s« den eißner I erfüllet se oder it. Das füttern >en oft 3 W- hen die :ten, ist i, weil en mit edelung auf sich zrößert. heit bei isächlich am der itt lau» kannten m sicht- weitere waschen ireuung en nur cscheint. ger der Nr. 58 1894. ' -----H—L-r > g—Eb --•gx^^s^xa- t-S-^S— * js®—w- ä>-’ Unter^altunasblait zuin Gietzenev Anzergsv (GeMsval-Anzeig-p) a_...... .. -- Dienstag, den 22. Mai. ------- -----------WEIH»! ■■■■ 1.1 i—HIHI. ■»inj Hm—,T.r---—•~ ■'!■■" ’TFT? ■ --r*---------- 2 Rthr: Jmgleichen, alß Ich zwey lag Milt Mathias Wentzsin, zwey lag widdetumb der Beilstein nach Eichen, allwo sie sich vfgehalten, verzehrt. Ist aber weg gewest vndt den andern tag von den Dauhernheimer Nachbarn vffm Hoff angelroffen NB. vndt anhero Widder gebracht worbten. Nachrichtlich. (Anmerkung: Die beiden letzten Ansätze sind corrigirt; ursprünglich waren es 2 und 1 Rchsthlr.; später wurde aus der Ziffer 2 eine 3, aus 1 eine 2 gemacht. Die letzte Tinte war schlechter <. ls die erste, sie verblaßte und so kamen die ersten Zahlen 2 und 1 wieder zum Vorschein.) Die Hexe von Bingenheim. Von Gg. Schäfer. (Fortsetzung.) Das Verzeichniß des Schultheißen Schöffer fährt in folgender Weife weiter fort: 5 Rlhlr: Meister Zacher dem ScharpfRichter wegen Exemtion den 3ten Xbr 1659. 3 Rlhlr: H. Eraßmi procoratori wegen Seligmann Juden geben 17ten May 1660. 6 Rlhlr: Vf Abfchlack, daß Er Jtzigen van Staden vndt Seligmann justifieirt geben, den 21. May 1660. Außgab Geldt vf Befehl H. Doctor Hünfells den 14. 8br 1658. 2 Rlhlr: 15 alby: fo umb Nach gewest mit Soldaten, Im Ausreifen, vndt alß Er Widder bekommen, verzehrt, zwey Mahl den Stert Febr. 1658. 10 Rthr--dem Wirth v: Scharpfrichter von Ferbern Empfangen. 12. R--H. Doctor Gambs vf Speier den 14. 8br. geschickt. p/2 R--Curadl Waß, Bottenlohn. 20 R--Mstr Zacher, Scharpftichler vor vihr Hingerichte persohn geben. 4 R 6 alby Mstr Baltsar Oberländern Wirth zu Bingen- heim vohr bihr v: beim Halt, vs die Gefangenen v: hin- gerichten vihr persohn den 20len 8br 1658. 110 Rlhlr vor daß Zweit Brtheil in der gefangenen Juden- \ fach vndt davohr ausgelegtes postgelt, der Speyeri-j schm schreiben, vndt dahin geschickten Acten biß vfi den 30ten 8br. Zahlet laut Vhrkundl. ) 10 Rlhlr 15 alby — Vohr zwey Vrtheil in der Jn-l geseffenen Mörler, Diebe vndt Zauberer sach voms 2. July, 28ten 7br.: Zahlet. ' 2 Rlhlr 15 alby zur abzahlung zahlet laut Uhrkundt v. 13tn 9br 1658. 12 Rthr H. Doctor Diffenbach Mitt dem Postbotlen vf Frank- furlh geschickt, vf H. Doctor Hünfelts Beselch, den 2n. Febr. 1659. 18 Rthr: H. Doctor Gamffen vs Speyer beschickt den 5ln Frb. 1659. 3 Rthr: verzehrt als Ich mit Martin Gombeln der Aus- gerisenen Alten Beilstein vf Frankfurth vndt Riidelheimb drey tag Nachgeritten. I Seligmann Juden Ohlig kauft vff den Monat v2 \ January, Frb, Marly Aprill p. vndt volents /2 dt^^d^lrg hMe Monat May alß den 17. fo solcher uach gesetzter j hmgelhan worden, vfgangen, jede Maaß Zeit vfgangen [ 16 aiby: Nachrichtlich 1660. Mit blaßer Tinte ist unten angefügt: Item: 1 Maaß, So borgt wordtm, zu Echzell hohlen Lasen, nachkomment zahlen müsen, pro 15 alb. Ist — 8 Kopst. 21/2 alby: pro ö‘/2 Maaß Ohlig. Außgab Geldt von Hirtzen stangen Verkauft ge- rumbel außm Hauß den 24tn May 1658. 