Atiterchaltungsblatt aum Gistzen^v Anzeigen (Geneval-Anzergev^ A,$*>a6SEfi^wBes^. Samstag, der» 23 Juni. Die Hexe von Bingenheim. Von Gg. Schäfer. (Fortsetzung.) Zu Anfang October 1659 kam Malwinchen zu Caspari und redete diesen in großer Aufregung und fast athemlos an: „Wisset Ihr auch. Herr Commissarius, daß dieser Rentmeister, der ausgerissene Schelm und Weiberbelhörer, mit seiner Buhle verheirathet ist und gar nicht fern von unseren Grenzen lebt?" „Es wird heutzutage gar viel gesprochen, wertheste Jungfrau," antwortete Caspari, dem die Nachricht unerwartet kam- „Der Mann hat wohl nicht den Muth, sich so nahe an unsere Grenzen zu setzen, von wo wir ihn leicht abholen könnten." „Er sitzt sicher wie in Abrahams Schooß, Herr Richter!" ries Malwine. „Es soll eine gewaltige Burg sein, wo er sich eingenistet, ein großes Heer vermöchte sie nicht zu erobern. Herr Commissarius, schafft die Brut hinweg, sonst könnten uns die Menschen leichtiich noch sehr gefährlich werden." „Ihr habt einen klaren, wettschauenden Geist, vielwerthe Jungfrau," antwortete Caspari, welcher die rachsüchtige Bundesgenossin mit wachsendem Interesse betrachtete, ohne daß er selbst sein Inneres verrieth. „Vergesset aber nicht, daß Alles nach Recht und Gerechtigkeit geführt werden muß." „Das soll nimmer vergessen werden," versetzte Malwine, „Ihr sprecht ja Recht und übet Gerechtigkeit. Wollet Ihr nun aus lauter Recht und Gerechtigkeit diese alte Beilstein weiter hexen und zaubern und uns Alle verderben lassen?" „Keineswegs, hochverehrte Jungsrau," erwiderte Caspari, indem seine Stimme eine ganz andere wurde. „Indessen habt Ihr doch schon gehört, daß Seine Durchlaucht nicht mehr an Hexen und Zauberer glauben. Wir müssen ganz positive Beweise bringen, wenn wir die Beilstein fassen wollen. Kluge Frauen vermögen in solchen Dingen stets mehr, als die scharfsinnigsten Männer. Letztere sind meistens zu ungeschickt und täppisch. Bringt uns Beweise, Material, Jndicien, auf daß wir vorgehen können, dann gibt sich Alles von selbst. Daß Ihr viel mehr erfahret, als ich, zeigt Eure Mittheilung über den Rentmeister. Vielleicht wären noch Wochen vergangen, bis ich etwas erfahren hätte, wenn Ihr mir nicht in so dankens- weither Weise zu Hülfe gekommen wäret." „Das sollt Ihr mir nicht umsonst gesagt haben!" rief Malwine. „Rur deutet mir den Weg an, wie ich wirken soll, damit ich nicht planlos umhertaste." „Der Weg ist sehr einfach. Ihr sammelt bestimmte Nachrichten, theilt sie den Schöffen Klaus Pfeil, Merten Frickell und Emanuel Stall mit und sorgt dafür, daß ich Alles erfahre. In dieser Weise wird dargethan, daß die alte Beilstein ein gemeingefährliches Individuum ist; der Fürst muß selbst wünschen, daß ein solches unschädlich gemacht wird, wie man reißende und gefährliche Thiere beseitigt, Ueberschwemm- ungen verhütet, Feuersbrünste löscht, ansonsten ein großes Gemeinwesen Roth leiden müßte." „Aber der Weg ist ja sehr einfach, Herr Commissarius I" rief Malwine erfreut. „Wie ich Euch soeben sagte." „Nur muß man ihn kennen und die nothwendigen Merkzeichen wissen, das Weiterfinden ist dann kein Kunststück mehr I" „Durchaus nicht, liebwerthsste Jungfrau." „Ihr sollt bald Weiteres hören, Herr Commissarius, und ich Hoffs, mir Eure ganze Zufriedenheit zu erwerben." „Daran zweifele ich bet Eurer