Ant«vhalt»ngsblatt jt»m Gicsten«» Anzeige» (Geneval-AnzeigevZ Ic r=e :>I c---C, WW'WK^ •'",1iir&ti' ‘ "- ^ÄtzKWHM^ WMMUWV M-MK^ . ’■ ._- LWDH '•qjiSi^'äSS feSoüSstil Dienstag, de« 25. December. Weihnachten! Nun wieder stieg mit tausend Kerzen Herauf die hochgeweihte Nacht, Und wieder kündet allen Herzen Sie ihre heilte Zaubermacht. — Von neuem strahlt durch'» Erdendunkel Von Bethlehem der hehre Stern; Er grüßt mit seinem Lichtgefunkel Die Christenheit in Nah' und Fern'! Und das Gedenken sel'ger Zeiten, Noch einmal kehrt es hold zurück, Es will die Brust uns sehnend weiten, Erinn'rung an entschwund'nes Glück. — Noch einmal winkl's wie Märchenfl,mmer Auf Flügeln der geweihten Nacht; Des Festes gold'ner Strahlenschrmmer Hat uns das Glück zurückgebracht I Jetzt schweigt des Tags verworren Tosen, Em stiller Friede ist genaht, Er schüttelt lächelnd seine Rosen Auf unfern rauhen Pilgerpfad. — Die Liebe webt froh ihre Kreise Nun um den grünen Tannenbaum — E« klingt in un» die alte Weise, Wach wird der Kindheit gold'ner Traum! Willkommen denn in deiner Schöne, O Christi Fest, so wunderbar — Laut grüßen dich der Glocken Töne, Bewegt grüßt dich der Gläud'gen Schaar. O, breite deinen vollsten Segen Weithin durch alle Lande aus, Und dein Symbol glänz' allerwegen Sieghaft im Zeitensturmgebraus I B. Neuendorff. Der Schuldige. Criminal-Novelle von W. Roberts. (Forriegung.) Sollte die Baronin noch kommen? Dieser Gedanke gab dem Unglücklichen neue Kraft, denn jetzt würde fich sein Schicksal entscheiden. 7 Er schritt nach der Thüre und öffnete dieselbe zuvor- i kommend. Seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen, denn et war wirklich die Baronin van Soffen, welche mit freundlichem Gruße, aber auch in sichtlicher Verlegenheit eintrat. „Entschuldigen Sie gütigst, Herr Matthey," sagte sie dann nach der ersten Begrüßung, „ich wollte nur fragen, ob Sie in der letzten Woche das Bild meiner Tochter fertig gemalt haben?" "3<5 bitte um Ihre gütige Nachsicht, gnädige Frau, das Bild ist leider noch nicht fertig, denn ich war in letzter Zeit ganz außer Stande, arbeiten zu können." ™ das bedauere ich sehr. Waren Sie krank, Herr Matthey?' ■ „Krank?" erwiderte der Maler traurig. „Ja, krank bin ich, aber nicht im Körper, sondern in der Seele. Ich fühle mich ganz elend und unglücklich und habe Niemand, dem ich mich anvertrauen könnte, und besitze noch weniger eine Person, die mir in dieser Seelenpein beistehen möchte" „Das ist ja entsetzlich," bemerkte die Baronin. „Haben Sie denn keinen Verwandten, keinen Freund, dem Sie sich anvertrauen können?" „In dieser Angelegenheit besitze ich keinen Freund," antwortete der Maler mit einer solchen tiefen Traurigkeit, daß das edle Herz der Baronin davon tief ergriffen wurde. „Falls Sie glauben, daß ich Ihnen helfen kann, so bitte ich darum, mir Ihr Vertrauen zu schenken," sagte sie dann in herzlichem Tone. „O, Sie wollten die Barmherzigkeit, die engelgleiche Güte haben, mir zu helfen, gnädige Frau," rief Matthey wie ein Ertrinkender, dem sich eine rettende Hand bietet, und sein ganzer Körper zitterte vor Aufregung. „Wenn Sie mir Ihr Herzeleid anvertrauen wollen, so bitte ich, mir darüber zu schreiben," entgegnete jetzt die Baronin sanft abwehrend, „denn ich kann nicht länger hier verweilen. Ich hatte in der