—z —a/e)-2 w . ■- Anterhaltnngrblatt jum Giehsnre Anzeiger (General-Anzeiger) Donnerstag, den 22, November. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friese«. -------- .V (Schluß.) Eine Menge Menschen erwarten Gerald und seine Bürde. Viele Hände strecken sich aus, um ihn in Empfang zu nehmen. Doch er sieht nichts mehr. Die fast übermenschliche An» strengung hat ihn so sehr erschöpft, daß er das Bewußtsein verlor. Man nimmt den Geretteten aus den Armen seines Retters und legt ihn in einiger Entfernung auf rasch herbeigeholte Fischernetze. Er athmet nur schwach, ist aber bei vollem Bewußtsein. Seine großen, grauen Augen starren gespenstisch aus dem bleichen, hageren Gesicht zum Himmel. Die Hauptsorge ist auf Gerald gerichtet. Er blutet stark aus einer Wunde an der Schläfe, die man mit Tüchern zu trocknen versucht. „Beinahe tödtlich verletzt!" hört Lola sagen. So schnell ihre Füße sie zu tragen vermögen, eilt sie nach der Stelle, wo Gerald liegt. Sie, die früher so nervös und ängstlich war, die vor jedem Tropfen Blut, vor jeder noch so kleinen Wunde zurückschreckte — sie kniet jetzt neben dem Ver- mundeten nieder und legt das Ohr an seine Brust. Das Herz klopft — Gott sei gedankt! Jetzt mag kommen, was da wolle! Behutsam wäscht sie die tiefe Wunde aus und verbindet sie mit ihrem Batisttaschentuch. Darauf träufelt sie einige Tropfen Brandy aus einer Flasche, die ihr ein Fischer reicht, zwischen die bleichen, halbgeöffneten Lippen. Bald kommt wieder Leben in den starren Körper. „Mein Gerald," flüstert sie innig, „Du bist schwer verwundet." Die bekannte liebe Stimme bringt ihn vollends zum Bewußtsein. Er öffnet die Augen. „Nein," sagt er matt. „Mein Kopf ist nur so wirr." Sie ergreift seine beiden Hände und küßt sie zärtlich. „Wie viele Menschen haben diesen starken Händen heute ihr Leben zu verdanken!" murmelt sie. „Ja, Lola, das war ein hartes Stück Arbeit. Beinahe W ich's nicht fertig gebracht." Er hebt den Kopf in die Höhe und blickt unruhig umher. »Ich fühle mich noch so schwindelig, Lola. Reiche mir Deinen Arm I Wir wollen den Mann aufsuchen, den ich gerettet habe." Mühsam erhebt er sich und lehnt sich schwer auf Lolas Arm. Viele der herumstehenben Fischer sind bereits wieder an ihre Arbeit gegangen. Einige stehen noch, mit den geretteten Schiffbrüchigen schwatzend und lebhaft gesticulirend, herum. Nur Wenige befinden sich in unmittelbarer Nähe. „Komm', Lola," wiederholt Gerald mit einem eigenthüm- lichen Ausdruck in seinen blauen Augen. „Sieh' Dir den Mann an, der mir sein Leben zu verdanken hat!" Langsam bewegen sie sich nach der Stelle, wo der jetzt Bewußtlose.liegt. Die Fischersfrau, dis ihm soeben Brandy zwischen die Lippen geträufelt hat, zieht sich bei dem Herannahen der Beiden zurück- Lola ist so besorgt um Gerald, daß sie zuerst gar nicht auf den am Boden Liegenden achtet. Als sie endlich einen Blick auf das stille Antlitz wirft, bleibt sie wie erstarrt stehen, die Hände abwehrend ausgestreckt. „Orlowsky! . . . Großer Gott!" „Ja, es ist Orlowsky," murmelt Gerald und beugt sich mitleidsvoll über den Schwerverwundeten. XXXI. Klar und tiefblau breitet sich der Himmel über das ruhige Meer. Nichts erinnert an den wilden Aufruhr der Elemente, an die Schreckensscenen der letzten Nacht. Nur einige Stücke des Wracks, soweit die heranspülenden Wasser sie nicht fortschwemmten, schaukeln noch auf den Wellen. Lola sitzt, in warme Decken eingehüllt, in ihrem Boudoir. Ihr Antlitz zeigt einen eigenthümltch weichen — man möchte fast sagen heiligen Ausdruck. Es sieht aus, als denke