Anteichaltungsblatt zuin Giehenev Anzeigen (Geneval-)lnzergevj Ar. 112 !PMr^-L?!E ■' ]JI LW«U DD W Dienstag, de« 25. September. In den Fesseln der Schuld. Criminal-Novelle von C. Sturm. (Fortsetzung.) Hilleffen hatte in seinen waghalsigen großen Speculationen colossales Glück und Pohlmann, dem die Rettung der Central- Commerzbank sehr am Herzen lag, sah bereits seinen lebhaften Wunsch in Erfüllung gehen, daß die ungeheuren früheren Verluste der Bank durch die bedeutenden Speculationsgewinne bald würden ausgeglichen fein. Freilich bangte auch Pohlmann davor, daß Hilleffen einmal großes Unglück bei seinen Speculationen haben könnte und daß es später nicht möglich sein werde, den leidenschaftlichen Speculanten von dem gefährlichen Börsenspiele wieder abzubringen. Aber diesen Erwägungen konnte sich der alte Bankdirector nicht lange hingeben, denn sein jüngerer College schritt zu immer weiteren und größeren Speculations-Unternehmungen und fragte gar nicht mehr nach Pohlmanns Bedenken. Nach weiteren vier Wochen wurde derselbe aber allmälig von einer unheimlichen Angst befallen, denn Hilleffen hatte in letzter Zeit wieder sehr hohe Speculationsgeschäfte abgeschlossen, wollte auch große Gewinne dabei gemacht haben, aber Pohl- mann fand Hilleffen« Gebahren dabei sehr befremdlich und widerspruchsvoll. Dem ersten Director der Central-Commerzbank graute es aber förmlich davor, den Schleier zu lüsten, den sein rasfinirter College über seine letzten gefährlichen Speculationen noch zu ziehen für nothwendig hielt. Eine entsetzliche Unruhe quälte Pohlmann, aber noch wagte er von Hilleffen keine näheren Aufschlüsse zu fordern, da dieser sehr emsig in der Bank thätig war und bis tief in die Nacht hinein rechnete und arbeitete. Am anderen Morgen wollte Pohlmann aber unter allen Umständen den verschlagenen College» zur Rede stellen, aber zum großen Schrecken des ersteren kam Hilleffen an dem folgenden Vormittage gar nicht in die Bureaux der Central-Commerzbank und als Pohlmann stch dann gegen Mittag in Hilleffens Wohnung begab, da erhielt er die lakonische Mittheilung von dem Diener, daß der Herr Bankdirector auf drei Tage nach Wien verreist sei. — Pohlmann konnte seine Erregung kaum beherrschen und eilte zurück in die Bank. Es war gerade Mittagspause und der Bankdirector konnte allein in seinem Comptoir sein. Dieses Alleinsein benutzte er dazu, um stch möglichst über den Stand der Spekulation«- seschäfte zu unterrichten und er fand da bald einen entsetzlichen Aufschluß in einem Briefe, den ihm Hilleffen in einem Geldschrankfache hinterlaffen hatte. Der Brief lautete: „Lieber Herr Pohlmann! Da es unmöglich und zwecklos ist, Ihnen noch länger die Wahrheit zu verschweigen, so theile ich Ihnen mit, daß ich mit meinen beiden letzten großen Speculationen bodenloses Unglück gehabt und die Central-Commerzbank total ruinirt habe. Das nöthige Geld in der Kaffe brachte ich die letzte Zeit nur noch mit Mühe durch Verkauf unserer Wechselaccepte auf, aber auch dieses verzweifelte Hilfsmittel ist erschöpft und ich sah mich, um mich nicht der Schande und Strafe auszusetzen, genöthigt, zu entfliehen. Ihnen rathe ich, das Gleiche zu thun. Wenn Sie sich Ihren Vollbart abrasiren taffen, Ihre grau melkten Haare schwarz färben und eine blaue Brille auffetzen, so erkennt Sie der geriebenste Geheimpolizist nicht und Sie können