„Ihr wollt, daß ich Euch Karten lege?" wandte sie sich schreiend an die beiden Herren. „Nein, Pfeiferin, wir kommen von Amtswegen," unter* brach sie der Detectiv in strengem Ton. „So — von Amtswegen!" spottete das Weib, ohne sich von ihrem Platze zu rühren. „Bei mir gibts nichts zu suchen — macht nur, daß Ihr fortkommt und laßt mich in Ruh'." „Nicht darum sind wir gekommen, Alte. Ich will Euch nur was fragen. Wer war das Weib, welches am 27. Mai hier bei Euch in diesem Zimmer gestorben ist?" fragte der Detectiv. „Woher soll ich das wtffen?" brummte sie verdrießlich. „Und was geht es Euch weiter an? Todt ist sie! Basta! Werdet sie ja nicht wieder lebendig machen, Ihr gescheidten Herren — und ich hab' sie nicht umgebracht!" schrie sie crtcßt» „Könnt Ihr Euch nicht erinnern, Pfeiferin," forschte Kilian weiter, ohne sich durch das Geschrei des Weibes ein- schüchtern zu lassen, „könnt Ihr Euch nicht jener Nacht erinnern, in der das Weib starb?" „Nein, meiner Seel', ich halt' meinen Tag —" Ueber ihr Gesicht verbreitete sich etwas wie Lächeln. „Hm, den habt Ihr ja immer, Euren Tag," meinte der Detectiv gemüthlich, indem er einen Blick auf die Flasche warf. „He? Und wenn?" kreischte das Weib erbost. „Und wenn? Euch geht's doch nichts an, Ihr zahlt's ja nicht!" Und sie brach in ein wüstes Lachen aus, daß sie Doctor Mark erschüttert ansah. „Dieses Weib ist wahnsinnig, bei Gott," dachte er schaudernd. Kilian zuckte gleichmüthig die Achseln. „In der Nacht, in welcher die „Königin" gestorben ist," sagte er mit ruhiger Bestimmtheit, „war ein Herr bei ihr. Jst'S nicht so?" „Ja, ja — sie hat's erzählt. Aber ich weiß nichts. Fraget mich nicht. Ich hatte meinen Tag." „Wer hat's erzählt - die Königin?" „Nein — zum Kuckuck — die Sali. Die Königin hat sie nach dem Herrn geschickt." „So — hm — hat sie keinen Brief geschrieben? Denkt nach, Pfeiferin!" Das Weib starrte vor sich hin. „Ha," schrie sie, „ja, sie hat geschrieben. Die Sali hat mir das Papier aus der Schublade gestohlen, während ich dalag und meinen Tag chatte. Gestohlen, mich bestohlen, die Undankbare!" Citronat so gibt ten Auf. t u. dgl. beliebte acht man »rin noch st. Dann >chen, die sie in die eingekocht iese selbst wrhanden ttern, so >a sie die itgabe zu 30 Nüsse, dann nur eckt, oder ä kochende I gegeben, »gen wird ht, etwas Aitterchaltnngsblati- 51111t Gießener» Anzeiger (General-Anzeiger) 1894 Dienstag, den 24. Juli. Das Geheimniß der Droschke. Von F. Hume. »twerbung Mädchen begibt er jl gestopft ch wieder, rrtelstunde 10 ist dar Dort, um aten, der Höhlenftx itet man >n Spatz: verfährt Kamerad, die reiche Nee; hat war für Berliner rn. Der Da die ) gingen ;nb Fern heil ver- htigung: i Rechts- ttigt." Köchin): t nichts: Paar 1" (Fortsetzung.) Der Zuruf Kilians verfehlte seine Wirkung nicht, denn Doctor Mark hörte, wie ein Zündhölzchen an der Wand ge- rieben wurde und sah bald darauf, wie ein Mädchen die Lampe anzündete. Dabei drückte sie sich scheu in die Ecke und blickte den Detectiv, den sie wohl von früheren Besuchen kennen mochte, mit feindseligen Augen an. „Wo ist die Pfeiferin, Du?" fuhr sie dieser an. „Dort," gab sie mürrisch zurück, indem sie den verwahrlosten Kopf mit dem schwarzen, aufgelösten Haar in einer ge- wissen Richtung wandte- „Aber heute kriegen Sie aus der nichts heraus — die hat ihren Tag." Sie lachte dabei eigenthümlich und zeigte zwei Reihen spitzer Zähne. „Ach was," knurrte er, „führe mich zu ihr. Werden schon sehen." Nun ging es wieder durch einen langen Gang, dann eine Treppe hinab, durch einen