ZE sMiskßlLtkk Nr. 16. Samstag den 2. Februar. 1895. UnrerhaltungsLüatt xum Gießener Aryeiger (General-Anzeiger). Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Schluß). „So ist Fräulein Ehrhard auch nicht hier?" fragte Hamson, einen erstaunten Blick auf Leonore heftend. „Nein", erwiderte diese, schalkhaft lächelnd, „der gute Papa hier verrieth mir die Geschichte, und da er in begreiflicher Neugierde sich den Radau selber ansehen wollte, ging ich natürlich mit, wogegen mein Vater zwar mit aller Macht, aber vergeblich ankämpfte. Nicht wahr, Papa?" „Das glaube ich, meine Gnädigste!" erwiderte der junge Mann, „wen Sie einmal unter ihre Gewalt gebracht haben, der bleibt es zeitlebens." „Na, ja, machen Sie die Rebellin nur noch aufsässiger", brummte der Professor. „Hat sich die Rotte Korah draußen schon verlaufen?" wandte er sich fragend an den Hauswirth. „Gott sei Dank, ja, Herr Professor! Es war ein wirksamer Schachzug von diesem Herrn, der Bande ein Trinkgeld auszuwerfen; wenn es dabei nur nicht blutige Köpfe gibt!" „Mögen sie sich hauen, ich bin froh, daß der Scandal von diesem Hause abgewandt ist. Und nun kommen Sie, Herr Hamson, begleiten Sie uns zur Tante Dorothea, wo wir die ganze Familie beisammen finden." Sie verließen da» Haus. Leonore hängte sich an de« Vaters Arm, worauf Hamson sich an ihre Seite begab und verstohlen nach ihrer Hand griff, ein Manöver, das der Professor zu ahnen schien, da er den jungen Herrn sofort an seine Seite beorderte, um ihm sehr erfreuliche Neuigkeiten mitzutheilen. Allerdings waren diese auch so interessanter und erfreulicher Natur, daß Hamson augenblicklich seinen Unmuth ver» gaß und am liebsten, wie er sagte, laut aufgejubelt hätte. „Aber, Herr Professor", setzte er dann mit leisem Vor- wurs hinzu, „damit hätten Sie die aufgeregte Menge ja sofort beruhigen können!" „Sie meinen, ich hätte Ihnen das theure Trinkgeld ersparen können", erwiderte der alte Herr trocken. „O Papa, wie häßlich von Dir!" rief Leonore empört. ; „Weshalb häßlich, mein gnädiges Fräulein?" sprach Hamson ruhig, „Ihr Herr Vater hält mich für einen Mann, der die Macht und den Werth de» Geldes kennt, und das freut mich." „Natürlich halte ich Sie dafür", antwortete Carlsen, „weil ein Verschwender mir noch verbrecherischer erscheint al» ein Geizhals. — Ich hätte Ihnen das Trinkgeld, und es wird wohl kein geringes gewesen sein, doch nicht ersparen können, weil ich nicht das Recht besaß, den herzoglichen Gnadenerlaß öffentlich zu verkünden. — Allerdings hätte ich Ihnen auch den nicht zu unterschätzenden Triumph, einen unangenehmen Scandal verhütet zu haben, der wie ein Tropfen Galle den Becher des Glückes getrübt hätte, geraubt, aber das bedauere ich nicht. Alles in allem, freut es mich aufrichtig, Sie als einen thatkräftigen und jeder schwierigen Lage gewachsenen Mann kennen gelernt zu haben, mein lieber Herr Hamson! — So, da wären wir zur Stelle, meine Frau ist auch oben bei Tante Dorothea, nun fehlt nur noch der Willibald, welcher jedenfalls in Gedanken bet uns sein wird." „Aber es ist nicht tactlos, wenn ich mich als Fremder gerade heute Abend in die Familie eindränge?" wandte Hamson zögernd ein. „Warum nicht gar?" polterte der Professor, ihn gut- müthig vorwärts drängend. „Als