1895, *V* V •• vv LNmeMMek -1 1—J , , _ -g*fe 1 . teLy f -- r-, -.-F-7 MAEM ^WWsL-?M ^WMWVtz KKMWK KLWSW UW MELDLMOM KWMMMM 1ÜSSB GMWSUU M .Untrrhaltungsblatt ?um Gießrnrr Anzeiger (Oenrrai-Anzeiger). Die Tochter des Meeres. Roman von «. Riovl«. (Fortsetzvag.) Lady Marian gab ihr kurz die Richtung und die Thür der Versteckes an, und Cora wandte sich zum Gehen. „Aber kommen Sie gleich zurück. Ich bin in Todesangst, bis Sie wieder hier find," sagte Lady Marian noch hastig, als fie die Thür schloß. Cora hörte sie entweder nicht oder sie achtete des Be- fehles nicht. Das leichte, spöttische Lächeln, das um ihre Lippen spielte, als sie den Corridor hinabeilte, sprach mehr für die letztere Vermuthung. Jedenfalls lief sie mit staunenswerther Sicherheit durch die ihr bezeichneten Gänge und Corridore, bis fie den Seitenflügel des Schlosses erreichte, der durch eine Treppe mit dem übrigen Hause verbunden war. Sie flog fast die Stufen hinauf und in wenigen Minuten stand sie vor der eichengetäfelten Thür, die Marian ihr beschrieben hatte. Sie holte tief Athem . . . dann schob sie den Schlüssel, den sie von Lady Marian erhalten hatte, in das Schlüsselloch und öffnete die Thür. Es war ein seltsames Gefühl, einem Menschen gegenüberzutreten, dessen Hand erst kürzlich mit Blut bedeckt war und Mr den sie durch die Gefahr, in der er schwebte, und den Glauben, daß er sein Leben und mehr als sein Leben für sie gewagt hatte, ohne es selbst zu wissen, eine große Theilnahme empfand. Aber im nächsten Augenblick hatte sie die Schwäche überwunden, und trat festen Schrittes und mit äußerlich ruhiger Miene in das Zimmer. XV. Lord Faros Hau», in dem vor wenigen Tagen noch Freude herrschte, war in düstere Trauer gehüllt, denn der edle Lord Faro war an den Folgen des unglückseligen Duells gestorben und gestern beerdigt worden. Die Läden waren geschloffen und Alle im Hause bewegten sich nur leis« und mit gedämpftem Schritt. „Liebe Netta, ich glaube, wir thäten am besten, den Ort hier bald zu verlassen. Das Unglück hat meine Nerven vollständig zerrüttet und Alles zu ordnen ist jetzt viel schwieriger, als wenn Dein Vater auf andere Weife gestorben wäre. Jetzt kann von einer Verbindung zwischen Dir und Lord Belfort nicht mehr die Rede sein, nachdem er den Tod Deines Vaters veranlaßt hat, wenn es auch vielleicht nicht seine Schuld ist; er war ja derselben Gefahr ausgesetzt. Schlimm freilich ist es, daß Dein Vater nicht lange genug lebte, um die Grafenwürde zu erhalten; dann hätte sich auch Dein Vermögen be- deutend vermehrt. Doch das läßt sich nicht mehr ändern und das Einzige, was wir thun können, ist, die Freundschaft mit Deinem Onkel, Graf Treville, so viel als möglich zu culti- viren. Ich dachte, wir gingen Deiner Gesundheit halber nach Cannes, dort hat er, wie Du weißt, die letzten fünf Jahre gelebt. Jede Minute erwarteten wir die Nachricht von seinem Tode; statt dessen stirbt Dein armer Vater noch vor ihm, und wie ich fürchte, durch seine eigene Schuld," sagte Tante Emily zu ihrer Nichte. „Das ist nun vorbei," erwiderte Netta niedergeschlagen, „und es läßt sich nichts mehr daran ändern. Aber diese düsteren Zimmer ertrage ich nicht länger; ich muß ein wenig