reifen, wohin Sie wollen. Sie werden nun sagen, daß es Ihnen an reichlichem Gelds für eine weite und kostspielige Reise fehle, denn in unserer Kaffe ist das Geld seit einiger Zeit recht knapp und hat nur immer kaum noch gereicht, um die laufenden Zahlungen zu decken. Ich vermuthe indessen, daß Sie als kluger Mann, wie ich, sich irgendwo noch ein hübsches Päckchen Banknoten für außergewöhnliche Fälle zurückgelegt haben, und könnten wir uns später in Brasilien oder Argentinien, wo man unter anderem Namen ruhig leben kann, wieder treffen. Das Beste ist auch, daß Sie dorthin Ihre Frau und Kinder nachkommen lasten, wenn Sie meine Verheiratung mit Carola dann noch ermöglichen helfen, dann würde ich Ihnen eine sorgenfreie Zukunft in Brasilien oder Argentinien bereiten. Sie können mich durch Inserate in amerikanischen Zeitungen suchen lassen und soll unser Erkennungszeichen die Nummer und der Anfangsbuchstabe de« kleinen Werthpapieres fein, welches Sie in diesem Briefe finden werden und sofort umsetzen wollen, denn Vorsicht ist am Platze. Auch wollen Sie sofort diesen Brief verbrennen, damit er nicht an meiner Flucht zum Verräther wird. Ihr Carl Hilleffen." Wie betäubt sank Pohlmann aus den Schreibtisch nieder, als er diesen Brief gelesen hatte, dann wurde der unglückselige Mann aber von einer an Raserei grenzenden Wuth über Hilleffen« Verrath und Flucht ergriffen. Er zerriß das Schreiben sammt dem in demselben liegen den Werthpapiere in kleine Fetzen und schrie überlaut: „O, liefet elende Schuft! Und verflucht, zehnmal verflucht bin ich, daß ich mich mit ihm eingelaffen Habel Ich verabscheue e», ihm flüchtend nachzufolgen und der Bank noch das letzte Be- triebscapital zu rauben! Ich will soviel es möglich ist, standhaft da« furchtbare Loos ertragen, welches nun über mich hereingebrochen ist. Mildern kann ich meine Schuld nur dadurch, daß ich mein und meiner Frau fämmtliches Privat- vermögen den Gläubigern und Actionären der Bank abtrete. Aber es geht nicht, daß ich mich verhaften und verurtheilen lasse!" rief der verirrte Mann jetzt plötzlich. .Ernst und Carola, meine lieben Kinder, dürfen keinen Väter haben, welcher im Zuchthause sitzt. Diese Schande darf ich meinen Kindern nicht anthun! Ich muß sterben und der Tod wird eine Erlösung für mich und meine Angehörigen von schwerem Leid, von Jammer und Schande sein! Es gilt dabei kein Usberlegen, kein Zagen und Zaudern, denn ich muß sterben um. meiner lieben Kinder und auch um meiner treuen Frau willen, die zwar auch durch meinen Tod sehr betrübt werden, aber durch mein ferneres Dasein zu einer wahren Höllenqual unschuldig verdammt werden würden. Barmherziger Gott, sei mir S m- der gnädig und nimm Dich in Gnaden meiner theuren Hinterbliebenen an!" Mit zitternden Händen zog Pohlmann an seinem Schreibtische jetzt ein Seitenschubfach heraus und nahm aus demselben einen Revolver. Doch einen Moment zögerte er noch, nahm eine Feder und Papier und schrieb an seine Frau und seine Kinder noch einige wehmüthige Abschiedszeilen, legte auch darin kurz klar, daß er sterben müsse, um ihnen größere Schande, Pein und Qual zu ersparen. Dann nahm er auch noch einen anderen Briefbogen und schrieb auf demselben an den Aufsichtsrath der Bank, legte die Ursachen seiner großen Verluste dar und offerirte sein und seiner Frau Privatvermögen zur theilweisen Deckung des