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Er beugte sich zu ihr nieder, um ihr aufzuhelfen, denn sie kauerte noch immer wie zerschmettert am Boden- Aber sie schleuderte seine Hand zornig von sich fort und blieb in eigen« sinnigem, trotzigem Widerstreben, wo sie war. „Gehen Sie, wir sind fertig miteinander, ganz fertig!" stieß sie hervor. „Gehen Sie sofort! — Ich muß ersticken, wenn Sie mich nicht gleich von Ihrer Gegenwart befreien! Fort — fort aus meinen Augen und vergessen Sie nicht, in Villa Violetta vorzusprechen, um mit Ihrem neuen Liebchen zu lachen über die unglückliche Frau, die sich nicht zu beherrschen verstand." Ohne noch ein weiteres Wort zu erwidern, verließ Bernthal die zürnende Frau und ging mit festen, raschen Schritten aus dem Hotel. Draußen athmete er erleichtert auf. Da nichts von seiner Seite geschehen war, was bindend für ihn sein konnte und er keine Verpflichtungen gegen die schöne Mexikanerin hatte, fühlte er sich frei. Ihre Millionen reizten ihn nicht mehr, denn jetzt wußte er, daß Geld, Güter, Wohlleben da» Glück des Lebens nicht ausmachen. Er wollte versuchen, durch eigene Kraft mit dem Leben fertig zu werden. Es war Mitternacht, dunkles Gewölk bedeckte den Himmel und kein Sternenlicht funkelte herab, als der Schnellzug der böhmischen Südbahn den Karlsbader Bahnhof verließ und den jungen Offizier mit sich in die weite Ferne entführte. Es blieb ihm wenig Muße, traurigen Gedanken nachzuhängen, denn in Eger stiegen einige Hufaren-Offiziere in fein Coups, welche gleichfalls nach Wien reisten. Nun wurde Bernthal in ein heiteres, gemüthliches Geplauder über alles Mögliche förmlich hineingezogen. Die Herren sprachen und erzählten vom Dienst, vom Theater, von Damen, Sport und Jagd. Wie ein frischer Windhauch verscheuchte der joviale Frohsinn, das natürliche, zuweilen etwas derbe Wesen der Kameraden die schweren Sorgen, die sein Gemüth bedrückten. „Annie," sagte am nächsten Morgen die Räthin Göhren zu ihrer Tochter. „Annie, ich gehe jetzt zum Mühlbrunn, um meine drei Becher zu trinken. Dann muß ich noch ein Glas Sprudel nehmen. Zieh' Dich rasch an und folge mir nach. Vor dem Kurhause am Quai werde ich Dich erwarten. Da» • Wetter ist prachtvoll, wir werden unseren Kaffee im Freien trinken und nachher einen Spaziergang in den Wald machen. — Ist Dir's recht, mein Kind?" Annie nickte zustimmend, ihr war Alle» recht, Alle» gleich« giltig- „Und Du mußt guten Muthe» bleiben, mein Kind," fuhr die Mutter fort, indem sie ihr liebkosend die blaffen Wangen streichelte. „Ja, Du mußt Dich wieder aufrichten, wie die Gänseblümchen, die ein fremder Fuß getreten und die von Neuem lustig blühen, wenn derselbe sie wieder verlaffen hat!" Dann ermahnte sie Annie noch, sich hübsch warm anzu« ziehen, da es des Morgens kühl sei, auch eine große Düte Backwerk zum Frühstück einzukaufen. „Denn nach dem vielen Waffertrtnken wird mir mein Magen ganz schwach und ich bekomme einen Riesenappetit!" fügte die Mutter noch hinzu. Das Mädchen sagte mechanisch zu Allem „Ja". Die alte Dame hatte währenddem ihre Toilette beendet, sie befestigte ihren Porzellanbecher a« dem schmalen Lederriemen, zog ihre Handschuhe an und ging hinaus. Annie war bis dahin zwischen ihrem Zimmer und dem der Mutter fortwährend hin- und hergelaufen, um Allerlei herbeizuholen, was diese brauchte. Die Mutter war immer