7^:,. in Ließen. M Nr. 7A. -L AenStag dm 2. J«li. . <<„ isöit jl i V* @ ® v v arnnKokikF lesener UnterhaUungMatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). ist. Und gerade weil ich so von Herzen glücklich bin über die „Das versteht sich," bemerkte Frau Digby, erleichtert äufathmend. „Es wird mir zum Lohn für Trissas Leben kein Opfer zu groß fein. Aber, Onkel, es ist durchaus nicht freundlich von Dir, fo gerlngfchätzend von meiner Tochter zu reden." „Na, na, Nichte, Du solltest mich doch nun endlich kennen," sagte Sir Fülle „Ich unterstütze zwar verzogene Mädchen nicht gern, aber ich gebe ja zu, daß Trissa sehr hübsch, sehr munter und auch nicht dümmer als Andere in ihrem Alter Die Tochter des Meeres Semem s»n *. Steele. Rettung des Kindes, suche ich nach dem Rechten als Belohnung." „Ich würde ihr zu gern ein schönes Geschenk meinen Mitteln angemessen machen." „Thorheitl" unterbrach der Baron sie hastig. „Meinst Du, ein Werthpapier oder ein kostbares Halsband könne ein so edles Mädchen für das Leben Deiner einzigen Tochter belohnen? Ich habe eine ganz andere Idee. Du mußt wissen, daß ich gestern zu der Dame ging, die sie, wir mir scheint, als eine Art Sündenbock zu sich genommen hat, um mich nach ihrem Leben zu erkundigen, und so viel ich erfahren konnte, ist er ein armes, verlassenes Geschöpf, um das sich seine natürlichen Beschützer nicht kümmern und das die Natur in herrlicher Weise ausgestattet hat. Nun denke ich, Nichte, wir wollen sie von dieser Art Wanderleben retten; was meinst Du dazu?" „Mein lieber Onkel, damit würdest Du Dir eine entsetzliche Verantwortung aufbürden," erwiderte Frau Digby bestürzt. „Unsinn, Helene I Glaubst Du, ich würde ein solcher Thor sein und mir ein junges Mädchen wie dieses in's Haus nehmen? Das würde, so alt ich auch bin, zu allerhand Gerede Veranlassung geben. Nein, ich habe einen ganz anderen Vorschlag. Laß sie zu Dir kommen und gib ihr Aussicht auf eine bessere Stellung, als sie jemals bei der alten, geizigen Frau haben kann. Ich werde Dir das Nöthige für sie geben, damit Dein Einkommen nicht darunter leidet." Frau Digby machte ein etwas bestürztes, unentschlossenes Gesicht. „Mein lieber Onkel, bedenke es wohl. Ein solcher Wechsel in ihrer ganzen Stellung und dann . . ." (gertfet**e.) XXXVII. „Nun, Nichte, wie geht es dem Mädchen heute?" fragte Sir Fülle, in Frau Digbys Frühstückszimmer tretend. „Aber ich brauche wohl gar nicht zu fragen, ich kann es mir schon denken. Trissa klagt und die kleine Heldin ist frisch und blühend." Frau Digby sah ärgerlich au». Granville lachte. „Wirklich, Onkel, ich muß sagen, daß Du sehr hart gegen die arme Trissa bist," erwiderte die Mutter so vorwurfsvoll. „Sie ist wirklich so ungemein zarter Natur, daß ich mich gar nicht wundere, daß ein solcher Schreck, wie sie ihn gestern gehabt hat, sie dermaßen angegriffen hat. Ich habe ihr zugeredet, jedenfalls im Bett zu bleiben, bis Doctor James kommt." „Und die Andere .... das edle Wesen, dem Du das Leben Deines Kindes verdankst . . . was hast Du wegen ihr beschlossen, Helene?" fragte der alte Baron Fülle voll Interesse. „Nun, sie erklärte so entschieden, daß ste ganz wohl sei und aufstehen werde, daß ich