hinaus in die freie Luft gehen." Und hastig, ohne die Einwände ihrer Tante zu achten, hüllte sich das junge Mädchen in ein leichtes Tuch und verließ das Haus. Sie sah reizend aus in ihrem Traueranzug. Ihre frische Gesichtsfarbe contrastirte wunderbar mit dem schwarzen Kleide und ihr goldenes Haar trat, von dem schwarzen Schleier eingerahmt, den sie lose um den Kopf geschlungen hatte, besonders schön hervor. „Die Trauer kleidet sie so gut, daß sie noch, bevor fie dieselbe wieder abgelegt hat, in die Welt eingeführt werden sollt»," dachte Lady Emily, als ihre Nichte von der Veranda in den Garten hinabging. „Daß sie erst fünfzehn Jahre alt ist, schadet nichts. Die Menschen heirathen jetzt sehr jung und gewiß wartet Jeder gern einige Monate auf eine schöne Erbin." Und Lady Emily vergaß fast die traurige Umgebung in der Erwartung, eine unbestrittene Macht über die nächste Zukunft ihrer reizenden Nichte zu bekommen. 268 Der unglückliche Lord hatte kaum seinen letzten Äthern- zug gethan, so vergaßen Die, welche ihm am nächsten und liebsten gewesen waren, schon den Kummer über seinen Verlust! Die Sonne schien hell, als Netta die abgelegeneren Wege der Domäne einschlug, aber wäre sie weniger in Gedanken versunken oder vielleicht weniger froh gewesen, für eine Weile den düsteren Zimmern entgehen zu können, würde sie wohl die rasch heraufziehenden schwarzen Wolken bemerkt haben, die bei der schwülen Luft in kurzer Zeit sich zu entladen drohten. Die Aussicht auf Freiheit, Bewunderung, Eroberung, nur von glänzendem Frohsinn und unbeschränktem Luxus gefolgt, schwebte dem elternlosen Mädchen vor. Vielleicht war sie deshalb ein wenig zu entschuldigen, denn der strenge Vater, den sie verloren, hatte weder ihre Liebe erworben, noch ihr Vertrauen gesucht, und die Erziehung ihrer Tante hatte sie in ihrem eigensinnigen Ungehorsam gegen seine Wünsche eher noch unterstützt. Vielleicht waren es diese herrlichen Ausstchten auf die Zukunft, die Netta so gänzlich blind machten gegen das Verschwinden der Sonne und sie unbewußt zu derselben Stelle führten, welche Zeuge von der denkwürdigen Unterredung zwischen ihrem verstorbenen Vater und Cora gewesen war. Doch plötzlich wurde sie durch heftiges Donnergeroll und durch das Herabfallen großer Regentropfen aus ihrem Sinnen geweckt, die es ihr geradezu zur Unmöglichkeit machten, wieder in das Haus zurückzulaufen, ohne bis auf die Haut durchnäßt zu werden. Ein Schrei entschlüpfte den Lippen des erschreckten Mädchens, als ein greller Blitz die schweren schwarzen Wolken theilte; und angstvoll blickte sie um sich nach einem Schutz vor dem heftigen Gewitter, während sie ihrer selbst unbewußt einen Hilfeschrei ausstieß, der inmitten der wüthenden Elemente unmöglich im Hause gehört werden konnte. Verwirrt von der Angst und halb geblendet von den rasch aufeinanderfolgenden Blitzen, waren Netta« Muth und Kraft fast verschwunden, als sie plötzlich einen schnellen Schritt in ihrer Nähe hörte. Dann umschlang sie ein starker Arm und sie fühlte sich eine kleine Strecke weit vorwärts gezogen und unterstützt, bis sie in dem Pavillon war. „Aengstigen Sie sich nicht, mein Fräulein," sagte eine wohlklingende Stimme mit einem