AnLerchaltrrngsblatt )um GZstzenev AnzeLgH^ (Gen-v^l-Anzerg-vj 8 1894 •H—&TT ■<• M M MKH^DWW Donnerstag, dm 26. Juli. >»«22: * »sw mb* , tr^CTra«~--nB a wasaacci m W,, । imiim ■«ii»iiTWiCTiiü«mnMwmmtpaoTTCMm/'i|-^l 1 n-1 iMir^T°-^nitrn~w,^rmTWr~CT--"- -irrnir 1 n Das Geheimniß der Droschke. Von F. Hum e. (Fortsetzung.) XVII. Im Verhandlungssaale angekommen, wählte Doctor Mark für Margarethe einen Platz, von welchem aus sie Alles übersehen konnte, ohne selbst jener zudringlichen Beobachtung ausgesetzt zu sein, welche gewöhnlich die Angehörigen jener traurigen Helden, die vor dem Richter stehen, unablässig verfolgt. Der Znhörerraum war trotz der verhältnißmäßig frühen Stunde dicht gefüllt — zumeist von Damen und Herren aus dem Bekanntenkreise des Millionärs. Endlich wurde der Angeklagte, von zwei Justizwachmännern gefolgt, in den Saal geführt, wo eine Bewegung entstand, der alsbald die tiefste Ruhe folgte. Was mochte in diesem Moment in der Seele Jvanyis vorgehen? Er fühlte Hunderte von Augen auf sich gerichtet, die ihn mehr neugierig, wie ein seltenes Thier, als mit Theilnahme anblickten — ihn, einen Desider Jvany!, den Sproß eines vornehmen Hauses, der sich jetzt auf dem ihm zugewiesenen Platz niederließ. Er war bleich und sah abgespannt aus. Nun begann die Verhandlung. Der Vorsitzende ließ die Anklageschrift verlesen; sie gab ein klares Bild der Ereignisse, welche die Verhaftung Jvanyis herbeigeführt hatte, enthielt aber keinen wesentlichen Punkt, der nicht schon von den Zeitungen mitgetheilt worden wäre. Trotzdem lauschte man derselben mit athemloser Spannung, die nicht geringer wurde, alsJvanyi sich erhob, um unter lautloser Stille dieMklärung abzugeben, daß er unschuldig sei. Auf die weiteren Fragen verweigerte er jede Antwort. Wieder ging eine Bewegung durch den Saal, die sich erst legte, als der erste Zeuge, der Fiaker 6301, vorgerufen wurde. Er machte dieselben Angaben, wie bei seinem ersten Verhör vor dem Poltzeicommissär, und als Doctor Mark die Frage stellte, ob er beschwören könne, daß der Mann, welcher seinen Wagen für Wolski gemiethet und jener, der denselben in der Liechtensteinstraße verlassen, dieselbe Person sei, antwortete er: „Ja." Vertheidiger: „Erkennen Sie in dem Angeklagten diese Person?" Zeuge (zögernd): „Das kann ich nicht beschwören. Ich habe damals das Gesicht nicht deutlich gesehen. — Die Größe 'st dieselbe." Vertheidiger: „Also nur darum, weil der Mann, welcher später einstieg, ebenso groß und ebenso gekleidet war wie der, welcher Sie gerufen hat — glauben Sie, daß es dieselbe Person war?" Zeuge: „Ich habe nicht daran gedacht, daß es auch ein Anderer gewesen sein könne; er hat ja auch so gesprochen. Ich habe gesagt: „Ah, Sie sind zurückgekommen?" — „Ja," hat er gemeint, „ich will ihn nach Hause führen," — und ist eingestiegen." Vertheidiger: „Haben Sie nicht bemerkt, daß bas eine andere Stimme war?" Zeuge: „Nein. Nur hat er das erste Mal sehr laut, das zweite Mal sehr leise gesprochen." Vertheidiger: „Haben Sie nicht bei der „Flasche", wo Ihr Standplatz ist, ein Viertel oder zwei getrunken?" Zeuge: „Kann schon sein." Vertheidiger: „Vielleicht mehr?" Zeuge: „Kann schon sein — ich war halt durstig." Vertheidiger: „So — und Sie waren etwas — da oben" (auf seinen Kopf zeigend). Zeuge: „Ja. Auf dem Kutschbock." (Heiterkeit.) Vertheidiger: „Also haben Sie den Mann, der den Wagen nahm, nicht so genau beobachtet?" Zeuge: „Warum hätt' ich ihn genau beobachten sollen Ich hab' ja nicht vorausgewußt, daß so was geschehen wird." Vertheidiger: „Es ist Ihnen