sie über die Lösung eines Problems nach. Welch' ein Unterschied zwischen gestern und heute! Nur eine einzige Nacht liegt dazwischen; doch in dieser hat ihr das Meer den Gatten gebracht — den Gatten, den sie nie wiederzusehen hoffte, vor dem sie hierher in die Einsamkeit geflohen. Als sie an Geralds Seite heute Nacht vor dem bewußtlosen Manne gestanden, als sie Beide schweigend in die bekannten und doch so veränderten Züge geblickt, da war er ihnen ganz merkwürdig um's Herz gewesen. Hier lag er, der Mann, der zwischen ihrem Glücke stand, er, der Abenteurer, der Betrüger — schwerverwundet, vielleicht dem Tode nahe. Dann hatte sie ängstlich, wie hilfesuchend, in Geralds Augen geschaut. „Ich weiß, woran Du denkst," sagte dieser leise. „Ich habe denselben Kampf durchgemacht." Und sie hatte einige Minuten lang gezögert, ehe sie sagte: „Gerald, sorge dafür, daß er nach der Villa Flora gebracht wird." Wie warm hatte Gerald ihr hierauf die Hand gedrückt und sofort alles Nöthige angeordnet I Ja, Lola denkt nach über die Unerforschltchkeit des irdischen Lebens, über die Schicksalstücken, über den geringen Werth des menschlichen Wollens und Hoffens — Gedanken, die ihr früher unendlich fern gestanden. Lisette ist eifrig um sie beschäftigt. Das treue Mädchen war ganz äußer sich gewesen, als man sie heute Nacht hinaus zu ihrer durchnäßten, vor Kälte zitternden Herrin geholt, und hatte sich erst etwas beruhigt, als Lola ihr die Veranlassung dazu mitgetheilt. Orlowskys Namen erwähnte sie dabei nicht. Jetzt bereitet sie warmen Thee und bürstet das nasse, üppige Haar so lange, bis es wieder ganz trocken und glänzend ist. Bald hat Lola sich so weit erholt, daß sie Geralds Bitten folgen und auf der Terrasse erscheinen kann. Voller Besorgniß eilt er ihr entgegen. „O, Lola, welch' eine Nacht! Hat sie Dir nichts geschadet?" „Nein, danke," entgegnet sie lächelnd, ihre Händ in seine ausgestreckte Rechte legend. „Was macht er?" „Er ist ohne Besinnung und furchtbar zugerichtet. Ich habe zu einem Arzt nach Neapel geschickt- Er muß bald hier sein." „Aber seine Wunden? Wie soll der Arzt sich die erklären? Du weißt, ein Preis steht auf seinen Kopf —" „Ich habe mit meiner Mutter Alles besprochen. Wir geben ihn als meinen Freund aus, als einen Engländer, der bei einem Spaziergangs zwischen den Felsen den Weg verloren hatte und von der Sturmfluth überrascht wurde- Das ist das Sicherste." Lola nickt schweigend, dann fragt sieZhastig: „Und wenn er wieder gesund wird, was dann?" „Dann müssen wir unser gutes Werk vollenden und ihn über den Ocean entkommen lassen, nach Amerika oder nach den australischen Ebenen, wo er ein neues Leben beginnen kann und vor der Verfolgung der russischen Regierung sicher ist." „Und ich - ich, Gerald?" Mit tiefem Mitleiden blickt er in das angstvoll empor- gewandte Antlitz. „Du, Lola," sagt er langsam, „Du bist und bleibst seine Gattin." Sie läßt den Kopf sinken. Thränen verdunkeln ihre Augen. „Bedenke, däß ich ebenso leide," fährt er hastig fort, „ja, noch mehr leide als Du, da ich, der kräftige Mann, nichts für Dich thun darf. Ich hätte ihn auf Tod und Leben gefordert, wäre er mir als gesunder, freier Mensch begegnet. Jetzt, da er krank und verfolgt ist, kann ich nur suchen, ihm aufzuhelfen." Voller Bewunderung hängen ihre feuchten Blicke an dem Geliebten. „Wie gut Du bist," flüstert sie, die starken, gütigen Hände küssend, die seinen Todfeind vom Verderben erretten wollen. Sanft entzieht er ihr dieselben. „Du weißt nicht, welcher Versuchung ich kaum entgangen bin," sagt er mit einem matten