Ra« »«mW nein. hierzu solche, in, aber nicht mit der Bahn Auflösung von ach Jahresfrist gleich einen an am besten 18 im Winter ,altgeschlachtet" t Salz ein — nein unterdessen enfett in einer , so legt man it, fließt einen ch bei öfterem er Seite etwa Das Fett muß ;en feinen Ge- :au», so halte >es Fetts fülle in der Pfanne will. Darauf Zwiebel, einige und läßt dar auce schmoren. it Wasser und rtoffeln stampft n wenig guter nan will, mit u dieser Masse reut sie mit gelber in Butter raßt zu jedem t>8 zum Salat ioctfle Dienst« nke Dir, jeden Zimmer 'rum enn der Mann err Registrator, - Registrator: iben Nummern halt hat Dein tot eine Köchin . Eduard kann Patienten, der „War wollen t: „Ach nein! haben ja selbst mir geschworen, La: „Das ist Dienstag den 5. Februar Nr. 16 ♦ V* V ee V V Ms ME IMW SM Dk .Untrrhallmigsblatt ?um Meßenrr Anpigrr (General-Anzeiger). Herzenswege. Novelle von F. Stöckert. (Nachdruck verboten.) Grau und trübe wölbte sich der Himmel über der wild- bewegten See, ein farblos düsteres Bild und doch voll Leben und Bewegung. Die Wellen fangen ihre wilden Sturmes« lieber, das klang etwas ander«, als wenn auf dem Festlande der Herbststurm durch die Wälder braust, das klang wie Lieder von Titanen, von Weltstürmen, die da Alles aus den Fugen bringen möchten; aber so hoch die Wellen sich auch auithürm« ten, immer wieder sanken sie zurück in ihr unermeßliches Element. Ein Bild des Lebens, der tausend und abertausend ohnmächtigen Menschen, die da kämpfen und ringen, das Schicksal zwingen wollen und doch einem Willen sich fügen müssen, der sie, wenn sie noch so hoch gestiegen, spurlos wieder versinken läßt in bas Meer der Vergessenheit- Eine solche Kämpferin, die da mit des Geschicke» Mächten schon zu hadern und zu rechten begonnen und wohl auch vermeinte, ihr Ge« sch,ck zwingen zu können, blickte an diesem trüben Herbstmorgen mit ruhelosen Augen hinan» auf da» wilde Naturschauspiel. Ihre weißen schlanken Finger blätterten in einem in violetten Sammt gebundenen Buch, dessen Seiten von zierlicher Damen« Hand eng beschrieben waren. „Welch' ein Contrast, die wilde, stürmende See da draußen, mit diesen Schilderungen des Glücks erster Liebe hier in mei« nem Tagebuch," sagte sie, indem sie wieder zu lesen begann. „Freilich, die Stürme folgten sehr bald! — Hier der 6. Januar, welche Fülle von Glück kündet dieser eine Tag, und bann der 10. Februar, biefe Verzweiflung! O, wer sich rächen könnte! Aber wie? Vielleicht durch Emmy? Ihr Schwager und Fritz sind Freunde, eine Begegnung wäre leicht möglich. Ob ich ihr Alles erzähle? Oder wäre es nicht besser, diese ganze Vergangenheit aus meinem Leben zu tilgen, das Tagebuch mit feinen hochtrabenden Phrasen in's Feuer zu werfen?" . Sie trat an den kleinen eisernen Ofen, in welchem ein helles Feuer brannte, heran, sinnend blickte sie in das Spiel ber Flammen und bann, wie von einem plötzlichen Entschluß getrieben, riß sie ein paar Blätter ans ihrem Tagebuch und warf sie in's Feuer. In diesem Moment wurde die Thür ihres Zimmers leise geöffnet und ein junges Mädchen im lichtblauen Morgenkleide trat über die Schwelle- Sie mußte soeben dem Meere entstiegen sein; ihr aufgelöstes blondes Haar war noch feucht von den Wellen, die sich darüber ergossen, und da» junge Gesicht blühte in jener köstlichen Frische, die nur das Meer verleiht. Vorwurfsvoll blickte die