fremden Accent, der ihr einen besonderen Reiz verlieh. „Es ist keine Gefahr vorhanden, das Gewitter wird bald vorüber fein." Netta hatte jetzt Zeit und Ruhe, sich ihren Gefährten genauer zu betrachten, und sie freute sich fast über ihr romantisches Abenteuer. Er war jung und entschieden hübsch. Die dunkelblauen Augen und das braune Haar, die von der Sonne gebräunte, dunkle Gesichtsfarbe, seine Bewegungen, ja selbst seine Kleidung hatten etwas eigenthümliches Fremdländisches, das Nettas Phantasie feflelte. Ueberdies lag auch in dem Ausdruck seines Gesichts ein Blick der Bewunderung, der schon nicht ohne Eindruck auf sie blieb. „Ich bin eine Thörin," sprach sie, als sie den soeben gehabten Schrecken überwunden hatte. „Ich glaube, ich wäre wirklich ohnmächtig geworden, wenn Sie mir nicht im rechten Augenblicke beigestanden wären. Es hätte sicher Niemand im Hause meine Stimme gehört." „Dann ahne ich recht, Sie sind Miß Faro," sagte der Fremde. Sein Blick glitt einen Moment über ihre Gestalt, als ob er ihr schwarzes Kleid mit einem Trauerfall in ihrer Familie in Verbindung bringen wolle. Sie legte sich diesen Blick aus und tiefe Röthe stieg ihr in die Wangen. „Es hat mich für einige Minuten in's Freie getrieben," sagte sie, sich entschuldigend. „Es hat uns ein so schrecklicher Schlag getroffen ... ich war wirklich ganz krank und dachte nicht, daß ich hier in diesem abgelegenen Theil de« Parkes Jemandem begegnen würde." Nun wurde der Fremde seinerseits verlegen. „Ich muß Sie für mein Eindringen hier um Verzeihung bitten, Miß Faro," sagte er ernst, „aber ich fühlte ein so u«. widerstehliches Verlangen darnach, die Wahrheit über Lord Faros Tod zu erfahren und wenn möglich Jemand zu sehen." Netta sah ihn scharf an. „So wollten Sie Jemand hier besuchen?" fragte sie. „Gewiß hat sich die Nachricht von meines armen Vaters Tode rasch in der ganzen Nachbarschaft verbreitet. Es ist zu schrecklich," fuhr sie fort. „Manchmal ist es mir, als sollte mich der Gedanke an meines Vaters Tod um den Verstand bringen, und Lord Belforts Antheil daran verdoppelt meine Sorge. Kannten Sie meinen armen Vater?" setzte sie nach kurzer Pause hinzu, während welcher Beide einander stumm betrachtet hatten. „Nein," antwortete er, „das heißt, Lord Faro und ich sind nie direct miteinander in Berührung gekommen, obwohl ich ihn oft gesehen habe. Ich kam nur deshalb nach Eng. land, um eine Unterredung mit ihm und Miß Cora zu er« langen." Netta schrack schmerzlich zusammen. „Mit Corot?" fragte sie und trat unwillkürlich einige Schritte von dem Fremden zurück. „Sind Sie ein Freund oder ein Verwandter von ihr? . . . Sie hat uns . . . ver- muthlich für immer verlassen." Der Fremde sah halb bittend in das erhitzte Gesicht des reizenden Mädchens und sagte: „Miß Cora ist nicht mit mir verwandt. Sie werden jedenfalls wissen, daß sie Überhaupt keine wirklichen Verwandten hat und was die Freundschaft anbelangt, so weiß ich kaum, ob sie mich wirklich als einen Freund anerkennen möchte." „Sie brauchen es auch durchaus für keine Ehre zu halten," versetzte Netta hastig. „Sie können sich nicht vorstellen, was für Unglück das Mädchen in unser Haus gebracht hat. Sie entzog uns die Liebe