sehr umständlich beim Anziehen und es dauerte lange, ehe sie fertig wurde und glaubte, sich sehen lassen zu können. Nachdem sie fort war, fing Annie erst mit ihrer eigenen Toilette an. Sie flocht ihr Haar am offenen Gartenfenster. Draußen war lauter Glanz und Glorie und die Luft ganz erschüttert vom Duft der Frühlingsblumen, die im kleinen Vor- gärtchen der Villa blühten. Aber heute verhielt sich Annie den Reizen der Natur gegenüber, die sie vor Kurzem noch in Entzücken versetzt hatten, völlig theilnahmslos. Sie berührten sie vielmehr peinlich wie ein Hohn auf ihre Seelenstimmung. Von schwerem Kummer belastet, hätte sie Sturm und Unwetter besser ertragen- „Könnte ich nur noch weinen," flüsterte sie mit bleichen Lippen. „Könnte ich'» nur — dann würde mir vielleicht besser." Sie setzte den Hut auf und knüpfte ihr Jackett zu, blickte aber nicht in den Spiegel; es war ihr einerlei, ob sie gut aussah oder nicht- Dann schlich sie matt und langsam wie eine Kranke aus dem Hause. Fräulein Brunner saß in der Gartenlaube mit dem Strick« jum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) Donnerstag, den 30. August. — 402 — flrumpf in den Händen und erfreute sich des schönen Morgens. Sie sah mit einem einzigen Blick ihrer großen klugen Augen alles Herzeleid und alle Qual des jungen Mädchens. Sie sprang hastig auf, umfaßte Annie, zog ihr hübsches Köpfchen an ihre Brust und strich liebkosend Über ihre Stirn und Wangen. „Nur Muth, Fräulein! Nur Hoffnung!" sagte sie sanft. „Aber er ist fort — weit fort! Und ich werde ihn in der ganzen Welt niemals Wiedersehen!" klagte Annie. „Warum denn nicht, mein liebes Kind? Es kann sich noch Alles zum Besten wenden! Ein davongegangener Mann ist noch lange kein tobtet Mann. Er wird schon Wiederkommen, wenn seine Verhältniffe sich gebeffert haben!" Annie schüttelte traurig den Kopf. „Er wird wiederkommen, so gewiß, so sicher, wie er fort* gegangen ist!" betheuerte aber das alte Fräulein. „Sie können jedenfalls noch hoffen, liebes Fräulein! Ich hoffe auch für Sie, ich habe den Oberlieutenant kennen gelernt. Was das für ein edler Mensch ist — ein echter Cavalieri Und welch' großartigen Stolz er besitzt und wie lieb er Sie I hat. Mit einem Wort: er gefällt mit sehr und ich hab's ihm j heimlich abgebeten, daß ich erst nicht gut von ihm dachte." „Sie haben ihn kennen gelernt?" frug das junge Mäb- I chen erstaunt- „Aber wie und wo?" Fräulein Brunner machte ein eigenthümlich befangenes I Gesicht und sah zu Boden, dann sprach sie in ernstem Ton: I „Ja, es ist doch so — und nun ich schon so viel gesprochen, I muß ich auch das Uebrige beichten. Ich war gestern Abend | bei ihm. Ich traf ihn noch glücklich vorüber Abreise an. | Seine Koffer standen schon gepackt. Als ich merkte, daß ihm j die Zeit gemessen war, hielt ich mich nicht lange mit der Vor* I rede auf, sondern bot ihm kurz unv bündig meine Hilfe an. I Ich that's gern, denn ich habe doch für meine alten Tage I genug und kann mir das schon erlauben, einem edlen jungen I Manne zu helfen. Wenn ich mal sterbe, beerben mich so wie I so fremde Leute, denn ich habe keine nahen Anverwandten." I Da stieg eine brennende Röths in Annies bleiche Wangen. I „Das haben Sie gethan?" rief sie erregt. . „Nun ja — und was macht das aus? Als ich sah, welch' schweres Unglück ein so junges Mädchen betroffen, wie Sie es sind, da wurde