Bewohnerin des Zimmers sie an. „Doch gebadet heute, Emmy! Wie kann man so mit den höchsten Gütern, Leben und Gesundheit, spielen!" „Es war das letzte Mal, Sidonie," erwiderte Emmy traurig. „Mein gestrenger Herr Schwager hat beschlossen, morgen zu reisen; verzweiflungsvoll stürzte ich mich deshalb noch einmal in die geliebten Wogen. Aber was thust Du hier am Ofen? Es riecht nach verbranntem Papier, was für ein Autodafö hast Du hier angestellt?" „Ich verbrenne meine Jugend, den kurzen Inhalt eine« verfehlten Lebens." „Du willst Dein Tagebuch verbrennen? O, thue da« nicht, Sidonie I Verdiene ich nicht endlich Dein ganzes Vertrauen? Du hast mir schon öfters Andeutungen gemacht von Deiner Liebe zu jenem jungen Doctor, dessen Namen Du nie verräthst und ber so schlecht an Dir gehandelt. Bitte, erzähle mir heute einmal Alles. Es ist so traulich hier beim flackern« den Feuer, während draußen das Meer braust, so recht geeignet zum Plaudern." Sie hatte sich bei diesen Worten einen niedrigen Sessel an den Ofen gerückt und das hübsche Köpfchen schmeichlerisch auf den Schooß Sidoniens gelegt. „Sieh', wenn Du mir Alles erzählst," fuhr sie fort, „bann kann ich Dich vielleicht einmal rächen an dem schlechten Menschen, ich bin jung und kräftig." „Und ich bin alt und häßlich," fiel Sidonie ein. Es war ein böser, neidischer Blick, mit welchem sie auf die Freundin herabschaute und plötzlich sah sie, wie ein Zukunftsbild, neben Emmys glühendem Gesicht den interessanten Kopf des einst so geliebten Mannes. — Wenn sie sich fänden, sich liebten ? O, warum sollte sie es nicht versuchen, mit geschickter Hand die Minen zu legen, die ihnen Beiden Verderben bringen mußten- Sie war bann wenigsten» gerächt an ihm und Emmy» leichtlebige», fröhliche« Herz würde auch nicht ge- £3» 62 *®er liebenswürdige Wunsch wird Dir wohl nie erfüllt ' 'Nun, mich dünkt, Emmy blickt heute auch ziemlich gedankenvoll," fiel die Frau Professor ein. ,WaS hast Du, Kind? Warst Du vielleicht schon bei ___v c^t.4. giMAieh nntt einander ae- glücklicher, sorgloser Jugend. Voll Neid und Bitterkeit verglich stch Sidonie im Geiste mit ihr. „Freilich, sie kennt noch Seele gelegt, dem sie nicht gewachsen war. „Und hier, nimm auch mein Blld mit, es stammt noch ftU® Sidomenahm ein Bild in Cabinetsorm von einem Tisch- L , , Äie SaLe mutzte I keine Sorgen, keine Kümmernisse," sagte sie sich, „sie weiß radebrechen, wenn die Katastrophe eintrete. Die Sache muy I 9 ungestümen Wünschen, wie ich sie stets ge- allerdings schlau angefangen werden, seinen^Namen durfte I nichts von der Liebe hat sie auch noch nicht Emmy auf keinen Fall erfahren, da sie ihm » I h^reten, während ich schon längst aus diesem zweifelhaften herein mit Mißtrauer-begegnen SS« wSSrnwÄ und Sur noch ein Ziel vor Augen tagS»=s= MtuM-stD» M®k' uÄ™ ®“ Stiefr n»en Heber bet Men, bfe gr« M-bung Du ibm ie^beaeanen solltest, dann denke daran, daß er Deiner I von Meer und Himmel mit ihrem Innern harmonirten Kem Herren dem fiebernden Kopf und den glühenden Händen, be- I Emmy Dalton betrat sehr nachdenklich die durch Glas- gann die schleichende Krankheit. Du wirst in dem Buche davon I wände vor Sturm und Regen geschützte Veranda. in welcher lesen • auch sein Bild wird Dir lebendig vor Augen treten, I yjre Schwester und deren Mann noch beim zweiten Frühstuck ankanas eine fast ideale Gestalt; denn wo man liebt, sieht I saßen. , , o „ man bekanntlich Alles mit idealen Augen an, bis dann plötz- I „Da naht ja unsere kühne Schwimmerin I rief Letzterer, Uch des Schicksals rauhe Hand uns dieselben öffnet und wir I indem er galant einen Stuhl fücfte herbeiholte. „So lobe irme werden, daß das, was wir geliebt, ein Phantasiegebilde ich mir die deutsche Jungfrau, nicht nervös und von des Ge- ' 1 dankens Bläffe angekränkelt, wie die meisten unserer Schönen Fenster trat. ., äkäää?