AirterchaLtrrngsblatt zrrnr Giehencv Anzeigen (Geneval-Anzergev) EL ’M-—@/5- Donnerstag, dm 23. August. Geläuterte Herzen. Novelle von Johanna Berger. (Fortsetzung.) Aber dann begann Annie heftig zu zittern, denn drüben am Rande des hellen Kreises, welchen die Sonne auf dem breiten Plateau des Berges zeichnete, stand Bernthal und sah überrascht zu ihr hinüber. Die kleine Annie wagte es nicht, zu den Augen emporzublicken, die in einer fast enthusiastischen Bewunderung auf ihr ruhten. Aber sie sah auch hinreißend lieblich aus mit ihren zart- gerötheten Wangen, den leuchtenden blauen Augen und in der reichen Fülle ihrer halbgelösten braunen Locken. Jetzt kam er näher mit großen, ungeduldigen Schritten und streckte ihr die Hand entgegen. „Mein gnädiges Fräulein, wie freue ich mich, Sie wieder- zusehen!" rief er freudig bewegt. Annie blickte in kindlicher Verschämtheit vor sich nieder. „Aber Sie sind ganz allein hier?" fragte er. „War es nicht schwierig für Sie, den steilen Berg hinanzuklimmen?" Sie schüttelte den Kopf. „Nein, gar nicht! Ich war mit Mama unten im Freundschaftssaal. Da Mama sich in die Zeitungen vertiefte und ich mich langweilte, lief ich auf's Geradewohl in den Wald und kletterte über Stock und Stein!" „Und nun Sie einmal hier sind, werden Sie auch noch ein wenig hier verweilen, nicht wahr?" frug er scherzend. „O nein! Ich bin schon lange fort und muß jetzt wieder zu Mama zurück!" „Aber weshalb denn? Es ist herrlich hier oben und wir wollen miteinander plaudern, — was auf der Reunion nicht möglich war." „Nein! Nein! Ich muß gehen! Ich kann nicht länger bleiben!" rief sie ängstlich. „Wenn ich Sie aber bitte, herzlich bitte! — Nur zehn Minuten! — Ich bitte darum als eine Gunst, mein gnädiges Fräulein!" flehte er mit erwartungsvollen Augen. Sie zauderte mit der Antwort — sie kämpfte mit sich. Rosige Gluth stieg ihr auf die Wangen. Endlich hauchte sie ein leises „Ja." Sein Antlitz strahlte vor Freude. Er bot ihr den Arm und führte sie zu einem Aussichtspunkte, wo sich mehrere Bänke befanden. Auf einer derselben nahmen sie Platz. „So, nun werden Sie mir nicht bavonlaufen, nicht wahr?" lachte er, „und nun kann ich Ihnen auch sagen, daß ich mich grenzenlos nach Ihnen gesehnt habe." . Annie rückte ein wenig von seiner Seite fort und sah ihn zaghaft an. „Sie fürchten sich wohl? Sehe ich so gefährlich aus?" fragte er belustigt. „O nein, durchaus nicht! Jm Gegentheil: Sie haben ein liebes Gesicht und sind gewiß ein recht guter und braver Mensch!" erwiderte sie, ihren ganzen Muth zusammennehmend. „Wenn Sie eine so gute Meinung von mir haben, dann dürfen Sie auch mich nicht verlassen. Ich bilde mir ein, daß Sie reizend zu plaudern verstehen. Und dann setzen wir unsere Bekanntschaft fort — als ein paar treue Kameraden, als gute Freunde! Wollen Sie? Sie bleiben doch wohl längere Zeit in Karlsbad?" „Mamas Kur dauert vier Wochen." „Das ist ja herrlich! Dann können wir uns oft tzhen und sprechen! Haben Sie schon ein Concert gehört?" „Ja, wir waren gestern Abend im Stadtpark." „Ich war auch dort. — Seltsam, daß ich Sie nicht gesehen habe!" „Aber ich habe Sie gesehen!" rief Annie mit