Nnt«chaltungrblatt znin (Siebener Anzrig«» (Gen«val»rlnz«rg«v) M. 127. 1894. »ä «s /' ',:äi'l LWckd-^MZ SB WWM^^ Dienstag, den 30. October. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen. lFortsetzung.) „Sie erzählen reizend," sagt plötzlich der Fürst mit einer kleinen Verbeugung zu Lola. „Sie besitzen die Verve und Grazie der Französin." Lächelnd schüttelt sie das lockige Haupt. „Wenn das ein Compliment sein soll, mein Fürst, so weise ich es zurück. Ich kann nicht zugeben, daß die Französinnen mehr Verve besitzen, als die Engländerinnen." „Gleichen sie Alle Ihnen, dann gewiß nicht." „Sie sprechen Englisch sehr gut." »Ich spreche Russisch weit besser. Doch hatte ich englische Bonnen und einen englischen Erzieher. Meine Mutter, die eine Griechin war, liebte diese Sprache." »Ich hörte, die englischen Frauen haben Sie enttäuscht. „Es war so." Seine Augen sagen mehr als die wenigen Worte. Als die Herzogin die Tafel beendet und die Damen sich zurückziehen, öffnet der Fürst die Thür mit einer tiefen Verbeugung. Lola fragt sich, ob dieselbe ihr oder der Gastgeberin oder einer der anderen Damen gilt. Sein Blick hatte es nicht verrathen. „Wie gefällt Ihnen Fürst Orlowsky?" fragt die Herzogin leise. „Sehr gut," entgegnet Lola ebenso. „Er hat etwas unendlich Vornehmes in seinem Wesen. Man kann merken, daß er geboren ist, um zu herrschen." „Gewiß, Baronin." Und die Herzogin lächelt ein wenig spöttisch. Da es ein kühler Aprilabend ist und der Wind durch die kahlen Zweige vor den Fenstern pfeift, flackern lustige Feuer in den Kaminen. Die Damen lassen sich Sessel heran- Acker» und nehmen Platz. Die großen Crystallkronen und Armleuchter werfen bunte Reflexe auf die schönen Gesichter. Sie spielen mit Lolas lockigem Haar, so daß es wie Gold erglänzt, mit ihrem unbehandschuhtem Arm, der, seiner Hülle oaar, nachlässig auf dem dunkelblauen Sammt des Sessels ruht. Als die Herren eintreten, fällt eines Jeden Blick unwill- Arlich zuerst auf dies unvergleichlich liebliche Bild. Lord Rawdon, der kaum ein Wort mit Lola gewechselt hatte, sieht ein wenig genirt aus, als der Fürst sich ihr nähert. „Wie angenehm die englischen Kamine sind," sagt letz- ter er, indem er einen Stuhl heranzieht und sich neben Lola niederläßt. „Sie haben Recht," entgegnet sie lebhaft, „ich kann mir kein gemüthliches Zimmer ohne Kamin vorstellen." Eine kleine Pause entsteht. Der Fürst blickt nachdenklich in das ihm voll zugewandte liebliche Gesicht. „Woran denken Sie?" fragt Lola neckisch. „Ich sehe es Ihnen an, Sie möchten mich etwas fragen." Er lächelt ein wenig. „Wie scharfblickend Sie sind. In der That, ich möchte Sie etwas fragen, aber —" „So fragen Sie immerhin. Ich behalte mir vor, ob ich antworte oder nicht." „Run gut. Ich glaube an das alte Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt I Ich will wagen." Und indem er sich tiefer zu der aufhorchenden Lola niederbeugt, fährt er leise fort: „Ihr Benehmen gegen Lord Rawdon ist ein so eigenthümlicher, daß ich wohl fragen darf: Hat er jemals das Unglück gehabt, Ihnen zu mißfallen?" „Ja, einmal. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen." Roch immer umspielt jenes seltsame Lächeln die feinen Lippen des Fürsten. „Verzeihen Sie mir! Ich hatte einen Grund zu dieser Frage." „Einen Grund? Welchen?" „Einen Grund — oder vielmehr eine Erinnerung. Ich bin seit meiner Anwesenheit in London fast täglich mit Lord Rawdon zusammen gewesen, und ich muß sagen, ich schätze ihn sehr hoch. Er hat mir kürzlich eine lange Vorlesung über blendende Lichter und Motten gehalten, nach welcher ich annehme, daß er Sie für dar blendende Licht und mich für eine außerordentlich große und blinde Motte hält." Jetzt lacht Lola höchlichst amüfirt hell auf. „Run, und —" „Ich entgegnete ihm, daß wir Russen keine solche Motten sind, die sich die Flügel verbrennen — mit anderen Worten, daß wir niemals an unglücklicher Liebe zu Grunde gehen. Verwundeter Ehrgeiz, verletzter Stolz, äußeres Elend — alle» Dies vermag uns in den Tod zu treiben, aber niemals unglückliche Liebe." „So verlieben sich Ihre Landsleute niemals?" fragt Lola ein wenig piktrt. „O, doch. Aber die Liebe übt keinen nachhaltigen Einfluß auf uns aus. Wir leihen unsere Kraft den politischen Kämpfen; wir vergießen unser Blut für das Vaterland. Aber niemals geben wir uns besondere Mühe, die Liebe eines Wei- 506 Für die nächsten Wochen bildet der Fürst Orlowsky das I Hauptgesprächsthema für die Londoner Gesellschaft. Kein hervorragendes Parlamentsmitglied, kein Mann der Wissen» I schäft, kein gottbegnadeter Künstler vermochte es, derart ihr I Interesse zu erregen, wie der „Königliche Russe", wie eine I etwas überspannte Dame ihn getauft hatte. Welche von den I Modeschönheiten ihn gewinnen und ob er überhaupt einer I solchen gelingen würde — das ist die wichtige, allerorten erwogene Frage. Alle möglichen Gerüchte über den Fürsten tauchen auf. Man flüstert, er fei selbst den Reizen der versührerischsten Odalisken und Tscherkesinnen gegenüber kalt geblieben. Sogar eine Prinzessin von königlichem Geblüt habe eine Verbindung mit ihm gewünscht. t Selbst die Baronin Medfort, an deren Unwiderstehlichkeit nach ihren vorjährigen Triumphen Niemand mehr gezwei- feit hatte, - selbst sie konnte sich keines besonderen Erfolgs rühmen. Der Fürst ist zwar äußerst höflich zu ihr; aber das ist er zu allen Damen. Die hübfchen Mädchen der Londoner Gesellschaft beginnen es fast al» Ehrensache zu betrachten, einen Angriff auf diese scheinbar uneinnehmbare Festung zu unternehmen. Inzwischen haben die linden Frühlingslüfte die Knospen und Blüthen aus der Erde gelockt. Die Festlichkeiten stehen auf ihrem Höhepunkt. Vertreter anderer Staaten, Männer der Wissenschaft mit bedeutenden Namen, durch Geist und Schönheit hervorragende Frauen — Alles hat sich in der eng» lifchen Metropole versammelt. Jeder Tag bringt eine neue, angenehm kitzelnde Aufregung: Heute eine Ehescheidung aus den höchsten Kreisen, morgen eine interessante Kindesaussetzung, übermorgen einen Giftmord-Proceß aus Eifersucht. Dem ruhigen Beobachter erscheint die Welt während einer solchen Hochsaison wie ein Irrenhaus* — diese verkehrte Welt mit ihren kurzathmigen Vergnügungen, ihrem wahnsinnigen