Erwartung, daß das Bild fertig sei, meine Tochter und die Gouvernante hierher bestellt, ich sehe aber, daß sie nicht gekommen sind. Das beunruhigt mich und ich muß noch Hause gehen." „O, darüber können Sie sich beruhigen, gnädige Frau," sagte der Maler und zwang sich zu einem Lächeln, „denn die Baroneß und die Gouvernante waren bereit» vor einer Stunde hier und sind erst nach längerem Warten wieder fortgegangen, weil die Gouvernante glaubte, daß ein Mißverständ- mfe vorliege oder daß die gnädige Frau verhindert wordeu sei, zu kommen." „Ich war allerdings wegen eine» traurigen Anlaffe» verhindert, zu verabredeter Zeit hier zu sein," entgegnet« die 602®- Liebe Sie würden dadurch einen unglücklichen Künstler vom können Sie den Herrn Commerzienra h einige Mmmen veiucyen- schmachvollen Untergange retten und auf lichte Höhen zurück- In tiefer Niedergeschlagenheit, fast wie zerschmettert, führen " schritt Matthey wieder aus dem Hause und die schwärzesten M , Der Maler war bei den letzten Worten vor der Baronin | Befürchtungen in Bezug auf das Schicksal seines Onkels er- niedergesunken und hielt ihr flehentlich seine Hände entgegen, füllten feine Seele. Maler nicht aushielt. „Nein," entgegnete er darauf kleinlaut, „ich bin derartig auf Irrwege gerathen, daß ich aus eigener Kraft den rechtm Weg nicht wieder zu finden und vor allen Dingen chn nicht zu gehen vermag. Hören Sie Alles, gnädige Frau! Leichtsinn, schlechte Gesellschaft, Spiel und Schulden haben meine guten Eigenschaften, mein Künstlertalent, meine Schaffenslust derartig verdrängt, daß ich mich allein nicht dazu erheben kann, gute Vorsätze auszuführen. Die Freundschaft eines guten, edlen Herzen« könnte mich allein noch retten, könnte die volle, ganze Liebe zu den Idealen, zu einem reinen Leben, zu einer schönen Pflichterfüllung im Dienste meines künstlerischen Berufes in mir erwecken." „Sollten Sie ein solches Herz unter Ihren Freunden nicht finden können?" frug die Baronin sanft. „Nein, leider nein," erwiderte Matthey mit schmerzlichem Lächeln, „denn eines Mannes Herz vermag den Einfluß, den ich meine, auf mich überhaupt nicht auszuüben. Selbst mein hochherziger Onkel wäre dazu nicht im Stande. Ich könnte nur durch eine edle und barmherzige Dame gerettet werden, durch eine Dame, deren bloßer Anblick, deren Seelenadel und Hsrzensgüte die bösen Geister verscheuchen, die mein befferes Ich in Fesseln schmieden. O, habe« Sie Erbarmen, gnädige Frau, und schenken Sie mir Ihre Freundschaft und Ihre aufdringlich^sttMch Befehl," bemerkte der Maler und geleitete die Dame aus seinem Atelier. Baronin, während sich ihre blaffen Wangen leicht röthete«. „Einen alten, lieben Freund von mir hat ein furchtbares Unglück betroffen, welches mich heute wiederholt so aufgeregt hat, daß ich zuweilen darüber ganz schwach werde." es gibt viel Unglück in der Welt und viele Un- glückliche," erwiderte Matthey. „Was für ein Unfall hat denn Östren Freund betroffen?" _ , , JD, haben Sie noch nicht von der entsetzlichen Unthat gehört, die in der verfloffenen Nacht an dem Commerzienrath Homberg und dessen Diener verübt wurde, Herr Matthey? „Commerzienrath Homberg?" stieß der junge Mann leidenschaftlich und mit entsetzlicher Geberde hervor. „Ist er vielleicht schon — tobt, er ist — ja mein — leibhaftiger Onkel, mein