mir das Herz weich und ich versuchte zu Helsen, so gut ich'S vermochte. Aber ich konnte nichts ausrichten, gar nichts — denn der junge Mann wollte keine Hilfe von mir. Ach, Annerl, Sie glauben nicht, wie offen, wie verständig und rechtschaffen er über Alles sprach. — „Sie meinen es herzlich gut mit mir," erklärte er, „und ich schulde Ihnen großen Dank, aber neue Verpflichtungen darf ich nicht auf mich laden. Ich muß mir selbst helfen und ich will meine ganze Kraft einsetzen, um meine Verhältniffe bester zu gestalten. Ich bin jung und kräftig und kann arbeiten, wenn es sein muß, mit der Hacke in der Hand. Auf Beförderung im Dienst will ich nicht warten, denn selbst wenn ich Hauptmann bin, ist es doch nur ein armseliges Loos für mich, weil ich kein Vermögen habe, sondern nur Schulden." Und dann sprach er auch so rührend von Ihnen, Fräulein, und daß er Alles in der Welt ertragen würde, wenn er Sie nur wieder so glücklich und sorglos machen könnte, wie Sie früher waren!" Die arme Annie! Sie mußte sich zusammennehmen, um nicht vor Wehmuth von einem neuen Schmerzausbruch niedergeworfen zu werden. Sie preßte die Hand traurig gegen ihre Stirn und seufzte, während ihr die Thränen in die Augen traten. „Sie wüsten nicht verzweifeln, mein liebes Kind, und nicht verzagen, sondern sich in Geduld fasten, denn wir Alle haben unser Theil Sorgen und müssen sie tragen," tröstete das alte Fräulein. „Sie sind noch so jung und können noch viel, viel Glück erwarten, darum werden Sie nur wieder ein Mädchen mit frohem, sorglosem Sinn, wie es für Ihre Jahre sein muß, und hoffen Sie das Beste für sich und für bett jungen Mann." Mit liebreicher Theilnahme versuchte Fräulein Brunner sie noch weiter zu trösten. Aber es war Annies erstes großes Herzeleib, welches sie zu ertragen hatte und sie konnte es nicht so rasch überwinberu Als sie enblich töieber ihr Köpfchen von ber Brust ber alten Jungfer erhob, sagte sie tief ergriffen: „Wie gut Sie sind, Fräulein, wie soll ich Ihnen nur genug für Ihre Güte danken. Geben Sie mir Ihre Hand, daß ich sie küssen kann. Und auch ihm wird Ihre Theilnahme wohlgethan haben, er ist ein warm fühlender Mensch. Aber er hat einen nobeln, stolzen Sinn, darum nahm er nicht, was Sie ihm boten. Nur wenn man so ist wie er, kann man so viel und still leiden — ich vermag es leider noch nicht! Ach, wenn Sie wüßten, wie unglücklich ich bin, und nichts kann mich mehr trösten!" Das alte Fräulein erhob ihr Haupt und blickte zum Himmel empor. '„O ja, Einer kann es, ber Allvater, ber über bett Wolken thront, Sie thörichtes Kind," versetzte sie im feierlichen Ton. „Denn sicherer als menschliche Hilfe ist Gottes Hilfe, bie über Allen wacht. Also tragen Sie gebutbig, was Ihnen bas Schicksal auferlegt hat. Der Herr ist barmherzig!" Dann trat tiefe Stille ein. Annie wartete gebutbig, ob Fräulein Brunner noch etwas sagen würbe, aber biefe war jetzt wie in tiefe Gedanken versunken und schien Annies Nähe ganz vergessen zu haben. So schlüpfte sie still aus ber Laube unb sank bald wieder in ihren Kummer zurück. Es fehlte ihr ber kräftige Wille, denselben zu beherrschen, und sie ließ sich noch zu sehr von ihren Empfindungen leiten. Langsam schritt sie bie Parkstraße hinab unb dann auf dem sehr belebten Quai weiter. Wie im Traum sah unb hörte sie bie Menschen, bie um sie herum schwirrten. Die Mutter kam ihr