Uirt-vhaltinigsblatt 311m Gietzsnev AnZergev (Geneval-Anzeigep) 1894. mt*. • -1>-\ £: V ? p-:?V y ’IT T' E?' . ': I SSüSifc-KI Dienstag, den 27. Februar. Im Banne des Bösen. Novelle von C. Western. (Fortsetzung.) Nach der Vorstellung Pfeils und Ruths nahm der Professor das Wort: „Ich bemerkte vor einer Stunde, daß Ihr sehnlichster Wunsch in Erfüllung ging und Ihre Fräulein Tochter wieder heimgekehrt ist. Ich sah das gnädige Fräulein ankommen und wollte nicht verfehlen, die guten nachbarlichen Beziehungen zwischen uns durch einen Besuch zu befestigen, denn ich hatte ja bisher noch gar nicht die Ehre gehabt, Ihrer Fräulein Tochter vorgestellt zu werden." „Sehr freundlich von Ihnen, Herr Professor I" sagte Frau von Linden. „Danke Ihnen, lieber Freund!" setzte der Oberst hinzu. Ruth verbeugte sich nur stumm, aber ihr Auge ruhte durchdringend auf dem Antlitze Pfeils, der ihr nicht recht zu gefallen schien. Dieser gab sich die ordentlichste Mühe, Ruth in ein Gespräch zu verwickeln, sah sich aber hierin getäuscht, denn ihre Antworten blieben einsilbig, obwohl man aus ihren Worten auf einen scharfen Verstand schließen konnte. Der Professor war aber viel zu klug, um jetzt weitere Versuche zu machen, das schöne Mädchen in ein Gespräch zu ziehen. Er sagte sich selbst, daß der erste Eindruck nicht für ihn gesprochen, er zog sich deshalb zurück, indem er unten in seiner Wohnung citirle: „Steter Tropfen höhlt den Stein! Heute gleichgültig, morgen interessant, übermorgen begehrenswerth; ich kam, ich sah, ich siegte, das braucht ja nicht an einem Tage zu sein!" Er wollte eben zu Tisch in's Restaurant eilen, als oben in der Wohnung des Obersten eine wundervolle Altstimme Schuberts „Erlkönig" zu singen begann. „Himmel, welche Stimme!" rief der Professor. „Das ist Ruth! Und wie sie das Piano dazu spielt!" Das Lied war zu Ende, aber Pfeil lauschte noch; da begann Ruth das „Ave Maria" und ihm folgte das Lied „Der Wanderer". Als es dann aber still wurde, sagte der lauschende Pro« feflor halblaut: „Ich würde rasend, wenn sie meine Zuneigung nicht erwiderte! Dieses Mädchen hat Geist, hat Seele! — Sie besitzt auch hohe Schönheit, Anmuth und Reichthum. Ich bin so ein Wanderer, der bislang in trostloser Oede umherirrte und jetzt, wo er den vollen Strom des Lebens vor sich hat, trinken möchte! — O, wenn ich dabei nur nicht eine furchtbare Enttäuschung erlebe! Ich könnte sie wahrhaftig nicht ertragen!" Er lachte wieder häßlich auf und fuhr dann in Gedanken fort: „Aber die galanten Besuche bei Fräulein Camilla sind zu Ende! Ruth könnte es erfahren und ich — wäre bei ihr unmöglich geworden! Camilla ist zwar eine allgemein beliebte Opernsängerin, doch Ruth gegenüber kann mir auch der leiseste Verdacht schaden, das fühle ich 1" Der Professor rief jetzt seinem Diener zu: „Ich gehe; vergiß nicht zuzuschließen!" „Rein, Herr Professor!" lautete die Antwort, und Professor Ernst Pfeil schritt der Stadt zu. - — Die Familie von Linden setzte sich inzwischen auch zu Tisch. „Run, wie gefällt Dir unser Nachbar?" fragte der Oberst seine schöne Tochter. „Soll ich offen sein?" erwiderte Ruth. „Natürlich!" entgegnete ihre Mutter- „Nun, so muß