Nnt-rchaltrrirgsblatt 311m Gietzenev Anzsigsv (Oenevcrl-Anzeigev) J, 1894, -(§ML s v " ‘Avä1. LWW KM^W ZWWWM HLMMUT KNMM WM^^W Donnerstag, den 22. Marz. Die Wallfahrt nach Czenstochau. Roman von Johanna Berger. (Fortsetzung.) Gleich darauf trat Jadwiga wieder in die Stube des Alten und reichte ihm die Hand. „Leb' wohl, Vater," sagte sie leise, „Gott behüte Dich!" Er faßte ihren Arm. „Was willst Du thun?" „Fort will ich!" erwiderte sie. „Fort, weggehen von mir — mich verlaffen? — Das kann Dein Ernst nicht sein. Ach, Jadwiluschka, thue es nicht, bleibe bei mir. Wie eine Prinzessin will ich Dich halten von jetzt an, nur geh' nicht fort!" Die Stimme des Alten zitterte, immer fester umklammerte er des Mädchens Arm. Aber sie machte sich sanft von ihm los und nahm ihre Reisetasche in die Hand. „Laß mich gehen," sagte sie mit finsterem Gesicht, „ich muß fort, in Czenstochau ist meines Bleibens nicht mehr, ich kann die Menschen nicht wieder sehen, die mich so furchtbar gekränkt haben! Anderswo finde ich vielleicht ein Plätzchen, wo ich mir mein Brod verdienen kann. Darum halte mich nicht auf, es ist schon spät. Wenn ich kann, schreibe ich Dir. Und denk' manchmal an mich und wenn Du einmal hörst, daß ich gestorben bin, dann mache ein Kreuz an Deine Thür und bete für meinen Frieden." „Ach, Seelchen, ach, goldenes Seelchen, rede nicht sol — Sterben — man stirbt nicht so leicht. Und wenn Du doch gehen willst, so gehe mit muthigem Herzen! Vielleicht wendet stch noch Dein Schicksal zum Besten und Dein Leid ändert sich in Freude. Dann ist Alles vergeffen!" 'Da» Mädchen sah ihn mit leuchtenden Augen an, denn wie eine Verheißung klangen seine Worte in ihr verzweifelndes Herz. Und nun wandte sie sich rasch zum Gehen. In der Thür blieb sie noch einmal stehen und schaute zurück. „Vater, ich bitte Dich, vergiß mein Kleinod nicht," bat sie. Im nächsten Augenblick war sie verschwunden. Der Lieutenant sank stöhnend in seinen Seffel zurück, er schloß die Augen und kämpfte schwer, denn das Trennungsweh überwältigte ihn mit furchtbarer Gewalt. Und gegen die trüben Scheiben peitschte der Regen und der Abendwind klagte um das Haus. Die alte, bunte Wanduhr sang wieder ihr dünnes, eintöniges „Tick-Tack" und der Kuckuck darauf rief die Stundenzahl mit heiserer Stimme ab. Es war neun Uhr; die Nacht breitete sich über das niedrige, stille Gemach und mit ihr kam die Ruhe und der Frieden. Das Herrenhaus von Lygotta war an dem der schwarzen Madonna geweihten Tage leer und verlassen- Die Dienerschaft hatte schon vor Tagesgrauen alle Arbeit vollbracht, um nur ja nicht die Kirchenfsier, den Bittgang und vor Allem die Processton zu versäumen. Nur Michalina, die alte Köchin, war daheim geblieben, um das Haus zu hüten. Am Nachmittag stand sie sonntäglich geputzt mit dem Strickstrumpf vor der Hausthür, um dem Glockengeläuts und der aus der Ferne herüber schallenden Musik zu lauschen. Von Zeit zu Zeit blickte sie zum H-mmel empor, an dem sich langsam tresdunkles regenschweres Gewölk auflhürmte. „Das fehlte gerade," brummte sie vor sich hin, „daß wir heute noch etwas Nasses bekommen. Wo sollten dann die armen Pilger bleiben, die schon seit gestern im Freien cam- piren. Ach, Du Herrgottchen, das wäre 'ne schöne Prostemahlzeit. Aber ich dachte es mir gleich, als den ganzen Morgen die Hähne krähten und der TyraS Gras fraß! Na, die Madonna wird schon ein Einsehen haben und den Regen verhüten, denn heute kann sie Alles, was sie