schon entgegen unb bann gingen sie miteinanber ber gewohnten Weg Über bie alte Wiese zu den Pupp'schen Anlagen. Annie sah nicht rechts noch links, ihr Blick war trübe und sie hielt bett Kopf gesenkt. Ihr ernstes, niebergeschlagenes Wesen ängstigte und bekümmerte bie Mutter auf's Tiefste, aber sie that, als ob sie es nicht bemerkte, sie wollte zunächst nicht mehr die Herzenswunbe berühren und erst später Annie auf andere Gedanken bringen. Kurz vor den Pupp'schen Anlagen in der Nähe ber Villa Quisisana begegneten die Damen dem Professor Hiller. Er | begrüßte sie mit großer Herzlichkeit, fragte angelegentlich nach ihrem Befinden und ließ sich, woraus er offenbar gewartet hatte, I von ber Frau Rath Göhren einladen, das Frühstück mit ihnen einzunehmen. _ , „ Annie nahm kaum Notiz von dem wackeren Professor. Stumm unb kühl hatte sie feinen Gruß erwidert unb auf feine besondere Frage nach ihrem Befinden ganz einsilbig geantwortet. Der Professor sah heute sehr frisch und munter aus, wie | verjüngt. Er war auch viel mittheilsamer, als neulich, und erzählte lebhaft von den Ereignissen in ber großen Welt und I besprach auch manche Zeit- und Streitfrage. Die Räthin hörte seine Erzählungen unb Berichte mit | Theilnahme an, erklärte aber schließlich, daß sie von allen diesen a Dingen nicht viel verstehe, unb ber Professor fing daher bald I von anderen Dingen zu reden an. Inzwischen hatte bie kleine Gesellschaft bie Pupp'schen An- I lagen erreicht unb gleich darauf einen hübschen Platz unter den | schattigen Kastanien erobert, welche jetzt von oben bis unten | mit weißen Blüthenkerzen übersäet waren. Die Unterhaltung zwischen dem Professor unb ber alten I Dame nahm auch während des Kaffeetrinkens ihren Fortgang. I Er hatte Reisen in aller Herren Länder gemacht, erzählte I allerlei interessante Episoden unb machte lustige Bemerkungen । darüber. Sie klagte ihm über die Kur, baß bieselbe sie so | angriffe, ber heiße Brunnen ihre Nerven errege unb baß sie I schon ganz reizbar unb nervös geworben sei, was sonst gar I nicht ber Fall wäre. Auch bas frühe Aufstehen gefalle ihr । nicht und ber colossale Andrang ber Menschen des Morgen« I bei den Heilquellen mache sie völlig verwirrt. So klagte und I jammerte sie eine gute Weile fort unb fügte noch hinzu, daß I sie recht froh sein würde, wenn die Kur in Karlsbad, um die I sie von vielen Bekannten beneidet werde, zu Ende sei und sie j sich wieder ber gewohnten Ruhe unb Gemüthlichkeit in ber • lieben Heimath erfreuen könnte. Herwinden. ; der alten t Sie sind, ite danken. Und auch t ein warm )lzen Sinn, wenn man ich vermag unglücklich : zum Him- den Wolken lichen Ton. :e, die über Ihnen das II eduldig, ob c diese war nnies Nähe 5 der Laube s fehlte ihr sie ließ sich dann auf m sah und !N. l gingen sie liess zu den । links, ihr Ihr ernster, die Mutter emerkte, sie :en und erst he der Villa Hiller. 