angerichteten Schadens. Dann griff der unglückselige Mann mit fester Hand nach dem geladenen Revolver, spannte ihn und setzie ihn vor die Stirn. Ein furchtbarer Knall dröhnte durch das Zimmer und durch die weiten Räume der Cmtra^C ommerzbank und der langjährige, einsthochangesehene und o.tT beneidete erste Director derselben sank mit zerschmetterten EU ädel und nur noch [eife zuckend, aber alsbald sterbend uoter^seinen Schreibtisch, Der durch Verirrungen, falschen Ehr H^z und auch durch große eigene Schuld zum Verbrecher gewobene Mann hatte sich für diese Welt durch Selbstmord sein eigenes Urtheil gesprochen. ♦ ♦ ♦ Als ungefähr eine halbe Stunde später die Angestellten der Central-Commerzbank wieder in ihre Bureaux zurückkehrten und bald darauf der Selbstmord des ersten Bankdirectors entdeckt wurde, bemächtigte sich aller Bankbediensteten eine furchtbare Bestürzung, denn es galt ihnen nun als Gewißheit, daß eine Katastrophe über die Bank hereingebrochen fei, zumal auch seit heute Morgen der zweite Director der Bank, Herr Hillessen, fehlte und nirgends gesehen worden war. Der Kassirer und der erste Buchhalter eilten in Herrn Hillessens Wohnung, um diesen herbeizuholen, und ein anderer Bankgehülfe machte bei der Polizei die Meldung von dem Selbstmorde des Bankdirectors Pohlmann. Aber der Kassirer und der erste Buchhalter kehrten unverrichteter Sache zurück, denn Herr Hillessen fuhr bereits mit einem Schnellzuge einem südfranzösischen Hafen zu, um sich dort nach Südamerika einzuschiffen. Die Polizeibeamten und der Polizeiarzt trafen aber binnen Kurzem ein und nahmen ein Protocoll über den Befund der Leiche Pohlmanns auf. Auch der Sohn desselben, der Referendar Ernst Pohlmann, hatte inzwischen Nachricht von dem entsetzlichen Vorgänge erhalten und war Herbetgeeilt. Wehklagend stürzte sich der bedauernswerthe junge Mann auf die blutige Leiche des Vaters, so daß alle Umstehenden von Mitleid und Entsetzen über das Unheil ergriffen wurden, welches das schreckliche Ende des Bankdirectors Pohlmann der Mitwelt offenbarte. Und dann brachte man die Leiche desselben fort, und Ernst Pohlmann, der wie geistesabwesend diesem Vorgänge zusah, wurde von einem mitleidigen Bankdtener nach Hause geleitet. • e » Am andern Tage hatte Ernst Pohlmann, Dank seiner edlen Charakter-Eigenschaften, einigermaßen seine Willenskraft wieder gewonnen und seinen ungeheuren Schmerz beherrschen gelernt. Er meldete durch eine Depesche der Mutter und Schwester, welche in Italien weilten, den Tod des Vaters und die Katastrophe, welche über die Central-Commerzbank hereingebrochen war, an und in einer zweiten Depesche erbat er sich von seiner Mutter die Erlaubniß. deren bedeutendes Vermögen neben demjenigen des Vaters den Gläubigern und Actionären der Bank anzubieten, um auf diese Weise jeden Verdacht zu beseitigen, als ob die Familie Pohlmann sich auf Kosten der Aktionäre der Central-Commerzbank bereichert hätte. Frau Pohlmann stimmte hochherzig der Bitte des Sohnes zu, da auch ihr mehr daran lag, etwas von dem Schandfleck zu tilgen, mit dem der unselige Gatte seinen und seiner Familie Namen belastet hatte, als mit dem Fluche der Betrogenen Reichthümer zu besitzen. Der Referendar Pohlmann machte auch alsbald dem Auf- sichtsrathe der Central-Commerzbank die Mitthsilung, daß nicht nur das Vermögen seines unglückseligen Vaters, sondern auch