zuckenden Lippen. Ihre eben noch so rosigen Wangen wurden plötzlich bleich. Ihr Aussehen befremdete Bernthal, er blickte das Mädchen forschend an. „Dann haben Sie wohl auch die Dame bemerkt, in deren Gesellschaft ich mich befand?" Sie nickte. „Und was dachten Sie von uns Beiden?" fragte er schnell weiter. „Ich — ich! — Das kann ich wirklich nicht sagen!" stotterte sie voller Verwirrung. „Aber ich weiß es. — Ich kann Gedanken lesen!" Sie sah ganz erschrocken zu ihm auf. „Sie dachten — Sie glaubten, wir wären ein paar Brautleute? Habe ich recht oder nicht?" „Ja!" gestand sie ehrlich. „Sie irren sich, Gnädige!" fuhr er fast schroff auf. „Ich interessire mich allerdings für die schöne Frau, habe aber noch niemals ernstlich an eine Verlobung gedacht. Sie ist ein prasselnder Irrwisch, voller Capricen und Launen, heute spricht sie mit dem Einen von Liebe, morgen kokettirt sie mit dem Andern — das stößt mich ab! — Mich lockt viel mehr ein anderes, reineres Licht — o, könnte es mein Leitstern werden auf abschüssiger Bahn!" fügte er weicher hinzu und ein Schatten flog über sein Gesicht. Dann stützte er den Kopf in die Hand und brütete finster vor sich hin. Es blieb eine Zeit lang still, nur da« Rauschen de« Win- 390 — ver- Du war wirr vet- nach Mutt ein S man um e Geses die 9 ntet, Pla und und laut: kesse Kar bew neh, alle Als so j ung Wa der Hol Si< Sil den uni Bei rett sint ihr mit wu Dö bad ' eintö Brm nicht rant sorgt ihre gehä geles bade' Wie frem Stin und das schlo anj ist ihr er Sold, an seine Schulden und an die große Macht des Goldes und daran, daß arme, verschuldete Offiziere zwangsweise reiche Mädchen heirathen mußten. Er dachte auch an Lucia Cam- pello, die unter der Legion der Verehrer ihm allein den Vorzug gab. Aber es grauste ihm davor, daß er stch für schnöden Mammon an jene "kokette Frau verkaufen und feiner ersten, echten wahren Männerliebe entsagen sollte. In tiefes Sinnen verloren schritt er weiter, planlos auf einsamen Waldwegen. An einer Bergwand blieb er stehen und blickte hinab in's Thal. Dort unten grüßte Villa Violetta heraus, das Haus, in dem sie wohnte. Die Mittags- sonne brütete darüber hin, die grünen Jalousieen waren ge- schloffen und kein Mensch zu sehen. Was sie wohl in diesem Augenblick that? Ob sie an ihn dachte oder von ihm träumte? Ob sie doch vielleicht die Sei- tilge werden konnte? — Noch war es ja gar nicht entschieden, daß sie kein reiches Mädchen war. Durch sein Hirn wirbelten tausend Gedanken und mit der Hartnäckigkeit der Liebe klammerte et sich an jeden Hoffnungsstrahl. Zuletzt wurde er ganz des in den Baumwipfeln und das leise Zirpen der Meisen zu hören. Annie war von Unruhe erfüllt, es ging ihr ganz im Kopfe herum. , , , „Ich möchte doch lieber gehen, Mama wird mich missen," sagte sie leise. f Er sah sie träumerisch an. „Wir werden uns aber Wiedersehen, nicht wahr? — Morgen? Uebermorgen — oder später? sie stockte. , I „Jedoch ein paar gute Kameraden wie wir können eine I Ausnahme machen," fiel er ihr lebhaft in's Wort. „Das I wollen Sie doch sagen, Gnädige?" j Jawohl, das hatte sie gewollt, aber über die Lippen hätte j sie es nicht gebracht — um die