Lächeln- „Inwiefern?" „Als ich das Wrack erklommen hatte, fielen meine Augen sofort auf einen Mann, der am Rand des Schiffes nieder- gesunken war und betete." „Betete?" fragte Lola sinnend. „Er betete? Ich kann es mir kaum vorstellen!" „Ja, er betete laut und inbrünstig. Ich rief ihn an. Er hörte mich nicht. Ich trat auf ihn zu und legte die Hand auf feine Schulter. „Ihr Gebet ist erhört," sagte ich ernst, „Sie werden gerettet werden." „Nie werde ich den Ton vergessen, in dem er ausrief: i,0 Dank, Dank, Gott im Himmel!" Dann wandte er sich zu mir und fragte hastig auf italienisch: „Können Sie mich retten, Signor? Die Hunde haben mich hier zurückgelaffen, damit ich ersäufen soll wie eine Ratte." «Ich sagte ihm, was an mir läge, solle zu seiner Rettung geschehen. „Ich kann mich nicht bewegen," ächzte er. „Die Bluthunde haben mich zu Tode gejagt. Nur mit knapper Noth entkam ich ihnen." „Ich beugte mich über ihn, um seine Wunden zu untersuchen. In diesem Augenblick erleuchtete ein greller Blitzstrahl die matte Dämmerung, die mich bis dahin nichts hatte deutlich erkennen lassen. Großer Gott! Es war Orlowsky! — Lola, Du wirst mich verachten — aber dieser Moment war ein Augenblick der Versuchung für mich. Der Mann, welcher zwischen Dir und mir steht — unser Beider Todfeind — er war in meine Hände gegeben. Und gerade jetzt, kurz nach dem Geständniß Deiner Liebe zu mir, Deiner Liebe, die ich zwar geahnt, von der ich aber soeben erst volle Gewißheit erhalten hatte--" Er macht eine kleine Pause. Die Erinnerung hat ihn zu mächtig ergriffen. Lola, die ihn mit keinem Wort unterbrochen, bittet ihn sanft, fortzufahren. „Ich brauchte das Wrack nur ohne ihn zu verlassen und zum Ufer zurückzuschwimmen. Jedermann würde annehmen ich habe ihn nicht gefunden. ... Die Versuchung war groß und ich bekenne aufrichtig, daß ich ihr beinahe erlegen wäre. „Ich dachte an Dich, Lola, an Deine unwürdigen Fesseln- Ich dachte daran, daß, wenn der Mann dort tobt wäre, ich Dich heimführen könnte in unser schönes England als mein Weib, mein über Alles geliebtes Weib. . . . „Er mußte mein Zögern bemerkt haben; denn er hob bittend die Hände und gab seinem Körper einen Ruck, um mir in's Gesicht zu sehen. Plötzlich ließ er die Hände sinken und stöhnte schwer auf. Auch er hatte mich erkannt. „Einige Augenblicke schwiegen wir Beide. Dann war mein Entschluß gefaßt. „Halten Sie sich an mir fest," rief ich, „ich werde Sie sicher an's Ufer bringen." „Wissen Sie, wer ich bin?" fragt er leise. „Ja, Alexander Orlowsky!" „Und Sie wollen mich trotzdem retten, Baron Gerald Hastings?" „Ja-" „Von da ab sprachen wir kein Wort mehr. Ich nahm ihn in meine Arme und kletterte mit ihm am Wrack hinunter, wobei er sich an meinem Hals sesthielt- Dann schwamm ich mit meiner Last dem Ufer zu." Lola ist während Geralds Erzählung bald roth, bald blaß geworden. Sie hat soeben erst gelernt, das Leben von der größeren, edleren Seite zu betrachten und ist noch nicht geübt im Großmuthüben und Entsagen. Gerald liest ihr die Empfindungen vom Gesicht ab. „Lola, der Arme ist sehr krank," sagt er ernst. „Versuche, ohne Haß an ihn zu denken! Willst Du?" „Ja, Gerald, ich will es versuchen," entgegnet sie leise- „Ach, es ist so schwer!" Hastige Schritte nahen. Der Diener Luigi eilt auf die Terrasse zu. Lolas Herz klopft zum Zerspringen. Wenn dort oben etwas passirt wäre! . . . Wenn der Tod — Vor sich selbst erschreckend, hält sie in ihren Gedanken inne. . . . „Was bringen Sie, Luigi?" fragt Gerald freundlich. „Der fremde Herr dort oben ist —" n— ist —," schreit Lola