Unterhaltungsblatt jum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). ii M- SL. rz? * H, ___________r-. Ms^^^^^^^WKMMWUWK-rLs^^M —■ —~: xaguu's W iM kM MM 'M nebm^i^^r^" Belfort hatte sich einstweilen in einem vor« nehmen Hotel in Folkestone niedergelassen. hrt6 (Ä war bei ihr, obwohl sie wiederholt bemerkt hatte, baß sie sich nicht verpflichten könne, dauernd bei ihr zu bleiben. Ersch^fung ^erhott^E ®tä^n ^tte sich einigermaßen von ihrer Die Tochter des Meeres. Seme* wn X. Steel«. (g*rtfett*e.) rt '-Ja," lautete die Antwort Coras. „Wenigstens ist es sehr bekannt, daß . . . ich meine, die Umstände des Unglücks sind zu bekannt, als daß ich mich ihrer nicht erinnern sollte. Aber ich glaubte .... ich glaubte gehört zu haben, seine Mutter sei tobt?" Die Fremde lächelte matt. „Es ist ein Jrrthum," sagte sie, „obgleich ein sehr natürlicher. Meine Gesundheit war schon lange vor meines Gatten Tod bedenklich erschüttert und als ich sah, daß ich infolge meines Leidens bei der Erziehung meines Sohne» gänzlich unnütz war, beschloß ich, in dem milden Klima Egyptens Zuflucht zu suchen und jede Verbindung mit der Außenwelt abzubrechen. Das ist die Ursache von dem Gerücht, das Ihnen zu Ohren gekommen ist. Aber," fügte sie hinzu, „jetzt ist keine Zeit, über derartige Dinge zu sprechen und ich möchte letzt wohl lieber ein wenig ruhen, statt zu sprechen. Gott sei Dank... der Sturm hat sich auch gelegt." Und sie sank in die Kissen zurück und schloß die Augen, sitzen und beobachtete sie sinnend, noch nicht entschlossen, was sie selbst wohl nun thun sollte. Jetzt hatte IuxeS^!;n8 e^e Gelegenheit, Lord Belfort die Friedens- botschast zukommen zu lassen, mit der sie beauftragt war; doch Mutter de» Flüchtigen sagen, daß sie ihren ÄS» genau gekannt hatte und daß sie die eigentliche Ursache seiner Gefahr und seines . . . Verbrechens war, wenn man es so nennen sollte? k-x^^rstrich rasch und am folgenden Tage ging die Fahrt sehr glücklich von statten. Sie saß auf dem Sopha und ihr Auge ruhte mit halb fragendem, halb mißtrauischem Blick aus Cora. „Cora — da das Ihr Name ist, wenn ich mich recht entsinne," Hub sie an, „Sie gaben mir auf dem Schiffe zu verstehen, daß Ihnen die Vergehen meines armen Sohne« nicht ganz unbekannt sind. Sagen Sie mir offen die Wahrheit, wie ich das von den einfachen Naturkindern, unter denen ich gelebt habe, gewöhnt bin! Kannten Sie meinen Sohn? Ich meine, welche Banden bestanden zwischen Ihnen Beiden, daß Sie bei der Mittheilung, ich sei seine Mutter und beabsichtige, ihn aufzusuchen und die ganze Wahrheit, so weit sie ihn betrifft, zu erfahren, eine solche Verwunderung und Erregung verriethen?" Coras liebliches Gesicht erröthete leise. Aber sie bezwang ihre Erregung und versetzte in leisem, aber festem Tone: „Sie werden sich wohl kaum denken können, daß vielleicht Niemand auf der ganzen Welt Lord Belforts Unglück und Alles, was damit zusammenhängt, so genau kennt wie ich. Die Veranlassung zu der Gefahr, der er erst jetzt entgangen ist, gab ein unglückseliger Jrrthum und Streit, an dem ich unschuldig Theil hatte. Und ein gütiges Geschick gab mir die Mittel, ihm zur Flucht zu verhelfen." Lady Belfort richtete sich überrascht von ihrem Lager auf. „Sie!" rief sie. „So ist das Gerücht wahr, das mich erreichte und es war eine Eifersuchts-, eine Liebesaffaire, die meinen armen, irregeleiteten Ernst in's Unglück stürzte!" „Ich gestehe, mir kommt es nicht zu, über