UnterlMungsdLatt MM Gießener Anzeiger (General-Ameiqer) 1895* .i ,. i- -■ Dichterfrühling. Historische Original-Novelle von Carl C ass au. (Fortsetzung.) Dann verfiel man auf den Tanz, das Hauptvergnügen der goldenen Jugend. Rasen war genug vorhanden und wer gern tanzt, dem ist leicht gepfiffen. Weyland kam bald auf den guten Gedanken, des wackeren Dorfschulmeisters Geige zu erborgen, ein Violinkundiger fand stch auch unter den jungen E Leuten und da ging's, heiffa, lustig Herl Da wollte es denn I das Glück, daß fünf lustige Schnurranten mit ihren Jnstm- I menten durch'« Dorf zogen, um stch ihr Abendbrod zu er» | blasen. An sie machte stch der Alte von Rischwoog, nahm l sie gegen Zahlung eines artigen Douceurs in speciellen Dienst und stellte der Gesellschaft, da Frau Maria Magdalena gegen einen Tanz im Pfarrhause, als deflen Ehrbarkeit nicht entsprechend, protestirte, seinen Saal in Räschwoog zur Ver- ■ fügung, wo man besser als auf dem Rasen walzen könne. Da wanderte denn die ganze Gesellschaft fast eine Stunde weit unter Scherzen, Lachen und Liedern nach Räschwoog, wo die Festlichkeit auf Kosten des urbanen Hausherrn nut Essen und Trinken, vor allem aber mit Tanzen fortgesetzt wurde. Wolfgang selbst tanzte leidenschaftlich und da Friederike ihrer zarten Gesundheit wegen nur einige Tänze wagen durste, so drehte stch Goethe mit der gewandten Salomea bis Mitternacht im Saale herum, wodurch er sich bei dem guten Mädchen einen großen Stein in's Brett setzte. In der Stille des folgenden Morgens dichtete Wolfgang Goethe damals an Friederikens Seite an dem Abhangs des Hügels vor Sefenheim gelagert, wo man die schönste Aussicht nach Drusenheim und dem Rhein hat, sein herrliche» Matlied: „Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne, Wie lacht die Flur! Es dringen Blüthen Aus jedem Zweig, Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch. Und Freud' und Wonne Fühlt jede Brust! O Erd', o Sonne, O Glück, o Lust! O junge Liebe, So golden schön, Wie Morgenwolken An jenen Höh'n! Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blüthendampfe Die volle Welt! O, theure» Mädchen, Wie lieb' ich Dich! Wie blickt Dein Auge, Wie liebst Du mich! So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmelsduft, Wie ich Dich liebe Mit heißem Blut, Die Du mir Jugend Und Freud' und Muth Zu neuen Liedern Und Tänzen greift Sei ewig glücklich, Wie Du mich liebst!" Wie war da die Brust hoch geschwellt! Aber der Rückschlag sollte nicht ausbleiben. Zuerst stellte sich nach diesen Extravaganzen Uebelbefinden, Schnupfen, Husten und böse Laune bei Wolfgang ein, denen stch quälende Sorgen um die Doctorpromotton, zu welcher der Herr Rath wiederholt angetrieden, gesellten. Zwar ließ Goethe seine Bücher nach Sefenheim holen und studirte vielfach seine Pandekten, aber ein geordnetes Studentenleben war das nicht. Sefenheim schien seine Heimath zu sein, nach Straßburg kehrte er nur zeitweilig seiner „wunderlichen Studien" wegen zurück. Bei einer solchen Abwesenheit Goethens hielten Brivns einen Familienrath wegen Friederikens, ihren Liebling, ab. Natürlich hatte sie den Eltern als gehorsames Mädchen ge- beichtet und die Pfarrerin hatte jeden Tag eine reelle Er- — 574 — Wolfgang hatte seinen Brief auf die Posthalterei