16 Rthr 16 alby ahn Weißpfenig mit vf Wechslung nach Straßburg daß Vrtheil einzulöhsen geben, 12 Rthr: H. Doctor Gambsen Nach Speier mit Conradt Wasen Übernacht den 18t Juniy 1 Rthr Conradt Wasen zu Lohn dießmahl geben, der Juden fachen dasmahl vf Speier zu tragen. --12 alby 2 H Verlust ahn der Börse weispfg: So Conradt Waß Empfangen- 1 l/z Rthr ahm 6ten, Börse alby H. Doctor vor Sehchsler zugestellt, feint vohr alby zuvor eingenommen worden, --1 alby vf Wechsel vf die 12 Thlr weil Ducaten bar» vohr geschofen worden vf Speier, widder einzuwechseln, 2 Rthr 27 alby dem Schls Hans Jörg Schöffer, Schultig in der Rechnung Anno 1657 v: 1658 verpliben, wegen auslagen nach Friedberg dem SchmitlMeister Lorentzen, ahn Eli gelruckten Pferdts, laut Rechnung zu sehen ist, --16‘/2 Pfg Wechsel abgangen von den Ernant zwey Thlr vnd 27 alby wie vorher zu sehen ist den 18. Juniy 1658. 6 Spanischthlr wegen Juden Hirtzen vf Giessen geschickt den 19. January 1658. - 30 alby dem Botten vf 3. Mahl nach Friedberg geben, so Schreiben an die Burgemstr In Sachen Hirtz Stangen hingettagen vndt vf Antwort warten müßen. M I l’MII !l riti h - 236 — 20 alby dem Statt Botten von Friedtberg vf 2. Mahl geben müßen, Schreiben mehrere bracht, 2 Rthr: vor zwey Ohm Bihr, den Zimmerleuthen, so daß Gericht vfgericht, vndt den Leinwebern geben, welchen damahls die Malzeit gehalten, vorgestreckten den 2. Xbr 1658. IVs Rthlr Mehr vfgangen vor Beampten vndt Diner So In hiesigem Rathhauß verzert wordten den 6tn Xbr 1658. Außgab Geld wegen Seligmann deß Alt en Juden 1660 ötibt Ao 1661. 14 Rthlr: H. Doctor Hünfelten mit dem Post Botten vf Frankfurth geschickt, wegen Bncosten so der Schultheiß zu Bingenhm vorgelegt, vndt htnn an Betzahlung ange» nahmen, den 7ten February 1661: Wie selbe Rechnung wirbt außweißen wo alles hinkommen zur Nachricht, 4 Rthlr: an gelt Laut Zettel Johan Melcher Dauernhsim vf H. Hüuefelts Excell:, welchen Herrn Hofprediger Gehr- Hardt Vatter geschrieben, befohlen Noch zu geben, über den Rock vndt Körpern Eimer, Gelio von Widdersheim versetzten Sachen laut Zettel Ihme geliefert worden den 6. Martiy 1666. Alles zur besern Nachricht, welches Gelt an Schlths zu Bingenheim zahlt vndt vons Juden fachen, Widder ein zu nehmen wiesen wirbt, maß noch vbrig fein wirbt, Laut Jngehess- ten Zettel, Vom Monat Januariy bis 17tn May 3 Rthlr vor Ohlig vndt gulichter bey Wach v: Taxkirung vfm Rathhauß vndt Schloswachten vf Seligmannen vfgangen biß dato. Hier bricht das Verzeichniß über Einnahme und Ausgabe ab und es folgt ein Urtheil über Hans Dapper und dessen Hausfrau, wegen eines begarigenen Diebstahls aus dem Jahre 1879; Geschehen zu Bingenheim den 9ten 7br 1679, unterzeichnet von dem Schultheißen Hanß Jörg Schösser- Die Aufzeichnungen besagen uns: einmal, daß die Juden Vermögen gehabt haben müssen; dann: daß sie Alles daran setzten, durch Berufung an das Reichrkammergericht zu Speier die Aufhebung des harten! Bingenheimer Urtheils zu erreichen. Es wurde aber von den Reichsrtchtern bestätigt, wie das Todesurtheil Seligmanns vom 17. Mai 1660, das bereits früher mitgetheilt wurde, beweist. An diesem Tage fand dann auch die Hinrichtung Seligmanns statt. Zweiter