1894 --H—(Sxz (T-EL1 Sx- 2x® iS-^ '* ^L> W'----- Untevhaltnngsblatt jum Gietzeneo Anzeigev (Geneval-Anzeiger) "l V: __• , , „,„.. ......... Dienstag, den 30. Januar. ■ .^WWMMW^WH W IT7- _. ’- ’*rrtiu, -WM'-.. P ^HWMMDLM-MrA^^Z Das Glück des Lebens. Novelle von U. Deis. (Fortsetzung.) Der Berg an Butterbröden war ein recht hoher geworden, denn schweigend war stets eins neben das des Gatten und Vaters gelegt worden, so oft der es für nöthig sand, für die Seinen, nicht für sich zu sorgen. Endlich war die Mahlzeit beendet. „Nun möchten Sie am liebsten sofort nach Hause gehen," Hub Scheffler an- „Aber das paßt in meinen Plan nicht recht hinein. Sie können vielleicht verstehen, daß ich ein gewisses Interesse für Sie hege und darum möchte ich nun Näheres über Sie erfahren. Sagen Sie mir nur Eins: ist Ihre Frau ebenso verzweifelt wie Sie?" Ein Kopfschütteln war die Antwort. „Meine Frau sagte mir noch heute Nachmittag: Gott wird helfen." „Hm, das ist hübsch gedacht. Nun, da wird sie auch noch eine Stunde länger auf ihren Gatten warten. So lassen Sie mich denn Ihre Geschichte hören. Aber setzen wir uns in das Zimmer da vorne, da ist's bequemer als hier sür's Erzählen; Sie müssen's mir zu Gute halten, daß ich so eine Art Beichte chegehre, verspreche auch, ich will sie für mich behalten als das tiefste Geheimniß. — So! Setzen Sie sich mir gegenüber," redete er weiter, als er sich in einen Lehnstuhl niedergelassen hatte. „Nehmen Sie eine Cigarre? — Nicht? — Nun, wie Sie wollen, dann muß ich allein rauchen. Nun, bitte, erzählen Sie." Der Arme war in ein brütendes Schweigen versunken, aber der befehlende und andringende Ton verfehlte feine Wir« kung nicht. Anfangs stockend, dann fließender berichtete er. Es war eine Geschichte, wie sie oftmals sich abspielt. Müller hatte als Jnspector verschiedene Stellen gehabt, auf der letzten sich verheiratet; durch den Tod des Besitzers und Verkauf des Gutes stellenlos geworden, wandte er sich nach Berlin in der Hoffnung, dort irgendwie Beschäftigung zu finden, nachdem seine Bemühungen um eine Stelle wieder als Verwalter frucht« los geblieben waren- Aber auch in Berlin hatte er keinen Erfolg, Krankheit kehrte in seine Familie ein und bald war er von Mitteln völlig entblößt. Das hatte ihn zu dem verzweifelten Entschluß getrieben, seinem Leben ein Ende zu machen. Der Zuhörer hatte doch nur wenige Züge aus seiner Cigarre gethan, sie war erloschen und erkaltet auf die Erde gefallen, dazu hatte es jetzt, als Jener mit niedergeschlagenen Augen und monotoner Stimme von dem früheren Glücke, dem jetzigen Elend und Herzeleid, welches ihm das Herz zusammen» gekrampft habe, erzählte, in feinen Zügen mächtig gearbeitet, fast, als wolle er jetzt dem Beispiele seines Gegenübers von erst folgen. Ja, er ertappte sich darüber, daß er etwa« Nasses aus feinen Augen wischen mußte. Als der Erzähler schwieg, raffte er sich gewaltsam auf, entzündete die auf genommene Cigarre wieder an der Lampe und suchte so seine alte Festigkeit wieder zu gewinnen. „Ich kann doch nur sagen," — die Stimme klang nach und nach rauh und kalt — „es war Feigheit von Ihnen, Ihre Frau und Kinder im Stiche zu lassen, um sich möglichst schnell aus diesem Elend loszumachen. Aber das ist nun ein« mal