Dienstag den 1 Oktober 1895 .Ä<- GW ■Oiij M ' ~i-Ax/r« WEE WKWWs^ ^BLLMWME^ SWMjWU MW ÄMMMMMM zMMA! r^.M.r.jtr TW ießCRcr wjainilierd'Killer Unterhaltungsbtatt ?um Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). !MJM Ihr Vermächtniß. «mnan von «agimiHan »oegeliiu lS«rts«tzim-.) Nach langen Minuten kam ziemlich schnell ein Wagen angefahren, deutlich hörte man das Geräusch der Räder durch die Morgenstille. Heyd athmete erleichtert auf. Hellmuth sprang auf und lauschte, aber das Geräusch verhallte so schnell, wie eS gekommen. „Sie waren es nicht, " sagte Hellmuth, verließ die Stelle, auf der er lauschend gestanden und zündete auf's Neue seine Cigarre an. Nach einer Weile blickte Heyd auf seine Uhr. «Die Zeit ist schon vorüber, hoffentlich haben sie nicht den Weg verfehlt." „Das glaube ich nicht, Arthur, denn Hartung kennt diesen Platz sehr genau." Wieder drang durch die Stille das Geräusch eines Wagens und diesmal war es der richtige. Beide standen auf und Hellmuth ging den Kommenden entgegen. Jetzt hörte Heyd Stimmen; er sah den Doctor, der den Pistolenkasten in der Linken hielt, aus dem Walde treten, eilte ihm entgegen und streckte ihm von Weitem seine Rechte entgegen- „Gott zum Gruß, mein lieber Baumeister, mein alter, lieber Junge. Meine Pistolen sind in Ordnung. Mit den Schöffen, die recht lange darin geruht, schoß ich gestern noch zwei Sperlinge auf fünfundzwanzig Schritte; aber was nützt es Dir, Du wirst die Waffe nicht gebrauchen!" Ueberrafcht sah Heyd auf den dickm Doctor, der ebenso ruhig seine Brillengläser putzte, wie wenn er Secirmeffer und Säge probirte, um ein Bein zu amputiren- Lebhaft sprachen Hartung und Hellmuth, die langsam gehend nun herantraten. Ehrerbietig grüßte Hartung den Baumeister und sagte: „Herr Baumeister, ich bin in die unangenehme Lage versetzt, ohne den Baron von Walten kommen zu müssen, so fatal e» mir auch ist; denn als ich gestern seine Wohnung verließ, nachdem der Herr Ingenieur Hellmuth und ich die noth- wendigsten Vorbereitungen getroffen, habe ich den Baron nicht mehr gesehen. Und sein Bursche, der immer gut unterrichtet schien, will keine Ahnung haben, wo er geblieben oder was ihm passirt ist. Unter diesen Umständen, Herr Baumeister, werden Sie alles Uebrige ermessen." „Nun, das ist fürwahr eine Ueberrafchung, von der ich in letzter Nacht nichts geträumt habe, doch Sie, Herr von Hartung, haben ja Ihre Pflicht gethan und ich danke Ihnen. Was nun den Baron von Walten anbetrifft, so ist ja aufgeschoben noch immer nicht aufgehoben," erwiderte Heyd und Beide verneigten sich. „Fahren Sie wieder mit zurück, Herr Lenzmann?" fragte Hartung, sich zu diesem wendend. „Nein, Herr von Hartung, ich werde nun den directen Weg zmückfahren." „So danke ich Ihnen, Herr Doctor, und bitte um Entschuldigung; entschuldigen auch Sie mich, meine Herren, da mir die Pflicht befiehlt, pm kt sechs auf dem Kasernenhof zu stehen." Er reichte dem Doctor und dem Ingenieur die Hand, grüßte den Baumeister und eilte von dannen. Hellmuth war nun wie umgewandelt; er zündete sich eine neue Cigarre an und steckte seinen Arm in den seines Freundes Arthur. Jetzt erst dachte er wieder so recht an die letzten glücklichen Stunden auf