Willibald'» alter ego gehören Sie erst recht zur Familie Ehrhard, abgesehen von dem heutigen freundschaftlichen Kraftstück." „Dar Sie dem Hauptmann aber nicht verrathen werden, Herr Professor?" „Werde mich hüten, dar werden die Zeitungen schon früh genug besorgen." „Was um keinen Prei» geschehen darf", rief Hamson ganz entschieden. „Mich verlangt durchaus nicht nach der Ehre, als Held eine» Straßenscandals öffentlich genannt zu werden und ich denke, daß es zu ermöglichen ist, die Sache todtzuschweigen." „Denke wohl, es wird den Herren, wenn sie alles erfahren, auch lieb fein- Dann aber müßten wir gleich ins Geschirr gehen, mein junger Freund! — Wir haben hier zwei anständige Zeitungen und zwei sogenannte Volksblätter, welche jedenfalls die Geschichte angezettelt haben. Diese 68 hinzu. Hamson's Athem schien zu stocken, er hätte für diesen kecken Einfall der Geliebten zu Füßen fallen können- Der Professor war ebenfalls sprachlos vor Ueberraschung. Schatz meines Hauses zu stehlen und ihn mit sich über den Ocean zu schleppen, darf sich nicht wundern, wenn man deutsch mit ihm spricht. Sie pochen auf Ihren Reichthum, von dem ich keine Beweise habe —" „Ich kann sie Ihnen vorlegen." „Und der mir überhaupt nicht imponirt, fuhr der ^o- fessor, ohne die Unterbrechung zu beachten, rasch fort. „Wer mein einziges Kind mir nehmen will, muß ein Mann sein, der seinen Platz in der Welt durch eigene Krast sich erobern und behaupten kann. Geld und Gut kann mir genommen werden, | mein geistiges Eigenthum, mein Wissen niemals. Was haben „Neutraler Boden I" schrie der Hauptmann, in schallendes Gelächter ausbrechend. „Dann sind Sie geschlag Professor! — Verteufelte Kriegslist, sind damit in die F gelockt und müssen sich unterwerfen. Was haben Sie! M auch gegen Willibalds Freund einzumenden V fetzte er " gerunzelter Stirn hinzu- „Einen Mann, den mein tapst Junge Bruder nennt, können Sie getrost als SchwiegeJ annehmen. Und nun vorwärts zur ^^obung, Professors > ich sehe es Ihrer Frau an, daß rhr die Geschichte w „Weshalb denn auch nicht, lieber Mann/ erivid^ letzteren müssen wir besonders und zuerst in» Auge fassen, i Sie außer Ihr Reichthum in die Waag« zu werf«, Her« Gehen wir also gleich dorthin, wir werden die Herren viel» I Hamson?" leicht schon bei der Arbeit finden. Du aber, Lore, entschul» I Der junge Mann, welcher ruhig zugehürt, erwiderte ohne dige mich einstweilen, sage, ein College hätte mich zurückge- Zögern: „Meine Bildung, mein Wissen, al so mein geistiger halten, nenne aber nicht Herrn Hamsons Namen, verstanden?" I Eigenthum habe ich mir an einer Universität meines Vater- sWrtfürHcfi sRrtm" erwiderte Leonore gekränkt ich I lande» erworben, meinen Beruf im Comptoirs meines Oheim», Dich eingefangen hat- Du bringst Richard doch mit zurück?" I ». . A, Kaufmann? Besitzen drüben ein f st fette fle wie in einer Eiche» enlfWexen Singebmg > Hm!»» und Seh» und stehe im Begriffe, in London eine Filiale zu errichten, welche ich allenfalls auch übernehmen kann." „Nun, das ließe sich hören," meinte der Professor etwas t . befriedigter. „Den Bummler nehme ich natürlich zurück, zwar „Ich weiß nicht, von wem Du sprichst", erwiderte er I mjt efner Entschuldigung. Mir ist nichts verhaßter, als dar nach einer kleinen Pause sehr barsch, „kommen Sie, Herr I Geldprotzenthum. Als Vater einer so leichtsinnigen Tochter, Hamson!" I die hierorts die annehmbarstm Partien hätte machen können, Leonore lächelte siegesgewiß, reichte dem Amerikaner die I und sich nun Knall und Fall in einen überseeischen Fremdling Hand und flog die Treppe des alten Hauses hinauf, während I y„liebt, kann ich nicht vorsichtig genug sein. Ich muß Sir die beiden Herren schweigend durch die Straße schritten. 