ich sagen, daß mir Professor Pfeil nicht sonderlich gefällt; nicht," fuhr sie fort, als sie sah, daß es den Papa befremdete, „nicht, daß ich ihn nicht leiden möchte, denn sein Aeußeres ist nur gewinnend, sondern daß ich ihm nicht voll vertraue, da in seinen Augen ein seltsames Etwas blitzt, was ich noch nicht zu deuten vermag! Ich könnte es nur vergleichen mit dem, was ich an den Augen der Schlangen stets so unangenehm finde." „Ruth !" rief der Vater. „Das geht zu weit! Der Professor ist unser Freund und . . ." „Aber Papa, ich sollte ja offen sein!" unterbrach Ruth erschrocken den Vater. „Du gehst zu weit, Kind!" wiederholte der Oberst. „Ich behaupte ja nicht, Papa, daß meine Meinung über den Professor die richtige seil" „Gut, denn er ist ein prächtiger Mensch und ein bedeutender Gelehrter." „In der That!" bestätigte die Frau Oberst. „Wir haben noch nichts Nachtheiliges an ihm entdeckt." „Was Du an ihm bemerkt hast, habe ich in seinen Augen auch gesehen!" fuhr dann der Oberst fort. „Siehst Du, Papa?" lachte Ruth. „Aber ich hab's anders gedeutet!" sagte der Oberst ruhig. „Nun?" frug Ruth lächelnd. „Es ist dem Professor fast ergangen wie mir selbst: kleinlicher Ehrgeiz Anderer, Neid und Jntrigue haben ihm die Carriore verschlossen! Mißtrauen und Scheu spiegelt deshalb sein Auge wieder!" „So wird es sein 1" erklärte auch die Frau Oberst. Ruth lächelte abermals und erwiderte: „Deshalb können wir ja auch doch noch gute Freunde werden! Wer weiß es!" - 94 - Hauptmann Edgar von Bach war erst vor Kurzem aus I dem Regiments einer Provinzialstadt, demselben, in dem auch I Oberst von Linden gedient, in die Garde der Hauptstadt ver- I setzt worden. War er srüher schon mit dem Obersten gut be- I kannt gewesen, so gedieh diese Bekanntschaft nach des Obersten I Penstonirung und Übersiedelung in die Hauptstadt bis zur I wahren, treuesten Freundschaft. Edgar aber, seit langem ein I eifriger Ingenieur und Mathematiker, fand nur wenig freie I Zeit, Besuche zu machen, ließ sich deshalb auch nur selten bei I Lindens sehen, obwohl er dort stets ein gern empfangener I Gast war. Allerdings scheuchte sein stetiger Ernst nicht so leicht I die Geister des Unmuthes von des Obersten Stirn, wo sie I leider nur zu oft feit dessen Penstonirung thronten, weg, wie I das die jovialen Redensarten des Professors vermochten; hatte I aber Herr von Linden einmal eine Jdeenanregung von dem I Hauptmann empfangen, so konnte er stundenlang mit ihm über I eine wissenschaftliche Angelegenheit reden, was dem Professor I trotz feiner akademischen Bildung nicht möglich war. Des I Professors Unterhaltung war leichtes Rieselwafler, aber des Hauptmanns Worte, wenn er lebhaft wurde, ein unergründlicher, Alles mit sich fortreißender Strom! Diese Wahrnehmungen machte auch Ruth, als sie den Hauptmann einige Male gesprochen. Es war merkwürdig, wie diese beiden Menschenkinder gleich auf den ersten Blick für einander sympathisirten! Der große Philosoph Platon weist in einem seiner Dialoge nach, wie der Mensch so lange ein einseitig sich entwickelndes Wesen bleibe, bis er in der Geliebten die ergänzende Hälfte seines Wesens finde; erst dann sei der Mensch