Uirterchaltrrirgsblatt 311m Gietzenev Zlnzeigev sGeneval-Anzeigev) 1894, "gsS* EßM W^^WKWWWWWs!^^^« *■ nrr < jiMMLEKK8chG»»^!^O NSM«MWKW^MMW^WHt- KUrs Donnerstag? den 29. Mrz. I I ... -..... —......... ....... " '''IHTmr... ■! - T.I I Die Wallfahrt nach Czenstochau. Roman von Johanna Berger. (Fortsetzung.) Der junge Edelmann kam schneller näher. Al« er die hell vom Monde beschienene schlanke Mädchengestalt bemerkte, war er mit wenigen hastigen Schritten an ihrer Seite. Er faßte nach den kleinen kalten Händen, die sie ihm willenlos überließ. „Jadwiga!" „Sie, Pan Roman, Sie?" sagte sie fast unhörbar. „Ja, ichl — Und Gott sei gepriesen, ich finde Dich end» lich, nachdem ich Dich lange vergeblich gesucht habe- Aber wie kalt Du bist, armes, armes Kindl Wie konntest Du nur nach diesem verrufenen Orte gehen, so spät, in tiefster Nacht? Siehst Du nicht die giftigen Dünste aus dem See steigen, die Dein Leben in Gefahr bringen?" „Wer fragt danach?" erwiderte sie leise und traurig. „Ich, ich, Jadwiga! Ach, ich bin beinahe vergangen vor Angst um Dich. Aber nun laß uns schnell heimgehen, hier ist's schaurig I Komm!" Sie preßte die Lippen aufeinander und versuchte ihre Hände aus den seinen zu befreien. „Lassen Sie mich, Pan Roman," stammelte sie, „Ihr Weg ist nicht der meine — ich kehre nicht wieder nach Lygotta zurück — ich kann keinem Menschen dort unter die Augen treten. Nein, nein, niemals mehr!" Sein Gesicht verfinsterte stch, er umschloß die zitternden Mädchenhände noch fester- „Sprich nicht mehr davon, ich weiß Alles! Arme Jad> wiga, man hat Dir entsetzlich wehe gethan. Doch von nun an stehst Du unter meinem Schutz. Keiner soll wagen, Dir auch nur ein Haar zu krümmen. Und wenn man Dich ver- achtet, will ich Dich verehren und Dich niemals verlassen!" Sie schüttelte abwehrend da» Haupt. „Sie sollen keine Mühe davon haben, Pan Roman, ich gehe noch in dieser Stunde fort, vielleicht nach Posen, wo Niemand mich kennt." Ronian» braune Augen ruhten voller Wehmuth auf ihren schönen, todtblaffen Zügen „Ich bitte Dich, gib diesen Gedanken auf. Du willst in die unbekannte Ferne ziehen, — Du, die Du fast niemals von hier fortgekommen bist? Du, ein schwaches, zartes Mädchen, willst den Kampf mit dem Leben aufnehmen, Dich Gefahren aussetzen, von denen Du kaum eine Ahnung hast, um endlich unter fremden Leuten ein klägliche» Unterkommen zu finden? — Und hast Du schon daran gedacht, was Dein Fortgehen Denen bedeutet, die Dich lieb haben, die Deiner lieben Nähe bedürfen? Hält Dich denn kein Gefühl der Pflicht, der Zuneigung für Die zurück, welche Deine Kindheit beschützt und behütet haben?" Sie schluchzte laut auf, ihr Kopf sank ihr auf die Brust nieder. „Sprechen Sie nicht so, das bricht mir das Herz. Wie sollte ich jemals meine Wohlthäter vergessen, wie sollte ich sie nicht lieben? Wie sollte ich Lygotta vergessen? Dort war meine Heimath, meine Welt- Gottes reichster Segen über Alles! Doch ich — ich muß scheiden, ich muß meine süße Hei» math verlassen!" Ihre Lippen zuckten im heißesten Schmerz, ein weicher Schimmer, ein Ausdruck namenlosesten Kummer» lag in den blauen Sternen, die stch angstvoll in die seinen senkten. „Aber warum denn, warum?" brauste er auf. „Warum willst Du un» verlassen?" „Ich kann nicht mehr leben hier, ich kann'» nicht!" schrie sie auf. „Die Schande bringt