etwas zu ur- theilen, was mich selbst so nahe angeht," antwortete Cora ruhig, „aber Lord Belfort wird Ihnen den wahren Sachverhalt mittheilen. Ich kann weiter nichts sagen, als daß ich noch jetzt sehnlich wünsche, ihn ausfindig zu machen und ihm die Botschaft zu überbringen, mit der ich beauftragt bin und die ihn hoffentlich von jeder weiteren Sorge befreit." „Und wer-sind Sie? Da» zum mindesten zu wissen habe ich als seine Mutter wohl ein Recht," sagte die Gräfin. Cora schwieg einige Augenblicke. „Ich kenne Sie zu wenig," erwiderte Cora endlich. „Wie kann ich Ihnen da das theuerste Geheimniß meines Herzens anvertrauen? Sie können mich verrathen, wo es von größter Wichtigkeit ist, daß das, was ich Ihnen zu vertrauen hätte, völlig geheim bleibt." sie, wenn sie nach England zurückkehrten, eher nach Schloß Treville gehen würden, als an diesen unglückseligen Ort." „Ich hörte, daß sie des verstorbenen Lord Faros Angelegenheiten ordnen wollen. Sie wiffen vielleicht nicht, daß än Schriftstück existirt, welches erst geöffnet werden sollte, wenn Miß Netta siebzehn Jahre alt ist. Jetzt hat sie das bestimmte Alter erreicht. Darum zweifle ich auch nicht, daß Graf Treville wegen dieses Schriftstückes hierhergekommen ist." Lady Marston antwortete nicht sogleich. Sie verglich vielleicht ihr Schicksal mit demjenigen Nettas. Frau Aston wollte sich eben zurückziehen, als Schritte in der Halle hörbar wurden und der Diener raschen Schrittes mit einer Karte auf dem silbernen Tablett eintrat, welche die Haushälterin in Empfang nahm und sie der Gräfin mit kaum zu verbergender Neugier, wie dieselbe diesen Besuch wohl aüf- nehmen würde, überreichte. Die Karte trug den Namen des Mannes, der soeben der Gegenstand der Unterhaltung gewesen war, des Grafen von Treville. „Wollen Sie ihn empfangen, Mylady?" fragte die Haushälterin. „Ja," versetzte die Gräfin etwas unbehaglich, „ja, aber nicht hier. Führen Sie ihn in das Bibliothekzimmer. Das ist ein paffender Ort für eine geschäftliche Unterredung . - • denn nur eine solche führt vermuthltch den Grafen Treville zu mir." Graf Trevilles Gruß, als er der Lady gegenüberstand, war sicherlich viel freundlicher, aber nicht weniger verlegen, als bei der früheren Unterredung in Cannes. „Sie werden mein Eindringen verzeihen," Hub er an, „da es sehr dringende Geschäfte sind, die mich herführen, Lady Marian. Und da ich nicht länger als nothwendtg auf Villa Faro bleiben werde, bekämpfte ich meine geheime Abneigung gegen einen solchen Besuch und kam lieber selbst, al» daß ich meinen Auftrag einem Anderen anvertraut hätte." Marian verneigte sich schweigend. Der Graf nahm den Stuhl an, den sie ihm neben dem ihrigen anbot. „Es scheint," fuhr er fort, „ein seltsames Verhängniß über meines Bruders und meinem eigenen Schicksal zu schweben, Lady Marston, da» uns gewissermaßen Ihnen und den Ihrigen näher gebracht. Und die Entdeckung meines eigenen, längst verloren geglaubten Sohnes ist kaum eigenthümltcher als das, was ich Ihnen mitzutheilen habe." Marian fühlte, wie ihr bei dieser erschreckenden Einleitung alle Pulse schlugen. Die frühere Geschichte ihrer Familie war von so viel Gehetmnißvollem umgeben, daß es wohl kein Wunder war, daß sich ihrer bei jeder Anspielung darauf ein schmerzlicher, banges Gefühl bemächtigte. „Sie sind sehr gütig, Mylord. Gewiß ziehe ich vor, die Mittheilung von Ihren eigenen Lippen zu hören," sagte sie Ma» wünschen Sie von mir?" fragte