Nnterchaltrrirgsblatt zunr Gietzenev Anzeigen (Gsneval-Anzeig-p) Nr. 11. 1894. * WWW WZ Samstag, den 27. Januar. Das Glück des Lebens. Novelle von U. Deis. (Fortsetzung.) „Ich sehe mich daher veranlaßt, noch heute Abend abzu« reisen und muß mich den Herren empfehlen, um die nöthigen Vorbereitungen zu treffen," fuhr Scheffler fort. „Aber unser Zauberfest heute Abend, Scheffler! Bedenken Sie doch, wie viel schöne Augen vergebens nach Ihnen spähen werden." „Bedaure, die Sache läßt sich nicht aufschieben. Ich bitte die Herren, mich entschuldigen zu wollen. Addio l" Er grüßte und ging. „Was mag er nur haben?" ältzßerte Jemand. „Sehr angenehm kann die Geschichte nicht sein. Ein Glückspilz übrigens und für uns im rechten Augenblicke abgereist. Denn alle einigermaßen gute Parthien, um dererwillen mich meine sorgende Frau Mama hierher geschickt hatte, waren so lange nicht zu machen, wie er hier war. Alle die allerliebsten kleinen Gänse drehten nur den Hals nach ihm." „Von jetzt ab, meine Herren, werden wir es also erleben, daß Herr von Fresen derjenige ist, um welchen die Damenwelt sich gruppirt, bis er sich einen Goldfisch aus der Mitte derselben geangelt hat und uns überlassen wird, aus dem Ueber- rest zu wählen," bemerkte ironisch ein Anderer. „Wenn Sie, Malten, mir diesen Goldfisch nicht schon vorher weggeschnappt haben," replicirte von Fresen. „Qui vivra, verra,“ war die selbstgefällig gegebene Antwort. „Uebrigens scheint die Sonne heiß auch durch das Blätterdach über uns. Ich glaube, wir lassen Scheffler reisen und erfrischen uns zu den Ballanstrengungen des heutigen Abends durch eine Siesta, Jeder auf seinem Sopha. Ich habe die Ehre!" Er lüftete grüßend seinen Hut und ging seiner Wohnung zu, die andern folgten seinem Beispiel. Unterdessen war Scheffler bereits in seinem Quartiere beschäftigt gewesen, Alles zur Abreise zu ordnen. Während der Diener packte, las er noch einmal das Telegramm von seinem Berliner Bankier. „Fabriken Hohenhaus fallirt, große Unterbilanze, umgehend kommen." Er hatte sich, wie er Hartmann gegenüber äußerte, nie recht um die Verwaltung seines enormen Vermögens gekümmert, sondern sorglos die hohen Dividenden eingestrichen, welche ihm die Actien der vom Vater verkauften Fabriken eintrugen. In diesen Actien aber, wußte er, bestand sein ganzes Vermögen. Waren die Fabriken insolvent, so hatten seine Actien keinen oder wenigstens sehr geringen Werth. Dann war sein Leben auf einen Schlag ein anderes, er aus einem reichen ein armer Mann geworden. Was dann? Er war zu alt, um noch etwas in der Welt zu beginnen und mit den Resten feines Vermögens, die sehr kümmerlich sein würden, weiter leben, war eine Aufsicht, die jedenfalls wenig rosig blieb. Das war doch der einzige Reiz des Lebens bisher gewesen, er brauchte um nichts zu sorgen, konnte jede seiner Launen befriedigen. In Zukunft galt es zu rechnen, hier und da ängstlich zu knausern vielleicht. Vor solchem Leben schauderte ihm. Freilich, von seiner Mutter her besaß er noch ein Landgut. Aber der Gedanke, dorihm überzusiedeln, war ihm erst recht unerträglich. In der Mark gelegen, bestand es seiner Meinung nach nur aus Sand und Tannen, in deren Mitte ein schmutziges Dorf mit verfallenen Katen, ein Hof mit ruinenhaftem Herrenhause und nicht viel anders aussehenden Hofgebäuden einen kläglichen Anblick boten. Gern hätte er das Ding verkauft; denn der es