Wohlthäter." , ^„Fassen Sie sich, Herr Matthey, denn ich hörte soeben, daß Herr Homberg zwar schwer getroffen darniederliege, aber daß die Aerzte von seiner kräftigen Constitution hoffen, daß er die Folgen der schweren Verwundung übersteht. Ich horte heute bereits, daß Sie der Neffe von Herrn Homberg sind und hoffte von Ihnen Näheres über die Unthat und das Be- finden Ihres Onkels zu erfahren, aber wie es scheint, wiffen Sie noch gar nichts von dem Verbrechen." „O ja, ich weiß Alles," jammerte Matthey, „mir ist die schreckliche Unthat nur zu gut bekannt und ich bin durch dieselbe elend geworden." „ t L n„ , „Sie sind durch den Raubmord elend geworden? frug die Baronin erstaunt. „Das verstehe ich nicht ganz." „O, Sie werden es bald verstehen, wenn Sie mich anhören wollen. Homberg ist nicht nur mein Onkel, er war auch mein väterlicher Freund, mein Wohlthäter. Ich bin aber durch Leichtsinn und Verführung auf Abwege gerathen und muß elend zu Grunde gehen, weil mir mein Onkel jetzt nicht helfen kann." „Sie haben also Schulden, Herr Matthey?" frug bte Baronin kühl. „ , c r m , K- '„Ich muß zu meiner Schanbe gestehen, baß ich Wechsel- schulden habe, bie ich nicht becken kann, wenn mir keine hochherzige Seele hilft." 9 8 „Sind es hohe Beträge, bis Sie schulben?'/ „Es sinb zehntausend Mark nöthig, um mir vollstänbig *U H^Si'nb biese Schulben Ihr ganzes Unglück?" frug bis Baronin mit einem forschenben Blicke, benn ber sonst so kecke „Meine Freunbschast sollen Sie besitzen," erwiberte die Dame und reichte dem Maler ihre zarte Hand, welche dieser inbrünstig an die Lippen zog, „denn Ihr trauriges Loo» rührt mich und ich würde mich freuen, Ihnen als dem Neffen de» unglücklichen Homberg, der mir einst nahe stand, helfen zu können, aber Liebe, die zu einer Ehe führen soll, kann ich Ihnen niemals gewähren, denn dagegen spricht mein Herz und meine Vernunft." „Niemals?" rief Matthey im Tone tiefsten Schmerzes und blickte die Baronin mit traurigen Augen an. „Niemals," gab sie sanft zurück, „denn meinem Herzen kann ich doch nicht gebieten, für Sie zu schlagen, und meine Vernunft sagt mir, daß ich nicht zum zweiten Male einen Mann heirathen kann, wenn ich überhaupt an eine Wieder- verheirathung dächte, der seine Leidenschaften nicht beherrschen kann, wie es bei meinem verstorbenen Gatten leider der Fall war, was ich nicht mehr zu verheimlichen brauche, nachdem meines Gatten unselige Duellgeschichte mit dem Ungar in allen Zeitungen haarklein erzählt worden ist. Stehen Sie aber auf, Herr Matthey, und faffen Sie Muth, wenn Ihnen meine Freundschaft lieb ist. Als Mann müffen Sie gegen ein böse» Schicksal ankämpfen bis zum letzten Athemzuge." „Auch wenn der böse Feind in meinem eigenen wamel- müthigen Herzen wohnt?" „Auch dann!" erklärte die Baronin fest. „Was ich'-aus Freundschaft für Sie thun kann, das soll geschehen. Morgen komme ich mit meiner Tochter und Sie haben dann die Gute, in meiner Gegenwart an deren Bilde zu malen. Wollen Sie mir dies versprechen, Herr Matthey?" „Mit größtem Vergnügen, gnädige Frau." „Ich komme Vormittags elf Uhr und kann dann vielleicht auch von Ihnen erfahren, wie es Herrn Commerzienrath Homberg geht, denn nach deffen Befinden werden Sie sich doch noch heute und morgen erkundigen." „Gewiß wird dies geschehen, gnädige