geschehen. Schlimm ist, daß ich im Augenblicke nicht weiß, was ich thun kann, Ihnen zu helfen; denn als Ihren Lebensretter sehe ich mich nun doch einmal an und möchte darum die That auch ganz thun. Aber morgen werde ich vielleicht schon klarer sehen. Sprechen Sie im Laufe des Tages — des Nachmittags — wieder bei mir vor, da werde ich Ihnen Weiteres sagen können. Meinen Anzug und Wäsche behalten Sie natürlich, mögen Sie das Ihre in einen Bündel schnüren, damit mein Diener nicht merkt, daß Sie mit meinen Sachen fortgegangen sind. Oder aber lassen Sie den Plunder hier, e« kommt ja nicht darauf an, Sie können ihn ja später holen oder holen lassen, wie Sie wollen." Er ging zum Fenster und öffnete einen Flügel. „Es ist jetzt trocken, Sie können nun den Heimweg an« treten. Nur das müssen Sie mir versprechen, keine Dummheiten wieder zu machen, wie die da hinten, wo wir uns trafen." Er wies mit dem Daumen die ungefähre Richtung. — „So viel ich für Sie thun kann, werde ich thun, das ist wenigstens ein Schimmer von Aussicht für Sie. Jetzt nehmen Sie Ihre Stullen und hier —" er ging hinaus und kam mit einer Flasche Wein unter dem Arm zurück — „das lassen Sie nur als Abmdtrank genießen, es wird auch Frau und Kindern bekommen. Und morgen für das Mittagessen?" „O, wir behelfen uns hiermit reichlich." „Nein, das geht nicht. Stecken Sie dies Zwanzigmark, stück zu sich, das langt besser zu. Und nun, bitte, keine Rühr- scenen. Sie sollen mir Alles wiedererstatten, wenn ich Sie irgendwo untergebracht habe. Grüßen Sie Ihre Frau und — aber halt, das geht ja nicht, dann müßten Sie ja die ganze Geschichte erzählen. Nun, Sie können sich ja unterwegs etwas Rührendes ausdenken, es kommt ja auf eine kleine Unwahrheit nicht an. Oder wissen Sie schon, was Sie sagen wollen?" „Die Wahrheit," antwortete Jener leise, aber fest. „Alle Wetteri Und wird denn Ihre Frau nicht ein tolles 46 MÄU?' "le Sl‘ I .J» SÄ»!Ä « WWk Älffi'SÄM »hJw«-momit r,e mi* 6m,e 3I*1““9 e"““6: OÄ'ÄÄftii K X Tu r.,-c, „ MfÄ w„ dem Leben dort kein lustiges sein wird, was man so nennt, aber Scheffler drehte sich schnell um. Als er sein Gesicht toerbe einmal versuchen, ob es mir auf die Dauer nicht vor ihm Stehenden wieder zuwandte.schimmertees n ch . bietet tt[6 das alte, das doch zuweilen recht langweilig seinem Auge. Er reichte ihm zum Abschied die Hand, „so, 9 j_ roQr. @ie aI§ mein alter Freund haben grüßen Sie Ihre Frau und bestellen Sie ihr, siesolle Mcht Recht, zu fragen, wie mir über Nacht diese Weis« behalten. Morgen — oder es ist wohl schon heule, der Tag ^kommen ist • aber ich bitte Sie, erlaflen Sie mir die dämmert schon - also Nachmittags vier Uhr erwarte ich gt J&umn W, ««W «g, Ihre Wohnung brauche ich nicht Z» wissen. Sie werden doch Mein lieber Herr Scheffler, mein Rath steht Ihnen, so lieber sehen, wenn ich Sie dort nicht aufsuche. Nun, leien ftet6 Jur Verfügung. Ich darf Ihnen auch Sie wohl! h dffnete ste sagen, wie sehr erfreut ich bin, daß Sie auf meine Vorschläge Er geleitete feinen Gast zur Hausthur und öffnete re. eingehen wollen. Sie werden auf Tannenhof eine Als Müller hinausglng, ergriff er die Hand seines Reiters und ^bensaufaabe finden und - verzeihen Sie - die hat Ihnen derselbe konnte es nicht verhindern, daß ein heißer Kuß darauf dahin vielleicht gefehlt. — Ich war ja ein Freund schon gedrückt wurde. Bis Jener um die Ecke verschwunden war, vis vaymmeueiougqeg11 g* « rebe„ oor Allem sah er ihm aus dem Fenster durch den dämmernden Morgen Ihres Herrn V^ rs, da^ darf iy^woyi t° nach. Dann setzte er sich wieder aus seinen alten Platz und I gx^ct drückte ihm bewegt die Hand und nickte zustim« versank in tiefes Sinnen. 