reunden, de« lapoleon viele ganz uw »er Wäscherin iefer erfahren i und rühm» rt wollen, die in Marschalls immer jedotz ithtg, heroisch : Spitznamen: !»ng folgt.) »tl. Gewöhn« he gebrauchte in denselben >e zeigt Wein« en festhaftende . Im ersten iner Flaschen« g gewaschenen soll man nie und Papier« haben nur bet ; einen ZmL. nn man etwa» ach muß man Eingießen zu i6 angegriffen so kann man )es Farbstoffes durch beten er locker wirb. ! könnten auch den schlechten Frau, als er . kann, was er -, koche etwas i eine neue Mode ebenso wie die Diobe" bei aller :(t sich um aller- i ig Patten oder : einer Weste, ir llen kann. mit dem » ngen zur AnM len Toiletten us e Formen dies» „Wiener Kinder Verlage erschien iums der „Neuen bestimmt ist und vird. lir Alle" bringt „Schwänzen, chten- Klar und ijroßspecnlationen ; hin und wieder sfrauen so nnan- rsachten. ) in Gießen. L8VL üiiiilieril'luller rim .Unterhaltungstilalt zum Gießener Anzeiger (Geneml-Anzeigech. Die Tochter tzes Meeres. Äem. - • lFortschimg.) XXXVIII. »St 1 St! . . . ° Sind Sie allein?" drang er wie die Musik einer Aeolsharfe an Nettas Ohr, während das heftige Klopfen ihres Herzens ihr das Nahen eines guten Bekannten verrieth. Rupert Falkners romantische, schmeichelhafte Verehrung und Huldigung hatte ihr phantastische« Gemüth mehr gefeffelt, es vielleicht ein schicklicheres Huldigen vermocht hätte, und die Abgeschlossenheit, in der sie jetzt gehalten wurde, trug nur dazu bei, ihre Gedanken immer und immer wieder zu dem Zungen Fremden zu lenken. Wie electristrt sprang sie vom Stuhle auf. "Zupert I« rief sie aus Ist es möglich? .... Doch nicht sicher. Mein tyrannischer Onkel würde Ihnen sofort die Thür weisen, wenn er Sie hier fände." gehorchte insofern, als er möglichst ge« 3tmwer fam' um welches eine Veranda gleich einer Laube lief. - Ä8 ?ann ja höchstens mir schaben, Theuerste," sagte er und schaute Lord Faros Tochter mit bewunderndem Blicke an. t it mut gerftbe in dem Alter, in dem jeder Monat die M> ete'n SUe'Ä*' 6*”b “”b bm6 >"* * eim Spionage und Tyrannei. Wenn Onkel Treville mich von ttMch^ehf.3®6!611 fernhalten will, kann er mich lieber gleich in ein Kloster bringen." Der junge Mann lachte. "Das wäre eine schwere Aufgabe," rief er. Aber" fügte er in traurigem Tone hinzu, „wie darf ich wagen so zu «den? Erbin eines edlen und reichen Geschlechtes, - sollte nie wieder versuchen, Sie »u leben ea uuch nicht thun, wenn Sie im sollen Glücke schwelgten und von Zärtlichkeit und Liebe umgeben wären." „Es ist also Mitleid, nur Mitleid?" erwiderte das Mädchen schalkhaft. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt und bin tzJhnen seht dankbar dafür, Herr Rupert." 'Mit diesen Worten machte sie einen tiefen Knix, dessen scherzhafte Anmuth den jungen Mann halb ärgerte, halb entzückte. „Rein, Retta, nicht Mitleid," versetzte er ernst. „Der Himmel weiß, daß — zu meinem Kummer — mir eine solche Freiheit von den Qualen der Liebe nicht beschieden ist. Das ist stets mein Unglück gewesen. Retta, von diesem Augenblicke ?x^a£äre V urich für Ihren Ritter, der Sie vor all' dem schädlichen Einfluß schützen will, der Sie umgibt. Und ich verlange nichts von Ihnen, als Vertrauen." „Und wenn ich in der Roth zu Ihnen schicke, wollen Sie dann meine Partei nehmen, Rupert?" sagte sie in