bewirthschaf- tende Inspektor verlangte in jedem Herbste, wenn der Gutsherr auf ein paar Tage zur Jagd sich dort aufhielt, unter Vorlage der Rechnungsbüa er — welche der Herr nie einsah — Zuschüsse und die schmutzigen Tagelöhner hatte jeder eine andere Bitte, welche er, ohne sie zu prüfen, gewöhnlich durch ein größeres oder kleineres Geldgeschenk verstummen machte. Also gerne hätte er die Groschen, welche der Verkauf doch immer noch einbringen mußte, jetzt genommen. Ader das Testament seiner verstorbenen Mutter hatte ihn verpflichtet, von einem Verkaufe abzusehen. Sie war dort herangewachsen und hing mit ganzer Liebe am Heimathsorte. Tiübe Gedanken waren es, welche den Mann an jenem Nachmittage beschäftigten, ihn auch, als er im Zuge durch die stille Nacht fuhr, nicht zum Schlafe kommen ließen, so viel er sich auch vorredete, die ganze Sache werde so schlimm nicht sein. Seine Befürchtungen wurden ihm bei seinem Bankier alle bestätigt. Die Fabriken, deren Actien zum größten Theile in seinen Händen waren, hatten schon seit längerer Zeit nur durch allerhand gewagte Experimente die hohen Dividenden vertheilen können. Dazu waren Veruntreuungen einzelner Beamten getreten, welche bedeutende Dimensionen angenommen hatten. Jetzt stand einer großen Schuldenmaffe nur ein geringes an Activen gegenüber, da der Betrieb der Fabriken eingestellt war, zudem dieselben in so schlechtem Zustande sich befanden, daß Bedeutendes dazu gehörte, um sie wieder leistungsfähig zu machen. Wenn man den günstigsten Fall annahm, erhielt Scheffler an Kapital jetzt etwa ein Zehntel dessen bei der Liquidation, was er sonst an Dividenden jährlich eingestrichen hatte. „Also ein Bettler von heute tml" rief er bitter aus. „Nun," entgegnete der Bankier, „Mancher würde sich glücklich schätzen, wenn er das Kapital sein nennen dürste. Außerdem bleibt ja noch das Gut in der Mark." „Die Sandbüchse, die mir jährlich mehr gekostet hat, als ich jetzt überhaupt einnehme. Möglich, daß Mancher zufrieden ist, aber verlangen Sie das von mir auch, der doch an etwas andere Lebensformen gewöhnt ist, als der gewöhnliche Philister, der sich freut, wenn er Abends seine Weiße trinken kann?" Er starrte trübe vor sich hin. „Ich habe immer gebeten, Herr Scheffler," begann der Bankier wieder, „ob Sie nicht Einsicht in die Bücher der Fabrik nehmen, nicht einen Theil ber Stellen herausziehen wollen. Sie haben das stets abgelehnt. Ich bitte, mich wenigstens nicht verantwortlich für Ihren Verlust zu machen." „Nein, wer denkt daran, Herr Schneider? Ich weiß, daß Sie mich gewarnt, mir sogar etwas Ungünstiges über die Ge- schäftsführung gesagt haben. Aber wer denkt an solche Dinge? — Sie meinen, ich hätte daran denken müffen? — Das sollte doch wohl Ihr tadelnder Blick eben sagen? Möglich, nun ist'« zu spät. — Ich bitte Sie, übernehmen Sie nun auf irgend eine Weise den Verkauf meiner Equipage und so weiter. Sie werden begreifen, daß ich nicht die Sachen aushöckern wag. Von hier gehe ich natürlich fort." „Und wohin, wenn ich fragen darf." „Weiß ich's selber? — Ich muß er erst überlegen." „Wenn ich Ihnen rathen darf, gehen Sie nach Tannenhof, dort —" „In dies Räubernest! Herrlicher Vorschlag, das wäre ein Leben!" „Nach dem, was ich zufällig über den Besitz hörte, ist derselbe nicht so werthlos, wie Sie meinen, sondern nur schlecht und vielleicht betrügerisch bewirthschaftet. Können Sie Ihrem