jfe, Samstag den 5. Januar. amthefiHaner M SIISSBlsSS RMMLNKMAch-LM UntrrhaUungsblatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) „Natürlich werden Sie Elisabeth Wiedersehen," rief das junge Mädchen ungeduldig, „ich begreife Deine Furcht gar nicht, Papa! Es ist nicht hübsch von Dir, ihn so zu behandeln und Tante Dorothea »n seinen Augen herabzusetzen. Hast immer seine Partei ergriffen und Dich mit dem alten Querkopf von Hauptmann beinahe überworfen, weil er gar keine Billigkeit von wegen der Disziplin und ihrer grausamen Consequenzen gelten lassen wollte; und nun Dein Liebling hier leibhaftig vor Dir steht, sprichst Du ihm das Recht der Heimkehr ab und zeigst ihm ungastlich die Thür. Ich gehe sofort zu Tante Dorothea." „Das läßt Du bleiben, kleine Thörin!" unterbrach der Vater fie heftig, „was weiß ein solcher Kindskopf von dem Ernst des Lebens? Uebrigens würdest Du dort die ganze Verwandtschaft beisammen treffen." Leonore war bei der harten Zurechtweisung blaß geworden. Sie preßte zornig die Lippen aufeinander und blickte dann wie hilfesuchend zur Mutter hinüber. „Es ist ein recht schlimmer Fall, lieber Willibald!" nahm diese nun rasch das Wort, „zumal unser jetziger Herzog in solchen Dingen wohl noch strenger urtheilt als sein Vater. Wären Sie nur im vorigen Frühjahr zurückgekehrt, vielleicht hätte der alte Herzog Karl, welcher im April starb, auch vor zehn Jahren schon den Fall milder angesehen und Ihnen jetzt Gnade angedeihen lassen." „Ich lag im vorigen Frühjahr selber krank darnieder," erwiderte Ehrhard düster. „Weil er bei einer Ueberschwemmung zwanzig Menschen- Icbctt „Bitte, Richard, das gehört nicht hierher," unterbrach Willibald den Freund. „Ich denke doch, mein Freund," fuhr dieser unbeirrt fort. „Du hast idurch viele Großthaten jene kleine Schuld längst getilgt. Ich setze nämlich voraus, daß der damalige Schlag Willibald'» den brutalen Menschen tödtete." „Nein, der lebt heute noch, hat, glaub' ich, eine Civil- versorgung erhalten," sagte der Professor. „Bei jenem Rettungswerk verunglückte also Ehrhard?" „Beinahe, ein Balken streifte ihn so stark, daß er den Athem verlor und die Fluth ihn hinunterrtß," antwortete Hamson trocken. „Worauf Du mich wieder heraufholtest," sagte Ehrhard achselzuckend. „Wozu solche Geschichten auftischen, Richard? Mich freut's, daß ich kein Menschenleben auf dem Gewissen habe, aber trotzdem ist meine That eine sehr schwere. Ich hatte den Fahneneid geschworen und mußte demnach meine Strafe hinnehmen, wie das Urtheil auch lauten würde. Vielleicht war es dieses Gefühl, welches mich drüben wie mit unheimlicher Gewalt vorwärts trieb, mich, wenn ich ermattete, immer wieder anspornte, das höchste zu erreichen, den Namen meines Vaters dadurch rein zu waschen von dem schwarzen Fleck, was mich aber auch niemals zum Glückgenuß, nie zum inneren Frieden gelangen ließ. Jetzt erst erkenne ich den Weg der Pflicht und werde ihn gehen, ohne nach rechts und links zu schauen. Verzeihen Sie mir, mein theurer, väterlicher Freund! Vielleicht kommt die Stunde noch, wo auch Sie und Tante Dorothea sich meines Anblicks erfreuen werden." „Erlaube mal," nahm Hamson rasch das Wort, „jetzt gefällst Du mir ganz und gar nicht. Was willst Du tntt Deiner langen Rede denn eigentlich sagen? Erkläre Dich deutlich, da ich hiernach auch meinen Weg bestimmen muß." „Ich wollte Dich soeben bitten, ohne mich wieder nach Amerika zurückzukehren, lieber Hamson!" erwiderte Ehrhard ruhig. „So und damit soll ich zufrieden sein und mich trollen, meinst Du!" rief der Amerikaner kurz auflachend. „Wie denken Sie über solche Freundschaft, mein Fräulein?" wandte er stch an Leonore. „Daß sie die Fahrt über'« Weltmeer nicht verlohnte," versetzte diese erregt. „Sprich doch, Papa, nur Du allein hast ihn zu irgend einem unheilvollen Entschluß getrieben." „Bitte, Willibald, folgen Sie mir in mein Zimmer," sprach der alte Herr nach kurzem Zögern, „dort wollen wir M Sache unter vier Augen überlegen." Er ging hinaus und Ehrhard folgte ihm schweigend. „Was mag der Willibald denn nur vorhaben?" fragte die Frau Professor ängstlich. 