geistigen Begabung keinen Augenblick," versetzte Caspari mit Ueberzeugung. Malwine eilte von dannen; sie glühte, ihr Inneres brannte von Begier, diese verhaßten Menschen austilgen zu helfen. „Unverhofft kommt ost!" brummte der Hexenrichter, als die rachsüchtige alte Jungfer verschwunden war. „Seit Monaten suche ich nach einem Anhaltspunkte und heute ergibt er sich ungesucht und ganz von selbst. Unbezahlbar ist die Thal- fache, daß ich zum Einschreiten von außen gedrängt werde, nicht daß ich selber dränge. Ich werde dafür sorgen, daß Seine Durchlaucht die Angelegenheit vom richtigen Standpunkte aus kennen lernt. Wenn Weiber hassen, gehen Männer zu Grunde, sagte ich vor nicht langer Zeit, heute ist mir dies klarer geworden als je." Fünfzehntes Kapitel. „Warum weinst Du denn, Kathrinchen?" fragte die Kammerjungfer Ihrer Durchlaucht das Stubenmädchen. „Schon zwei Tage bist Du niedergeschlagen; fehlt Dir etwas?" „Bei uns geht es nicht gut zu Hause, Fräulein," antwortete die Angeredete, eine Tochter des Herrn Hosschneider- meisters Ulrich zu Bingenheim. Kathrinchen war sechzehn Jahre alt, flink, sauber und anstellig. Darum wurde ihrer Familie die Ehre zu Theil, daß die Tochter als Stubenmädchen in's Schloß kommen durfte. „Sprich, Kathrinchen," ermahnte die Kammerjungfer, „sage, wo es fehlt, dann wird Dir leichter. Vielleicht weiß ich guten Rath." „Ihr seid sehr gut gegen mich, Fräulein, aber helfen werdet Ihr nicht können. Mein Brüderchen von anderthalb Jahren ist krank. Wir sind drei Schwestern; das kranke Brüderchen, nur das eine haben wir, ist das jüngste der Ge- schwister, an ihm hängen wir Alle. Wir fürchten, es ist von Zauberern und Unholden angegriffen. Von anderen Kindern geht dieselbe Sage. Fräulein Malwine besuchte uns gestern Abend und —" „Was meinte Fräulein Malwine?" „Die Eltern hörten das Fräulein so gerne an, es weiß zu trösten; von Unholden und Zauberern gäbe es immer noch welche, es wäre ein großes Glück, wenn wir von ihnen befreit würden." „Ganz ähnlich sprach heute früh die Frau des Hofbäckers Franz, Kathrinchen. Hofbäckers haben noch ein kleineres Kind als Ihr." „Bei Trompeter Hans Botten ist plötzlich die Kuh krank geworden, als eine gewifle Jemand draußen vorbeiging." „Wer ist diese Jemand, Kathrinchen?" „Ich wage es nicht zu sagen, Fräulein." „Du mußt es thun, Kathrine. Weißt Du nicht, daß unsere gnädigste Frau Landgräfin Alles wtffen will, was sich bei den Kindern der Unterthanen als merkwürdig erweist? Unsere hohe Herrschaft hat schon acht Kinder gehabt bis jetzt; davon sind fünf gestorben, lauter Söhne. Das Prinzlein Leopold Georg, geboren am 15. October 1654, ist das schwächlichste von allen, blieb aber noch am Leben, und das Söhnlein Philipp, geboren in diesem Jahre 1659 am 20. Juni, schwebt in fortwährender Gefahr. Was weißt Du, Kathrinchen?" „Ich sage nichts, Fräulein, ich fürchte mich zu sehr; sprechet mit Jungfer Malwinen, sie nimmt sich der kranken Kinder seit einigen Tagen so liebreich an, geht in die Häuser, sieht selber zu, tröstet die Betrübten und hat einen solchen Eifer, wie man ihn niemals an ihr gesehen. Ist auch gar nicht mehr so stolz wie ehedem, also daß sie an den Leuten vorüberging und nicht auf einen Gruß dankte, sondern läffet sich niederträchtig herab zu den gemeinen Leuten gleich unser Einem." „Sobald