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Die Matrosen hätten Alles versucht, Beide in das Boot zu bringen, aber die hochaufschäumenden Wogen hätten sie daran verhindert. Da habe die Frau mit einem Schrei der Verzweiflung das Kind in die ausgestreckten Arme der Leute geworfen und fei selbst mit dem Wrack untergegangen. Durch den Tod der Negerin, welche die Begleiterin des Kindes gewesen, war jede Ausklärung über die Herkunft des Kindes verloren. Jener Mann hatte die Kleine zu einem Matrosen in die Wohnung gebracht. Am nächsten Morgen war sie mit dessen Frau an den Strand gegangen, hatte sich unbemerkt von derselben entfernt und war endlich in unser Zimmer gerathen. Meine Mutter fand in dem Allen eine Fügung des Himmels. Die Vorsehung, sagte sie, habe ihr diese kleine Heimath« lose zum Trost sür ihr einsames Herz geschickt; und da Niemand sich meldete, der Ansprüche an das Kind machte, beschloß sie, es zu behalten. Den Matrosen entließ sie reich beschenkt. — Aus Pflichtgefühl ließ sie auch keinen Schritt unversucht, die Herkunft des Kindes zu ermitteln, aber ohne Erfolg. Wochen und Monate vergingen, ohne daß Jemand gekommen wäre, Ansprüche an das Kind zu erheben, und bald war „Theodors Liebling" unser Aller Liebling. Sie gewöhnte sich auch schnell daran, auf den Namen Edith zu hören, den meine Mutter ihr gegeben hatte. * 6 Die Zeit verstrich. Ich zählte siebzehn Jahre und war glücklich — im wahren Sinne des Wortes, denn Guido, mein Jugendgespiele, mein stets treuer Gefährte, war mein Bräutigam. Daß es kein Traum, daß es Wirklichkeit, süße, köstliche Wirklichkeit war, das bezeugte der Ring an meiner linken Hand; und er, der Geliebte, war mein erster Gast zu meinem ersten Ball! In sroher Erregung eilte ich dis Treppen hinunter ihm entgegen — in der nächsten Minute umschlangen mich seine Arme. „Meine Geliebte!" rief er mit seinem gewohnten Ungestüm aus. „Wie schön meine Königin heute Abend aussieht!" „Schelte mich, Guido, wann Du willst," flüsterte ich und verbarg mein Gesicht an seiner Brust, „aber nicht solche Schmeichelreden von Deinen Lippen." „Meinst Du, ich könnte Dir schmeicheln, mein Herz? Der Himmel weiß, daß Du mir das Theuerste auf Erden bist. O, meine Geliebte, daß wir auch nur auf kurze Zeit von einander scheiden müssen!" „Scheiden?" wiederholte ich erschrocken. „Wie soll ich das verstehen? Wohin willst Du reisen?" „Nach Indien, Madeleine. Mein Chef wünscht dringend, daß ich aus ein Jahr hinübergehe, um mich mit den dortigen Geschäften vollständig vertraut zu machen." Ein heftiger Schmerz durchzuckt mich und ich fühlte, wie mir alle Farbe aus dem Gesicht wich. „Schau' nicht so unglücklich drein, Geliebte," fuhr Guido in zärtlichem Tone fort, „ein Jahr ist ja schnell vorüber." „Aber Guido, Du zerdrückst ja Madeleinens Kleid," erklang da Ediths Stimme, „steh', hier liegt die Rose, die ihr Mama gab, mit abgebrochenem Stengel auf der Erde. Wie garstig von Dir, die schönen Blumen so zu verderben." Das rosige Gesicht Ediths zog sich in finstere Falten und eine kleine Hand hob die zerdrückte Blüthe vom Boden auf. „O, Edith, Du kleines Prinzeßchen, laß Dich einmal anschauen," sagt Guido, hob sie in die Höhe, hielt sie unter den Kronleuchter und gab ihr einen herzhaften Kuß. „Laß mich los!" sträubte sich die Kleine. „Du zerdrückst mein weißes Kleid und Mama hat mir erlaubt, durch die Thüre zu gucken, wenn die Gäste kommen." „Dann mußt Du Dich beeilen," sprach Guido, „ich höre schon die Wagen