Verwalter dort wirklich trauen? ' „Der Mann hat mir stets seine Bücher vorgelegt, ohne daß ich sie gefordert habe. Das sieht doch nicht nach Betrug aus." „Haben Sie die Bücher geprüft?" „Nein, nie." Scheffler lachte wider Willen. „Lieber Herr Schneider, das fatalste Geschäft für mich, außerdem eins, auf das ich mich nicht verstehe. Nur so viel weiß ich, daß die Summen unten immer stimmten." Der Bankier konnte ein Lächeln nicht verbergen. „So sehr schwer ist das allerdings nicht zu bewerkstelligen, auch wäre es doch möglich, daß Ihr Verwalter Ihre Abneigung gegen genaue Revisionen gekannt hätte. Er soll recht vermögend geworden sein in jenen Jahren, wo er in Tannenhof wirthjchastet." „Ah bah, das sagt man leicht!" Doch erinnerte Scheffler sich jetzt auch, daß Friedrich, sein alter Förster in Tannenhof, über die dortige Wtrthschaft den Kopf geschüttelt hatte. „Ich möchte doch rathen, daß Sie, Herr Scheffler, sich die Frage von Tannenhof durch den Kopf gehen laffen- Ich zweifle nicht, daß Sie mit dem Ihnen gebliebenen Kapital das Gut wieder in die Höhe bringen werden." „Laffen wir das! Wollen Sie meine Angelegenheiten hier abwickeln? Vielleicht senden Sie mir morgen früh einen Ihrer Beamten, damit wir das Weitere besprechen." Der Bankier sagte zu und Scheffler ging. Wohin? — Er wußte es anfangs selber nicht. Dann aber traf er sich plötzlich in der Sophienstraße und stand dem Hanse gegenüber, in welchem Hartmann wohnte. Wie er zu den Fenstern hinaufsah, waren die verhängt und als er drinnen nachfragte, erfuhr er, daß die ganze Familie in die Ferien gereist sei. Der Ort wurde ihm ebenfalls genannt, aber er hörte nicht darauf. Was sollte der ihm, es war ihm nur darauf angekommen, jetzt den Freund zu treffen, feinen Rath zu hören oder wenigstens eine Stunde mit ihm zu verplaudern. Das war ihm nun auch abgeschnitten. Ec setzte seine Wanderung 43 - fort und suchte, al« er den Thiergarten erreicht hatte, die einsamsten Theile desselben auf. Dem heißen Sommertage war ein lauer Abend gefolgt, der leise und allmälig seine Dämmerung über die Erde breitete. In ihr ungewisies Licht sandte die nebelumhüllte Mondscheibe ihre matten Strahlen. Ab und zu zuckte ein sahles Licht über den Horizont, ein fernes Wetterleuchten- Der ruhelose Wanderer hatte doch endlich etwas von Müdigkeit gespürt, nachdem er stundenlange Wege gemacht, und setzte sich auf eine Bank. Hier im Ruhen sammelte er die wirren Gedanken, die den Tag Über ihm durch den Kopf gegangen waren. Zu einem Ent« schluß war er nicht gekommen, ihm stand nur das Trostlose seiner Lage fort und fort vor Augen. Ja, Schneider hatte Recht, wenn er behauptete, Viele würden ihn beneiden. Aber das waren armselige Kreaturen, welche nie das Gefühl gekannt hatten, sich ihr Leben so einrichten zu können, wie sie gewollt- Für ihn lag die Sache anders. Er kannte das Leben recht gut, er wußte, mit welcher hochmüthig mitleidigen, zugleich verlegenen Miene seine Bekannten ihm die Hand drücken, wie sie von grauenvollem Pech reden würden und wie hinter seinem Rücken doch das mildeste Prädikat, welches man ihm mitgab, „armer Kerl", wenn nicht „dummer Kerl" lauten würde. Das war unerträglich! Nein, er war nicht dazu erzogen, in einem Restaurant zweiter oder dritter Güte zu Mittag zu effen, um in seine vier Treppen hoch gelegene Wohnung zu klettern und dort bei einer Fünfpfsnnig-Cigarre feinen