will!" Michalina wurde plötzlich durch ein zischendes und prasselndes Geräusch, das aus der Küche kam, in ihren Reflexionen unterbrochen. „Heiliges Kreuz, mein Braten!" rief sie aus und nun lief sie zankend und polternd tn's Haus zurück Bald darauf raffelte die Britschka mit Frau von Bielinska und ihren Gästen auf den Edelhof. Roman fehlte; er war gleich nach dem Hochamt auf ein entferntes Vorwerk geritten, das zum Gute gehörte. Die Herrschaften waren müoe und abgespannt von der Hitze und dem vielen Trubel. Sie zogen sich nach dem Diner sofort in ihre kühlen Zimmer zurück, um eine luftige Toilette zu machen und sich von den Strapazen dieses Tages zu erholen. lieber dem Herrenhause brütete eine heiße, unbewegliche Luft- Im Garten wogte betäubender Blumenduft und die Vöglein saßen still und träumend auf den Bäumchen. Nur die Jnsecten gaukelten summend umher und die Eidechsen sonnten sich im Grase. Weit und breit war kein Mensch zu sehen und zu hören, denn das Dorf und die Felder lagen heute einsam und verödet da. Die Herrin von Lygotta hatte sich in ihr Schlafzimmer zurückgezogen. Dort lag sie mit gelösten Haaren, die Füße bequem von sich gestreckt, im zwanglosesten Negligs auf dem Divan, indem sie bald ein Glas Htmbeerlimonade schlürfte, bald aus einer neben ihr stehenden Bonbonniere Confect naschte. Ihre Kammerfrau, eine ziemlich dumm aussehende Person, wehte ihr mit einem großen Papierfächer Kühlung zu. Hin und wieder unterbrach sie diese Beschäftigung, um den Fächer mit der Fliegenklappe zu vertauschen und die lästigen 134 Jnfecten ohne Umstände auf den Möbeln und den tapezierten Wänden zu erschlagen. In dem ziemlich großen Gemach herrschte eine grenzenlose Unordnung. Tische und Stühle waren mit Carton«, Hüten und Kleidern bedeckt- Auf dem Kamin standen neben einem Bilde der sixtinischen Madonna eine Flasche Ungarwein, mehrere Schachteln mit candirten Früchten und ein Paar neue Stiefeletten. Bonbonspapiere lagen zerstreut auf dem fadenscheinigen Teppich umher und ein augenscheinlich in größter Hast abgestreiftes Seidenkleid ruhte friedlich daneben. Alle Schiebladen und Fächer der Commode waren weit geöffnet und Jedermann war ein Einblick in ein wunderliches Chaos von Bändern, Kragen, Handschuhen und tausenderlei anderem Krimskrams gestattet. Frau von Bielinska wälzte sich unbehaglich auf dem Divan von einer Seite zur anderen „Gib mir mein Riechfläschchen, Bronislawa," seufzte sie, „aber rasch, ich ersticke! Diese Hitze ist unerträglich. — Was habe ich heute ausgestanden bei der Procefsion, es ist nicht zu beschreiben, und wenn ich darüber jammerte, lachte mich die Gräfin aus. Ja, die hat Nerven, ich sage Dir, Nerven wie Bindfaden so stark, und nichts — nichts kann diese Frau derangiren. Sie war wie von Stahl und Eisen, während mir übel und schwindlig wurde. Aber ich mußte mit, immer mit durch den himmelhohen Staub, durch das dichte Menschengetümmel; Jesus Maria, es war gräßlich!" , Die Kammerfrau nickte zustimmend und seufzte mit. Da hörte man plötzlich eine Thür irsis Schloß fallen und ein leichter Schritt erschallte im Hausgang. Wie electristrt fuhr die Edelfrau empor, ihre Augen strahlten förmlich auf. „Das ist die Comteß," sagte sie lächelnd, „und weißt Du, Bronischa, der süße Engel wird in Kurzem meines Sohnes Frau. Aber sperre doch Deinen Mund nicht so gewaltig auf, Du Gans, es ist wahr und zu verwundern gibt es darüber nichts. — Ja, ja, dann wird in Lygotta ein herrliches Leben