Theil. Are K e x c. Fünftes Kapitel. Das Jahr 1657 war vorübergegangen, ohne daß ein Hexenproceß oder eine Hinrichtung stattgefunden hatte. Die Landgrasschaft athmete auf, denn von 1652 bis Ende 1656 hatten nicht weniger als 46 Personen, darunter sechs unschuldige Kinder, auf dem Blutgerüste den letzten Seufzer ausgehaucht, ohne daß behauptet werden konnte, die Hexen hätten sich in der Zahl vermindert, oder der Hexenglaube habe abgenommen. Im Sommer 1657 starb der alte Rentmeister Leisching; der Landgraf befahl, einen tüchtigen, akademisch gebildeten jungen Mann als Ersatz herbei zu ziehen, was dem Commiflarius Caspari nicht gefiel. Er hätte lieber einen routinirten Siyreroer gehabt, welcher sich das Geld- und Kassengeschäft und die damit verbundenen Arbeiten zu eigen gemacht, auch die nöthige Devotion stets bewahrt und keine selbstständige Stellung beansprucht haben würde, wie dies von einem wissenschaftlich gebildeten Manne angenommen werde« mußte- Caspari machte verschiedene Vorschläge, welche dem Landgrafen aber nicht gefielen- Nach einiger Zeit lief ein Schreiben des Landgrafen Wilhelm VI. von Kassel, der Weise genannt, ein. Darinnen war ein junger Mann von 26 Jahren, Gerhardt Bardenstein, für den heffen-bingenheim'schen Dienst gar angelegentlich empfohlen- Bardenstein stammte au» einer adeligen Familie, die im 30jährigen Kriege Alles verloren hatte und bis auf diesen einzigen Sprossen ausgestorben war. Dieser eine Uebergebliebene hatte eine harte Jugend durch, gemacht, was ihn aber nicht abhielt, fleißig in den Schulen zu lernen, auch ein wenig der Musik zu pflegen, also, daß er die Laute spielen und angenehm zu singen verstund. Landgraf Wilhelm der Weise sandte den jungen Bardenstein später auf die hohe Schule zu Rinteln, verwandte ihn auch in seinem Dienste, hatte aber damals keine paffende Stelle für ihn. Als er nun hörte, daß seines Vetters Liebden, Landgraf Wilhelm Christoph zu Bingenheim, einen tüchtigen Mann suche, übergab er dem jungen Bardenstein einen Empfehlungsbrief, der ihm gar wohl den Weg nach Bingenheim ebnete. Dem Landgrafen gefiel der Bewerber ob seiner feinen Manieren und guten Aussehens sehr wohl, dem Commiffarius Caspari aus denselben Gründen um so weniger. Doch war der Letztere so klug, es nicht zu zeigen. Der neuangestellte Be. amte wurde in Eid und Pflichten genommen, man übergab ihm Kasse, Bücher und Acten und überließ' es ihm, sich mit dem Dienste abzufinden. Das geschah bald und sehr sicher. In kurzer Zeit kannte Bardenstein, der ein treffliches Gedächt- niß und guten Verstand besaß, den ganzen Dienst und die ganze Landgrafschaft. Man setzte ihm überall einen heimlichen, passiven Widerstand entgegen, der durch das freundliche Wesen des Eindringlings — als solchen betrachteten ihn auch einige Geistliche, die am liebsten ihre Söhne untergebracht hätten - bald überwunden wurde. Zum 13. November, dem Geburtstage des Landgrafen, war eine große Abendgesellschaft in's Schloß geladen worden; alle Beamten und Geistlichen mit ihren Familien erschienen. Nach aufgehobener Tafel wurden Gedichte vorgetragen, denn der Landgraf und seine liebenswürdige Gemahlin waren der Poesie und allen anderen Künsten wohlgeneigt. Nachdem die älteren