ein harmonisches Ganzes. Diese Bemerkung machte auch Edgar von Bach, je mehr er bei seinen jetzt häufigen Besuchen im Hause des Obersten in das Wesen Ruths eindrang. Rur dem Umstande, daß er trotz seines männlichen Alters sehr bescheiden und jungen Mädchen gegenüber fast schüchtern geblieben war, durste man es zuschreiben, daß eine Verlobung zwischen ihm und Ruth noch keine Thatsache geworden war. , , t Der Professor sah dies mit steigender Eifersucht, denn er gönnte Ruth dem Hauptmann nicht. Zwar hatte Ruth den Professor Pfeil, den Gast ihrer Eltern, so oft sie mit ihm zu- sammentraf, stets höflich behandelt, aber ihr innerstes Wesen gegen ihn waren Kälte und Abneigung. Das fühlte auch Pfeil heraus; trotzdem gab er feine Absicht, Ruth noch als Gattin zu besitzen, nicht auf. Es war nicht zu bezweifeln, daß des Professors Schicksal an einem Wendepunkte stand und daß die Erwiderung seiner Neigung seitens Ruths ihn vielleicht aus dem Sumpft leichtfertigen Lebens befreit hätte. Da sie ihn nicht mochte, so for- derte ihre ablehnende Haltung alle gehässigen Seiten seines Characters heraus und sein Ziel hieß Rache, Rache an ihr und Hauptmann Bach, den sie ihm vorgezogen, wenn der Pro- feffor nicht selbst noch den Hauptmann verdrängen und in die Gunst Ruths gelangen sollte. Es lag in Pfeils Charaeter, feine wahren Absichten unter der Maske der Freundschaft zu verbergen und zu warten, bis die Beiden sich eine Blöße gaben, die ihm erlaubte, eine In- trigue anzuspinnen und mit Sicherheit auszubeuten. Wie es um Herrn von Bach stand, das hatte der Professor bald ergründet, denn in Bezug auf Offenherzigkeit war ja der Hauptmann das reine Kind! Run aber galt es, den Gegner und Nebenbuhler um die Hand Ruths nicht in die eigenen Karten blicken zu lassen. Pfeil wußte dafür bald Der Professor hatte sich am selbigen Tage nicht wieder in der Linden'schen Familie sehen lassen, doch war er früh heimgekommen und schien sich dann schufen gelegt zu haben, wenigstens sah man unten kein Licht. In Wirklichkeit aber saß der Weiberverächter Ernst Pfeil im Kanapee und horchte auf Ruths Gesang, bis oben Alles ruhig ward. Dann seufzte er über sein heutiges Mißgeschick der schönen Ruth gegenüber und beschloß, mit allen nur erdenklichen Mitteln ihre Gunst zu gewinnen und dann um ihre Hand zu werben. III. Der Oberst nickte dazu befriedigend und sagte: „Der Professor spielt vorzüglich Schach!" „Ja, sehr gut!" setzte die Mutter hinzu. „Er weiß stets Rath!" fuhr der Oberst fort. „Und ist immer unterhaltend!" erklärte dessen Gattin. „Das empfiehlt ihn ja sehr zu seinen Gunsten!" meinte Ruth lächelnd. „Papa, auf Deine Gesundheit; Mama, auf Dein Wohl!" sagte dann Ruth und trank den Eltern zu. Die Frau Oberst, welche Ruths Stiefmutter war, bemerkte darauf: „Liebe Ruth, Fräulein Wendheim, Eure Pension«- Vorsteherin, hat wirklich nicht zu viel an Dir gelobt! Kind, ich habe Dich so lieb, als wärst Du mein leibliches Töchterchen ! „Das freut mich unendlich, Mama," entgegnete Ruth, „und nicht wahr, Papa, wir Drei wollen ein so recht glückliches, behagliches Stillleben führen!" „Das wollen wir!" bestätigte der Oberst. Rath- , „ Ein wundervoller