schmalen, mit allerlei Gerümpel angefüllten Hof, endlich wieder eine steile Steintreppe empor bis zu einer Thür, wo das Mädchen stehen blieb und einen schrillen Pfiff ertönen ließ. Nach einer Weile öffnete sie und alle drei traten in ein kleines, niedriges Zimmer, das vielleicht vor Jahrzehnten weiß getüncht gewesen war. Die Wände starrten von Schmutz und Feuchtigkeit; der Plafond war bedeckt mit einer Unmenge von verstaubten Spinnengeweben, von denen lange Fäden herabhingen. In der Mitte des Zimmers stand ein Tisch und davor ein grauhaariges Weib, damit beschäftigt, Spielkarten vor sich auszubreiten. Sie hatte etwas Raub« vogelartiges an sich, das noch verschärft wurde dadurch, daß die Nase aus einem kleinen runzeligen, zusammengeschrumpften Gesicht hervorstach und die Augen einen grünlichen, phos- phorercirenden Schimmer besaßen und einen scharfen, stechenden Blick. Auf einem Sessel stand eine Flasche und daneben lag ein Trinkglas mit abgebrochenein Fuß. Eine kleine Petroleumlampe verbreitete in dem dumpfen Raume spärliches Licht. „Was wollt Ihr?" fuhr die Pfeiferin auf, als sie der Fremden gewahr wurde. „Dich wegführen," sagte das Mädchen höhnisch; aber es verschwand sogleich, da die Alte Miene machte, ihm die Flasche an den Kopf zu werfen. - 338 - Der Detectiv wechselte mit Doctor Mark einen bedeutungsvollen Blick. »Ihr habt den Herrn nicht gesehen?" fragte er ruhig weiter. „Nein — ich hatte ja meinen Tag. Er ist um halb zwei Uhr bei der Nacht hier gewesen und da schläft schon jeder an» ständige Mensch," schloß sie mit einem höhnischen Aufleuchten ihrer grünen Augen. „Halb zwei! Die Zeit stimmt," flüsterte Mark dem Detectiv zu. „Ist das auch wahr?" forschte dieser mißtrauisch. Die Alte lachte in eigenthümlicher Weise. „Ihr kennt mich nicht," sagte sie, „Ihr kennt die Pfeiferin nicht. Die lügt nicht — haha — die lügt nicht, nie — auch wenn sie ihren Tag hat. Und — zum Kuckuck, wenn Ihr der Pfeiferin nicht glaubt, so fragt doch die Sali, meine Enkelin," schloß sie heftig. „Wo ist die?" „Durchgegangen ist sie — ihrer alten Großmutter durchgegangen, die Undankbare — hat mich allein gelaffen." Während sie schluchzte, raunte Kilian dem Advocaten zu: „Die Sali müssen wir ausfindig machen. Das ist die Einzige, welche bezeugen kann, daß Jvanyi um die kritische Zeit hier war." „Wenn wir sie nur finden," seufzte Doctor Mark. Als sie sich zum Gehen anschickten, reichte Doctor Mark der Pfeiferin einige Silbermünzen, welche sie hastig in ein Tuch band und in ihrem Kleide versteckte. Sie befand sich offenbar infolge des unerwarteten Geschenks in guter Laune und geleitete die Herren mit ihrer Lampe bis zur Hausthür- Auf der Straße angekommen, athmete der Advocat tief auf. „Unsere Zeit war nicht verloren," bemerkte der Detectiv. „Wir wissen nun bestimmt, daß Herr von Jvanyi hier gewesen ist und dies wird ihn retten —" „Vorausgesetzt, daß wir diese Sali finden," antwortete Doctor Mark unmuthig, — „aber gehen wir rasch bis zum nächsten Standplatz. Ich muß nach Hause fahren, um die Kleider zu wechseln. Sie sind voll von den Gerüchen, welche wir einathmen mußten — und dann nehmen wir eine kleine Stärkung, Herr Kilian, mir ist ganz übel geworden von diefer Entdeckungsreise." XV. Peter Kilian begann seine schwierige Arbeit. Im Laufe des folgenden Tages suchte er noch einmal die alte Pfeiferin auf, dann veranlaßte er Alles, was in seiner Macht stand, um die Auffindung der Sali Pfeifer zu ermöglichen. Aber als er am Abend im Bureau Doctor Marks erschien, zeigte sein Gesicht nichts