Herren ihre Vorträge gehalten, gnädiglich gerühmt und belobt waren, befahl der Fürst, daß Bardenstein, der Rentmeister, eine Probe seiner Kunst ablegen solle Dieser holte die Laute, stimmte sie geschickt, trat zwei Schritte vor und sang mit volltönender, weicher Baritonstimme ein Lied zum Preise des Friedens und zum Lobe eines Herrschers, der sein Volk und Land durch Weisheit und Güte be« glückt. Der hohe, weite Saal wurde durch die klangvolle, weiche und doch große Stimme des Sängers mit Wohlklang erfüllt und dieser drang so in die Herzen der Hörer, insonder» heit in dasjenige der Fürstin, daß ihr die Thränen in die Augen traten. Als der Sang zu Ende, herrschte eine Minute lang tiefe Stille im Saale, was die Mustkvirtuosen Kunstpause zu nennen pflegen und viel bester den gewaltigen Eindruck bezeichnen soll, denn alsbaldiges heftiges Klatschen und Beifallrufen. Mit dem feinen Battisttüchlein tupfte die Fürstin die emporgestiegenen Thränen aus den seidenen Wimpern, dann winkte sie dem Sänger gnädig zu, welcher sich fein und artig zuerst gegen die Landgräfin, dann gegen den Landgrafen, endlich gegen die übrigen Zuhörer verneigte und zurücktrat. Alsbald kam der Landgraf auf den jungen Mann zugeschritten, um ihm einige anerkennende Worte zu sagen. Zugleich erhub sich ein leises Murmeln und Flüstern im Saale, dieweil Jeder vermeinte, er müsse seinem Nachbar sagen, wie sehr ihm der Sang gefallen und welch tiefen Eindruck er hinterließ. Auf dem Heimwege sprach Hofprediger Meles, welcher von 1657 bis 1686 segensreich in Bingenheim wirkte, weder Söhne noch Töchter befaß und also keine besonderen Zwecke zu verfolgen, noch sonderliche Hintergedanken zu hegen brauchte, mit freundlicher Wärme zu dem Sänger: „Habt gar ein schöne» Talent und Gottesgab' empfangen in Eurer Stimme und der Kunst des Saitenspiele», Herr von Bardenstein. Vermöget Herz und Gemüth dadurch zu rühren. Pfleget dieser Gabe und geizet bei uns nicht damit, denn die Mustca ist ein göttlich Geschenk und Doctor Luther hätte sie nicht um großer Gut missen mögen. Wollet auch dabei nicht vergessen, daß Ihr Euch heute mit diesen Gottesgaben einige Freunde und Gönner, leider wohl noch viel mehr Neider und Feinde erworben habet. Die Menschen können nur schwer vertragen, daß ju die alt Worte ich bei Neid, als ge besser sprach Hand S man 1 Fast ( da so „verst mit ei rend i Solch« Beine Wege als N bei be der Lc der 8 Dame Kanzl frau i blauer achtun frau t alt w Gesicl stump hervo etwas auf, i den $ Jungf Herrn doch x Gestch heran Tasse Sanft und li lauwo mine, gar n zu ihr Gestch Geschi heilen ihrer Poest« Greue Spor« ermüd wegen mit t Alwin Spazi wine Mal« schickt, Rentn Freun und P - 28L daß junge Kräfte mit neuen Gaben und Talenten aufstehen, die alten zu verdunkeln." „Dank Euch, Hochwürden, für die wohlmeinenden, gütigen Worte," erwiderte Bardenstein. „Was Ihr mir sagt, hab' ich bereits erfahren und empfunden. Soll ich aus Furcht vor Neid, Mißgunst und Bosheit Das bei Seite stellen, was ich als geistiges Erbe von meinen Vätern überkam? Ich denke: beffer Neider als Mitleider I" „So fei es — und habt Dank für den schönen Sang," sprach der Hofprediger, indem er dem Jüngling kräftig die Hand drückte. Desselben