* । sESSä Blumen webt. Liebe und Leidenschaft lagen ihrer Mge v .. -. I Iw»»»»»»'» •*” „Sollte solche Liebe die wahre, die echte sein?" fragte | heutzutage." Sie6e ist meistens nur ein Erzeugniß der Phantasie, Kind Wie reich eine derartige Phantasie ist, das beweisen ,/XVUH , ....... —m die Dichter aller Zeiten mit ihren tausend süßen Liebesliedern; Sidonie und habt Ihr rührenden Abschied von einander ge- ja sogar der alte Römer Horaz soll seinen Zeitgenossen schon „ommen? Was ist das für ein Buch? olche Phantasiegebilde vorgesührt haben." I „Sidoniens Tagebuch," erwiderte Emmy ernst und „Und doch gibt es, muß es eine echte, wahre Liebe geben, I feierlich. , ,IU ... „ , „ ,, . keine Vüantasiegebilde." I „Ah, Sidoniens Tagebuch! rief der Professor sehr iro« Suche sie, ich bezweifle, daß Du sie jemals findest." | nisch. „Und das willst Du lesen? Da möchte ich Dir doch "O da brauche ich nicht weit zu suchen, meine Schwester I ye^r abrathen. Die junge Dame scheint mir so Manches er- und ihr Mann sind glücklich in ihrer Liebe." I lebt, so etwas wie ein Schicksal gehabt zu haben. „So, und wenn Ihr kein Vermögen hättet, glaubst Du, I eln Schicksal hat sie allerdings gehabt: sie hat einen daß der Herr Professor stch um Deine Schwester beworben Unwürdigen geliebt, der sie getäuscht und betrogen, und nun aben„@ittei>orme Frau hätte er allerdings nicht brauchen I 0laub*go( undÄesen^Glaubm sollst Du wohl auch aus dem können bei seinen etwas luxuriösen Ansprüchen." ero$ sehr interessanten Buch gewinnen?" Siehst Du, das Geld hat hier wie überall den Aus- I 9 n, t*. ich habe mit solchen Dingen nichts zu thun l An schlag" gegeben. Glaube es mir nur, alle Liebe ist Idealismus Qber möchte ich eine Frage richten in dieser Beziehung, und patzt nicht mehr in unsere realistische Welt." I „Frage nur, ich bin zu jeder Antwort bereit. „Nun, mir kann ee gleich sein," erwiderte Emmy lachend. I Würdest Du Dich um Elise beworben haben, wenn sie „Ich finde die Welt und das Leben wunderschön, auch ohne Vermögen gehabt hätte?" eine derartige Liebe. Aber Adieu für jetzt, Elise wartet auf I Stelle doch nicht so spitzfindige Fragen," meinte die Frau mich mit dem Frühstück." Professor ärgerlich, indem sie einen forschenden Blick auf ihren Mllst Du * mein Tagebuch nicht mitnehmen?" fragte Mann warf. ^ne Gewiffenrsrage!" rief dieser Sidonie, indem sie ihr das Buch hinreichte. etroM verlegen lächelnd. „Ich muß allerdings gestehen, daß Mit zitternden Händen ergriff es Emmy, als ahne sie, Armuth und Entbehrungen nicht vertragen kann. Das daß dasselbe für ihre Zukunft verhängnißvoll werden könne. A giebe in einer Hütte ist doch nichts weiter als eine Fast bereute sie ihre dringende Bitte von vorhin, es war ihr, ® ‘ „ als würde mit diesem erbettelten Vertrauen etwas auf ihre | $ Du ganz mit meiner Freundin überein, die die Liebe auch nur für ein Erzeugniß der Phantasie erklärt