10 „Seine« Richtern sich überliefern, natürlich!" erwiderte der Amerikaner achselzuckend. „Um Gotterwillen, dar müssen wir um jeden Preis verhüten," rief die alte Dame entsetzt. . „Weshalb war Papa so schroff gegen ihn!" schmollte Leonore. „Was machen wir nur, um ihn zur Abreise zu bewegen?" „Sie wünschen also auch seine Entfernung, mein Fräulein?" fragte Hamson vorwurfsvoll. „Weil wir Alle machtlos sein werden, ihn von einer wahnsinnigen Handlung zurückzuhalten," versetzte Leonore traurig. „Ich glaube, baß jene junge Dame, welche er sehnsüchtig wiederzusehen wünscht, wohl dazu im Stande sein würde, mein Fräulein!" „Elisabeth Ehrhard? O, das wäre möglich, da sie stets offen und furchtlos selbst dem jähzornigen Hauptmann gegenüber seine Partei ergriffen hat," rief Leonore lebhaft. „Das ist ein guter Gedanke, Herr Hamson, den ich sofort auaführen werde. Du erlaubst doch, liebe Mama, daß ich hingehe und sie hole, es ist ja nicht weit bis Tante Dorotheas Wohnung, wo sie sich beim Whist der alten Leutchen sträflich langweilen wird. Thomas kann ja mitgehen." „Würden Sie meine Begleitung nicht für aufdringlich halten, mein Fräulein?" fragte Hamson etwas unsicher und verlegen. „Ich bitte darum," sagte die Frau Professor freundlich, bevor Leonore in unberechenbarer Mädchenlaune es vielleicht abschlagen konnte. Sie dachte gar nicht daran, dieser blonde Amerikaner gefiel ihr offenbar sehr gut. In zwei Minuten war sie zum Fortgehen bereit, eine Raschheit, die dem jungen Manne zu imponiren schien. „Du wirst Elisabeth nicht mitbringen," meinte die Mutter, „der Hauptmann läßt sie nicht vom Whist los." „Bah, dann trete ich für sie ein," erwiderte Leonore, „spielen Sie Whist, Herr Hamson?" „O ja, aber nicht besonders gut." „Dann sind wir ja geborgen, kommen Sie, mein Herr, ach, da klingelt'», wer mag denn jetzt kommen? Soll ich Dich verleugnen, Mama?" „Thomas öffnet schon, da nützt kein Verleugnen mehr, aber geht nur, damit kein längerer Aufenthalt — Herrgott, es ist die Bernhardine Melchior, wenn die den Willibald sähe, wäre er verloren." „Za, sie ist er," sagte Leonore, welche hinausgehorcht hatte, „halte sie fest, Mama, bis ich Papa Bescheid gegeben, — Willibald muß bleiben, bis sie fort ist. Aber mit wem spricht sie denn draußen auf dem Flur? — Himmel, mit Papa — da muß ich doch gleich dazwischen fahren!" Leonore öffnete entschlossen die Thür und trat hinaus. Draußen auf dem großen Flur, der durch eine an der Decke hängende Lampe hell erleuchtet war, stand eine Dame von vielleicht fünfzig Jahren mit einem harten, verbitterten Gesicht, kalten, erbarmungslosen Augen und einer abweisend hoch- müthigen Haltung. Sie war mit puritanischer Einfachheit gekleidet, ein grauer Regenmantel von unmodernem Schnitt, eine schwarze Kopfhülle und wollene Handschuhe, welche die kräftigen Hände, die einen dicken Regenschirm wie eine Barriere vor sich hielten, noch größer erscheinen ließen, machten Fräulein Bernhardine Melchior gerade nicht zu einer anziehenden Erscheinung. „Guten Abend, Lore!" sagte sie mit einer unangenehm schneidenden Stimme. „Ich suche