Frau," entgegne e der Maler mit einer Verbeugung, „denn die Theilnahme, die Sie an dem Geschick meines unglücklichen Onkels nehmen, ist eine Ehre für ihn und mich. Darf ich meinem Onkel einen Gruß von Ihnen bringen?" „Nein, das fchickt sich nicht von mir," erwiderte die Baronin mit großer Entschiedenheit, „denn ich habe Ihren Onkel einst schwer gekränkt und so lange ich nicht weiß, daß er mir verzeihen will, darf ich selbst mit meinem Gruße nicht Am selbigen Tage, Abend» gegen acht Uhr, näherte sich mit klopfendem Herzen der Maler Matthey dem Hause feine» Onkels. Vor der Thüre des Hauses stand noch immer ein Polizist und in der weiteren Umgebung mochten noch einige Geheimpolizisten postirt sein, um die Stätte des Verbrechens, an welche die Verbrecher zuweilen selbst zurückkehren, zu beobachten, und dieses Bewußtsein erfüllte den Maler mit Grauen und Entsetzen. Fast jeden Augenblick kam es ihm vor, als ob man ihn mit den Worten ergreifen werde: „Halt, das ist der Mörder!" und als wenn er schreien müßte: „Nein, nein, ich bin es nicht, es ist ein Anderer!" Seufzend ging Matthey dann die breite Treppe de» schönen Hauses hinauf und trat leise in die Wohnung. Mit einer brennenden Qual näherte er sich dann einem der Aerzte und frug nach dem Befinden seines Onkels und ob er ihn einige Augenblicke sprechen könne. „Ihr Herr Onkel hat starkes Wundfieber," berichtete der Arzt, „und Sie dürfen ihn deshalb heute noch nicht sprechen, denn jede Aufregung kann für ihn sehr gefährlich werden. Aber wenn morgen, so Gott will, das Fieber überwunden ist, können Sie den Herrn Commerzienrath einige Minuten besuchen." 603 ä*16”®4”“81 ”* ®mb d-m°4 „Du gute, edle Seele I" L0' 6urtI Schwere Krankheit und Un. Sänfte" ?e" ncS Vervollkommnung ringenden Menschen Aer'c Q S Reichthum und irdisches Glück, fü?U °uch, daß man noch sehr unvollkommen war und noch reinere Wege wandeln muß, um gottgefällig zu werden. Leider stehst Du Deinem bisher ziemlich leicht« sinnigen Denken und Thun meinem Herzen nich? so nahe wie s°llte Curt, aber ich hoffe, daß auch Du noch den rechten Weg kennen lernen wirst." ™ H biefer schmerzlichen Stunde," ffik unb 303 °uf's Neue des kranken Unkels Hand an seine Lippen. {x. a "?ra/,ma9 Dir Gott Kraft verleihen, Deine guten Vor- Stimme ttuS3ufii^cen'" sagte der Commerzienrath mit lauter Der Arzt zuckte mit den Achseln und sagte sehr ernst: „Das kann man bei einer derartigen Verwundung nie voraus« sagen, bie Heilung kann drei bis vier Wochen, unter Um« ständen aber auch drei bis vier Monate dauern." „Traurige, sehr traurige Aussichten!« flüsterte Matthey. „Wie wird mein unglücklicher Onkel mit seinem regen Gerste und seinem an Thätigkeit gewöhnten Leben dieses Schmerzenslager überstehen!" „Es ist für ihn später eine recht liebevolle Pflege nöthia," entgegnete der Arzt, „denn ein solcher Patient bedarf auch der Aufheiterung des Gemüthes. Vielleicht können Sie einen Theil dieser Aufgabe übernehmen, Herr Matthey. Am besten wäre es freilich, wenn außer der Krankenpflegerin noch eine gebildete Dame, vielleicht eine Verwandte, sich der Pflege und Unter« Haltung des Patienten später annehmen würdß." "^i" Onkel und ich besitzen leider keine Verwandte, welche sich dieser Aufgabe unterziehen könnte," erklärte der Maler. „Nun, vielleicht finden Sie einen anderen