Lieben und Hoffen, ihren verzweifelten Aengsten und Schmerzen. . . - bes zu gewinnen, oder sind gar unglücklich, wenn wir nicht - reussiren. Der Gedanke erscheint mir einfach absurd." „Ich kann nichts Unmännliches in der Liebe zu einer I Frau finden," sagt sie kurz und wendet sich ihrem Nachbar zu, mit ihm ein Gespräch beginnend. Lola fühlt sich entschieden verletzt. Alle Männer, denen sie bisher begegnet, hielten die Frau für das vollendetste Geschöpf der Welt, dessen Liebe zu erringen des Mannes größter Ehrgeiz fei. Zum Mindesten sagten sie so. Sie selbst ist vollständig davon überzeugt und ärgert sich, einen Auserwählten seines Geschlechts so gering von den Frauen denken | zu sehen. Während sie mit Anderen spricht, lacht, kokettirt, beobachtet sie ihn beständig. Seine überlegene Ruhe, der etwas spöttische Ton feiner Stimme reizen sie mehr und mehr. Sie beginnt, sich Mühe zu geben, dem Fürsten zu gefallen. Sie sucht seine Unterhaltung und zeigt ihm ein Interesse, welches diesmal keine Spielerei ist. Doch der Fürst bleibt augenscheinlich kühl. Er lacht, wenn Lola ihn sich ernst wünscht; er sieht fpöttisch aus, wenn sie einen feurigen Blick erwartet. Seine Höflichkeiten ihr gegenüber sind mit einer gewissen Satyre durchsetzt, die sie verwirrt. Wäre es möglich, daß sie sich vergebens um einen Mann bemüht — sie, um deren Gunst hundert Andere sich bewarben? Trotz dieser anscheinenden Kälte fühlt sie von Zeit zu Zeit seine Augen voll Leidenschaft auf sich ruhen. Blickt sie ihn dann an, so sind seine Züge wieder ruhig, seine Augen gleichgiltig und verschleiert, seine Lippen von jenem fatalen spöttischen Lächeln umspielt, das sie so unsicher macht. Noch niemals haben ihre Gedanken sich so viel mit einem Manne beschäftigt, wie an diesem Abend mit dem Fürsten Orlowsky. Sie denkt nicht nur beständig an ihn - er schleicht sich sogar Nachts darauf in ihre Träume. XIV. Lola ist mißgestimmt. Es verletzt ihre Eitelkeit mächtig, daß sie noch nicht den geringsten Erfolg in Bezug auf bett Fürsten Orlowsky aufzuweisen hat. All' ihre übrigen Eroberungen kümmern sie wenig. Sie nimmt sich nicht einmal Zeit, sie zu zählen. Jetzt beschäftigt sie ein Gedanke unauf- hörlich: „Wird der Fürst mir zu feiner Festlichkeit eine Einladung senden?" Schon feit mehreren Tagen erzählen die Zettungen von einem Diner, welches der Fürst Orlowsky in Richmond einem kleinen auserwählten Kreis geben will. Keine Kosten, keine Mühen sollen gespart werden, liebet die Preise der Weine, der Südfrüchte, der exotischen Gewächse, welche die Tasel schmücken sollen, coursiren die fabelhaftesten Gerüchte. Als Lola endlich die feingestochene Einladungskarte in der Hand hält, zuckt ein triumphirendes Lächeln über ihre Züge Sie weiß, die Zahl der Gäste ist auf nur zwölf be- schränkt. bem^(ben Mend begegnet sie dem Fürsten in einer Gesellschaft- gk für den Tag noch nicht versagt, Frau Baronin? ' fragt er mit einer bei ihm ungewöhnlichen Erregtheit. „Ich gebe das Diner hauptsächlich Ihnen zu ** „Sie sind sehr gütig, mein Fürst," erwidert Lola geschmeichelt. „Selbst wenn ich bereits versagt wäre, würde