weniger als eine zufriedene Miene. Er war mürrisch und ärgerlich. „Haben Sie's heraus?" fragte der Advocat, noch ehe der Detectiv Zeit gefunden, mit seinen Mittheilungen zu beginnen- „Wo befindet sich diese Sali?" „Das möchte ich selbst gern wissen," brummte Kiltän verdrießlich. „In Wien ist sie nicht, das ist sicher. Eine Spur hat nach Pest gelenkt, wo sie einen Dienst für sich suchen wollte. Ich habe depeschirt, dann telephonirt — aber ich be- kam zur Antwort, daß eine Rosalia Pfeifer polizeilich dort nicht gemeldet sei. Ich versuchte er dann mit der Angabe des Spitznamens dieses Mädchens — sie heißt „rothe Sali", — aber auch unter dieser Bezeichnung ist sie weder der Behörde noch irgend wem aus dem dortigen Detectiv-Corps bekannt." „Hm," meinte der Advocat nachdenkend, „vielleicht hat sie einen anderen Namen angenommen." „Dasselbe denke ich auch," fiel Kilian ein. „Sie wird wohl fürchten, zu ihrer verrückten Großmutter zurückgeschickt zu werden, wenn man sie aufgreist. Und die hat ihr gerade keine zärtliche Behandlung zu Theil werden lassen." „Was können wir also thun? Dieses Mädchen darf uns nicht das Spiel verderben." „Weitersuchen," sagte der Detectiv trocken. „Hm — za," brummte Mark gedehnt. „Wann hat sie Wien verlassen, wissen Me das, Herr Kilian?" „Gewiß, am 28. Mai; gleich nachdem die Königin gestorben war." „Hat sie nichts Bemerkenswerthes an sich, außer ihren rothen Haaren? Ist sie hübsch?" „Geschmacksache — sie ist sehr unwissend. Sie kann weder schreiben noch lesen." Es entstand eine Pause, während welcher die Beiden nachdenklich den Rauch ihrer Cigarren vor sich hinbliesen. „Meinen Sie nicht, daß es gut wäre, Sali Pfeifer durch die Zeitung zu suchen?" fragte der Advocat. „Denn finden müssen wir sie auf alle Fälle, da Jvanyis Leben davon abhängt. Vielleicht fetzen wir auch eine Belohnung aus —" „Dar wird gut sein, Herr Doctor. Wir brauchen die Sali unbedingt, selbst wenn Sie Herrn von Jvanyi dazu bringen sollten, daß er selbst eingesteht, in jener Nacht bei der Pfeiferin gewesen zu sein. Salis Aussage ist unerläßlich, da sie die Einzige war, Die ihn dort gesehen hat." „Sind Sie dessen sicher, Herr Kilian?" „Ich denke. Er war spät- Bei der Pfeiferin schliefen Alle bis auf die Königin und Sali. Die eine ist aber nicht mehr am Leben, folglich kann nur die andere die entlastende Aussage machen." „Und die Pfeiferin selbst?" „Ah, die," — ein ironisches Lächeln überflog das hagere Gesicht Kilians, — „die hatte, wie Sie gestern gehört haben, ihren Tag. Jm Uebrigen," — und seine Stimme nahm einen geheimnißvollen Ton an, während er, die Augen fest auf den Advocaten richtend, dies sprach, — „im Nebligen glaubt sie fest, daß jener nächtliche Besucher der Andere war." „Welcher Andere?" fragte Doctor Mark erstauut. „Nun, Ottokar Wolski," sprach der Detectiv so ruhig, als erzählte er irgend etwas ganz Nebensächliches. „Was Sie nicht sagen!" rief der Advocat aufspringend. „Ottokar Wolski! Es scheint unglaublich. Ist er denn überhaupt dort gewesen?" „Jawohl. Er war ost dort. Er hat die Königin, als sie krank war, besucht. Die Beiden haben sich sehr gut gekannt.