die Gräfin. „Ist es nicht genug, daß ich eine Dame bin, deren lgnges Leben jederzeit im Einklang mit ihrer vornehmen Herkunft gestanden hat? Kind, noch nie habe ich meine Lippen mit einer Lüge befleckt. Wenn ich Ihnen mein Wort darauf gebe, daß ich Alle», was Sie mir sagen werden, treu bewahre, so ist das so gut wie ein Gelübde, das nur mit Ihrer Einwilligung gebrochen werden kann." Der milde Ernst in der Gräfin Blick und Miene nahm Cora mehr für die Dame ein, als fie selbst einer Fremden gegenüber für möglich gehalten hätte. „Es ist im Grunde ja gar nicht von so großer Wichtigkeit," rief sie endlich in ungeduldigem Tone, aus dem mehr Selbstverleugnung als irgend ein anderes Gefühl sprach. „Es ist thöricht von mir, vor irgend einer Gefahr zurückzufchrecken, wo ich nichts zu hoffen und so wenig zu fürchten habe. Ja, Lady Belfort," sprach sie weiter und warf sich, von einem plötzlichen Impuls getrieben, vor der Gräfin auf die Knie, „es ist hart, sehr hart, von den Reinen und Edlen unseres Geschlechts verachtet und verkannt zu sein und zu sehen, wie sie sich mit einer wahren Abneigung von Einem wenden ... doch ist nothwendig, daß Sie Alles wissen." Und mit beredter Zunge und gutgewählten Worten, die ihr aus dem tiefsten Herzen kamen, erzählte Cora die ganze traurige Geschichte ihres Lebens und ihrer Leiden und der Ereignisse der letzten Monate, die in ungekünstelter Weise ihren Muth und ihre Aufopferung, die sie dabei bewiesen, zeigten. Lady Belfort hörte ihr aufmerksam zu. „Und Sie retteten ihn? Retteten meinen Sohn?" fragte sie ruhig, als Cora schwieg. „Ich konnte wenigstens die Gefahr abwenden, in der er sich befand," versetzte Cora bescheiden. „Und Sie verließen ihn nicht eher, als bis er sich unter anderem Schutzs befand?" Cora neigte bejahend den Kopf. Wieder herrschte eine Weile Schweigen, obwohl die bang klopfenden Herzen Beider mehr als Worte die Aufregung bewiesen, in der sich beide Damen befanden. Cora schrack unwillkürlich zusammen, als der Gräfin Stimme wieder durch die Stille drang. „Cora, ich will Ihnen so zuversichtlich glauben, wie ich mir selbst glauben würde," sagte sie, „aber als Ernsts Mutter möchte ich Sie um aufrichtige Antwort auf eine Frage von mir bitten, und hieraus werde ich sehen, wie weit ich Ihrer Mittheilung Glauben schenken dars: Geschah diese heroische That Ihrerseits aus Liebe zu meinem Sohn?" Cora ließ den Kopf sinken.... sie konnte nicht den forschenden Blick der Mutter des Mannes ertragen, den sie liebte und der ihr — das wußte sie — theurer war als Alles auf Erden. Endlich verließ sie ihre Kraft und ein Strom von Thränen erleichterte ihre Brust. LXVI. „Haben Sie gehört, daß Graf Treville, fein Sohn und Miß Netta zurückgekehrt und in der Villa find, Mylady?" fragte Frau Aston, indem sie noch ein wenig in dem Boudoir der Gräfin verweilte, nachdem fie ihre Befehle für den Tag erhalten hatte. Marian war wieder feit einigen Wochen in ihrer alten Heimath; die Begräbnißfeierlichkeiten waren vorüber und eine traurige Leere schien sich gleich einem Leichentuch über ihr ganzes jetzige« und zukünftiges Leben auszubreiten. Frau Aston ahnte vielleicht, daß noch ein anderer Kummer als die Trauer um den Vater ihre junge Herrin drückte und ' die überraschende Mittheilung der Rückkehr Netta» zielte hauptsächlich darauf hin, Lady Marston ein wenig au» ihrer trüben Stimmung zu reißen. Marian nahm hastig die Hand von dem Buche, da» sie vor sich