auf. Ihr ganzer, etwas nach vorn geneigter Körper drückt die fürchterliche Spannung aus, in der sie sich befindet. ist soeben zur Bestnnung gekommen und wünscht den Herrn Baron zu sehen," meldet Luigi. - 847! - Gemeinnütziges Der alte Arzt nickt. Er, der Zeuge so vieler Geheim» Leset nicht im Bett. In vielen Häusern herrscht mne, der unfreiwillige Mitwisser so manches in Fieberphan- I bei Erwachsenen und auch bei Kindern die Unart, des Abends miten ausgeplauderten Verbrechens — er trägt kein Ver» I im Bette zu lesen. Will der Schlaf nicht kommen und steht Egen darnach, den Schleier eines neuen Geheimnisses oder I die Erfahrung fest, daß er sich durch Lesen einstellt, so ist erbrechens zu lüften. I diese Gewohnheit zu entschuldigen, obwohl auch dann nicht „Es ist nichts mehr zu machen," sagt er, sich zur Thür I räthlich. Wenn aber frische, junge Mädchen oder Knaben, wendend. „Ich komme heute Abend wieder, um den Tobten- I welche sich nur hinzulegen haben, um alsbald zu schnarchen, auszustellen." I mit dem Buch in der Hand das Bett besteigen, weil das Buch Brechers und" mr^den^Nächste^in chm" scheiden wi"ben Mp-A@l3lon na$ wenigen Minuten tritt er wieder ein. Lola, müssen," hatte sie sanft gesagt und für ihn ihr Boudoir zu- Stelle?Sie M ?o * bafi Ä Bttck auf »a. $ Ä* $ann über*w ble * « bald SS? ST Der Schwerleibende ächzt und stöhnt. Sein unruhig * fein Bewußtsein nur eine Se- Lede? zu d^Thü? b" * bet §8aroaitt unb Und Lola thut, wie ihr geheißen. c>etzt öffnet fi<5 dieselbe nnh ßterAth »x« I , Ein unendliches Mitleiden ergreift sie. Der Mann da Die Augen des Kranken bs2e? 2 ^u"'nerar»been ben eingesunkenen Augen, den fahlen Wangen, den tiefen Den Oberkörper mit größter Anstrengung eil? wenig ^empor- SS™”!™*?? 3Bu{nbtn auL?n no$, immer edelgeformten bebend feu(fit er • Missen Kie n» in n,F. | Stirn gleicht 10 wenig dem „Fürsten Orlowskv", dem glän- meine - Kau ?" " ” “ “ ifl' So[tt ~ Mden Cavalier, um dessen Gunst sich noch vor w^nig Jahren Sie ift nilfit weit nun die ganze Londoner Damenwelt bemühte. Wäre er ihr ge- „Haben Sie irgend einm besonderen WuniL?" etn^' I fu”b' mit Glücksgütern gesegnet, entgegengetreten - sie DieMgedes SenZrflärenM^ würde sich mit Abscheu von ihm gewandt haben. Jetzt, ver- »Sie ist - nicht weit - von hier?" murmelt er. „O, W Quf $c 9an?ed 3JZit' s^-^se^ "habe^gehungert"- Äd^edürsiet^ ^näck -b ^m ersten Mal seit ihrem Hochzeitstage regt sich in X ÄS’* *** *Ri " Br W5® SchMrkidenden. * Geralds Augen auf dem “ Und als? ihr saAe?Bttck "mVgnÄ 'besäR dieser"^°Hab?Sie°- ÄmBeninfeit*? W‘' ^“^1 Einen Augenblick rührt'er sich nicht. Alles Leben scheint ,w wmb m»,ÄL'LS 6rt6f “ roa8 glauben Sie? Wird sie - kommen? Sie er seine Arme aus. yap! mrcy — | Zola! . . . Lola!" fiaufe @ie @ie blühen sich in Lolas eigenem j Wie ein Jubelruf springt er von den bleichen Lippen. ' M _« Doch die namlose Erregung ist zu viel für den schwachen $a, 8*«»« in dl- ,u« Ät KÄÄt * ’SWSit- «- -- d-n 6a„% L ÄÄ’fcf“ sVltat Re i6ti ®eMtröetroUn eten ""Ersucht hat, macht er ein bedenkliches So - den sterbenden Blick fest auf das Weib gerichtet, & A^ht fest: Vom Men gefallen ist der Herr da Tode glückselig lächelnd. mcht. Ich mag mich in kein Geheimniß drängen, aber —" I Scfilaf wobl!" saat Lala leise ifire „„ Ä »e«. S-.N M. I *• •* *•» •- ■* Wt nur noch nach Stunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er noch einmal zum Bewußtsein kommen — das letzte Aufflackern des Lebenslichtes. Dann ist es vorbei." „So lassen Sie das Geheimniß mit ihm sterben, Herr Doctor!" ®er ber solch' unaussprechliches Leid über zwei | Gerald ftagge?betroffen erregt Menschen gebracht, liegt auf einem schnell hergerichteten Lager | „Ganz sicher." ' 9 ' man tör ben Samt ben ft8 erfiftunt ^wesen, als | nute Verzögerung könnte ^u1pät?ein?