^ „Ah, das ist in der That merkwürdig! Diese Königin ist ja der Mittelpunkt der ganzen Sache. Jede Spur führt zu ihr. Wer war sie denn eigentlich?" „Eine noch hübsche Frau von etwa vierzig Jahren. Mehr weiß ich nicht, da sie nicht lange hier war. Warum und woher sie gerade zur Pfeiferin gekommen ist, das weigert sich diese, mir zu sagen. Uebrigens muß die Alte mehr von der ganzen Sache wissen, als sie eingestehen will." „Aber, um Gottes willen, was mag denn das Weib Jvanyi anvertraut haben über Fräulein Margarethe Weber, daß er bei seiner Weigerung in so eigensinniger Weise beharrt? Eine Fremde, die hierher kommt, um bei der alten Pfeiferin zu sterben — es ist geradezu räthselhast I" „Vielleicht war Fräulein Weber am Ende doch mit Wolski verlobt und die Königin hat darum gewußt," meinte der Detectiv. „Dummes Zeug I Sie konnte ihn niemals leiben; sie liebte diesen Jvanyi vom ersten Augenblick. Und dann ist er doch undenkbar, daß sie gerade die Königin zu ihrer Mitwisserin genommen haben. Freilich," fügte er sinnend hinzu, „wollte Weber sie mit Wolski verheirathen — aber sie widersetzte sich dem Antrag energisch und Weber gab dann feine Einwilligung zu ihrer Verlobung mit Desider Jvanyi." „Und was that Wolski?" „Der hatte eine stürmische Auseinandersetzung mit Weber und verließ in Heller Wuth das Haus. In der Nacht darauf wurde er im Fiaker tobt aufgefunden. Er soll beut Verbrechen zum Opfer gefallen sein um gewisser Papiere willen, bie er bei sich trug." „Ah, bas ist Abameks fixe Idee —" „Unb auch bie meine, Herr Kilian," unterbrach ihn der Abvocat scharf. „Wolski hatte unbebingt kostbare Papiere bei S89 — sich. Die Königin muß dies Jvanyi mitgetheilt haben — das wurde mir aus einer zufälligen Aeußerung meines Clienten klar." „Es ist in der Thal sehr räthselhaft," sagte der Detectiv nach einer Weile des Nachdenkens, „aber wir hätten mit einem Schlage die Lösung dieses Räthsels, wenn Herr von Jvanyi sich entschließen wollte, zu sprechen." „Gewiß, aber er ist nicht dazu! zu bewegen und so beruht unsere ganze Hoffnung darauf, daß wir die rothe Sali aus» findig machen." „Wenn sie sich in Oesterreich aufhält," tröstete Kilian, indem er aufstand, um sich von Doctor Mark zu verabschieden, „dann werden wir sie finden." Sali Pfeifer war in der That verschwunden, ohne daß es möglich gewesen wäre, eine Spur von ihr zu entdecken. Wie es sich später herausstellte, hatte man sie zuletzt in Buda» pest gesehen und zwar in Begleitung eines jungen Menschen, der gerade nicht sehr vertrauenswürdig aussah. Die Recherchen der Polizei, der Aufruf in den Zeitungen — Alles war umsonst. Der Detectiv Kilian hielt das Haus der Pfeiferin unter scharfer Bewachung. Er rechnete ganz sicher darauf, daß die rothe Sali, wenn sie überhaupt noch am Leben war, nach Wien zurückkommen und ihre Großmutter aufsuchen werde. Unterdeß hatte Doctor Mark die Zeit nicht unthätig verstreichen laffen. Wiederholt suchte er Jvanyi im Landesgericht auf und drang in ihn, sein gefährliches Schweigen aufzugeben — aber alle Mühe scheiterte an dem starren Sinne des Gefangenen. Endlich, nach langem Zögern, brachte der Advoeat heraus, daß Jvanyi bei der Pfeiferin gewesen und daß es wirklich die rothe Sali gewesen, welche ihn vor der Botivkirche erwartet, um ihn zu der sterbenden Frau zu führen. Diese hätte ihm das Geheimniß anvertraut, das er nicht verrathen könne. „Daß Sie uns das nicht srüher mittheilten I" brauste der Advocat auf. „Jetzt nützt es uns nichts, da wir es selbst herausgebracht haben. Damals aber wäre es uns ein Leichtes gewesen, die rothe Sali einzufangen." Jvanyi schien die Worte seines Bertheidigers kaum zu hören. Es war ihm, al» handle es sich gar nicht um ihn, sondern um eine dritte, ihm ganz gleichgiltige Person. Plötzlich fragte er: „Wo befindet sich Margarethe?" „Das können Sie sich denken," meinte unwillig Doctor Mark. „Sie ist infolge aller dieser Aufregung krank." „Armes Kind," seufzte Jvanyi. „Und