ich mich frei machen." ,, m t Schweigend drückt er durch eine tiefe Verbeugung fernen ®anE„Äommt Lord Rawdon ebenfalls?" fragt sie hastig. „Ich habe ihm eine Einladung gesandt. Doch ein Wort °°tt ^JchN'habe weder ein Wort, noch einen Wink Lord Raw- dons wegen," unterbricht sie ihn eisig. „Die Gegenwart dieses Herrn ist mir höchst gleichgiltig. Es war nur eine müßige Frage von mir." P Forschend blickt der Fürst ihr in die Augen. Ich möchte wissen, warum Sie und Lord Rawdon einander hassen," sagt er langsam. „Zwei solch' außergewöhnliche Menschen, wie Sie Beide '«Ich glau?e^fast"" Ich für meinen Theil möchte Lord Rawdon lieber zum Freund, als zum Feind haben. „ „Und ich möchte ihn in gar kemer Gestalt haben, be« merkt sie nachlässig. „Aendern wir das Gesprächsthema! Nach einer kleinen Pause sagt der Fürst lebhaft. ,^ch sehe mit Ungeduld unserem Richmonder Diner entgegen. Soll 14 3SÄ ZÄ - E wn« w I „Ich wage es wenigstens zu hoffen. Ich sehne mich I nach einer längeren ungestörten Unterhaltung mit Ihnen. I Bis jetzt konnten wir stets nur wenige Worte mit einander wechseln. Und doch möchte ich Ihre Gedanken, Ihr Empfin- I dungsleben kennen lernen." . I Er spricht in gedämpftem Tone und sichtlich erregt. „Könnte das Sie thatfächlich interefsiren?" fragt sie, die I Augenbrauen ungläubig emporziehend. I „So sehr, daß ich mir fest vorgenommen habe, es zu I el'Ot'^e oberflächlichen Gedanken und Empfindungen einer I Frau? Ei, ei, mein Fürst!" I Und Lola droht neckend mit dem Finger. I „Erinnern Sie mich nicht daran!" ruft er, die Hände I bittend erhebend. „Auch gibt es zwischen Frauen und Frauen I einen Unterschied. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich I einer Frau begegnet, die mich interessirt, fesselt, entzückt und I ~ ^,Wer kann das sein?" fragt sie mit gutgespielter Un- I ^^Man" nennt sie „Die Dame mit den weißen Hy»' I ClntSit einem vollen Aufschlag ihrer wunderbaren Augen I ruft sie in heiterer Verwunderung: „Das bin ich ja 1W" - 507 - und zieht sich vielbesprochene ist angebrochen. „Doch auch Wahrheit kann zuweilen Schmeichelei sein.' Wieder eine kleine Pause. ... Da fällt Lola» Blick auf „Vielleicht -" Der Fürst lächelt ein wenig tiefen Verbeugung zurück. XV. Der Morgen, an bem. dar Fürsten Orlowsky stattfinden soll, | Waldungen, durch welche man zwei Stunden lang fahren muß, mit einer I um er zu erreichen. Jeder Baum, jeder Strauch birgt Vogel- I nester und dar Singen der gefiederten Gäste hallt im Walde I wieder. Und um die Porste der Ganzen zu erhöhen, ertönt s.. I von Ferne dar Rauschen eine» Wasserfalles. Vergegenwärtigen Ä)rner oes i @ie eine s^che Fahrt zwischen hohen, stolzen Eichen auf „ n„ I breiter, kiesbestreuter Allee — kann es etwas Schönere» auf Lola steht früh auf und probirt ein neues Costüm an, I ber Welt geben?" dar sie sich speciell für diese Gelegenheit hat anfertigen lassen I Wie gut Sie die Welt kennen, mein Fürst," bemerkt Diesmal will sie nicht durch Einfachheit auffallen. Aller I g0[a ^it einem leisen Seufzer. „Sie könnten es gewiß nicht Glanz, alle Pracht, aller Luxus sollen entfaltet werden. I