dem kindlichen Tone, den sie noch immor annahm, wo es ihr paßte. „Sie können auf mich vertrauen," erwiderte er liebevoll. „Wollte Gott, ich nähme eine gleich hohe Stellung im Leben ein wie Sie, und ich könnte bei Ihnen mein Glück zu finden hoffen. Aber ich bin von niederer Herkunft. Meines Vater« erinnere ich mich gar nicht, obwohl ich oft fein Bild gesehen habe- Aber ich habe da» Herz und den Kopf auf dem rechten Flecke und besttze einen starken Arm und einen festen Willen, der meiner Retta einst zu statten kommen kann." „Wollen Sie mir versprechen, mir nicht böse sein zu wollen, wenn ich thun muß, was Tante Emily wünscht? Ich wäre so unglücklich, wenn ich Sie beleidigte und wenn Sie auf mich böse würden." Ihre weiße Hand lag auf seinem Arm und ihr liebliches Kindergesicht blickte innig fragend zu ihm auf. Die rothen Lippen waren halb geöffnet und die blauen Augen mit den langen, seidenen Wimpern entfalteten die klare Schönheit ihres tiefdunklen Glanzes. „Sie sind ein Engel, liebe Retta! Ich wäre ein Unmensch, wenn ich in dem, was Sie thun, sagen oder denken, etwas zu tadeln fände," antwortete er. „Vertrauen Sie mir und Sie werden bald die Folge davon sehen," fuhr er fort und wagte ihre Hand in die seine zu nehmen, was sie ihm nicht wehrte. „Es ist wenigstens ein heller Sonnenstrahl für mich, gibt mir Interesse am Leben, wenn ich über Ihr Glück wachen darf, während Andere Sie quälen und tyrannifiren. Sie «erden 310 nicht die Wolke vergrößern wollen, die über meiner Zukun schwebt, indem Sie mir dieses Glück versagen?" „Nein!" sagte ste mit leiser, sanfter Stimme. „Aber ver- lassen Sie mich nicht . . . vergessen Sie nicht JhrVer- sprechen! Ich bin vereinsamt, so unglücklich! Wollen Sie in meiner Nähe bleiben, geliebter Rupert und Ls mir ermöglichen, Sie rufen lassen zu können, wenn ich in der Noch bin? — Onkel Treville ist ein düsterer Tyrann und Tante Emily ist so launisch, daß ich zu keinem von Beiden Vertrauen habe." Er zog einen kleinen filbernen, mit Perlen besetzten Pfeil hervor, ungefähr acht Zoll lang und außerordentlich fein ge- arbeitet, und sagte: „Wenn Sie diesen Pfeil in den großen Nußbaum stecken, den ich am Ende von Ihres Onkels Besitzung dicht am Teiche sah, so werde ich stet» in wenigen Stunden bei Ihnen sein. Ich werde täglich mehrmals nach dem Baume sehen und sobald ich das Zeichen bemerke, sofort zu Ihnen eilen." Netta betrachtete das Kleinod voll Interesse- „Wie hübsch und eigenthümltch!" sagte ste, scheinbar mehr mit der Schönheit des Pfeils als mit den Worten seines Eigen« thümers beschäftigt. „Wollen Sie ihn mir schenken, Rupert? Er ist gar zu reizend!" Ruppert schüttelte den Kopf- „Ich erfüllte gern jeden Ihrer Wünsche, Netta," sprach er, „aber diesen Wunsch zu erfüllen liegt außer meiner Mach^ Ich habe versprochen, den Pfeil niemals wegzugeben und ich wage nicht, mein Wort zu brechen." „So ist es ein Liebespfand?" fragte sie eifersüchtig. „Ein Liebespfand! Vielleicht .... wenigstens hoffe ich eel“ sagte er mit mattem Lächeln. „Aber nicht in dem Sinne, wie Sie es meinen. Es war ein Geschenk meiner Mutter, als ich zum ersten Mal die Heimath verließ ... sie bat mich damals, mich auf keinen Fall von dem Kleinod zu trennen. Aber es wird mir kostbarer sein denn je, wenn es in Ihrem Dienste verwendet worden fein wird. Jetzt aber muß ich Sie verlassen.