° Gch'?°^ man ihr den Mann, den sie nach Dem, was er gethan, aus | „Und wird sie kommen, Mutter?" y £ »W. Är?» ä •* * « - Thür zu weisen. I L — 548 so spannend ist, und man auf den Ausgang der Geschichte - nicht bis morgen warten kann, so ist dies eine Unart, welche | sehr schlimme Folgen nach sich ziehen kann- Eltern, deren s Kinder diese üble Gewohnheit haben, sollten jeden Abend und jeden Morgen das Licht untersuchen, um festzustellen, wie lange dasselbe brannte und die Ungehorsamen zur Rechenschaft ziehen. Größte Strenge ist hier nöthig; denn wer einmal diese Unart angenommen hat, kommt sehr schwer von ihr los und kann bald nicht mehr einschlafen, ohne ein Buch in der Hand zu haben- Der Schlaf vor Mitternacht ist überaus werihvoll. Wie leicht wird aber derselbe einem spannend geschriebenen Buche geopfert. Ja, das Gelesene verfolgt den Schläfer im Traume, beschäftigt seinen Geist oft die ganze Nacht hindurch und hindert ihn am Ausruhen. Immer und immer wieder treten die packenden Gestalten vor das geistige Auge. Zerschlagene Glieder, müde Augen, ein schläfriger Geist, zu spätes Ausstehen, Unlust zur Tagesarbeit und, vor allen Dingen, Schädigung der Gesundheit, find die Folgen. Wie leicht auch kann der Lesende anbrennen, wenn er beim Lesen einschlief und das Licht oder die Petroleumlampe umwarf. Ihr Eltern, tretet darum mit aller Strenge gegen diese Unart auf, und Ihr Kinder, gehorchet euren Eltern! ♦ * Eine hübsche Idee. Eine in England sehr verbreitete Sitte, die des Jahres über den Kindern im Haus viel Abwechslung bereitet nnd zu Weihnachten tausend Kindern große Freude macht, besteht darin, daß größere und kleinere Kinder, auch Erwachsene in dazu extra angefertigte Bücher, in England sogenannte „Scrap Book»" alle möglichen Bilder, Abbildungen, Ausschnitte aus illustrirten Zeitungen u. dgl. einkleben, um das so am Ende des Jahres zu einem reichhaltigen Bilderbuche gewordene Buch zur Bertheilung für arme oder kranke Kinder an Krankenhäuser, Waisenhäuser oder dergleichen senden. Die Bücher selbst find, um ein Beschmutzen beim Einkleben zu vermeiden, bereits gummirt, so daß die einzuklebenden Bilder und Ausschnitte nur anzu- feuckten find. Einzuklebende pasiende-Ausschnitte und Farbendrucke finden sich im Laufe des Jahres, wie man in jeder Familie weiß, eine Unzahl, und die Kinder, welche mit Herstellung eines solchen Buches beschäftigt sind, bemühen sich schon auf alle mögliche Art und Weise, schöne Sachen zu finden. Die Sitte ist auch in Deutschland nachahmenswerth. » ♦ ♦ Verwendung alter Schwämme. In jedem Haushalt werden Wasch-, Bade- und Fensterschwämme gebraucht, die Anschaffung ist theuer und die Haltbarkeit kurz. Um die Reste der verschiedenen Schwämme noch nützlich zu verwerthen, sammle man dieselben; wenn eine Anzahl beisammen find, werden sie gründlich gewaschen und in ein Säckchen eingesüllt, welches man von weißer, grober Baumwolle mit dicken Nadeln gestrickt und oben zugenäht und mit einem Aufhänger versehen hat, und ein sehr dauerhafter Schwamm zu Fensterputzen ist fertig. * Um in Töpfen Epheu von besonderer Größe und Frische der Blätter zußziehen, pflanzt man die Stöcke in Moos, das man mit etwas Wald- oder Lauberde vermischt. Wenn sich das Moos setzt, muß frisches aufgelegt werden. Im Zimmer müssen die Blätter entweder durch Begießen oder Abwischen