gar nicht eingefallen, daß der Zweite ein Anderer als der Erste sein könnte?" Zeuge: „Nein." ■ Damit endete die Vernehmung. Mark war sehr unzufrieden. Eines schien ihm festgestellt, daß Jemand absichtlich Jvanyis Art nachgemacht und mit leiser Stimme gesprochen habe, um nicht erkannt zu werden. Der zweite Fiaker, als nächster Zeuge vorgerufen, sagte gleichfalls seinem ersten Verhör entsprechend aus, doch gelang es dem Vertheidiger, einen für den Angeklagten günstigen Umstand von ihm zu erfragen. Vertheidiger: „Ist der Angeklagte derselbe, den Sie in die Heugasse führten?" Zeuge (mit Ueberzeugungl: „Ja." Vertheidiger: „Woher wissen Sie das? Haben Sie sein Gesicht gesehen?" Zeuge: „Nein, der Hut ist ihm bis über die Augen gegangen und ich habe nur den Schnurrbart und das Kinn gesehen, aber er hat im Ganzen so ausgesehen wie der Angeklagte und der Schnurrbart war gerade so." Vertheidiger: „Wo — in der Liechtensteinstraße ist er eingestiegen und was hat er gethan?" Zeuge: „Gleich beim Versorgungshaus; er ist schnell gegen die Stadt zugegangen und hat eine Cigarette geraucht." 342 Berthetdiger: „Hat er Handschuhe getragen?" Zeuge: „An der linken Hand — an der rechten nicht." Vertheidiger: „Hat er Ringe an der rechten Hand getragen?" Zeuge: „Am Zeigefinger einen großen Brillant." Vertheidiger: „Ganz bestimmt?" Zeuge: „Ja. Es ist mir ausgefallen. Der Ring hat geglänzt, wie er mir gezahlt hat." Doctor Mark war diesmal mit dem Ergebniß der Zeugenaussage zufrieden; es war früher schon festgestellt worden, daß Jvanyi niemals Ringe trage — nicht einmal einen Verlobungs- ring. Hierauf wurde Frau Scheringer vorgerufen; sie sagte aus, daß Ottokar Wolski sehr anständig gewesen sei, nur wäre er hie und da sehr aufgeregt nach Hause gekommen. — Ihres Wissens sei sein einziger Freund ein Herr Morland, der ihn öfters besucht habe. — Am 14. Mai sei der Angeklagte bei Wolski gewesen und sie hätten einen Streit gehabt. — Sie habe gehört, wie der Angeklagte geschrieen habe: „Wenn Sie sich nicht mit mir schlagen, so werde ich Sie dazu zu zwingen wissen. Ich werde Sie mit der Hundspeitsche tractiren!" Diese Aussage erregte große Sensation unter den Zu' Hörern, da sie sehr schwer gegen den Angeklagten in's Gewicht fiel. Es gelang dem Vertheidiger nicht, im Kreuzverhör diesen Belastungsbeweis irgendwie zu modifiziren. Die nächste Zeugin war Frau Kroll, welche unter strömenden Thränen den Gerichtssaal betrat. Sie gab an, daß der Angeklagte, sonst stets um zwölf Uhr zu Hause, in der betreffenden Nacht erst gegen zwei Uhr heimgekehrt sei. Vorsitzender (in den Acten nachsehend): „Sie wollen sagen: etwas nach zwei Uhr." Zeugin: „Ich habe einmal den Fehler gemacht, weil der falsche Assekuranzbeamte mir die Worte in deu Mund gelegt hat, zu sagen, einige Minuten nach zwei Uhr. — Es waren aber einige Minuten vor zwei Uhr — diesmal wird man mich nicht wieder irre machen." Dabei blieb Frau Kroll, worauf sie sich triumphirend auf der Zeugenbank niederließ. Nun kam Robert Morland, der intime Freund des Ermordeten, an die Reihe. Er gab an, daß er Wolski in London kennen gelernt und in Wien wieder getroffen habe. Sie waren viel zufamnien gewesen. Das letzte Mal in einem Restaurant. „Hier tranken wir ziemlich viel Champagner," erzählte der Zeuge. „Wolski hatte den Ueberrock abgelegt, es war ihm zu warm, und ging, da er sich nicht ganz wohl fühlte, bald darauf fort. Ich blieb noch ein wenig dort. Dann bemerkte ich, daß Wolski seinen Ueberrock zurückgelassen habe und nahm ihn in der Absicht mit, ihm denselben zu