Ausweg, es braucht ja nicht unbedingt eine Verwandte zu sein, die einen wichtigen Theil der Pflege der Patienten übernimmt." Matthey setzte sich dann an's Fenster, um auf das Er« wachen des Patienten zu warten und verlor sich in ein schmerz« liches, trübes Sinnen, welches häufig durch besorgte Fragen an den Arzt oder Krankenpfleger unterbrochen wurde. Nach fast zweistündigem Warten verkündete endlich der Arzt dem Maler, daß Commerzienrath Homberg aus feinem Schlafe m leidlichem Zustande erwacht fei und feinen Neffen auf einige Minuten empfangen könnte. Eine große Erregung bemächtigte sich des Malers, schwan« kenden Schrittes trat er in das Krankenzimmer und sank mit schmerzlichem Schluchzen am Bette des Onkels auf einen Stuhl, j »Welch' ein entsetzliches Unheil mußt Du ertragen, mein » armer Onkel?" seufzte Matthey dann und erfaßte die Hand i bes Kranken, um sie an bie Lippen zu ziehen. „Eine schwere, schwere Prüfung ist über mich verhängt," sagte der Commerzienrath mit schwacher Stimme, „aber ich hoffe zu Gott, baß er mich in seiner Gnade wieder gesund werden läßt und dann läßt er mich vielleicht auch erkennen, Der Maler verbrachte eine entsetzliche, schlummerlose Nacht und bereits früh um sechs Uhr lief er wieder nach dem Hause Hombergs. „Entschuldigen Sie, Herr Doctor, daß ich so früh störe," »x® t Weiche Maler, als er in das Vorzimmer trat, „aber § hatte keine Ruhe mehr zu Hause, so sehr regte mich die &effer?”einen Dnkelßund Wohlthäter auf. Geht es ihm „Kann ch Dir hier an Deinem Krankenbette oder in seinen geschäftlichen Angelegenheiten einen Dienst erweisen, so bitte ich um Deine Wünsche," frug jetzt Matthey „Hier kannst Du mir manchmal eine Stunde die Zeit vertreiben helfen, wenn meine Genesung soweit vorgeschritten ist, daß rch längere Besuche erwarten kann," entgegnete Hom« berg- „Aber in meinen sonstigen Geschäften kannst Du mir nichts helfen, denn davon verstehst Du nichts, und mein Pro« cunfi und der Kassirer werden inzwischen schon ihre Pflicht thun. Auch werde ich heute mit Beiden einige Worte sprechen, denn sie werden mich Nachmittags besuchen. - Noch ein ?°rt habe ich mit Dir zu reden, Curt, ehe Du gehst. Du vielleicht Sorge wegen meines Testamentes. Dasselbe T für den Fall meines plötzlichen Ablebens längst gemacht, ^ein Universalerbe bist Du nicht, denn das große Vermögen würde ber ©einem Leichtsinn Dir nur zum Verderben ae« ^chen, ich habe aber dafür gesorgt, daß Du im Falle meines Hinscheidens eine Jahrespension erhältst, von der Du anständig leben kannst, falls Du es in Deiner Kunst zu keinen bedeutenden Leistungen bringen solltest." 8 r, Der Maler biß sich auf die bleichen Lippen und blickte scheu zu Boden. Auch letzt auf dein schweren Krankenlager “f ber Onkel Homberg noch derselbe klar blickende und sicher entschließende Mann mit dem scharfen Verstände und dem guten Herzen- | , "Ich befürchte übrigens von Deiner vorgestrigen Bitte baß Dich noch immer Schulden drücken. Indem rch hoffe, daß dieses Mal Dein Entschluß Dich wirklich zu ändern und Dich Deiner Kunst zu widmen, ein ernster ist, 10,111? nachmals sechstausend Mark auszahlen taffen, womit Du hoffentlich Deine drückendsten Schulden bezahlen und ohne Sorgen arbeiten kannst." _ , ''Deichen Dank für diese unverdiente Güte, lieber Onkel, stotterte Matthey und drückte Homberg wiederholt die Hand. „Ich weiß nicht, ob ich jemals im Stande fein werde, Dir für so viele Beweise einer väterlichen Huld recht zu bankem fuhr der junge Maler schwärmerisch fort, „deshalb will ich zetzt auch den Versuch machen, Dir vielleicht schon heute eine kleine Freude, oder sagen wir besser eine Genug« thuung zu bereiten." ü „34 verstehe Dich nicht, Curt, rede deutlicher!