mit einem feuchten Schwamm von Staub rein gehalten werden. Wenn der Epheu gut gedeihen soll, darf man das Begießen nicht vernachlässigen, besonders braucht er im Sommer viel Waffer. ♦ * ♦ Bei Bergiftnng von Hühnern, Gänsen und Enten durch Petersilie, Herbstzeitlose, Kaffeesatz und anderes ist ein Gegenmittel anerkanntermaßen saure Milch und Essig im Trinkwasser. Vermischter. Ein Menschenfreund. Bureauchef: „Na wollen Sie noch immer nicht heirathen, Müller?" — Beamter: „Ehe ich Zulage kriege, nicht; leider wollen Sie diese immer noch nicht befürworten I . ." — Bureauches: „Sie sehen, daß ich Ihr Bestes will, Müller!" * ♦ * Ein noblerGatte. A.: „Was hast Du denn Deiner Frau zum Geburtstag geschenkt" — B.: „Ich hab' ihr was für Weihnachten versprochen!" Das Wichtigste. Ein Weib erbettelt von der Frau Amtsrichter ein getragenes Kleid für ihre arme Tochter, die ganz ohne Verdienst fei und gar nichts mehr zum Anziehen habe. — (Nach acht Tagen). Amtsrichterin: „Nun, hat das Kleid Ihrer Tochter gepaßt?" — Bettlerin: „O, ausgezeichnet! Sie hat sich gleich damit photographiren lassen!" • ♦ ♦ Die Puffärmel. Man hat sich den Kopf zerbrochen wie die Frauenwelt eine so häßliche Mode, wie die hohe«! Aermel sind, adoptiren konnte. Ganz einfach: Keine Frau liebt es, von der Seite oder über die Achsel angesehen zu werden — und das ist bei den neuen Puffärmeln in der That unmöglich. * Steigerung. Baronin: „Jean, pfeifen Sie doch nicht so abscheulich und dazu noch solche Gassenhauer." — Jean: „Aber gnä' Frau, beim Stiefelputzen können S' doch keine Rhapsodie von Liszt verlangen, die kommt später, wenn ich's Silber putz'!" ♦ Der wird gut. Onkel: „Nun, was hast Du mit dem Groschen gemacht, den ich Dir schenkte? Natürlich vernascht!" — Der achtjährige Emil: „Bewahre, lieber Onkel, dafür habe ich mich rastren laffen!" ♦ ♦ Ein junges Huhn. Gast: „Also heut gibt's mal endlich junges Huhn mit Reis! Darauf habe ich lange gewartet !" — Wirthin: „Ja, es ist uns aber auch recht schwer gefallen, das alte, treue Thier zu schlachten!" * * ♦ Folgende Geschäftseröffnungs-Anzeige entnimmt das Echo einem amerikanischen Blatt: „Einer unserer würdigen Mitbürger hat sich soeben nach dem Süden begeben, um einen Gold- und Silberladen zu eröffnen. Das ganze Anlagecapital der Braven besteht in einem Brecheisen. ♦ ♦ Vorbehalt. Frau (zu dem neugemietheten Kinder Mädchen): „Ich hoffe, daß Sie Liebe zu den Kindern haben werden — meinen achtzehnjährigen Sohn schließe ich natürlich aus." ♦ ♦ ♦ Für die Kinderstube. Die zehnjährige Helene kommt aus der Schule zurück und kramt vor ihrem sechsjährigen Brüderlein ihre Weisheit aus, was sie Alles über die Entstehung und den Nutzen der Gewitter gelernt hat, u- A. berichtet sie auch, daß dieselben die Luft von schädlichen. Dünsten reinigen. Einige Tage später gibt es ein starkes Gewitter; das Brüderchen fragt: „Papa, wird jetzt die Luft gereinigt ?" * ♦ * Zerstreut. A.: „Gratulire zur Verlobung, Herr Professor!" — Professor: „Zur Verlobung? Warten Sie 'mal ... — A.: „Nun ja, es steht doch im heutigen Morgenblatt!" — Professor: „So, das habe ich noch nicht gelesen!" Redaction: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Shr. Pietsch) in Gießen. Itm „Kon Die. auf den § und richte! Kind schüt schmiegte s Mi rauhe 2 Ich ver! und zärt Stiefmw zieherin. unser sck überging Wi Nähe di Freunder zigen So! gewandte Art eben Guido zc ständiger So mit jeden der Zeit, den wir der See. Es ner des stand im und schau abholen t direct au Veranda die Stufe nach Jem Kleine, d Kamerade „Du an. „Wc „The