Du Deine Morgenarbeit verrichtet, darfst Du eine Stunde nach Hause, Kathrinchen. Im Vorübergehen bestellst Du ein feines Compliment bei Jungfer Malwinen mit der Bitte um deren Besuch auf den Nachmittag." Bei der Vormittagstoilette brachte die Kammerjungfer die Rede auf die Krankheits-Erscheinungen unter den Kindern. Die Landgräfin ging sofort darauf ein. „Wiederholt habe ich davon sprechen hören," bemerkte die Fürstin, „es sind aber nur Gerüchte ohne bestimmte Anhaltspunkte. Wer könnte uns nähere Mittheilungen machen?" „Jungfer Malwine, wenn Durchlaucht befehlen, denn sie besuchte viele Patienten und weiß gar fteundlich mit den Leuten zu reden." „Da muß sich die Jungfer in Etlichem geändert haben, denn früher war ihr das Volk recht zuwider." „Es ist so, wie Euer Durchlaucht zu meinen geruhten. Wann befehlen Durchlaucht, daß Jungfer Malwine erscheinen soll?" „Nicht extra, so unter der Hand. Man legt dem Empfange sonst gleich eine ungewöhnliche Wichtigkeit bei, die ich unbedingt vermieden haben will." Die Kammerjungfer wurde entlaffen. Sophie Eleonore begab sich in den Salon. „Ich mache mir aus dieser dicken, mannstollen Jungfrau gar nichts," dachte die Fürstin, „aber ein genauer Bescheid über die neuauftretenden Krankheits- Erscheinungen wäre mir recht erwünscht." — Gegen Abend stapfte Malwine in's Schloß zur Kammerjungfer. Diese machte sich jetzt, da sie die Abneigung der Herrin erkundet, auch nichts aus der Klatschbase. Zum Aushorchen konnte sie sich aber keine Bessere wünschen. Beide Jungfern begrüßten sich trotzdem mit Wärme und Herzlichkeit, die im Laufe der Unterhaltung wuchs. Malwine öffnete die Schleußen ihrer Beredtsamkeit und die Lucke ihrer Neutgkeits- Vorrathskammer. Ein Hochgenuß war es für sie, sich vollständig und ohne Widerspruch, wie er stets von Helminen und Alwinen geübt wurde, ausreden zu können. Eine Stunde war bei dieser erquicklichen Unterhaltung wie im Fluge verstrichen, dis Kammerjungfer durfte nur Ja und Nein sagen. Es entstand eine kleine Pause. Malwine wischte sich den edlen Schweiß der Redefertigkeit von der etwas niedrigen Stirne und holte tief Athem, um mit dem zweiten Acte zu beginnen. Da schnitt ihr die Kammerjungfer das Wort ab: „Eure Mittheilungen sind so wichtig, daß ich bei Durchlaucht anfragen muß, ob Hochdieselbe nicht Einiges vernehmen wollten." „Wäre eine unschätzbare Gnade, meine hochverehrte Freundin," sprach Malwine mit Entzücken. Die Kammerjungfer verschwand, kam jedoch nach wenigen Minuten zurück. „Sehr angenehm, meine Hochverehrte, sprachen Durchlaucht; dachte mir gleich, daß so wichtige Berichte höchsten Ortes recht erwünscht wären." Malwine eilte nach dem Empfangszimmer, unterwegs stolperte sie einigemal über die eigenen Füße, so groß war der Eifer, vorwärts zu kommen- „Durchlaucht haben gnädigst befohlen I" hauchte Malwine halb athemlos. „Ich möchte Einiges über die hiesigen Verhältnisse hören, Jungfer Malwine," antwortete die Fürstin in gütiger, freundlicher Weise. „Besonders werthvoll wäre mir, wenn ich nur Thatsache», ohne jede Voreingenommenheit, vernehmen könnte." „Durchlaucht können nicht leicht Jemanden finden, der so unparteiisch und liebevoll gegen die Menschen ist, wie meine geringe Persönlichkeit." „Die Jungfrau Malwine übt große Freundlichkeit gegen die Unterthanen aus," erwiderte die