeere gerettet habe." „Und daß Sie ihn wieder dorthin bringen können — o, Herr Baron, das werde ich nicht vergessen." „Sie gehorchen also?" «Ja, Herr Baron, aber bedenken Sie, wie ernst, wie schrecklich das ist, was Sie von mir verlangen." „Sie übertreiben die Wichtigkeit dieses Auftrages. Leonard, Sie haben mich an mehr Fügsamkeit, an mehr Ergebung gewöhnt. Sie werden undankbar. Es ist ein großer Fehler, wenn man Wohlthaten vergißt." „Herr Baron, ich werde ewig dankbar sein I" jammerte der Elende, den Lowendaal ertappt hatte, als er mit dem Beamten der Pachtungen mit Hilfe falscher Stempel gestohlen hatte. „Ich bin bereit, Ihnen zu gehorchen und überall zu folgen, wohin Sie mich führen wollen. Aber was Sie mir jetzt befehlen, ist . . ." „Scheußlich? Sie haben jetzt gar Gewissensbisse?" sagte der Baron in drohendem Tone. „Ich würde mir nicht erlauben, etwas, was der Herr Baron mir befiehlt, scheußlich zu finden- Ich wollte etwas anderes sagen." „Und was wollten Sie sagen? Ich bin begierig, Ihre Ansicht kennen zu lernen." „Herr Baron, die Sache ist gefährlich — o, nur für mich allein," beeilte sich Leonard hinzuzufügen. „Denn, wenn ich gefangen werde, lasse ich mich lieber an einem Kohlenfeuer rösten, als zu sagen, was der Baron mir befohlen hat." „Erstens würde man Ihnen nicht glauben," fiel der Baron trocken ein, „zweitens würde kein Beweis eines solchen Befehls vorgesundsn werden und drittens, das sage ich zu Ihrer Beruhigung, habe ich Dispositionen getroffen, um für den unwahrscheinlichen Fall, daß Sie entdeckt werden, Ihren Rückzug zu sichern." „Wirklich, Herr Baron?' rief Leonard freudig. „Meine Postchaise wird Sie beim Neuen Thor auf der Straße von Commercy erwarten; auf jener Seite wird nicht gekämpft." „Aber wie komme ich hinaus?" „Ein Auftrag de« Vsrtheidigungsrathe«. — Nehmen Sie diesen Schein und suchen Sie mich morgen gleich nach der Dämmerung im Lager de« Herzog« von Braunschweig auf." Und Lowendaal übergab Leonard einen Blancopassier- schein der Munizipalität. „Ich werde gehorchen," sagte Leonard etwas beruhigter. „Trachten Sie, Ihre Mission nicht dummerweise zu compromittieren, indem Sie sich von den wüthenden Freiwilligen Beaurepaires fangen lassen. Wenn Sie arretiert werden, ist es mir unmöglich, über Ihr Vorleben zu schweigen. Vielleicht bedeutet das auch sofortigen Tod als Spion." (Fortsetzung folgt.) Vevn Echtes. Aus den Fliegenden Blättern. Ausrede. Onkel: „ . . Ich hatte Dir versprochen, Deine sämmtlichen Gläubiger zu bezahlen, wenn Du Dein Examen machen würdest, und jetzt bist Du doch durchgefallen!" Neffe: „Die unverschämten Kerls verdienen es auch nicht, Onkel!" — Vorsichtig. Dichter (zum Verleger): „ . . Wollen Sie nicht gleich die zweite Auflage meiner Gedichte drucken? Die erste wird ja doch nie anerkannt!" — Ausgleich. Tochter (zu ihrer Mutter): „ . . Ich würde den Assessor ja ganz gern heirathen — aber der Name „Zaunlackel" genirt mich I.. Wenn er mir wenigstens „v. Zaunlacke!" hieße!" — Doppelsinnig. A.: „ . . Möchtest Du mir nicht mit 10 Mark unter die Arme greifen?" — B-: „Das ist eine kitzliche Sache!" — O die Weiber. Arzt: „ • . Meine Gnädige, gegen Ihre Nervenzerrüttung kann ich Ihnen nichts Andere» verordnen, als baden und wieder baden!" — Sie (zu Hause): „Lieber Victor, der Herr Doctor meint, gegen mein Leiden gebe es kein anderes Mittel, als „Baden-Baden"!" — Auch eine Beschäftigung. „ . . Na, was hast Du denn im vorigen Monat gemacht?" — „Auf den ersten gewartet!" — Auch eine Drohung. Kaufmann: „Schämen Sie sich nicht, in Ihrem Alter zu betteln?" — Bettler: „Nur keine Moralpredigt, oder ich lasse Sie stehen und gehe zu Ihrem Concurrenten!"— Peinlicher Anblick. Studiosus (zu seinem College», vor dem Postgebäude): „Geh'n wir weiter, ich kann das nicht sehen — jetzt werden die Geldbriefträger lorgelassenl" — Sonntags-Appell. „Krause!" — „Herr Feldwebel!" — (Eilt vor die Front.) — „Krause, heut' ist Sonntag!" — „Zu Befehl, Herr Feldwebel!" — „Heut Nachmittag gehen wir beide in den Zoologischen Garten!" — (Vergnügt): „Zu Befehl, Herr Feldwebel! — „Gestern habe ich Sie nämlich Rhinoceros geschimpft und das möchte ich dem guten Thier doch in Ihrer Gegenwart abbitten!" ♦ * Im Selbstgespräch. Stromer: „Zeit ist Geld, heißt'« im Sprichwort, — so ein Unsinn, — Zeit hab ich so viel, und Geld gar kein«." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversiMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.