2 , a menb. „So behüte Sie Gott! Sie gefallen mir heute aus- Wie trefflich hatte er Jenem doch die Feigheit vorhalten nebtnenb unb Sie wissen, Ihnen gehört nicht blos mein Rath, können, welche ihn in den Tod getrieben haben wurde, wenn r’bein aul meine Hilfe, wenn sie nöthig sein sollte, war ich er nicht dazwischen getreten wäre- Und doch war dieser Ver« qtaube.» zweifelte sein Lebensretter ebensowohl gewesen. Hatte er doch | Scheffler reichte ihm die Hand. „Sie haben durchaus vor derselben That gestanden und läge jetzt entseelt da, wenn And nun lassen Sie mich zur Sache kommen. Nach ihm nicht Jener andere Wege angewiesen hätte. Und was Ueußerung gestern steht es mit meinem Verwalter nicht war's, das ihn zu jenem Entschluß brachte? Halte er mehr ba6 iä) ibm unbedingt trauen kann. Ohne irgend welche Recht dazu, als der verzweifelte Familienvater, welcher das @runMaqen mird Ihr Verdacht nicht sein, sonst würden Sie Hungern der Seinen nicht mehr ansehen mochte? — Tiefe ni(jbt baben [QUt morden laffen. Da wäre es sehr wünschens« Scham vor sich selber ergriff ihn. ^ertB wenn ich einen Sachverständigen zur Seite hätte — Er hatte nicht arbeiten, sich nicht aus der Lage, in welche aIfo einen Landmann, der die Bücher prüfte und in der Wirth« er zum großen Theil durch eigene Schuld gerathen war, herauf« dqft nachsähe, ob Alles in Ordnung ist. Nicht wahr? arbeiten mögen- Mit welchem Wehe hatte Müller von seinem • „Gewiß, es würde sich nur darum handeln, die geeignetste früheren Glück gesprochen! Und doch war's auch damals eine Persönlichkeit zu finden. Das ist immer nicht so ganz leicht, arbeitsreiche Zeit für ihn gewesen, ein kümmerliches Glück von gubem wäre es gut, wenn der Betreffende nicht gleich als Ihr außen angesehen. Er selber hatte nie in seinem Leben für Beirath aufträte, da dann leicht der Verdacht bei dem jetzigen Andere gearbeitet, nur für sich, für sein Vergnügen gesorgt- Verwalter aufkommen könnte, er solle eontrollirt werden und Er hatte gedankenlos geschwelgt und für Nichtigkeiten Summen er bann seine Vorkehrungen trifft. Denn nach dem, war ich weggegeben, mit betten Jener ein wohlhabender Mann zu sein roie ich meine — aus guter Quelle hörte, sind die Verun« geglaubt haben würbe, burch die feine Roth auf einmal ein treuungen sehr schlimmer Natur." . Enbe gefunben hätte- Und wenn er jetzt, wie er’s vorgehabt, Scheffler saß sinnenb ba. Dann schien ihm plötzlich em seinem Leben selbstwillig ein Ziel gesetzt hätte, wie würde er Gedanke zu kommen. „Vielleicht habe ich doch schon den Mann, vor dem ewigen Richter bestanden haben? Wunderbar, daß der ber mit fehlt. Ich bin gestern Abend durch Zufall mit einem Gedanke ihm jetzt kam. Er war ihm lange nicht durch's Herz früheren Jnspector zusammengetroffen. Der Mann ist durch gegangen. Aber nun vermochte er nicht, ihn wieder los zu Unglück ganz verarmt und würde jede Stellung annehmen, werden. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben faßte er ! Was meinen Sie, könnte ich ihn nicht verwenden? Er ist mir ihn mit ganzer Wucht. Es war eine schwere Stunde, welche bur(ib Hilfeleistung meinerseits bereits in etwas verpflichtet, er durchlebte. Tief sank sein Haupt ihm in die Hände und I Der Bankier machte ein bedenkliches Gesicht. »Möglich, als er es hob und der erste Sonnenstrahl sein Antlitz traf, b(t^ ber gjtami brauchbar ist, aber viel Hoffnung habe ich nicht- da war Ernst Scheffler ein Anderer geworden- Er hatte mit Heruntergekommene Existenzen sind immer zweifelhafte Leute, seinem Herrgott ernste Zwiegespräche gehalten- Hinter ihm lag mentt man sie wieder heben will. Zunächst würde es gelten, ein nutzlos verbrachtes Leben, ein neues sollte beginnen, ein fe{ne Zeugnisse einzusehen und sich womöglich hinter seinem Leben der Arbeit, der Arbeit an sich und für Andere. Rücken bei den früheren Prinzipalen nach ihm zu erkundigen- Er trat in fein Schlafzimmer. Ja, da hing er über fei« Ist ber Mann aber tüchtig, so bürfen Sie bann vielleicht ihn nem Lager, ber Revolver, welcher ihm ben Tod hatte bringen unbebenklich nehmen unb möglich, baß die Verpflichtung Jynen sollen. Er nahm ihn unb hielt ihn lange in ber Hand- „Er gegenüber, bie Dankbarkeit gegen Sie ihn durchaus brauchbar hat mir bas Leben gerettet unb so oft mich Kleinmuth befallen | macht. Aber wie denken Sie benn, ihn zunächst zu verwenden« will, werde ich ihn ansehen, baß er mich an eine böse Stunde ‘ „Ja, darüber denke ich gerade nach, denn geholfen muy erinnere unb mich vor einer zweiten bewahre!" dem armen Kerl werben. Er hungert mit Weib unv Kmo. Bald verkündeten seine tiefen Athemzüge, baß er einge« Aber wie helfen? frhfafcn mar unb ben Diener muß ich boch entlaffeu, sie würden auch Wwei Er schlief noch, als ber Diener ihn weckte, weil ein An« lich viel Vergnügen an meinem Ausenthalt in Tannenhof finden. Ä'eÄV9“”''" '° “ „Ich bebaute, daß Sie sich zu mir bemüht haben; ich wie so meine Mittel für Bedienung wohl „nicht reichen, habe doch meine Pläne in etwas geändert und werde noch ein« könnte auf feinem Posten genug beobachten. q Qttlfic mal mit Herrn Schneider persönlich verhandeln müffen. Wenn »Ja, wenn er der Mann danach ist, aus s Z Sie ober mit mir frühstücken wollen, so können wir unern wirb’s zunächst ankommen. Im Uebrigen wäre der Plan ni^ Weg gemeinsam machen." I übel, nur laffen Sie sich von einem warmen Herzen nicht zu 47 weit hinreißen. Denn wenn ich mein Wort von gestern auch voll aufrecht erhalte, daß Ihre Verhältnisse keineswegs schlechte sind, so heißt es doch, Alles zusammenhalten, damit die nöthi- gen Mittel für das Gut, denn nöthig wird dort wohl Vieles sein, übrig bleiben." Nach weiteren geschäftlichen Besprechungen verabschiedete sich Scheffler. Schneider geleitete ihn zur Thür. „Leben Sie wohl. Noch einmal: nehmen Sie's nicht für ungut, aber ich glaube, Sie mußten erst durch diese harte Schule, um zu lernen, daß eine Kraft in Ihnen steckt, welche Sie noch nicht kannten, daß Sie Aufgaben haben, an die Sie nie bis dahin dachten." Ungeduldig hatte der Heimgekehrte schon mehrere Male nach der Uhr gesehen, ob