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Sie trug ein Kleid von schillernder Seide, welches ihren pikanten Teint noch vortheilhafter hervorhob. Vorn an der Brust und am Gürtel hatte sie Purpurrosen befestigt. Die schwarzen Augen, die gestern Thränen geweint, strahlten schon wieder in Uebermuth und Lebenslust. Lucia Campello bewegte sich zierlich, lebhaft, graciös und lachte, plauderte und kokettirte mit ihren Begleitern mit so viel echt nationalem Feuer, wie sie es an Bernthal und viele Andere verschwendet hatte. Bernthal hatte Recht gehabt, die schöne Mexikanerin war eine wetterwendische, launenhafte Queckstlbernatur, ein gleißendes Irrlicht ohne jedes tiefere Empfinden. Secundenlang folgten Annies Augen der reizenden Frauengestalt, dann wandte sie den Blick von ihr ab. Ihre Gedanken verloren sich wieder und waren bei ihrem unsagbaren Leid. „Ach, wenn ich nur weinen könnte," so rief es von Neuem in ihr mit brennendem Verlangen. Ja, weinen und Alleinsein, sich ausweinen I — Das wäre ein Labsal für Annies gequältes Herz gewesen. Wiederholt ließ der Professor seine gutmüthigen Augen mit Wohlgefallen auf dem bleichen Mädchen ruhen. Trotz ihres sonderbaren Wesens bewunderte er sie und glaubte niemals auf Erden ein liebreizenderes Geschöpf gesehen zu haben. Aber er war ein ruhigdenkender, nüchterner Verstandsmensch und verlor sich niemals in unerfüllbare Träume, wenn feine Phantasie ihm auch zuweilen welche vorgaukeln wollte. Klar und ernst wie seine Redeweise war auch sein Denken und Empfinden. Aber auch bei seinen klaren, nüchternen Gedanken konnte es der Professor doch nicht verhindern, daß ihm Annie sehr gefiel und daß er es nicht für ganz unmöglich hielt, daß sie vielleicht doch seine Frau werden könnte. Der Morgen war vorgeschritten. Die Gruppen der kaffeetrinkenden Badegesellschaft hatten stch zerstreut, und die Frau Rath Göhren machte den Vorschlag, jetzt gleichfalls aufzubrechen und bis zum Mittagsmahl einen Spaziergang zu unternehmen. Der Professor war gleicher Meinung und versicherte, daß ihm nichts willkommener fein könnte, als den schönen Morgen in angenehmer Gesellschaft zu verleben. Vor Tisch langweile er sich überhaupt, weil ihm hier in Karlsbad seine Bücher und anregende Lectüre fehlten. So machten sie sich denn auf den Weg in's herrliche grüne Teplthal. Langsam und behaglich schlenderten sie dahin, der Professor mit der Frau Rath am Arm voran und Annie mit müdem Schritt hinterher. Etwa zehn Minuten vom Freundschaftsfaal entfernt -wölbte sich eine Brücke mit einem eisernen Geländer über den Fluß. Seitwärts, hart am Ufer unter fchattigen Buchen, stand eine Ruhebank. Annie ließ stch matt darauf nieder und bat, hier ausruhen zu dürfen. „Was fehlt Dir, Kind?" fragte die Mutter jetzt besorgt. „Es ist mir so weh im Kopf, Mama," sagte das Mädchen. Nach kurzem Bedenken willigte die Frau Rath ein, daß Annie hier ein wenig ausruhen solle, versprach, nach einer halben Stunde wieder an die Bank zu kommen und setzte mit dem Professor ihren Spaziergang fort- Annie starrte träumerisch auf das sonst sanft rauschende Gewässer. Die Sonne glitzerte auf den klaren Wellen. Kleine Fische schnellten über den Wasserspiegel empor und zeigten ihre silbernen Schuppen- Der Morgenwind raunte und flü.erte in den Baumwipfeln und hielt Zwiegespräch mit den Blumen, die am Rande des Flusses blühten. Das Mädchen saß regungslos da. Ihre Gedanken waren bei dem fernen Geliebten, dem ihr ganzes Herz gehörte. — Weshalb liebte sie ihn nur so sehr, den Mann, den sie nicht Jahre, nicht Wochen gekannt, nein, nur wenige Tage. Sie wußte nicht, weshalb — warum? Sie wußte nur, daß sie hn liebte, daß sie ihn ewig lieben würde und daß sie ihn verloren hatte. Und nun brach plötzlich ein krampfhaftes Schluchzen aus ihrer Brust, das sie nicht zurückhalten konnte und dann