Wildenau und sein alter Frohsinn war plötzlich wieder da. Der kleine Doctor hatte inzwischen auch eine Cigarre in Brand gesetzt und legte Heyd« anderen Arm nun in den seinen. So schritten die Jugendfreunde vergnügt durch den Wald und wer sie so heiter plaudernd hätte ankommen sehen, würde bestimmt nicht geahnt haben, daß e» sich hier ganz kürzlich noch um Sein oder Nichtsein handelte. „Schickt Euren Wagen nach Hause, Kinder," sagte der dicke Doctor, den Pistolenkasten lustig hin- und herschwenkend, „und laßt uns eine kleine Fiühpartie bis zum Bahnhof machen, denn seht nur, wie Gotte» Sonne lacht und wie freudig sie den neuen Tag begrüßt!" Bald rollte der Wagen leichter den Weg herab und al« er um die nahe Waldecke bog, sagte der lustige Doctor wieder: „So, Kinder, nun werde ich Euch einen anderen Vor- Maa machen. Erst gehen wir durch die hohen BuchengLnge i „Du hast recht, Dickerchen," erwiderte Hellmuth und des königlichen Gartens von Oliva - Ihr könnt Euch dort reichte ihm seine Hand, denn man war am Bahnhose angelangt, in den Flüstergrotten gleich Eure Zukunft ausmalen — und | „Auch ich kann heute Dein Gast nicht sein, denn mich ruft dann kommt Für mit iu mir nach Zoppüt." I die Pflicht zu einem schwer erkrankten Patienten. Ich pumpte .Nun, Doctorchen, ich für mein Theil werde wohl nicht | ihm den Magen aus und setzte ihm eine neue Rippe ein — wilkommen, aber Deine Zukunft könntest Du Dir doch eigent- er bekam Havarie und hängt im Trockendock. lich auch ausmalen," entgegnete Heyd und blickte ihn fragend I Vierzehntes Capitel. "7 TaTVuWt M K ® " tnTiieber w Tage W ber Wer «d> in W4«u »Nb A-ihck ib« St nur .« * bL »oben * «« einen ®“^«?b& wÄ” '** " ’ nerflnüflien Ta« 9enck „Doch, doch, lieber Sohn, es sollte Euch ja eine Neber» I erfuhr, daß die Baronin von Walten, de» Oberförsters ältere raschung werden!" I und einzige Schwester, gestorben sei. „Nun, wir verstehen," sagte Heyd und klopfte dem I Hcyd versicherte ihn seiner innigen Theilnahme und er« Doctor auf die Schulter, „wenn man glücklich liebt, dann I kündigte sich nach dem Befinden seiner Fräulein Tochter, sucht man seine Freunde zu überraschen," und er sah Beide I „Ich danke Ihnen, Herr Baumeister, doch da kommt M erwartungsvoll an. „Aber sage nur, Lenzchen, warum kamst I ja selbst. Wir sind erst am Vormittage zurückgekommen, Denn Du^am Sonntag nicht nach Jeschkenthal? Du hattest es doch I gestern war die Beerdigung." dem Herrn Baurath und den Damen versprochen." j In tiefer Trauer stand Hertha vor der Thur, ms n „Ja, seht Ihr, Kinder, so geht es nun einmal dem Arzt, I den Baumeister erblickte, ging sie ihm einige Schritte enlgeg der seine Pflicht erfüllen will. Nie ist er Herr seiner Zeit, und begrüßte ihn freundlich. fte weder bei Tag noch bei Nacht, und Ihr wißt gar nicht, wie I Heyd sprach ihr fern herzlichstes Beileid aus und bat i glücklich Ihr seid. Ihr arbeitet munter Eure paar Stunden I in ernsten Worten, sich zu trösten, denn er wußte, daß! herunter, dann sagt Ihr: Feierabend und nun kommt uns ihre Tante sehr liebte. Er fand Hertha sehr blechund m Keiner mehr; und des Nachts, dann habt Ihr Eure Ruhe | gegriffen und dennoch schien sie ihm nicht so betrübt, und schlaft