bringen. Während ich auf der Straße stand, legte ich den Rock über die Lehne eines jener Sessel, welche vor dem Restaurant stehen; da kam Jemand, riß den Ueberzieher vom Sessel und rannte damit davon. Hierauf begab ich mich nach Hause, legte mich schlafen und reiste am nächsten Morgen ab." Vertheidiger: „Als Sie das Kaffeehaus verließen, sahen Sie da den Wolski?" Zeuge: „Nein. Aber ich war ein wenig berauscht und hätte ihn kaum erkannt — es wäre denn, er hätte mit mir gesprochen." Vertheidiger: „Warum war der Ermordete aufgeregt, als Sie ihn trafen?" , r Zeuge: „Ich weiß es nicht. Er sagte mir es nicht. Vertheidiger: „Wovon sprachen Sie?" Zeuge: „lieber Allerlei. Hauptsächlich von unserem Aufenthalt in London." Vertheidiger: „Hat Wolski gewisser Papiere Erwähnung gethan?" Zeuge: „Nein." Vertheidiger: „Erinnern Sie sich dessen bestimmt?" Zeuge: „Bestimmt." Vertheidiger: „Um wie viel Uhr kamen Sie nach Hause?" Zeuge: „Ich weiß nicht genau, vielleicht um zwei Uhr Nachts." Nach dem Verhör Morlands wurde die Verhandlung für diesen Tag geschlossen. XVIII. Nach der Verhandlung war Doctor Mark wiederum in Begleitung Margarethens in seine Kanzlei zurückgekehrt — nicht ganz unzufrieden mit den Ergebnissen des Tages, wie er dem armen, zitternden Mädchen versicherte. Als sie das Bureau betraten, kam ihnen ein Beamter entgegen, in der Hand eine Depesche, welche der Advocat hastig aufriß und überflog. Dieselbe war von Kilian unterzeichnet und enthielt in kurzen Worten die Mittheilung, daß die rothe Sali in Wien angelangt fei. Mit einem Freudenschrei nahm Margarethe diese Nachricht entgegen. „Gott sei Dank," jubelte sie. „Ich wußte es ja, daß Hilfe kommen werde. Gehen wir sofort zu ihr, Herr Doctor!" rief sie bittend. „Liebes Fräulein, das ist unmöglich," entgegnete Mark ernst. „Morgen sollen Sie Alles erfahren. Jetzt gehen Sie nach Hause. Ein wenig Schlaf wird Ihnen nach den Aufregungen dieses Tages gut thun." „Ich bitte, Herr Doctor, theilen Sie Destder wenigstens mit, daß die Rettung nahe ist. Auch ihm soll die Nacht süße Ruhe bringen. Ach, wie bleich er geworden ist, der Arme," sagte sie, während ihre Augen sich mit Thränen füllten. Daß sie selbst aussah wie nach einer schweren Krankheit, daran dachte sie in diesem Augenblick nur wenig. „Gewiß werde ich das thun," rief er- „Und dann will ich die rothe Sali aussuchen. Beruhigen Sie sich nur — jetzt ist Jvanyi gerettet." Eine Stunde darauf machte sich der Advocat auf den Weg zur alten Pfeiferin. Wie das erste Mal begleitete ihn der Detectiv Kilian- Als die Beiden die Wohnung der alten Pfeiferin be- traten, erhob sich die rothe Sali. Sie war groß und schlank. Ihr Gesicht, durch die Krankheit, welche sie mitgemacht, stark abgemagert, erschien nicht häßlich, es lag vielmehr trotz der Wildheit, die aus den dunklen Augen hervorblitzte, ein weicher, angenehmer Zug in demselben. Wie eine Flamme erschien das wirre, rothe Haar auf ihrem Haupte. Sie mochte etwa 25 Jahre alt sein. Zugleich mit Sali war die alte Pfeiferin aufgestanden, um sich wie schützend vor das Mädchen zu stellen und dagegen zu protestiren, daß man sie von ihr wegsühre Aber der Detectiv achtete hierauf nicht, sondern wendete sich gleich an Sali mit den Worten: „Diesem Herrn müssen Sie Alles sagen, was Sie mir mitgetheilt haben." „Wegen der Königin?" fragte diese mit einer heiseren, aber trotzdem wohlklingenden Stimme. „Hätte mir Jemand gesagt, daß man mich hier braucht, ich wäre, krank, wie ich war, sofort gekommen." „Wo waren Sie?" In dem Tone, in welchem der Advocat sprach, lag