liegen hatte. „Wirklich? Was mag sie hierhergeführt haben, Frau Aston?" fragte sie voll Interesse. „Ich hätte geglaubt, daß in gedämpftem Ton. „So dachte ich ebenfalls und gewiß kommt es mir auch zu, die Bitte meines unglücklichen Bruders auszuführen, wenn sie auch die Wiederholung seiner Geständnisses enthält," fuhr der Graf mit fester Stimme fort. „Es scheint nämlich, daß einst mein unglücklicher Bruder ein Nebenbuhler der beiden Brüder war, deren traurigem Schicksal Ihr Vater den Besitz Ihrer Ländereien und Ihres Titels zu verdanken hat. Ohne Zweifel haben Sie von der verhängnißvollen Schönheit Miß Merricks gehört, welche schuld an einem Streit zwischen den Söhnen des damaligen Lord Marston war und die auch meinen eigenen unerfahrenen Bruder berückt zu haben scheint?" Der Graf wartete auf ein bejahendes Zeichen der jungen Dame und fuhr dann fort: „Das erklärt die auffallenden Verfügungen und Mittheilungen des Schriftstückes, welches mein Bruder hinterlassen hat und das ich erst gestern gelesen habe. Es wirft viel Licht auf die Geschichte Ihrer Familie und Wieder hielt er inne und Marian wurde ungeduldig über sein langes Zögern. _ .. „Verzeihen Sie, Mylord . . . aber die größte Güte, die Sie mir erweisen können, ist, mir rasch die Wahrheit zu - 363 - • - * sagen/ bemerkte sie erregt. „Ich bin nicht so schwach, daß ich nicht das Schlimmste, was Sie mir möglicherweise mit« Meilen haben, ertragen könnte, obwohl ich kaum glaube, daß es mich so tief berührt, als Sie zu meinen scheinen." Graf Treville lächelte bitter. „Ich habe nur Ihrer Bitte zu gehorchen, Lady Marston/ fuhr er fort, „und das will ich in möglichster Kürze thun. Die ganze Angelegenheit ist einfach folgende: Es scheint, als sei mein Bruder einst ein eifersüchtiger und gleichzeitig groß« müthiger Bewerber gewesen, denn als die erste Verzweiflung über die Gewißheit, daß Miß Merrick für immer für ihn verloren sei, vorüber war, ist er ehrenwerth genug gewesen, in einem höchst kritischen Moment die Rolle eines Bruders und Freundes Miß Merrick gegenüber zu übernehmen. Er war sowohl bei der geheimen Trauung von Philipp Biddulph und Miß Merrick, als auch bet der Taufe ihres Kindes als Zeuge zugegen . . , bevor sie in ein fernes Land zogen, wozu sie gezwungen waren. Und in dem Packet, das nicht eher geöffnet werden sollte, als bis seine Tochter das bestimmte Alter erreicht haben würde, befanden sich unter Anderem Zeugnifle über diese Ereignisse, die er aufbewahrt hatte für den möglichen Fall, daß sie nöthig werden könnten . . . welcher Fall denn auch eingetreten ist. Sie werden einsehen, daß ich jedenfalls verpflichtet bin, den testamentarisch hinterlassenen Weisungen meines Bruders zu folgen und ehe ich das thue, fühle ich mich verpflichtet, Sie davon in Ksnntniß zu setzen, daß wahrscheinlich ein Erbe lebt, der auf die Titel und Reich- thümer, die Sie besitzen, Ansprüche erhebt. Es scheint, daß Philipp Biddulph eine geheime, aber völlig legale Ehe mit Miß Merrick einging, lange bevor sie England verließen und das Kind geboren wurde, dessen Pathe mein Bruder war. Aber nachdem dies Alles geschehen war, sie ihre Heimath verlassen hatten und der Einfluß, den Frau Biddulph auf ihn schien ausgeübt zu haben, vergangen war, regte sich in meines Bruder» Seele von neuem die Bitterkeit enttäuschter Liebe. Dann vernahm man nichts als hie und da einige Nachrichten über den Schiffbruch den Dampfers, auf dem sie sich