mich um, der Boden brennt mir unter den Füßen, ich muß fort, sonst ersticke ich!" „Du bist thöricht, Jadwiga, und Deine Aufregung reißt Dich hin, morgen wirst Du ander» darüber denken. Bor allen Dingen mußt Du Dein Vorhaben aufgebe«, denn ich lasse Dich nicht. Mir mußt Du folgen, mit mir mußt Du gehen, ich bringe Dich nach Lygotta zurück, Deiner Heimath, wie Du sagtest. Komm', folge mir, vertraue mir, Du sollst e» niemals bereuen!" „Nein, ich kann nicht, ich darf nicht!" stieß sie hastig au». „Es wäre so schön in Ihrer Hut, Pan Roman, aber es kann nicht sein, ©intnal werden Sie mir vielleicht noch danken für den Schmerz, welchen ich Ihnen jetzt bereite. Möge Gott mir verzeihen, wenn ich Unrecht thue !" „Ja, Du thust Unrecht," entgegnete er im ernsten, eindringlichen Ton. „Du denkst nur an Dich und SDdne vermeintliche Schande. Du mußt das verschnnrzen und an Deine nächsten Pflichten denken -■ ja, Deiner Pflicht mußt Du Dich beugen, die zuerst darin besteht, Deine Wohllhäter nicht durch Dein Fortgehen zu verletzen und zu betrüben- Meine Mutter kann Dich nicht entbehren, doch Du willst in die Weite ziehen, Dir und Deinem Stolz zu Liebe, während die alte Frau Dei- ner Hülfe bedarf und mit Groll des undankbaren Mädchens gedenkt, das sie schmählich verlassen hat!" Jadwiga sah nachdenklich vor stch hin, ihre blauen Augen waren in die Ferne gerichtet, nach jener stelle, wo der Edelhof lag. Kalter Schweiß stand ihr auf bet Stirn und Röche und Bläffe wechselten in rascher Folge aus ihrem Angesicht. Sie zögert» mit der Antwort. 142 „Nicht wahr, Du hast Dich besonnen, Du denkst nicht mehr an'» Reisen," sagte Roman. „Wer scheidet auch gern von seinen Lieben I" Dabei nahm er ihr blonder Köpfchen zwischen beide Hände und preßte es zärtlich gegen seine Brust. „Du bleibst bei mir, Jadwiga, ich halte Dich fest, ganz fest, Dich, mein holde» Mädchen, mein süßes Lieb, nie wieder bis in alle Ewigkeit laste ich Dich von mir!" Jadwiga versuchte, sich rasch seiner Liebkosung zu ent- ziehen, es gelang ihr auch. Ein glühendes Roth färbte ihre Wangen und Stirn bis in den weißen Nacken hinein. „Kannst Du mich nicht verstehen, Mädchen," rief er feurig, „ich liebe Dich, Du füllst meine Braut fein, meine süße Braut und bald, ach, bald mein theures, heißgeliebtes Weib." Er breitete die Arme nach ihr aus und wollte sie an seine Brust ziehen. Doch Jadwiga wich schnell vor ihm zurück. Einen Moment schloß sie wie betäubt von dem, was sie gehört, die Augen. Doch sie faßte sich schnell und nun stand sie hochaufgerichtet vor ihm, mit finster zusammengezogenen Brauen. Ueber ihre sanften Züge hatte sich plötzlich ein harter, kalter Ausdruck gelegt, sie sah aus wie versteinert. „Pan Roman," versetzte sie im herben, eiskalten Ton- „Es sind j.tzt vierundzwanzig Stunden her, da erzählten Sie mir von Ihrer Liebe und Leidenschaft," — sie lachte schrill auf, — „aber in demselben Augenblick sagten Sie sich auch von mir lo». O, es waren häßliche, grausame Worte, die Sie zu mir sprachen, welche mein Herz in tausend Stücke riffen. — Doch nun weiß ich's ja, warum Sie es thaten, von gestern bis heute bin ich sehend geworden, Sie konnten nicht anders und ich habe Ihnen verziehen — von ganzer Seele! Warum wollen Sie aber sitzt moch das grausame Spiel fortsetzen, warum? Sie misten doch, daß ein Makel auf mir