so viel Mitleiden, daß das Mädchen, welches hatte auffahren wollen, sich beherrschte. „In Ungarn. Aber ich muß verrückt gewesen sein. Denn eines Tages begann ich zu laufen — immer der Donau entlang. Mir war so heiß, so heiß. Das Leben war mir zuwider. Was sollte ich auf der Welt, wo Niemand ein freundlich Wort für mich hat, wo man mich überall davonjagt? Da fprang ich in's Wasser und fühlte, wie es mich durchschauerte wie süßer Schlaf. Als ich aber wieder aufwachte, lag ich in einer niedrigen Hütte. Fischer hatten mich gerettet. Sie waren freundlich mit mir und behielten mich bet sich, bis ich die Reise wieder antreten konnte zu meiner Alten." „Also erzählen Sie mir jetzt ausführlich, was damals ge- schehen ist, als Sie Herrn Jvanyi zur Königin brachten." „Wen?" fragte das Mädchen erstaunt, „Herrn Jvanyi! Das ist eben der Herr, dem Sie den Brief in den Club brachten." 343 „Ah so, ich habe seinen Namen nicht gekannt — er ist nie über ihre Lippen gekommen." Sie deutete mit dem Finger auf das Bett. „Was hat sie Ihnen gesagt? Sie muß doch Jemand genannt haben, den Sie hierherführen sollten?" „Nein, sie hat Niemand genannt. Die Sache war so: Es war ihr sehr schlecht damals, sie wußte, daß sie sterben werde. Ich habe bei ihr geseffen. Sie lag da bleich wie Wachs und mit zugemachten Augen. Auf einmal sagte sie: „Du, gib mir Papier und einen Bleistift, ,ich muß etwas schreiben." Ich habe den Koffer der Großmutter geöffnet und ihr das Papier und den Bleistift gebracht. Sie hat geschrieben und geschrieben- Es hat lange gedauert, denn die Hand zitterte ihr so, daß sie den Bleistift nicht hat halten können. Wie sie fertig war, hat sie mir den Brief gegeben und mich gebeten, in den Club damit zu gehen und es ihm zu geben. Wem? frag' ich. Es steht schon d'rauf, raunt sie, und Dich kiimmert's weiter nicht. Geh' hin und dann warte vor der Votivkirche. Er wird schon kommen. Ich hab' mich gleich auf den Weg gemacht und bin gelaufen, als ob's hinter mir brenne. Denn die Königin hab' ich gern gehabt und hätt' ihr vor ihrem Tode noch gern die Freude bereitet. Im Club hab' ich den Brief einem Manne gegeben. Später ist der Herr gekommen — ich hab' lange warten muffen — und hat mich mürrisch angefahren, ich soll ihn zu ihr führen. Das hab' ich gethan." „Wie hat dieser Herr ausgesehen?" forschte der Advocat. „Oh, es war ein schöner Herr. Ich seh' ihn noch vor mir. Er hat einen blonden Schnurrbart gehabt und dann einen hellen Oberrock und darunter schwarze Kleider. Dann einen breiten, weichen Hut." „Und was hat er hier gemacht?" setzte der Anwalt hinzu. „Er ist gleich zum Bett gegangen, wo sie lag. Sie hatte wieder die Augen geschlossen. „Sind Sie es?" hat sie gefragt. Er sagt: „Ja." — Darauf sie: „Wiffen Sie, was ich Ihnen sagen will?" — „Nein," sagt er ärgerlich. — „Ihretwegen," raunt sie- Sie hat einen Mädchennamen genannt, aber ich hab' ihn nicht verstanden. Er wird kreideweiß im Gesicht und schreit: „Nennen Sie diesen reinen Namen nicht." Und sie: „Führen Sie die Rothe hinaus — ich werd' Ihnen Alles sagen." Darauf bin ich weggegangen. Das ist Aller, was ich weiß." Es entstand eine längere Pause. „Und wie lange mag er bei ihr gewesen sein?" fragte endlich der Advocat. „Vielleicht eine halbe Stunde. Ich hab' ihn dann zurückgeführt und wie er mich verließ, hab' ich ihn gefragt, wie spät er sei. Er zog die Uhr und sagte: „Halb zwei." Dann hat er mir einen Silbergulden geschenkt und ist davongerannt. Er muß sehr aufgeregt gewesen sein, denn er hat ganz verstört ausgesehen." „Wenn man schnell geht, muß