Fürstin, über deren feine Züge ein deutlicher Schatten huschte, als Malwine ihre Unparteilichkeit und Menschenliebe herausstrich. „Nun berichtet mir, was die Ursache dieser Kränkheits- und Unglückssälle sein soll, welche jetzt urplötzlich wieder auftauchen." „Solche Ursachen zu ergründen ist unmöglich, das wissen Durchlaucht mit Hochdero großer Gelehrsamkeit besser denn ich. Wie kann man auch erklären wollen, daß unserem Nachbar ganz ohnvorhergesehen vorgestern eine Kuh krank wurde, als eine gewisse Jemand vorüberging. An demselbigen Tage war die Person in dem Hause de» Hofschneiders Ulrich. Wenige Minuten nach dem Weggange der Person wachte das Söhnlein des Bäckers auf, fing an zu weinen, dann zu erbrechen und seitdem ist es krank." „Könnten das nicht ganz zufällige Erscheinungen sein, Jungfrau Malwine?" „So nehme ich immer am liebsten auch an, werde indessen wieder davon abgebracht, denn bei einem anderen Nachbar ging ein Schwein nach dem Besuche der Person zu Grunde, bei einem dritten fiel ohnversehens ein Gefach au» der Wand und was das Allermerkwürdigste ist: der fürstliche Hühnerfänger Wenzeslaus Litenski sah dieser Tage, als es schon dunkel geworden, heimlich durch das Fenster der Person und konnte deutlich bemerken, daß sie Milch aus dem Handtuche zu melken vermochte." „Sollte das nicht vielleicht Seifenbrühe gewesen sein, die von Weitem wie Milch aussieht?" „Daran hat noch Niemand gedacht, gnädigste Fürstin, das wäre ja etwas unnatürlich Natürliches. Doch das Erkranken von Gethier und Menschenkindern und verschiedene andere Zufälle lassen sich gar nicht erklären." „Wer ist nun doch diese Person, die so Uebeles anrichtet?" „Die alte Beilstein, Durchlaucht. Mir thut es gar wehe, zu sehen, wie die alte Frau so ungünstig wirkt. Sie geht fleißig zur Kirche und zum heiligen Abendmahle, sie arbeitet trotz ihrer vorgerückten Jahre wie eine Junge, sie hat Vieles durchgemacht, ohne daß sie sich beugen ließ: dessentwegen nennen sie die Leute seit ein paar Tagen eine Haupt- und Wetter- Hexe." „Darum sollte man sie viel eher eine gute Christin und gottesfürchtige Wittib nennen." „O gewiß, Durchlaucht, das ist ganz meine Meinung - erst vorhin sprach ich dies der Schulpräceptorin Fischer gegen; über aus." „Das hat die Jungfer Malwine gut gemacht," bemerkte die Fürstin ernst; „nur der Gedanke beunruhigt mich: die alte — 287 F» Frau ist doch eine Hexe, wie könnten sonst die Kinder nirch ihren Besuchen alsbald erkranken?" „Es ist unfaßlich, Durchlaucht, man mag sich drehen und wenden wie man will, überall stößt man auf unerklärbare Dinge." „So ist esl" antwortete die Landgräfin. „Ich danke der Jungfrau für ihre Nachrichten." Malwine zog sich unter tiefen Knixen zurück und eilte zur Kammerjungfer, um ihr Alles zu berichten. „Ich bin ganz verwirrt über Das, was Durchlaucht meinen," rief sie erschüttert. „Wenn ich nur wüßte, ob sie die alte Beilstein für eine Hexe oder eine gute Christin hält, damit man sich ein wenig darnach richten könnte." „Seid unbesorgt, es kommt baldigst heraus und ich werde dafür sorgen, daß Ihr rechtzeitig Nachricht erhaltet," tröstete die Kammerjungfer, welche sofort begriff, daß die Fürstin absichtlich hin und wieder fragte, um das klatschsüchtige Wesen der alten Jungfer zu studiren. „Binnen wenigen Minuten behauptete diese