Junimorgen war heraufgezogen. Der Himmel prangte saphirblau über der blühenden Erde und am Himmelsdome strahlte die goldene Sonne, Leben und Fröhlichkeit über die Erdgeborenen gießend! Thautropfen hingen an den Blumenkelchen, die Rosen erfüllten die Luft mit Wohl- geruch, und Jasmin und Flieder athmeten geradezu berauschende Düfte aus. Das Alles sah und hörte der brütende Professor nicht. — Er sah nur Edgar von Bach des Weges daherkommen und sein Plan war sofort gefaßt. Er eilte in's Haus und als Jener eintrat, trug Pfeil seinen rechten Arm in einer Binde. Er begrüßte den „Freund" gedrückt. „Nun, was ist Ihnen, Professor; was haben Sie mit Ihrem Arm angefangen?"' frug der Hauptmann theilnehmend. „Habe Unglück gehabt, wie es eben nur mir zustoßen kann!" „Sie übertreiben!" , L .,, u. „Ohne Scherz I Habe mir die rechte Hand mit der schärfsten Säure verbrannt und kann von Glück sagen, wenn keine Blutvergiftung eintritt!" „Bewahre Gott!" , , , „Wie ich sage! Apropos, da kommen'Sie mir eben recht, Hauptmann!" „Wieso?" „Wollen Sie für mich ein Billet schreiben?" „Wenn's weiter nichts ist!" „So setzen Sie sich an den Schreibtisch!" „Ist alles Nöthige dort?" „Ja? — Nun, bitte!" Und der Professor bictirte: „Liebste Camilla! So leid es mir thut, kann ich heute Abend nicht zu I Dir kommen, ich bin anderweitig gefesselt. Jndeß sendet Dir tausend Küsse Dein E. Edgar von Bach lachte und frug: „Und die Adresse?' „Na, Sie verrathen mich doch nicht!" entgegnete Pfeil I lächelnd. „Fräulein Camilla Manzillo, Breitenbachs Hotel, I biet!" I Edgar legte die Feder hin und meinte lächelnd: „Die I arme Camilla!" , _ . „Sie wird fich trösten — mit einem Andern! So eine | Mädchenseele ist das wahrhafte — Wirthshaus!" I „Wie Sie das leicht nehmen!" „Nur keine schwere Bagage auf dem Lebenswege nut» 1 schleppen!" Edgar von Bach erröthete wie ein Schulbube. „Wissen Sie," lenkte Professor Pfeil nun auf einmal ad, I „daß ich die Jmprägnir-Mafle jetzt wirklich erfunden habe? I Mir wird das Geld in Strömen zufließen, wenn nur die tzanv I erst wieder hergestellt wäre!" , : I Er hielt plötzlich inne und der Hauptmann sprang aus, i I denn Ruth ließ sich im Garten sehen. „Ich muß fort!" erklärte der Offizier. “-95 Sber Professor deutete auf Ruch« hohe Gestalt und fragte lachend: „Ist dar etwa der Magnet?" Der Hauptmann erröthete wieder und entgegnete: „Sie fragen zu viel, lieber Professor! Auf Wiedersehen!" Er ging, der Profeffor aber blickte auf die beiden jugendlichen Gestalten im Garten und sagte: „Geh' nur hin, sie soll Dich bald verabscheuen! Doch damit heute noch keine Erklärung erfolge, will ich meinen Diener zum Blumengießen in den Garten schicken!" Und so geschah'». IV. Acht Tage waren vergangen. Hauptmann von Bach war mit seiner Compagnie in die nachbarliche Bergstadt geschickt worden, wo man unter den Bergleuten Unruhen befürchtete; er hatte mithin Ruth diese Zeit über nicht sehen und sprechen können. Das war Ernst Pfeil sehr lieb gewesen, denn nun hatte er vollauf Zeit, seine Jntriguen zu spinnen! — Da warf ein Schicksalsschlag alle seine Berechnungen über den Haufen! Der Oberst erkrankte schwer! — Sofort gestaltete der