doch habe ich Aller nur ihretwegen gethan." Der Advocat wollte die weiche Stimmung seines Clienten benützen. Mit einer Miene, in der die herzlichste Theilnahme zum Ausdruck kam, legte er ihm die Hand auf die Schulter. „Mein lieber Freund," sagte er in tiefem Ernst, „denken Sie sich, ich sei ein Priester und Sie müßten mir Ihr Geheimniß beichten. Glauben Sie mir, daß ich es zu wahren weiß. Sie müssen mir Alles sagen." „Nein," rief Jvanyi schroff. „Nimmermehr I Ich werde das Geheimniß niemals verrathen!" „Gut, Sie Starrkopf," brummte Mark ärgerlich, „ich werde Sie nicht mehr darnach fragen." Einige Tage darauf wurde der Tag der Verhandlung anberaumt — dann aber wiederum auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschoben, weil man, wie die Zeitungen sagten, das Erscheinen eines wichtigen Zeugen abwarten müsse- XVI. Die Vertagung der Schlußverhandlung gegen Desider Jvanyi erwies sich als unnütz, da Rosalia Pfeifer trotz der großen Belohnung, welche Anton Weber für ihre Auffindung ausgesetzt, verschollen blieb. Doctor Philipp Mark begann schon die Hoffnung aufzugeben, seinen Freund retten zu können - aber sein Pessimismus, seine Zweifel waren nicht im Stande, die arme Margarethe zu überzeugen. Sie hoffte mit der Inbrunst eines liebenden Mädchens, mit dem ganzen Vertrauen eines edlen, reinen Wesens auf jene Macht, vor der wir uns in demüthiger Ehrfurcht beugen, die wir anrufen als den Hort der Unschuldigen, zu der wir die Hände flehend emporheben in der Stunde der Noth. „Gott wird solches Unrecht nicht zulassen," erklärte sie mit Ueberzeugung, wenn der Advocat sie auf die Möglichkeit einer Verurtheilung vorbereiten wollte, damit der Schicksalsschlag sie nicht allzuhart treffe. So konnte sie bis zum Entscheidungstage ihren Schmerz mit Würde tragen, und erst am Abende vor demselben überfiel sie die Furcht. Eine quälende Angst kam in ihr Herz, die Zweifel erwachten und peinigten sie, es ergriff sie mit einem Male die ganze Trostlosigkeit ihrer Lage. Wie, wenn er doch möglich wäre, daß ein ungünstiges Schicksal ihr den Geliebten rauben könnte, den Mann, dem sie mit allen Fibern des Herzens angehörte? Wenn harte, rauhe Menschen in ihrer Blindheit nicht sehen würden, daß ein Desider Jvanyi eines solchen Verbrechens gar nicht fähig sei? Schlaflos wälzte sie sich auf ihrem Lager und sah den Morgen heraufdämmern, einen trüben Morgen ohne Sonnenstrahl. Es war ihr selbst, als wäre in diesen sich endlos dehnenden Nachtstunden alle Hoffnung von ihr gewichen. — Auch Doctor Philipp Mark war früh erwacht und hatte sich alsbald an seine Arbeit begeben. Auch ihn hatte eine eigene Unruhe ergriffen: es war der erste sensationelle Fall in seiner bisherigen Praxis — dieser Proceß Jvanyi; alle Welt, das fühlte er mit einer gewissen Befriedigung, feine Collegen und das Publikum waren gespannt auf das, was er als Ver- theidiger eines so hochstehenden, allgemein bekannten Cavaliers sagen werde. Jedes seiner Worte sollte Gewicht haben und dabei jene Absichtlichkeit vermeiden, welche die Geschworenen, die Richter aus dem Volke, mißtrauisch macht, da dieselben, wie die Erfahrung lehrt, immer annehmen, daß man für eine gerechte Sache nicht allzuviel Geist verschwenden müsse, daß man mit einer schweren Anklage nicht spielen dürfe wie mit etwas, das sich mit Witzworten aus der Welt schaffen läßt. Noch einmal also erwog der Advocat jeden Punkt und mehr als einmal überraschte er sich dabei, daß er, eifrig gestikulirend, laut sprach, als stände er schon im Gerichtssaale. Mitten in dieser