liebesbedürftige Jungfrau: die alte Beilstein sei eine Haupt- und Wetter- Hexe und eine gute Christin," sprach die Landgräfin zu sich selber. „Was ist nun das Richtige? Daneben brüstet sich die Person mit ihrer Menschenliebe und Unparteilichkeit. Um sich bei der Herrschaft beliebt zu machen, reden die Menschen so, wie wir es gerne hören. Bet nächster Gelegenheit muß Malwine behaupten: das Waffer der Horloff liefe aufwärts von Reichelsheim gen Gettenau und Echzell." Ehe Malwine nach Haufe ging, trat sie bei der Frau Schultheißin Schöffer ein. Diese war eine abgesagte Feindin der alten Beilstein und hetzte heimlich, wo sie konnte, besonders seit der Rentmeister mit Sibillen entflohen war. „Wie freue ich mich, Euch zu sehen," rief die Schult- heißin, als sie Malwinen erblickte; „seid ja schon acht Tage lang nicht mehr über unsere arme Schwelle gekommen." Malwine erzählte, was ihr in den letzten Tagen begegnete und daß sie gerade von der Landgräfin komme. „Nein, was müßt Ihr in hohem Ansehen bei der Landesmutter stehen," rief die Schultheißin, „daß Ihr so gemüthlich mit ihr sprechen dürfet. Ich brächte kein Wort herfür, wenn ich so dastehen müßte." Von dieser Rede geschmeichelt, erzählte Malwine den Inhalt der Unterhaltung mit der Fürstin, doch mit Hinweglaffung der Widersprüche. „Wisset Ihr was, vielvermögende Jungfrau!" rief die Schultheißin, nachdem sie Alles vernommen, „diese Haupt- und Wetterhexe muß zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit von Gottes Erdboden vertilget werden. Sie blähet sich auf, feit dis Dirne mit dem Narren davon gelaufen; sie dünket sich mehr, als andere Frauen und ist doch gar nichts." „Das meinen alle kluge Menschen in Bingenheim, nur der Hofprediger will nichts davon wissen. Dem Commiffarius wäre es recht, der Landgräfin auch, aber Niemand will den Antrag stellen." „Was? Niemand! Wofür sind denn die Schöffen Merten Frickell, Klar Pfcyl und Emanuel Stall im Lande! Können die nicht ihre Mäuler von selbst aufthun, wenn Noth an Mann geht? Lauter Memmen und Schlashauben sind es. Wir Frauen wollen zusammentreten und zeigen, daß wir der gütigen Frau Landgräfin Wünsche beffer zu erfüllen wissen, als solche Dreh- peter." „Doch ohne Aufsehen und viel Gerede, liebwertheste Frau Schultheißin, wir dürfen nicht an die Oeffentlichkeit treten." „Ein richtig Wort, hochmögende Jungfrau Malwine. Die Waffen der Frauen sind Klugheit und List und sie sollen uns sicher zum Ziele führen." „Wisset Ihr, wer uns noch eine gute Freundin und treue Mithelferin werden könnte, wertheste Schultheißin?" ' „Lasset hören!" „Das ist die Schulpräceptorin Fischer; sie erfährt alle Neuigkeiten zuerst und ist geschickt im Reden und Sprechen wie wenige und sagt von allen Menschen, bekannten und unbekannten, nur Uebeles aus." „Dann nehmt nur noch gleich des Peter Wentzels Frauen und die Marx Gichelmannin hinzu, die drei zusammen werden mit der Beilstein fertig, also daß wir dabei keinen Finger krumm zu machen brauchen." „Das heißt: wir müssen den Dreien die Musketen laden und sie drücken los, so meint Ihr es doch, meine liebwerthe Frau Schultheißin." „Ei ja freilich! Hihihi! Was wird der alte Drache pusten, wenn ihn Meister Zacharias beim Schlafittchen packt. Und ich sage Euch, der Drache muß aus dem Dorfe, sonst bekommt weder Herrschaft noch