Professor hiernach seinen Plan um, indem, er sich den beiden Frauen durch Krankenpflege und Nachtwachen, wie durch stetige Gefälligkeiten tief verpflichtete. „Welch' ein Glück," flüsterte er oft, „daß der Hauptmann nicht da ist; bei dieser Gelegenheit hätte er ja die Hand Ruths im Fluge erobert!" Eines Morgens fand er den Obersten schlimmer, als er erwartet. „Mcken Sie näher," keuchte der Kranke, „ich habe Ihnen etwas mitzutheilen!" Profeffor Pfeil setzte sich an's Bett. „Was ich Ihnen, lieber Freund, jetzt zu sagen habe, wird Sie gewiß in Verwunderung versetzen! Ich muß, damit Sie mich nicht falsch verstehen, etwas weit ausholen." „Bitte, erzählen Sie!" forderte ihn der Profeffor gleichgültig auf. Der Oberst fuhr fort: „Ich heirathete als Lieutenant in meiner ersten Ehe das Mädchen meiner Liebe. Es war arm, ich aber befaß so viel, die übliche Caution stellen zu können. Da wurde Ruth geboren und meine Frau starb. Hätte meine jetzt verstorbene Schwester, die Stiftsdame, Ruth nicht zu sich genommen und erzogen, das Kind wäre umgekommen, denn ich lebte nur meinem Schmerze. Nach sechs Jahren — ich war inzwischen Hauptmann geworden — lernte ich meine jetzige Gattin, eine geborene Hellfeld, kennen. Sie fungirte.bei dem General Tuch von Tuchson als Gouvernante. Wie es zusammenhängt, weiß ich nicht: seit dem Hochzeitstage verfolgte mich der Haß des Generals. Ich glaube fast, er hatte darauf gerechnet, daß ich feine Schwester Ellinore ehelichen würde!" Hier trat eine Pause ein. „Soviel ist gewiß," fuhr der Oberst jetzt fort, ohne daß Professor Pfeil eine Miene machte, ihn zu unterbrechen, „ich wurde im Avancement zurückgesetzt und erreichte es nur mit Noth, daß ich dreizehn Jahre später als Oberst in Pension treten durste, tief verletzt und verbittert. Ich liebte meine Gattin sehr, obwohl ihr eine Tugend wie allen Gouvernanten fehlte: die Sparsamkeit!" Jetzt wurde der Professor aufmerksam. Auf welches Ziel steuerte der Kranke zu? „Ich theilte deshalb meine Einkünfte in drei Theile," fuhr der Oberst fort, „wovon zwei zur Haushaltung dienten, während einer zum Ersparen einer Summe für die Zeit der Noth verwandt wurde. So fparte ich die Summe von zwanzig- tausend Mark zusammen, die ich in eine süddeutsche Bank that und als Rente sür meine Tochter Ruth zu belegen gedachte. Da ich nun von Profeffor Simler schon vor drei Jahren wußte, daß mein Nierenleiden nicht zu heilen war und ich höchstens noch einige Jahre zu leben hätte, so ist seitdem die Rentefestgeschrieben und zwar auf Ruths Namen, da sie eines- theils ohne diese unversorgt wäre, anderntheils, weil sie mit meiner Gattin theilen wird, für welche außerdem durch eine Wittwenpension gesorgt ist. — Sie finden das Papier, das Sie aurfüllen wollen, dort in der Mappe!" „Dazu bedürfte es einer Vollmacht!" warf Pfeil hin. „Sie liegt bei und ist beglaubigt; ich habe Sie vor acht Tagen — zu Ruths Vormund ernannt!" Der Profeffor jubelte innerlich auf, laut aber jagte; er wie zögernd bedenkend: „Diese schwere Verantwortung, mein lieber Herr Oberst —!" „Werden Sie doch gern für uns tragen?" „O gewiß!" „So nehmen Sie hier den Schlüffe! zur Mappe, dis Frauen wiffen