getragen Ein paar Worte sind doch immer mehr als nichts I Ich sitze hier zwischen Thür und Angel! Der Husten fährt fort, mich zu quälen; ich lebe nur halb und scheue mich deshalb auch, in die Stadt zu kommen. Die Welt ist so schön, so schön! Wer's nur genießen könnte! Ich bin manch- mal ärgerlich über mich selbst und halte mir Erbauungs- stunden über das Heute und die Lehre von der Glückselig» feit, wie sie gewiß mancher Professor der Ethik nicht besser —,----------- ... ... vorträgt. Adieu, ich wollte Ihnen nur ein Wort schreiben l und fand Salomea im Garten. Sie erwiderte seine« Morgen- Ob die Mäuler hiernach wirklich süßer geworden, ist wohl schwer zu sagen, denn acht Tage später sandte er dem ersten den nachfolgenden Brief hinterher: „Mein lieber Actuarius! klärung des jungen Herrn erwartet. War er zu blöde, meinte er es nicht ehrlich? Gleichviel, der Sache mußte auf die eine oder andere Weise ein Ende gemacht werden. So lautete Frau Maria Magdalenens Ansicht. Herr Johann Jacob dachte anders. „Laßt ihn nur in Ruhe,- bemerkte er; „es ist ein fett» samer Vogel; macht man den Versuch, ihn in einen Bauer zu schließen, so wird er kopfscheu und fliegt davon! Friederike ist die einzige, die ihn fesseln kann, den wilden Falken! Und da« wird sie! Nicht wahr, mein Kind?" und für das Zuckerding« danken, Cie zugleich aber auch versichern, daß ich Sie liebe. Ihr Wolfgang Goethe." In diese Nacht fällt wieder etwa« Sonnenschein mit den hellen, nun folgenden Tagen. Hatte sich aber der Dichter in Goethe an Friederikens zauberischer Schönheit begeistert, so kam jetzt in ihm der Mensch wieder zur Geltung und de« Vater« drohende« Nein stieg wie schwarze Gewitterwolken an seinem Liebeshimmel auf. In dieser Zeit war es, als Wolfgang Friederike» folgende Widmung auf da« Nähtischchen Er streichelte den Liebling des Hauses, das Mädchen j [egte: aber sagte: „Es ist wirklich gar keine Gefahr vorhanden, | „Erwache, Friederike, liebe Eltern! Nach seiner Promotion wird Wolfgang schon | reden! Gewiß geniert e« ihn, ohne Stellung um Euren Segen Am Tag- gemach? zu bitten!" I Der Vögel sanft Geflüster Salomea sah die Mutter erstaunt an und meinte dann: 1 Ruht liebevoll, „Wie richtig dieses Kind urtheilt! — So ist es, Mutter, I Daß mein geliebt Geschwister und ich glaube nun Vieles anders zu sehen, was ich vordem | Erwachen soll, ungünstig beurtheilte." Leider hatte die Liebe diesmal nicht richtig gesehen, denn | Erwache! Unverzeihlich, in Wolfgangs Herzen regten sich jetzt eben nicht geringe j Noch schlummerst Du! Zweifel, ob Friederike wohl das Weib sei, welches seine | Horch, Philom-l-ns Kummer Prometheusnalur zu fesseln vermöchte. Konnte sie, das ein» | £ Schlummer fache Landmädchen, feine Muse bleiben, ihm, der um die I Nicht meiden will Kränze des höchsten Ruhmes zu ringen bereit war? — Was I b $ häumcft hatte ihm damals Herder, was fein Sokrates-Salzmann Schönst DÜ mein Md, ' gesagt? j Daß Du so lange säumest, Jndeß, Wolfgang kehrte, dem süßen Hange folgend, gen | Die sonst so mild. Sesenheim zurück und wurde herzlich wie immer ausgenommen. I Erröthen und erblassen Ist aber das Mißtrauen zuerst einmal Gast an unserem Tische §?eJS verlassen geworden, so stellt es sich öfter zur Tafel wieder em; das | Unb stärkt mich