ganze Welt nicht. Und nun hatte er es verrathen. Das beschämte sie furchtbar. „ „Wir werden uns also wiedersehen, ich hoffe es bestimmt. Nicht auf Verabredung — nein - wir wollen es dem Zu all überlasten," sagte er weich. „Und nun will ich Sie nicht I länger aufhalten, mein Fräulein I" | Er beugte sich über Annies Hand und berührte sie mit I seinen Lippen. Dann sah er das Mädchen secundenlang durch- I dringend an. Als dränge stch seine ganze Seele in diesen Blick, so innig, so ernst, so bedeutungsvoll war dieser. Annie wurde völlig verwirrt dadurch. Sie stammelte ein I kaum hörbares „Adieu" und hastete mehr lausend als gehend davon, wie ein flüchtiges Wild. Der junge Offizier schaute ihr gedankenvoll nach. Eine stürmische Gluth jagte durch seine Adern, denn wie eine Offenbarung war es plötzlich über ihn gekommen, daß er das, was er lange gesucht und heiß ersehnt, jetzt gefunden hatte. Und mit Inbrunst dürstete sein Herz darnach, das holde Mädchen zu erringen, ganz und gar, und sie zu besitzen für immer. Aber dann wurde sein Gesicht bleich und sein Haupt senkte sich tief auf die Brust. Würde er die Geliebte jemals heim- sühren können? Er war ein armer, nur von seinem Sold lebender Offizier, der beständig mehr verbrauchte, als er ein- nahm, und Schulden hatte. Er konnte nur ein reiches Mäd- chen zum Altar führen, wenn er beim Militär bleiben wollte. Daß Annie viel Vermögen besaß, schien ihm nicht wahrscheinlich. Die Grundbedingung zu einer Ehe mit ihr fehlte also: wenn auch die Hauptsache, eine starke, innige Liebe, wenigstens von seiner Seite vorhanden war. Nie würde er um sie werben dürfen, wenn sie kein Geld hatte, nie ihr ein Wort von Liebe sagen und ihr unschuldiges Herz für sich gewinnen können. Denn er war Mann von fester Ehre. Er preßte beide Hände an die fieberifch pochenden Schläfen und feufzte. Er dachte in tiefster Betrübniß an feinen knappen Freude und Zuversicht. t ... m Annie kam athemlos angelaufen und traf die Mama recht verdrießlich an. Sie stand schon wartend am Wege, den Pom- padour mit den Zeitungen am Arm und den großen Sonnen- schirm^ausgefpaM^ lange gesteckt, Mädchen?" zürnte sie. „Es ist bald MittagszeitI" „Sei nicht bös, Mamachen," schmeichelte Annie und strich sich die verwehten Locken aus der erhitzten Stirn. „Wo bist Du eigentlich gewesen?" Die Kleine blickte mit lieblichem Erröthen in die Ferne, ein unendlich glücklicher Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. „Auf einem Zauberberg, Mama!" antwortete sie fchämt. „ . „Sprich doch keinen Unsinn! - Und nun rasch Hause, unser Weg ist weit!" Aber Annie rührte sich, nicht vom Fleck. „Ich muß Dich erst etwas fragen, liebste Mama! bist so klug und wirst das Rechte wiffen. Darf e n Mges Mädchen Freundschaft — treue Kameradschaft schließen mit einem jungen Manne?" ___ „Aber warum nicht? Es kommt auf die Charactere S8ett,e*a$,1 er hat sicher einen guten Character, denn er ist furchtbar nett!" „Wer denn? — Welcher er?" Ich sprach nur so im Allgemeinen, weißt Du, Mama! stotterte Annie. Dann redete sie herzhaft weiter: „Du hattest auch einen Jugendfreund, den Oberförster Hiller in Tanger- »Ich kann nichts