ruht, daß meine Mutter eine Bettlerin war, die elend am Wegrain zu Grunde ging, — daß eine Vereinigung mit mir unmöglich ist. Wir Zwei können nimmer zusammen, wir sind geschieden für ewig, denn ich wäre Ihr Verderben, Ihr Fluch! Sie sagten es ja auch, Pan Roman!" „Ich sprach im Wahnwitz und bitter habe ich meine Worte bereut. Und steh', bald darauf kam es wie eine Erleuchtung über mich, die Zweifel, Bedenken und Vorurtheile schwanden wie Schemen dahin und meine grenzenlose Liebe zu Dir behielt die Oberhand. Und nun weiß tch's, daß es auf Erden nichts Höheres, Heiligeres geben kann, als ein geliebtes Herz, das einem ganz zu eigen ist. Was ist Glanz, Ansehen, Reichthum dagegen, nichts kann Ersatz dafür bieten. Werde die Meine, Jadwiga, ohne Dich kann ich nicht leben! Ich will Dein Sclave, Du sollst meine Königin sein, für Dich will ich arbeiten, erwerben, ringen und mit dem Schlimmsten kämpfen. Was sich mir hindernd in den Weg stellt, will ich beseitigen! Jadwiga, fei mein! — Wenn Du mich noch nicht lieben kannst, so soll meine große, Alles überwindende Liebe auch Dein Herz überwinden und es wach rufen aus dem Schlummer, der e» jetzt noch umfangen hält. Und dann in völliger Vereinigung mit einander wird unsere Zukunft nur noch ein Himmel voller Glückseligkeit sein!" Roman kniete vor ihr nieder, ein leidenschaftliches Feuer brannte in seinen Augen. „Jadwiga," flüsterte er, „habe mich lieb, ein wenig nur — ich bitte Dich — werde mein!" Das Mädchen schauerte leise in sich zusammen. Großer Gott, ein Paradies voll Liebe und Glück stand vor ihr offen, aber sie durfte nicht hinein. Gebrochenen Herzens, einsam mußte sie ihre Straße ziehen, fort in die weite, liebelose Welt. Einen Moment verwirrten sich ihre Gedanken, es wurde dunkel in ihr, als versagte ihr die Kraft, länger gegen den geliebten Mann und ihr eigenes Herz zu kämpfen. Ein sinn- betäubendes Weh erfaßte sie, ihre Seele rang in schwerster Pein. Was soll ich thun? dachte sie. Allmächtiger, hilf mir, rette mich vor mir selber, zeige mir den rechten Weg, laß mich und ihn nicht zu Schanden werden! — Eine namenlose Angst zitterte durch ihr Gemüth und ein Krampf schnürte ihr die Brust zusammen. Doch nach einiger Zeit ermannte sie sich wiever, da» Bewußtsein, mit ihrer Schwäche Roman-Unglück zu besiegeln, verlieh ihr den Muth, seiner Liebe und den be- rauschenden Bildern zu entsagen. Roman bemerkte ihr Schwanken, ihr Ringen. Jede Regung ihres Herzens prägte sich im schnellsten Wechsel auf den lieblichen Zügen au«. Er zog sie sanft an sich heran und küßte ihre Hände. „Du kleine Thörin," sagte er mit weicher, bewegter Stimme, „da stehst Du nun da und grübelst und überlegst und machst uns schließlich Beide unglücklich damit. Siehst Du er denn gar nicht ein, daß wir zusammen gehören und uns nicht trennen dürfen bis in alle Ewigkeit hinein? Blicke doch nicht so starr, Jadwiluschka, weine nicht, sei heiter. Ich küffe Dir die Thränen von den süßen Blauaugen." Seine Stimme sank zu einem Geflüster herab. „Du meine Freude, meine Wonne, darf ich auch Deinen Purpurmund küssen? - Holde» Lieb, darf ich, erlaubst Du er mir?" „Sie dürfen mich nicht küssen, Pan Roman," erwiderte sie rauh. „Ich bin nicht Ihre Braut und will er niemals werden!" Und nun riß sie sich von ihm los und blieb hochaufathmend ein paar Schritte entfernt