“ , .. _ . Netta reichte ihm mit aufmunterndem Lächeln die Hand und er drückte sie feurig an feine Lippen. „Verzeihung! Es ist nur die ehrerbietige Huldigung meines Herzens,“ flüsterte er, ließ ihre Hand los und verließ rasch das Zimmer auf demselben Wege, auf dem er gekommen war. robe gibt." „Es zeigt nur, wie sehr er mich schätzt, daß er die Retterin meines Lebens so belohnt,“ entgegnete Trissa. „Ich kann Deine Besorgniß durchaus nicht theilen, Mama, und ich stnde wirklich, daß es bei uns viel hübscher ist, seitdem Cora hier ist.“ Ihre Mutter gab keine Antwort- Trissa war zu inng, als daß sie ihr hätte de« Hauptgrund ihrer Besorgniß mit« theilen mögen, daß ihr Sohn der Anziehungskraft des fremden Mädchens zum Opfer fallen könne. ...» „ „Run, ich denke, Du ziehst, so lange sie hier ist, möglich!i viel Nutzen aus ihrem Umgang,“ sprach ste endlich. „Es bedarf all' unseres Tactes und der größten Vorstcht, um vte gefürchteten Unannehmlichkeiten zu vermeiden." Zu Frau Dtgbyr Verwunderung wurde ihre Mittymung „S eiert Sie versichert, daß die Frau nur zu gern so böse Mittheilungen gemacht hätte. Ich bin ganz anderer Meinung. Sie hält mit ihrer Mittheilung nur zurück, um von Ihnen jede Belohnung, die sie dafür verlangt, herauszulocken." XXXIX. „Ich weiß wirklich nicht, was ich thun soll, meine liebe Trissa," klagte Frau Digby, indem sie mit einem Brief in der Hand in das Schlafzimmer ihrer Tochter trat, als die junge Dame soeben ihre Morgentoilette beendete. „Lies hier, was Onkel Fülle schreibt! Es war aber auch zu ärgerlich, daß Du an dem Tage so einfältig warst. Wenn das nicht gewesen wäre, würden wir mit diesem Mädchen, das uns so in Verlegenheit setzt, gar nicht in Berührung gekommen sein." „Aber, Mama, ich that es doch nicht absichtlich," erwiderte, Trissa munter, denn ihr leichtfertiger Character ließ sich nicht so rasch einschüchtern, wie ihre weiter in die Zukunft sehende Mutter. „Und Du solltest mich nach der Gefahr, in der meine kostbare Person schwebt, nur noch höher schätzen. Aber sag', was kümmert Dich denn?" setzte sie hinzu und ließ von dem Arrangement ihres glänzenden Haares ab, um den ihr gereichten Brief in Empfang zu nehmen. „Das wirst Du gleich sehen, wenn Du das gelesen hast. Ich glaube, Dein Onkel ist von dem fremden Mädchen bezaubert und ich muß gestehen, auch ich fange an, ste lieb zu gewinnen .... wenn man nur wüßte, wer sie ist,“ entgegnete die Mutter. Triflas glänzende Augen flogen rasch über die Zeilen. „Nun, Mama. Onkel Fulke labet uns zu einem großen Empfangsabend in sein Haus,“ sagte sie, das Billet zurück- gebend, „und bietet uns — das heißt Cora und mir — neue Kleider auf seine Kosten an. Was willst Du mehr? Ich werde mir das Schönste, was in ganz London zu haben ist, aussuchen. Der gute alte Onkel! Er beschränkt uns nicht im Preise!“ Trissa schlug in kindlicher Freude die Hände zusammen. Ihre Mutter griff ärgerlich nach dem Brief. „Ich sollte meinen, Du wärest zu alt für solche Kindereien, Trissa. Ich dachte nicht an das neue Kleid, denn . . -" „Denn das werde ich bis in mein spätestes Alter zu würdigen wissen," unterbrach sie die junge Dame. „Neberlege doch, Mama! Was soll ich nehmen? Hellblaue Seide mit weißen Spitzen wäre passend, da es doch kein Ball ist, und es werden gewiß eine Menge alte Admirale und alte Damen da sein. Aber, Mama, was bekümmert Dich denn?" fragte sie, indem sie ihre Arme plötzlich um den Hals der gereizten Dame schlang und deren sorgenvolles Gesicht küßte. „Es ist schon gut, mein Kind!