meinte, es könnte ihr nicht» schaden. Man sieht ja sofort, daß sie viel kräftiger als meine Trissa ist." „Gewiß und auch in geistiger Beziehung ist sie ihr überlegen," bemerkte Sir Fulks kühl. „Davon hat sie gestern einen guten Beweis geliefert . . . meinst Du nicht, Granville? Sie ist tapfer wie ein Admiral." „Und schön wie eine Prinzessin," fügte der junge Mann begeistert hinzu. Frau Digby warf Granville einen drohenden Blick zu, den derselbe jedoch gar nicht zu beachten schien, denn er fuhr ilic:06 Jott: "^un, ich bin eigentlich recht froh, daß sie nicht hier ist, denn ich wollte mit Dir berathen, was wir nun thun fallen. Natürlich müssen wir uns für den Dienst, den sie uns erwiesen hat, angemessen revanchiren." < ; »■ > - M Gie stockte nnd sah mit einem bedeutsamen Blick auf ihren Sohn, den Sir Fülle entweder nicht verstand oder nicht verstehen wollte. „Ich gebe zu," erwiderte er, „daß Du in Allem, was Du einwendest, Recht haben magst, wenn Du Dich dabei an irgend welche Verwandten wenden müßtest, aber da das Mädchen vollständig allein in der Welt steht, sehe ich nicht ein, welche Unannehmlichkeit daraus erwachsen könnte. Sie ist hübsch genug, um eine ganze Menge kleiner Fehler damit zu- zudecken, und wenn ich nicht sehr irre, wird fie Trissa bei Weitem mehr nützen als schaden. Das Kind bedarf einer Arznei, die es von der schädlichen Verzärtelung heilt." „Und Du meinst wirklich, daß ihr das Alles für diese einzige That zu Theil werden soll?" meinte Frau Digby un» entschlossen. „Ja, Mutter, und noch mehr, wenn es möglich wäre!" warf Granville ernst ein. „Wie, wenn nun Triffa als Leiche im Teiche lag . . . was dann?" Das rührte das Mutterherz; bei all' ihrer Eitelkeit und ihrer Schwäche gegen ihr Kind war sie eine warm fühlende Frau. „Nun, wir werden ja hören, was das Mädchen selbst dazu sagt," fuhr Sir Fulke fort- „Kann ich sie sehen, Helene?" „Ich will sie rufen lassen, wenn Du es willst," sagte Frau Digby. „Nein, laß mich allein mit ihr sprechen," erwiderte der alte Baron. „Ich möchte der Sache auf den Grund kommen. Vielleicht ist sie gegen einen alten Mann wie ich offener als gegen Dich oder Triffa." „So kannst Du mit ihr in Trisias Toilettenzimmer sprechen," versetzte Frau Digby zögernd. „Das eigentlich Schulstube genannt werben sollte," bemerkte Sir Fulke. „Doch gleichviel, wenn ich nur mit dem Mädchen allein und bald sprechen kann." Cora war vielleicht nie unruhiger gewesen als jetzt, da sie das Zimmer betrat, in dem der alte Baron sie erwartete. „Treten Sie näher, meine Liebe, und nehmen Sie Platz," begann der Baron. „Wie Frau Dighy mir sagt, erklären Sie sich wieder für ganz wohl, aber Sie werden schwerlich schon wieder die Kraft haben, lange zu stehen und ich habe längere Zeit mit Ihnen zu sprechen-" Cora gehorchte, obwohl mit besorgtem Blick in ihren tzinklen Augen, der Sir Fulke nicht entging. „Sie brauchen sich nicht zu ängstigen, meine Liebe . . . ich will weder Ihrem Vorleben nachforschen, noch verlange ich Ihre Einwilligung zu etwas Schrecklichem und vor Allem bin ich kein solcher Thor, mich mit siebenzig Jahren in ein Mädchen zu verlieben, das mindestens fünfzig Jahre jünger ist als ich. Sie sollen mich nicht