dünnen, selbstbereiteten Kaffee zu schlürfen und dann womöglich bei einem seiner früheren Bekannten im abgetragenen Frack einmal als vierzehnter Gast zum Mittagessen zu erfcheinen. Freilich, er konnte ja in eine kleinere Stadt ziehen Dort ließe sich billiger leben und besser vielleicht, als hier. Aber vor der Kleinstadt graute ihm ebenso, wie vor einem Andern seines Lebens hier in Berlin. Und nun gar der biedere Rath seines guten Schneider, sich in das Nest da hin zu vergraben, auf Tannenhof zu Haufen! — Lieber lebendig begraben. Nein, das Beste war, so lange das Geld reichte, das alte Leben hier weiterznführen und wenn der letzte Pfennig verbraucht worden, eine Kugel vor den Kopf. Der Gedanke erschien ihm der verständigste von allen und er hielt ihn fest. Aber warum bis dahin warten? Lange konnte diese Herrlichkeit nicht mehr währen. Da war's vielleicht ge* scheidter, heute schon diesen letzten Schritt zu thun. Niemand würde sich um ihn grämen, er bereitete also Keinem ein Leid. Aber Frieda? Er wußte nicht, wie der Gedanke an sie plötzlich wieder ihn durchfuhr. Hatte sie nicht gesagt, daß, was sie für ihn fühle, Liebe sei? — Nun, wenn'« das gewesen, so mochte sie jetzt bereuen, wenn sie seinen Tod in den Zeitungen las, daß sie nicht ihrem Gefühl gefolgt fei. Klug war das freilich gewesen; denn jetzt würde die Herrlichkeit schon ein Ende gehabt haben, sie nicht mehr die Frau des reichen Mannes fein. Nein, nein, kein Gedanke mehr an sie oder irgend etwa», das ihn wankend machen konnte. Das Glück des Lebens, soweit es zu haben war, hatte er besessen und genossen, wenn'» auch nur ein armseliges Glück gewesen. Jetzt lieber mit kurzem Entschluß aus dem Leben gehen, als feine Tage mühselig hinschleppeu. In feiner Schlafstube lag ein Revolver, er sah ihn deutlich vor sich. Schon int Kriege hatte er ihm gute Dienste geleistet, ihm geholfen, fein Leben zu retten, als jener verzweifelte Franzose gerade auf ihn angelegt hatte- Es war ihm, als sähe er noch den Arm sinken, welchen seine Kugel zerschmettert hatte, als hörte er noch die fehlgegangene Kugel des feindlichen Gewehres unschädlich vorüberpfeifen. Der Feind hatte vor ihm gelegen, blutüberströmt, sein brechendes Auge schmerzvoll ans ihn gerichtet. So würden sie ihn auch finden ober vielleicht etwas später, wenn er schon kalt war. Sein Entschluß war gefaßt. Eben wollte er sich erheben, um nach Hause zu gehen, ba hörte er schleichende Schritte. Seine Bank stand vorn Gebüsch verdeckt, so daß er wohl auf den vorübergehenden Weg sehen, nicht aber von dort erblickt werden konnte. Immerhin war es möglich, daß Jemand ihm schon längere Zelt nachgespürt hatte und in ihm, dem elegant gekleideten Manne, eine gute Beute vermuthete. Die „Leichenfledderer", welche Eingeschlafene auf den Bänken plünderten. ^hörten ja nicht in das Reich der Fabel. Und da er so lange schon auf der Bank saß, konnte man ihn wohl für einen Schläfer halten. Er lugte vorsichtig aus. Ganz deutlich sah er, wie die Gestalt eines Mannes heranschlich. Unwillkürlich faßte er seinen Spazierstock fester und verwünschte, daß er keine andere Waffe bei flch habe. Zu gleicher Zeit mußte er im Innern ärgerlich über sich lachen. Eben hatte er sein werth- los gewordenes Leben Hinwersen wollen und jetzt, wo es schien, als beabsichtige ein Anderer, es ihm zu nehmen, oder auch nur seine Habseligkeiten zu rauben, da war er fest