kamen auch die Thränen, die erlösenden Thränen. Wie ein entfessel» ter Strom stürzten sie ihr aus den Augen. Und hier in der Einsamkeit des Waldes weinte sie lange und bitterlich, weinte sie sich allen Schmerz und alle Trauer von der Seele. Aber dann wurde ihr leichter um’s Herz. Sie hob den Kopf und strich sich das Haar aus der Stirn. Noch war sie halb betäubt, aber schon faßte sie frischen Muth. „Fahr' wohl, fahr' wohl, Du herziger Mannl Geh' in die Fremde unter Gottes Hut und er sei mit Dir auf allen Wegen!" So flüsterte sie, den Blick nach Süden gewendet, wo sie wohl glaubte, ihn suchen zu müssen. Dann trocknete sie sich mit ihrem Tuch die nassen Augen und wieder zu neuem Leben erwachend, lauschte sie auch jetzt den Stimmen der Natur. Sie hörte die Vögel singen und die Bäume rauschen, sie sah, wie das Bächlein so rasch dahinschoß, und daß die silbernen Fische Forellen waren, sie sah auch die Blumen am Ufer. Es waren goldgelbe Himmelsschlüssel und blaue Vergißmeinnicht darunter — der Mama Lieblingsblumen. Die gute Mama! — Es kam sie jetzt gewiß hart an, daß ihr Liebling sein Herz an den fremden Mann gehängt — nachdem sie bisher immer die Erste und Beste darin gewesen, und daß dieser ihr mehr werth war, als sie und Alles. Sie grämte sich ihretwegen sicher mehr, als sie in.Worten aussprechen konnte. Nachdem Annie mit ihren Gedanken so weit gekommen war, sprang sie auf und wischte stch energisch die letzte Thräne aus den Augen. Dann pflückte sie blaue Vergißmeinnicht und frischgrüne Farrenwedel und band einen geschmackvollen Strauß- Als die Räthin mit ihrem Begleiter nach fast einer Stunde vom Spaziergang zurückkehrte, eilte ihr Annie mit dem Blumensträuße in der Hand und einem lieblichen Roth auf den Wangen freudig entgegen. „Du befindest Dich jetzt besser, mein Kind?" fragte Jene liebevoll. „Ja, Mama," war die Antwort. „Ja, mir ist besser, liebe Mama!" wiederholteste und blickte fie mit einem sanften Lächeln an. „Gräme Dich nicht mehr meinetwegen — ich will von jetzt an guten Muthes bleiben." „Meine liebe Annie, ich freue mich, daß Du die Schwer- muth überwunden hast," sagte leise und gerührt die alte Dame. Dann schloß fie ihr Kind in die Arme und küßte es. Tage und Wochen schwanden nun rasch dahin — man wußte kaum, wie schnell fie vergingen. Nicht lange dauerte es mehr und der Tag der Abreise war da. Aber in Karlsbad wurde es immer schöner und anmuthiger und die Frau Rath hatte nichts mehr an der Kur auszusetzen, denn dieselbe hatte bereits Wunder gethan. Die alte Dame fühlte sich kräftig und wohl. Die Tage verflossen ganz vorschriftsmäßig: des Morgens frühzeitig am Brunnen, dann wurde im Freien Kaffee getrunken und eine Promenade über die Berge oder durch das romantische Teplthal gemacht bis zum Mittagseffen- Darauf folgte eine kurze Ruhepause. Am Nachmittage besuchten die Damen dann ein Concert oder unternahmen einen neuen Spaziergang. Theater und die sich jeden Samstag wiederholenden Reunions besuchten sie nicht- Annie war die beständige treue Begleiterin der Mutter auf allen Wegen. Sie blieb guten Muthes, wie sie versprochen, anfangs mit keinem sehr großen Erfolge, aber niemals gewann ihr heimliches Leid wieder die Uebermacht. Sie lernte all« mählig ihre Empfindungen beherrschen und ihren Schmerz in das tiefste Innere zu senken, wie in ein Grab- Professor Hiller gesellte sich