mißverstehen, noch bevor ich anfangs." In Sir Fulkes Ton konnte Niemand die gütige Absicht verkennen. Er war deshalb nicht wenig überrascht über den Blick schmerzlichen Erschreckens, den seine Worte auf Coras Antlitz hervorriefen. „Bitte, kümmern Sie sich nicht um mich . . . es ist die größte Güte, die Sie mir beweisen können," erwiderte sie in herzlichem Ton. „Ich komme ohne irgend welche Hilfe durch die Welt. Es hat mir immer nur Schmerz und Kammer gebracht, wenn sich Jemand meiner annahm." „Wieso, Kind?" fragte er ernst. „In Ihrem Alter können Sie sich doch unmöglich schon eines größeren Unrechts schuldig gemacht haben .... Sie können das Unglück auch nicht durch die gewöhnliche Ursache desselben bei Ihrem Geschlechte — durch die Liebe — kennen gelernt haben." Cora wurde dunkelroth. „Ich kann nicht mehr sagen," antwortete sie mit stolzer Miene. „Ich wünsche nichts. Ich bin doch gewiß nicht verpflichtet, Ihnen Geständnisse zu machen." Sir Fulke war etwas betroffen. Er hatte ihr gleich von vornherein versichert, daß er ihr Vertrauen nicht erzwingen wolle. Was konnte er nun thun oder sagen, um sich selbst über sein ziemlich schnelles Verfahren zu beruhigen und doch, wie er versprochen hatte, nicht weiter in sie zu dringen? „Ich habe nie verstanden, auf Umwegen etwas zu erreichen," sagte er endlich, „und wenn Sie das sind, wofür ich Sie halte, werden Sie meine einfachen Worte ausnehmen, wie sie gemeint sind. Erstens bin ich geneigt, Ihnen Alles zu vertrauen." „Ich wünsche ja nicht - . ." Hub Cora an. „Still, Kind! Fühlen Sie sich nicht gekränkt," unterbrach sie der Baron hastig. „Ich habe nicht gesagt, daß Sie etwas wünschen, aber ich habe meine eigenen Pläne und es wäre bitter für mich, wenn ein junges Mädchen wie Sie mir einen unbegründeten Stolz entgegenstellte. Ich verlange nichts weiter, als von Ihren eigenen Lippen zu hören, daß Sie nie, weder durch Unglück noch aus irgend einem anderen Grunde, zu Handlungen gezwungen waren, dis Ihren Verkehr mit einem jungen, unschuldigen Mädchen wie meine Nichte Triffa nicht wünschenswerth machen könnten. Ich verlange nichts weiter zu wissen, bevor ich Sie mit meinen Plänen bekannt mache." „Ich bin mir in Worten wie in meiner Handlungsweise keines absichtlichen Unrechts bewußt, Sir, wenn Sie das von mir zu hören wünschen," antwortete sie stolz. „Ich bin in dieser Beziehung so tadellos wie Ihrs Nichte. Aber mehr kann ich nicht sagen, mehr kann ich nicht über Vergangenes erklären. Ueber mich selbst weiß ich nichts weiter zu sagen, als daß ich von meiner frühesten Jugend an ein verlassenes Findelkind war, und. ich habe, wie ich Ihnen bereits sagte, bei jedem neuen Versuch, mich mit Jemandem zu befreunden, immer nur größeren Kummer kennen gelernt." „Sie sehen, daß ich im Ernste spreche," fuhr er fort, „denn ich halte Sie für so gut, daß ich entschlossen bin, Ihnen einen bestimmten Vorschlag zu machen ... wie ich glaube, zu Ihrem Besten. Ich weiß, wir können Ihnen nie vergelten daß Sie Ihr Leben für unsere Triffa gewagt haben, aber Sie können uns doch Gelegenheit geben, uns so viel als mög- Uch dankbar zu erweisen, indem Sie Ihren Wohnort hier bei uns nehmen, anstatt bei der alten, interesstrten