Müller nicht bei ihm eintrete. Der Zeiger rückte heute scheinbar sehr langsam vorwärts. Schlag vier Uhr aber erklang die Hausglocke und der sehnlichst Erwartete trat ein. Befangen blieb er an der Thür stehen, aber der einladende Ruf des Hausherrn nöthigte ihn wieder auf den Platz von heute Morgen. „Nun, Gottlob, da sind Sie ja. Haben Sie Frau und Kinder gut angetroffen?" „Wenn Sie heute hätten in unsere Wohnung sehen können, Herr Scheffler, Sie würden etwas von dem seligen Gefühl mitempfunden haben, von der Freude, die da einkehrte. Unsere Dankbarkeit gehört Ihnen für immer," antwortete Müller mit gepreßter Stimme. „Nun, nun, lassen wir dasl Sie werden vielleicht in die Lage kommen, mir Ihre Dankbarkeit beweisen zu müssen. Zunächst eine Frage. — Ich habe mich mit Ihrer Zukunft beschäftigt und muß, um für diese etwas thun zu können, Ihre Zeugnisse einsehen. Haben Sie dieselben vielleicht bei sich?" „Ich bitte um Entschuldigung, wenn sie bereits etwas unsauber geworden sind." Mit diesen Worten reichte der Gefragte ein Packet Papiere hinüber. „Ich habe sie in der Tasche getragen auf meinem Gange und durch mehr als eine Hand sind sie gegangen." „Lassen Sie mir die Sachen hier, ich werde dieselben prüfen- Würden Sie auf den Fall, daß ich Ihnen Stellung verschaffte, geneigt sein, jede beliebige anzunehmen, auch wenn dieselbe eine untergeordnete sein sollte?" „In der Lage, in welcher ich mich befinde, ja, wenn sie mir die Möglichkeit bietet, für Weib und Kind zu sorgen." „Weib und Kind, ja, da liegt noch ein Haken. Würden Sie sich auch von Ihrer Familie — wenigstens eine Zeit lang — trennen?" „Es ist das schwer für mich, sehr schwer. Aber um sie ernähren zu können, will ich gerne jedes Opfer bringen. Auch meine Frau würde darein willigen." „Gut, endgiltigen Bescheid werden Sie in wenigen Tagen erhalten. Bis dahin sind Sie auf meine Unterstützung angewiesen. Sollten Sie etwas nöthig haben, so wenden Sie sich mündlich oder schriftlich an mich. In vier Tagen bitte ich Sie, wieder bei mir vorzusprechen." „Ich danke Ihnen, Herr Scheffler- Mit dem, was Ihre Güte mir heute Morgen gab, werden wir reichlich einige Tage auskommen." Die Prüfung der Zeugnisse ergab ein gutes Resultat für den Stellenlosen, ebenso empfahlen ihn weitere eingeholte Erkundigungen. Als er am bestimmten Tage wieder erschien, trat Scheffler ihm mit fröhlichem Gesicht entgegen. „Gut, daß Sie kommen. Die Sache ist in Ordnung, wenigstens von meiner Seite aus, doch hoffe ich, daß auch Sie zustimmen. Sie treten in meine persönlichen Dienste. Nein, nicht hier," fuhr er fort, als Jener ihn erstaunt anblickte. „Ich habe da draußen ein Gut — Tannenhof — hübsch ist's nicht, aber ich werde dort meinen Aufenthalt nehmen. Auch wird es mich ernähren müssen und dazu bedarf es einer tüchtigen Bewirthschaftung. Die letztere wird jetzt wohl in nicht allzu guten Händen liegen, doch habe ich meinen Jnspec- tor noch da und werde ihn nicht sofort los werden können. Ich bedarf aber eines Beistandes, der Jenen beobachtet, auch feine Bücher durchsieht, ob vielleicht Veruntreuungen vorgekommen sind, kurz, eines sachverständigen Vertrauensmannes. Diese Stellung wollte ich Ihnen anbieten." „Das ist zu viel Güte —" „Sagen Sie das noch