“ sagte Frau Digby und mußte unwillkürlich lächeln. „Siehst Du denn nicht, daß das Alles sehr eigenthümlich ist? Onkel Fulke hat uns bisher noch nie in dieser Weise eingeladen.“ „Und was schließest Du au» dieser plötzlichen Umwandlung seiner Ansichten?" fragte Trissa heiter- „Es beweist, welche auffallende Zuneigung er zu dem fremden Mädchen gefaßt haben muß. „Ich finde aber auch, daß er ihr übertrieben viel Geld zur Bestreitung ihrer Garde- Es war vielleicht seltsam, daß zu derselben Stunde, in der die beiden jungen Leute diese Gedanken austauschten, der Lord Graf Treville dem Bericht seines treuen Abgesandten lauschte. „Nun, Ponsford? Fassen Sie stch kurz. Was haben Sie in Erfahrung gebracht?“ fragte er hastig. „Ich will keine lange Geschichte ... ich möchte nur das Resultat hören- „Ich habe leider sehr wenig erfahren, Mylord. Ich habe mit Frau Falkner gesprochen, Sie gesteht, ^aß sie die Dame in ihrer Obhut gehabt hat und daß diese auch ein Kind bei ihr geboren .... aber ste weigert sich, zu sagen, ob es ein Knabe oder Mädchen war und ob das Kind todt ist oder noch lebt. Sie will erst dann sprechen, wenn der rechte Augenblick dafür gekommen sein wird. Meiner Meinung nach wartet sie noch auf eine große Belohnung oder auf einen be« stimmten Zeitpunkt, wo sie glaubt, noch mehr Nutzen au» ihrer Mittheilung ziehen zu können.“ Der Graf überlegte einige Augenblicke; allmälig nahmen seine Züge einen noch düstereren Ausdruck an. „Ich fürchte noch Schlimmeres als das, Ponsford!" sprach er. „Mir scheint, der unglückliche Sprößling des armen Opfers irrt vielleicht als Verbrecher in der Welt umher oder führt ein Leben voll Schande und Roth, was ich erst dann erfahren soll, wenn es mit aller Hoffnung auf Rettung vorbei ist. Es ist eine bittere Strafe für eine Jugendsünde, Ponsford, und doch habe ich mein ganzes Leben hindurch dafür gebüßt, wenn Reue, Einsamkeit, die Entbehrung aller Liebe, aller Freude und des inneren Friedens etwas abbüßen kann-“ „Mylord, trösten Sie sich!" sprach der Diener ernst. vön Baron Fulkes Einladung von Cora viel gleichgiltiger, als sie erwartet hatte, ausgenommen. „Sir Fulke ist sehr freundlich," lautete Coras Antwort, „aber ich ginge lieber nicht hin. Wollen Sie ihm das sagen, Frau Digby?" „Unmöglich, meine Liebel" entgegnete diese- „Wenn Sir Fulke es wünscht, Sie einzuladen, würde ihn eine Weigerung beleidigen. Wenn ich Sie recht verstehe, stimme ich Ihren Gründen vollständig bei. Doch ich wiederhole: Sie müssen hingehen I" Cora durchschauerte es fast bei dem Gedanken. Sie erinnerte sich nur zu lebhaft der einzigen großen Gesellschaft, die sie jemals besucht hatte ... des verhängntßvollen Balles in Villa Faro, der so viel Unglück herbeigeführt hatte. „Es thäte mir sehr leid, Sir Fulke zu kränken, aber ich ginge doch lieber nicht hin. Bedenken Sie, daß mir dort alle Leute fremd sind. Ich kann mich nicht in eine solche Gesell« schäft begeben. Ich sehne mich nur darnach, ruhig, unbekannt und ungestört sein zu können und Alles zu thun, was