Unterthan Ruhe." „Er muß fort, Frau Schultheißin. Es kommt auf ein altes Weib mehr oder weniger nicht an, überall brennen sie die Hexen zu Ehren der Dreifaltigkeit nieder. Wir verrichten ein gutes Werk, wenn wir unserem Lande Ruhe verschaffen." „Dabei bleibt es, liebwertheste Jungfrau und wartet diesmal nicht so lange mit Eurem werthen nächsten Besuche. Mich verlanget stets nach Eurer lieben Nähe und Eurer lieblichen Rede. Wie konnte der vernarretheide Rentmeister an einer so würdigen, klugen, hochweisen, lieben, köstlichen Jungfrau vorübergehen und einem gänsigen Lasten nachlaufen, ich begreife das nicht." „Beruht es nicht vielleicht auf Hexerei, liebwerkhe Frau Schultheißin?" „Alleweil habt Ihr wieder recht, sehr liebe Jungfrau; also muß die Hexe weg, zu Ehren der Dreifaltigkeit, zum Glück und zur Ruhe der Unterthanen." Malwinchen eilte nach Hause. Der Besuch bei der Schultheißin hatte den Mißerfolg bei der Landgräfin völlig verwischt. „Wir kommen zum Ziele," sprach sie. „Helmine und Alwine brauchen von dem Plane nichts zu wissen, sie würden mehr verderben als nützen. Beide haben keinen rechten Begriff von Muth und Willenskraft." (Fortsetzung folgt.) Der Bienen-Vetter. Eine Heide - Novelle von C. Crome-Schwiening. (Fortsetzung.) „Marie —" drang es in heißen Tönen an ihr Ohr — „Marie — nicht länger vermag ich zu schweigen — Du fühlst es, Du mußt es fühlen, was mein Herz bewegt-- „Fritz!" schrie das junge Mädchen und hob wie abwehrend die Hand. — „meine Augen haben es Dir längst gesagt, wenn sie bewundernd an Dir hingen — Marie, Du süße, Einzige — ich liebe Dich — I" Und vor ihr niedergleitend, schlang Fritz die Arme um sie und barg sein Antlitz in den Falten ihres Kleides! »Fritz — Fritz — ich bitte Dich!" kam es bang von den Lippen des Mädchen. Da verfinsterte ein Schatten den Laubeneingang, und eine hohe Mannesgestalt trat heran, aber mit einer fast entsetzten Bewegung zurück. Fritz sprang auf. Er sah Hinrik vor sich stehen: „Morgen wird Ihnen Aufklärung!" rief er und trat in den Garten hinaus. Marie löste die Hände von dem Antlitz. Ihr Auge forschte angstvoll in Hinrtkr Antlitz. Das war bleich und steinern. Ein namenloses Weh erfüllte sie. Ihr war, als müsse sie ihm zu Füßen sinken und ihm bekennen: Sieh, ich weiß alles, o heb' mich auf zu Dir! Sie streckte wie beschwörend eine Hand gegen ihn aus. „Hinrik!" Er trat zurück: „Es wird finster! Onkel und Tante wollen fort. Hierher geht der Weg." Er schritt voran. Sie folgte ihm. Mechanisch nahm sie Hut und Tuch im Zimmer, mechanisch stieg sie in den Wagen. „Na, Mädel!" rief erstaunt der Oberamtmann. Dustehst ja aus wie das Leiden Christi!" „Ach, laß!" sagte feine Gattin, die mit mütterlichem Instinkt Fritz Gerdings Verlegenheit und Mariens Bläffe in -- 288 «r. An Ä Arm auf « spickt und gebraten. citiri im 8 am 2 Die acht ! helmii 1671 Grab, Alter' mehre gebor halbe, Klas Schul Hexer Mens nicht „da i mehr ich m wort« und schaff tige 1 derbl ist, d geher betcii Schö der! der; handelt sich also darum, daß die Henne diese in kürzester Zeit ablegt, wodurch an Futter gespart wird. Legt z. B. eine Henne bei schlechter Fütterung jährlich nur 80 bis 100 Eier, so müssen wir sechs bis sieben Jahre füttern, bis wir die ge- sammte Zahl Eier gewinnen; erhalten wir durch gute Fütterung und Pflege aber jährlich