« „Nun, ich darf Dir sagen, Onkel, daß bie verwütwete Varonin Hilda von Sassen, geborene von Hausen, sehr großen Antheil an Deinem klnglück nimmt und sich sehr freuen wird wenn sie von mir erfährt, daß Dein Befinden gute Hoffnung auf Genesung erweckt." * " 3 „Sie hat mich also doch nicht ganz vergessen," rief der Commerzienrath und ein leichtes Roth verklärte auf einen Moment sein bleiches Antlitz! „Cie würde mir sogar einen Gruß an Dich bestellt haben, wenn, wie sie verlegen eingestand, sie Dich nicht einst schwer gekränkt hätte und erst Deine Verzeihung haben müßte bevor sie Dich grüßen lassen könnte." „Ich habe ihr nie gezürnt und habe ihr also ^deshalb „Das Fieber hat im schlimmen Grade bis heute Morgen vier Uhr angedauert, aber jetzt ist es, Gott sei Dank, über« wunden und der Kranke liegt in einem tiefen Schlummer. Sobald er aus demselben erwacht ist, dürfen Sie ihn sprechen." „Ich danke Ihnen für diese gute Botschaft, Herr Doctor," erwiderte Matthey und seine blaffen Wangen rötheten sich vorübergehend. „Ich nehme also an, daß mein Onkel seiner baldigen Genesung entgegengeht." „Soweit ist es noch nicht mit der Besserung vorgeschritten," bemerkte der Arzt, „denn die Wunde ist zu groß und tief und es können während ihrer voraussichtlich langsamen Heilung noch schwere Ruckfälle eintreten." „Die Wunde ist zu groß und tief!" seufzte Matthey wie in einem bösen Traume und sein Körper erzitterte dabei wie im Fieberfrost. „O, mein armer, unglücklicher Datei!" . Sie noch nicht, Herr Matthey," entgegnete Arzt tröstend, „denn der Verlauf der Heilung der Wunde ist im Ganzen normal und wir dürfen, wenn keine schlimme Wendung eintritt, das Beste hoffen." w „Wann glauben Sie, daß die kritische Zeit der Heilung der Wunde vorbei fein wird, Herr Doctor?' “ „Wenn nun Alles gut geht, so wird sie in zwei Tagen vorbei sein, denn der Kranke ist jetzt fieberfrei." "PkQ«roatltt Sie, daß mein Onkel vollständig genesen fCitt rottb ? 604 auchsnichts zu vergebens erklärte Homberg mit einem seit- ! samen Lächeln. „Der Schmerz saß zwar lange und tief in meinem Herzen, aber ich habe ibn schließlich doch überwunden. | Hilda von Hausen wäre mir wohl auch nicht untreu geworden, sondern sie wurde einfach von anderen Umständen, welche zur Zeit, als wir uns kennen lernten, noch gar nicht vorhanden waren, zu einem Schritte veranlaßt, den sie für ihr Glück hielt. Mag dieser Schritt ihr Glück gewesen sein!" „Er war es nicht, lieber Onkel," entgegnete Matthey lebhaft, „denn die Baronin ist, wie sie selbst sagt, mit ihrem verstorbenen Gatten Baron Sassen nicht glücklich gewesen, denn derselbe wußte seine Passionen nicht im Geringsten zu beherrschen." | „Ich kann es mir denken," bemerkte der Commerzienrath. | „Du kannst die Baronin auf alle Fälle von mir grüßen und ihr sagen, daß ich ihr nicht zürne, falls Du sie wieder sehen solltest." Herzlich verabschiedete sich der