Abends, mehr noch die folgenden Tage, sprach man viel von Bardenstein, seiner Kunst und seinen Leistungen. Fast alle Männer waren ihm nicht wohl gesinnt. „Kommt da so ein homo novus hierher," sprachen sie unter einander, „versteht kaum etwas vom schweren Dienste, behandelt Alles mit einem Humor, als gelte es eine Parthie Brettspiel, während wir erfahrenen Männer wissen, wie groß die Mühe ist. Solchem jungen Grünschnabel muß man Knüppel zwischen die Beine werfen, auf daß er der Schwierigkeiten etliche auf dem Wege findet und spüret, daß man fich nicht ungestraft und als Neuling in ein fremdes Fürstenthum eindränget." Eine viel beffere Gestnnung fand der junge Rentmeister bei den Frauen: jüngeren und älteren. Eigentlich gab es in der Landgrafschaft nur ältere und ganz junge, letztere noch nicht der Schule entwachsen. Zu den älteren, unverheiratheten Damen gehörten drei Jungfrauen: Alwine, die Tochter des Kanzleirathes Holthäufer, eine stattliche, große, üppige Jung« frau mit vollem, blondem Haarwuchfe, runden Wangen, blaßblauen Augen, kräftigen Händen und Füßen, im Alter von achtunddreißig Jahren oder etwas darüber. Die zweite Jung« frau war: Malwine, die Tochter des Forstmeisters, etwa ebenso alt wie die Vorige, doch um eines Kopfes Länge kleiner. Drs Gesicht hatte eine bräunliche Farbe, die Nase brach etwas stumpflich ab, das Kinn verschwand fast ganz unter dem sich hervordrängenden Doppelkinn. Der Gang Malwinens hatte etwas Stoßendes, denn die Dame trat zuerst mit dem Absätze auf, wobei das Kleid auf den Boden aufstieß und die stapfenden Bewegungen der Eigenthümerin mitmachte. Die dritte Jungfrau hieß Helmine und war die Schwester des gestrengen Herrn Justizcommisiars. Helmine war so groß wie Alwine, doch viel schlanker. Kein Tröpflein Blut war in ihren sanften Gestchtszügen zu erblicken, aus dem zwei wafferblaue Augen herausschauten wie zwei Vergißmeinnichtblümlein aus einer Taffe Milch. Aschblondes Haar zierte Helminens Haupt. Sanft und ruhig waren alle Bewegungen der Jungfrau, weich und lispelnd fielen ihre Worte in die Ohren der Hörer wie lauwarmes Zuckerwasser auf die Zunge eines Durstigen. Helmine, die ebenso jung sein wollte wie ihre Freundinnen, oder gar noch etwas jünger, war in Allem der schärfste Gegensatz zu ihrem Bruder, deffen Bewegungen rasch, eckig, herrisch, deffen Gestchtszüge tief eingegraben und unregelmäßig waren. Die Geschwister hatten stets Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten zu begleichen, ohne uneinig zu werden, weil Helmine in ihrer Sanftmuth und Weichheit stets nachgab. Helmine liebte Porste und Gedichte, denen der Commiffarius aus dem Wege ging, wie der Dieb dem Häscher. Süßigkeiten und Näschereien liebte Helmine über Alles, dem Commiffarius waren sie ein Greuel. Ihm kam es nicht darauf an, sich mit Stiefeln und Sporen längelang auf das Sopha zu legen, wenn er einmal ermüdet von einer Reife zurückkam. Dann jammerte Helmine wegen des Durcheinanders zum tausendsten Male, aber stets mit gleich geringem Erfolge. Gingen die drei Freundinnen Alwine, Malwine und Helmine gemeinschaftlich aus, um einen Spaziergang oder einen Besuch zu machen, dann hielt sich Alwine zur Linken und Helmine zur Rechten der