man in wenigstens zwanzig Minuten in der Alleegaffe fein," bemerkte der Detectiv. „Die Zeit, welche die Kroll angibt, stimmt also damit überein." „War er die ganze Zeit bei der Königin?" forschte der Advocat weiter. „Ja, die ganze Zeit. Ich war ja bei der Thür und er konnte nicht hinaus, ohne daß ich ihn gesehen hätte." „Ich denke, wir haben jetzt das Alibi," meinte der Advocat. „Wenn ich nur erfahren könnte," — er wendete sich wieder an das Mädchen, — „was die Zwei miteinander gesprochen haben!" „Das weiß ich nicht," betheuerte Sali. „Einmal hab' ich ihn schreien hören. Das klang so wie vor Schreck: „Um Gotteswillen — das ist entsetzlich!" Dann hat sie aufgelacht, daß es mir durch Mark und Bein ging — wie eine Wahnsinnige. Eine Weile darauf ist er aus dem Zimmer gestürzt und ich hab' ihn hinausgeführt." „Und als Sie zurüäkamen?" „Als ich zurückkam, war sie tobt." „Sie werden morgen mit Herrn Kilian im Landesgencht erscheinen und Alles genau so aussagen, wie Sie es mir erzählt haben," sagte Doctor Mark. „Es ist Alles wahr, bei Gott," betheuerte sie noch einmal. „Er war die ganze Zeit hier." Die beiden Herren wollten das Zimmer verlaffen, da sprang ihnen die alte Pfeiferin wie eine Katze entgegen und schrie wild: „Und das Geld für die Sali? Wo bleibt das?" „Das gehört ihr selbst," entgegnete der Advocat streng. „Es ist für sie deponirt. Nach der Verhandlung kann sie es beheben." „Und mich — mich betrügt Ihr Alle darum — haha, — aber Ihr sollt sehen, mit wem Jhr's zu thun habt." Die Beiden hörten noch im Hose ihre aufgeregte, keifende Stimme. XIX. Noch an demselben Abende verbreitete sich die Kunde von der unerwarteten Rückkehr der rothen Sali und damit trat der vollständige Umschwung der öffentlichen Meinung ein. Man zweifelte nicht länger, daß Destder Jvanyi freigesprochen werden würde und Felix Roller, welcher immer seines Freundes Unschuld behauptet hatte, erntete wahre Triumphe für seinen Scharssinn. Er war klug genug, die günstige Gelegenheit zu benützen, um der ehrgeizigen Dora Federn seine Hand anzubieten, die auch nicht verschmäht wurde. Hatte diese junge Dame bisher Roller auch um ihre Gunst werben laffen, so war sie doch weit entfernt davon gewesen, seine Huldigungen ernst zu nehmen. Sie hielt ihn für ein wenig oberflächlich — aber dieser Beweis von dem durchdringenden Geiste ihres Verehrers bewog sie doch, ihn nicht abzuweisen, denn sie träumte bereits von der großen Zukunft, die ihm kraft seiner Talente zustand, und von der Rolle, welche sie als die Frau eines bedeutenden Mannes in der Gesellschaft spielen werde. Am nächsten Tage war der Zuschauerraum im Verhand» lungssaale des Landesgerichtes womöglich noch voller als Tags zuvor. Wieder ging eine Bewegung durch die Menge, als der Angeklagte seinen Platz einnahm. Doctor Mark war erschrocken über das schlechte Aussehen seines Clienten- „Hm," dachte er, „Du weißt wohl, wer die Papiere gestohlen hat — und derselbe Mann ist der Mörder. Aber diese Papiere enthalten etwas, dar Dich beunruhigt." Die Verhandlung nahm ihren Verlauf, aber das Publikum war zu sehr gespannt auf das Erscheinen der rothen Sali, als daß es den anderen Zeugen große Aufmerksamkeit hätte schenken können. Der Uhrmacher Albert Daun wurde vorgerufen. Er bestätigte, die Küchenuhr an dem Donnerstag vor der kritischen Nacht regulirt zu haben — ferner gab Felix Roller seine Zeugenaussage dahin ab, daß Jvanyi wiederholt gesprächsweise seiner Abneigung gegen das Tragen von Ringen Ausdruck gegeben habe. Der Kellner vom Junge Herren-Club bestätigte, daß