8 also ersuchen, sich bis zur Wiederherstellung Ihres Freunder Der junge Mann hielt einen kurzen Rath mit sich selber. I Ehrhard von meinem Hause fernzuhalten —" Sie hatte ihm die Hand so zärtlich und bedeutungsvoll ge. I „Aber, Herr Professor, wozu diese Grausamkeit, sie drückt, als ob sie ihn zu einem kühnen Vorgehen habe ermun- | Hamson ihm ungestüm in's Wort, „jeder amerikanische Consu!, lern wollen — nun, dazu war er der Mann, nichts war ihm I sowie meine Papiere ertheilen Ihnen Aufschluß über mich um verhaßter al» Zögern und Schwanken. Vorwärts also, da er I meine Familie." ~ , ihrer Zuneigung jetzt gewiß war. I „Es ist kein Mißtrauensvotum, mein junget Freund, be, „Herr Professor," begann er plötzlich, „Sie werden es | ruhigen Sie sich. Wir wollen uns am dritten JDrte naher wissen oder es doch jedenfalls ahnen, daß ich Ihre Tochter | kennen lernen, also Geduld I — Der Ruf meiner achter w liebe und ihrer Gegenliebe jetzt sicher bin. Sie hörten es so- I Ihnen heilig sein; wenn ich Sie einlade, wird Verlobung gv eben aus ihrem eigenen Munde, daß sie mich Richard nannte." I feiert und dabei bletbt's- Nun vorwärts zu den Zeitung^ """ *be,te i6n m“ M“'6Ä» brite. de» Pwfchor dan'bar die s-°d »»> Handbeweg^am Wetlerreven. n meine | meinte, daß doch bei Tante Dorothea ein neutraler Boden ESS 1—- ssMssassr.^ „Dann werde ich Sie zum Zuhören zwingen, Herr Pro- I versprachen. . nrfA h.r h„, fessor!" sagte Hamson mit imponirender Festigkeit und Ruhe. Bet Tante Dorotheaging s hoch undfest ch her, der: oft Ich bin nicht der Mann, welcher vor einem Hindermß I Hauptmann prangte noch stramm in der geliebten Un fom zürückweicht und Leonore würde mich verachten, wenn ein I auf welcher neben dem Eisernen Kreuz erster Klasse und einig« Widerspruch selbst aus Ihrem Munde mich erschrecken könnte. I andern Verdienstzeichen der heute empfangene Orden *• A fiÄÄ0« «vH's ä?1* w 6artf“fam ““uf er •* Der Amerikaner schwieg eine Weile, buchstäblich verblüfft ! Tante Dorothea hatte sich hierauf bewogen gesuh von diesem überraschenden Angriff. wenigstens den Candidaten holen zu lassen, und als nun schließ er «ÄM MÄ »Ää«sö 3^ * *>-*- äwÄffiS "!s" daß ich meine» Freund begleitete," fch-l- Lf-M'e offenbmte * SB® feine» «elttheile dcher«efch»M lemmt, - mir de»^Mtm "te &«!