kleinen dicken Malwine, denn so konnten sich die drei Freundinnen am geschicktesten verständigen. „Es ist doch ein recht geschickter, lieber Herr, dieser neue Rentmeister," begann Alwine die Unterhaltung, welche die drei Freundinnen auf ihrem Gange nach Echzell, wo Frau Magister und Pfarrer Soldan besucht werden sollte, mit einander führten. Mich däucht, der Herr hat Einiges in sich, was Andere nicht besitzen." „Aber Alwine I" entgegnete Helmine mit sanftem Vorwurfe, „welch' aufrichtige Rede führst Du da; ein „recht geschickter, lieber Herr!" Wenn das Andere gehört hätten, was würden sie sagen." „Helminchen, liebe Freundin," versetzte Alwine etwas aufgeregt, „darf man denn gar kein offenes, deutsches Wort mehr sprechen. Wir sind hier unter uns und im freien Felde, mithin können Wände keine Ohren haben." „Ja, Alwinchen, Wände sind nicht vorhanden, aber Winde, welche die Worte weiter wehen können," flüsterte Helmine. „Wie unsere Freundin poetisch wird," spottete Malwine. „Höret nur: Wände nicht, doch Winde, welche Worte weiter wehen, ist da« nicht offenbarer altdeutscher Stabreim 1 Helminchen, Du schwärmst, Dein weiches, poetische» Gemüth ist von einem erhabenen Gedanken oder einem besonders tiefen Gefühle erfaßt, ich sah es sogleich bei unserer Begegnung in Deinen Augen und Gesichtszügen." (Fortsetzung folgt.) Werthers Schatten. Novelle von Carl Cafsau. (Fortsetzung.) Nach einer Woche hatte Werther mit Gröhlmann auch die Insel Norderney erreicht und ein Unterkommen bet einem alten Fischer, Clas Kasten, gesunden. Als Werner zum ersten Mal über die Watten dem Meere zugewandert war und die große dunkelgrüne, leichtbewegte Wasserwüste vor sich sah, ließ er den Blick über die weite Fläche streifen und dachte melancholisch: „Weich' ein Anblick, wie öde! Gleicht das Meer nicht meinem Leben? Und die Monotonie de« Wellenschlags am Ufer, hat sie nicht Aehnlichkeit mit der Abwicklung meine« Tagewerkes! Wo sind die erträumten Ideale geblieben? Zerstoben, wie dort am Ufer Welle auf Welle zerstiebt!" Die Seebäder kräftigten indeffen Werther an Leib und Geist; er ward heiterer, mittheilsamer und unterhielt sich sogar öfter mit seinen Wirthen. Auf die Frage, ob da« Ehepaar keine Kinder gehabt, ergriff Clas Kasten den Südwester und eilte schleunigst ans Meer, die Alte aber, Frau Kathi, erzählte Werther eine lange Geschichte von einem einzigen Sohne und deffen unglücklicher Liebe, die ihn in den Tod getrieben. Werther konnte e« nicht weiter hören, und er unternahm rasch einen weiten Spaziergang. Der alte Schmerz meldete sich nochmals, dann ward Werther aber nach und nach ruhig. Eines Tages wandelte unser guter Freund wieder am Meeresufer hin und hier. Er dachte über jene Zeit nach, al« die Insel noch zum Festlande gehörte und wie es hier damals ausgesehen haben mochte. Da plötzlich stand vor ihm — Laura Busch. Ein Schrei, ein Ruf der Ueberraschung klang aus Pauls Munde und beide stehen sich zu Tode erschrocken gegenüber. „Es ist offenbar der Wille Gottes," begann Werther düster, „daß wir uns wiedersehen!" „Sie zürnen mir?" sagte die Frau Amtmann dann und sah ihn mit den großen Rehaugen treuherzig an. „Ich Ihnen?" rief er ihre Hand erfaffend. „Laura, wie können Sie so