befunden hatten, und sie und ihr Kind schienen tobt und vergessen zu sein. Das dem Zeugniß beigefügte Memorandum theilt mir den Namen des Schiffes mit, auf dem sich das junge unglückliche Paar befand, und obwohl ich nach dem, was mein Bruder sagt, eher vermuthe, daß er das Packet hinterließ, um sich an Miß Merrick zu rächen, so habe ich doch volle Beweise, daß das in Frage stehende Schiff Schiffbruch litt und auch, daß es noch gar nicht so sicher ist, daß das Kind auch wirklich mit seinen Eltern umkam." „Sie wollen mich darauf vorbereiten, daß ich meiner Stellung keineswegs sicher bin und daß möglicherweise ein anderer Erbe der Biddulph» am Leben ist?" sprach Lady Marian leise. „Ich gestehe, daß das meine Absicht ist," war des Grafen Antwort. „Darf ich fragen, ob das Kind ein Knabe oder ein Mädchen ist?" fragte sie endlich. „Ein Mädchen," versetzte der Graf ernst. Ein seltsamer, unerklärlicher Schmerz erfüllte bei dieser Antwort Lady Marians Brust. "So darf ich wohl annehmen, daß Sie glauben, das i? ’m, a.m ^ben und in der Lage, feine Identität zu be- weifen? sagte sie mit heiserer Stimme. „Ich glaube, es lebt .... aber was die Beweise an- belangt, kann ich mir darüber kein Urtheil anmaßen," entgeg« nete der Graf. „Es genüge, Lady Marston, daß ich Sie vor den Thatsachen, die zu meiner Kenntniß gelangt sind, gewarnt iwt ;r ’ ' im Uebrigen muß ich die Entscheidung einem höheren ""heil und einem maßgebenden Richterspruch überlassen." Lady Marston lächelte spöttisch. „Beruhigen Sie sich, Mylord. Ich werde in keinen Streit « geblichen Erbin gerathen,. sobald ich von dem Recht überzeugt bin," sagte sie. „Aber allerdings v” aa$ nicht gesonnen, das Erbtheil meiner Vorfahren einer Betrügerin zu überlassen, sogar wenn dieselbe sich auf Lord Faros eigenthümliches Vermächtnis an seine Tochter stützen kann." . Graf Treville verneigte sich und stand auf, um sich zu verabschieden. „Ich habe eine schmerzliche Pflicht damit erfüllt, daß ich Sie gewarnt habe, Lady Marston," sprach er, „und es wäre ebenso betrübend für mich, wenn ich gezwungen sein sollte, meines Bruders ernster Bitte nachzukommen und zu finden, baß die erhobenen Ansprüche unzweifelhafte Berechtigung haben. Wenigstens werden Sie mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, mir das zu glauben, Lady Marston?" „Ich muß Ihnen glauben, Mylord," erwiderte sie, „aber ich kann nicht versprechen, Ihre Meinung zu theilen, so befriedigende Gründe Sie auch dafür zu haben meinen." LXVII. „Wirklich, Mama, Du hast sehr unklug gehandelt," sagte Triffa Digby eines Morgens, indem sie die Zeitung auf den Tisch warf. „Lies hier diese Anzeige, worin eine hohe Belohnung versprochen und Cora dringend gebeten wird, sich bei ihren Freunden zu melden, da sehr wichtige und erfreuliche Miitheilungen ihrer harrten. Denke nur, wenn Monsieur Beauclerc Recht hätte und sie sich als eine reiche Erbin entpuppte." „Du bist ein phantastisches Kind, Trissa," erwiderte Frau Digby. „Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Aufforderung eine Art Falle ist, um diese Cora einzufangen. Doch trotzdem müssen wir der Sache einigen Glauben schenken. Wie, wenn wir die Bekanntmachung sowohl Deinem Onkel und dem Herzog von Dunbar, als auch Lord Belfort zuschickten, da das Geheimniß jetzt ja allgemein bekannt zu sein scheint und sie zweifellos mit des Grafen Flucht nach dem Duell zu thun hatte ... ich erinnere mich genau, davon in den Zeitungen