wie die Murmelthiere." ’ diesen Umständen nach erwartet hätte. Kie Männer gingen nun auf die Kanzlei, wo sie allein waren, und der Oberförster bat, Platz zu nehmen. „Herr Baumeister," begann er, „wenn Jemand da ist, der mein ganzes Vertrauen besitzt, so sind Sie es und darum wollte ich Sie bitten, mich einige Augenblicke anzuhören. Der Verlust meiner lieben Schwester ist mir sehr nahe gegangen, aber die Ursache ihres schnellen Todes noch bei Weitem mehr. Vor zehn Jahren wurde meine Schwester gelähmt und sie hat seit dieser Zeit Schloß Walten nicht mehr verlaffen. An Stöcken konnte sie sich nur mühsam bewegen und es wurde ihr sehr schwer, bis in ihren Garten zu gelangen- Mein Schwager war kein reicher Mann, doch besaß er so viel, daß er mehr als standesgemäß leben konnte. Sein Geld hatte er in sicheren Papieren auf der Reichsbank in Danzig niedergelegt, und aus seinen großen Ländereien, die er theils verpachtete, theils selbst bewirthschaftete, nahm er viel Geld ein. Er führte ein strammes Regiment, wie er selbst ein pünktlicher, tüchtiger und ordnungsliebender Mensch war. Seine Inspektoren waren fleißige Leute, die ihm nichts weiß machen konnten, da er in der Landwirthschaft genau Bescheid wußte. Da kamen die Kriegsjahre und des Königs Ruf drang auch zu meinem Schwager. Als Lieutenant zog er hinaus in die blutige Schlacht und zwei Tage vor seines einzigen Sohnes neuntem Geburtstage empfingen wir die Nachricht von seinem Heldentode bei Vtonville- Meine Schwester war wie vernichtet und lange Zeit war fie für Niemandem zu sprechen. Tagelang schloß sie sich in ihr Zimmer, bis es mir endlich gelang, sie wieder in ruhigere Bahnen zu leiten. Die beiden Jnspectoren wirthschasteten nun weiter, aber die Erträgnisse unv Einkünfte wurden von Jahr zu Jahr geringer- Meine Schwester, die Niemandem etwas Unrechtes zutrauen konnte, am allerwenigsten diesen Leuten, hat auch nie erfahren, daß diese Menschen in ihre eigenen Taschen arbeiteten und da» Vertrauen so schändlich mißbrauchten, Aber das war noch nicht das Schlimmste. Arthur besuchte bald die Kadettenschule in Kulm, au» der er al» Lieutenant hervorging. Ich habe den Jungen geliebt wie mein eigen Kind, wiewohl mir sein Benehmen oft nicht gefiel. Indessen gelobte er immer Besserung auf mein Vermahnen, nie ober im Leben hatte ich auch nur die geringste Ahnung, daß er ein — Spieler war," sagte der Oberförster erregt und zwei große Thränen fielen in seinen grauen Bart. „Bll' das Vermögen von Walten wurde nach und nach geringer. Hypotheken auf Hypotheken wurden ausgenommen und die Güter dadurch verpfändet; über meiner Schwester gingen die Augen nicht auf und nie hat ste mit einer Silbe davon zu mir gesprochen. Nie hat sie mir gesagt, daß sie für ihren Sohn oft große Summen bezahlte, einmal sogar zwanzigtausend Mark. Ich habe auch nie begreifen können, daß Arthur in den letzten Jahren stets das dritte Wort meiner Cousine, der Frau Doctor Weiler, war. Immer glaubte ich an ihre Voreingenommenheit für den Soldatenstand. Jetzt freilich bin ich anderer Meinung, nun ist mir Alles klar, denn auch ihr ganzes Verwögen ist dem Nimmersatten Teufel des Spieles geopfert- Allerdings gab er ihr Schuldscheine, auf