von ihm stehen. „Ach, Pan Roman, seien Sie barmherzig, quälen Sie mich nicht so," rief sie herzzerreißend aus. „Ich kann, ich darf Ihre Braut, Ihr Weib nicht werden, lassen Sie mich gehen." Roman hörte sie an wie zerschmettert, in seinen dunklen Wimpern schimmerte er naß. Denn schwer und beängstigend legte sich trostlose Verzweiflung auf sein warme» Herz und da» warme Blut in den Adern wollte stocken. „Du hast mich also nicht lieb — gar nicht lieb," stotterte er mit heiserer Stimme. Jadwiga» bleiches Antlitz wurde noch bleicher, wie dar einer Sterbenden, sie starrte schmerzverloren vor sich nieder. Ach, sie durfte ja nicht an sein Herz sinken und ihm sagen: Ich liebe Dich tausendmal mehr wie Du denkst und weit über Menschenworte hinaus, aber weil ich Dich so sehr liebe, will ich Dir entsagen. — Sie mußte schweigen, sie mußte das Rechte thun- Sie that noch mehr; sie wendete langsam den Kopf von ihm weg und sprach mit fester Stimme die Lüge aus: „Nein, Pan Roman, ich liebe Sie nicht, ich werde Sie niemals lieben lernen!" Sein Gesicht verzerrte sich, eine Feuergluth flammte jäh darüber hin, er bedeckte rasch mit der Hand die Stirn und athmete mühsam. Minute um Minute verrann. Der Wind rauschte stärker durch die Baumwipfel, immer näher krochen die grauen, seuchten Nebel heran, modriger, todtenhafter Erdgeruch stieg in die Lüste. Da» bleiche Mondlicht zuckte gespensterhast auf den Gräbern hin und her und die düstre Capellenwand mit den dicken, grob getünchten Ornamenten. Und dann huschte ein breiter, kalter Strahl über zwei stumm und regungslos sich gegenüber stehende Menschenkinder, die sich mit von Schmerz durchwühlten, leichenblassen Gesichtern in die trockenen, brennenden Augen starrten, weil sie sich nicht lieben durften und weil sie wußten, daß nun Alles für sie zu Ende war — aller Glück, alle Freude und alle Seligkeit. Ja, Roman wußte es nun, in Jädwigas blauen Augen stand Alles geschrieben und ein altes, einfaches Lied tönte plötzlich wie ein sanfte» Flüstern in seine verzweifelte Seele hinein: Ueber den Sternen wird klar es einst werden, Wie ich gehandelt und wie ich gedacht, Was ich gelitten, geopfert auf Erden. — Ueber den Sternen verschwindet die Täuschung, Dort siehst Du Alles enträthselt, enthüllt. Dir ist hinieden nun Ruhe beschieden. Welche kein störender Mißlaut entweiht; Und in Dein Herz zieht ewiger Frieden, Mit mir ist nur Unruh, Sorgen unb Streit. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. Ja, da« zarte, schwache Mädchen dort lehrte ihn die Entsagung einer Liebe, die Bekämpfung einer Leidenschaft, die Beide in’« Verderben stürzen mußte. Und sie besiegelte da» Alle» mit ihrer eigenen Aufopferung — sie ging, um ihn vor Elend, vor Schallde zu retten. «*• 143 Es war am Ende des Septembers. Der Sommer war vergangen mit seiner Blumenpracht, seinen wonnigen Tagen und Nächten. Der Vöglein süße Lieder waren verklungen und der Herbst zog in's Land mit feuchten Nebeln und kühlen Lüften. Weiße, duftige Gespinnste umwoben Baum und Strauch, oder schwebten, zarten Blüthenflocken gleich, langsam über Felder und Haiden. Am Ufer der Wartha seufzte das dürre Schilf im Winde und Schaaren wilder Gänse zogen schreiend nach dem Süden. Auf den Weiden zündeten sich die Kinder, welche das Vieh hüteten, kleine Feuerlein an, um stch daran zu wärmen, denn