meinen Bruder bei Euch und höre von Deinem Vater, daß er wieder bei der alten Ehrhard, wahrscheinlich also beim Whist sitzt. Lucie hat ihren Anfall wieder und verlangt nach ihm; da bin ich nun herumgelaufen, weil die neue Magd kaum am Tage, geschweige denn Abends sich irgendwo hinfinden kann. Er sagte beim Fortgehen, daß er hierher wollte, — nun fängt der Johannes auch mit Surren und Lügen an, es ist ein wahres Kreuz mit der Menschheit. Zur Ehrhard geh' ich nun einmal nicht, könnte Euer Thomas es nicht für mich ausrichten?" „O, recht gern," beeilte sich der Professor eilfertig zu erwidern. „Thomas!" tief er in den Keller hinab. „Thomas ist für mich nach der Apotheke!" fchrie die Köchin, welche irgendwo gehorcht zu haben schien. „Ich stand gerade auf dem Sprunge, an Tante Dorothea eine Botschaft von Mama zu Überbringen und werde dem Onkel Candidat gern Deine Bestellung ausrichten, Tante Bernhardine!" sprach Leonore mit harmloser Miene. Sie war es von Kindheit an gewohnt worden, die näheren Freunde des Hauses mit der vertraulichen verwandtschaftlichen Anrede zu begrüßen, obwohl ihr derartige Tanten wie Fräulein Bernhardine durchaus nicht geheuer waren. „Gut," nickte letztere, „ich will Ihre Frau nicht mehr stören, Professor, und gleich mit Lore fortgehen. Wann bist Du denn eigentlich nach Hause gekommen? Du warst doch in Dresden?" „Heute Abend vor einer Stunde bin ich angekommen mit einem Besuch sür Papa," log Lore mit großem Gleich- muth, „es ist der Sohn eines Studienfreundes von Papa, ein steifer Engländer, der uns mit seinen langen Beinen recht gut begleiten kann." Sie öffnete nach diesen Worten die Zimmerthür und rief ganz ungenirt hinein: „Tante Bernhardine läßt sich Dir empfehlen, Mama, sie hat keine Minute Zeit, weil die arme Tante Lucie wieder ihren Anfall bekommen hat. Kommen Sie rasch, Herr Hamson!" Der Amerikaner gehorchte eilfertig, schlüpfte in den ihm von dem Professor dargereichten Ulster und nahm seinen Hut. „Ich bin bereit, mein Fräulein!" Leonore blinzelte ihn bedeutsam an und stellte ihn dann etwas weitschweifig als den Sohn des Studienfreundes aus Oxford und so weiter vor, was Mr. Hamson auch sofort begriff. Dann gingen sie in das recht unbehagliche Abenddunkel hinaus. Fräulein Bernhardine, welche schweigend neben der lustig plaudernden Leonore hinschritt, hing eigenthümlichen Gedanken nach, welche dem jungen Mädchen sicherlich nicht behagt haben würden, wenn es dieselben hätte ahnen können- Dabei horchte Jene auf die Plaudereien und auf die Antworten des Fremden, wobei ein häßliches Lächeln ihre dünnen Lippen verzerrte und die kalten Augen boshaft funkelten. Sie schloß ganz richtig, daß Leonors den Gast nicht zu der alten Dame mitnehme, also bald wieder heimkehren werde, und baute darauf ihren heimtückischen Plan, der fle im Falle des Gelingens in den Besitz eines Geheimnisses, welches die Ehrhard'fche Familie compromittiren mußte, fetzen konnte. Eine solche Möglichkeit schon spornte da» Fräulein zu jedem erdenklichen Wagniß an, da sie nichts mehr auf Erden haßte, als den Hauptmann Ehrhard und feine Stieftochter. Sie hatte den Lieutenant Ehrhard einst leidenschaftlich geliebt und sich in ein Glück hineingeträumt, das Ehrhard durchaus nicht verwirklichen wollte, weil er überhaupt nicht an's Heirathen dachte und der Schwester seines Jugendfreunde» nur Höflichkeiten, aber niemals derartige Gefühle, welche sie zu einer solchen Annahme hätten berechtigen können, entgegengebracht hatte. Als er, ein invalider Hauptmann, aus dem Kriege heimkehrte, auf feine schmale Pension angewiesen, da glaubte die