denen die Zinsen reichlich eingerechnet waren, aber diese Scheine brennen vielleicht schlechter, als gewöhnliche Fidibusse. Vor vierzehn Tagen hat er nun wieder so unsinnig gespielt und hunderttausend Mark — sage hunderttausend Mark — verloren. Seine Mutter konnte ihm nichts mehr geben, wiewohl sie es vielleicht gern gethan hätte; er konnte zur bestimmten Frist sein Ehrenwort nicht einlösen, er nahm seinen Abschied und heute ist er auf dem Wege nach Australien, ohne seine Mutter, ohne uns noch einmal zu sehen. Hier ist der Wisch — sein letzter Brief — mit dem Ringe, den er uns sandte." Und der Oberförster nahm Beides an» einem verschlossenen Schub. „Seiner Mutter hat er ähnliche Mittheilung gesandt und 4ßd - al» ste inne wurde, welchen Schimpf er ihr und ihrem Haufe angethan, war ste aus'» Höchste erregt und nach zwei Stunden lag sie vom Schlage getroffen vor dem Bilde ihres Mannes. O, Herr Baumeister, was ich in diesen Stunden gelitten, das kann ich Ihnen nicht sagen und daher bin ich froh, daß Sie heute gekommen. Nun fühle ich mich erleichtert, denn der Mensch braucht in solcher Verfassung ein Herz, dem er sich ausspricht." — Ruhig hatte Heyd zugehört, dankte ihm für das Vertrauen, das er ihm geschenkt und sagte: „Fürwahr, es ist ein schwerer Schlag, der Sie getroffen; wohl aber Ihrer Schwester, die nun dahin ist, sie hat genug gelitten, die Erde wird ihr leicht sein, sie wird in Frieden ruhen und Ehre ihrem Andenken. Was bas Verschwinden Ihres Neffen anbetrifft, so hat mich diese Mittheilung auf's Höchste überrascht. Wieder ist es die alte Geschichte: Jugend, Leichtsinn, Verwöhnung, Eitelkeit, die Sucht, zu „repräsentiren" und e» Anderen nachzuthun, der „Club", das „Jeu“ und Aehnliches, was so viele stolze, hoffnungsvolle Offiziere in's Verderben und schließlich über's Meer treibt. Leider nur die wenigsten finden in ihrem Ehrgefühl noch die Energie, sich durch harte Arbeit im fremden Lande wieder emporzurichten, die meisten aber gehen schimpflich unter. Ihrem Neffen, Herr Oberförster, hat die strenge Erziehung gefehlt, denn wäre sein Vater noch am Leben, so hätten Sie gewiß bald mit Stolz auf Ihre Kinder blicken können, denn Curt hat kein schlechtes Gemüt h. Von Hause aus standen ihm aber viele Mittel zur Verfügung und so ist e» ganz natüilich, daß diese zum Wohlleben und Leichtsinn führten, denn diese „noblen Passionen", bei denen Spiel und Wetten obenan stehen, sind doch fast ausschließlich das Privilegium dieser Kreise. Curt von Walten war nicht der Erste, der diesem Moloch zum Opfer fiel und er wird auch nicht der Letzte sein; hätten wir, Herr Oberförster, das Leben von der nämlichen Seite kennen gelernt, so wäre es doch zum Mindesten fraglich gewesen, ob wir nicht denselben Weg gegangen wären- Mir war sein Leben und Treiben nicht unbekannt und dennoch wäre es tactlos gewesen, Ihnen davon Mittheilung zu machen, denn ich konnte ja nicht einmal wissen, ob Sie nicht ebenso unterrichtet waren wie ich. Auch hieße er wohl zu viel Vertrauen von mir heraurgenommen, mit Ihne« davon, zu sprechen, und das hatte ich wohl überlegt." (Fortsetzung folgt.) Zur Weeren-WerwerMng. In den mannigfachen Beerensträuchern, die wir im Garten, im Felde und