Der junge Wald zum Licht empor! Die Aus Der Und einst der grimme Winter schuf. — grauen Nebelschleiern tauchen Sonne Strahlen warm hervor, sehnend schaut aus Knospenaugen Zumal soll dieses Hoffen künden Uns heut' der heil'ge Ostertag, Da nun im ersten Grün zu finden So Berg wie Thal und Flur und Hag. Ein neues Werden, neues Leben — Dies predigt uns sein Angesicht, Wie geht darum ein frohes Leben Jetzt durch die Welt im Osterlicht! Aufs Neue tönt rings in den Landen Des Frühlings heller Heroldsruf — Es ist befreit Natur von Banden, Und wieder zieht in tausend HerM Ein frisches Hoffen sieghaft ein — Vorbei, vorbei die alten Schmerzen, Vorbei des Winters Leid und Pein. — Es wird der neue Lenz uns bringen Gewißlich auch ein neues Glück, Er wird in seinem Weh'n und Klingen Eihellen uns gewiß den Blick! So zieh' denn wieder ein hinieden, Du Ostermorgen, hehr und schön, Und breite deinen milden Frieden Weithin wohl über Thal und Höh'n- — O, mache alle Herzen offen In dieser Frühlingsherrlichkeit; Erweck' in ihnen frohes Hoffen, Das Ahnen einer befl'ren Zeit! B Neuendorf. (Fortsetzung.) Roman blickte finster auf seine Mutter herab; eine bittere Empfindung stieg in ihm auf, aber er beherrschte sich, denn die heiße Liebe zu Jadwiga und sein volles, überquellendes Herz drängten ihn dazu, so schnell wie möglich Hülse und Bei» stand für sie zu schaffen. „Matuschka!" rief er glühend. „Ich werde hingehen und Jadwiga suchen. Und wenn ich sie gefunden, dann wollen wir ihr zeigen, wo ihr Platz ist, an unserer Sette und nirgends anders. Der Edelhof von Lygot'a soll fortan ihre Heimath werden, wo sie geborgen ist und geehrt wird, wenn auch die ganze Welt sie mit Spott und Schande überhäuft!" „Jesus, Roman, wie tragisch! Du machst ein Aufhebens von der Sache, die sie wirklich nicht werth ist. Der Pavel hat Dir gewiß Alles in schaurigen Farben ausgemalt, der alte Narr. Und von dem Mädchen ist es auch recht einfältig, gleich den Kopf zu verlieren und davon zu laufen. Nun, sie wird morgen schon wieder kommen, denn sie kann mich doch jetzt nicht im Stich lasten, wo ich das Haus voll Gäste habe. Nein, so schlecht und undankbar ist sie nicht!" „Wenn sie aber nicht nach Lygotta zurückkehrt, Mama — was dann?" brauste er auf. „Wenn sie in ihrer Verzweiflung irgend eine Thorheit begeht? Du weißt doch, Jadwiga ist eine weiche und kindliche Natur, aber voll von mädchenhaftem Stolz und Selbstgefühl. Sie ist öffentlich beschimpft worden, ihr Zartgefühl muß tödtlich verletzt sein! Wer weiß, ob sie es überwinden kann! — Ach, Matuschka, warum hast Du ihr nicht schon früher das Geheimniß, das über ihrer Herkunft schwebt, mitgetheilt, dann hättest Du ihr bestimmt die heutigen schrecklichen Scenen und alle unverdienten Kränkungen erspart!" „Aber da muß ich doch bitten, Roman, menagire Dich ein wenig!" Frau von Bielmrka richtete sich ärgerlich in die Höhe. „Ich glaube fast, Du willst mich dafür verantwortlich machen, daß man der Jadwiga die Schranken wies — das wäre schön! Warum drängt sie sich unter den Baldachin, wo sie nicht hingehört ? Und wenn sie nachher, wie die Leute sagen, querfeldein gelaufen ist, so ist es ihre Schuld. Es hat sie Niemand gejagt und cs ist bodenlos dumm, einen Ort zu verlosten, an dem es Einem gut geht, und nach einem andern zu laufen, wo man es viel schlechter haben kann. Und ich arme Die Wallfahrt nach Czenstochau Roman von Johanna Berger. - " - Nr. 35 1894 Anterhaltnngsblatt $um Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger) Sonntag, den 25. März 138 — düsterer Entschlossenheit lag darauf. „Mama," sagte er end- [ich, „ich werde meine höchste Ehre darin suchen, Dir irdes Opfer, da» Du mir gebracht, zu vergüten und ich will alle Kraft meines Leben einsetzen, um Deine Liebe und Treue zu vergelten und Dein Alter sorgenfrei und freundlich zu gestatten. c»ch werde mein Versprechen halten, so wahr ich an Gott glaube Doch von Jadwiga kannst Du mich nicht mehr trennen, ebenso wie kein Anderer es. kann. Was mir von außen an Tadel und Schmähungen darüber wird, werde «h überwinde« und durch verdoppelte Thätigkeit auch unsere materiellen Sorgen verringern. Meine Standesehre verletze ich durch eine Leirath mit Jadwiga nicht, denn ste ist rein und tugendhaft wie eine Heilige. Darum ist es jetzt auch meine Pflicht, da, junge Mädchen, welches bis heute unter unserer Obhut stand, vor jeder