nicht, empfand bald darauf auch Goethe. Die schwache Constitution aie Nachtigall im Schlaf- Frtederiken« wankte unter den Aufregungen der letzteren Zeit I Hast Du versäumt, bedenklich; der Gast sah ring« um sich her fragende und miß« I D'rum hör- nun zur Strafe, muthige Gesichter, so daß sein Zustand fast ein unleidlicher I Was ich gereimt, ward. Sollte er unter diesen Umständen gehen, sollte er | D^Reim-s^och 8u en bleiben? — Zunächst machte er seinem gepreßten Herzen in I Die schönste meiner Musen, einem Briefe an seinen Sokrates Luft. Er schrieb: j Du schliefst ja noch!" „Mein lieber Sokrates! I Goethe riß sich gewaltsam empor, einen Entschluß zu Unserem Herrgott zu Ehre» bin ich diesmal nicht mit I fasse». Bedeutete das strenge Gesicht der Pfarrerin nicht für der Psingstgefellschaft abgefahren! Mir geht'« freilich nicht I ihn eine Strafpredigt, war Salomeas Einst ihm nicht eine gut. Der Husten plagt mich sehr; das macht der Tanz! I Sectio», war Friederikens Traurigkeit nicht eine Anklage für Sie hätten aber auch sehen sollen, wie mein ganzes Ich I ihn? — Wolfgang fing an, herzlich wenig Respect vor sich im Tanze aufging! Meine Kleine fährt fort, krank und i selbst zu empfinden, wenn er fein Bild im Spiegel erblick^ traurig zu sein; das giebt dem ganzen Verkehr im Hause ! Ein« nur hielt ihn trotz des Aufruhrs in feiner Seele noch ein schiefes Aussehen, so daß es um mich herum nicht allzu | im Pfarrhause fest: die immer gleiche Heiterkeit und Freund» hell ist. Wenn Alles wäre, wie es fein sollte, so weilten I lichkeit des kleinen Pfarrherrn, der dem jungen Dichter sei» Sie ganz gewiß auch hier I Da dem nun aber nicht so ist, | ganzes Zutrauen geschenkt hatte und e« auch jetzt nicht verlor, so schreiben Sie mir bald und legen Sie auf mein» Rech- | In dieser Stimmung richtete et den brüten Brief an nung eine Schachtel mit zwei Pfunden guter Zuckerbäcker- | Salzmann, welcher hier folgt: wese» bei, rote sie Mädels gern essen, damit sie zu süßeren ] . Iiebe, Vunillen-Secretär! Mäulern Veranlassung geben, wie ich seit einiger Zeit Ge- "^tn lteBer sichtet zu sehen gewohnt bin. Der Kopf stcht mir wie eine | » Imm* unb »^1-^0« Wetterfahne, wenn ein Gewitter Heraufziehen will. | ""W i? ben Rebblättern atn Fenster. Jch in Adieu, mein guter Sokrates! Leben Sie wohl; Sie Wetterfähnchen auf dem Kirchthurm und drehe mich de» soik-n firtih nnn mir büren!! I ganzen Tag; unter den Mädchen hier fürchte ich noch selbst Wolfgang Goethe" | Mädchennatut anzunehmen! Doch lerne ich schön Griechisch 1 so daß ich den Homer fast ohne Uebersetzung lese. Ich weiß nicht, was ich thnn soll 1 Wenn Sie sie sehen könnten, wenn ich Ihre Meinung wüßte! Wenn uns die Ehre Pflichten auferlegt, so giebt es doch heiligere Gebots und ich habe vor dem vierten allezeit gewaltigen Respect gehabt, obwohl'- in der Schrift heißt, man solle Vater und Mutter verlassen, um an seinem Weibe zu hangen. Behüt' mir Gott meine liebe Eltern, behüt' mir Gott meine liebe Schwester, behüt' mir Gott meinen lieben Actuarius und alle frommen Herzen. Amen! Ihr Wolfgang Goethe. Es wat am andern Tage früh. 575 Zrub sehr kühl und fragte dann: „Haben Sie wi-der «ah Straßburg geschrieben?" * »Ja, Mademoiselle!" lautete die Antwort. „So kehren Sie wohl bald wieder dahin zurück?