etwa 150, so gewinnen wir die- selbe Anzahl in vier bis fünf Jahren, haben somit eine Futter- ersparniß für zwei Jahre und zudem in dem abgängigen Huhn ein werthvollerer Fleisch, als in dem ersteren Falle, wo es alt, trocken und zähe geworden ist. seinem Gewand — er muß die ganze Nacht herumgestreift sein. Und wie sah er aus — als hätten zwischen gestern und heute zwei Jahre gelegen. — Er hat mich kaum angesehen und ist hineingegangen in das Gartenhaus. Dann ist er wieder hinausgekommen und hat die Knechte aufs Feld geschickt bis auf den Johann, den ließ er anspannen. Ich sollte in die Stadt fahren, einen Brief besorgen, zu seinem Bankier. Aber ich sah's wohl, wie er aus der Stube den braunen Kasten mit fort nahm, in dem die Teufelsdinger, die Pistolen liegen, die er auf der Universität — um des Heilands willen, Fräulein Marie, unterbrach sich die Alte erschreckt-- Ein unartikulirter Schrei, der von Mariens Lippen drang, antwortete ihr. Wie mit einem Schlage zerriß das Nebelmeer in ihrem Innern. Jetzt erst, in diesem Augenblicke, in dem sie sühlte, daß all' ihr Empfinden, ihr ganzes Ich dem gehörte, der sich ihr und der Welt jäh entreißen wollte — in diesem Augenblicke erwachte in der Jungfrau das Weib, das schrankenlos liebende, ihrer Liebe voll bewußte Weib! (Schluß folgt.) Zur Aussaat als Grüufutter für Kücken in's Freie oder in einen Aufzuchtskäfig eignet sich neben Salat auch Rübsen und ähnliche Samenarten. Die auskeimenden Pflänzchen werden von den kleinen Thierchen mit Vorliebe gefreffen- «. I SeÄS’Ä her Wen g» recht wohl!" , „Es hat wohl gestern Abend etwas gegeben zwischen Dir und dem Fritz?"--- ...... Das junge Mädchen hob wie abwehrend die Hände. „Laß nur! Ich mag's gar nicht wiffen. Also bleib da! Um ein Uhr bin ich zurück." Damit war die Mama gegangen. „Hinrik!" Um diesen Rainen drehte sich seit dem gestrigen Abende die ganze Gedankenwelt des jungen Mädchens- , Ein Chaos tobte in ihr — was war Recht — r “ i‘"“° Da fuhr in die Kastanienallee vor dem Herrenhause ein Wagen ein, in dem ihr scharfes Auge sofort Vetter Hinriks leichtes Gefährt entdeckte. Mit grenzenlosem Erstaunen sah fie neben dem Knechte, der das Gefährt lenkte, die alte Trude in altmodischem Hut und großgeblümtem Umschlagetuch sitzen. Sie sprang auf, eine unbestimmte Angst ergriff sie, was in aller Welt hatte denn das zu bedeuten? An Trude's aufgeregten Bewegungen, an ihrem Vorwärtseilen, an ihrem hochgerötheten Gesicht erkannte Marie auf den ersten Blick, daß etwas absonderliches sich ereignet haben müsse. Sie eilte ihr entgegen, während der Knecht den leichten Wagen umwandte und wartend neben dem Pferde Kaninchenbraten einen Wildgeschmack zu geben. Der Rücken eines Kaninchens wird drei Tage lang in eine Flüssigkeit von ‘/2 Liter Essig, % Liter Wasser, vier gehackten großen Zwiebeln, einen Theelöffel voll gestoßenen Wachholderbeeren, Pfeffer, vier Lorbeerblättern und Thymian ÖCtt!" Marie wurde todtenbleich. Sie griff nach dem der Alten. „Um Jesu Willen, was ist geschehen?" „Gestern — Sie waren kaum fort — such ich jungen Herrn! Wie in den Erdboden hinein war er schwanden. Heute früh kam er heim. Der Thau lag ttehen blieb. „Was ist geschehen?" rief Marie der alten Trude entgegen. „Ach — Fräulein Marie," stöhnte die Alte halb athem- los - „Gewiß etwas schlimmes- Mein