Dame, die ich gestern kennen lernte. Und um alle Bedenken zu beseitigm, werde ich alle Ihre Ausgaben übernehmen und Ihnen außer- dem ein Taschengeld überantworten, das Sie gänzlich unabhängig macht- Verstehen Sie, was ich meine? Ich will Sie nicht als mein Kind aufnehmen — keineswegs — es wäre mir nur um Triffas willen eine große Freude, wenn sie sich glücklich in Ihrer Gesellschaft fühlte und Sie dem verwöhnten Mädchen etwas von Ihrem Muth und Ihrer Sicherheit einflößten. Coras Augen füllten sich mit Thränen. „Ich danke Ihnen von ganzem Herzen," Hub sie an, „aber..." „Sprechen Sie sich klar und deutlich aus . . . ich Haffe die Wenn und Aber," sagte der alte Herr eigensinnig. „Wollen Sie bei uns bleiben oder nicht?" „Ich bliebe lieber bei Ihnen," erwiderte sie und schaute mit ihren großen Augen freundlich zu ihm auf. „Suchen Sie mich nicht zu täuschen ... Sie muffen doch wissen, daß Fm Digby nur sehr ungern eine Fremde in ihrer Familie auf' nehmen würde." „Und Sie glauben, Sie könnten dann mit mir machen, was Sie wollen?" erwiderte der alte Baron scherzend. H „Wenn ich das dächte, würde ich nicht zu Ihnen kommen, sagte sie ruhig, „aber ich würde mich bemühen, Sie mit der größten Sorgfalt zu pflegen." Sir Fulke überlegte einige Augenblicke. Es lag etwa« so unendlich Verführerisches in einem solchen Bilde. Ein reizendes, geistreiches, liebenswürdiges Mädchen um sich iu haben, das fein Haus aufheiterte und ihm doch keine andere Verantwortung aufbürdete, als genügend für ihre Bedürfntffe zu sorgen — das würde feinen alten Tagen ein neuer Sonnenstrahl fein. . . „Kind, Sie wissen nicht, was Sie verlangen," sagte er bann lachend. „Ich bin ein wunderlicher alter Bursche- Seren Sie lieber mit meinen Plänen zufrieden. Kommen Sie - äof das Haus meiner Nichte, seien Sie einem Mädchen Ihres Alters eine Gesellschafterin und Sie werben sehen, daß es so viel besser ist und Sie glücklich sein werden." „Glücklich?" wiederholte sie. „Nie! Davon kann bei mir nicht die Rede sein. So lange ich ohne Bande, ohne Liebe in der Welt umherirre, kann ich nicht glücklich sein. Aber Alles das," fuhr sie rasch fort, „kümmert nur mich allein. Wollen Sie mir die Wahrheit sagen? Kennt Frau Digby Ihre Absicht und stimmt sie derselben bei?" „Ich habe ihre volle Zustimmung. Ich will freilich nicht behaupten, daß sie nicht ein klein wenig eifersüchtig ist," entgegnete der aufrichtige alte Baron, „aber Sie werden sich ihre und Trissas Liebe bald gewinnen." Cora war unschlüssiger denn je zuvor . . . auch als Lord Faro ihr einst dasselbe Anerbieten machte, hatte sie nicht so gezögert. Jetzt entschied noch ein anderer Grund mit; jetzt trat auch noch die Frage betreffs ihres persönlichen Interesses und ihrer eigenen Sicherheit an sie heran, und Stolz und Angst waren in ihrem Innern noch in Streit. „Darf ich erst mit Frau Digby sprechen? Darf ich erst so offen gegen Frau Digby sein, wie gegen Sie, bevor ich als Abhängige Ihr Haus betrete? Ich kann mich ihr nicht aufdrängen lassen ... mit Ihnen wäre es etwas Anderes. Zu Ihnen käme ich gleich und wäre glücklich . . . wenigstens so glücklich, wie ich es sein kann." - Er lachte. „Doch Ihr Wunsch ist vollkommen gerecht- sertigt