gelesen zu haben und außerdem habe ich auch einige Beweise, von denen Niemand etwas ahnt .... ich besitze eine kleine Kette, die sie zurückgelaflen hat." Sie nahm ein kleines Kästchen aus ihrer Tasche, da» eine goldene Gliederkette enthielt, auf welcher zwei Buchstaben eingravirt waren, die man aber mit dem bloßen Auge nicht entziffern konnte. In diesem Augenblick wurde heftig an der Hausklingel gezogen und gleich darauf der Herzog von Dunbar gemeldet. „Ah, Durchlaucht, Sie sind uns sehr willkommenI" begrüßte Frau Digby ihn erregt. „Soeben beklage ich meine Hilflosigkeit, nicht so, wie ich wollte, in Bezug auf da» Mädchen handeln zu können, das Jeden, der es kennen lernte, so ungemein interesstrte." „Sie sprechen vermuthlich von Miß Cora, an welche im heutigen Morgenblatte eine Aufforderung erging, die mich zu Ihnen führt," erwiderte der Herzog sehr kühl. „Durch Sie, Frau Digby, möchte ich mich versichern, wo sie möglicherweise zu finden ist. Wenn ich mich nicht irre, waren Sie die Letzte, unter deren Obhut sie lebte; da werden Sie jedenfalls auch wissen, wohin sie sich dann gewendet hat." (Schluß folgt.) Madame Sans Gsne. Roman »ach Victorten Sardou und F. Morr»«». Deutsch von Adel« B«r»er. (Fortsetzung.) Gossin antwortete achselzuckend: „Geduld! Der Herzog von Braunschweig wird uns ihrer bald entledigen." Und er fügte hinzu: „Wenn nur diese losgelaffenen Teufel nicht da« Bombardement herbeiziehen." Im selben Augenblicke fuhr ein rother Lichtschein durch den Raum und ein flammender Körper schlug auf eines der Häuser an der Ecke des Platzes nieder, während gleichzeitig eine starke Detonation die Fenster des Stadthauses erzittern ließ. „Da haben wir es!" rief der Bürgermeister, „Das 3Ö4 Redaction: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversiMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. haben diese Narren auf unsZ herabgezogen. Die Preußen g vorgeht, und ich gestehe, ich dachte nicht daran, die Meinung zielen mit Granaten auf unsere Häuser. Jetzt haben wir I des Vertheidigungsrathes einzuholen." das gewünschte Bombardement- Sind Sie nun zufrieden, I „Und das war sehr unrecht von Ihnen, Commandant," Baron?" | sagte der Director der Genietrupven, Bellemond. Der Bürgermeister drehte sich um, um Lowendaal zu I Beaurepaire setzte den Hut wieder auf. suchen, aber der Generalpächter war verschwunden. I „Kamerad," sagte er zum Commandanten, geht hot- ibm gerne aeiolat wäre weil er klaubte. I mich an. Ich werde, wenn es nothwendig, ist, mein Benehmen »°°°**■' -* sä Äs.« fa«t=Ä6“”wteU16e SSfäÄ KSÄtTÄ m SÄ'«- 1$ il' ssweiaen Ich lebte in mein Hauptquartier! ihre Befehle, welche den innern Dienst und die Polizeimaß. ÄS”' 3,n,”‘ “6“w”1 *" bi*" ®“"”‘ b“ ■«ÄhÄeÄ'tÄJIXtertÄ »S *UWe fiorr «tftf" siebte der Präsident geben Sie nicht, I schulden; aber was meine Soldatenpflicht und die Granaten Granaten Antwort. Die Trommel in Ihren Straßen schlägt | den Mnd ' 3S b« K die Trommeln «MI« -ui d« Treppe Ä--M-T und eie rnüBten ihn befrag«, ehe fie eine Sie waaen es bierbenukommen" sagte der Bürger. I befehlen, als die Thore zu verrammeln, die Tiratlleure' auf meister verrweiselt.b^' Herr Comr^ndant ""fügte er hinzu, I den Wällen zu placieren, die Geschütze gegen die nahenden indem er sich zu Bellemond, dem Gouverneur, wendete, „rasch, ! feindlichen Corps auffahren zu ?ls^bätte ich unterzeichnen Sie einen Befehl, daß dis Trommeln zu schweigen g nnen. das Kcmerad, habe