vorfahren. Fort mit Dir, Du kleine, braunhaarige Elfe!" Noch wenig kurze, glückliche Wochen und die gefürchtete Stunde des Abschieds war da. Von den matten Strahlen des Mondes beschienen, stand ich mit dem Geliebten am Fenster und gab mich, den Kopf an Guidos Schulter gelehnt, ganz dem Schmerze der Trennung hin, während er, kaum minder bewegt als ich, mich mit glühenden Küssen bedeckte. „Mein Schatz! Meine Geliebte! Nie hätte ich gedacht, daß mir der Abschied von Dir so schwer werden würde!" flüsterte er mit fliegendem Athem. „Ich kann nicht von Dir gehen — ich kann Dich nicht verlassen- Nichts auf Erden soll uns trennen — ich bleibe zu Haus I" „Nein, Guido," sprach ich, mich ermannend und meine Thränen trocknend, „nicht meinetwegen sollst Du Deinen Pflichten untreu werden; die Thränen eines schwachen Mädchens sollen Dir auf Deinem Lebensweg nicht hinderlich sein. Hier, Geliebter, ist ein kleines Geschenk; willst Du es manchmal betrachten, wenn Du fern von mir bist?" Mit diesen Worten reichte ich ihm ein goldenes Medaillon mit meinem Bilde. „Tausend Dank," erwiderte er, das Porträt mit zärtlichem Blicke betrachtend; „mit diesem lieben Gesicht vor mir kann ich Dir im Geiste doppelt lebhaft meinen Morgen- und meinen Abendgruß sevden." „Lena," erscholl da Ediths Stimme, „ich bin müde; komm' und bringe mich zu Bett." „Jetzt hat Lena keine Zeit für Dich," antwortete Guido, indem er mich festhielt; „laß Dich heute von Annette zu Bett bringen." „Nein, das mag ich nicht," trotzte das verwöhnte Kind, „Lena soll mit mir kommen." „Sei artig, Edith," sprach Guido, indem er sie an der Hand nahm, um sie aus dem Zimmer zu führen. Als sie sich aber gegen diesen Gewaltact wehren wollte, nahm er sie in seine starken Arme, und über ihr Sträuben und ihre heftigen Ausrufe lachend, trug er sie hinaus. „Das werde ich Mama sagen!" rief sie. „Ich habe Dich auch gar nicht mehr lieb!" Eine Stunde später riß -ich mich gewaltsam aus den Armen des Geliebten — ein letzter Kuß, ein letzter Blick — und ich war allein. Erst als seine Schritte auf dem Kiesweg widerhallten, als ich ihn durch den vom Monde hellbeschienenen Garten eilen sah, erst da brach der Sturm meines Kummers los. « * ♦ Es war fast ein Jahr, nachdem Guido von uns geschieden, und meine Mutter wurde ausfallend schwächer. Eines Abends, als sie schwer athmend auf ihrem Lager ruhte, rief sie mich zu sich und sagte zu mir: „Bevor das Jahr zu Ende geht, wird Guido zurückkehren und Dich als Gattin heimsühren. Dich erwartet eine glückliche Zukunft, aber was wird aus der kleinen Edith werden, wenn mich der Tod abruft?" „Sei unbesorgt, Mutter," beruhigte ich sie, „Du weißt, mit welcher Liebe ich an dem Kinde hänge; ich könnte nicht glücklich sein, ohne sie geborgen zu wissen." „Du kannst Guido ihre Erziehung nicht aufbürben," sagte die Kranke sinnend, „es wäre wohl das Beste, sie in Pension zu geben und zur Erzieherin ausbilben zu lassen." „O, Mutter, alles Andere lieber als das!" rief ich lebhaft. „Nein, nein; laß Dich das nicht beunruhigen, es soll schon für sie gesorgt werden." „Bedenke wohl, liebe Madeleine, Du selbst besitzest nur das kleine Erbtheil Deiner Mutter," wandte sie ein. „So mache Dir doch keine unnützen Sorgen, liebste Mutter," tröstete ich sie; „vertraue mir, so lange ich sie davor zu schützen vermag, soll Edith nie erfahren, was Armuth heißt." Wenige Tage später, als sie, die stets wie eine wahre - 5M1 - Mutter zu mir gewesen, für immer die müden Augen schloß, Z So strichen die ^akre rubia dabin s=hitf> mil*s -i* ÄT?