und ich werde Frau Digby sofort rufen lassen," sagte er dann. „Aber ich möchte mit ihr allein sprachen," bat Cora. „Sie würde in Ihrem Beisein nicht so offen sein. Ich will ihr die volle Wahrheit sagen . . . dann trifft mich, was auch geschehen mag, doch kein Vorwurf. Ja, so sei es, sonst muß ich Ihr gütiges Anerbieten zurückweisen." „Sie sind ein kleines eigensinnige» Geschöpf," rief Sir Fulke halb ärgerlich aus, „aber in meinen Augen ist nichts so schUmm wie Betrug . . . also, wenn sie entschlossen sind, sich selbst im Lichte zu stehen und meine Güte zu verscherzen, so ist es nicht meine Schuld." „Ich bin nicht undankbar, aber ich habe zu viel gelitten," , "3$ will nicht Kummer verursachen, aber wenn Frau Digby mich aufrichtig willkommen heißen kann, nehme ich dankbar einen solchen Zufluchtsort an." „Meinetwegen geschehe Ihr Wille," brummte Sir Fulke und verließ das Zimmer. Cora befand sich in banger Erwartung während der wenigen Minuten, die vergingen, bevor die Thür wieder ge- öffnet wurde und Frau Digby mit kalter Miene eintrat. „Sie wünschen mit mir zu sprechen, Miß Cora," begann Frau Digby. „Ich bin bereit, Alles zu hören, was Sie mir zu sagen haben, denn ich schulde Ihnen viel. Gern bin ich auch, bereit, Alles zu thun, womit ich Ihnen Ihre Thal lohnen . ^Dan»'bitte, fdgen Sie mir die Wahrheit ... das ist mir der liebste Lohn!" erwiderte Cora ernst. „Sir Fulke hat 'E e ne H°imath in Ihrem Hause angeboten. Ich weiß, daß ba® ein Eindringen in Ihre Häuslichkeit wäre, Frau Diaby SV™6 ?fe eä N^ns seinetwegen 0Ut heißen würden, und 6fnen Gilgen Vorschlag nicht annehmen, wenn Sie »rJ1< ^tda9^xbo6 Sie mich gern aufnehmen. Sonst wäre "..„fir schrecklicher al» die größte Roth, die ich erdulden Frau Digby hatte sich in den Schatten gesetzt, so daß Cora den Ausdruck ihres Gesichtes während der Pause die e ntQ«L° 9!e' »icht beobachten konnte. Aber sie errieth,' daß em Kampf in dem Mutterherzen stattfand 9 ,,, den besten Weg gewählt, sich mein Vertrauen sagte Frau Digby endlich. „Ich muß gestehen daß rch als mein Onkel von seiner Absicht sprach vor dem nnh?r” .^"ckschreckte, eine Fremde in mein Haus aufzunehmen L- M? «« i" «d-7-, Wq" b"w,-I« ’ - J er ”” Sie so heu und aufrichtig sind, wie Sie stch in diesem Augenblicke zeigen, bin ich bereit, den versuch zu wagen. Sie sollen willkommen, aufrichtig willkommen in unserem Kreise sein und mit der Zeit, denke ich, werde ich Sie lieb gewinnen, wenn Sie es verdienen. Das Alle» wird von Ihrem Betragen in meinem Hause und davon abhängen, daß Sie sich bescheiden in den Grenzen Ihrer Stellung halten. Sind Sie damit zufrieden? . . . Verstehen Sie mich?" „Ja," antwortete Cora leise, „ja, ich verstehe Sie und werde mein Möglichstes thun, Sie zu befriedigen." „So wären wir einig und ich gehe, es meinem Onkel nntzutheilen und die nöthigen Vorkehrungen zu treffen," sagte Frau Digby und erhob sich. Cora blieb allein in ihrem zukünftigen Daheim. Und als sie sich in dem eleganten Zimmer der verzogenen Trissa umschaute, da faltete sie die Hände in traurigem Zweifel über die Folgen ihrer Zustimmung. (Fortsetzung folgt.) Madame Sans Göne. Roman nach Victorisn Sardou und F. Morrea«. Deutsch von