* »Ich denke; einmal muß es ja doch sein!" Da blickte Salomea vom Salaipffücken auf und meinte bedeutungsvoll: „Ihre Studien machen es ja nSthig, denn es Ede i wohl Zeit, an Ihre zukünftige Lebensstellung zu Warum verwundete dieses Wort Wolfgang so tief? — O, er hatte diese Anspielungen jetzt satt, vollauf satt! Er sah fich im Geiste schon als Amtmann eines kleinen Dorfes, die kleine, kugelrunde Gattin am Arm und — lachte laut auf • aber dieses Lachen klang wie Hohn und Selbstpeinigung! ' Ec verließ den Garten schweigend und ging an anderen Anlagen dieser Art vorüber. Nicht weit ab fand er einen Burschen an einer Rosenhecke, welcher derselben durch Um- graben des Erdreiches Luft machte. »Was treibt Ihr da?" fragte Wolfgang. „Et," lachte der Bursche, „ich helfe der Rosenhecke nach, bre der Großvater selig einst gepflanzt. Hei, wie das in der Jugend grünte und blühte und jetzt, es will nicht fort, feit* 6em Alles in der Fülle erstickt!" ' Wolfgang nickte und ging, indem er murmelte: „Nein, nein, nur nicht als Amtmann eine» Dorfe« an der Fettsucht ersticken!“ Er kam an den Kirchhof. Nur der Todtengräber war darauf, sonst kein Mensch. Der Alte schaufelte ein Grab und sang dabei sein Liedchen: „Was nützt mir das Leben, Bringt's mir keine Ehr'? Da könnt Freud' mir geben Auch Liebe nicht mehr! Heidudeldo, heidudeldo, Holdriodriodrioho!" Da trat Wolfgang hinzu und fragte: „Ihr grabt wohl ein Grab, Alterchen?" Der Todtengräber stützte sich auf da» Grabscheit. „Ja!" sagte er. „Ein Grab freilich, Herr!" „Und für wen?" „Ei, für die Jungfer vom Nußhof! Sie hat das Güte von ihrem Vater selig geerbt! Einst hatte sie sich al» junges Ding holterdipolter mit einem neugebackenen Schullehrer verlobt. Da das junge Herrlein aber sah, daß sich gebildet und ungebildet nicht verträgt, ging er! Da dachte Jungfer Ilse denn, daß sie gleich vor Kummer sterben müßt', aber e» stirbt sich nicht so leicht! Sie ist mittlerweile vierundachtzig geworden, Herr; ja, meiner Seel, volle vierundachtzig I" Wolfgang gab dem Alten einen Specierdrittel, sagte Ade und ging. Unterwegs murmelte er leise: „Es muß sein! Ich fühle es, daß ich nicht dazu geboren bin, zwischen all' der Freundschaft hier al» Vetter Amtmann zu verbauern. Mache ich'«, wie der gescheidte Schullehrer! Also fort!" Als er heim kam, war Friederike unsichtbar, der Pfarrer ausgegangen, die Pfarrerin und Mamsell Salomea schafften in der Küche. So ging Wolfgang auf sein Zimmer und schrieb an Salzmann den vierten Brief: „Mein theurer Sokrates! Nun wäre es wohl bald Zeit, daß ich käme! Wenn nur nicht die Gesichter um mich her wären! Die Welt ist übrigens so schön, wie ich sie lange nicht geseh'n. Ich befinde mich in einem Zirkel der liebenswürdigsten Mensche»; was will ich mehr? Sind die Träume meiner Kindheit nicht erfüllt? Aber man ist nicht um ein Haar glücklicher, wenn man erreicht hat, was man wünschte! Doch die Zugabe, die Zugabe, Freund! Es gehört diel dazu, in der Welt glücklich zu werden! — In der Jugend pflanzte ich Kirschbäumchen und wartete ungeduldig, daß sie Früchte tragen sollten. Aber da fraßen sie mir ein Jahr die Spatzen weg, das andere Jahr kamen die Raupen dazwischen, das dritte Mal stahl mir ein diebischer Nachbar die Früchte! Deshalb pflanzt mm aber