im Walde antreffen, liegt ein Reich- thum, der von den meisten Menschen nocht nicht in dem richtigen Maße anerkannt wird. Wenn uns der Obstbaum und die Weinrebe im Stiche läßt, so finden wir zahllose Beeren, welche uns durch ihre Säfte in gesunden und kranken Tagen Labsal und Hülfe verschaffen. Da nun jetzt die beste Zeit ist, die Beeren der verschiedensten Arten zu sammeln, z- B. Schlehen und Hagebutten, so glauben wir es angebracht zu finden, unseren Lesern einige Winke über die mannigfachste Art und Weise der Benützung der eßbaren Beeren für die Küche und für den Haushalt zu geben. lieber die Verwerthung der Johannis-, Stachel- und Himbeeren haben wir schon in früheren Nummern Rezepte gebracht, weßhalb wir uns heute nur mit den noch am meisten vernachlässigen wild wachsenden Beeren beschäftigen werden: Brombeeren. Will man Brombeerensaft mit Zucker conserviren, so zerstampfe man die reifen Beeren, presse den Saft aus und nehme auf je ein Liter desselben 1 Kilo Zucker. Diese Vermengung setze man aufs Feuer und koche es so lange, bis kein Schaum sich mehr abscheidet; die erkaltete Flüsigkeit aber fülle man auf Flaschen. — Gelös aus Bromberen: i/3 Kilo Saft wird mit 500 bi» 600 Gramm 464 Zucker eingekocht und geschäumt. Die Masse wird heiß in Häfen gefüllt, welche mit Pergamentpapier zu verbinden und an trockenem Orte aufzubewahren sind. — Zum Einmachen ganzer Brombeeren nimmt man zu % Kilo geputzte« Beeren % Kilo geläuterten Zucker, läßt das Ganze ein wenig auf' kochen, nimmt die Beeren, damit sie nicht verkochen, wieder heraus, und läßt die Flüssigkeit um i/i einkochen. Sind die Beeren wieder in die Flüssigkeit gethan und das Ganze nochmals aufgekocht, so werden sie nach dem Erkalten in Gläser gefüllt und gut aufgehoben. — Brombeer-Essig. Die Beeren werden in einem Holzbottich zerstampft und mit so viel lauwarmem Wasser übergossen, daß die Masse gut gedeckt ist. Dieselbe bleibt 10 bis 14 Tage stehen, in welcher Zeit alles Unreine nach oben gährt, das dann sorgfältig abgenommen wird. Nun preßt man die Flüssigkeit ab und bringt den Most in ein reines Faß, thut etwas Essig oder ein Stückchen saures Schwarzbrod hinzu, bedeckt das Spundloch mit Gaze und läßt das Faß an einem warmen Ort bis zum Frühjahre liegen. Die Blätter der jungen Brombeere haben, sind sie getrocknet und mit Wasscraufguß gekocht, denselben Geschmack wie reiner, guter chinesischer Thee. Vogelbeeren eignen sich dann am Besten zur Bereitung von Gelse, wenn sie ihr schönes, frisches Roth und noch ihren vollen Saft haben. Die Beere« werden von den Stielen befreit, sparsam mit Wasser bedeckt und so lange gekocht, bis denselben Saft und Kraft entzogen ist. Dann wird die Brühe fein durch' gesiebt, gewogen und mit Zucker eingekocht. Zu jedem Pfund Saft ein Pfund Zucker. Hagebutten. Will man solche einmachen, so reibt man die frischgepflückten mit einem Tuche ab, befreit sie von ihre« Stacheln, schneidet die Krone ab und nimmt die inneren Körnchen mit einem Theelöffelstiel heraus. Dann läßt man sie in Wasser einmal aufkochen. Auf % Kilo Frucht nimmt man 375 Gramm Zucker, läutert diesen met Hagenbutten wasser, giebt den Saft einer Citrone, sowie die Schale davon und eine halbe