immerhin Bedauernswerthe, welche wohlhabend genug war, ihm ein sorgenfreies Leben zu gestalten, ein Recht auf feine Hand und auf fein Herz zu besitzen und stand zu ihrer Geschwister Entsetzen gerade im Begriff, den Hauptmann zu einem Heirathsantrag ganz offen aufzufordern. Sie ließ sich von der nicht unbegründeten Ansicht dabei leiten, daß der invalide Hauptmann jetzt nicht den Muth haben werde, um ein wohlhabendes Mädchen, welches doch eben erst die dreißig überschritten, anzuhalten, daß ungewöhnliche Umstände somit auch ungewöhnliche Schritte rechtfertigten, als das gänzlich Unerwartete sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, Ehr- Hard sich mit der Wittwe feines gefallenen Freunde» vermählte. - 11 - Kein einziger seiner näheren Bekannten und Freunde hatte eine Ahnung von diesem überraschenden Schritt des pen- sionirten Hauptmanns gehabt, da Verlobung und Trauung sich nach Ablauf des Trauerjahres auf dem Fuße und in größter Stille gefolgt waren. Selbst Ehrhards intimster Freund, der Candidat Melchior, hatte nichts davon gewußt und war zuerst wie betäubt gewesen, da er doch wohl im Stillen gehofft haben mochte, daß er Bernhardine geheirathet hätte, die als Frau vielleicht, wie der gute Melchior geglaubt, ganz vortrefflich für den Hauptmann gesorgt haben würde. Bernhardine war nach diesem Zusammenbruche ihrer Hoffnungen in Krämpfe gefallen, hatte geweint und getobt und sich endlich mit Haß und Rache im Herzen wieder äußerlich beruhigt, ihren Geschwistern aber das Versprechen abgenommen, den Umgang mit der Ehrhard'schen Familie gänzlich abzubrechen. Wenn der Candidat sich im Laufe der Jahre stillschweigend darüber hinwegsetzte, weil er es für eine Ungerechtigkeit und deshalb für unerfüllbar hielt, so hatte Bern- Harbins, zwar tiefverletzt und grollend, sich doch ebenfalls schweigend darein ergeben. IV. Unsere drei nächtlichen Wanderer hatten mittlerweile Tante Dorotheas Wohnung erreicht und Fräulein Bernhardine sich hier kurz empfohlen, da sie noch nach der Apotheke müffe. „Sie kommen doch mit hinauf, Herr Hamson?" sagte Leonore. „Ich ziehe es vor, hier zu warten, mein gnädiges Fräulein!" erwiderte der Amerikaner. Sie flog die breite Steintreppe, welche zu der großen Hausthür emporführte, leichtfüßig hinauf und verschwand in dem geräumigen Flur. Hamson blickte unverwandt auf die hinter ihr in's Schloß gefallene Thür, ein freundlicher Lächeln überzog sein männlich hübsches Gesicht und seine Gedanken folgten dem schönen Mädchen. „Wenn Eine mich zu einer Thorheit verleiten könnte, so wäre es diese, frisch und keck, und dabet doch so ganz anders, als unsere Ladys drüben; nimm Dein Herz in Acht, Dick, wenn Du Deine Freiheit Dir wahren willst." Er brummte diese kleine Standrede halblaut vor sich hin, dabei auf- und niederschreitend. Droben im ersten Stock saß Leonore Carlsen, deren Erscheinen einen Sturm von Freude, besonders bei Elisabeth, hevorgerufen hatte und erzählte von Dresden, was sie dort an Vergnügen genoffen und wie sie plötzlich vom Heimweh gepackt worden, ein Telegramm an die Eltern gesandt und sofort abgereist fei. Der Candidat hatte sich auf ihre Nachricht von seiner Schwester Unwohlsein sogleich zum Fortgehen gerüstet, was den Hauptmann, der sich jetzt um seinen vierten Mann beim Kartenspiel gebracht sah, mit neuem Zorn erfüllte. „Nun kannst Du einspringen, Lore," grollte er weiter, „spielst freilich zum Erbarmen schlecht, aber in der Noth frißt der Teufel Fliegen." „Danke, Onkel Hauptmann, Sie sind zu freundlich," erwiderte Leonore ruhig, „aber ich bin in diesem abscheulichen Wetter und ermüdet von