doch wieder Bäum- chen und Gottlob giebt es noch so viel Obst, daß man satt wird. Eigenllich wollte ich noch von einer Rosenhecke er» zählen; doch da es zu spät werden möchte, schicke ich Ihnen nur noch Grübe, denn bald ist wieder bei Ihnen Ihr Wolfgang Goethe." Erst zur Tischzeit sahen sich die Liebenden. Wolfgang nahm Friederike sogleich bei der Hand, führte sie zu dem Fliederbusch im Garten, wo sie so oft Hand in Hand der Nachtigall zugehöct und sagte: „Sie flötet uns heute da« Abschiedslied!" „Du willst scheiden?" fragte sie erschreckt. „Einmal muß ich doch an die regelmäßige Aufnahme meiner Studien wieder denken, Herzlieb!" entgegnete Wolf, gang. „Diese Unthätigkeit drückt mich moralisch zu Boden!* »Du magst Recht haben!" gab sie bedrückt zurück. Sie blieb still und in sich gekehrt, sonst aber ebenso lieb wie früher. Dieses sanfte, engelgleiche Wesen konnte Nie. mandem zürnen, am wenigsten dem Freunde, der sie jetzt so schnöde verlassen wollte. Sie war es vielmehr, welche Wolfgang über da« Peinliche dieses Abschiedes durch eine heitere Einleitung bei Tisch weghalf, wobei sie ihren Schmerz tapfer verbiß. Wolfgang blutete bei dem Anblick das Herz, aber er blieb fest und reiste anderen Tages ab. VI. Nachtfröste. Siehe die Blüthe am Baume, herrlich entfaltet im Frühlina; Doch schau, der Frost einer Nacht hat sie, wie bald ach, geknickt! Den verstört zurückkehrenden Goethe berührte die plumpe Zutraulichkeit seiner Wirthin doch angenehm, als sie ihn knixend willkommen hieß und ihm mittheilte, wie viele Men- scheu täglich nach ihm gefragt hätten. Er brachte zunächst in seine Sachen einigermaßen Ord. nung, kleidete sich dann um und empfing mit Entzücken einen gar lieblichen Besuch: Salzmann war da. „Mein lieber Sokrates," tief Goethe, den Ankömmling umarmend, aus, „Gott fei Dank, daß Sie da sind! Wie habe ich mich doch darnach gesehnt, mich mit Ihnen frei anssprechen zu können!" Goethe sah mit seinem Lockenkopf — er trug keine Perrücke — entzückend aus. Der Actuar streichelte ihn liebevoll und sagte dann: „Ihre Farbe ist schlecht, ja, miserabel, Wolfgang!" Goethe ließ den Kopf hängen und entgegnete: „Ja, ja, es ist die Folge der heftigen Seelenkämpfe I Ach, mein Lieber, wie bin ich unglücklich!" „Unglücklich? Bei Ihrem Alter, Ihrer Zukunft und der Liebe des besten Mädchens sicher?" „Das ist's ja eben," entgegnete Wolfgang, „diese Liebe ängstigt mich! Wohl kenne ich den strengen Vater; nie würde er seine Einwilligung zu dieser Verbindung geben, die mich einer zahllosen Vetterschast auf dem Lande überantworten, meine Talente opfern, meine Zukunft untergraben hieße! Und wie ich es jetzt übersehe, hätte er auch Recht! Die Liebe hält UNS zuerst in Bewegung wie ein Schaukelpferd; wir werden nicht Herr der Situation! Wird man sich dann über seinen Zustand klar und bewußt, überblickt man den bereits zurück- gelegten Weg und die Strecke zum Ziel, so ist e» gewöhnlich zu spät, umzukehren!" „Für einen Verliebten phllosophiren Sie viel zu kühl, mein lieber Wolfgang!" «Ich fühle da» selbst, mein lieber Sokrates! Eben deshalb glaube ich, daß Friederike nicht das Weib ist, welche» mir genügen könnte! Noch ist er Zeit, noch find wir Beide nicht gebunden! Sie sollen sie sehen und sprechen, mein Freund; Sie sollen mir