in meiner Macht liegt, um mich für Ihre Güte dankbar zu erweisen- Bitte, reden Sie Str Fulke zu, daß ich zu Hause bleiben darf." Frau Digby schüttelte den Kopf. „Ich kenne ihn zu gut, Cora. Er würde es Ihnen nie vergeben. Ihre Ansichten über Ihre Stellung und die Ver« hältnifle sind sehr richtig und machen Ihnen alle Ehre, aber für dieses Mal halte ich es doch für besser, nicht zu versuchen, Sir Fulkes Wunsch entgegenzutreten." „Wahrlich, das ist Sclaverei!" sagte Cora zürnend. „Lieber wäre ich in meiner früheren abhängigen Stellung ge« blieben, als daß ich mich hier der Gefahr aussetze, getadelt und verachtet zu werden. Doch das ist der Preis, den das arme Findelkind zahlen muß und es bleibt mir nichts übrig, als es so gut als möglich zu ertragen." Frau Digby sah sie verwundert an; sie hätte alles Andere eher erwartet als das. Sie hatte gemeint, das unbekannte Mädchen werde der Einladung und da- Anerbieten eines eleganten Gesellschaftskleides mit Freuden annehmen. Statt dessen sprach sie von Unglück und Sclaverei. „Es ist schwer, Sie zu verstehen, Miß Cora, doch sobald Sie so freundlich sind und Sir Fulkes Güte und Großmuth annehmen, brauchen wir nur noch ein Kleid für Sie zu wählen, denn wir haben gar keine Zeit zu verlieren. Meine Tochter wird wohl irgend eine matte Farbe tragen," fuhr sie fort. „Sie werden jedenfalls nicht dasselbe wählen?" „Nein, nein!" rief Cora erregt, als sie sich jenes unglücklichen Tages erinnerte. „Schwarz soll es sein .... das ist das Passendste und wird Niemandens Aufmerksamkeit auf mich lenken. Ist Ihnen das recht, Frau Digby?" „Was Ihre Toilette anbelangt, so läßt sich vielleicht meines alten Onkels Idee mit Ihren Ansichten verbinden- Ich halte ein schwarzes Spitzenkleid für ganz passend und dabei doch so elegant, daß meine eigene Tochter sich nicht zu schämen brauchte, es zu tragen. Sie und Trissa werden mich heute Nachmittag zu Madame Souton begleiten und^dort werden wir das für Sie Paffende wählen." Cora verneigte sich kalt. XL. Der ereignißvolle Abend war da- Wagen auf Wagen rollte vor Sir Fulkes Hause vor. Als seine Nichte Frau Digby mit ihren beiden Schützlingen eintrat, reichte Sir Fulke eben einem Diplomaten, den er auf seinen großen Reisen kennen gelernt hatte, die Hand und als er Frau Digby und deren junge Damen begrüßte, benützte er die Gelegenheit, sie seinem Bekannten vorzustellen. . , »Helene, meine Liebe, bitte, nimm Dich meines Freundes, des Grafen de Bsttune an," sagte er. „Triffa und ihrer Freundin wird es nicht schwer fallen, sich mit ihm zu unterhalten, obgleich er seine Muttersprache in seiner zweiten Hermath Italien fast vergeffen hat. Ist es nicht so, Herr Derselbe war hübsch und hatte ein sehr elegantes Aeußere. Für den Augenblick schien die goldhaarige Blondine des Grafen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber sehr bald wandte sich dieselbe Cora zu- „Vielleicht ist die Signora eine geborene Italienerin," sagte er in einem Tone, daß Cora sich kaum eines Lächeln» erwehren konnte. Sie gab die Antwort in so reinem Italienisch, daß ein Ausdruck hoher Freude seine gebräunten Züge erhellte. „Nun, wenn da« nicht der Fall ist, so muß ich Sie doppelt bewundern," sagte er. „Aber Sie haben vielleicht längere Zeit in Italien gelebt?" „Nein," lautete ihre