ein frischer Nordost strich schon fühlbar über das polnische Flachland hin. Da und dort lugte an sonniger Stelle wohl noch ein vorwitziges Blumenglöckchen hervor - aber nur kurze Zeit. Die rauhe, nordische Natur berührte die Kinder der Flora mit ihrem eisigen Kuffe und tödtete sie gewaltsam. Am St. Michelstage hatten sich die grauen Herbstnebel zertheilt und die strahlende und wärmende Sonne brach siegreich durch die Wolken. Wenn auch von Norden her noch ein kühler Wind über die Fluren blies, so spannte sich doch wieder einmal ein tiefblauer Himmel über die Land« fchaft und bald lag Alles wie überströmt von einer Fluth warmen und goldigen Lichtes und er wehte eine milde sommerliche Lust- Und an diesem Michelstage ohne Gleichen glitzerte und schimmerte auch das alte Herrenhaus von Lygotta im Sonnenschein, daß es eine wahre Lust gab. Als viele Tage und Wochen lang die Sonne verschwand, ein düsteres Grau sich um Erde und Himmel legte und kalter Regen gegen die Fenster klatschte, da hatte die alte Michalina insgeheim alle Wetterheiligen angefleht und mit den heißesten Bitten bestürmt, damit endlich dieser schreckliche Wettergreuel ende. Und Michalina konnte zufrieden sein, ihre Wünsche wurden erfüllt, schöner und herrlicher, als sie begehrt und erhofft hatte. Auf dem Edelhofe herrschte an diesem Tage ein geschäftiges Hasten und Treiben und das Schlößchen hatte feinen besten Sonntagsstaat angelegt- Die Mauern waren bis zur Dachfirst hinauf mit Tannengrün und Guirlanden geschmückt, um die Veranda schmiegte sich das grüne Gezweig des Epheus und die Fenster hatte man mit Vogelbeeren umkränzt, welche wie rothe Korallen in die Ferne leuchteten. Vor dem Portal streckten stch ein paar hohe, mit Blumengewinden geschmückte Flaggenstangen in die Luft, — lustig flatterten die roth-weißen Fahnen im Winde. Schon früh am Nachmittage strahlte das Herrenhaus in Hellem Lichterglanz, und in dem geräumigen Gesellschaftssaale versammelten sich gegen Abend eine große Anzahl von Herren uud Damen, um dem Hochzeitrfeste der jungen Herrn von Bielinski beizuwohnen. Aber auch ungeladene Gäste fanden stch in großer Menge ein. Draußen im Garten auf dem breiten Rasenplatz standen sie Kopf an Kopf und erwarteten den Hochzeitszug, wenn er zur Kirche fuhr, um ihn neugierig anzustaunen. Nach der Trauung wurden die Leute aufs Reichlichste bewtrthet. Pavel und Michalina gingen mit großen Tabletts umher und theilten Branntwein, Bier, Wurst, Kuchen und andere Speisen unter sie aus, denn so erforderte es der Brauch bei einer polnischen Hochzeitsfeier. Es gibt dann eine Gastfreundschaft ohne Grenzen. Später kamen einige Musikanten mit Fiedeln und Dudelsäcken herbei, die alsbald zum Tanz aufspielten. Und im Nu hatte sich ein wilder Mazurek entwickelt. Die Männer stampften nach dem Takte der Musik mit den Füßen den Boden, sprangen mit ihren Tänzerinnen johlend in die Luft empor und schwenkten sie in wirbelnden Kreisen herum, bis ihnen fast der Athem verging. Denn dt?ser Nationaltanz der Polen nimmt, je länger er dauert, ein immer leidenschaftlicheres und stürmischeres Tempo an und endet mit den kecksten Sprüngen. Und dem Mazurek folgte der Krakowiak, wobei sich Groß und Klein an den Händen faßte und sich unter lautem Jauchzen und Schreien wie toll umeinander drehte. Es war ein gewaltiger Lärm hier