fragen! Ich liebe Sie noch heute!" „Armer Freund!" flüsterte sie. „Ja, sehr, sehr arm bin ich!" antwortete er schmerzlich. Die kluge Frauennatur Laura« errang über den leidenschaftlichen Mann aber schnell da« Uebergewicht. Eine lange Geschichte ihrer Krankheit erzählend, worauf er begierig horchte, führte sie ihn allmälich dem Orte wieder zu und hier angesichts der Badegäste schloß sie dann: „So schickte der Arzt mich hierher! Paul begleitete mich! Vorgestern kamen wir an und gestern fuhr Paul zurück; ihn ruft das Amt! - Nun wissen Sie alles — und in diesem Hause wohne ich!" Sie reichte ihm die Hand und kaum konnte sie verhindern, daß er ihr zu Füßen fiel. Aber ihre Hand hielt Werther fest, denn er hatte augenscheinlich ganz die Herrschaft über seine Seele verloren. „Eins sagen Sie mir noch, theuerste Laura," flehte er erregt, „würden Sie auch auf die Insel gekommen sein, wenn Sie mich hier gewußt?" Sie machte sich von ihm los und sagte: „Aber, Werther, wir sind nicht allein! Mein Ruf —!" „So antworten Sie!" „Morgen früh beim Spaziergange am Meere!" „Wann?" „Ich schlafe lange, ich bin schwach!" flüsterte sie verlegen. Er nickte und sagte: „So leben Sie wohl, Laura! Bis morgen!" Er lief an'« Meer zurück, denn im Hause litt es ihn nicht mit seinen leidenschaftlichen Empfindungen. Laura setzte sich aber sogleich hin und schrieb drei Briefe. Der erste war an ihren Gatten adressirt- Sie theilte ihm mit, wie sie infolge eines Zusammentreffens mit Werther sofort abreise und nach Borkum übersiedle; dahin möge er seine Briefe fenden. Der zweite Brief war an ihren Schwager zu Harpstedt gerichtet und lautete: „Norderney, den 4. September 1785. Lieber Schwager! Heute traf ich plötzlich zu meinem Schrecken hier mit Deinem Freunde Werther Helbig zusammen. Er benahm sich so exaltirt, daß ich Dich bitte, nach Empfang dieses Briefes durch einen Eilboten sogleich mit Extrapost abzu» reisen, um ihn hier aufzusuchen. Ich fürchte ein Unglück und bin, um weiteren Ausbrüchen feiner unsinnigen Leidenschaft auszuweichen, sogleich abgereist. Unter herzlichen Grüßen an Dich und Sophie Sure Laura Busch." Beide Briefe wurden sogleich befördert. Darauf schrieb die Frau Amtmann ein drittes Billet, welches lautete: „Lieber Freund! Sie benahmen sich bei unserem leider erfolgten Zusammentreffen so seltsam, daß ich für Ihren weiteren Umgang mit mir das Schlimmste befürchten ' muß. Ich bin daher nach Hause gereist und hoffe, daß Sie sich in das Unvermeidliche fügen werden. Sie waren ja sonst ein so guter Mensch; denken Sie an Ihre lieben Eltern und Gott! Ich verbleibe stets Ihre treue Freundin Laura." Dieses Billet erhielt Lauras Wirthin mit den Worten: „Es wird morgen früh ein junger Herr nach mir fragen; geben Sie ihm dieses Billet!" „Ja wohl, Madam!" erwiderte die Frau. „Leider muß ich sogleich mit dem Postschiffe abreisen!" erklärte dann Laura. Sie zahlte den Wirthsleuten eine angemessene Entschädigung, ließ ihre Sachen packen und begab sich auf das Schiff, welches um diese Zeit absuhr. Werther hatte vor Aufregung die ganze Nacht über kein Auge zugethan. „Du bist doch etwas wsrth!" rief es in ihm, „Sie liebt Dich doch ein ganz klein wenig." Er zermarterte sich den Kopf darüber, was nun