meines armen Vaters und ich glaube, sie war auch die Ursache des unglücklichen Streites, der seinen Tod und Lord Belforts Gefahr herbeigeführt hat." Helle Thränen glänzten in ihren Augen und flammende Röthe brannte auf ihren Wangen. „Sie halten mich doch nicht für böse und grausam, daß ich so spreche?" fragte sie, als ihr des Fremden Stillschweigen ausfiel. „Ich weiß wohl, ich sollte nachsichtig sein und ihr verzeihen, aber das ist sehr schwer; und sie war so eitel uitb kokett, daß ich sie nicht so lieben konnte, wie ich wohl gewünscht hätte." Des Fremden Stirn zog sich in düstere Falten, als sein Auge auf dem schönen jungen Gesicht mit dem sanften Ausdruck und auf dem Trauerkleid ruhte, das so rührend von dem Kummer sprach, den Coras verderbliche Reize verursacht hatten. „Ich Sie tadeln, Miß?" sprach er mit Wärme. „Gott weiß, daß ich nur zu viel Grund habe, Ihren Gefühlen gegen das unglückliche Mädchen beizustimmen, das nur dazu geboren scheint, Kummer und Gefahr zu bringen, wohin sie geht. - Doch war sie mir einst theuer," setzte er traurig hinzu, „und auch jetzt würde ich sie, wenn ich könnte, gern vor dem Schicksal retten, das sie selbst auf sich geladen hat, und sie wieder unter den Schutz stellen, dem sie sich einst entzog." „So kennen Sie Cora? Das heißt, so interesstren Sir sich für sie?" sagte Netta besorgt. „Vielleicht ist sie gar nicht so sehr zu tadeln, wie ich glaube, denn unser armer Papa wollte uns nie die Wahrheit über sie sagen. Nur wurde er furchtbar böse, wenn wir nicht liebenswürdig gegen sie waren und ihr nicht in Allem ihren Willen ließen." „Da gibt es wenig zu sagen, Miß Faro," entgegnete er. „Cora ist, so viel ich weiß, eine Waise und ein Findelkind, aber ich fürchte, daß auch Jene, welches Alles gethan haben, ihr die natürlichen Angehörigen zu ersetzen, sich nicht ihre Liebe erwerben konnten. Sie hat mir fast das Herz gebrochen- Wie traurig, daß sie auch den Frieden einer so jungen Dame wie Sie nicht geschont hat!" fügte er bitter hinzu- „Ich hätte ihr noch vergeben können." Nettas Augen waren zu Boden gerichtet, aber unter ihren Lidern glitt ein Seitenblick von unaussprechlicher Milde 289 hervor, der mehr Dankbarkeit ausdrückte, als ste in Worte zu kleiden vermochte. „Ist es möglich," rief der Fremde ungestüm, !als er die ergreifende Schwermuth in Nettas Blick sah, „ist es möglich, daß Ihr Vater neben Ihnen an eine Andere dachte?" „Still! Still! Er ist im Jenseits, der arme Papa. Aber Sie sagen ja selbst, daß sie kokett ist und intriguirt," flüsterte Netta traurig. Aber ehe er antworten konnte, wurde mit ängstlicher Stimme nach der jungen Erbin gerufen und Netta sprang wie electrisirt auf. „Ich muß gehen!" rief sie. „Niemand darf wiflen, daß wir zusammen hier waren. Meine Tante würde sehr böse darüber fein. Doch möchte ich Sie Wiedersehen und mehr von der unglücklichen Cora hören." „Sie sind ein Engel, da Sie so mild von ihr denken," sagte der Fremde. „Ja, ich werde Ihrem Befehl gehorchen. Ich werde hier bleiben in der Hoffnung, Sie wiederzusehen. Sie wenigstens sind aufrichtig und gut, und ich schulde Ihnen alle Achtung für Ihre Sanftmuth und Geduld bei so großem Kummer und Unrecht." Er preßte ihre Hand