ertragen, dauernd an einem Ort zu leben?" Als die Gäste sich am Nachmittag in dem prächtigen I „Kayw — oder vielleicht doch. ... Er könnte ein Um- Empfangssaal des ersten Hotels von Richmond zusammenstnden, I stand eintreten, der mich für immer an die Scholle bände- — vergoldet die Sonne die ganze herrliche Scenerie, sich in dem I Aber ich verliere mich in Träumereien — klaren Fluß wiederspiegelnd. I „Welcher Umstand könnte das sein?" Bald ist man in animirtester Stimmung. Der Herzog I „Das sage ich Ihnen ein andermal." von Hurlingham erzählt mit vielem Geschmack die neuesten I Und er beugt sein Haupt auf ihre unbehandschuhte Aneedoten; Frau von Wylton ist eine der elegantesten und I Rechte und drückt einen langen Kuß auf dieselbe. jedenfalls die schneidigste Dame Londons; der Lieutenant Graf I Lolas Herz klopft vor befriedigter Eitelkeit. Ist es denn Hall hat die weichste Tenorstimme, die jemals außerhalb der I nMich, bG dieser Mann, dessen Herz uneinnehmbar schien, Bühne gehört wurde; die Gräfin Colvyn macht al» anerkannte I ber von fejnen Schlössern mit einer Nonchalance spricht, als Führerin der Gesellschaft stets Effect; der neapolitanische Fürst reiett pte möblirte Zimmer, von dessen Schätzen man flüstert Toledo ist fast weltberühmt durch seinen Reichthum und ein I roje ÖOn ben Märchen au« „Tausend und eine Nacht", — hierbei selten gefundene» Malertalent; die Baronin Manfred I baj dieser Mann sie liebt? . . . War soll sie thun? .... besitzt da» herrlichste blonde Haar und dazu die feurigsten I @(e kann ihn nicht behandeln wie einen Lord Rawdon oder schwarzen Augen; die junge Marquise von Brassey hat sich I e{tten Baron Gerald! ... Der Fürstentitel verlangt seine wiederholt mit viel Glück in der Schriftstellerei versucht, ohne I Rechte. ihre mädchenhafte Anmuth und Natürlichkeit zu verlieren. I Welch' wunderbare Aussichten jener Handkuß für Lola Dazu der Herzog und die Herzogin von Edenfield, Lord Raw- I Enet! don, Lola und der erlauchte Gastgeber — eine kleine erlesene I Beide schweigen kurze Zeit. Der Fürst scheint erregt; Gesellschaft. I Lola ist nachdenklich. Das wahrhaft fürstliche Diner ist vorbei. Der Herzog I „Glauben Sie an ein Fatum?" fragt er plötzlich. von Hurlingham, welcher schon längst ein Gespräch mit der 1 Darüber habe ich noch nie nachgedacht." gefeierten Schönheit erwünscht hatte, nimmt Lola für einige j Ich möchte wissen, ob es mein Fatum war, das mich Zeit völlig in Anspruch. Er ist ein geistvoller Gesellschafter „ach England gesandt." und sie bemerkt mit Vergnügen, wie Fürst Orlowsky das an- I „Hoffentlich ein glückliches Fatum?" gelegentliche Gespräch der Beiden mit augenscheinlichem Miß- I Das kommt darauf an . - . Wissen Sie, welcher Ge- muth verfolgt. Doch verbietet ihm die Höflichkeit, als Gast- I bQn(e mir soeben durch den Kopf fährt?" geber sich hineinzumischen. I Lola lächelt. , Endlich wendet der Herzog sich einer anderen Dame zu. „Ich bin keine Hellseherin. Sie müssen mir schon zu Der Fürst ist sofort an Lolas Seite. Hilfe kommen." „Wie gefällt es Ihnen hier?" fragt er schnell. I „Ich beschrieb Ihnen vorhin