Antwort, „keineswegs! Aber ich liebe die Sprachen und ich hörte in dem Hause, wo ich erzogen wurde, viel italienisch reden." Sie wurde durch Sir Fulke unterbrochen, der soeben zu ihnen trat. „Helene, wir möchten etwa» Musik hören," sprach er zu Frau Digby. „In dem Mustksaale steht ein herrlicher Flügel, eine Harfe und noch andere Instrumente." „Mein lieber Onkel, hättest Du mir die Ehre angethan, mich darüber zu befragen, würde ich Dir gerathen haben, bei einer so großen Gesellschaft zu diesem Zwecke ausübende Künstler zu laden," entgegnete Frau Digby, indem sie flüchtig nach Trissa hinsah und ihr Blick dann mit Unbehagen auf dem ruhigen Gesicht Coras haften blieb- „O nein I Das ist meiner Meinung nach stets eine große Beleidigung gegen seine Freunde," entgegnete der alte Baron. „Damit ist doch gewissermaßen gesagt, daß Keiner von ihnen das Talent hat, zu unterhalten- Kann Triffa nicht singen?" „Mein lieber Onkel, wie kommst Du auf eine solche Idee? Triffa ist noch ein halbes Kind und natürlich schüchtern. Vor einer so großen Gesellschaft — davon bin ich überzeugt — könnte sie keinen klaren Ton hervorbringen." „Daraus sieht man, daß sie mehr an die Zuhörer al« an die Musik denkt," bemerkte der alte Baron. (Fortsetzung folgt.) Madame Sans GAe. Roman nach Victorien Sardou und F. Morrra«. Deutsch von Adele Berger. (Fortsetzung.) Zweiter Theil. Aie Marketenderin. i. In der Postchaise- „Sie werden nicht anhälten, steh' nur, wie der Postillon seine Peitsche knallen ließ, als er vor dem „Schildthaler" vorüberfuhr, er schien uns zu necken." „Die Reisenden sind heutzutage nicht so zahlreich." „Man steht sie schon fast nicht mehr- Sie gehen scheint's, zum goldenen Löwen." „Oder ins weiße Roß." Ein doppelter Seufzer markirte diese Worte, die der rundliche Wirth des Hotels „zum Schildthaler" und feine schmächtige Gattin auf der Schwelle des größten Wirthshaufes von Demmartin melancholisch miteinander wechselten. Seit den Ereigniffen, welche dem 20 Juni gefolgt waren, waren Reisende in der Postchaise sehr selten geworden. Der Wagen, der den enttäuschten Augen der Wirths- leute vom „Schildthaler" entschwunden war, hatte Paris am Vorabende verlaffen, wahrscheinlich als der letzte, der die Barrieren passirte, denn der Befehl, Jedermann ohne Unter, schied am Verlaffen von Paris zu hindern, war Abends noti- sizirt worden, als der Entschluß gefaßt wurde, die Tuilerien am Morgen anzugreifen. Baron von Lowendaal, von seinen Freunden benachrichtigt, was in den Sectionsn vorging, und welche Bewegung stch vorbereitete, hatte seine Heirath mit der Tochter des Marquis von Lavaline verschoben und sich beeilt, seine Reise« Vorbereitungen za treffen. Als Generalpächter scheute er die nahe Controlle der Mandatare der Nation. Baron Lowendaal besaß eine feine Witterung. Am Vorabend de» 10. August warf er sich daher, von seinem Faktotum Leonhard begleitet, in eine Postchaise, indem er aller, war er an Geld zusammenraffen konnte, mit stch nahm und dem Postillon den Befehl gab, die ersten Relais vorübergehen zu lassen. Der Baron reiste wie Einer, der sich flüchtet. In Crepy mußte er jedoch Halt machen. Die Pferde konnten nicht mehr weiter. Der Morgen hatte die Nacht verjagt, und auf der Ebene fegte das Tageslicht bereits die Wolken hinweg und erhellte die