bei jeder passenden Gelegenheit den beiden Damen als Begleiter zu. Die Frau Rath 404 sand großes Wohlgefallen an ihm und vermißte seine Gesellschaft sehr ungern. Er wüßte sie stets fesselnd zu unterhalten. Sein Gesichtskreis war durch hohe geistige Bildung erweitert, er besaß Menschenkenntniß und eine große Zartheit des Ge- müths. So war er immer ein angenehmer Gesellschafter und ein werther, lieber Freund, den die Frau Rath Göhren auch als Gatten für ihre Tochter gewünscht hätte, wenn deren Herz empfänglich für die guten Eigenschaften des Professors gewesen wäre. Auch durch hundert kleine Aufmerksamkeiten wußte er sich bei den Damen beliebt zu machen. Er brachte ihnen Bücher, Zeitungen, Blumen mit und versäumte niemals die Pflichten der Ritterlichkeit und der treuen Freundschaft. Aber Annie bot dieser fortwährende Verkehr mit dem Professor nicht das Interesse, welches die Mutter wünschte. Doch war sie bald ihm gegenüber ganz unbefangen und kam ihm mit höflicher Freundlichkeit entgegen. Rur als sie bemerkte, daß feine Augen immer angelegentlicher auf ihr ruhten, und daß er sie manchmal mit brennenden Blicken anstarrte, da wurde ihr feine Gegenwart manchmal zur Qual. .Dann zeigte sie sich kühl und wortkarg ihm gegenüber und athmete auf, wenn er fort war. Aber gerade in ihrer spröden Unnahbarkeit gefiel sie dem Professor immer besser. Ihre Zurückhaltung reizte ihn und die mädchenhafte Befangenheit ihres Wesens hielt er für den holdesten Zauber edler Weiblichkeit, welche dem werbenden Manne nicht einen einzigen Schritt entgegenkommen mag. (Schluß folgt.) G-ineinnütziges. Das Confer virerr grüner Bphnen. Eines der wohlschmeckensten und nahrhaftesten Gemüse gewährt nur im Sommer die grüne Bohne. Um aber auch zur Winterszeit den Genuß derselben nicht zu entbehren, muß die Hausfrau für gute Conservirung Sorge tragen. Die beste Methode ist die Conservierung in luftdicht verschlossenen Büchsen. Die dazu geschnittenen Bohnen, welche sehr zart sein müssen, wellt man in kochendem Wasser über raschem Feuer ungefähr 10 Mtn. ab. Alsdann gibt man sie in Blechbüchsen und läßt das Bohnen- waffer etwas über die Bohnen stehen. Run müssen die Büchsen hermetisch zugelöthet werden. Nachdem man sie in einen Kessel mit kochendem Wasser gestellt, hat man darauf zu achten, daß das Wasser lebhaft kocht und über die Büchsen geht. Falls noch kleine Oeffnungen am Deckel derselben geblieben, was sich dadurch kund gibt, daß kleine Dampfbläschen aus denselben hervorquellen, müssen die Stellen nochmals vorsichtig gelöthet werden. Für ganze Liter-Büchsen rechnet man 1 ^Stunden Kochdauer, während sür halbe Liter-Büchsen l‘/4 Stunde genügt. Die Zeit ist berechnet von da an, wo das Wasser wieder Ioc|t, nachdem man die Büchsen hineingestellt hat. Auf diese Weise conservierte Bohnen sind in Bezug auf Geschmack und Aussehen kaum von frischen zu unterscheiden. Der Aufbewahrungsort ist so ziemlich einerlei; jedoch dürfen an demselben nicht so hohe Kältegrade sein, daß der Inhalt gefriert. Beim Gebrauche behandelt man sie wie frische. * * ♦ Düngung der Obstbäume. Im Hochsommer kann flüssige Düngung des Obstbaumes dringend nothwendig werden. Bei anhaltender Trockenheit fallen ja oft die Früchte massenhaft herunter, was man durch tüchtiges Begießen mit Jauche größtentheils verhüten könnte. Für derartige Aufmerksamkeit zeigt sich