nicht," war die lachend gegebene Antwort. „Zunächst werden Sie eine etwas zweifelhafte Rolle — so ein wenig Comödie — spielen müssen. Kämen Sie gleich als mein landwirthschaftlicher Beirath mit nach Tannenhof, so würde der Biedermann da schnell Lunte riechen und, wenn er schuldig ist, sich mehr vorsehen, als mir vielleicht lieb ist. Daher möchte ich zunächst Sie dort als meinen Kutscher und Diener in einer Person einführen. Das kann Niemand Wunder nehmen. Unter dieser Maske können Sie dann am leichtesten Einsicht in alle Verhältnisse erhalten und mir die nöthi- gen Winke und Aufklärungen geben. An Gehalt werden Sie jedenfalls so viel erhalten, daß Sie Ihre Familie hier unterstützen können. Außerdem verspreche ich Ihnen den Verwalter« posten, wenn — wie ich fürchte — derselbe seinem jetzigen Inhaber bald abgenommen werden muß, dann würden Sie auch Ihre Familie nachkommen lassen können, zumal wenn Ihre Frau etwa den Haushalt übernähme. Ueberlegen Sie die Sache auch mit Ihrer Frau und geben Sie mir bis morgen früh Antwort." „Ich bedarf der Ueberlegungszeit nicht, ich kann jetzt schon zusagen." „Schön, dann bereiten Sie sich vor, mich übermorgen zu begleiten. Ich habe bereits nach Tannenhof geschrieben, so daß man mich dort erwartet. Im Laufe des morgigen Tages werden Sie Ihre Einrichtung besorgen können. Die nöthigen Mittel erheben Sie beim Bankier Schneider in der Friedrichstraße. Hier haben Sie den Check; der Rest mag für Ihre Familie bleiben." „Aber das ist zu viel," stotterte Muller, als er einen Check von 500 Mark in der Hand hielt. „Lassen Sie's gut sein. Sie werden Manches einzukaufen haben. Ganz äußerlich werden Sie allerdings in die Livree meiner jetzigen Dienerschaft, wenigstens vorerst, sich stecken müssen. Uebermorgen erwarte ich Sie, ich reise gegen Mittag. Wenn Sie also um neun Uhr Morgens kommen wollen, wird das die passendste Zeit sein." Der Zug hielt auf der von Tannenhof etwa eine Stunde entfernten Station. Die beiden Reisenden entstiegen ihren Coupees und begaben sich zu dem hinter dem kleinen Stationsgebäude haltenden Wagen. Müller hatte sich schnell in seine neue Stellung gefunden und schritt mit Gepäck beladen hinter seinem Herrn her. Es war ein nicht gerade elegantes Fuhrwerk, das sie in die neue Heimath bringen sollte, Wagen und Pferde boten beide einen etwas altersschwachen Eindruck. Der Fuhrmann, welcher eine Art Livree, abgegriffenen schwarzen Hut und Rock mit farbigen Aufschlägen trug, erhöhte nur das unbehagliche Gefühl, hier solle eine gewisse Eleganz erscheinen und sei doch nicht recht zu erreichen. Dazu sahen seine kleinen stechenden Augen aus einem gedunsenen Gesichte hervor und die rothe Nase zeugte von der Neigung ihrer Besitzers, sich mit geistigen Getränken besonders gerne zu beschäftigen- „Wollen der Herr selber fahren?" stand er barhäuptig und die Leine bietend neben dem Wagen. Zugleich blinzelten seine Augen zu Müller hinüber, um den neuen Diener des Herrn zu mustern. „Nein, Franz, steige nur vorn auf und fahre Du. Ein großes Vergnügen wird's so wie so nicht sein, mit den wilden Kreaturen in sausendem Schritt durch den Sand zu wühlen. Müller," wandte sich Scheffler an diesen, „bringen Sie die nöthigsten Sachen auf den Wagen und geben Sie die