gewillt, sich bis zum letzten Athemzuge zu vertheidigen. Inzwischen war die Gestalt ganz nahe gekommen, so daß er die Züge des Gesichts — hagere, bleiche Züge zeigte das Mondlicht — erkennen konnte. Kaum zwei Schritte vor ihm hielt der Mann an und zog aus der Seitentasche seines Rockes etwas Blitzendes hervor, eine Pistole, wie der Lauscher sah. Fast wäre er hervor- gesprungen, um dem Angreifer zuvorzukommen, aber er bedachte, daß er dadurch seinen Bortheil aufgebe, da Jener im Lichte stand, er noch vom Schatten verdeckt war, mithin Jener erst noch näher treten müsse, um mit Erfolg zielen zu können. „Leb' wohl, Marie, lebt wohl, Kinder! Ich kann das Elend nicht länger ertragen, Euer Hungern nicht mehr mit ansehen. Gott verzeihe mir die Sünde!" kam es langsam und dumpf von den Lippen des Mannes da vor ihm. Zu gleicher Zeit hörte Scheffler den Hahn der Pistole knacken und sah, wie seine Mündung langsam und sicher gegen die Stirn seines vermeintlichen Mörders gerichtet wurde. Mit einem Satze stand er neben Jenem und hatte seinen Arm in die Höhe geschlagen. Die Pistole entlud fich, die Kugel fuhr unschädlich in die Lust. Zugleich hatte Scheffler die Waffe dem vor Schreck Wehrlosen aus der Hand gewunden und weit fortgeschleudert. Dann zog er den heftig Zitternden eiligst mit sich fort. „Kommen Sie so schnell wie möglich, die Polizei möchte doch vom Schüsse allarmirt werden und es wäre für uns Beide nicht angenehm, wenn man uns fände. Jedenfalls gäbe dar Weitläufigkeiten. Schämen Sie sich übrigens. Ein Mann, der Frau und Kinder hat — denn von denen wollten Sie doch wohl eben Abschied nehmen, als Sie Ihren Monolog hielten — ein Mann, der Frau und Kinder hat, verläßt sie feige, anstatt für sie zu sorgen!" Willenlos folgte ihm der am Selbstmord Verhinderte und mit schnellen Schritten eilten sie vorwärts. Der Mond war inzwischen von Wolken bedeckt worden, ein schnell heraufziehcn- des Gewitter hatte sich entwickelt. Grelle Blitze erleuchteten ab und zu die dunkle Nacht und heftig strömte der Regen herunter. So langten sie durchnäßt und triefend vor Schefflers Wohnung an. Er zog die Glocke. Da wandte sich sein Begleiter zum Gehen. Mit festem Griffe packte ihn der Lebensretter am Arme und hielt ihn fest. „Wohin wollen Sie?" „Lassen Sie mich!" war die Antwort. „Nein, lieber Freund, so schnell nicht. Erst kommen Sie mit mir herein, bis der Regen vorüber ist. Wenn mein Schlingel von Bedienter, der roch immer nicht erscheint," — er schellte wieder — „nicht Alles aufgegeffen hat, finden wir auch noch etwas zum Abendessen und das wird für Sie nicht unzuträglich fein. Dabei können wir noch ein Wort miteinander reden und dann mögen Sie gehen, wohin Sie wollen. — So, nun keinen Widerspruch." Er schob seinen Begleiter durch die Thür, welche eben der verschlafene Diener geöffnet hatte, und folgte schnell, indem er die Thür hinter sich schloß, da er sah, daß der Diener, welcher bei der Gestalt des Andern an Einbrecher denken mochte, Miene machte, fich gegen denselben irgend welcher Hilfe zu versichern. „Karl, seien Sie kein altes Weib! Ich habe den Herrn unterwegs getroffen und ihn gebeten, zu Abend bei mir zu essen. Es ist doch noch gedeckt, wie ich Ihnen gesagt hatte?" „Allerdings — aber —" „Ach was, lassen Sie ihr Aber und zünden Sie die Lampe im Eßzimmer an. Dann bringen Sie zuerst Wein und zwei Gläser. - Kommen Sie, Herr! Ms war doch