mein Schloß in Thüringen. Mit heiterem Lächeln blickt sie zu ihm auf. I @s besitzt Alles, was man sich nur wünschen kann. Und doch „Sehr gut. Ich bin zum ersten Mal in Richmond und ^hlt ihm Eines hatte keine Ahnung, daß sich hier ein solch' herrliches Plätz- „Das ist chen befindet. Wie schön, stets zu Mittag essen zu können mit Die Herrin. Ich habe oft von einer schönen Frau ge- dem vollen Ausblick auf das Wasser." träumt, die unter den dunklen Laubkronen lustwandelt, von „Ist das der Gipfel Ihrer Wünsche?" lacht Jener. „Ich einer Frau mit goldigschimmerndem, kastanienbraunem Haar." besitze ein Schloß am Rhein mit einem Speisesaal, dessen „Ihre Lieblingsfarbe?" Fenster direct auf den Fluß führen. . . - Kommen Sie mit @6 gibt nichts Schöneres, als wenn die Sonne mir auf jenen Balkon dort," fährt er nach einer kleinen Pause, mit ben kastanienbraunen Locken eine» Weibes spielt und gol- während welcher sein Blick mit unverhohlener Bewunderung btQe Reflexe aus dieselben wirft!" auf der entzückenden Gestalt geruht hatte, lebhaft fort. Das I ß - errötbet. .Welch' echt fürstliches Compliment!" zarte Rosa des kostbaren Sammtkletdes verleiht dem lugend- b ftX y frischen Antlitz ein noch erhöhtes Colorit. I „Und jetzt kommt mir abermals ein Bild," fährt der Lola betritt, gefolgt von dem Fürsten, den Balkon. I fort. „Ein großer Strom rauscht seine vom Sonnen- Eine Zeit lang stehen Beide schweigend an der Brüstung, kicht beglänzten Fluthen majestätisch dahin. Aus einem weißen Das liebliche Landschaftsbild da unten, die warme, balsamische inmitten der Wogen, ruht ein wundersames Weib und Luft, das leise Singen der Vögel, die ganze sriedltche Ruhe kämmt ihr langes, goldschimmernde» Haar. Das Weib trägt und Einsamkeit ergreifen sogar das Herz der Frau, deren Ge- 3bte güfle. es hat Ihr Haar, Ihre liebliche Stimme . . . danken sonst nur von ihrer eigenen Persönlichkeit erfüllt sind. D( keine Loreley kann so schön sein, wie Sie, Baronin! „Wie schön!" sagt sie tief aufathmend. „Gibt es der, @r 6at ihr genähert und die letzten Worte gedämpft gleichen Naturschönheiten auch in Ihrem Rußland? und leidenschaftlich erregt hervorgestoßen. „Gewiß. Vielleicht nicht ganz so friedlich, aber ebenso I { b(e Ger die Schmeicheleien anderer Männer fgn. eie Wien Acht L°fi- («um b-.cht-i »itte - fie lauf» fett Ich bin nicht sehr poetisch veranlagt; aber ich kann mir nichts i Malerischeres denken, als eine mit Schnee bedeckte Tanne." schmeicheln, mein Fürst," sagt sie fast schüchtern. Lola schüttelt das Haupt. „ I snreöbe nur die Wahrheit." „Für mich hat eine Tanne stets etwas Dusteres. Ich | "Doch auch Wahrheit kann zuweilen Schmeichelei fein." tkbe Dan? würde ^bnen mein Schloß in Thüringen gefallen. I Wieder eine kleine Pause. . . .Da fällt Lola» Blick auf Es liegt unendlich romantisch inmitten reicher Laubholz- j Lord Rawdon, der^ unter dem Balkon auf einer Bank sitzt, — 508 — den Kopf in die Hand gestützt. Seine melancholischen Augen blicken traurig in's Leere. „Wie interessant Lord Rawdon aussteht I" ruft sie impulsiv aus. Abmehrend hebt der Fürst beide Hände. „Sprechen