■ fchrie de. S-M-immi,, ,» • diese, „wir können unser Mnd doch nicht immer behalten und wollen uns freuen, daß ihre Herzenswahl auf keinen Unwürdigen gefallen ist. Wenn wir sie freilich so weit von uns lassen sollen —" „Wir bleiben in Europa, einzige, beste Mama!" jubelte Leonore, die Mutter stürmisch umhalsend. „O, ich bin so glücklich, daß der brummige Papa gar nicht den Muth finden wird, sein Verbot aufrecht zu halten." „Oho, in diesem Falle werde ich ihn finden", brummte der Professor, „und was die Neutralität hier bei Tante Dorothea anbetrifft, so wirst Du einfach vorerst diesen Boden nicht betreten dürfen." „Das ist Unsinn, Professor!" schalt der Hauptmann, „unnöthige Thierquälerei." „Nicht wahr, Onkel Hauptmann?" rief Leonore schmollend, „wenn Willibald hier wäre, könnten wir gleich zwei Verlobungen feiern." „Wie, Kleine? — Wen willst Du denn noch verloben?" „Et, wen ander» als Elisabeth und Willibald!" „Was?" fiel der alte Ehrhard ganz verwundert ein, „meine beiden Kinder wollen sich verheirathen? Woher weißt Du das?" „Frage sie nur selber, ob Lisbeth einen andern fwill, Onkel Hauptmann!" Dieser sah die Stieftochter an und schien auf ihrem erglühenden Gesichte genug zu lesen. „Und Ihr seid schon einig?" fragte er kopfschüttelnd. „Schon seit zehn Jahren!" rief Leonore triumphirend. „Daß Dich da» Mäuslein beißt — hast Du's gewußt, Dorothea?" „O, ich hab'» mir längst gedächt", lächelte die alte Dame, „die Sympathie zwischen den Beiden war ja stark genug, ihm dem Tode zu entreißen." „Richtig, — na, mir soll'» recht sein, wenn kein fremder Element sich zwischen un» drängt. — Aber er darf Dich nicht mit nach Amerika nehmen, Lisbeth!" „Er geht nicht wieder zurück, sondern bleibt fortan bei un», Papa!" erwiderte da» junge Mädchen, ihm zärtlich die Wangen streichelnd. „Wie danke ich Dir, Du guter, lieber Papa!" Sie hatte die letzten Worte nur leise gesprochen, aber der daneben sitzende Professor hatte doch jedes Wort ver- standen. — Ein wunderliche» Gefühl beschlich ihn, hatten sie im Handumdrehen die Rollen gewechselt, er und der alte störrische Hauptmann? Wußte dieser denn j tzt im Grunde mehr von dem Lebenslaufe seine» Neffen, al» er, der Professor, von dem Character und den Privatverhältniffen des Amerikaner»? — Gewiß nicht, da Willibald Ehrhard wäh- rend seiner zehnjährigen Abwesenheit, welche aus dem Jünglinge einen Mann gemacht, aber auch seinen Character, seinen ganzen inneren Menschen umgewandelt haben konnte, für seine Familie sowohl wie für seine einstigen Freunde ein Fremder geworden war. Und trotz alledem segnete der Hauptmann einen Herzensbund, den er noch vor wenigen Monden mit seinem Fluche bedroht haben würde! Sollte sein liebliches Kind ihn für grausamer und liebloser halten, als Elisabeth den Stiefvater? — Dieser Gedanke war dem guten Carlsen so unerträglich, daß er sich zu einem großen Entschlüsse aufraffte. „Na, alter Eisenkopf I" rief er halb ärgerlich, halb “J“®» "?Ifo auch überrumpelt! Der neutrale Boden scheint für Ihre beiden Verbündeten somit das Krankenhaus gewesen zu sein. — Nach Ihrem Beispiele müßte ich dem Feinde nun goldene Brücken bauen —" „Ach, Unsinn, Professor!" unterbrach Ehrhard ihn barsch, „Sie sind ein schlechter Stratege. Strecken Sie die Waffen und schließen Sie einen ehrenvollen Frieden, weiter bleibt Ihnen nichts übrig." lasse roenn $ mich zu einem Waffenstillstände herbei- „Heißt unnöthig Zeit vergeuden, alter Freund, Sie verlieren mehr dabei, al« Sie ahnen, auf mein Wort! —- Frieden und ein Bündniß, darin liegt Vernunft." „Gut, warten wir wenigstens mit der Verlobung, bis Willibald genesen ist," beharrte der Professor. „Dann feiern wir sofort eine Doppel-Hochzeit," rief der Hauptmann triumphirend. „Bravo 1" tönte