Ä? Ä ;tr u r I t Die letzten Jahre hatten mir Angst und Sorge nicht er- Die Verhältnisse zwangen uns, das Haus, welches wir I spart. Ich hörte nur noch selten von Guido und das raubte SV6 Tode bewohnt hatten, zu verlassen. Herr I mir auch den Muth, ihm öfter zu schreiben. Seine Eltern von Berry, der mich schon ganz als seine Tochter betrachtete, j waren beide tobt und ich das einzige Band — wenn ich es ?? ™ö$ten ru ihm ziehen, aber aus verschiedenen | so nennen kann, - welches ihn noch an die Heimath knüpfte. Gründen zog ich vor, fein hochherziges Anerbieten dankend | Ich versuchte alle meine Gedanken auf meine kleine Häns- abzulehnen und mit Edith eine zwar bescheidene, aber darum I lichtest zu concentriren und nicht an das zu denken, was mir nicht minder nette, behagliche Wohnung zu beziehen. fast das Herz brach, - ich suchte mir einzureden, Krankheit Guido schrieb noch oft, aber nicht mehr mit der früheren I obet die beabsichtigte Heimkehr hindere ihn am Schreiben, Regelmäßigkeit und zwar — wie er zu seiner Entschuldigung aber umsonst I Der Gedanke an seine Untreue wollte mich nicht meinte, — weil er sich nie lange an einem Orte aufhielt und | verlassen. geschäftlich sehr in Anspruch genommen war. I Einer Nachmittags, ungefähr vier Wochen, nachdem Edith Als Antwort auf die traurige Nachricht vom Tode meiner gegangen war, machte ich einen Spaziergang über Mutter und unserer veränderten Verhältnisse erhielt ich einen ?, duftenden Wiesen. Es verlangte mich darnach, allein zu langen Brief voll zärtlicher Trostesworte von ihm und weiter ^in und meinem schweren Herzen durch Thränen Luft zu schrieb er: „Komm' herüber zu mir nach Indien, Lena, es I m , hat sich mir hier geschäftlich ein so reiches Feld eröffnet, daß I , ®6en wollte ich einen schmalen Fußpfad einschlrgen, als vorläufig an meine Heimkehr nicht zu denken ist. Soll ich so I « *4 Q“J dem weichen Rasen nicht hatte kommen lange warten, ehe ich Dich als meine Gattin heimsühren I J® scharf um die Ecke bog, daß ich, heftig kann? Lena, Du weißt nicht, wie ich mich darnach sehne, die | rurückprallend, einen Ausruf des Schreckens nicht unterdrücken geliebte Hand, die ich vor nun zwei Jahren zum letzten Male I tonnt~ , m an die Lippen drückte, wieder in der meinen zu halten! — I «u Wagen; der darinsitzende Herr sprang In Kalkutta geht es sehr heiter her. Die englischen Offiziers- ft“8 ,u?b ^4 besorgt, ob ich verletzt sei. Ich bekamen sind in der Gesellschaft tonangebend. Jetzt macht eine ?T,0te 9” ’S* der Versicherung, daß ich ganz unversehrt, nur junge, schöne und sehr reiche Erbin, Ethelind Valneigh, großes N'Z erschrocken sei; in demselben Moment aber brachen die Aufsehen. Sie ist erst vor Kurzem von Bengalen gekommen S“e“ !ben ganzen Tag Über nur mit und ihr Bruder, ein liebenswürdiger junger Mann, drängt, I ^ü^e jurüilgebrängt hatte. * daß ich mich ihr vorstellen laffe. Heute Abend werde ichZsie I k Schweigend betrachtete der Fremde mich eine Minute, auf dem Ball der Gesandtschaft kennen lernen." bann bat er, auf den Wagen deutend, um die Erlaubniß, mich -- WGU-E ZMMZZM K mein Herz sich darnach sehnte, seinem Rufe zu so erschüttert, daß ich seinen Vorschlag dankend annahm. SaIL38 9etn' ?eLL.aussprAich gern wäre ich zu ihm Schüchtern blickte ich zu ihm auf Dieses Gesicht hatte gegangen, wenn mein Pflichtgefühl e« mit gestattet hätte! | ich doch schon gesehen! Diese Züge kamen mir bekannt vor. Sjt