Adel« Berger. (Fortsetzung.) Der magere, ausgehungerte Offizier, wie der nervöse erste Consul und der mächtige Kaiser hatte stets eine besondere Vorliebe für robuste Schönheiten. Mit der etwas brutalen Galanterie, die er sich bereits angewöhnt hatte, trat er rasch auf die junge Wäscherin zu und streckte kühn eine Hand nach ihr au». Catherine stieß einen leichten Schrei aus. Der künftige Sieger von Arcole war nicht fürs Zögern und begann den Angriff. Aber Catherine verschanzte sich rasch hinter ihren Korb und sagte zu dem überraschten Belagerer: „Nein, nein, Kapitän, e» ist zu spät! Was würde mein Mann sagen!" „Richtig!" besann sich Bonaparte, innehaltend. Es wird also ernst mit dieser Heirath?" „Sehr ernst — und ich wollte Ihnen auch außer meiner Heirath ankündigen, daß ich Ihre Wäsche nicht mehr waschen kann." „Sie geben Ihr Geschäft auf, mein schönes Kind?" „Wäschereien gehen heutzutage so schlecht — und dann wollte ich meinem Manne folgen." „Ins Regiment?" rief Bonaparte überrascht. „Warum nicht?" „Freilich, da» war schon da!" Und an Rense denkend, die sich Marcel zuliebe anwerben hatte lassen, murmelte er: „Sieh' da, die Armee wird jetzt lauter Ehepaare bekommen! Sie werden also das Schnellfeuern lernen und vielleicht auch das Bedienen der Kanonen?" fuhr er in spöttischem Ton fort: „Ich kann mit einem Gewehr umgehen und was die Kanonen anlangt, könnte ich ja bei Ihnen Lectionen nehmen, Herr Kapitän, aber mein Mann ist bei der Infanterie," rief sie lachend. „Nein, ich werde nicht schießen, wenigstens nicht, wenn ich dazu gezwungen werde, aber es fehlt in den Bataillons an Marketenderinnen. Ich werde den Kameraden meines Mannes einen guten Tropfen einschänken — und ich hoffe auf Ihre Kundschaft, Herr Kapitän, wenn Sie in unsere Nähe kommen." „Ich werde mich in Ihrer Cantine abonniren, aber nicht gleich. Der Minister erlaubt mir weder mich zu schlagen noch zu. . ." Er wollte sagen: noch zu essen. Er hielt sich zurück und beendete einfach den Satz: „Noch in der Cantine Geld auszugeben. Also auf später — viel später, mein Kind!" fügte er mit einem Seufzer h nzu. Und er kehrte, eine Beute seiner traurigen Gedanken, an seinen Tisch zurück. Catherine breitete langsam, ohne etwas zu sagen und etwa» betrübt über die Schwermuth des jungen Offiziers, dessen Armuth st« kannte, die mitge- brachte Wäsche auf dem Bette aus, so wie er es sie geheißen m - hatte. Dann machte fle einen Knlx, ging zur Thür, öffnete sie und sagte, wie sich besinnend: „Ach ja, ich habe eines Ihrer Hemden aus Ungeschicklichkeit versengt — ich habe Ihnen ein anderes dafür gegeben, es liegt bei den Unterhosen und Taschentüchern. Auf Wiedersehen, Herr Kapitän!" „Auf Wiedersehen in Ihrer Cantine, schönes Kindl" antwortete Bonaparte sich sofort wieder in seine Studien vertiefend. Während Catherine die Treppe des Hotel de Metz hinabstieg, murmelte sie vor sich hin: „Ich hatte ihm auch die Rechnung mitgebracht, aber ich fand nicht den Muth, sie ihm zu geben- Pah, früher oder später wird er sie mir bezahlen, ich habe Vertrauen zu dem Jungen. Ich bin nicht wie der Bürger Fouch«, ich bin überzeugt, daß er seinen Weg machen wird!" Dann lachte sie, durch eine amüsante Erinnerung in gute