werden solle, da sie ihn liebe. War sie nicht das Weib eines Andern?" Nie hatte er Paul so zu hassen gemeint, wie er ihn heute haßte. Endlich, endlich war es Morgen! Gegen 6 Uhr trat er in das Fischerhaus. Statt Laura empfing er das Billet. Er öffnete es nicht. Schnell lief er an den Strand und hier erbrach er den Brief. Er las ihn nicht einmal zu Ende, bas Blatt entfiel seiner Hand, der Wind trieb es fort. Laut schrie er auf: „Betrogen! Ein unwürdig Spiel hat sie mit mir getrieben wie damals! Betrogen zum zweiten Male!" (Schluß folgt.) Gemeinnütziges« Um den Wasserpflanzen in den Aquarien ein üppiges Gedeihen zu sichern, verwende man Regenwasser, abgekochtes, sowie auch destillirtes Wasser, erneuere es alle vierzehn Tage und setze pro Liter Wasser x/2 Gramm schwefel- oder salzsaüreS Ammoniak und */2 Gramm phosphorsaures Natron zu. Das Fauligwerden des Wassers wird vermieden, wenn Salicylpulver in etwas Wasser aufgelöst und dem Aquarium von Zeit zu Zeit davon etwas zugesetzt wird. • ♦ Ausgebratenes Schmalz. Manche Hausfrau wird schon die Erfahrung gemacht haben, daß das ausgebratene Schmalz nach dem Abkühlen und Festwerden statt schön geschmeidig, bröcklich und grieslich ausfällt. Nach der Fleifcher- zeitung „Allzeit voran" entsteht dieser Fehler, wenn die Schüsseln während des Erkaltens weiter getragen oder erschüttert werden. Bleiben dieselben nach dem Einfüllen unberührt stehen, so wird man schönes, glattes Schmalz bekommen. Beseitigen läßt sich der Fehler dadurch, daß man griesliches Schmalz nochmals erwärmt und mit einem Holzlöffel so lange rührt, bis es kalt ist. * ♦ * Saure Sahue. Es passirt oft, daß es der Hausfrau an der zu Braten fo nöthigen sauren Sahne fehlt. Diese möchten wir nun auf ein kleines Hilfsmittel aufmerksam machen. Man schöpfe von der Milch den Rahm ab und versetze diesen mit einigen Tropfen Weinessig. Geschieht dies am frühen Morgen, so hat man Mittags die Möglichkeit, mit dem nun „sauren Rahm" eine ziemlich gute Sauce herzustellen. Natürlich muß der Rahm nicht zu spät an den Braten kommen, damit er noch ordentlich mitbrät und die Sauce ihre richtige schöne dunkelbraune Farbe erhalte. * ♦ * Rinderherz. Dieses ist ein sehr wohlfeiles Gericht und doch sehr schmackhaft, wenn es gut bereitet worden. Man weiche das Herz in warmem Wasser ein, um alle Unreinigkeit auszuziehen, wische es gut ab und fülle es mit stark gewürzter Kalbfleischfarce; (gehacktes Fleisch mit Fett, Eiern, geriebenem Weißbrode, Kräutern u. s. w.); man brate es ungefähr zwei Stunden und gebe es bloß mit Kraftbrühe oder mit scharfer Sauce auf den Tisch. Vermietest Begreifliches Sträuben. Tante: „Komm'zu mir, Karlchen, gib mir ein schönes Küßchen." — Karl (weinend): „Nein." — Vater: „Gleich gibst Du der Tante einen Kuß oder —" — Karl: „Ich will aber nicht! Du hast erst gestern gesagt, die Tante hätte eine giftige Zunge." * » • Schnell verbessert. Bei einem Ständchen, welches einer Wittwe am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit gebracht wird, singt der Chor: „Nur einmal blüht im Jahr der Mai, nur —" (kurze Verlegenheitspause, dann mit Ueberzeugung) — „nur zweimal im Leben die Liebe!" Redaction: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.