der Baum in mehrfacher Hinsicht erkenntlich; die Früchte bleiben an den Bäumen, werden größer und saftiger, und auch der Graswuchs unter den Bäumen wird ein ganz anderer. Die Masthühner soll man stets, wie Dr. Brinkmeier empfiehlt, vor Tagesanbruch füttern. Wir wissen wohl, daß viele Bauersleute die Kücken sich selbst überlassen, wenig rationell bei der Aufzucht verfahren; wer aber dem jungen Federvieh besondere Sorgsalt zuwendet, der steht seine Mühe reichlich belohnt und Hilst mit, die Einfuhr der Products der Geflügelzucht, die bekanntlich nahezu einen Werth von 60 Millionen Mark präsentirt, auf einen höheren Stand zu bringen. Von der Pflege der Futznägel. Die Nägel an den Zehen sollen niemals rund geschnitten werden; sie sollen niemals an den Ecken herausgeschnitten, sondern es soll der Zehnnagel in gerader Linie geschnitten werden, so daß er möglichst den Nagelfalz allseitig bedeckt und nicht in denselben hineinwachsen kann. Besteht Neigung zum sogenannten eingewachsenen Nagel, so soll täglich ein Stückchen Verbandwatte unter- den Nagel eingeschoben werden und der Nagel soll nicht geschnitten werden, bis daß er über die wunde Stelle hinaus gewachsen ist. ♦ ♦ ♦ Kerbelsuppe. Man schwitzt etwas kleingeschnittenes Wurzelwerk eine Weile in Butter, stäubt einen Kochlöfftl voll Mehl darüber, läßt es ebenfalls eine Weile schwitzen und gießt das zur Suppe nöthige Wasser, welches siedend sein soll, darüber, salzt nach Geschmack und verkocht Alles gut, etwa */2 Stunde. Nun seiht man die Suppe durch und läßt sie noch VU Stunde lang mit einer großen Handvoll feingehackten Kerbel kochen. Kurz vor dem Anrichten begießt man die Suppe mit einem Eidotter, gibt ein Stückchen Butter daran und richtet sie über geröstete Semmelwürfel an. Im Weiteren verwendet man Kerbel als Würze für Suppen, Gemüse, Braten rc. und wird die practische Hausfrau bald selbst herausfinden, wo dieses herrliche Kraut am besten angebracht ist. Vermischtes. Etwas viel. Eine Dame erzählte in einer Gesellschaft, daß sie sich mit ihrem Mann gezankt und zur Erinnerung an diesen ersten Streit ein Bäumchen gepflanzt habe. — „Das ist ja eine ganz famose Idee," flüsterte eine Andere ihrem Mann zu, „hätten wir dies nur auch gethan, so könnten wir jetzt schon eine schöne Allee im Garten haben." Genaue Angabe! Er: „. . Ich möchte Dich so oft küssen, als das Meer Tropfen hat!" - Sie: „Was für ein Meer?" • ♦ Vom Kasernenhofe. Unteroffizier: „Was schneiden Sie denn für'n Gesicht, Faulhuber?" — Rekrut: „Der Tornister drückt so!" — Unteroffizier: „Natürlich, Sie Faulenzer, möchten auch sogar das Kommißbrod aus Aluminium haben!" • ♦ Auch eine Anerkenung. Sonntagsjäger: „Nächste Woche sind es 25 Jahre, seit ich dem Jagdklub Habertus beigetreten bin. Ob ich da wohl zu Ehren des Ereignisses Ovationen bekomme?" — Freund: „Wahrscheinlich wird Sie der Thierschutzverein zum Ehrenmitglied ernennen." * * Kurios. Excellenz (zu einem Hauptmann, der sich eben vorstellt): „Haben Sie Brüder?" — „Einen, Excellenz." — Excellenz: „Kurios, unlängst unterhielt ich mich mit Ihrer Frau Schwester, und die sagte mir, daß sie zwei Brüder hätte!" Zurückgegeben. Herr: „Ich sage Ihnen, was ich in meinem Leben für Eroberungen bei der Damenwelt gemacht habe, das ist nicht zu glauben!" Dame: „Ich glaub'» auch nicht." Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.