sagen, was ich thun muß!" (Fortsetzung folgt.) - 576 f Salz Aleibiadei müssen S bringen, I heit, daß diese vor dium geg die Arbeii Gesellschas „Am Goethe. Salz Ade, mein bin!" Wolf den Lehnst Aus auf und fi theurer G «tebesglück fesselte, m< (Boetl Recht, met den Leben! täuschen!" »Sie itommen ?" m, »Das Brion ist i ob sie die beengen w ganzes Uni Herde 34 habe i muß Jhnei Üs 1 Käse/ — Kellner: „So, is feenet druf? Ja, wirklich l Ach, wissen Se, unser Schweizerkäse ist so großlöcherig — da wird woll die Köchin bei's Abschneiden jrade so een Loch erwischt un uff'n Teller jelegt haben." G u t e r R a t h. Rittmeister (vom Urlaub zurückgekehrt): „Potztausend, wie sitzt der Kerl zu Pferd I Alle» während meiner Abwesenheit verlernt! Nun sag' mal selber, Kerl, was soll ich denn mit ihm anfangen?" — Rekrut, (nach längerem Besinnen): „Schicken S' mich heim." Aus der Kaserne. Unteroffizier: „Nicht so schlapp: Sie sind nicht in Civil — bei uns ist die Civilisation zu Ende." VeviiMchtes. Wie's gekommen. Gast: „Ich habe doch Butterbrot mit Emmenthaler Schweizerkäss bestellt, hier fehlt ja der Gemeinnütziges. Einige Regeln über die Benutzung des Barometers. Barometerstand. Will man sich einigermaßen nach dem Stande des Barometers im Betreff der zu er- wartenden Witterung richten, so muß man jedenfalls darauf achten, unter welchen Verhältnissen da» Quecksilber im Barometer steigt oder fällt. Man muß achten, ob das Quecksilber schnell oder langsam fällt, ob bei feuchter oder trockener Atmosphäre, und ob bei zu- oder abnehmender Feuchtigkeit. Auch die Richtung des Windes ist nothwendig zu beachten. Achtet man hierauf genau, so dürsten nachfolgende Regeln zuverlässig sein: 5 Steigen des Barometers: Ein plötzliches Steigen des Barometers zeigt unbeständige Witterung an; ein allmähliges Steigen beständige Witterung; ein Steigen bei trockener Luft und zunehmender Kühle im Sommer zeigt Wind aus j Norden an und wenn es geregnet hat, ist heißere Witterung ■ zu erwarten. Ein Steigen bei feuchter Atmosphäre und niedriger Temperatur zeigt Wind und Regen aus Norden an; ein Steigen bei Südwind schön Wetter. Ein fester Barometerstand: Bei trockener Luft und der Jahreszeit angemessener Temperatur deutet auf sehr schönes Wetter. Fallen des Barometers: Ein plötzliches Fallen deutet stürmisches Wetter; ein plötzliches Fallen bei Westwind deutet auf stürmische Witterung aus Norden; ein Fallen bei nördlichem Winde deutet auf Sturm mit Regen und Hagel im Sommer und Schnee im Winter. Ein Fallen mit zunehmender Feuchtigkeit in der Luft und zunehmender Wärme zeigt Wind und Regen aus Süden an; ein Fallen bei trockener Luft und zunehmender Kälte deutet im Winter auf Schnee; ein Fallen nach sehr ruhiger und warmer Luft zeigt Regen au mit Sturm. * # Gegen die Unsitte 'des Oeleintränfelns bei Ohrenschmerzen eifert Dr. Moriz Seidel in der illustrirten Zeitschrift „Für Alle Welt": „Bei jeder Gelegenheit, wie bei Ohrensausen, Eingenommenheit des Kopfes, Schwerhörigkeit, Schwindel, Erbrechen, wird leider von Unerfahrenen gern Oel in dar Ohr getropft. Ich sage leider, weil das Oel, ganz gleich In welcher Form, immer nur Unheil im Ohr anrichtet, ohne etwas Gutes zu leisten- Es wird nämlich durch Oel das Innere de» Ohres ungemein verunreinigt, abgesehen