versprechen — nein, gar nichts I" wehrte Iber vergehe vor Leid, wenn ich Sie nicht Wiedersehen darf!" stieß et hervor. Annie wurde glühendroth. „Nein, nein! Ich habe solche Angst! Ich will, ich darf das nicht thun!" stammelte sie in grenzenloser Verwirrung. „Gnädiges Fräulein verkennen die Situation," sagte et in ernstem Ton. „Ich erbitte durchaus kein Rendezvous — nur als gute, fröhliche Kameraden wollen wir uns treffen und uns unsere Erlebniffe erzählen. Ich werde Ihnen gewiß nicht die Cour machen! Aus Ehre! Und ein österreichischer Offizier hält Wort! Sie sind sichtlich sehr in Unruhe, und es thut mir herzlich leid, und es würde mich sehr unglücklich machen, wenn Sie Böses von mir dächten." Böses? — Nein, das dachte sie nicht von ihm, ihre Seele war ganz voll von Vertrauen und nun hielt sie es für thöncht, seins Bitte abgeschlagen zu haben. „Ich muß Ihnen recht sonderbar vorkommen, Herr Ober- lieutenant," sagte sie nach kurzem Nachdenken. „Aber ich bin ein kindisches Ding und weiß nicht, was Recht und Unrecht in diesem Falle ist. Die Sache ist nämlich die, junge Mädchen dürfen mit jungen Herren keine Zusammenkünfte verabreden, erklärte sie hastig und in größter Verlegenheit, „jedoch — ttlUnb*®ett)ife - und meine schönsten Erinnerungen knüpfen sich an diese Freundschaft!" , „So hattest Du ihn wohl sehr lieb ? Natürlich, Kind! — Aber warum mteressirt Dich das? "Weil - weil -" sie stockte und schlug die Augen nieder. „Bitte, liebste Mama," fing sie aber gleich wieder an, „bitte, beantworte mir noch eine Frage!" , r , „Ach, Du brauchst nicht Alles zu wiffen- Komm, laß uns endlich gehen!" , . „Beste Mama, bitte, fage mir nur noch das Eine- Es ist durchaus nothwendig für mich, daß ich s erfahre- Hast Du mit Deinem Jugendfreunde — Deinem guten Kameraden Zu fammenkünfte gehabt?" g/, „.rt „Naseweis! Wie kommst Du auf solche Ideen? warf entrüstet die Gräfin hin. »Zusammenkünfte - mit - nut Oberförster Hiller? Das wäre ja schrecklich gewesen, höchst schrecklich I — Du lieber Gott, was denkst Du denn eigentlich 0011 Ein? zorniges Roth schoß der alten Frau in die Stirn. Annie war nahe daran, zu weinen- „Ach verzeih', liebstes Mamachen, ich wollte Dich nicht 5 verletzen. — Ich dachte gar nicht, daß es so schlimm sei, wenn 391 man ab und zu mit einem lieben Freunde zusammenkommt, | ist wunderbar. Nichts einfacher, .als daß sie sich heirathen. um ein Stündchen mit ihm zu verplaudern." I Begreifen Sie das nit?' „Es ist besser, man unterläßt es, man muß stets den I Annie schüttelte den Kopf. ~ Gesetzen des Anstands, der guten Sitte folgen," erwiderte kurz' „Nein, er wird sie nicht nehmen! Er ist bin Goldfisch, die Räthin und wandte stch zum Gehen. I jäger! Er hat mir selbst gesagt, daß er sich nichts aus ihr Annie senkte schuldbewußt ihr Köpfchen und folgte der I bie 2T*rern el“ mb * Sn”.