Beschimpfung zu schützen und ihr die «eimath zu i geben, derer sie würdig ist!" r, , I Die Edelfrau sprang heftig empor, sie bebte vor Zorn. „Nein, nein," rief sie außer sich, »tausendmal nein! Ich will nicht und Du mußt gehorchen! Du hast Pflichten gegen mich zu erfüllen, Roman, wage es, sie zu umgehen! Es sind heilige, von Gott selbst eingesetzte Sohnespflichten! Unsere Verhältntffe erfordern es, daß Du eine reiche Erbin wählst und nicht em arme« Mädchen. Der Graf Kwilecki wird Dir mit Freude« seine Tochter Spiridia zur Gattin geben. Sie ist das reichste Edelsräulein in ganz Polen und Deine Standesgenoflen werden Dich um diese glänzende Partie beneiden! Du darfst nur I die Hand nach dem kostbaren Kleinod ausstrecken, so ist er I Dein, ich weiß es gewiß!" Roman richtete sich langsam empor und starrte wie geister- °Frau von Bielinrka rührte sich nicht. Wie in starrem I Entsetzen blickte sie mit großen, weit auf^risienen Augen ihrem Sohne in das hübsche, erregte Gesicht. Aber dann riß sie mit einem schnellen Ruck ihre Hände aus den seinen und stieß ihn heftig von sich fort. Das unerwartete Geständniß hatte die träge Frau plötzlich aus ihrer Apathie gerüttelt- Sie verfiel in ein leidenschaftliches Weinen und Schluchzen und brach dann in zornige Worte aus, in harte Anklagen und Verwünschungen. I „Roman, Roman," schrie sie laut. »Bist Du von Sinnen, I Du beleidigst mich aus den Tod! Das wagst Du mir zu g - stehen, das willst Du mir anthun? O, die Schande, die Schmach!" — Dann lachte sie nervös. — „Es ist rem zum I Verrücktwerden, mein Roman liebt eine Betteldirne I Habe ich I dies wohl um Dich verdient? O Jesus, o Maria, erbarme I Dich meiner!" — Sie schlug schmerzvoll die Hände über ihrem Kopfe zusammen und stöhnte. — „Ach, Roman, ich habe auf der ganzen Erdenwelt nichts Besieres und Lieberes als Dich, Du bist mein Stolz, meine Hoffnung, und nun muß ich das an Dir erleben. Kannst Du, der einzige Sohn, der Erbe eines alten, angesehenen Namens, Allem Hohn sprechen, was in unserem Lande Sitte und Ehre ist? Wenn Du müßtest, was ich früher um Dich gelitten und wie geduldig ich alle Qualen ertrug um Deinetwillen! Ach, ich hoffte, Du würdest mich einstmals Herzeleid und Sorgen vergeffen machen — ich habe sogar meinen Gatten sterben sehen ohne Thränen, denn alle meine Liebe und Zärtlichkeit gehörte nur Dir allein. Und Dich einst glücklich zu sehen, reich und in glänzenden Verhält. Nissen, das war mein Traum, meine Hoffnung, — Da, Du lohnst mir schlecht dafür! Zum Gespött der Leute willst Du Dich und mich machen, zu Grunde willst Du uns richten! Veraißt Du ganz unsere kritische pecuniäre Lage oder hat Dich hundert Rubel, die uns Schmul hergegeben hat, es ist nichts weiter von ihm zu erwarten. Die Reoenüsn des Gutes sind kümmerlich, ich frage Dich, Roman, was soll werden? - Ich denke, Du mußt Dir selbst sagen, daß Dein Vorhaben mehr wie Wahnsinn, daß es sündhaft ist!" m Roman hatte schweigend zugehört, er gab keinen Laut von sich, keine Muskel zuckte in seinem Gesicht, aber ein Zug von „Ich möchte Dich gern glücklich sehen, mein lieber Sohn fuhr schmeichelnd die Pani Casimira fort, indem sie liebko end seine Wangen strich. „Thu> mir's zu Liebe, erfülle meine* Wunsch, halte um Comteffe Spiridia an, Du wirst keinen Korb bekommen- Ach, Roman, Du mußt Deine alte, arme Mr- tuschka nicht zur Verzweiflung bringen, ihr nicht mit Deine* Thorheiten das Herz brechen, ich habe Dich ia so lieb, so un- endlich lieb!" — Und nun schlang sie, in Thränen ausbrechend, beide Arme um seinen Hals und schluchzte unter Küssen: „Ach, Du, Du, mein Kind, mein Romanek, beweise [Stzt Deine Liebe und Ehrfurcht gegen mich, heirathe Spiridia und mache uns Beide glücklich! Roman, ich bitte Dich, — Roman, hörst Du, id) "Der JÄbetttuxnn drängte sanft die weinende Frau von sich fort und auf das Ruhebett zurück. »Du verlangst U*- mögliches von mit," sagte er dumpf, „da Dir gewöhnttch in allen Stücken nachgebe, so möchtest Du, daß ich Dir wie ein Sclave gehorche. Aber was diese Sache betrifft, werde ich handeln, wie es mir gefällt. Ich lasse michnicht verkaufen, verstehst Du mich?" Er wandte sich unwillig von ihr ab, nahm seine Mütze und ging ohne Gruß zur Thür. „Das soll also heißen: Du willst die Comteffe nicht, schrie Frau von Bielinska gellend auf. „Ach, Du schlechter Sohn, so lohnst Du mir!" — Und nun fing sie meder