I rief ÄMÄtnm« n°4 nW ,ei--,. Mne«. ------ - _ . ist kein Phantasiegebilde, nicht wahr, Schatz?" wandte sich der chen und reichte es Emmy. ., I Professor zärtlich an feine Gattin. „Da» Schicksal hat mir „Ich danke Dir," sagte diese, „heute Abend, wenn ich 221ben8Äampf erspart, den ich vielleicht hätte kämpfen Abschied von Dir nehme, will ich Dir mein Bild dasur mit- I 0^0, menn ^in holde» Lieb arm gewesen. Dir aber, ^"^Wie trübe da» Zimmer aussah, als die sonnige Mädchen- Dir zusammen- «mH________ ___............. Blicken betrachtend. Sie zählte nur wenige Jahre mehr al» " lachend, indem sie sich erhob und an da» Emmy, sah aber bedeutend älter aus als diese, ihr ruheloser, | Eoen^ rres ^mmy , abenteuerlicher Character war in diesen Zügen scharf ausgeprägt, dazu war sie kränklich und ihre Farbe blaß und un- Geele weiße sagte' mit il behag kein! I mir k vositä man mir i i in ihi ihres jemali kaum wiß r I einige diese Emnr schritt kräfti Wind tung dern einem Geda in un gewor schäft mache fesselt Antr« nun । zu re fehlte für ei fühlte seiner so lei Ihr i in all sie ih wach« jedens haglü I so sei einzig hoben trotzb hält fenste die e Prom die § engen aufthi Glanz pflicht selligk findet stet» der F c 88 „sie weiß sie stets ge- noch nicht weifelhaften ; vor Augen > von ihrem stürmischen ne Färbung ntrten! Kein lkenschichten, osophie, der )ße, Schöne, tes Herz. — durch Glas- in welcher len Frühstück rief Letzterer, !. „So lobe von des Ge- erer Schönen mch ziemlich cht schon bei einander ge- ernst und ssor sehr iro« ich Dir doch Manches er» n." sie hat einen gen, und nun auch aus dem zu thun l An r Beziehung." eit." ben, wenn sie einte die Frau Blick auf ihren 1" rief dieser . gestehen, daß i kann. Das veiter als eine in überein, die iltaste erklärt I" . Unsere Liebe wandte sich der chicksal hat mir hätte kämpfen m. Dir aber, e Meeres wellen Dir zusammen» ;ohl nie erfüllt ob und an da» . Noch lag die leier gehüllt, in hre leuchtenden i ihrer jungen itzeele noch fern und der Flügelschlag des Schicksals hatte ihre weiße Stirn noch nicht gestreift. „Es ist gut, daß sie getrennt wird von dieser Sidonle," sagte der Professor zu seiner Frau. „Diese mysteriöse Person mit ihrer jedenfalls etwas dunklen Vergangenheit hat mir nie behagt als Umgang für Emmy." „Du bist doch ein wahrer Barbar! Hast Du denn gar kein Mitleid mit der armen Kranken?" „O, ihre Krankheit halte ich nicht für so schlimm, sie hat mir bisweilen einen ganz gesunden Eindruck gemacht. Nervosität, Unbefriedigthett mit sich und den Verhältnissen, wie man das jetzt so häufig bei unserer Jugend findet, das scheint mir ihr ganzes Leiden" Emmy hatte sich jetzt den Beiden wieder zugewandt und in ihren braunen Augen blitzte es zornig auf bei den Worten ihres Schwagers. „Sidonie ist wohl krank!" rief sie. „Wer weiß, ob sie jemals wieder gesund wird. Sie glaubt wenigstens wohl selbst kaum an ihre Genesung, sonst hätte sie mir ihr Tagebuch gewiß nicht vermacht." „Ach ja, das Tagebuch! Jedenfalls wird uns dasselbe einige Aufklärung geben über die interessante Person." „Glaubst Du denn, daß Deine profanen Augen je in diese jungfräulichen Geheimnisse eindringen werden?" rief Emmy ihrem Schwager lachend nach, der jetzt der Thür zuschritt, um sich nach dem Strand hinaus zu begeben. Derselbe war ziemlich leer und öde heute, und die hohe, kräftige Gestalt des