noch Ihr Name?" „Müller." „Muß ich schon einmal gehört haben," scherzte gutmüthig der Hausherr. „Treten Sie denn gefälligst in Schefflers Be- Hausung. Dieser bis dahin ehrliche Name ist so ziemlich das Beste, was mir von meines Vaters Erbtheil übrig geblieben." Die Beiden traten in's Zimmer, wo bereits eine Lampe brannte. Das Gewitter hatte sich draußen ausgetobt, aber der Regen klatschte noch gegen die Scheiben. Zitternd vor Nässe und Aufregung stand der unfreiwillige Gast vor seinem Wirth. Derselbe betrachtete ihn eine Weile- Hunger und Entbehrung sprachen aus den vergrämten Zügen, nicht aber schlimme LeÜ»en- schaften. Herzliches Mitleid mit diesem Menschenkinds, da» ihm in so seltsamer Weise in den Weg gelaufen war, erfaßte ihn. „In Ihren Kleidern dürfen Sie nicht bleiben und da Sie zum Wechseln nichts bei sich haben werden, so müssen Sie zunächst mit den meinen vorlieb nehmen. Da wir so ziemlich von gleicher Statur sind, wird das angehen. Hier nehmen Sie erst ein Glas Wein," fuhr er fort, al» eben der Diener denselben auf den Tisch gestellt hatte. „Dann möchte auch ich mich mit etwas Trockenem versehen." Schweigend gehorchte Jener dem Befehle und folgte dann in 8 Ankleidezimmer. Es währte eine ganze Weile, bis Beide wieder heraustraten. Der Fremde war mit einem Anzuge Schefflers bekleidet und bot jetzt einen anderen Anblick als vorher, wenn auch sein Blick noch eben so traurig war. „Nicht wahr, es ist einem doch anders zu Sinne, wenn man wieder trockene Kleider trägt?" meinte der gütige Spen» der. „Jetzt fehlt uns noch das Abendessen. Das dürfen Sie nun auch nicht mehr ausschlagen, zumal es draußen noch immer fröhlich weiter regnet." Im Eßzimmer war ein reich besetzter Tisch. „Karl, Sie dürfen zu Bette gehen, wir bedienen uns allein," verabschiedete Scheffler den Diener, als er sah, wie es beim Anblick der Tafel in den Zügen seines Gastes zuckte und ihm die Thränen in die Augen traten. Der Diener ging und es war richtige Voraussetzung seines Herrn gewesen, ihn zu verabschieden. Denn kaum hatte stch die Thür hinter ihm geschlossen, als Müller auf einen Stuhl am Tische sank, den Kopf auf seinen Arm legte und bitterlich zu schluchzen begann. „Mann, Mann, lassen Sie das. Essen Sie nun erst einen Bissen, nachher mögen Sie Ihren Thränen freien Lauf lassen!" „Ach, hätten Sie mich nicht an meiner That gehindert," sprach der Andere mit thränenüberströmtem Gesicht. „Ich hätte ja wohl hungern können, aber mein Weib, meine Kinder! Nun soll ich im Ueberfluß hier leben, während sie keine Krume für ihren Hunger haben? Ich würde keinen Bissen hinunter bringen." „Ich habe mir ungefähr schon gedacht, daß es bei Ihnen zu Hause so ähnlich aussehen möchte. Ganz kann ich Ihre Gefühle freilich nicht begreifen, da ich so etwas wie Weib und Kind nicht mein eigen nenne, aber so ein klein wenig vermag ich's zu verstehen. Nur bitte ich Sie, zu bedenken, daß die Ihrigen schwerlich etwas davon haben, wenn Sie durch eine Hungerkur sich um Ihre letzten Kräfte bringen. Und darum rathe ich, daß Sie zunächst selbst einmal satt zu werden suchen. Ein Butterbrod für Die, welche Sie zu Hause ließen, wird noch übrig bleiben, wenn wir auch tüchtig für unfern Hunger argen. Ich empfehle Ihnen für den Anfang zum Beispiel >ies kalte Fleisch oder nehmen Sie ein Ei und etwas Weiß- brod." Scheffler hatte das Alles gesprochen, indem er selber kräftig i