der Reise nicht deshalb hierher gekommen, um Ihr Erbarmen beim Spiel herauszufordern, sondern um Elisabeth mit mir nach Hause zu bringen-" Der Candidat verabschiedete sich eiligst. „Bleib' lieber hier, Kleine, und erzähle von Dresden," wandte der Hauptmann ein. „Nein, das kann ich nicht; Mama heute Abend allein zu lassen, wäre zu grausam, zumal Tante Bernhardine ihr Gesellschaft leistet. Sie läßt herzlich um Elise bitten, liebster Onkel!" „Wir spielen eine Partie Schach, Bruder Max!" mischte sich Tante Dorothea ein, welche einen bedeutsam bittenden Blick aufgefangen hatte. „Na, dann marsch mit Euch!" knurrte der Hauptmann. „Kannst wieder vorkommen, Lisbeth, um mich abzuholen. Möchte am liebsten hierbleiben, anstatt nach meiner Musik- Kaserne zurück." Leonore erwiderte nichts, sondern verließ schon nach wenigen Minuten mit Elisabeth das Zimmer. Tante Dorothea folgte ihnen, sie hielt Leonore zurück. „Kind, Du weißt, wer gekommen ist?" fragte sie leise. „Ja, Tante, er ist bei uns, Ihr geht nicht gut mit ihm um, und wenn Elisabeth keinen Einfluß auf ihn haben sollte, ist das Schlimmste zu befürchten." „Was meinst Du damit, sprich um Gottes willen!" „Dann stellt er sich sekber dem Kriegsgerichte," flüsterte Leonore der alten Dame in's Ohr. Diese sank wie gebrochen auf einen Stuhl. „Fasse Dich, Tante," fuhr Leonore leise fort, „geh' jetzt zum Onkel Hauptmann und vertraue auf Elisabeth und auf mich. Ich hoffe, daß wir ihn zur raschesten Rückkehr nach Amerika bewegen." „Ich muß ihn aber vorher sehen und sprechen," sagte die alte Dame resolut. „Gut, dann soll er Lisbeth hierher begleiten, sie muß aber gleich mit dem Papa fortgehen." „Von wem unterhaltet Ihr Euch denn so zeheimnißvoll?" rief Elisabeth, welche ungeduldig vor der Corridorthür wartete. In demselben Augenblicke öffnete auch der Hauptmann die Thür. „Soll ich hier noch länger allein bleiben," tönte seine zornige Stimme, „dann packe ich auf und geh' nach Hause." Tante Dorothea ließ die beiden jungen Mädchen rasch hinaus, verriegelte die Thür und kehrte zu ihrem Bruder zurück, um ihn beim Schachspiel in eine rosige Laune zu versetzen, da ihre Zerstreutheit ihm leichte Siege und einen hübschen kleinen Gewinn verschaffte, den er ohne Bedenken einstrich. Ein solcher Gewinn - aber brachte stets die heiterste Stimmung bet ihm hervor, so auch heute Abend, während Tante Dorothea vor innerer Qual und Unruhe fast verging. Das Wetter war mittlerweile noch schlechter geworden. Der Regen rieselte stärker als zuvor und bildete große Lachen, die bei dem schlechten Bürgersteig gar nicht zu vermeiden waren. Leonore stellte der erstaunten Elisabeth, welche den alten Thomas als Beschützer zu sehen erwartete, den Amerikaner vor, der ohne Regenschirm einer wandelnden Dachrinne glich, „Sie Aermster," rief Leonore bedauernd aus, „ohne Schirm hier so lange warten zu müssen! — Aber ich konnte wirklich nicht eher zurückkommen. Meine Freundin —" „Die ich vorhin schon die Ehre hatte, zu sehen —" Leonore überreichte Herrn Hamson ihren aufgespannten Regenschirm, während sie unter Elisabeths Schirm schlüpfte und sich an deren Arm hängte. „Aber, mein Fräulein," rief Hamson verwundert, „brauche ich denn einen solchen Schutz noch?" „Bitte, behalten Sie den Schirm," erwiderte Leonore, „ich habe, wie Sie wissen, meine Freundin zu inftruiren und müßte alsdann zu laut sprechen. — Ich habe Dir eine geheime Mittheilung zu machen. Elisabeth," setzte sie im gedämpften Tone hinzu, „welche Dich insbesondere interessiren, ja, gewaltig aufregen wird. Herr Hamson ist heute Abend mit Willibald Ehrhard hier