Professors, dessen weiten Regenmantel der Wind aufblähte, nahm sich in der grauen, farblosen Beleuchtung gar nicht wie ein Kind unserer modernen Zett au», sondern glich eher einer Sagengestalt, einem Kühleborn oder sonst einem Meergott, der den brausenden Wellen entstiegen. Seine Gedanken jedoch waren desto moderner, so recht hineinpaffend in unsere Zeit. Die Frage Emmy», ob er um seine Frau geworben haben würde, wenn sie kein Vermögen gehabt, beschäftigte ihn, und er mußte sich das beschämende Geständniß machen, daß, so sehr ihn ihre reizende Erscheinung auch ge- feffelt, er ihr doch, wenn sie arm gewesen, schwerlich einen Antrag gemacht haben würde. Glanz und Luxus waren ihm nun einmal unerläßliches Bedürfniß, mit Mark und Pfennig zu rechnen dünkte ihn entsetzlich. Seiner berechnenden Seele fehlte aber auch jede Begeisterung, jede rückhaltslose Hingabe für eine Sache, die man für gut und groß erkennt. Bisweilen fühlte er diesen Mangel und wie Neid beschlich es ihn dann feiner Schwägerin gegenüber, deren unberechnende Natur sich fo leicht zu begeistern vermochte für alles Große und Schöne. Ihr würde sich auch die Liebe einst nicht anders nahen, al« in all' dem göttlichen Zauber der Poesie und Romantik, wie sie ihm fremd geblieben, dafür war ihm aber auch das Erwachen erspart aus solchem traumhaft schönen Dasein, und jedenfalls war das ganze Leben für die Länge der Zeit behaglicher ohne derartige Träume und Emotionen. So schritt er dahin am Meeresstrand, und so großartig, so gewaltig auch der Anblick de« Meeres war, ihm kam kein einziger großer Gedanke, der sich über das alltägliche erhoben hätte. In der Residenz hätte die Wintersaison begonnen; und trotzdem sich diefer Zeitabschnitt alle Jahr wiederholt, er behält doch immer den Reiz des neuen, wenn in den Schaufenstern die neuesten Modethorheiten ausgestellt werden, wenn die elegante Damenwelt ihre modernen Costumes auf den Promenaden präfentirt, die Theater ihre Pforten öffnen, und die Salons derjenigen Glücklichen, die ihr Dasein nicht in engen Wohnungen zu fristen brauchen, sich für die Gesellschaft aufthun. In vielen Fällen geschieht das allerdings nur, um Glanz und Luxus zu entfalten, oder um nothwendigen Verpflichtungen nachzukommen. Eine wirkliche angenehme Geselligkeit, deren Zweck gemüthvolle und anregende Unterhaltung, findet man nicht allzu häufig. Grundbedingung derselben ist stet« eine behagliche Häuslichkeit und diese ist überall Sache der Frauen. Frau Professor Bergen und ihre Schwester hatten es ver- • standen, ihrer Häuslichkeit ein solches behagliches Gepräge zü geben und ihre Empfangsabende wurden daher stets gern und ziemlich zahlreich befucht. Der Professor hätte allerdings gern Alles ein wenig luxuriöser gewünscht, da er für wirklich vornehme Einfachheit wenig Verständniß hatte; Frau Elise aber ließ sich hier in ihren Rechten nicht beeinflussen und Emmy erklärte es geradezu für unfein, an solchen Empfangsabenden irgend welchen Luxus zu entfalten. „Willst Du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an," citirte sie mit fchalkhaster Miene und der gestrenge Hausherr mußte sich wohl oder übel dem Regiment der beiden Damen unterwerfen- Schließlich mußte er auch anerkennen, daß sie es wirklich in jeder Weife verstanden, es Jedem behaglich in seinem Hause zu machen. Frau Eliie wußte auch die