draußen, dabei wurde nach Kräften gegeffen und gezecht- Mit begeisterten Hochrufen trank man unzählige Male die Gesundheit des jungen Paares — unglaublich viel Schnaps wurde dabei vertilgt. Die denkbar größte Freude gab sich aber in dem begeisterten Absingen alter Nationallteder kund, die ein junger Bursche mit der Guitarre begleitete. Aber auch in den festlich gefchmückten Sälen des Schlößchens, aus welchen dem Eintretenden ein wahrer Lichtstrom entgegenflutheie, spielte stch ein Stück echt polnischen Lebens ab. Alle Räume waren glänzend renovirt und zeugten von Schönheitssinn und künstlerischem Vsrständniß. Heute ver- wandelte sie außerdem eine Fülle der herrlichsten Blumen, welche die Luft mit würzigem Wohlgeruch erfüllte, in einen köstlichen Garten. r , „ . .. In der Mitte des großen Sperfefaales stand dre nut fast königlicher Pracht geschmückte Hochzeitstafel. Das mit feiner Auswahl zusammengestellte Mahl wurde auf schweren silbernen Schüsseln und Tellern seroirt, deren alterthümliche Pracht und Schönheit das Auge blendete. Die Gäste, welche sorgsam aus den vornehmsten Adelsfamilien des Landes gewählt waren, begrüßten stch mit ungemeiner Liebenswürdigkeit. Sie küßten sich die Wangen, die Schultern und Hände, sie machten sich Complimente und überboten sich in höflichen Vom Jasnagora zog noch eine Pilgerschaar in's Land hinab und näherte sich der Rochuscapelle, an der ihr Weg vorüber führte. Langsam schritten die Leute dahin. Einzelne sangen ihre Pilgerlieder ab und in schwermüthigen Weisen schwebten die Töne durch die Luft. Manche beteten leise, noch Andere stolperten müde und abgespannt vorwärts, ohne ein Wort hören zu lassen. Doch die meisten waren munter und guter Dinge und wurden nicht müde, die unvergleichlichen Wunderthaten der heiligen Mutter von Czenstochau zu preisen und über das hehre Fest zu reden, dessen Glorie und Majestät nach ihrer Ansicht auf der ganzen Welt nicht seines Gleichen hatte. Die Wallfahrer hatten das Ufer des Sumpfsees erreicht und verharrten hier kurze Zeit, um auszuruhen. Manch ängstliches Weiblein blickte schaudernd auf die im Nachtthau funkelnden, mondbeglänzten Grüfte, um sich dann hastig zu bekreuzigen und insgeheim den Schutz Marias anzurufen. Träumerisch flogen Jadwtgas traurige Blicke über die rastende Pilgerschaar. Doch plötzlich zuckte sie heftig zusammen, denn so schnell, wie ein greller Blitz eine dunkle Wolke durchbricht, flog auch ein glücklicher Gedanke durch ihr Hirn. Nun wußte sie, wie sie rasch und unter sicherem Schutz von hier fortkommen konnte. Gott selbst hatte ihr Hülfe gesandt, — er würde seiner für sie sorgen. Sie warf einen langen, bangen Blick auf Roman, der in tiefstem Schmerz versunken noch immer an der Capell nwand lehnte, —■ dann wankte sie zu ihm hin, sie taumelte beim ersten Schritt. Und nun reichte sie ihm die eiskalte Rechte: „Leb' wohl," so klang es fast tonlos von ihren Lippen. „Gott stärke Dich, Roman!" Er umklammerte ihre Hand, ein paar krampshafte Laute brachen aus seinem Munde hervor — sprechen konnte er nicht. Doch sie machte stch sanft von ihm los, glitt wie ein Schatten an ihm vorüber und schloß stch rasch dem Zuge der Wallfahrer an, um unbeachtet und unerkannt mit ihnen weiter zu wandern. Bei Tagesanbruch war sie bereits in einer anderen Gegend, wo sie versuchen wollte, durch ehrliche