es ringsum wie aus einem Munde, wozu Carlsen lachend den Kopf schüttelte. „Morgen fahre ich mit meiner Kleine» zu unferm Jungen, um Verlobung zu feiern," fuhr Ehrhard mit strahlendem Gesichte fort. „Du begleitest uns, Dorothea!" „Du scheinst Geschmack am Verloben zu bekommen, lieber Freund!" lächelte der Candidat in seiner trockenen Weise, „Gott sei Dank, daß meine grauen Haare Dir einen Dämpfer aufsetzen." Der Hauptmann blinzelte humoristisch zu seiner Schwester hinüber. „Alter schützt vor Thorheit nicht, mein bester Melchior," erwiderte er langsam, „ich sage Dir, daß Du im Grunde Dein Leben lang ein großes Kind gewesen bist und bleiben wirst. Wäre Dorothea nicht meine Schwester, bann würde sie ohne Zweifel meine Frau geworden fein." „Aber Max, Du bist ja aus Rand und Band," rief Dorothea unwillig, „der Wein ist Dir offenbar zu Kopfe gestiegen." „Nein, meine Liebe, nicht der Wein, sondern das Glück, welches dieser Tag mir gebracht hat," entgegnete der Hauptmann mit feierlichem Ernste, „ich befinde mich in einem Glücksrausch, weil der Name Ehrhard von jedem Flecken gereinigt worden ist, der Sohn meines theuren Bruders da» höchste Gut, die Ehre, wieder zurückgewonnen hat. Fülle die Gläser, Dorothea! — Wir wollen sie leeren auf das Glück unsere» Brautpaares!" Es gab einen guten Klang. „Na, meinetwegen noch einmal," rief der Professor, «lassen wir auch das zweite Brautpaar leben. — Sie mögen es verantworten, Hauptmann, Sie und meine Frau. Ich wasche meine Hände in Unschuld!" Ein unbeschreiblicher Jubel folgte diesen Worten, ein Jubel, wie ihn Taute Dorotheas Klause noch nie erlebt und der die friedlichen Mitbewohner dieses stillen Asyls erstaunt aufhorchen ließ. S chluß-Capitel. Zwei Tage später brachten die Blätter anstatt der im Sand verlaufenen Volksdemonstration gegen Hauptmann Ehrhard bte Mittheilung von der Begnadigung und ehrenvollen Auszeichnung des Helden der Sturmfluth, sowie von der nachträglichen Decorirung des Invaliden von 1870, welcher sich in dieser heiklen Lage nicht bloß durch zärtliche Liebe für den Neffen, sondern auch durch fine eiserne, jedes persönliche Empfinden unterdrückende Pflichttreue ausgezeichnet hatte. Onkel und Neffe waren in dieser Weise so eng miteinander verbunden worben, daß man beide zugleich feierte und die allgemeinste Befriedigung sich darüber aussprach. Dann kam der Tag, wo Willibald in de» Hauptmann» Wohnung zurückkehrte, wo er alle Ovationen der vor dem reich mit Guirlanden geschmückten Hause versammelten Menge ruhig über sich ergehen lassen mußte, und bann kam auch bet schönste Tag seine» Lebens, welcher ihn mit ber Geliebten vereinte- Die Hauptkirche, in welcher die Trauung der beiden Paare vollzogen wurde, konnte die Menge nicht fassen, draußen wogte es im herrlichen Sonnenschein vergnügt durcheinander, Arm und Wohlhabend, in modernen Toiletten und im Arbeitskleide, als wären sie Alle an dieser Hochzeitsfeier betheiligt. Die Wagen rollten heran. Der alte Hauptmann wurde mit dem ersten Hnrrah empfangen, das sich beim Erscheinen seines Neffen lawinenartig zu einer großartigen Huldigung gestaltete, welche den jungen Mann als Ausdruck innerster Dankbarkeit und Hsrzen-empfindung mit tiefer Rührung er- 66 „Ein wunderschönes Paar!" hieß es