dasjenige seiner tiefgebeugten Mutter an die Concurs- mässe der Central-Commerzbank abgeliefert werden solle, um die Folgen des Fehler« des ehemaligen Bankdirectors Pohlmann ein wenig zu mildern. Natürlich wurde durch dieses Opfer die Lage der bankrotten Bank fast gar nicht gebessert, aber dieser opferwillige Schritt der Hinterbliebenen des Directors Pohlmann machte doch einen guten moralischen Eindruck auf alle betheiligten Kreise und auch in der öffentlichen Meinung der Hauptstadt. Nach nochmaliger gerichtlicher Untersuchung der Leiche des Bankdirectors Pohlmann wurde dieselbe auf Anordnung seines Sohnes in die bisher der Familie gehörige Villa gebracht und drei Tage später in früher Morgenstunde in aller Stille und in der einfachsten Weise beerdigt. Dem nur mit wenigen Kränzen geschmückten Sarge folgten als Leidtragende in einem verschlossenen Wagen Ernst Pohlmann nebst seiner tiefgebeugten Mutter und Schwester, die erst gestern Abend spät mit dem Schnellzuge au» Italien zurück- gekehrt waren, dann fuhr in einem Wagen allein ein Priester, ferner begleitete die bisherige Dienerschaft in der Pohlmann- schen Villa ihren ehemaligen Herrn auf dem letzten traurigen Wege und ganz zuletzt, in einem kleinen Abstande folgend, noch ein verschlossener Wagen, in welchem sehr bleich und ernst der Professor Galen als hochherziger Leidtragender saß. Galen grollte dem schuldbeladenen Tobten nicht, denn der edel und groß denkende Kunstgelehrte wußte, daß bereits lange vor seiner Verlobung mit Carola Pohlmann deren Vater sich einen verhängntßoollen Fehler hatte zu Schulden kommen lassen, der ihn seit dem Eintritt Hillessens in die Bankdirection zum willenlosen Werkzeuge dieses schurkischen Mannes gemacht hatte. Und nun hatte der Bankdirector seine Schuld schwer gebüßt und schwer lastete sie noch auf dessen Hinterbliebenen. Während der kurzen, aber ergreifenden Grabrede des würdigen Geistlichen und während des letzten Scheidegrußes an den Tobten stand Professor Galen einige Schritte seitwärts unter den übrigen Leidtragenden, denn er wünschte in dieser bitteren Stunde nicht, sich irgendwie den trauernden Hinterbliebenen besonders sichtbar zu machen. Aber als die Bestattung vorüber war und Ernst Pohl' mann neben seiner Mutter und Schwester den harrenden Wagen wieder bestiegen, sahen sie doch den Professor Galen, wie er nach seinem Wagen zuschritt und auf den Referendar machte diese Wahrnehmung einen solchen Eindruck, dMer an den Wagen des Freundes eilte, um diesem zugleich im Namen seiner Mutter und Schwester für die dem Tobten erwiesene letzte Ehre zu danken. 447 Für Frau Pohlmann und ihre Kinder wurde die Lage nach dem unfreiwilligen Tode des Familienoberhauptes doch in vieler Hinsicht recht peinlich. Die Abtretung ihres Vermögens an die Gläubiger und Actionäre der Eentral-Commerz- bank, refp. an die Concursmaffe des Bankinstituts hatte natürlich zur Folge, daß die schöne Pohlmann'sche Villa, in welcher die Familie seit länger als zwanzig Jahren gewohnt hatte, zur gerichtlichen Versteigerung kam und daß Frau Pohlmann angezeigt wurde, daß sie nebst ihren Kindern binnen sechs Wochen ihre Wohnung in der Villa zu räumen habe. In diese bittere Nothwendigkeit hatte sich die Familie allerdings längst refügt, aber als sie sich nun eine andere kleine und billige Wohnung suchte, stellte sich die fatale Lage