Arbeit ihr Leben zu fristen. Roman sah sie nicht gehen, er hatte wild ausflöhnend beide Hände vor das Gesicht geschlagen. Als er sich endlich ermannte, war die Geliebte verschwunden. Die letzten Pilger zogen eben noch singend an der Capelle vorüber. „Jadwiga! Jadwiga!" schrie er in die Nacht hinaus. Ein paar Leute wandten verwundert die Köpfe, doch kam keine Antwort zurück. Da zog namenloser Jammer sein Herz zusammen, ein dumpfes Brausen klang in seinem Hirn — er wankte hilflos hin und her und stürzte, schwer ausschlagend, zu Boden. — ~ iii ~ sich mit Geinsinnntziges russischer Häringssalat. Dazu nimmt man etwa 5 Häringe, 15 gekochte Mittelkartoffeln, und von folgenden Zuthaten rechnet man den Häringen gleichkommende Portionen an ab. geschälten, sauren Gurken, Pfeffergurken, geschälten Aepfeln, Kalbsbraten. Die gut gewässerten, aus Haut und.Gräten in Würfeln geschnittenen Häringe, sowie alle andere Zuthaten, ebenso geschnitten, werden mit einem guten Theil Kapern, etwas Mostrich, gestoßenem, weißen Pfeffer, wenig Oel und Essig gut unter einander gemischt. Rührt man zwei Eldotter mit dem Oel zu einer seimigen Sauce und dann die Zuthaten dazu, so wird der Häringssalat noch feiner, auch geschnittene Neunaugen erhöhen den Wohlgeschmack. öhnen, zu Herzen und zu. küffen, - kurz, man gab vollster Seele dem Genuffe des Augenblick» hin. (Fortsetzung folgt.) Schimmel von eingelegten Früchten g gj lernen. Der Schimmel muß von den Zwetschen behutsam | abgenommen werden. Dann kocht man den Essig tüchtig, falls etAu wenig süß ist, noch mit Zucker auf und gießt ihn kochend j übet die Zwetfchen- Sollte sich nach einigen Tagen wieder I Schim nel zeigen, dann muß da» Aufkochen de» Essigs wieder- | holt werden. # , Kaffeekannen, die gleichzeitig die Milch ent-1 Kalten, bestehen nach der Anordnung von M. Dannhorn in I Nürnberg aus der wie gewöhnlich gestalteten Kaffeekanne, I welche innen eine Abtheilung für die enthM Der ! Kaffeeraum steht mit der Ausgleßfchnauze unmittelbar tn Verbindung, während von dem Milchraum ein Rohr nach dem I unteren Theil des Ausgusses geht und au» diesem seitlich her. vorragt: dieser Auslauf wird durch ein Ventil geschloffen, I welches durch den Druck auf einen Knopf sich öffnet und die I Milch austreten läßt. * , Das Reinigen des Sammet. Zwei Rlndsgallen werden mit etwas Honig und Seife in reichem Wasser unter fleißigem Rühren gekocht; der Sammet wird„auf ein reines angefeuchtetes Brett gelegt und mit der Gallenbrühe mittelst eine« LävvÄens befeuchtet. Dann rollt man ihn auf einem Manaelholz so lange, bis der Schmutz verschwunden ist, zieht ihn durch reines Waffer, rollt ihn nochmals und hängt ihn ans bis er balbtrocken ist. Dieser halbtrockene Sammet wird nun mit aufgekochter Hausenblase stark befeuchtet, zwischen ein Tuch «eschtegen und gnollk, 6t« « ti>«e trota it SW* mitb er über sehr heißem Wafferdampfe ausgedunstet. Zu IW mm ein * Tuch m! ein heiße« Plätteisen legen. e . Billiger haltbarer Anstrich für Wände. 1. Kalk mit e^er Lösung von Salz in Waffer gelöscht und dann ge- böria mit abgerahmter Milch verdünnt. (Der Anstrich ist nUA9 ein vortreffliches Mittel zur Erhaltung von Holz und la^wirthschastlichen Geräthen.) 