Taffe guten Weinessig dazu und läßt die Hage» butten so lange darin kochen oder langsam ziehen, bi» sie an» fange» einzuschrumpfen. Nun nimmt man sie heraus, läßt den Zucker, bis er in breiten Tropfen vom Löffel fließt, kochen, und gießt ihn über die Früchte, die man noch einen Tag in einem sauberen Gefäß stehen läßt, damit sie recht geichmäßig durchziehen, ehe man sie in die Einmachegläser füllt- Verdünnt sich der Saft, so muß er wiederholt aufgekocht werden. — Die reffen Früchte geben auch einen vorzüglichen Liqueur. Man pflückt vom Frost getroffene Hagebutten, nimmt auf ein Liter derselben % Kilo seinen weißen Kandiszucker, thut Alles zusammen in eine Flasche mit 1,3 Liter gutem Branntwein und stellt sie auf den warmen Ofen. — Hagebuttenwein. 6 Liter Hagebutten, 2 Liter Wasser, 2 Kilo Zucker, 4 Oranger.' schalen, eine Flasche Arac- Die von Kelch und Stiel gesäuberten Hagebutten läßt man i« einem Gesäß teigig werden, wobei man täglich mehrere Male umrührt; zerdrückt und vermischt sie mit einem Drittel der angeführten Wassermenge und preßt sie aus. So verfährt man drei Mal. Der kleingeschlagene Zucker wird in den mit der Flüssigkeit gefüllten Glaskolben gebracht und dieser in den Keller oder eine temperirte Kammer gestellt; dann den Saft fleißig abschäumen. Die klein geschnittenen Orangeschalen bringt man in den Arac, verkorkt die Flasche gut und läßt sie über die Gährung ruhig stehen; dann gießt man den Arac in den Glaskolben und läßt denselben bi« März in Ruhe. Danach wird die Flüssigkeit filtrirt, auf Flaschen gezogen und verkorkt- Hollunverbeeren. Da« Conserviren des Hollunderbeersaftes. Die entstengelten Beeren werden mit Wasser gekocht, dann in ein feine» Haartuchsieb geschüttet und gut durchgedrückt. Der gewonnene Saft wird in einem reinen Gefäß tüchtig gekocht, geschäumt und dann auf Flaschen gefüllt- Verkorkt und verlockt häck sich der Saft mindestens ein Jahr. — Hollunderdeermus. Man gibt die abge- zupften Beeren in einen Mefsingkeffel, thut Zucker nach Belieben hinzu und kocht unter fortwährendem Rühren auf ganz schwachem Feuer da» Mus gehörig ein. In Häfen gethan und nach dem Erkalten gut verbunden, hält er sich lange. — HollunderbeereninHonig. Man schüttet die Hollunderbeeren in eine irdene Cafferole und giebt Zimmt, Nelken, Citrone«- schale, eine in Würfel geschnittene, in Butter geröstete Semmel und frischen Honig nach Belieben dazu, dünstet so da« Ganze, bi» es sülzig aussieht. Zuletzt kann man auch einen Eß- löffel Stärkemehl in kalter Milch gut aufgelöst dazu geben, gibt aber den Honig erst dann dazu, wenn der Holler abgekühlt ist. Schlehen. Um guten Schlehenmost zu bekommen, nimmt man zu 100 Liter Obstmost 4 Liter Schlehen, 2 bi« 3 Pfund Zucker und Vs Liter vom feinsten Weingeist. An di! Schlehen wird etwas Wasser gegossen und dann werden sie famml dem Zucker gekocht. Hierauf läßt man die gekochte Masse kalt werden, bringt sie (fammt Steine) nebst dem Weingeiste in dar Mostfaß und läßt Alles mit einander gähren. — E i n l a g e n. Aus y2 Kilo Schlehen nimmt man % Kilo Zucker, etwa» ganzen Zimmt und einige Gewürznelken, legt die von den Stielen befreiten Früchte in einen Napf, läutert den Zucker zu dünnem Syrup und