®”“ ÄÄl Er hat M ,ch°n ich«. Sw«««. l°M d« in MA. SJ” ffÄJÄS bad wechselt das Wetter beständig. Es waren ein paar stille I roirb< Dabei steckt er tief in der Klemme, denn mit seinem eintönige Tage für das Mge Mädchen. Die Räthin litt am @e(be er halt ein biflerl schlecht. Eine Millio- Brunnenrausch, fühlte sich unwohl und verließ ihr Zimmer I «erabe das, was er brauchen kann. Er wird nit nicht. Das Stubenmädchen mußte das Esten aus dem Nestau- bumm J unb ba§ ^jche Weiberl nehmen!" rant holen und man speiste zu Hause. Kaffee und Thee be- I ^ebt sie doch aber nicht — keine Spur! Er wird sorgte Fräulein Brunner. I 0$ verkaufen!" Annie hatte in dieser Zeit ein halbes Dutzend Briefe an I „Du lieber Herrgott! Was wird nit Alles verkauft und ihre Freundinnen in Stettin geschrieben, fünf Meter Spitzen I graust auf der Welt — selbst hübsche arme Mäderle und gehäkelt und die Kurliste von Anfang bis zum Ende durch- I schneidige arme Lieutenants. Und die Maare steht hoch im gelesen, wobei sie herausgefunden hatte, daß „Er" im Offizier- I Preise. Uebrigens, was die Liebe anbetrifft, von der die Leute badehause am Quai wohnte und mit Vornamen Franz hieß. I |0 M Wesens machen, die fliegt zum Fenster hinaus, wenn Wie süß und poetisch schien ihr dieser Name, der ihr ganz I Noth und Sorgen an die Thüre klopfen. Das ist traurig — fremd war. Sie flüsterte ihn ein paar Mal mit zärtlicher I Een Sie, aber leider wahr." Stimme vor sich hin. Dann legte sie die Kurliste bei Seite I Annie seufzte schmerzlich auf, sie konnte das kaum mehr und horchte eine Weile auf das monotone Getröpfel des Regens, I anhören. Es war zu viel, zu viel! das unablässig gegen die Fenster tippte. I Fräulein Brunner achtete in diesem Augenblick nicht auf Es war auch zu langweilig heute. Mama lag mit ge- I pe< Sie war aufgestanden und hielt die Rumflasche gegen das schloffenen Augen auf dem Sopha und pflegte der Ruhe. I Licht. „Schauen'« nur mal," sagte sie kopfschüttelnd, «der Annie sprang ungeduldig auf und huschte aus dem Zim' I scheint nit mehr ganz klar, es muß etwas hineingekommen sein, mer, um Fräulein Brunner zu besuchen und einen kleinen I Ich will gleich andern holen!" Plausch mit ihr abzuhalten. I Doch sie kam nicht dazu, denn das Mge Mädchen warf Im Parterrestübchen des alten Fräuleins war es hübsch I ihr plötzlich beide Arme um den Hals und begann, übermannt und gemüthlich. Auf den Fensterbrettern dufteten Hyazinthen | von einem ihr ganz unerklärlichen Schmerz, leidenschaftlich zu und Krokus in buntgeblümten Porzellantöpfen. Die Hänge- I schluchzen. „ ™ , lampe brannte und auf einem Ecktischchen summte der Thee- I „Mein Gott, was haben Sie nur, liebes Annerl? Was kessel; ein Teller mit frischgebackenen Oblaten (eine Specialität ist Ihnen denn?" rief Fräulein Brunner ganz bestürzt und sah Karlsbads) stand daneben. I ihr ängstlich in das erregte Gesicht. Annie wurde von Fräulein Brunner auf das herzlichste | „Nichts, nichts! Bitte, fragen Sie nicht!' schluchzte Annie, bewillkommnet und dann zum Sopha geführt, wo sie Platz I Sie konnte es nicht über sich gewinnen, die Wahrheit, zu genehmen, Thee trinken und Oblaten essen mußte. I stehen. Und nun plauderten sie miteinander nach Herzenslust von Dem klugen alten Zäulein blitzte Mancherlei durch den allen möalicken Dinaen Sinn, aber sie sagte nichts derart und war auch zu tactvoll, 5Die otte Junafrau kannte Alles, wußte Alles, sah Alles. I weiter zu forschen. Sie wartete ganz ruhig, bis