anderen dem Stationsvorsteher in meinem Namen, daß er sie aufhebt, bis ich sie holen lasse. Alles werden wir auf dieser Karrete doch nicht fortschaffen." Nach einer Weile war das Gepäck besorgt, der Diener hatte auf der anderen Bank neben dem Kutscher Platz genommen, der Herr saß zwischen Koffern und mancherlei Handgepäck hinten. (Fortsetzung folgt.) — 48 — Oeineinnütziges. Kitt für Fässer und Eimer. Hölzerne Gesäße wie Eimer und Fässer, trocknen gar oft ein, so daß die Fugen auseinander stehen und die Gesäße bas Master laufen lasten. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, rühre man 60 Gramm Schweineschmalz, 40 Gramm Salz und 33 Gramm Wachs zu» sammen und laste diese Mischung langsam über dem Feuer zer- gehen. Alsdann füge man der flüssigen Maste noch 40 Gr. Holzasche hinzu. Die rinnenden Stellen der Holzgefäße trocknet man sauber ab und verstreicht sie mit dem noch warmen Kitt. Ist letzterer trocken geworden, so sind die Fäffer vollkommen dicht. Oelfiecke aus Tapeten zu entfernen. Hierzu benutzt man einen Brei von Pfeifenthon oder Walkerde mit kaltem Master angerührt und bringt denselben auf die befleckte Stelle, jedoch ohne zu reiben, damit das Muster der Tapete nicht zerstört wird. Nachts über läßt man den Brei liegen, bürstet ihn am nächsten Morgen ab und wiederholt dieses Verfahren, wenn der Fleck nicht ganz verschwunden sein oder später wieder zum Vorschein kommen sollte. Eiu fast unfehlbares Mittel gegeu Wanzen und ihre Brut ist Essigsäure, welche man am besten mit einer Glasspritze in die Fugen und Ecken einspritzt; auch die Zapfenlöcher der Bettstellen fülle man mit der Flüssigkeit an. Ein Tropfen Essigsäure tödtet die Wanze fast auf der Stelle. Dieses Mittel ist billiger und sicherer als Insektenpulver, be- sonders wenn nicht echt persisches angewendet wird. Um Pelzwerk aufzubewahren, wird empfohlen, pulveristrten Alaun oberflächlich vor Aufbewahrung des Pelzwerks in dieses hineinzustreuen. Beim Wiedergebrauche der Gegenstände schüttelt oder klopft man den Alaunstaub heraus. $ * Bei Glasfenstern und Glasthüren das Durchblicken zu verhindern. Man löst eine Handvoll Kochsalz in Vs Liter Weißbier auf und bestreicht mit einem Pinsel die Scheiben auf der Außenseite kräftig und gleichmäßig mit dieser Mischung, und jegliches Durchblicken ist verhindert. Besonders empfehlenswerth ist das Mittel dadurch, daß man den dünnen Ueberzug durch Abwaschen mit heißem Wasser jederzeit wieder entfernen kann. * Sahneu-Kartoffeln. Zu diesen schmackhaften Kartoffeln kann man alle von früheren Mahlzeiten übrig gebliebenen Kartoffeln gut verwenden. Man schneidet sie in Scheiben und bratet sie in Butter in einer Pfanne, bis sie hübsch braun geworden sind. Ist das geschehen, dann thut man Salz hinzu und begießt die Kartoffeln mit guter Milch (auch saure Sahne), bis sie davon bedeckt sind. Jetzt rührt man fleißig, bis die Milch in die Kartoffeln eingekocht ist und das Ganze eine breiartige Form angenommen hat. * Paprikafisch. Man kocht einen Schellfisch ganz wie gewöhnlich, nimmt ihn aus dem Keffel und läßt ihn erkalten. Dann befreit man ihn von der Haut und den Gräten und theilt ihn in kleinere Stückchen. Unterdessen läßt man eine feingefchnittene Zwiebel in 60 Gramm Butter