Schatten. Die letzten Sterne erloschen auf dem blauen Hintergründe des Himmels, während auf der Seite von Soiffons die Sonne aufging. Baron von Lowendaal begab sich in fein Schloß, das in der Nähe des Dorfes Jemappes an der belgischen Grenze gelegen war. Von Geburt Belgier, wenn auch Fran« zoss geworden, fühlte stch der Baron dort in Sicherheit. Die Revolution würde ihn niemals auf dem belgischen Terri« torium suchen, außerdem hatte stch die Armee de; Herzogs von Braunschweig an der Grenze versammelt, die nicht zögern würde, die Sansculotten zur Vernunft zu bringen und den König in alle seine Vorrechte wieder einzusetzen. Er kam mit einer kurzen Aufenthaltsveränderung fort, gerade Zeit genug, um die reizende Tochter des Marquis von La- valine zu heirathen — eine einfache Hochzeitsreise. Sr hatte seine Hochzeit auf den 6. November festgesetzt, denn er mußte vorher in der Stadt Verdun, deren Tabaks« Pflanzungen er verwaltete, eine große Geschäftsangelsgenheit erledigen. Nach dem Verlassen von Pari» war er eingeschlafen, ganz sicher, daß er entschlüpfen könnte, wenn man zufällig versuchte, ihn zu verfolgen; seine Pferde waren ausgezeichnet und konnten nicht eingeholt werden. Er erwachte, al» bereits einige schützende Meilen zwischen ihm und den Sansculotten lagen. Die Nase am Wagenschlag, sog er die Morgenluft ein und da die ersten Häuser von Crepy bereits passirt waren, gab er ganz beruhigt dem Postillon den Befehl, Halt zu machen. ..... Dieser gehorchte von Herzen gern, es hatte ihn sehr gekränkt, daß er an den besten Schänken ohne einen Schluck, ohne ein Bischen Geplauder vorüber hatte fahren müffen. Und doch hatte er so viel zu erzählen I Es kommt nicht alle Tage vor, daß man Paris sich bewaffnen und sich anschicken steht, den König aus dem Schlosse seiner Väter zu delogiren. Ja, das waren Neuigkeiten! Wie hätte man ihm gelauscht und ihn regalirt, wenn er erzählt hätte, was stch in den Sektionen zutrug. Im Hotel «zur Post" wurde Relais gemacht. Während der Wirth und seine Leute herbsieilten, dem Baron ein Bett und ein Frühstück anboten, indem sts die verschiedenartigsten Erfrischungen aufzählten und sich mit un« ruhigen Mienen um ihn drehten, um Nachrichten aus der Hauptstadt zu erhalten, entfernte stch sein Vertrauensmann Leonhard auf einen Moment unter dem Vorwande, sich zu vergewissern, ob auch kein allzu neugieriger Bürger in der Umgegend umherschweife. Seit der mißlungenen Flucht des Königs nach Varennes waren nicht nur die Munizipalitäten viel mißtrauischer, sondern auch viele Private strebten nach dem Ruhme des Bürgers Drouet, der die Ehre gehabt hatte, Ludwig XVI. zu ver« hasten. Diese freiwilligen Wächter untersuchten und durchstöberten jeden verdächtigen Wagen. Eine Postchaise wat für die Wachsamkeit der Patrioten besonders geeignet. Zum Glück für den Baron war der lokale Patriotis« mus noch nicht aufgestanden, als die Postchaise lärmend in die gute Stadt Crepy-en-Valois einfuhr. Während der Reisende sich vor einer appetitlichen Taffe dampfender Chokolade niederließ, die eine stämmige Magd herbeitrug, hatte stch Leonhard im Stalle eingeschloffen. Dort begann er, das Licht einer Laterne benützend, in Muße den Brief zu lesen, den ihm Fräulein von Lavaline im Augenblick der Abreise anvertraut hatte. Man he hatte