Laune gebracht, in sich hinein. „Wie er aus mich losging, der Kapitän! Er hat sich also doch von seinen Papieren ablenken laffen. Sehe Einer an, der versteht'«! Nun, es hat ihn doch ein bißchen zerstreut, der arme Junge hat nicht oft Gelegenheit zu Vergnügen!'" Uud ein wenig erröthend fügte sie hinzu: „Wenn ich denke, daß, wenn er gewollt hätte : . . o, nicht jetzt, aber früher, ehe ich mich mit Lefebvre versprochen habe . . . Aber im Grunde denke ich nicht daran — und er hat niemals daran gedacht! Wir wollen sehen, ob Lefebvre im Laden ist. Der liebt mich, das steht fest, und ich bin überzeugt, daß et einen viel besseren Ehemann abgeben wird, als der Kapitän Bonaparte." Kaum hatte ste ihren Laden betreten, so ertönten Geschrei und laute Vivats in der Straße. Sie öffnete die Thür, um nachzusehen, was er gebe- Die ganze Nachbarschaft war in Aufruhr und nun bemerkte ste Lefebvre, ohne Flinte, ohne Bandoliere, aber seinen mit einer goldenen Quaste geschmückten Säbel in der Hand haltend. Seine Kameraden umgaben ihn und schienen ihm ein Ehrengeleite zu geben. ,, „Catherine, ich bin Lieutenant!" rief er freudestrahlend und fiel seiner Verlobten um den Hals. „Es lebe der Lieutenant Lefebvre!" schrieen die Nationalgardisten, indem sie ihre Dreispitze und Piken er» hoben. „Fügt hinzu: Es lebe die Bürgerin Lefebvre!" sagte der neue Lieutenant, Catherine vorstellend. „Denn das ist meine Frau! Nächste Woche heirathen wir." „Es lebe die Bürgerin Lefebvre!" schrieen die Garden begeistert. „Es lebe Madame Sans-GSne!" wiederholten die herbeigelaufenen Nachbarn. „Wenn sie nur nicht so laut schreien wollten!" flüsterte Catherine ihrem Verlobten ins Ohr, an Neipperg denkend, der im Nebenzimmer schlief. „Sie werden unseren Verwundeten aufwecken I" • Mittlerweile ordnete in dem kleinen Zimmer de» Hötel de Metz der Artillerieoffizier ohne Gage und ohne Anstellung, nachdem er das Studium seiner Karte beendet hatte, die von Catherine gebrachte Wäsche methodisch auf ein Fichtenholzbrett. , „ „ „Sieh' da, fle hat nicht einmal die Rechnung dagelaffen," sagte der zukünftige Kaiser, im Grunde des Herzens über diese Vergeßlichkeit erfreut, denn er wäre genöthigt gewesen, feine Zahlungsunfähigkeit einzugestehen, und im Geiste seine Schulden überschlagend, fügte er hinzu: „Ich muß ihr wenigstens dreißig Franks schuldig sein, vielleicht noch mehr. Teufel, ich muß das regeln ... mit dem ersten Gelbe, das ich in die Hand bekomme- Diese Catherine ist ein gutes Mädchen, ich werde sie nicht vergessen I" Und er kleidete sich an, um zu feinen Freunden, den Permons, diniren zu gehen. Von dieser bescheidenen Forderung sollte Napoleon viele Jahre nichts hören. Erst lange nachher wurde ihm in einem ganz unerwarteten Augenblick die vergeflene Rechnung der Wäscherin plötzlich vor Augen gehalten — wie unsere Leser erfahren werden, wenn sie mit uns den abenteuerlichen und rühm- reichen Etappen der Wäscherin Catherine folgen wollen, 6f< zuerst Markedenterin im 13. Legerregiment, dann MarschaA Lefebvre, zuletzt Herzogin von Danzig wurde, immer jedotz sympathisch und populär, tapfer und großmüthig, heroisch und barmherzig blieb und immer den Pariser Spitznamen: „Madame