mit einer Wärme an die Lippen, die schmeichelhafter war als Worte. Sie warf ihm einen vorwurfsvoll koketten Blick zu, als sie davoneilte und es war ihm, als hätte sie ihm noch zugeflüstert: „Hier . . . morgen um dieselbe Zeit!" Netta begegnete den besorgten Fragen, die sie erwarteten, mit der Ausrede, das heftige Gewitter habe sie gezwungen, Schutz in dem Pavillon zu suchen. Aber in ihren matten Zügen war neues Leben und eine Zufriedenheit in ihrem Wesen, die wohl den Verdacht ihrer Tante hätte erregen müssen, wenn diese weniger mit wichtigeren Angelegenheiten beschäftigt gewesen wäre. Nettas Sucht nach Bewunderung war so unersättlich, daß sie jede Gelegenheit dazu wahrnahm. Und Rupert Falkner war jung und hübsch, und ein alter Verehrer der schönen Cora. Das waren große Reize in den Augen der eitlen und beleidigten Tochter des unglücklichen Lord Faro. XVI. Ernst, Lord Belfort, faß in der einen Ecke des Zimmers, in dem Lady Marian ihn verborgen hatte, den Kopf in die Hände gestützt und das Herz schwer von Trauer und Selbstvorwürfen, die ihn so tief niederdrückten. Es klebte Blut an seinen Händen und wenn er auch für den Augenblick noch nicht bestimmt wußte, ob sein Gegner tobt war, so hatte er doch wenig Hoffnung auf ein besseres Resultat. Er hatte Cora ihren Beschützer geraubt, er hatte Netta zu einer Waise gemacht, er hatte Kains Fluch auf sein eigenes Haupt geladen. In diesen Seelenqualen war alles Andere vergessen, das seine Schuld und Reue mildern konnte.' Er vergaß, daß die Forderung von Lord Faro ausgegangen war, er vergaß, daß es Lord Faros seltsame und unnatürliche Eifersucht gewesen war, die den Streit herbei- geführt hatte. „Sie werden mich hassen," dachte er. „Ja, Cora wird meinen Namen nicht mehr hören, noch an mich denken können, ohne zusammenzuschaudern und mich zu verwünschen. Aber, Marian, die arme, halbvergessene, ungeliebte Marian, sie ist mir zu Hilfe gekommen, sie hat die Sünde mit dem Schleier weiblicher Barmherzigkeit zugedeckt und hat Mitleid mit dem Sünder 34 Elender! Wenn sie, das seltsame Mädchen, mir doch solches Mitleid, solche Liebe gezeigt hätte ... ich würde diesen furchtbaren Schlag leichter ertragen haben. Ah, da ist sie, die liebe, edle Marian; trotz ihres Ranges und Reichthums kann sie den unglücklichen, verbrecherischen Spielgefährten ihrer Jugend nicht vergessen I" Es näherten sich wirklich leichte Fußtritte, und Hann wurde leise der Schlüssel im Thürschloß gedreht. .. , Seine Augen waren auf die Thüre gerichtet, als sich dieselbe langsam und geräuschlos öffnete. Aber das war nicht Marian in ihrer stolzen Schönheit und der halb gebieterischen Herablassung. Die Eintretende war jünger und größer, doch sah sie ebenso aristokratisch aus, wie die Erbin von Biddulph. Mit einem gewissen weiblichen Stolz in Blick und Miene begegnete sie seinem erstaunten Blick. „Miß Cora," rief er heftig, „ist es möglich?" „Ja," entgegnete sie ruhig, wenn auch mit einer gewissen Hast im Tone- „Lady Marian hat mich geschickt. Es ist kein Augenblick zu verlieren." „Warum?" versetzte er trübe. „Was ist geschehen? Welch' neue Trauerkunde bringen Sie, Cora?" Die Röthe der Aufregung wich einer tiefen Bläffe, als sie