unbedeutendste Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise in die Unterhaltung zu ziehen und Emmy wieder besaß ein liebenswürdiges musikalische« Talent. Wenn sie an dem Flügel saß und eine Beethoven'sche Sonate oder ein träumerisches Präludium von Chopin erklingen ließ, dann führte sie ihre Zuhörer mit fast bezwingender Macht in das Reich der Töne, man vergaß die Alltagssorgen und Mühen und glaubte in einer besseren, reineren Welt zu athmen. Um die junge Künstlerin aber schwebte der Zauber, den das Genie seinen Auserwählten verleiht. Das melodiöse Adagio der ä-woU-Sonate war eben verklungen, als ein später Gast den Salon des Professors Bergen betrat. Man bemerkte ihn nicht weiter, da alle Blicks auf Emmy gerichtet waren, die jetzt das stürmische Allegro begann ; und auch seine Augen wurden sofort gefesselt von der anmuthigen Spielerin. Als die letzten Töne der Sonate verrauscht, wandte er sich an den Hausherrn. „Mein Gott, Bergen, wer ist die junge Dame, die so meisterhaft Beethoven zu spielen versteht?" fragte er voll Interesse. „Und wie kommst Du Mann der Prosa überhaupt zu solch' einem Salon, in welchem die Musen und Grazien heimisch zu sein scheinen? ' setzte er dann lächelnd hinzu. „Es freut mich, wenn mein Heim einen derartigen Eindruck auf Dich macht," erwiderte Bergen. „Hoffentlich wirst Du uns dann öfter das Vergnügen machen. Gezögert hast Du überhaupt lange genug, meiner Einladung zu folgen." „Offen gestanden, bester Freund, mir war ein wenig bange, ich versprach mir eben nicht viel anregende Unterhaltung hier, Deiner ganzen, so prosaischen Richtung nach." „Nun, Deine Offenheit läßt nichts zu wünschen übrig!" rief Bergen lachend, indem er seinen Gast zu den Damen hinüber geleitete, ihn dort vorzustellen. „Welch' ein Gegensatz I" dachte Emmy, als sich die beiden Herren ihr näherten. Der hübsche Mann war entschieden ihr Schwager, dessen classisches Profil, eingerahmt von dem blonden, glänzenden Vollbart, unbedingt allen Schönheitsgesetzen gerecht wurde, aber was diesen Zügen fehlte, das war der Ausdruck inneren geistigen Lebens, wie er sich in dem genialen Antlitz seines Begleiters spiegelte. „Mein Freund Doctor Schmit," stellte Bergen denselben vor. „Ah, endlich bekommt man diesen berühmten Freund einmal zu sehen," sagte Emmy, „gehört haben wir ja schon oft von Ihnen." „Schwerlich aber wohl viel Gute«," meinte Schmit lächelnd. „Nun, wie man es nimmt," erwiderte Emmy. „Wer des alliäglichsn Getriebes auch bisweilen müde, der lauscht mit Entzücken solchen Schilderungen toller Streiche einer fröhlichen übersprudelnden Jugend. Aber jetzt, wo Sie in den Staatsdienst getreten und der Jugend ein ehrbares Beispiel geben sollen, ist es doch wohl vorbei mit dieser liebenswürdigen Genialität?" „Leider nein, mich leitet ein dunkles Gefühl, nämlich die Jugend und all' ihre Tollheiten festzuhalten für's Leben, dem Alter nie die geringsten Rechte einzuräumen, jung zu fein und zu bleiben in allem seinem Empfinden, das allein halte ich des Lebens werth." (Fortsetzung folgt.) Ae Lefilircom im Berliner Königsschlofse. Als der Kaiser und die Kaiserin am vorletzten Mittwoch die Thronstufen des Rittersaales betreten hatten, zeigte sich das große Hofbild wieder vollständig in seinem Glanze, seiner Pracht in den Toiletten und dem Farbenschimmer der Uniformen. Von allen Seiten strahlte Licht und Gold den Eintretenden