junge Maler von dem Onkel, und schritt in gehobener Stimmung seiner Wohnung zu. Noch einmal schien ihm eine schöne Hoffnung zu winken, und seine Rettung vom schändlichen Untergange möglich zu sein. Die Gunst des edeln Homberg hatte sich noch nicht von ihm abgewanvt und Matthey konnte auch den letzten der gefälschten Wechsel decken und unschädlich machen. Zudem - hatte er die Freundschaft einer edlen Dame gewonnen, die ij sein Herz mit hohen Idealen erfüllen und ihn aus dem Banne finsterer Leidenschaften befreien helfen sollte. Freudig wie roch nie betrat Matthey sein Atelier, und nach Einnahme eines kleinen Frühstückes begann er sogleich seine Arbeit, die Vollendung des Portraits der kleinen Ba- roneß Erna von Sassen. Noch keine Stunde hatte Matthey bei dieser Arbeit ver« weilt, da kam auch die Baronin von Sassen und deren Töchterchen selbst zu dem verabredeten Besuche. Nach freundlicher Begrüßung sagte die Baronin mit leuchtenden Augen: „Ich bin wirklich ganz erstaunt, Herr Matthey, Sie schon bet der Arbeit und heute so fröhlich zu sehen!" „Ich habe auch allen Grund dazu, fröhlich und arbeitslustig zu sein," erwiderte der Maler und schob der Baronin einen Stuhl zu, ..denn heute Morgen ist eine Centnerlast von Sorge und Oual von meinem Herzen genommen. Commerzienrath Homberg, mein, guter Onkel, ist nach schwerer Nacht fieberfrei und auf dem Wege der Besserung, und der edle Mann, dessen Güte ich mißbrauchte, hat sich wieder mit mir ausgesöhnt. Dazu Ihre hochherzige Freundschaft gerechnet, g> ädrge Frau! Soll ich mich da nicht freuen und ein neues Leben anfangen!" „Sehr brav, Herr Matthey, sehr brav," entgegnete die Dame, „ich freue mich außerordentlich über die große Veränderung in Ihrer Gemüthsstlmmung, und ebenso sehr bin ich auch darüber erfreut, daß Ihr Herr Onkel auf dem Wege der Besserung ist und von den schrecklichsten Folgen des mörderischen Ueberfalle« verschont bleibt." „Ja, Gott ser Dank, scheint mein Onkel gerettet zu sein!" rief Matthey und in seinem Herzen stritten sich die Gefühle der Freude und der Schuld. „Ich betrachte überhaupt das ganze Unglück als eine wunderbare Fügung des allmächtigen und aüweifen Gottes, um die geprüften Meirichen zu einem höheren und reineren Glück zu geleiten. Mich hat das Unglück wenigstens oufgerüttelt aus einem Leben der Thor- heit und des Leichtsinnes, und ich habe auch an meinem Orkel, der unschuldig so viel leiden muß und doch kein Wort der Klage über sein Geschick über feine Lippen kommen ließ, sondern geneigt ist, ebenfalls in dem Unglück eine Führung zum Bessern zu erbl cken, die wahren Güter des Lebens schätzen gelernt. Sie heißen Pflichtgefühl, Gottvertrauen und ein die Erbärmlichkeit dieser Welt verachtender Idealismus. Ich bitte Gott um weiter nichts, als um die Kraft, die Wege hinfort zu gehen, welche ich für gut erkannt habe." Mit wachsendem Staunen blickte |bie Baionin-.'auf den jungen Maler, der ihr heute so ganz anders svorkam. Matthey | beachtete diese Verwundung der Dame indessen weiter gar nicht, sondern wandte seine Aufmerksamkeit dem Antlitz der jugendlichen Baroneß zu, deren Portrait er zu vollenden hatte. Mit scharfen Blicken verglich er das noch unfertige Bild mit den lieblichen Zügen des Kindes, und dann fuhr er ernst und schweigend mit seiner Arbeit fort. Erst