ausweichend erwiderte: „Ihre Sicherheit ist in Gefahr, Mylörd. Bitte, folgen Sie Lady Marians Wünschen ohne Frage oder Verzug." „Nicht, bis Sie mir dis Wahrheit gesagt haben," antwortete er, „doch wenn ich sie höre, hat das Leben vielleicht keinen Werth mehr für mich. Ist Lord Faro tobt?" setzte er in zitterndem, bangem Flüstertons hinzu. Cora konnte nicht sprechen, aber sie fühlte, daß es ihr nichts nützen würde, zu zögern, und als Antwort neigte sie stumm den Kopf. Bei der Bestätigung feiner schlimmsten Furcht lief ein Schauder durch seinen ganzen Körper. „Dann ist mir nichts an meiner Rettung gelegen. Ich werde hier bleiben, um die Strafe meiner Schuld zu tragen, um, wenn möglich, für das Verbrechen zu büßen," sagte er heftig. „Sie wollen Lady Marian den Schmerz bereiten, Sie vor ihren Augen aus dem Hause geschleppt zu sehen und ste als Vermittlerin Ihres Versteck; nennen zu hören!" erwiderte Cora vorwurfsvoll. „So ist der entscheidende Augenblick nahe . . . wollen Sie das damit sagen?" versetzte er rasch und sah sie bei feinest Worten forschend an. Die Antwort wurde ihr jetzt nicht so schwer. „Ja," sagte sie fest; „ja, es ist Eile nöthig ... Sie müssen sich sofort an dem Ort verbergen, den Lady Marian mir beschrieben hat. Es ist kein Augenblick zu verlieren. Schnell! Oder es ist zu spät!" (Fortsetzung folgt.) Madame Sans Gsne. Roman nach Biet orten Sardou und F. Morrean. Deutsch von Adele Berger. (Fortsetzung.) Und mit einem mitleidigen Seufzer begann sie die Kissen unter dem Kopf des Verwundeten zu ordnen, indem sie sagte: „Da schwätze ich, und das hilft Ihnen nichts. Wollen Sie nicht ein wenig schlafen, mein Herr? Da» Fieber wird dadurch nachlassen." Der Kranke fchüttelte leise den Kopf. „Erzählen Sie mir noch von Blanche," sagte er. „Das wird mich heilen!" Catherine lächelte und begann zu erzählen, wie sie, auf einem kleinen Gehöfte nicht weit von dem Schlosse des Marquis von Lavaline geboren, Fräulein Blanche hatte auswachsen sehen- Von der Marquise erzogen, die ihr Gatte, durch ein Hofamt an Paris gefesselt, den größten Theil des Jahres allein ließ, hatte Blanche ein ländliches Leben geführt, die Wälder durchstreifend, reitend und jagend, und keine Barriere war ihr zu hoch, kein Graben zu breit gewesen. Sie war nicht hochmühtig, plauderte zutraulich mit den Bauern und war oft in das Gehöft gekommen, wo sie die kleine Catherine sehr liebgewann. Eines Tages hatte der Marquis Frau und Tochter nach Versailles berufen. Catherine und drei andere junge Mädchen aus dem Dorfe waren' für den Dienst von Frau und Fräulein von Lavaline mitgenommen und Catherine war dem Waschhause zugetheilt worden. So hatten sie 260 —= mehrere glückliche Jahre zugebracht, dann war Frau von Lavaline gestorben und damals hatte Fräulein Blanche, die von ihrem Vater nach London, wohin eine diplomatische Misfion ihn rief, geführt ward, sie etablirt, indem sie ihr den Laden des Fräulein Lobligeois kaufte, wo sie sich jetzt befand. Ja, Fräulein Blanche war ein Wesen, da» würdig war, geliebt und gesegnet zu werden. Als Catherine die Erzählung ihre» einfachen Leben» und der Wohlthaten der Tochter des Marquis von Lavaline be« endet hatte, klopfte es an der