utangte, freilich nicht ohne seinen Gast im Geheimen scharf zu >eobachten. Der erschöpfte Mann griff auf sein Zureden nach )en Speisen und aß mit dem Appetit des Heißhungers. Da legte sich die Hand des Wirthes auf die feine. „Nicht so schnell, das thut nicht gut, habe selber dafür siißen müssen, als ich auch einmal in Frankreich zwei Tags ang nur einen Cognac und eine Rinde Schwarzbrot» gesehen hatte. Machen Sie es so, daß Sie erst eine Stulle für sich Vermischtes Geineiirniitziges Ui Leinwand und Baumwolle in Geweben zu unterscheiden Man gießt einen Tropfen feines Oel auf ein Stückchen Leinwand. Verläuft derselbe zu einem kreisrunden Fleck, so ist die Leinwand unverfälscht, zieht sich dagegen das Oel streifig in die einzelnen Webefäden, so ist sie mit Baumwolle vermischt, besten losere Fäden das Oel schneller aufsaugen, als Flachsgespinnst. * Haarbürsten zu waschen. Zum Waschen der Haar- bürsten bediene man sich niemals der Seife- Man nehme etwas Soda, löse sie in warmem Master auf und lege die Bürste mit den Borsten nach unten hinein, so daß das Master nur die letzteren bedeckt. Sie werden sehr bald weiß und rein werden. Man läßt sie dann in freier Luft mit abwärts gekehrten Borsten trocknen. Oelanstrich und Qelgemälde zu reinigen- Einige große Kartoffeln werden roh geschält, sauber abgewaschen und dann gerieben. Man gießt nun frisches Master darauf, rührt den Brei um und gießt das Kartoffelwaster in ein Gefäß. Mit diesem Master und einem wollenen Lappen wäscht man Thüren und Fensterrahmen, übergeht sie dann nochmals mit sauberem Brunnenwaster und trocknet mit einem reinen Tuch nach. Das Getäfel steht nach dieser Behandlung sauber und frisch aus. Auch Oelgemälde wäscht man mit einem sauberen Siwämmchen, in Kartoffelwaster getaucht, ab- T1' ~ wird nicht angegriffen und aller Schmutz verschwindet. denn Vater Sein« beend Hub ($ hineir Inter über ebensl mir i eine । mich Zimn Sie t chegeh tiefste redete hatte. Sie i Sie." ( aber kung war i als 3 verhei Gutes Hoff» seine s los g' Erfolj er vo zweife ( Cigar gefall« dazwischen Kapern, Oliven, Mais, Lachs, Blicken, Muscheln, Wurst, Pfeffergurken, Litronenscheiben gelegt und mit Essig und Gerichtspräsident (richtet ein Mahnwort an den ... ...... wiederholt Bestraften und sagt zum Schluß): „Endlich aber Die Farbe i spreche ich die Erwartung aus, daß wir Beide nie wieder mit einander zu thun haben werden I" — Angeklagter: „O, woli'n Se denn abdanken, Herr Prästdente!" präpariren und dann für die Frau oder eins der Kinder. — Halt, kein Master wieder, draußen kommt genug vom Himmel, , Vl. fuhr er fort, als Müller abermals in Thränen ausbrechen \ viel Oel vergossen. wollte. (Fortsetzung folgt.) । Uebermäßige Vertheidigung. Abraham hat Moses verklagt, weil er einen dem Mosesson geborgten K«ug angeblich zerbrochen zurückbekommen hat. Bei der Verhandlung vor dem Schiedsrichter vertheidigt sich Mosesson, indem er folgende drei Punkte anführt: „Erstens hat er mir gar kan Krug nit geborgt. Zweitens war der Krug schon zerbrochen, wie er mir'n gegeben hat. Drittens hab' ich ihm den ganzen Krug zurückgegeben." * * Gattin: „Liebes Männchen, darf ich Dich stören?" — Gatte: „Nicht gerne, Du weißt, ich studire; doch da Du einmal da bist, fchlage mir doch schnell in dem dicken Buch dort oben „Hamlet" auf; ich muß da etwa» nachfehen." - Gattin (nach langem Herumblättern): „Hamlet, HamletI Gibt es