nichts von dieser Angelegenheit; sie sollen mich noch im Tode segnen!" Der Profeffor nahm die Papiere an sich, sah sie.mit Muße durch und bemerkte zu seiner Zufriedenheit, sdaß die Rentenverschreibung bis auf den Namen des Bezugsberechtigten ausgefüllt war. Für diese Feststellung lag ein Avisformular bei, er nickte befriedigt und sagte dann zu dem Kranken: „Ich will das Amt eines Vormundes annehmen, Ihnen zu Liebe, werther Freund, bitte aber, den Damen dieses selbst zu eröffnen!" Der Kranke bejahte und der Professor sagte: „Die Rentenangelegenheit werde ich discret erledigen." Der Patient nickte zufrieden- — Voll Bestürzung vernahmen am anderen Tage beide Frauen die letzten Bestimmungen des Gatten und Vaters; Widerspruch war unmöglich, da des Kranken Zustand sich bis zur Hoffnungslosigkeit verschlimmerte. Am Abend des nächsten Tages war der Oberst von Linden in das Thal des ewigen Friedens zur Ruhe gekommen, und Frau von Linden und Ruth weinten bei einer Leiche. Der Profeffor, dem jeder Umstand zur Erreichung seines Zieles dienen mußte, ging stille zwischen den Frauen einher. Willig nahm er die Bürde, für das Begräbniß zu sorgen, auf sich und zeigte dabei eine Ergebenheit, die selbst Ruth tief rührte. Bei sich freilich dachte der Heuchler so: „Ich habe nicht gewußt, daß mein schönes Mündel auch eine reiche Erbin mit beträchtlicher Rente sei. Jndeß, verwirft sie mich, die Stolze, so — schreibe ich die Rente mir selbst zu; Niemand erfährt ja davon, wenn ich, der bezugsberechtigte Vormund, das Geld behalte I Mein Nebenbuhler, der Hauptmann, soll dadurch nicht des Lebens Behaglichkeit kennen lernen! Uebrigens muß ich ein Mittel finden, ihn von ihr für immer zu trennen!" Am Nachmittage nach der Beisetzung der Leiche verließen beide Frauen in Begleitung des Dieners und der Magd, welche Kränze trugen, die Villa, um dem Grabe des Verstorbenen einen Besuch abzustatten. Die Zeit benutzte der Profeffor, um mit Hilfe eines Nachschlüffels sämmtliche Zimmer der Familie von Linden zu durchsuche». In Ruths Gemach fand er schließlich, was er gebrauchte: ein Tagebuch von ihrer Hand. Er nahm es mit einem Jubelruf an sich und ging damit nach unten. Hier durchlas er das Heft höhnisch lächelnd. „Mädchenträume," murmelte er, als er an die Pensions- geschichten kam. „Der Oberst hätte auch besser gethan, Ruth, als die Tante vor sechs Jahren starb, in's Haus zu nehmen, anstatt sie zu Fräulein Wendheim in die Pension zu thun!" Er blätterte weiter- Dieses Kapitel behandelte die Briefe, welche ihre Rückkehr in's Vaterhaus forderten. Es enthielt ein Loblied der Stiefmutter in allen Farben und allen Tönen. „Hm," murmelte der Gewissenlose, „Frau von Linden muß doch wohl so verschwenderisch nicht sein, wie der Selige geglaubt; er war ja überhaupt barock in Allem, was er that und trieb! Ha!" Sein Auge haftete auf einer Stelle, die lautete: „Dies Blätilem sei nur Dir geweiht: Uns trennet niemals Raum und Zeit Und soll stets das Bewußtsein laben: Wir wissen, was wir an uns haben! Ruth/ Er las dieselbe Stelle nochmals laut und sagte dann: „Das gerade brauche ich!" Ohne mit der Wimper zu zucken, schnitt er das Blatt andern Tagebuche heraus und legte das letztere dann an seine alte Stelle. Sein Plan war gemacht und zwar gut gemacht! (Fortsetzung folgt.) 