Sie nicht von Lord Rawdon," sagt er fast heftig. In seinem Tone liegt etwas wie Haß. Lola sieht ihn erstaunt an. Um den Eindruck zu verwischen, sagt sie neckisch: „Sie haben mir schon von manchem Ihrer Schlösser erzählt. Besitzen Sie nicht auch eines, in welchem Gespenster umgehen?" „Gewiß," entgegnet der Fürst eifrig. „Da unten in der Normandie habe ich ein altes Castell mit einem tiefen Ziehbrunnen. In diesen Brunnen soll vor Jahrhunderten der damalige Schloßherr seine Gattin aus Eifersucht hinabgestoßen haben, und die Sage geht, daß um Mitternacht der Geist der ermordeten Schloßfrau dem Brunnen entsteigt und mit gerungenen Händen im Castell umherwandelt." „Huh, wie schaurig I" ruft Lola mit.komischem Entsetzen. „Schnell ein anderes Bild!" „So hören Sie von meinem reizenden kleinen Landhaus in den Champs Elysoes," entgegnet er lächelnd. „Es ist das freundlichste Haus, das ich je gesehen, voller Blumen, weißer Statuen und änmuthiger Gemälde —" „Hören Sie auf, mein Fürst," fällt sie mit einem glockenhellen Lachen ein. „Sie machen mich ganz schwindelig. Wie viel Häuser nennen Sie denn Ihr eigen?" „Es ist mir nie eingefallen, sie zu zählen," entgegnet er in gleichgiltigem Tone. „Ich suche stets dasjenige auf, in dessen Nähe ich mich gerade befinde. Ich liebe das Reisen. Es erregt die Nerven angemessen und man lernt Länder und Menschen kennen." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Zur Verjüngung des Hühnerbestandes empfiehlt es sich, alljährlich Vs desselben durch junge Hennen zu ersetzen. Die jährliche Eierproduction einer Henne steigert sich bis einschließlich des dritten Lebensjahres, vom vierten an nimmt dagegen die Zahl der Eier ab. Man schlachte die Hennen also, bevor sie das vierte Lebensjahr erreichen, und zwar kurz vor Beginn der Mauser (als Suppenhuhn) oder bald nach vollendeter Mauser (Brathuhn). Natürlich müssen die Thier« während und nach der Mauser sehr reichlich gefüttert werden. Hennen, welche vier Jahre und mehr alt find, bringen nicht mehr die Futterkosten ein. Für die abgehenden Hennen stellt man ebenso viele im letzten Frühjahr erbrütete Junge ein; ist man auf Zukauf angewiesen, so besorge man denselben im Anfänge destzWinters, nicht aber erst im folgenden Frühjahr, weil man dann mit den bei den Züchtern und Händlern zurückgebliebenen geringeren Thieren sich begnügen muß. Man wähle solche Hennen aus, die von Frühbruten stammen; die im Sommer erbrüteten Hühner stehen hinter jenen stets erheblich zurück. * ♦ * Hütet die kleinen Kinder vor dem Schaukel«. Es geschieht recht oft, daß der Arzt an das Krankenbett von Kindern im Alter von 2 oder 2‘/2 Jahren gerufen wird, die plötzlich von heftigen Krämpfen befallen worden sind, ohne daß die Mutter die Ursache zu nennen vermag. Den Fragen der Arztes gelingt es dann bald, festzustellen, daß das mit der Aufsicht betraute Kindermädchen oder eine sonstige Person durch häufige drehende oder schaukelnde Bewegung des Kindes die Krankheit desselben herbeigeführt hat. Der Leierkasten, der kurz vorher in der Nähe gewesen, hat die Wärterin veranlaßt, sich mit dem Kinde nach dem Tacte