ihm, indem sie ihre Bitte mit zwei Doppel-Louisd'ors unterstützte, ans Herz gelegt, diesen wichtigen Brief erst abzugeben, wenn der Baron Paris verlassen haben würde. Leonhard, ein Geheimniß witternd, dessen Entdeckung ihm nützlich fein konnte, beschloß vorerst in dieses so ernste Schreiben Einsicht zu nehmen. Die Geheimnisse der Herren sind manchmal da« Glück der Dienstboten. Er hatte bemerkt, wie diese vom Baron gewünschte Heirath Fräulein von Lavaline peinlich war. Vielleicht be« fand sich in diesem ihm übertragenen Briefe eine ernste Enthüllung, aus der er in der Folge leicht Nutzen ziehen konnte. Kühn, aber mit gewissen Vorsichtsmaßregeln, um dem seltsamen Briefs später sein ursprüngliches Aussehen wieder zurückgeben zu können, brach er das Siegel, indem er sich der vorher an der Flamme der Laterne erhitzten Klinge eines Messers bediente. Er las und sein Gesicht drückte die tiefe Ueberraschung aus, in die ihn das enthüllte GeheimM Der Brief Blanches lautete folgendermaßen: „Herr Baron! Ich schulde Ihnen ein peinliche« Ge- ständniß, das ich Ihnen machen muß, um Sie nicht länger über mich in einer Illusion zu lassen, welche die Ereignisse bald grausam zerstören werden. Sie haben mir Ihre Neigung geschenkt und haben von meinem Vater die Einwilligung zu einer Heirath erlangt, in der Sie Ihr Glück, vielleicht Liebe zu erwarten hoffen. Das Glück ist für Sie in einer solchen Verbindung un- möglich; Liebe könnte ich Ihnen nicht versprechen, da mein Herz einem Anderen gehört. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen nicht den nenne, dem meine ganze Seele gehört, und als dessen Frau vor Gott ich mich betrachte. Mir bleibt noch ein letztes Geständniß: Ich bin Mutter, und nur der Tod kann mich von meinem Gatten, dem Vater meines kleinen Henriot, trennen. Ich folge meinem Vater nach Jemappes, weil er dies wünscht. Aber ich wage zu hoffen, das Sie, nun in Kennt- niß des unübersteigltchen Hindernisses, welches sich der Verwirklichung Ihrer Pläne entgegensetzt, mit mir Mitleid haben und mir die Schande ersparen werden, meinem Vater die wirkliche Ursache zu enthüllen, welche diese Heirath unmöglich macht. Ich vertraue, Herr Baron, auf Ihre Discretion als Ehrenmann. Verbrennen Sts diesen Brief und glauben Sie an meine Dankbarkeit, und an meine Freundschaft. Blanche." (Fortsetzung folgt.) Literarisches. Kommen Ladendiebstähle in großer Zahl vor? Diese interessante Frage wird in einer criniinalisten Skizze der bekannten Familienzeitschrift „gtit Guten BlltNde" (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong & So., Preis des Vierzehntagshestes 40 Pfg.) der Erörterung unterzogen. Der weitere Inhalt des vorliegenden neuen (23.) Heftes der beliebten Familienzeitschrift ist gleichfalls hochinteressant und fesselnd. Die Romane „Ecce ego — Erst komme ich!" von Ernst von Wolzogen und „Der Fremde" von Robert Kohlrausch gewinnen mit jeder Fortsetzung noch an Spannung, die Artikel sind durchweg von actuellem Werthe und die farbigen und schwarzen Illustrationen wie immer ganz vorzüglich. Die „Jllustrirte Klassiker-Bibliothek" (Gratisbeilage) mit Chamissos reizend illustrirten Gedichten schließt den reichhaltigen Lesestoff ab. Redaetion: A. Scheyda, — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schtyda) in Gießen.