von den reizenden chemischen Zersetzungsproducten derselben, bietet es eine gute Brutstätte für alle möglichen Mikroorganismen, so entsteht z. B. sehr häufig dadurch eine sehr lästige, hartnäckige Erkrankung, die Schimmelbildung (Mykosis). Also vor jedem Oel und fei es auch ein gepriesenes Gehöröl, sei hiermit eindringlichst gewarnt!" * Papier nnverbrenrrbar zu mache». Man tauche da» Papier in eine starke Auflösung von Alaun in Wasser, worauf man es wieder trocknen läßt. Jmitirte Suppe ä la reine. Aus einem Pfund Kalbfleisch und 100 Gramm Schinken kocht man mit den nöthigen Suppenkräutern, Salz, 5 süßen Mandeln und 10 Gramm Zucker eine Suppe, die man durch ein Sieb gießt und hierauf mit einer hellgelben Mehlschwitze seimig macht. Alsdann kräftigt man dieselbe mit 20 Gramm Liebigs Fleischextract, zieht sie mit 6, in Vt Liter Sahne zerquirlten Eidottern ab und richtet sie über Schechen von gedämpfter Kalbsmilch an- fflebaction: A. Sch-Yda. — Druck lmd Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Piets» § Scheyda) in GccheN. Literarisches Dre Ueberproduction auf dem Gebiete der Modenzeitungen'hat eine ungesunde Concurrenz erzeugt, die an Stelle von anerkannt Gediegenem Billigeres und Werthloseres zu setzen sich bemüht. In diesem, das Urtheil des Publikums verwirrenden Getriebe ist es doppelt erfreulich, Erscheinungen zu begegnen, die von ihrem vornehmen Princip nicht abgehen, das Beste in vollendeter Form zu bieten. Dieser Ruhm gebührt der im Jahre 1865 gegründeten „Modenwert*. Das Schöne im Schmuck unserer Frauen und unseres Heims erscheint hier mit dem Practischen aufs glücklichste vereint, sodaß die zweimal im Monat wiederkehrenden Darbietungen von der elegantesten Weltdame mit der gleichen Freude begrüßt werden, wie von der Frau und Mutter in bescheidenen Verhältnissen. Das Unterhaltungsblatt bringt einen gediegenen Roman, ferner einen Austausch der Meinungen unter den Rubriken „Aus dem Leserkreise". 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Hoheit der Frau Großherzogin von Hessen gewidmetem Buche ein Strauß geradezu mustergiltiger Declamationen geboten. Sämmtliche auf ihre Wirkung im Vortrage bereits erprobte Gedichte sind nach Form wie Inhalt von vollendeter Schönheit. Da die Sammlung speziell sür Damen berechnet ist, wurde meist solchen Poesien der Vorzug gegeben, welche sich weniger durch markige Sprache, als durch Innigkeit und Wärme des Inhalts auszeichnen. In dieser Beziehung kann das Buch geradezu als eine Fundgrube köstlicher Perlen des Vortrags bezeichnet werden. Sehr willkommen werden vielen auch die zahlreichen Dialectvorträge sein, die eine besondere Abtheilung des Buches bilden und voll köstlichen Humors sind. Aber auch jeder, der sich auf bloße Lectüre desselben beschränkt, wird sich daran erfreuen und es befriedigt aus der Hand legen. Unter den vielen Declamations- büchern gibt es auch nicht eins, das so viele Vorzüge in sich vereinigte । und wir sind überzeugt, daß die Sammlung in Damenkreisen, in denen ' Sinn für Poesie herrscht, überall eine sehr wohlwollende Ausnahme : finden wird. Auch Herren wird das „Declamatorische Schatzkästlein vielfach ein Retter in der Roth sein, wenn sie in Verlegenheit nach guten, des Erfolges sicheren Vortragsstücken sind.