ich gethan, als hätte ich d^ 'dnen bLzeichnen wtt^ DfMer< vorwerfen könnten, ist, daß ich nicht ein lebhafteres Feuer "Ju einer ^^EMde wird VeMn in Nammen | |ejtige Detonationen folgten den Worten Beaurepaires. stehen und wir werden beim Lichte der Granaten die Mar 1 Ricbtuna des Thores Saint.Vietor. seillatse singen," rief eine laute Stimme hinter ihnen. I Die Honoratioren erschraken, mehrere schlüpften hinaus, Die Thür hatte sich geräuschvoll geöffnet, und Beau«. I in firo6er Sorge um ihre Wohnungen, denn die Preußen paire, von Lefebvre begleitet und von den Soldaten des I Oesterreicher würden auf diese wüthende Kannonade 13. Regiments und den Freiwilligen von Mayenne-et-Loire I mi-t elnettt Granatenregen antworten. umgeben, erschien schrecklich wie der Kriegsgott vor den be- I „Das ist ein tapferer Mann," sagte sich Neipperg, indem stürzten Bürgern. ■ r, m 4 I er die offenen Züge Beaurepaires betrachtete. „Sein Anblick Der Präsident versuchte seine Autorität zu wahren. I trö£et tiber dieses schändliche Schauspiel." „Commandant, wer hat Sie ermächtigt herzukommen | und höflich auf ihn zutretend, sagte er: „Commandant, und Berathungen der Munizipalität und der Bürger, die fie I ich darf Sie nicht in Unkenntniß lassen, wer ich bin: Graf berief, zu stören?" sagte er mit einer Stimme, welcher er I Neipperg, Adjutant des Generals Clerfayt." vergeblich Festigkeit, zu geben stch bemüte. | „Sie sind in Civtl?" sagte Beaurepaire mißtrauisch. „Man versicherte mir, daß Sie hier alle einen infamen I „Ich bin nicht als Parlamentär gekommen, Commandant, Berrath beabsichtigen und daran denken, die Stadt zu über- I sondern einfach mit dem Auftrag, der Munizipalität von geben," antwortete Beaurepaire, ohne sich im Geringsten I Verdun und dem Vertheidigungsrathe eine offizielle Note des verwirren zu lassen. „Bürger, ist das wahr? Antworteti" ! Generalissimus zu überbringen." „Wir sind nicht verpflichtet, Ihnen die Entschlüsse der | „Wahrscheinlich die Aufforderung, die Stadt zu über- Behörden mitzutheilen, Herr Commandant. Wollen Sie sich I geben." mit ihren Leuten zurückziehen und das Feuer einstellsn, das I „Jawohl." Sie anbefohlen haben, ohne die Meinung des Vertheidigungs- I „Und was wurde hier geantwortet? rathes einzuholen," sagte der Präsident streng, weil er sich | Beaurepaire warf einen anklagenden Blick auf die Hono- von den Honoratioren unterstützt wußte. ratioren und dis Magistratsbeamten, die die Augen nieder- Beaurepaire dachte einen Augenblick nach, dann nahm schlugen und den Kopf abwendeten. (Fortsetzung folgt,) er den Hut ab und sagte in respectvollem Tone: „Meine 1 Herren I Es ist wahr, ich habe die Meinung des Vertheidigungs- I DemtifcbitS« rathes nicht abgewartet, um auf die Preußen feuern zu i ' ,, ., . Q, . taffen, die stch bereits den Thoren näherten und Miene i Ueberrafchende Schlußfolgerung. Lehrer, machten, beim ersten Signal einzudringen - einem Signal, „Wenn eine senkrechte und eine wagrechte Linie in einem das sie von innen zu erwarten schienen. Ich habe die Thore | Punkt zusammenfließen, was bilden sie dann? - Schuler- verbarrikadiert, mein braver Freund Lefebvre hier hat seine i „Einen KlexI" Voltiaeure m beiden Seiten der Pallisaden aufgestellt, und i * der Feind ist zurückgehalten worden. Ich kam gerade mit l Er kennt sich! Student (zum Frühschoppen aus« meinen Freiwilligen an, als män mir mittheilte, was hier gehend): „Na, gute Nacht, Mutter I