heraus, daß für die vielen werthvollen Möbel, Betten, Küchengeschirr und die zahlreichen kostbaren Kunstgegenstände, welche der Familie geblieben, in keiner der in Aussicht genommenen Miethwohnungen Raum genug war, um sie einigermaßen zweckmäßig unterzubringen. Die Hälfte dieser Sachen zu verkaufen, was in solchen Fällen gleichbedeutend mit dem Verschleudern ist, dazu konnte sich Frau Pohlmann aber auch nicht so leicht entschließen, zumal vielleicht später ihre Kinder von den gediegenen Möbeln und Kunstsachen doch Gebrauch machen konnten. Ein anderer Ausweg, als für den größten Theil dieser Sachen einen Ladenraum zu mtethen, blieb aber nicht übrig, denn Frau Pohlmann war als Einkommen weiter nichts geblieben, als eine mäßige Jahresrente, welche der verstorbene Bankdirector bereits vor zehn Jahren durch Einzahlung einer Summe für den Fall seines frühzeitigen Ablebens seiner Frau bei einer Rentenanstalt versichert hatte. Und der Referendar Ernst Pohlmann besaß noch so gut wie kein eigenes Einkommen, da er noch keine entsprechende Anstellung hatte und noch sein zweites Staatsexamen machen mußte, um besoldeter Beamter zu werden. Der Selbstmord seiner Vaters, der Verlust des bedeutenden Vermögens und die doch unvermeidliche übele und gehässige Nachwirkung der ganzen Katastrophe auf seine gesellschaftliche Stellung und diejenige seiner Mutter und Schwester verleideten aber auch dem Referendar Pohlmann die fernere Verfolgung seiner bisherigen juristischen Laufbahn und den Aufenthalt in der Residenz. Er wollte nicht die besten Jahre seines Lebens unter den scheelen Augen und gehässigen Urtheilen schmähsüchtiger Menschen leiden, die ihn als Sohn des unglückseligen Bankdirectors Pohlmann entweder schon kannten oder doch erkennen würden. Wohl gab es auch manche verständigen und gerecht urtheilenden Herren und Damen, welche den jungen Pohlmann wegen de» verhängniß« vollen Unglücks nur bedauerten und geneigt waren, ihm moralische und gesellschaftliche Stütze zu bieten, falls er unter dem unseligen Ende seines Vaters zu leiden hatte. Aber solche Leute waren doch sicher die Minderheit der Beurtheiler der Pohlmann'schsn Familie, und schon der argwöhnische Gedanke, nicht mehr voll nach seinem Ehr- und Pflichtgefühl, seinen achtungswerthen Leistungen und Bestrebungen beurthellt zu werden, nahm dem jungen Referendar die Last und Liebe an dem gewählten richterlichen Berufe und verleidete ihm den ferneren Aufenthalt in der Hauptstadt. (Schluß folgt.) Zu scharfe Düngung der Erdbeeren. Erdbeeren beanspruchen bekanntlich recht kräftig gedüngtes Land, wenn sie gut gedeihen und viele schöne Früchte bringen sollen. Als großer Verehrer einer schönen, großfrüchtigen Erdbeere faßte ich den Plan, den freien Raum zwischen den Pyramiden in meinem Zwergobstgarten mit Erdbeeren zu bepflanzen. Zu diesem Zwecke bereitete ich das Land im Herbste vor, um im folgenden Frühjahre die Anpflanzung auszuführen. Ich fpatete mein Land recht tief um und brachte hierbei eine gehörige Lage Pferdemist unter. Rindviehmist stand mir leider nicht zur Verfügung; sonst hätte ich diesen für meinen Sandboden dem Pferdemiste vorgezogen. Um nun ein Uebriges zu thun, brachte ich im Winter noch reinen Abtritt auf das Land, wofür ja Erdbeeren sehr dankbar sind. Im zeitigen Frühjahre besorgte ich mir die Pflanzen und zwar von der Sorte König Albert, und