dann, al» drinnen in der Kirche die Orgel erklang und auch die Woge« der Aufregung sich hier draußen beruhigten, um einer weihevollen Stimmung Raum zu geben. „Na, der Amerikaner und seine Profeflorstochter können sich auch sehen lassen," meinte ein alter Herr. „Sie macht eine glänzende Partie, da er schwer reich sein soll." „Aber er nimmt sie mit nach Amerika, begreife nicht, wie die Eltern, die doch sehr wohlhabend sind, da» einzige Kind so weit fortziehen lassen können." „Bitte recht sehr," tönte es von anderer Seite dazwischen, „er hat die schöne Leonore nur unter der Bedingung bekommen, wenigstens in Europa seinen Wohnsitz zu nehmen. Ich weiß aus sicherster Quelle, daß er eine Filiale seines großen überseeischen Geschäfts in London errichten und sich auch an einer von dem jungen Herrn Ehrharb im großartigen Maßstab geplanten Maschinen-Fabrik betheiligen, also in London und hier am Ort seinen wechselnden Wohnsitz nehmen wird. Die Fabrik kann unserer Stadt einen ungeahnten Auffschwung geben." „Seine Festungshaft hat er doch schon abgemacht?" fragte eine Dame. „Natürlich, — das war doch nur pro forma und hat ihn nicht gedrückt. Mich wundert, daß er nicht sein Jahr noch abdienen muß." „Allerdings muß er das, und zwar als Ingenieur, was ihm ebenfalls keine Schwierigkeiten bereiten wird. Nun, es existirt wohl keine Seele in der Stadt, welche sich über den Gnadenact unseres Herzogs nicht gefreut hat." Diese Stimmen aus der Zuschauermenge hatten in allem den Nagel auf den Kopf getroffen. Es war so, wie man sagte; Willibald wollte hier in der Vaterstadt aus eigenen Mitteln eine Maschinenfabrik errichten, und Hamson, um derselben die nöthige Leistungsfähigkeit zu sichern, als Compagnon eintreten. Zwei prachtvolle Landhäuser in der reich mit Waldung gesegneten Umgegend wurden bereits für die jungen Ehepaare gebaut, und während Willibald ein stilles Häuschen bis zur Vollendung des eigenen Heims sich gemiethet, wollte Hamson mit seiner Leonore in die schottischen Berge eilen, um dort in der romantischen Stille und Einsamkeit da» erste Jahr seines jungen Glücks zu verleben. „Du ziehst mit Papa zu uns,ßTante Dorothea!" hatte Elisabeth decretirt. „Nein, Kind, ich bleibe in meinem Asyl. Papa aber wird endlich ein festes Heim gefunden haben, woraus kein fremder Lärm ihn vertreiben kann." Drinnen in der Kirche war mittlerweile die Doppeltrauung zu Ende, die Orgel verkündete in hehren Accorden den Schluß der heiligen Handlung. Die Wagen fuhren vor. Alle Hälse reckten sich, um einen Blick auf die Neuvermählten zu werfen, aus deren Augen das reinste Glück leuchtete. Und dann erscholl wieder ein brausendes Hoch, welches dem alten Stelzfuß, der soeben die Schwelle des Gotteshauses überschritt, Thränen in's Auge lockte. Sich hastig umwendend, ergriff er die Hand der ihm folgenden, puritanisch gekleideten Bernhardine Melchior mit festem Druck. Ein glückliches Lächeln huschte über ihr blasses Gesicht wie ein Sonnenstrahl jener Liebe, welche vom Himmel stammt und sich gewaltsam durch die Lava und Asche der Selbstsucht Bahn bricht, wenn das Herz von der Hand der ewigen Allmacht getroffen wird. G-ineinniWges. Gefrorenes Obst wieder brauchbar zu machen. Man füllt einen großen Napf mit recht kaltem Wasser, legt