2. Einen guten haltbaren Maueranstrich erhält man schon, wenn man den Kalk in der gewöhnlichen Weise mit Waffer löscht und, dann eine Quan« tität feingeriebenen Kässquark unter Umrühren zusetzt. Aechtrr und gefälschter Thee. Ein Chemiker ;ibt solgende» Verfahren an, ächten von gefalschkm Tbee w unterscheiden. Man nimmt eine kleine Quantttä Thee in ein Glas, thut etwas kaltes Waffer dazu und schielt die» ordentlich auf. Reiner Thee wird das Waffer leicht färbe«, während eine starke Veränderung desselben durch das aefälschte oder gefärbte Blatt bewirkt wird. Kocht man nun jede der beiden ^Sorten besonders und läßt sie bis zum Kalt- merken Reben, so wird der Unterschied noch auffallender fein. Der gefälschte Thee wird durch langes Stehen stärker werden, aber durchsichtig bleiben, während der ächte trübe oder milch« artig wird. ®iefe letztere Erscheinung rührt von der Gelb« säure her, die ein natürlicher Bestandtheil de» ächten Theer ist, dem künstlichen aber gänzlich fehlt. Siebaction; A. Schema. - Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er. Lhr. Pietsch) in Gießen. Vermischter. Der praktische Bettler. Bettler: „Möchten Sie wohl die Güte haben, liebe Frau, mir eine Nadel und Faden ru leiben?" —Frau: „Das will ich Ihren Zorne geben. - Bettler: „Ich würde Ihnen auch sehr dankbar setn sür ein Stück Zeug, um meinen Rock zu flicken. — Frau. Schön, hier." —- Settier: „Das Zeug wird zu me nem Reiseanzug nicht paffen. Vielleicht könnten Sie mir etwas von den alten Kleidern Ihrs» Mannes «eben, die zu dem Stück Zeug beffer paffen?" — Frau: „Sie sind wahrhaftig nicht blöbel Doch sollen Sie einen alten Aug meines Mannes haben." Sie holt den Anzug und gibt ihm dem unsteten Wanderer. - Bettler: „Ich danke nochmal» besten». Der Rock ist mir aber zu weit. Wenn Sie mir nun ein gute» Mittageffen verabreichen wollten, würde mir der Rock wahrscheinlich gerade recht sein." Eine Enttäuschung. Piffle: '.Ist,die reizende Wittwe auch reich?" — Kniffte: „O ja, sehr Plffle. „Grundeigenthum oder bewegliche» Eigenthum? — Kmffle. „Bewegliches, sehr bewegliches. —.Sechs Kinder. I (Stn aemüthlicher Handlungsreifender. Kauf- I mann : Zch habe ja schon vorhin erklärt, daß ich von Ihnen I nichts kaufen kann und überdies heute sehr beschäftigt bin! I Was wollen Sie also noch?" Reisend^:: „Rur noch a I bifferl plaudern I Schaun's, ich müßt mich ia vor meinem I Dienstmann genier'«, wenn ich allewell so schnell au» den I Läden draußen bin!" , e Schmeichelhaft. Lina: „Mein Vetter hat mir da» I (Kompliment gemacht, ich sei zum Küssen wie geschafft' f I Minna: „Das war eine zarte Anspielung auf Deine aufgestülpte Nase." e . Vorsorglich. Die kleine Marie (indem sie mit der I Mutter ins Bad reist, beim Abschied): „Du, Papa, sollte I der Storch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen bringen, I so telegraphire es ja gleich der Mama!" I ♦ * i Ein Andenken. A.: „Was haben Sie denn da im - I Kästchen?" — B ! „Haare; ein Andenken an meine W , F„u." - A.: „Die hatte doch keine blonden Haare! - • B-: „Nein, aber ich!" W«.«ten »k w*. A"bÄÄ“Ä L« ÄÄÄ Feier de» Tages wurde natürlich sehr stark gezecht und der °en Hausyalmngen^lche liefern, in Keffeln feurige Ungar« nnd Burgunderwe^ nicht 0^1 besonders für Obstbäume ganz vorzüg« und schwatz^, ,^S U?Menden Minuttwied-r zu ver« liches Dungwaffer, die Knochen werden dann noch verklopst ??rnte sich, E sich in der folgenden mtt unb ln bie Erde untergegraben.