Annie sich Als wenn sämmtliche Kurgäste in einem Glaskasten wohnten, wieder gesammelt und-ihre!Fassung w^dergefunden hatte Nim so genau wußte sie von jedem Einzelnen Bescheid. I war es Zeit, sie zu trösten- Und sie that es in ihr r sch ch Aber freundlich und friedlich ging ihre Rede, sie ver- I ten Weise. unglimpfte Niemand und sprach immer das Beste und diel „Ach,Kind, sagtesie ^bretch,„manmußdas Wahrheit von Jedermann. nehmen, rote es ist und sich über nichts mehr wundern! Es Das Gespräch kam auch auf Lucia Campello, den Stern kommt immer ganz anders, als man denk undwünscht Das der BadeaefellsLatt I Beste ist, man macht sich keine trüben Gedanken und vergißt, „Sie wohnte früher ganz in der Nähe - im Bristol- was nit zu ändern ist. Sie sind noch viel r» mng. um Trüb- Hotel," erklärte Fräulein Brunner, „und ich sah sie jeden Tag. I sal M blasen- Und nun trinken Sie noch ein Täßchen Th , Sie ist ein bildsauberes, fesches Weiberl und hat zwei Millionen I das frischt die Nerven auf. , . . Silber-Dollars. Solch ein Goldfischerl ist nit von Pappe - Annie blieb noch eine Weile, sie sah ehr verweint aus denn heutzutage gilt arm und schön sein nichts — aber reich I und wollte sich so vor der Mutter nicht zeigen. Die g und schön sein Alles! Sie hat auch eine ganze Schaar von brannten ihr förmlich- Sie lehnte ihren Kopf «egen das Verehrern und weiß stch vor Heiräthsanträgen gar nit zu I Polster und sah still zu, wie Fräulein Dünner ^s The g sch retten- Aber wissen Sie, Annerl, diese reichen Amerikanerinnen forträumte und die Jalousien schloß- .Als dre Thurmuhr zehn sind einmal auf unsere Offiziere versessen Da ist nun einer schlug, nahm sie rasch Abschied und eiltezu: Ruhe. Und kaum - ein schöner, stattlicher Lieutenant aus Budapest, der hat's hatte ihr Haupt das Kissen berührt, so sank sie in den Schlum ihr angethan. — Sie macht gar kein Hehl daraus — und I mer der Jugend und träumte selige Träume. mit dem wird sie sich nächstens verloben." Der folgende Tag war ein Somt^ Der Regen hatte „Wer sagt das?" rief Annie und ihre sblauen Augen in der Nacht au gehört, ein heiterer Morgenbrachan und wurden dunkel vor Schreck- I die Sonne stieg im Osten aus einem Meer von Purpur und „Wer? Alle Welt! - Die Vögerle zwitschern es von den I Gold. Feierliche Glockenklänge schwebten durch die Luft und Dächern herab." weckten Annie aus einem tiefen, erquickenden Schlaf. Schnell „Aber das kann ja gar nicht möglich sein!" stieß Annie I sprang sie aus dem Bett und angstvoll hervor. I Promenaden-Anzug legte sie an, sondern ein einfaches, schwarzes „Warum denn nit? Er ist arm und hat Schulden. Sie I Wollkleid mit schwarzem Perlenbesatz und ein weißes Bast- ist reich, sehr reich und kann dieselben bezahlen. Sie liebt I Hütchen mit hellblauem Band. ihn — und wenn er sie noch nit liebt, wird er sie lieben I (Fortsetzung folgt.) ernen, denn alle Männer beten sie an. Die Macht des Goldes > ----------- 392 GeineiirMtziges. Eiitige Winke für das Pflücken des Obstes. 1. Lege die Leiter von der Seite zwischen die Zweige an. Andernfalls werden Sommertriebe abgebrochen. 