Freitag vor dreiviertel ein Uhr Morgens von einem verwahrlosten Mädchen ein Brief für Jvanyi übergeben worden fei, und daß dieser kurz vor ein Uhr den Club verlaffen habe. Bei der Vernehmung des Uhrmachers war es besonders bemerkt worden, daß derselbe erzählte, er habe die Uhr seiner Tante, der Frau Kroll, zu einer Zeit in Ordnung gebracht, da diese nicht zu Haufe war, so daß sie in der Meinung war, dieselbe sei noch zurück, und daß sie aus diesem Grunde dem Detectiv die falsche Auskunft gegeben hatte. „Wann haben Sie die Uhr reparirt?" fragte der Advocat. „Donnerstag um acht Uhr Abends," lautete die Antwort. „War es möglich, daß die Uhr von dieser Stunde bis um zwei Uhr Nachts wieder um eine Viertelstunde differirte?" „Nein, unmöglich." r Die letzte Zeugin war Rosalia Pfeffer- Nach ihren Angaben wurde das Zeugenverhör geschloffen und die Plaidoyers begannen. , v u ,r ,r Der Staatsanwalt sprach einfach und klar. Für ihn war es kein Zweifel, daß der Angeklagte das Verbrechen begangen. Er entwarf in scharfen Umriffen das Bild eines verkommenen Edelmannes, der aus Furcht vor der Enthüllung seiner Vergangenheit, die seine Pläne gestört hätte, zum letzten - 344 - Äittel greift, um seine falsche Rolle weiterspielen zu können. Die Rede machte tiefen Eindruck auf die Geschworenen. Nur Einer saß dort, der lächelte: Destder Jvanyi — und unter den Zuhörern war Eine, der quollen unter dem schützenden Schleier die Thränen aus den Augen: Margarethe Weber. (Fortsetzung folgt.) Genrernnntziges. Ohreripflege bei Kindern ist für Eltern und Erzieher ein überaus wichtiger Gegenstand; erfahrungsgemäß entwickeln sich durch Außerachtlassung einer ratonellen Ohrenpflege zahl« reiche tiefgreifende Ohrenerkrankungen. Die Pflege des Ohres hat schon in den ersten Lebenslagen zu beginnen, da das Gehörorgan der Neugeborenen in Folge seiner eigenthümlichen anatomischen Verhältnifle durch äußere Einflüffe sehr leicht erkrankt. Bei der üblichen Methode des Badens der Säuglings kann durch das öftere Eindringen von Wasier in den Gehörgang eine Entzündung hervorgerufen werden; desgleichen kann während des Badens durch das Einschlürfen von Wasier in die Naseröffnungen die Flüssigkeit durch die bei jungen Kindern noch kurze und weite Ohrentrompete eindringen und eine mit Zerstörung des Trommelfelles verbundene eiterische Entzündung des Mittelohres verursachen. Daraus ergibt sich, daß beim Baden der Säuglinge der Kopf derselben derart in erhöhter Lage zu halten ist, daß das Wasier weder in das Ohr, noch in die Nasenhöhle eindringen kann. Da angeborene oder nach der Geburt entstandene Schwerhörigket oder Taubheit im ersten Lebensjahre häufig übersehen wird, so empfiehlt es sich, in einiger Entfernung hinter dem Rücken des Kindes zu pfeifen oder zu singen; ein Kind mit normal entwickeltem Hörvermögen wird den Kopf nach der Stelle, von wo das Geräusch kommt, hin- zuwenden trachten. Wird nach öfterer Wiederholung dieses so einfachen Versuches das Fehlen jeder Bewegung des Kopfes constatiert, so werden sorgsame Eltern sofort einen Arzt con- sultiren, weil die Gehörstörungen bei einer möglichst frühen ärztlichen Behandlung nicht selten recht gute Heilresultate geben; bei Nichtbeachtung der Hörstörungen können sich bleibende Veränderungen entwickeln, welche später eine Heilung der Schwerhörigkeit ausschließen. Die Eltern müssen ferner beherzigen, daß im normalen Zustand die Athmung bei Kindern stets durch die Nase geschieht, und daß daher das anhaltende Athmen durch den geöffneten Mund auf eine krankhafte Verhinderung