Sans-GSne" trug. (Fortsetzung folgt.) GEernnÄtziges. Reinigung gebrauchter Weinflaschen. Gewöhn« lich sind es dreierlei Verunreinigungen, welche gebrauchte Flaschen zeigen. Es sind entweder Weinreste in denselben geblieben, welche kahmig wurden, ober die Flasche zeigt Wein« steinkrusten ober endlich ist es der an den Wänden festhaftende Absatz rother Weine, welcher zu beseitigen ist. Im ersten Falle ist eine mechanische Reinigung mit Hilfe einer Flaschenbürste und etwas Waffer ober mit Verwendung gewaschenen Wellsanbe» das allerbeste Mittel. Bleischrote soll man nie benutzen, ebensowenig Glasperlen; Sägespäne und Papier- schnitzel, welche mitunter empfohlen werden, haben nur bei Reinigung öliger ober petroleumsettiger Flaschen einen ZM. — Weinsteinkrystalle lösen sich am leichtesten, wenn man etwa» verdünnte Salzsäure in die Flasche gibt. Doch muß man darauf achten, keinen guten Blechtrichter zum Eingießen z» verwenden, weil derselbe von der Säure etwas angegriffen wird. — Handelt es sich um Rothweinabsatz, so kann man ebenfalls Salzsäure anwenden, weil der Absatz de» Farbstoffes fast immer mit Weinsteinkrystallen vermengt Ist, durch bereit Auflösung derselbe dann beim Schütteln mit Waffer locker wirb. VeviiMehtes. Unterschätzt. „Schämen Sie sich, Sie könnten mch arbeiten." •— „Glauben Sie denn, daß bei den schlechten Zeiten das Betteln keine Arbeit ist." Umschrieben. Gatte (zu seiner jungen Frau, al« er beim Mittagstisch etwas ißt und nicht finden kann, was ei eigentlich sein soll): „Du, Minna, ich bitt' Dich, koche etwas deutlicher!" _____________ Literarisches Eine neue Mode. Wieder wird von Wien ans eine neue» lancirt, die ob ihrer Bequemlichkeit und Kleidsamkeit ebenso wie die Blouse berufen ist, zu beweisen, daß die „Wiener Mode" bei aller Eleganz einfacher ist, als die ausländische. Es handelt sich um alleo liebste Jäckchen aus Lustre oder Seidenstoffen, die man ijj Patten ow Zacken auslanfend, anpassend oder halbweit, offen mit einer Weste, ie Directoireform mit Sammtrevers oder englisch Herstellen kann. S» soeben erschienene Heft Nr. 19 der »Wiener MoVt* mit dem « neues Quartal beginnt und das in allen Buchhandlungen zur AnM aufliegt, veröffentlicht nebst zahlreichen anderen kleidsamen ^Toiletten M geschmackvollen Handarbeiten über zwanzig verschiedene Formeni frei« neuartigen Jäckchen. Diesem Hefte liegt gratis die „Wiener Kinver Mode" und ein Schnittmusterbogen bei. Im selben Verlage erlqjiei soeben die Sommerausgabe des farbigen Mode-Prachtalbums der „"len® Wiener Modelle", die speoiell für bessere Fachkreise bestimmt ist uno allgemein als ein hervorragendes Fachwerk anerkannt wird. Das illustrirte Familienjournal »Das Buch fftt Alls" bringt in seinem 24. Hefte einen Aufsatz unter dem Titel „Schwänzen , dessen Seetüre wir allen unseren Lesern empfehlen möchten. Klar un allgemein verständlich werden darin die verwerflichen Großspeculatwn behandelt, wie solche zum Nachtheile der weitesten Kreise hin und wie auftauchen und soeben erst den großen, unseren Hausfrauen so un genehm fühlbaren Preisausschlag des Petroleums verursachten. Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und (Steinbruderei (Pietsch & Scheyda) in ließen.