96 KsMsinnütziges N N Druck und Verlag der Brüh-l'schcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Nedaction: A. Scheyda. Th wo hab den da§ uni ntei gen nich sein Cor nad ®ei schr wer wer einl obe beer ihn bei Hei Na Me der mir ist Ne dar san scho Bei Frost graben. Man dulde nie, daß das Gartenland betreten wird, wenn es naß ist, denn es ballt sich dann fest zusammen und es bleibt kloßig und fest ein ganzes Jahr hindurch- Deshalb ist es auch fehlerhaft, schweren Boden mt Herbste umzugraben bei offenem feuchten Wetter. Mit ausgezeichnetem Erfolge läßt sich dagegen bei leichtem Frostwetter graben. Fast jeder Winter hat eine größere Reche milder Frosttage, an denen man das Land ohne Schaden betreten und mit scharfem Spaten die leichte Frostdecke ohne Muhe durchstechen kann. Der Boden durchlüftet und durchfriert gründlich, zerbröckelt und wird mürbe. - Frost ist für ieden fchweren, bindigen Boden das allerwerthvollste Verbefferungs« mittel, das man so ausgiebig, wie nur irgend möglich, darauf einwirkeNjlaffen sollte. Gegenmittel bet Vergiftung von Hühnern, Gänsen Enten durch Petersilie, Herbstzeitlose» Kaffeesatz rc. ist saure Milch und Essig im Trinkwaffer. • Milchreis mit Apfelmus Der Reis wird in kaltem Waffer abgegoffen und, nachdem der Reis noch zweimal mit heißem Waffer abgebrüht worden ist, wird er mit etwas Salz in die kochende Milch gethan und hierin weich gekocht. Das aus den Aepfeln, Zucker und Zimmet bereitete Apfelmus wird über den Reis gethan und wird ein sehr schmackhaftes Essen, welches gewöhnlich ohne Beilage gegeben wird. Ob bei Nachtfrösten int Frühjahr die Knospen der I Obstbäume erfroren sind, kann man leicht ersehen, wenn man I sie quer d. h. von der Seite aus, durchschneidet. Zeigt der I Durchschnitt auf seiner Fläche schwarze Punkte, so i|t es mit der Freude aus. * # Das Rosten der Gartengeräthe wird der- I mieden durch einen einfachen Fettfirmß, welcher dem Sauer- I stoff der Luft den Zutritt verwehrt. Zu diesem Behufe schmilzt man 3 Theile Sp-ck mit 1 Theile Harz (Pech) zu- sammen und trägt die Mischung mit einer Büste oder einem Lappen auf. * , I ♦ Pftanzen in Moos zn ziehen. Fülle die Blumen- töpfe mit Moo», lasse die Pflanzen darin wachsen, wobei man wie bei Erde verfährt und nur das Moos von Zett zu Ze t zusammendrückt. Viele Pflanzen wachsen in demselben weit besser als in der Erde. Kalthauspflanzen, dte in der Erde nicht treiben wollen, kommen in Moos sehr gut fort. • Behandlung der Erdbeeren. Aeltere Erdbeer- I standen leiden oft sehr unter der schädlichen Verlängerung des Wurzelhalses oder Strunkes, welcher schon tm Laufe eines Wahres die Erdoberfläche überragt und nun, je mehr Blätter I die Pflanze treibt, immer länger wird. Eine solche Pflanze wird schwach und unfruchtbar. Man muß daher im Frühling sorgfältig die Erdbeerbeete untersuchen, die Pflanzen entweder anhäufeln oder aber, was noch besser ist, fo viel Composterde und Mist auftragen, daß die Wurzelhälse davon bedeckt werden. Wer die Sache bis zur Blüthe versäumt, darf auf kernen Fall