2. Biege das Kernobst beim Brechen nach oben. Anderfalls können dis Fruchtzweige fürs nächste Jahr abgeriffen werden. 3. Tritt lieber „strümpfig" auf die Aeste des Baumes, als mit gena- gelten Stiefeln. Man rutscht auch weniger leicht aus und die Stammrinde wird nicht verschunden.. 4. Mache nicht zu viel unnöthige und unvorsichtige Bewegungen hin und her, vor- oder rückwärts, wenn Du in den Zweigen drin steckst. Auf diese Weise wird mancher Zweig abgebrochen. ♦ ♦ ♦ Das Reifwerden der Bohnen zn beschleunigen. Nach einem kalten und nassen Sommer, sowie in feuchten und nebligen Gegenden, reifen die Bohnen zum Samen oft sehr schwer. Dieses zu erleichtern, reißt man die Stöcke, wenn die Schoten gehörig groß und mit Bohnen gefüllt sind, aus der Erde, läßt sie jedoch, an den Stäben befestigt, in ihrer bisherigen Stellung, die Wurzeln auf der Erde aufgestellt, und setzt sie so der Lust und dem Sonnenscheine aus. Nach acht Tagen fallen gewöhnlich die Blätter ab und die Bohnen reifen darnach schnell. Nicht allein erhält man auf diesem Wege mit Gewißheit reifen Samen, sondern die Bohnen eignen sich auch um 3 bis 4 Wochen früher zum Gemüse, und sollen sogar delikater werden. Auch kann man das Terrain früher zur Umarbeitung vnb Bepflanzung benutzen. * • * Hübsche Ampelpflanzen kann man auf einfache Weise erlangen, wenn man 6 bis 8 Samenkörner von wohlriechenden spanischen Wicken in einen Topf legt, und die Pflanzen, wenn sie stark genug sind, in die Ampeln mit gutem leichten Boden versetzt. Die Oberfläche sollte dann mit grünem Moos bedeckt werden. Man kann diese Pflanzen lange in blühendem Zustande erhalten, wenn man ihnen zuweilen einen leichten Dungguß gibt und die verblühenden Blumen stets rechtzeitig entfernt. Spanische Wicken verdienend von den Blumenliebhabern als Topfpflanzen eine größere Beachtung als sie bisher gefunden haben. In England werden sie in blühendem Zustande auch als Marktpflanzen verkauft. » ♦ ♦ Gegen das Eierfressen der Hühner macht man einen recht scharfen Aufguß, indem man recht viel gestoßenen Pfeffer womöglich mit etwas Paprika tüchtig abkocht. Nachdem der Aufguß fertig, nimmt man ein Ei, durchlöchert selbiges und bläst den Inhalt aus. Dann verschmiert man das eine Ende mit Gyps. Wenn derselbe hart ist, füllt man das Ei mit vorbesagtem Abguß, verschmiert das andere Ende und legt das so hergestellte Ei auf diejenige Stelle, wo die Hühner gewöhnt sind, solche zu finden. Ein Huhn, welches einmal mit so einem Ei angeführt wurde, geht nicht so leicht ein zweites Mal daran. Mittel gegen Bienenstiche. 1. Durch sofortige An- Wendung von Alkalien, z. B. Salmiakgeist, läßt sich das Bienengift neutralisiren oder unschädlich machen. 2. Eine Einreibung mit frischer Zwiebel, grünem Pfefferkraut, Terpentinöl zeigt sich sehr wirksam. 