entgegen, die vom Orchester mit rauschender Musik empfangen, durch ein Spalier von Hospagen, an den Prinzen und Prinzessinnen vorbei, bis vor die Stufen des Thrones schritten, um durch eine Verbeugung zunächst vor dem Kaiser und dann vor der Kaiserin ihren Throngruß zu entbieten. Neben ihrem Gemahl stand die Kaiserin, deren Gestalt von dem Purpursammet der Rückwand des Thronbaldachins sich prächtig abhob, in vollster Lebensfrische. Sie trug eine goldschillernde, siibergestickte Schleppe und Orangeband und Brillantstern des höchsten preußischen Ordens, mit den großen Kronbrillanten in Collier und Diadem und dem langen weißen Schleier, dem characteristischen Toilettenzeichen für den großen ceremoniellen Vorgang einer Cour. Von den Damen stand zunächst dem Thron die Prinzessin Heinrich mit heller Schleppe, Silberbrocat mit Lichtblau, und Schmuck von Brillanten in Collier und Diadem. Auf ihrer Seite die Frau Prinzessin Friedrich Karl in weißer gestickter Atlasrobe mit Schleppe drap d’argent mit Hermelin besetzt, dem Bande des russischen KathartneN'Ordcn», reichem Brillantdiadem und Halsgeschmeide. Die Prinzessin Friedrich Leopold war erschienen mit großer weißseidener Courschleppe mit kostbarer Silberstickerei, dazu Smaragden im Diadem und dem übrigen Schmuck. Prächtig war die Robe der Prinzessin Albrecht, mit einer Courschleppe in Sammet von ganz eigenartigem Roth mit erhabener Stickerei; kostbar war auch der Schmuck; da« Haupt zierte ein Diadem von großen Brillanten und herabhängenden birnenförmigen Perlen. Eine Reihe großer Boutons von Brillanten glänzte an d er rothsammetnen Taille, in deren Mitte eine Agraffe mit einem einzelnen koloflalen Brillant strahlte. Als eine sehr kostbare Schleppe muß ferner die der Prinzessin Friedrich von Hohenzollern bezeichnet werden, auf deren Grund die rosa Farbe mit der bläulichen changirte; die Schleppe war in ihrer ganzen Breite mit Spitzenarabesken bedeckt, die eigens nach den Angaben der Prinzessin gefertigt sind. Das Unterkleid war rosa Atlas mit rosa Sammet- rosetten besetzt, den Saum faßte Zobel mit rosa Sammet- besatz ein. Das Collier wurde aus Blättern gebildet, die, aus großen Brillanten zusammengesetzt, auf rosa Band geheftet waren, während ein Doppeldiadem das Haar schmückte. Prinzessin Victoria von Schaumburg-Lippe trug eine Silber- brocat-Schleppe mit Zobel, und ihre jüngere Schwester Prinzessin Friedrich Karl von Hessen eine lichtweiße Schleppe mit reicher Goldstickerei, dazu Brtllantdiadem und Brillantriviöre um den Hals. Die anderen fürstlichen Damen trugen meist helle Schleppen, doch alle mit reicher Gold- und Silberstickerei. Die Doyenne des diplomatischen Corps, Lady Ermyntrude Malet, die die Damen der anderen Botschaften vorstellte, erregte durch die Pracht und den Glanz ihrer Toilette die allgemeinste Bewunderung. Die Schleppe war aus hellgelbem Sammet gefertigt mit überreicher Goldstickerei und garniert mit echten Valeneiennes-Spitzen. Der Schmuck an Edelsteinen repräsentirte ein fürstliches Vermögen; das blätterartig zu- fammengestellte Collier mit den langen Brillantgehängen hat auf der letzten Pariser Weltausstellung den ersten Preis erhalten, die Brtllantkrone auf dem Haupte trug die Mylady bei der Cour zum ersten Mal; sie ist ein Geschenk ihrer Mutter und stammt ans dem Familienschatze der Herzöge von Bedford. In der Reihe der