dann ging es an das Pflanzen. Reichliches Gießen mit abgestandenem Waffer ließ denn auch meine Pflanzen recht schön anwachsen; hin und wieder wurde noch eine Jaucheguß verabfolgt, so daß sich dieselben recht kräftig entwickelten. An sorgfältigster Pflege meiner Lieblinge ließ ich es nicht fehlen. Jeden dritten Tag goß ich reichlich mit abgestandenem Wasser und jede Woche gab es einen kräftigen Düngerguß. Letzteren bereitete ich mir in folgender Weise: Ich füllte ein Faß ungefähr 2/3 mit Taubenmist und überschüttete denselben mit Jauche, bis das Faß nahezu angefüllt war. Diese Masse wurde tüchtig umgerührt und blieb dann mit einem Deckel zugedeckt so lange stehen, bis die Masse gehörig vergohren war, war nach Verlauf von etwa 6 Wochen der Fall war. Diesen so gewonnenen Extract verdünnte ich vor dem Gebrauche mit der zehnfachen Menge Waffer und begoß damit mehrere Erdbeerbeete durchdringend, jedoch n.ut am Abend oder am Tage bei bedecktem Himmel oder bei Regen. Die Erfolge, die ich durch diese Behandlungsweise erzielte, waren großartig. Die Pflanzen wuchsen üppig heran, blühten und trugen im Jahre der Anpflanzung schon reichlich. Es war ein herrlicher Anblick zwischen dem tiefschwarzgrünen Blattwerk die köstlichen, schön gerötheten Früchte hervorlugen zu sehen. Als bte Ausläufer sich zu zeigen begannen, richtete ich mein Haupt-Augenmerk auf deren pünktliche Beseitigung. Sobald sie eine Länge von etwa 10 cm erreicht hatten, wurden sie entfernt. Die Wirkung des zeitigen Wegnehmens derselben war eine augenfällige; die Pflanzen entwickelten sich überaus schön und waren von zweijährigen nicht mehr zu unterscheiden. Nun kam der Herbst. Ich gedachte meiner Lieblinge und wollte auch ihnen noch etwas kräftige Kost für den Winter verabreichen. Mein Taubenmist. Extract war alle geworden. Ich griff in Ermangelung deffen zu reinem Abtritt. Es war an einem schönen Regentage; der Regen fiel sinnig zur Erde, als ich mich an die Arbeit machte. Ich zog zwischen je zwei Reihen eine Furche und schüttete in diese den reinen Abtritt. Die Furche wurde daraus wieder zugescharrt und die Beete mit kurzem Pferdemist gedeckt. „Ihr werdet nicht verhungern," dachte ich bei mir, als die Arbeit beendet war. Zwei Tage später sah ich wieder nach. Was war das? Ein großer Theil Pflanzen ließ die Blätter hängen; sie waren matt geworden. An Feuchtigkeit fehlte es nicht, Entkräftigung konnte ebenfalls die Ursache nicht sein; es mußte also nur an der letzten Düngung die Schuld liegen. Ich untersuchte schleunigst einige Pflanzen und fand, daß ein Theil der Wurzeln durch den scharfen Dung gelitten hatte. Um zu retten, was noch zu retten war, griff ich zu den Gießkannen und verabreichte den Pflanzen eine gehörige Menge reinen Waffer». Zu meiner Freude bemerkte ich nach einigen Tagen schon, daß der weitaus größte Theil sich nach und nach erholte; nur einige wenige, denen der scharfe Dung doch schon zu sehr zugesetzt hatte, kränkelten weiter. Für die Folge werde ich mir diesen Fall zur Warnung dienen lassen und solch scharfen Dung nur verdünnt in Anwendung bringen. Ä s rneinnütziges. Zur Förderung einer einträgliche« Hühnerzucht. Auch im Herbst empfiehlt es sich, der Hühnerzucht einige Aufmerksamkeit zu schenken, damit man nicht nutzlos im Winter ältere Hühner durchfüttert und im Frühjahr nicht — 448 genug junge Hühner hat. Nach