das Obst hinein, entfernt die sich bildende Eiskruste und läßt es an der Luft trocknen. Gefrorene Mer eßbar zu machen. Ma« vermischt Brunnenwasser mit Salz und legt die Eier hinein. • e Eier aufzubewahren. Man wähle hierzu solche, die frisch vom Nest kommen, oder nur getragen, aber nicht gefahren worden sind, am wenigsten solche, die mit der Bahn befördert wurden; dann lege man sie in eine Auflösung von 10 Theilen Wasser und ein Theil Kochsalz; nach Jahresfrist schmecken sie noch wie frische Eier. * • Will man gutes Fett und zugleich einen saftigen Braten bereiten, so nimmt man am besten ein Eckschwanzstück von etwa 5 Pfund, das im Winter wenigsten» 8, im Sommer 3 bi» 4 Tage „altgeschlachtet" sein muß. Man reibe e» zunächst mit feinem Salz ein — zu viel Salz macht den Braten zähe. Hat man unterdessen 2 Pfund in kleine Würfel geschnittene» Nierenfett in einer sauberen Pfanne etwa» flüssig werden lassen, so legt man den Braten nebst einem Stück Butter hinein, fließt einen Theil des Fettes darüber und läßt das Fleisch bei öfterem Begießen und einmaligem Umwenden auf jeder Seite etwa drei Viertelstunden hindurch langsam braten. Das Fett muß hell bleiben, andrenfalls erhält die Sauce keinen feinen Geschmack. Nimmt man endlich den Braten heraus, so halte man ihn möglichst heiß. Den größten Theil des Fetts fülle man in einen Steintopf und gieße zu dem Rest in der Pfanne soviel kochendes Wasser, wie man Sauce haben will. Darauf siebt man das Ganze durch, giebt geschnittene Zwiebel, einige Wachholderbeeren und etwas Mehl hinzu und läßt das Fleisch noch 1 bis 1V2 Stunden in dieser Sauce schmoren. ♦ ♦ Gebratene Kartoffelbällchen. Mit Wasser und Salz weich gekochte, trocken abgegoflene Kartoffeln stampft man fein und verrührt das Gestampfte mit ein wenig guter Milch, einem Stückchen guter Butter, wenn man will, mit einigen Eiern, und etwas Muskatblüthe. Aus dieser Masse formt man kleine, nicht zu dicke Bällchen, bestreut sie mit geriebener Semmel und backt sie in Butter oder in Butter und Fett schön braungelb. Dies Gericht paßt zu jedem feinet« Gemüse und Braten, wie auch Abends zum Salat oder zum Thee. VermMchtss. Auguste: „Na Rieke! Bei so 'en Doctor Dienstmädchen zu sind, bet is gar zu schrecklich. Denke Dir, jeden Morgen hat er seine Knochen in dem ganzen Zimmer 'rum liegen." — Rieke: „Herrjeses! Nimmt sich denn der Mann bet Abenbs janz ausenanber?" • * * Boshaft. Pfarrer (kahlköpfig): „Ja, Herr Registrator, jedes Haar auf unferm Haupte ist gezählt!" — Registrator: „Da waren die Ihrigen wohl mit fortlaufenden Nummern versehen?" ♦ ♦ Ein Glück. „Fünfhundert Thaler Gehalt hat Dein Bräutigam nur? Da könnt Ihr ja nicht einmal eine Köchin halten?" — „Ist auch gar nicht nöthig . . . Eduard kann selbst kochen!" O * ♦ Seine Krankheit. Arzt (zu einem Patienten, der gleich an der Thüre wieder umkehren will): „Was wollen Sie? So bleiben Sie doch da!" — Patient: „Ach nein! Sie können mir ja doch nicht helfen . . . Sie haben ja selbst eine rothe Nase!" ♦ ♦ Schön gesagt! Emma: „Du, Karl hat mir geschworen, daß ich auf seine Liebe bauen kann!" — Ella: „Da» ist doch der reine Bau-Schwindler!" Rcbactien: A. Scheyda. — Druck unb Berlag brr Brühl'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Eieß-n,