gießt ihn darüber. So läßt man sie zugedeckt 24 Stunden stehen, schüttet den Säst ab, kocht ihn dick ein, schäumt ihn ab, thut die Schlehen hinein, läßt sie einige Male darin aufwallen, thut sie fammt dem Syrup wieder in de» Napf und deckt sie zu. Am folgenden Tage seiht man den Syrup wieder ab, kocht ihn mit Zimmt und Nelken, dickt ihn ein und gießt ihn nach dem Erkalten auf die in Büchsen ge> schichteten Früchte, welche man dann überbindet und aufbewahrt. — Al» Heil mitt el beitzHalrleiden, Verschleimung, Keuch- oder Stickhusten. Man nimmt einige Hände voll gedörrter Schlehen, thut sie in ein Kochgeschirr, güßt ein Liter Wasser daran, setzt die Mischung über Feuer und läßt sie tüchtig kochen. Hierauf seiht man die Brühe ab, zuckert sie alsdann, und trinkt sie so warm al» möglich in kleineren Absetzungen- — Liqueur. Man legt die Schlehen in ein GeW mit Wasser und läßt sie so lange darin liegen, bi« sich dar Fleisch von den Steinen ablöst. Die Steine säubert man gut, trocknet und zermalmt sie zu grobem Pulver. Auf 500 Gramm zerstoßene Kerne kommen 1500 Gramm Wasser, 1500 Gramm 90% gereinigter Weingeist, je nach Geschmack 600 bi« 800 Gramm gepulverter weißer Zucker, welcher, nachdem bai Ganze 8 bi« 14 Tage bei mäßiger Wärme aufeinander ein« gewirkt hat, zugesetzt wird- Wenn der Zucker sich aufgelöst hat, wird da» Ganze filtrirt und auf Flaschen abgezogen Der L queur wird mit dem Alter immer besser. Literarisches Toilette-Geheimnisse. Dieses Thema behandelt die »Wtrntt ißtobe* in ihrem Probeheft 1, das in allen Buchhandlungen gratis aufliegt, sehr originell. Die „Wiener Mode" ist das einzige deutsche Modeblatt, das vermöge seines Entstehungsortes schöpferisch auf seine« Gebiete wirken kann, dabei ist es das reichhaltigste. Sie liefert jährlich über 3000 elegante, practische Modebilder, mustergiltige Handarbeiten, 60 farbige Modeblätter, 12 Schnittmusterbogen und die GratisbeW „Wiener Kinder-Mode". Außerdem erhält jede Abonnentin von jeder Toilette Gratisschnitte nach Maß. Die „Wiener Mode", die per Ouaück nur Mk. 2,50 kostet, ist daher bestens zu empfehlen. „Heimchen am Herd." Unter diesem Titel beginnt in dem renommirten Verlag des in Dresden eine illusttirte Familun-Zeitschrift zu erscheinen, welcher wir nach Einsicht dec un5 vorlicgend-n ersten Nummer einen großen Erfolg mit Sicherheit prophezeien dürfen. „Billig und gut," sind ja zwei Begriffe, die sich nur in den seltensten Fällen vereinigen lassen, nun, in Hinsicht auf „Heimchen am Herd" wird sich auch der kritischste Beurtheiler zur rückhaltlosen Anerkennung der Bestrebungen gezwungen fühlen, ivelche den obengenannten Verlag zur Herausgabe der neuen Zeitschrift bewogen habens nämlich der großen Menge für billigsten Preis (10 Pfg. pro Wochcn- nummer, 3 Bogen Groß Quar tformai), eine Unterhaltungslectüre zu schaffen, wie sie von anderer Seite annähernd vorzüglich ausgestaite nicht geboten werden kann, Probenummern, welche daS Gesagte vollauf bestätigen, können unsre Leser durch jede Buchhandlung zur Ansicht er- halten, weßhalb wir von einem näheren Eingehen auf den textlichen wie illustrativen Inhalt absihen. Redaktion: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in G'eßeN-