Beschäftigung, die ihn vollauf in Anspruch nahm, wurde er durch die Meldung unterbrochen, daß Anton Weber und Margarethe ihn zu sprechen wünschten. Er ging ihnen bis in's Vorzimmer entgegen und erschrak über das schlechte Aussehen des Millionärs, der sehr erregt schien. „Entschuldigen Sie, Herr Doctor, daß ich Sie heute störe," sagte er mit einer Stimme, in der es wie ein Schluchzen lag, „aber ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Meine Tochter will durchaus der Verhandlung beiwohnen, und ich kann sie von diesem Gedanken nicht abbringen." „Ja, ich muß dabei sein," flüsterte das schöne Mädchen mit einer krankhaften Hast. „Ich muß ihn fehen und er — mich. Er soll Trost finden in dem Gedanken, daß er nicht von Allen verlassen sei, daß Jemand auf der Welt ist, der an seine Unschuld glaubt. — Und ich würde wahnsinnig werden, wenn ich warten sollte, bis mir eine Nachricht zu Theil wird über den Gang der Verhandlung," schloß sie erregt. „Sie werden aber vielleicht der Gegenstand einer unliebsamen Aufmerksamkeit sein," wendete der Advocat ein — mehr, um Weber von seinem guten Willen zu überzeugen, als in der Absicht, Margarethe an der Aussührung ihres Entschlusses zu hindern. ., ., „Nein," erwiderte sie ruhig. „Davor fürchte ich mich nicht. Und dann bin ich so verschleiert, daß mich Niemand erkennen^ wird^ wenn wir dem Fräulein ihren Willen lassen," raunte Mark Herrn Weber zu. „Gut," meinte dieser verdrossen. „Dann bitte ich Sie, sich meiner Tochter anzunehmen. Ich überlasse sie Ihrer Obhut, Herr Doctor." „Und Sie selbst?" „Ich — unmöglich. Ich kann nicht hin. Ich könnte es nicht ertragen, den Mann auf der Anklagebank zu sehen, dem ich mein Theuerstes anzuvertrauen im Begriffe stand. Vermischtes n „Das ist unerträglich. Vor- - Gattin: „Ja, mit Spargel» „Gestern gab es Cotelett." Redaction: A. Schcyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen. --ESDLM- gES«S was in unserer Macht stand, um dieses Mädchen ausfindig zu I * • machen — aber leider ohne jeden Erfolg. Wenn sie nicht @ttt hübscher Zimmerschmuck ist eine aus zwei noch in der letzten Stunde erscheint, dann ist Jvanyi ver« n snapptelIern verfertigte Wandtasche. Man schneidet den loten." „ L , I einen dieser Teller (in jeder Papierhandlung zu haben) Herz- Margarethe warf sich in den Fauteuil und begann I . mjt einem scharfen Mesier aus, bronzirt die Teller innen krampfhaft zu schluchzen. und außen,-legt dann den ganzen und den ausgeschittenen ge. Doctor Philipp Mark, von dem Ausbruch eines solch n ueinander^ bohrt in den Rand von beiden in 2 cm. Ent- Schmerzes auf's Heftigste erfchüttert, versuchte dem Mädchen kleine Löcher und verbindet die Teller mittels einer sanft zuzusprechen. „Seien Sie muthig wie bisher, mein Löcher gezogenen blauen, dünnen Seidenschnur. Den Kind, Gott wird uns Allen helfen. Und nun kommen sre. | obe^en ausgeschnittenen und den unteren sichtbaren Theil be- Es ist die höchste Zeit, daß wir gehen." IIe6t man nutt mit recht hübschen Reliefbildern. Hernach hängt „Sagen Sie ihm," bat sie, während sie der Alserstraße | mftn bie ^rtige Tasche an einem blauen Seidenband, das man zusuhren, noch immer weinend, „sagen @te iM, daß ich da 1 an beibgn Seiten befestigt, auf. bin." _______ (Fortsetzung sorgt.) ■ * * Wer seine Wachsleinwand lange hübsch und neu haben I will, wasche sie mit weichem Flanell und lauem Wasser und sie gründlich ab. Einige Löffel Milch darauf geträufelt g» । und gut mit einem trockenen Tuche abgerieben, nmcht die Wachs- Raupen von Krautköpfen ^"uruhalten. Man (eintü9Qnb besonders glänzend, nimmt rothe Salatrüben, die auch zu Kompott gebraucht werden, > kocht sie gut aus und legt den Kappsamen (Kraut- bezw. Kohl- amen) in den abgekühlten Saft hinein, der 36 Stunden n dem Safte weichen muß. Darauf nimmt man den Kappsamen aus dem rothen Rübensaft heraus und fast ihn wie sonst auf s Beet. Sind die Kohlpflänzchen groß genug, dann werden sie auf das gewünschte Kohlbeet umgepflanzt und in üblicher Weise i schönsten Perlen der Welt. Die allerschönste gepflegt. # . Perle ist jene, welche der französische Reisende Tavernier vor * „ , gv, n . I drei Jahrhunderten dem Schah von Persien um 3,375,000 Francs Mittel gegen Schnecken in Garten. Man streue Mche sich noch im Besitze der Souveräne Ackergyps vor Sonnenaufgang auf die Pflanzen. Die Schnecken ” befinbet gin anderer Potentat des Orients ist werden schwarz und sterben, und das Wachsthum der Pflanzen einer von 12*/* Karat, die vollkommen ist und wird gesördert. einen Werth von 1,000,000 Francs hat. Die Prinzessin * Puffupow hat eine orientalische Perle, welche durch die Schön- Die Farben der Blumen zu erhöhen. Wenn ^t chrer Farbe einzig dasteht. Im Jahre 1620 war dieselbe man die Erde von Topsrosen mit Holzkohlen - oder Steinkohlen- Jpn Georgibus von Calais an König Philipp IV. eon Spanien staub mischt, oder auch die Oberfläche derselben mit Stern- um gy,000 Ducaten verkauft worden. Gegenwärtig^wird sie kohlenstaub bestreut, so werden die blaffen Blüthen glänzend . 1125,000 Francs geschätzt. Papst Leo XIII. besitzt eine roth. Eine ähnliche Wirkung soll dasselbe Verfahren auch $e'r(e bie ihm von Pius IX. hinterlassen worden ist und auf andere Blumen und Farben ausüben. einen Werth von 500,000 Francs hat. Das Collier von • e * I 32 Perlen der Kaiserin Friedrich wird auf 875,000 Francs Die Haartracht der Kinder. Es ist eine irrige | Die Kaiserin von Oesterreich besitzt die schönste Ansicht, daß das oftmalige Schneidendes Haupthaares fur die Sammlung von schwarzen Perlen. Gesundheit des Kopfes und des Haares vorthei haft fest Den ----- schlagendsten Beweis von der Unhaltbarkeit dieser Anschauung I liefern jene Naturvölker, welche nichts so sehr verabscheuen als Abwechslung. Gatte Haarschneiden, und bei denen es nichtsdestoweniger die wenigsten gestern gab es Co elette — Glatzköpfe gibt. Umgekehrt wiederum ist das Haarfchnerden und saurer Gurke. -Gatte: . i bt bei unserem Militär sehr im Schwünge, aber wo findet man | Gattin: „Aber ohne Spargel. — Gatte. »ynb r0t h mehr kahle Häupter, als unter unseren alten Kriegern? Freilich I es wieder Cotelette." Gattin: „Aber doch ohne Sparg scbiebt man die Schuld hieran auf die fchwere Kopfbedeckung I ohne faure Gurke." derselben, aber unsere Vorfahren im Alterthum und im Mittel- • alter trugen viel gewichtigere Helme und waren trotzdem vom Zurückgegeben. Aeltere Dame (ledig): „Wie, schon Ausfallen der Haare größtentheils verschont, eben weil sie das . aIt, §err Oberst, und haben noch keine Waffenthat voll Haar nicht kurz, sondern lang trugen. Es mangelt an Raum, ^t?" — Oberst: „Thut nicht» I Man kann, wie Sie wiffen, über die Art und Weise des Wachsthum» des Haares und I q({ merben metnc Gnädige, auch ohne Eroberungen, gemacht deffen Ernährung näher einzugehen, nur das eine sei hier bc- haben." merkt, daß das Haar, je öfter man es schneidet, um so spröder I * , * wirb und desto leichter ausfällt. Es ist daher eine ganz ver- I Sckaffner einer Sekundärbahn: „Bedaure, Ä »«“«« Äw Star im Faste & < in b-r nächsten «°ii°» st-i-t 3-m-nd -u-I