Thür. „Ist das schon Lefebvre, der mit feinen] Kameraden von der Section zurückkommt?" dachte Catherine unruhig. „Seien Sie ruhig und machen Sie keinen Lärm," wandte sie sich zu Neipperg, der aufhorchte. „Wenn Lefebvre allein ist, hat es keine Gefahr, aber wenn seine Kameraden mitkommen, muß ich mit Ihnen sprechen und sie wegschaffen. Erwarten Sie mich also und fürchten Sie nichts." Etwas aufgeregt ging sie öffnen und ihre Ueberraschung war ungeheuer, als eine junge Frau in den Laden stürzte und außer sich rief: „Er ist hier, nicht wahr? Man hat mir gesagt, daß ein Mann sich hierher geschleppt hat — lebt er noch?" „Ja, Fräulein Blanche," antwortete Catherine, in dieser verstörten Frau das Fräulein von Lavaline erkennend. „Er ist geborgen — er lebt und spricht von Ihnen. Sehen Sie ihn sich an." „O, meine gute Catherine, wa» für eine glückliche Inspiration war ee, daß ich ihm Deine Wohnung als ein sicheres Asyl bezeichnete, als er sich den Edelleuten vom Schloß zum Kampfe anschloß I" Und Fräulein von Lavaline ergriff die Hände Catherinens und drückte sie voll Dankbarkeit, indem sie hinzusügte: „Führe mich zu ihm!" Der Anblick Blanches übte auf den Verwundeten eine ergreifende Wirkung. Er wollte vom Bett herabspringen, auf da» ihn auszustrecken Catherine so viele Mühe gekostet hatte. Die beiden Frauen mußten beinahe zur Gewalt Zuflucht nehmen, um ihn zurückzuhalten. „Du Böser!" sprach Blanche mit ihrer sanften Stimme. „Also sterben wolltest Du!" „Das Leben ohne Dich war eine Last. Konnte ich, um es zu verlassen, eine edlere Gelegenheit finden, als mitten im Kampf, den Degen in der Hand und dem Tode zulächelnd, der mir glorreich und festlich entgegenkam?" „Undankbarer, Du solltest für mich leben!" „Für Dich! Warst Du in meinen Augen nicht schon eine Todte? Solltest Du mich nicht für immer verlassen?" „Diese verhaßte Heirath war noch nicht geschlossen — ein Zufall konnte uns helfen — Du hättest noch hoffen müssen." „Aber Du hast mir doch selbst gesagt, daß keine Hoffnung mehr sei," rief Neipperg. „Heute, am 10. August, solltest Du die Frau eines Anderen werden und Frau von Lowendaal heißen! Dein Vater hatte e» so beschlossen und Du konntest Dich nicht wiedersetzen." „Du weißt, daß meine Thränen, meine Bitten nutzlos waren. Baron von Lowendaal, der belgische Millionär, hatte meinem Vater große Summen vorgestreckt und verlangte sofortige Zahlung — oder meine Hand und vor dem Ruin stehend, willigte mein Vater ein, ihm zu geben, was er am meisten wünschte . . ." „Und was Deinem Vater am wenigsten kostete — der Marquis zahlte seine Schulden mit seiner Tochter!" „O, Neipperg, mein Vater wußte nicht, daß unsere Liebe so groß ist — er wußte es nicht — er weiß e» nicht," sprach Blanche mit wachsender Energie. Während dieses Gespräches zwischen den Liebenden hatte sich Catherine beiseite gehalten, und ging au» Zartgefühl in ihren Laden, geradezu als Neipperg, Blanche mit schmerzlicher Verzweiflung betrachtend, laut ausrief: „Ja, sie werden auch niemals etwas erfahren, denn ich werde verschwinden, untertauchen. Siehst Du, mein Tod hätte Alle» gutgemacht, aber die Kugeln der Sansculotten meinten es nicht ernst mit mir und so muß von Neuem angefangen