angekommen." Elisabeth stieß einen leisen Schrei aus. „Willibald ist zurückgekommen?" rief sie, in ihrer Aufregung jede Vorsicht vergessend. „Er ist hier und bei Euch?" „Um Gotteswillen, Kind, schrei' es nicht in die Welt hinaus!" warnte Leonore erschrocken. „Du vergißt, welche Gefahr ihm hier droht." Sie blickte sich um, konnte aber nur eine Frau entdecken, welche in diesem Augenblick eiligst unter ihrem großen Regenschirm die Fahrstraße überschritt. „Ach ja, ich vergaß in der ersten überwältigenden Freude und Ueberraschung, daß er hier geächtet ist, der arme, arme Willibald!" seufzte Elisabeth. „Was sagen Deine Eltern aber dazu? Haben auch sie sich gefreut?" „Meins Mutter ja, er war immer ihr Liebling, wie Du « weißt. Papa aber hält seine Rückkehr für bodenlosen Leicht« i sinn und fordert seine augenblickliche Abreise." „Das kann sein Ernst nicht sein," rief Elisabeth, „wie , darf Dein Papa eine solche grausame Forderung an ihn stellen I Auch wird er sich hinreichend verändert haben, um hier eine Zeit lang unerkannt bleiben zu können. Ich werde morgen mit Tante Dorothea sprechen, — o, wie fie sich freuen wird, ihn wiederzusehen!" (Fortsetzung Mgt.) GeineinnNtziges. Zugefrorene Pumpen thaut man am besten und j raschesten in folgender Weise auf. Man löst in einem Gefäß mit heißem Wasser (etwa einen halben Eimer voll) zwei Hände voll Kochsalz und gießt von diesem Waffer in die Pumpe, während eine zweite Person den Pumpenhebel zu bewegen sucht. Es wird nur kurze Zeit dauern, und die Pumpe ist wieder im Gange. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß man Pumpen nie an der Nordseite, stets nur an der Südseite anlegen soll. Im ersteren Falle frieren die! Pumpen auch bei leichtem Frost schon zu, während auf der Südseite dies weniger der Fall ist, sie auch von der dort den ganzen Tag wirksamen Sonnenwärme von selbst wieder auftauen. Hölzerne Pumpen sind in dieser Hinsicht viel geeigneter als eiserne, weil sie nur selten zufriere«. • Entfernung des Rostes von Instrumenten. Zur Entfernung de« Rostes von Instrumenten empfiehlt Länger in der „Pharm. Centralhalle" folgendes Verfahren. Man legt die Instrumente eine Nacht hindurch in eine ge- fättigte Lösung von Zinnchlorür; durch Reduction verschwinden die Rostflecke. Nach dem Herausnehmen aus der Lösung werden die Jnstrume-te mit Wafler abgespült, in eine heiße | Soda-Seifenlösung gebracht, dann abgetrocknet. Auch em- 1 pfiehlt es sich, noch eine Reinigung mit absolutem Alkohol und Putzkceide vorzunehmen. Ein anderes einfaches Mittel zur Entfernung von Rostflecken ist gewöhnliches Petroleum. Ein empfehlenswerthes Mittel, um stählerne Instrumente Nähnadeln u. f. w. vor Rost zu schützen, ist Einsetten mit Paraffinöl. Da es aber sehr mühsam ist, complicierte Instrumente oder Nähnadeln richtig und wirksam einzufetten, ferner dabei leicht zuviel Paraffinöl aufgebraucht wird, was dessen Entfernung vor dem Gebrauch erschwert, so verfährt man am Besten in folgender Weise: Man stellt sich eine Lösung von einem Theil Paraffinöl in 200 Theilen Benzin her, taucht die durch Liegenlaffen in erwärmter Luft getrockneten Instrumente ein, bewegt deren Theile, wenn sie beweglich find, wie bei Zangen und Scheeren, unter der Flüssigkeit, damit dieselbe auch in die Spalten dringt, und legt die Instrumente dann in einem trocknen Raume auf einen Teller, damit das Benzin verdunsten kann. Nähnadeln wirft man einfach in die Paraffinlöfung, nimmt sie mit einer Zange oder Pincette wieder heraus und läßt sie auf einem Teller abtrocknen. ♦ * * Wasserdichte Schuhschmiere. Man nehme 1/2 Liter Klauenöl und