fürstlichen Damen vermißte man diesmal dir Fürstin zu Stolberg-Werntgerode. Fürstin Pleß hatte die grüne Farbe gewählt; auf der dunkelgrünen Schleppe erhob sich eine kostbare, erhabene Goldstickerei, mit der auch die Taille garnirt war. Etwas ganz Apartes war 64 - । eine goldgelbe Brocat - Solei! - Schleppe, deren Taille mit I echten Perlen traubenartig garnirt war, während feine seidene | Spitzen den Saum der Robe einfaßten. Man bezeichnete als Trägerin die Fürstin Hatzfeldt. Frau Minister von Boet- ticher erschien mit hellblauer silbergestickter Schleppe auf elfenbeinfarbigem Atlasunterkleid mit reicher Silberspitzengarnitur. Die elegante Erscheinung der Freifrau von Schrader trug eine Courschleppe aus drap d’or mit selten schönem Zobelbesatz; ebenso war das Unterkleid volantartig mit Zobelstreifen besetzt, das aus goldgesticktem Tüll, mit Blumen verziert, bestand. Gräfin Rechteren-Limpurg erschien mit einer Goldbrocatschleppe ä la Watteau über einem Unterkleids von ci6me Atlas mit alten venetianischen Spitzen garniert. Die bei Hose neu vorgestellte Gräfin ist eine große brünette Erscheinung von auffallender Schönheit. Von Jugendfrische strahlte die Gemahlin des niederländischen Legationssecretär» EyS van Lieden, die über einem weißen Brocatunterkleide eine Schleppe von veilchenblauem Sammet trug; Taille und Aermel zeigten reiche Silberstickerei. VeviMehtes. Die leidenschaftliche Sucht, alle Fremdwörter aus der deutschen Sprache auszumerzen, hat jetzt schon manchen „Kalauer" zu Wege gebracht. Die neuesten sind: „Wie sagt man für ortentiren?" — „Morgenländern." Und eine andere Scherzfrage lautet: „Wie heißt der deutsche Ausdruck für massiren?" — Antwort: „Kneten." — „Und wie heißt Masseur auf Deutsch?" — Antwort: — „Meine SchwesterI" (Ma soeur). * * * Geistreiche Unterhaltung. Eine Dame fragt eine Freundin, die am Abend vorher von einem al» sehr einsilbig bekannten Herrn nach Hause begleitet worden ist: „Nun, Lieschen, hast Du Dich gestern mit Herrn S. gut unterhalten?" — Lieschen: „Ach nein, nur einmal, als ich stolperte, sagte er: — Hopsa!" s * ♦ Ueberboten. Erster Maler: „Da habe ich neulich ein dünnes Tannenbrettchen so natürlich wie Marmor bemalt, daß es, in'» Wasser geworfen, sofort untersank, wie ächter Marmor." — Zweiter Maler: „Ach was, als ich gestern an die Staffelei, worauf meine „Polargegend" steht, da» Thermometer hängte, fiel dasselbe gleich 20 Grad unter Null." — Dritter Maler: „Das ist nichts, mein letztes Portät des Barons Buffski ist so lebenswahr, daß e» wöchentlich zweimal rafirt werden muß." • • • Schnell gefaßt. Chef (plötzlich ins Comptoir kommend): „Sie haben wohl geschlafen, Meier?' — Tommi«: „Nur einige Minuten, und da hab' ich vom Geschäft geträumt." • Aul Der junge Meyer ist so farbenblind, daß er auf die Frage nach dem Erfinder de« Schießpulver« statt: Berthold Schwarz antwortet: „Anastastu» Grün!" ♦ ♦ ♦ Ein kluges Kind. Vater: „Siehste, Frau, das ist der Plan zu unserm neuen Haus. Da kommt der Garten hin, da der Pavillon und da der Springbrunnen." — Töchterchen: „Und wo kommt hin die Hypothek?" ♦ « ♦ Resignation. Bauer (zu einem angelnden Berliner): „Sie, lieber Mann, Sie plagen sich umsonst, da giebt's keine Fische!" — Angler: „Schad't nicht! Ick thät' ja doch keene fangen, selbst wenn'» welche jä be!" Kebattion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.