nicht, lieber Mannl" — Gatte: „Ja um's Himmelswillen, wo suchst Du denn?" — Gattin (gekränkt): „Nun, wo werde ich suchen? Im Adreßbuch I" * , ♦ Küchengespräch. Thereschen (weinend): „Weißt Du schon, Kathi, daß mir der Fritz untreu geworden?" -- Katht : „Run, wenn's weiter nichts ist! Wende Dich nur an den Minister, der verschafft Dir einen Andern; ich habe erst gestern in der Zeitung gelesen, daß er Schatzanweisungen ausgibt." Wasserdichtes Papier. Um ein beliebiges Papier . wasserdicht, undurchdringbar für Fette und durchsichtig zu Student: „Besorgen Sie mir doch gütigst n bischen machen, wende man folgendes Verfahren an: In einer gefättig- Abendbrod, eine Knackwurst und ein Milchbrüdchen- — W r. ten Lösung von Borax in Master wird bei gelinder Wärme ihm: „Sie vergessen vermuthlich, daß Sie von Herrn Knau;er eine Kleinigkeit Schellack aufgelöst und mit dieser Mischung das zum Abendessen eingeladen sind I" — „Richtig! Da bringen Papier getränkt. Durch Zusatz entsprechender Anilinfarben I Sie mir doch lieber zwei Knackwürste und zwei Milchbrüdchen kann das Papier auch farbig gemacht werden. * , * * • * „Aber Lina, wie kannst Du nur mit dem alten häßlichen Apselreis. Man bereitet einen Apfelmus von zwölf g^enf^en j0 kokettiren?" — „Ich weiß gar nicht, was Du bis füwzehn guten Musäpfeln oder Reinetten; dieselben werden eigentlich hast — es ist ja doch sonst Keiner da!" abgefchält? zerschnitten, das Kernhaus herausgenommen, mit • * * Zucker, wenig Master und der abgeriebenen Schale einer halben Im Bade. „Herr Baron reisen schon ab?" - „Ja, Citrone zu steifem Mus gekocht, mit gut gereimgten Corinthen, ^be Milla. Die Haute Saison ist vorüber; was jetzt zur Rosinen, einigen süßen und zwei bis drei bitteren Mandeln R kommt, ist Plebs, Leute, von denen man nicht einmal eine vermischt, man läßt ihn dann noch eine Weile an heißer Stelle Q( i lnfeit Äumnen kann " ziehen. Man kann denselben auch in eine mit Butter aus- Kietnigteu pumpen rann. * gestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Form geben und snut.iu <» . Di» Müller ist schön, eine halbe Stunde in der Ofenröhre bocken lasten. Derselbe , Schlagendes »eHjleL ,,®le Müller ist Mn, wird beim Anrichten mit Zucker und Zimmet bestreut. Ein sag ich Dir, sie hat so regelmaß^geZ g ... wen^Rum den Aepfeln beigefügt, gibt einen fehr pikanten was, 4 41t frtrfK’tt must auch gelernt sein. EinneuesWort. A. (sein Clavier zeigend): „Da Man läß? die Bohnen 48 Stunden in kaltem Master übergossen habenwir uns«auch was Neues angeschafft." - B.: „ ha, stehen. Nach dieser Zeit gießt man das Master ab, bedeckt seh schon - Nervenreibeisen! das Gefäß, läßt die aufgequollenen Bohnen nochmals 24 Stun- _ r, .... den feucht stehen und kocht sie dann erst mitRegenwaster oder Aus der Kinderstube. Karlchen spielt mit seinen weichem Flußwaster. Selbst alte Bohnen werden bei dieser Kameraden „Indianer". Nachdem sie sich tüchtig gegenseit g Behandlung innerhalb drei Stunden weich und gut verdaulich, durchgeprügelt haben, entsteht plötzlich em Streit um den Sieg * * und Karlchen läuft weinend zur Mama mit den Morten. Sardellensalat. Ein halbes Pfund Sardellen werden „Willy fagt, sie haben gesiegt, und wir hatten ausgemacht, wer gewaschen, gespalten, entgrätet, auf einen Teller geordnet und I drei Menschen aufgefressen hat, ist erst Sieger. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.