3. Man wasche die gestochene Stelle mit Milch, nachdem man den Stachel entfernt hat und umwickle die Wunden mit Tüchern, welche man in Milch getaucht hat. Der Schmerz verschwindet und die Geschwulst läßt nach. 4. (homöopathisch). Man befeuchte die gestochene Stelle mit Wasser, schütte ein kleines Quantum Satrum muriaticum sechster Centimalverreibung darauf und reibe mit demselben die Geschwulst ein. Der Schmerz schwindet fast augenblicklich. Das Verkürzen der Krallen bei den Hunden. Wenn die Hunde nicht genug Bewegung haben, werden die Klauen oft zu lang, drehen sich nach innen, verwunden die Zehen, verursachen Schmerz. Zum Verkürzen bediene man sich einer recht schärfen Beißzange oder säge die Krallen mit einer feinen Säge ab und feile sie dann rund. Mit der Scheers läßt sich diese Operation schlechter ausführen, und die Klauen können hierbei auch leicht spalten. In vielen Gemeinden des Elfaffes hat sich der Brauch gebildet, daß jeder Knabe bei der Entlassung aus der Schule von der Gemeinde einen jungen Obstbaum geschenkt bekommt, als Erinnerung an die Schulzeit und als Aufmunterung zur Obstbaumzucht. Ein schöner Brauch, der Nachahmung verdient. » * Sollen im Blumentisch die Planzen gut gedeihen, so ist vor Allem nothwendig, daß derselbe einen guten, etwa bis an seinen Rand reichenden Blecheinsatz erhält. In diesem Einsatz kommt gute Mistbeeterde und werden Stecklinge vonTrades- cantien, die man seinen eignen Pflanzen entnehmen, event. auch billig kaufen kann, 5 bis 10 Centimeter von einander entfernt, gesteckt. Die Tradescantien sind bekanntlich zähe; sie machen sich nichts daraus, daß der Blscheinsatz keinen Wasserabzug gestattet, sondern wachsen; wird der Tisch nicht allzu fern vom Fenster aufgestellt, freudig heran und überdecken ihn mit ihrem grünen Rankengewirr. Der Blumentisch steht dann reizend aus. * * ♦ Kann sich in den Weinfässern atmosphärische Luft ansammeln oder eindringen, so wird der Wein kahnig, wodurch er krank wird und seine Süße verliert. Er ist daher nöthig, die Fäffer immer voll zu halten, d. h. sie von Zeit zu Zeit aufzufüllen, und solche stets gut zu verspunden. Vermischtes. Moderner Journalismus. „ . . . Bei Ihrer Naturschwärmerei, gnädige Frau, müßten Sie eigentlich einmal nach dem Himalaya. Dagegen find unsere Alpen gar nichts!" „Sind Sie denn dort gewesen, Herr Doctor?" — „Nein — das nicht — aber ich habe einen Artikel darüber geschrieben I" Zeitgemäß. Hausfrau (zum mahnenden Milchmann): „ . . . Wenn morgen schlechtes Wetter ist, können Sie Ihr Geld haben; wenn aber gutes Wetter ist, können Sie's nicht bekommen, denn da machen wir eine Landparthie!" Ein Schwerenöther. Lieutenant: „Sagen Sie mir, wo waren Sie diesen Sommer?" Fähnrich: „Alpen jewesen! Landschaften belebt!" • * ♦ Neu. „Wie kommt'- denn, daß alle Mitglieder Eures Junggesellen-Klubs Glatzen haben?" „Das ist ja unser Vereins - abzeichen!" Von einem originellen Reise - Erlebniß weiß Lord Aberdeen zu berichten. Fährt er neulich im Mitternachts- zuge von London. Natürlich im Schlafwagen. Früh wacht er auf und sieht sich gegenüber einen Gentleman sitzen. „Pardon," sagt dieser, „darf ich wohl fragen, ob Sie reich sind?" -„Hm," entgegnet Lord Aberdeen, „'s geht an." — „Darf ich fragen," fährt der andere fort, wie reich Sie sind?" - „Hm, so ungefähr zwei bis dreimal hunderttausend Pfund." — „So, Na, wenn ich so reich wäre und ich so schnarchen würde wie Sie, dann würde ich mir auch ein ganzes Coupee nehmen, um die andern nicht so zu stören." Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.