werden! Aber in den kommenden Jahren wird es nicht an Gelegenheiten zum Sterben fehlen — der Krieg ist erklärt — ich werde den Tod, der bei dem Sturz der Tuilerien nichts von mir wissen wollte, in den Reihen der kaiserlichen Armee, an den Ufern des Rheins suchen!" „Du wirst das nicht thun!" „Wer kann mich daran hindern? Aber Verzeihung, Blanche! Heute ist der 10. August, der für Ihre Hochzeit bestimmte Tag — wie kommt es, daß Sie hier find? Ihr Platz sollte an der Seite Ihres Gatten sein — man erwartet Sie in der Kirche. Warum zögern Sie, den Baron von Lowendaal glücklich zu machen und die Schulden des Marquis zu zahlen? Ohne Zweifel hat der Kampf die Ceremonie unterbrochen; aber jetzt hat das Schießen aufgehört, die Sturmglocke schweigt, nun können die Hochzeitsglocken läuten. Lassen Sie mich sterben — hier oder anderswo, heute oder morgen, was liegt daran?" „Nein, nein, Du mußt leben — für mich, für unser Kind!" rief Blanche, indem sie sich über Neipperg beugte und ihn leidenschaftlich umarmte. „Unser Kind!" murmelte der Verwundete. „Ja, unseren lieben, kleinen Henriot. Du hast nicht das Recht, zu sterben, Dein Leben gehört Dir nicht mehr allein!" „Unser Kind!" wiederholte Neipperg schmerzlich. „Aber — Deine Hochzeit?" „Hat noch nicht stattgefunden und so lange ich noch Hoffnung . . „Wirklich, Du bist noch nicht Frau von Lowendaal?" „Noch nicht — und vielleicht nie!" „Erkläre mir . . ." Und eine fieberische Angst prägte sich in dem Gesichte des Verwundeten aus, während Blanche antwortete: „Als Du fortgingst — nach einem Abschied, den wir beide für einen ewigen hielten — kündigtest Du mir an, daß Du Dich den Vertheidigern des Schlosses anschließen wolltest. Das hieß dem Tode entgegengehen. Damals bezeichnete ich Dir den Laden der braven Catherine als ein sicherer Asyl, wenn es Dir gelänge, aus den Tuilerien zu enfr kommen — aber ich hatte auch die Hoffnung, Dich dort zu treffen." „Du hofftest das, Du? Trotzdem Du Deinem Vater gehorcht und versprochen hattest, die Gattin des Barons Lowendaal zu werden. „Ja, aber ein Etwas sagte mir, daß diese Hochzeit ver- schoben werden würde." „Und war dies der Fall?" „Der Aufruhr tobte in den Vorstädten, da erklärte mein Vater, daß es unmöglich sei, die Hochzeit an dem bestimmten Tage abzuhalten. Baron Lowendaal schlug mir vor, die Trauung später zu vollziehen — in drei Monaten." (Fortsetzung folgt.) Wer weiß es nicht? Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen Und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'»; Das nehme jede Hausfrau sich zu Herzen Un kaufe einzig echtes Zacherlin. Unübertrefflich, unerreicht und schnelle Vernichtens der Jnsecten böse Schaar A tempo, zweifellos und auf der Stelle, Es ist erstaunlich! Es ist wunderbar! Doch lasse jede Hausfrau ernst sich rathen, Zu kaufen einzig echtes Zacherlin; Man hüte sich vor allen Surrogaten: Sie sind nur Schund, 's steckt keine Kraft darin. Man kann das Etikett', die Form der Flaschen, Den Namen enden selbst auf „—in" und „—(in", Doch mit Erfolgen niemals überraschen: Das kann allein nur Zacherl's Zacherlin! StoMSrtten: «. «chrhd«. — »nrf m* Bette# ter «rühr'sch« nut «teinbraderei (Pirsch » Schey»«) i» »ichrs.