gelb braten, gibt dahinein eine kleine Messerspitze Paprika und 3J1§ Liter Sahne und läßt dies zusammen verkochen. Dann koste man erst einmal, damit man, wenn zu viel Paprika darin sein sollte, etwas Sahne nachgießen kann, denn mit diesem Gewürz muß man sehr vorsichtig sein. Alsdann quirlt man einen Kaffeelöffel Kartoffelmehl daran, salzt den Beiguß und träufelt etwas Citronensaft daran. Nun legt man die Fischstücke in die Brühe und läßt sie darin eine Viertelstunde ziehen. Man kann dazu auch jeden beliebigen Fisch nehmen. Es ist dar ein billige« Gericht, denn man kann mit Hilfe von Salzkartoffeln eine große Schüssel Herstellen. Verinischt-s. Gut herausgezogen. In einer Gesellschaft des Königs Friedrich Wilhelm I. wurde der geistvolle Consistorial- rath Reinbeck aufgefordert, die Gesundheit auf ein hübsches lunges Mädchen in Reimen auszubringen. Alle waren gekannt, als Reinbeck ruhig sein Glas erhob und mit folgenden Worten begann: „Wenn mir ein schönes Kind begegnet, Das Gott mit Anmuth hat gesegnet, So fallen mir Gedanken ein." Er hob das Glas nippend an den Mund und Jeder war begierig, zu wissen, welche Gedanken dem geistlichen Herrn einfielen, als er nach einer kurzen Pause sortfuhr: „Der Gott, der so viel schöne Sachen Aus einem Nichts hat können machen. Wie groß muß dieser Gott nicht sein!" * * • Nur Eines von Beiden. Zollbeamter (zum Reisenden): „Haben Sie vielleicht etwas Steuerbares bei sich?" -- Reisender: „Steuer genug — Baar es nicht!" Praktischer Ausweg. Frau: „Nein, Männchen, mit unserer Köchin ist es nicht mehr zum Aushalten — sie gebraucht jeden Tag mindestens drei Stunden, bts sie ihre Küche aufgeräumt hat. Hat sie indeß ihren Ausgehtag, ist sie in einer Stunde fertig!" — Mann: „Dem ist leicht abzuhelfen; gib ihr jeden Tag die Erlaubniß jum Ausgehen." Der bissige Lieutenant. Der kleine Willy: „Onkel Lieutenant, beiß' einmal die Tante!" — Lieutenant: „Ich die Tante beißen, warum denn?" - Willy : „Ja, die Mama sag e gestern, wenn Du heute kämest, so wollte sie einmal zehn Minuten aus dem Zimmer gehen, dann würdest Du wohl endlich anbeißen. Nun ist die Mama hinausgegangen, letzt kannst Du beißen." e , Zeichensprache. Mutter: „Daß Dich der Assessor liebt, schließt Du also aus seiner Zeichensprache? Was gab er Dir denn sür ein Zeichen?" - Tochter: „Er hat mich geküßt!" # , Vom Kasernenhof. Unteroffizier: „Verfluchte Kerls, Ihr . . ., Ihr . . . , na, ich will es Euch schon sagen, wenn erst die neuen Ausdrücke aus Berlin angekommen sind.' Raffinirt. Diener (der in der Westentasche seines Herrn ein Zehnmarkstück findet): „Hm, schade um die schöne neue Weste — jetzt muß ich gleich ein Loch in die Tasche hinem« schneiden!" * * Derb. Prinzipal (&u seinem etwas störrigen Commis): „Auf Sie paßt nicht: Meß Brod ich esse, deß Lied ich |W- - Commis: „Soll ich Ihnen bei meiner Knopf-Gage vielleicht auch noch was Vorsingen?'^ $ GrößterRespect. Die Rekruten haben Jnstructions- stunde über Verhalten auf Urlaub. - Feldwebel: „Nun, Strobel, wenn Sie in Ihrem Heimathsorte in ein Restaurant kommen und sehen darin einen Ihrer Unteroffiziere sitzen, was machen Sie da?" - Rekrut: „Da - da mach' ich, °atz icy wieder 'naus komm'!" Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.