sorgfältigen Erfahrungen steigert sich die jährliche Eierproduction einer Henne bis einschließlich des dritten Lebensjahres, vom vierten Jahre aber an nimmt dagegen die Zahl der Eier ab. Man schlachte die Hennen also, bevor sie das vierte Lebensjahr erreichen und zwar entweder kurz vor Beginn der Mauser als Suppenhuhn oder bald nach vollendeter Mauser und nach einiger Mast als Brathuhn. Natürlich müssen die Thiere während und nach der Mauser sehr reichlich gefüttert werden. Hennen, welche vier Jahre und mehr alt sind, bringen als Leghühner nicht mehr die Futterkosten ein, jeder Hühnerzüchter schädigt sich also sehr, wenn er die alten Hühner nicht rechtzeitig abschafft. Für die abgehenden Hennen stellt man ebenso viele im letzten Frühjahr erbrütete junge Hennen ein; ist man auf Zukauf angewiesen, so besorge man denselben schon im Anfänge des Winters, nicht aber erst im folgenden Frühjahr, weil man dann mit den bei den Züchtern und Händlern zurückgebliebenen geringeren Thieren sich begnügen muß, während man Ende Herbst und Anfang Winter noch die schönste Auswahl an kräftigen jungen Hühnern hat- Man wähle solche Hennen aus, die von Frühbruten stammen; die im Sommer erbrüteten Hühner stehen hinter jenen stets erheblich zurück. ♦ * Eine neue Schuhart, welche ventilirt, aber dennoch wasserdicht ist. Unter dem Namen „Cellular- Schuhe" ist eine neue Schuhart erfunden, welche Luft durchläßt, also die Ausdünstung der Füße begünstigt, aber dennoch wasserdicht ist- Diese bemerkenswerthe Eigenschaft der neuen Schuhart erklärt sich nach einer Mittheilung der „Leipz. Jll. Schuhm.-Ztg." dadurch, daß die Luft sich, wie bei den gummifreien Regenmänteln, so in den feinen Maschen des Gewebes fängt, daß sie keine Feuchtigkeit durchläßt. Die Cellular-Schuhe sind nämlich mit einem seidenen oder baumwollenen Futter versehen, dessen Gewebe den Zellen der menschlichen Haut insofern gleicht, daß es Ausdünstung gestattet, aber nicht so leicht Luft zuläßt. Unter der Wölbung des Fußes befinden sich im Leder mehrere kleine Löcher, die für die Ventilation dienen. Nach dieser Beschreibung könnte man annehmen, als müßte durch diese Oeffnungen die Feuchtigkeit in den Schuh dringen. Dem ist aber nicht so; denn ein Cellular-Schuh, längere Zeit in's Wasser gehalten, bleibt im Innern völlig trocken. ♦ * Hüte aufznfrischert. Um einen weich gewordenen Hut wie neu herzusiellen, bestreicht man ihn auf einer Seite mit dünn aufgelöster Gelatine, läßt ihn etwas übertrocknen und glättet ihn dann mit einem nicht zu heißen Eisen. Es gelang uns auf diese Weise, einen schwarzen Hut in Roßhaargeflecht aufzufrischen. Beim Plätten legte ich ein Tuch zwischen Hut und Eisen, weil Roßhaar leicht sengt. Der Hut wurde wie neu und noch widerstandsfähiger als vorher. Zum Aufputz benütze ich einen graugelblichen Seidenschleier, den ich feucht plättete, um ihn steifer zu machen, und eine Rosarose, deren ein wenig verblaßter Farbe ich durch etwas stark verdünnte rothe Tinte nachhalf. Alle Rosablumen lassen sich mit ein paar Tropfen rother Tinte sehr gut auffrischen; mit Anilinfarbe, in jeder Droguenhandlung zu haben, kann man sogar eine schöne dunkelrothe Farbe erzielen. • * ♦ Eine Stempelfarbe, welche nicht zu rasch auf dem Karbekiffen trocknet, wird aus 16 Thellen einer beliebigen Anilinfarbe, 80 Theilen kochendem destillirten Wasser, 7 Thellen Glycerin