als die Geduld der auf einem Stuhl vor dem Maler sitzenden Erna erschöpft zu sein schien, machte er eine Pause. „Ich bin heute ein gutes Stück mit meiner Arbeit vorwärts gekommen," sagte er dann lächelnd, und ich glaube, gnädige Frau, daß das Bild schon morgen serttg werden wird." „Schon morgen?" frug die Baronin ungläubig. „Sagen Sie lieber „erst morgen" und nicht „schon morgen", entgegnete Matthey, „denn das Bild hätte ja schon längst fertig sein müssen, wenn ich früher so fleißig daran gearbeitet hätte als heute. Uni) morgen werde ich so zeitig mit der Arbeit beginnen, daß ich Ihnen, wenn Sie gegen elf Uhr kommen, wahrlich schon das fertige Bild überreichen kann." „Morgen werde ich zu meinem Bedauern aber wahrscheinlich nicht das Vergnügen haben können, Sie zu besuchen," bemerkte die Baronin. „Ich bin heute zu einer Soiree bei Frau Geheimrath Springer geladen, und ich fürchte, daß ich wider meinen Willen länger dort verweilen muß, als e« sonst meine Gewohnheit ist." »Ja, ja, ich verstehe vollkommen, gnädige Frau. An die Soiree wird sich vermuthlrch ein Ball anschließen, und der kann bis tief in die Nacht hinein dauern." „Der Ball hat keinen Reiz für mich," entgegnete die Baronin und aus ihren schönen Augen blitzte es fast unwillig nach dem Maler hinüber. „Ich werde heute Abend nicht tanzen, aber einer lieben Freundin, die weder Vater noch Mutter hat, und von Fieiern umschwärmt wird, will ich beistehen, daß sie nicht den Unrechten wählt." „Wie edel von Ihnen, gnädige Frau!" rief Matthey in einiger Verlegenheit. „Wie konnte ich nur auf den trivialen Gedanken kommen, daß ein Ball noch großen Reiz für Sie haben könnte. Verzeihen Sie mir gütigst." „Sehr gern," erwiderte sie lächelnd und ernster fuhr sie fort: „Aber dreierlei müssen Sie mir verspreche», Herr Matth y, wenn ich Ihnen ganz verzeihen soll?" „Gewiß, gewiß, gnädige Frau," „Nun erstens müssen Sie sich geloben, von einer Dame nie kleinlich zu denken, Denn dies ist ein großer Fehler vieler, vieler Herren, zweitens müssen Sie mir versprechen, den guten Vorsatz, das Bild Ernas bis morgen Mittag zu vollenden, auch wirklich auszuführen, und drittens bitte ich darum, daß Sie mir morgen durch eine kurze briefliche Mittheilung wissen lassen, wie es Ihrem Herr Onkel geht." Fast unwillkürlich war der schönen Wittwe bei den letzten Worten eine Blutwelle ins Antlitz gestiegen, und sie stand einige Augenblicke verlegen da, denn sie fühlte, daß sie ein Geheimniß ihres Herzens wahrscheinlich verrathen hatte. „Ich gebe Ihnen mein Wort, alle drei Wünsche zu erfüllen," antwortete aber Matthey, dem die Sklenbewegung der Baronin fast ganz entgangen war, mit einer tiefen Verbeugung. „Gern weide ich Ihnen auch über das Befinoen meines Onkels berichten, der Sie übrigens, gnädige Frau, grüßen und durch mich wissen läßt, daß er Ihnen nichts zu verzeihen hat, da er Ihnen niemals gezürnt hat." „Für diese Mittheilung bin ich Ihnen außerordentlich dankbar," entgegnete die Baronin erröiyend, „denn ich habe es immer als eine Schuld empfunden, einst den Herrn Commerzienrath schwer beleidigt zu haben. Ich brauche Ihnen wohl kein Geständniß zu machen, Ihr Onkel wird Ihnen wohl einige aufklärende Worte gesagt haben." (Schluß folgt) J Rcdactwn: A. Sch«,da. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.