der Musik zu drehen und zu wiegen. Daß nach Beendigung de» Tanzes Idas kleine Wesen das Köpfchen hängen läßt, hat sie natürlich nicht bemerkt, bis die Krämpfe eintreten, die das Leben bei Kindern in so zartem Alter stets gefährden. Darum Achtung, ihr Mütter! * • * Der Aepfelgenutz vor dem Schlafengehen ist ein bewährtes Mittel zur Förderung der Gesundheit. Der Apfel liefert nicht nur eine vorzügliche Nahrung, sondern er ist auch eines der hervorragendsten diätetischen Mittel. Derselbe enhält in leicht verdaulicher Verbindung mehr Phosphor säure als irgend ein anderes pflanzliches Er- zeugniß der Erde. Sein Genuß wirkt vortheilhaft auf dar Gehirn, regt die Leber an, bewirkt, wenn regelmäßig vor dem Schlafen genossen, einen ruhigen Schlaf, desinfiziert die Gerüche der Mundhöhle, bindet die überschüssigen Säuren der Magens, paralysiert hämorrhoidale Störungen, befördert die sekretierende Thätigkeit der Nieren, hindert dadurch die Stein- bildung und schützt gegen Verdauungsbeschwerden und gegen Halskrankheiten. Gebratenes Kalbsherz. Man zerschneidet dar Herz in Scheiben, bestäubt dieselben mit Salz, Pfeffer und etwäsMehl und brät sie in bräunlicher Butter erst auf der einen, .dann auf der anderen Seite. Beim Anrichten träufelt man etwas Cttronensaft auf die Scheiben und verrührt den Beiguß mit kräftiger Bouillon. Hammelsrippchen. *Man läßt die Rippchen, wenn sie gut geklopft und gesalzen sind, mit ein wenig Butter gelb werden, streut dann etwas Mehl, Zwiebeln, einige Lorbeerblätter, Nelken und etwas Cttronenschale darauf, gießt ein wenig Fleischbrühe und Cttronensaft daran und läßt sie vollends weich werden. Vermischtes. Zarte Aufforderung. Er: „Ich bin entsetzt, mein Fräulein ... Wie konnte ich nur so ungeschickt sein, auf Ihren Fuß zn treten . . . Wenn ich nur wüßte, wie ich meine Ungeschicklichkeit gutmachen könnte." — Sie blickt er- röthend zu ihm empor. — Mama (ermunternd): „Nur Muth, das gut zu machen,fliegt ganz in Ihrer Hand." Erbfehler- Lehrer: „Alle Deine Arbeiten sind flüchtig. Was ist denn Dein Vater?" — Schüler: „Bankkassirer." — Lehrer: „Aha, daher das Flüchtige," Feldwebel: „Was sind*Sie?" — Einj.-Freiw.: „Philologe!" — Feldwebel: „Aha, das hab' i Ihnen doch glei' ang'schaut, daß Sie zum Handwerkerstand g'hör'n." Graf (zum Bedienten, mit dem er sich nicht verständigen kann): „Bin ich verrückt oder Sie?" - Bedienter: „Nun, Herr Graf, Sie werden sich doch keinen verrückten Bedienten halten!" * e Penibel. „Kaufen Sie denn Ihre Bedürfnisse auch dort aus jenem Materialwaarengefchäft?" — „Nein! Der Mann hat ja Alles durcheinander in seinem Laden, das ekelt mich an. Die letzte Stiefelwichse roch ganz nach Butter!" * * Silberne Hochzeitsfeier. Richter: „Sie sind in eine Gesammt-Zuchthausstrafe von 25 Jahren verurthsilt!" — Angeklagter: „O, ich bitt' gar schön, lassen S' mich um ein halbes Jahr früher 'raus!" — Richter: „Warum?" — Angeklagter: „Ja, wisien's, ich hab' vor sechs Monat g'hei- rathet und mei' silberne Hochzeit möcht' ich halt doch gern daheim feiern!" Redaction: 81, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gich-n.