der Nasenathmung hinweist. Es empfiehlt sich, bei längerer Dauer der verhinderten Nasenathmung durch genaue ärztliche Untersuchung das Hinderniß feststellen und beseitigen zu lassen; letzteres wird meist in chronischen Nasenkatarrhen bestehen und ihre Heilung ist insofern von großer Bedeutung, als die mit jener Affection behafteten Kinder nach den Ergebnissen neuerer Forschung denkfaul sind und eine große Unlust zum Lernen an den Tag leben und diese Symtome nach Heilung des Katarrhs schwinden. ♦ Der Durchfall bei Enten stellt sich meist bei anhaltender nasser Witterung ein. Die kranken Thiere hält man in einem warmen, reinlichen, trocknen Stalle, gibt ihnen Kleie mit Spreu, und streut jeden anderen Tag etwas Tabakasche auf dieses Futter. Auch braun geröstetes Brot, gestampft und mit Wasser angerührt, stillt den Durchfall. Ins Trinkwasier legt man kleingehackte Zweige von Fichten oder Wachholder. * * * Gegen die verderblichen Holzw»»rmer hat sich eine Auslösung von 5 g Karbolsaure in 100 g Wasser bewährt. Die Lösung bringt man mit einem feinen Pinsel wiederholt in die Löcher. VevinischteO. DasstärksteThier. Lehrer: „Welches ist das stärkste Thier?" Kleiner Otto: „Der Storch; er hat gestern in der Menagerie ein junges Rhinocoros gebracht." * * ♦ Der kleine Hans fragt seinen Freund Fritz: „Du, ist Deine Schwester eigentlich schon verlobt?" — „Nee, aber es geht nächstens los." — „Woher weißt Du denn das?" — „Na, sie gibt mir doch jeden Abend 'n Groschen, daß ich nicht in'n Salon kommen soll!" » • • Der Unparteiische. „Das Pariser Leben," so schreibt der Gil Blas, „treibt wunderliche Blasen: Heute früh soll in der Umgebung von Paris ein Duell zwischen zwei jungen Leuten der besten Gesellschaft stattfinden. Grund: eine junge und schöne verheirathete Frau. Der Gatte derselben befindet sich nicht unter den Duellanten!" * ♦ * Unerwartete Antwort. Assessor: „Ah, Frau Rath, wie geht's? — Was macht Ihre Familie? — Ihre Tochter Marie ist wohl jetzt längst verheirathet?" — Frau Rath: „Aber ich bitte Sie, Herr Assessor, da kennen Sie meine Marie schlecht; die hätte auf Sie gewartet und wenn es noch länger gedauert hätte!" Nur die Tiefe birgt das Kleinod. Packt der Sturm die tiefen Fluthen, Brausen sie bis auf den Grund, Die noch eben friedlich ruhten, Gähren nun im mächt'gen Schlund. Bald ein Wallen — Ueberschäumen, Leichtes Wirbeln — Aufwärtsschnellen, Majestätisches Ausbäumen Unbezähmbar stolzer Wellen. Dann ein finstres tiefes Grollen, Daß sich trübt des Meeres Schein,- Bei dem schaurig dumpfen Rollen Faßt Entsetzen alles Sein. Aber wenn die Stürme schwinden, Wieder sanfter wogt die Fluth, Wenn auf Zephyrs duftiglinden Schwingen wieder alles ruht: Schöner ist's umher dann wieder, Klarer wallt das Meer dahin,- Heller steigt die Sonne nieder, Reine Freud' ist Königin. — Seichte Wasser rührt kein Tosen, Hebt kein Brausen himmelan; Träg und stumm die Regungslosen Zieh'n gemach die alte Bahn. Nur wo Tiefe, da ist Leben Gährung, Unruh, Leidenschaft- Aus der Tiefe kommt das Streben, Was da Großes — Schönes schafft. Nur die Tiefe birgt das Kleinod, Birget Perlen Sternen gleich, Nur die Tiefe birgt ein Frühroth, Das einst strahlt am Weltenreich. Ludwig Eichler. Redaction: A. Scheyds. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Uni D L- Athmen Ei umstän! einzelne klage li Umstän Person fehle, um die der An gescheht verschä weis, in der Brillan Eid be: Heugas daß I lobutiQ' verlor vom § Beweis und T die Ge lauten Murm Anerke druck I sprecht lange, Minul sie des II Ohr. bemerl hatte Ei