lieber, armer junger Redaction: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen. Gemeinnütziges. Vertreiben des Maulwurfs. Obgleich der Maul ' wurf durch Vertilgen von Engerlingen rc. in Garten und Feld außerordentlich nützlich ist, wird er durch beständiges Auf- wühlen der Gartenbeete zuweilen doch lästig. Will man ihn hier vertreiben, so gieße man Häringslake, welche bei jedem Kaufmann umsonst zu haben sein dürste, so lang in den Gang, wie sie laufen will. Man bleibt von Stunde an unbehelligt Hat sich vorzüglich bewährt.! * Eiereouserviruug. Eine ausprobirte Methode, Eier längere Zeit aufbewahren zu können, besteht darin, daß man eine Messerspitze übermangansaures Kali in zwei Liter Wasser löst, in einer solchen Lösung die vorher gut gesäuberten Eier eine Stunde lang liegen läßt, sie dann gut abtrocknet, in reines Papier einwickelt und in einen Korb ober eine Kiste verpackt, an einem trockenen, frostfreien Ort aufbewahrt. * * Zusammenhang brachte. „Das gibt sich!" Lebewohl, Hinrik, schön Dank für die freundliche Bewirthungl" „Hühl Hühl" Der Braune zog an. Der Wagen rollte aus dem Hof. Wie ein Automat nahm Hinrik den Hut grüßend ab und setzte ihn wieder auf. Er blieb stehen, starr dem Wagen nachblickend, bis dieser seinem Auge entschwunden war — dann schritt er vorwärts, über den Hof, zum Thore hinaus, in die Haide hinein. t n „ .. Die Nacht sank herab. Ein leiser Wind strich über die weite ebene Haide, und weckte ein melodisches Rauschen in den grünen Wachhoiderbüschen, die ihr dunkles feines Geäst aus dem Erika-Teppich hervorreckten. Ziellos und planlos schritt Hinrik über den weichen Grund dahin. Hie unv da huschte ein Grasmückchen, das in einem Wachholder sein Nest harte, von dem Nahen des Fremden geängstigt, mit schrillem Zirp! Zirp! hervor, um dann, nachdem die Tritte verhallt, das versteckte Nestchen beruhigt wieder aufzusuchen. Der irrende Mann sah und hörte es nicht- Er riß die Kleider auf, daß der Nachtwind besser an seine Brust dringe, als könne der das vernichtende Feuer lindern, das darinnen brannte. Er sah zum sternklaren Himmel auf und sah nur das Dunkle. So schritt er vorwärts, in der Irre vorwärts, bis gegen Morgen ein falbes Licht am Horizonte erschien und dis Schleier der Nacht zu weichen begannen vor dem siegreich aufsteigenden jungen Tage. Der erste Sonnenstrahl fand ihn heimwärts wandernd, müde, mit wankenden Knien, als fei aus den Muskeln die letzte Kraft entwichen.-- V. Die Uhr über dem Steinportal im Herrenhause der Domäne schlug klingend elf mal. Marie saß im schlichten Hausgewand auf dem grünen Bänkchen neben dem Portal und brach frischgepflückte Wachsbohnen. Der Oberamtmann war auf dem Felde. Die Mama war in die Stadt hinabgegangen, um einige Einkäufe und alsdann einige Visiten zu erledigen. Sie hatte Marie aufgefordert, sie zu begleiten. „Laß' mich zu Hause, Mama!" bat Marie, die heute bleich und angegriffen aussah. „Ich fühle mich gar nicht Gute Fütterung der Hühner lohnt sich. Der Eierstock der Hühner ist eine traubenförmige Drüse, die aus sechs- bis achthundert Zellen besteht, welche alle bei einer regelrechten Entwickelung zur Reife gelangen können. Da aber die- selben weder ergänzt noch erneuert werden, ist das Huhn nicht was sollte sie thun? - im Stande, mehr als die genannte Zahl Eier zu legen und es