mehr mit der Hacke häufeln, denn alles Hacken der Erd- beeren während der Blüthe wirkt schädigend auf die Fruchtbarkert. I * ♦ * Trinkwaffer zu Prüfen. Um sich von der Güte des Trinkwassers zu überzeugen, fülle man e»ne Vz-Llterflasche dreiviertel voll Waffer und thue einen Eßlöffel voll besten reinen Zucker hinein, verkorke die Flasche fest und stelle sie an einen warmen Ort. Zeigen sich nach 36—48 Stunden keine weißen Flocken, ober ist das Wasser nicht milchig geworden, sondern klar gebliebdn, so ist es gut. * * Zvjsche zu conserviren Der Fisch wird geöffnet, auf feinen fleischigen Theil Zucker gestreut und zweibtsdrei Tage horizontal gelegt, damit der Zucker gehörig eindringt. Auf diese Weise kann man Fische lange Zeit vollkommen frisch und gut schmeckend erhalten, wie eben gefangene. Lachse, auf diese Weise vor dem Einsalzen und Räuchern behandelt, haben einen weit angenehmeren Geschmack und ist ein Eßlöffei voll Zucker für einen 2 bis 3 Kilo schweren Lachs hinreichend. Vermischtes. Die Richtige. A.: „Freund, kannst mir gratuliren; habe mich verlobt I" - B.: „So, hat sie wA? — A.: „Geld nicht, aber Verstand für Zwei, sag 'ch»Dir! - 3.: „Nun, dann gratulir' ich Dir zu dieser passenden Partie! Ein fleißiger „Arbeiter" Herr: „Aber Junge, das ist doch unverschämt, so spät Abends noch zu betteln! Betteljunge: „Ja, Herr, bei den schlechten Zeiten muß man eben Ueberstunden machens * Bosh'afte Frage. Lehrer: „Also Du willst nicht wissen wie viel 2 mal 2 ist (zählt ihm mit dem Stock fünf auf).' Weißt Du's jetzt?" — Schüler: „Das war eins zu viel!" , . Blaues Blut. Baron: „Wie kannst Du nur fo un- geschickt fein und mich schneiden!" - Barbiergehtlfe: „Ich wollte nur mal sehen, ob blaues Blut käme. Galant. Dame: „Und wo soll ich das Recept bereiten I lassen, Herr Doctor?" - Arzt: „Natürlich nur in der Engel- Apotheke, meine Gnädige!", , Kurz und gut. Lieutenant: „Sagen Sie mir einmal, Witzmann, was ist das für ein Zeichen, wenn am Verschlüsse des Rohres die Pulvergase entweichen? — Witzmann. „Ein sehr schlimmes Zeichen, $err Lieutenant!" Auch eine Abbitte. Ein Bauer wird wegen Belei- digung de» Schultheißen zu zwanzig Mark Buße verurtheilb Außerdem erhält er die Auflage, am nächsten Sonntag nach I der Kirche auf dem Kirchenplatze, dem Versammlungsorte der GemeÄmitglieder, vor dem Schultheißen öffentlich Abbitte zu leisten. Dies thut er wirklich und zwar mit folgenden Wor- ten: „Daß i de Schultes g'schimpft Han, fell rfch wahr, daß I er aber a braver Ma' isch,,sell mueß i sage. Fortschritt. Arzt (zum Reconvalescenten): «Nun waren sie heute spazieren, Herr Schlaucherl; wie geht- mit den Beinen?" — „Gut, gut, lieber Herr Doctor; wieder I drei Wirthshäuser weiter gekommen, wie gestern- Im Zweifel. Prinzipal (der seinen kranken Commis | besucht): „Zwei Aerzte und all' die Flaschen und Gläser! | «Diener, wie können Sie sich bei Ihrem kleinen Salair aber I eine so kostspielige Krankheit leisten?" Es wär' so schön gewesen. Erster Student (zu seinem Stubencollegen): „Was hast Du denn da ? Einen , Brief von Damenhand?" — Zweiter Student (seufzend). „Ach ja — aber leider von meiner Wäscherin, bte null . 1 Gelb!"