und 3 Theilen Syrup bereitet. Das Anilin wird in heißem Wasser gelöst und unter Umrühren der übrigen Bestandtheile hinzugefügt. — Zahlreiche Vorschriften zur gewerbsmäßigen Herstellung von Tinten und Stempelfarben finden sich im 17. Band der chemisch-technischen Bibliothek von A. Hartleben, zu beziehen durch jede Buchhandlung. ♦ • Wie soll es in dem Taubenschlag ansfehen? Rein sei der Fußboden und rein von Taubenschmutz. Also hinaus mit dem Taubenmist, nütze ihn auf dem Composthaufen und bereite Deinen Tauben ihr Heim mit einem schönen trockenen Sandbett. Da finden sie Gelegenheit zum Baden und können sich vor Ungeziefer fchützen. — Ferner ist den Nestern besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dieselben befinden sich gewöhnlich in hölzernen Gestellen und sollen mit weichem Heu belegt sein. Man entferne allen Schmutz, und achte darauf, daß keine alten, faulen Eier oder Eierreste in denselben verbleiben. Falls Ungeziefer vorhanden ist, reinige man, so oft es ohne das Gehege zu gefährden möglich ist, und setze neues Heu in die Nester. Vermischtes. Gerechter Zweifel. Ihr Gegner ist verurtheilt, Ihnen die ganze Summe zu bezahlen, nur müssen Sie die Kosten tragen." - Klient: „Ja, hab' i denn nu eigentlich g'wonne oder verlöre?" * * * GroßMuth. Bettler: „Ich bitte um eine gütige Unterstützung; bin armer Reisender." — Kaufmann: „Habe heute bankerott gemacht, mein Freund, — indessen, Buchhalter, notieren Sie für ihn zehn Mark in) die Gläubiger mässe." ♦ ♦ * Kindermund. Der Lehrer erläutert den Kindern die Bedeutung und Anwendung von Sprichwörtern. So sollen Sprichwörter gefunden werden, die auf Kinder Anwendung haben, z. B. „Jung gewohnt, alt gethan", „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" u. f. f. Dann fragt der Lehrer, ob einer seiner kleinen Schüler vielleicht auch einen Spruch wisse, der auf ihn, den Lehrer, Bezug habe. Ein siebenjähriger Knirps hebt erfreut und siegesgewiß den Zeigefinger der rechten Hand und ruft keck: „Liebe Deine Feinde!" * • * Human. Frau: „Es bricht mir das Herz ab, wenn ich sehe, wie die armen Leute dort nichts ordentliches anzuziehen haben und so frieren müssen." — Mann: „Aber liebe Frau, bedenke doch, was die Leute an Wintergarderobe sparen I" ♦ ♦ Schnelle Bedienung. 1. Kommis: „Wo ist denn der Herr, der das Heftpflaster wollte?" — 2. Kommis: „Der ist wieder fortgegangen; seine Wunde ist inzwischen zugeheilt!" e Auf der Kunstversteigerung. Versteigerer: „Hier, meine Herrschaften, ein Meisterwerk des berühmten Malers Schmierinsky in Goldrahmen I" — Kunstfreund: „Drei Mark biete ich!" — Versteigerer: „Drei Mark . . ., aber ich bitte Sie, liebster Herr, soviel ist ja allein — das Bild werth!" ♦ * Erklärt. „Das ist aber doch eigentlich nur ein sehr geringes Gefolge bei dem Leichenbegängniß des Sanitätsraths D.!" — „Sehr natürlich. Seine Patienten sind ihm eben alle vorangegangen!" * ♦ * Dumme Frage. Frau: „Hast Du mir etwas mitgebracht?" - Mann: „Ach was - Du siehst doch, daß ich von der Jagd komme!" ♦ ♦ ♦ Mit Recht. Doctor Schnäbler hat eine Millionärin geheirathet. — Nun, er ist ja practischer Arzt. * * ♦ Schade. Professor (einen lebensgefährlich steilen Seu» abhang hinuntersausend): „Und gerade heute muß ich meinen Geschwindigkeitsmesser zu Hause gelassen haben!" Redaction; A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Vi^cn.