sein. Schmul werden wir los und das Rechnen und Sparen hat ein Ende. Ich kann dann meine Toiletten direct aus Paris beziehen, denn wir werden natürlich alle Jahre ein Reise in'« Ausland machen. — Ach ja, Paris will ich sehen, das herrliche Paris, und mein Sohn muß mir schwören, daß ich von dem Tage seiner Hochzeit an meine Odeurs und Konfitüren aus dem unübertrefflichen Frankreich verschreiben darf! Himmlische Maria, wäre es nur erst so weit!" Die kleine, kugelige Dame blickte vergnügt um sich her, dehnte sich behaglich und ließ sich von Bronislawa einen großen Bonbon in den Mund stecken. Dann schloß sie die Augen, um halb wachend, halb schlafend von Reisen, Toiletten, Confitüren und Wohlleben zu träumen- Es war schon gegen Abend, als Roman wieder auf dem Edelhose anlangte. Pavel sprang herzu, half ihm beim Absteigen und nahm sein Pferd in Empfang, um es in den Stall zu führen. Als er nach seiner Mutter fragte, erhielt er den Bescheid, die gnädige Frau fei schon vor zwei Stunden mit den fremden Gästen von Czenstochau zurückgekehrt, die Herrschaften hätten Mittagbrod gegessen und befänden sich nun in ihren Zimmern, um zu ruhen- Roman zuckte die Schultern und blickte in den Regen hinaus. Sein Gesicht war blaß und um den Mund lag ein müder Zug. Er stand eine Weile bewegungslos, dann nahm er den Hut vom Kopfe und stäubte die nassen Tropfen davon ab, doch gleich darauf preßte er beide Hände an die Schläfen, als fühle er dort einen Schmerz. Hinter ihm im Hausgange erschallten Schritte und das Raffeln eines Schlüsselbundes. Als er sich umwandte, stand Michalina vor ihm- Sie blickte besorgt auf ihn hin. „Jesus, Pan Roman," sagte sie, „wie sehen Sie aus, Sie sind ja platschnaß wie ein Fisch. Kommen Sie rasch in die Stube herein, es zieht hier im Flur und Sie erkälten sich!" Er nickte zerstreut, aber antwortete nicht. Langsam schritt er an ihr vorüber in’s Treppenhaus. Die alte Köchin trippelte plaudernd neben ihm her. „Die Herrschaften haben eine Weile mit dem Diner auf Sie gewartet, Pan Roman! Sie waren todtmüde, als sie heimkamen, und ganz verstäubt und abgespannt. Na, und die gnädige Frau, die sah gerade aus, als wolle der Schlag sie rühren, o purpurroth war sie und so verärgert. Jetzt liegen sie Alle auf ihren Kanapees und schlafen wie die Murmeln. — Möch. ten Sie nicht ein Bischen essen, Pan Roman? Ich habe Ihnen Ihr Lieblingsgericht warm gestellt, Schleie mit Petersilie und Butter. Ich will in die Küche springen und Ihnen das Essen chnell auftischen!" „Meinetwegen," klang es gleichgiltig zurück. Die Alte nickte erfreut und trippelte hinaus- Roman trat in den Familiensalon, zog' einen Sessel an's offene Fenster und sank hinein. Er strich mechanisch mit der Hand über fein feuchtes Haar und sah in den stillen Garten sinau«, auf welchen ohne Unterlaß der Regen herabplätscherte. Im Hause war er still, wie verödet, man hörte keinen Laut, >abei herrfchte eine gewitterhaft schwüle Luft darin, wie draußen n der Natur. - Roman fühlte sich ermüdet; er lehnte den schmerzenden Kopf zurück und schloß die Augen. Er war stundenlang im glühenden Sonnenbrände über die Felder und Fluren geritten und dann im strömenden Regen. Später hatte er am Waldsaume unter den tropfenden Föhren gerastet und da war Ruhe über ihn gekommen. Und als das feierliche Glockengeläut? vom Jasnagora über die weite Landschaft zog und mit sanftem Hall zu ihm herüberschwebte, da hatte er den Hut vom Kopfe genommen, die Hände darüber gefaltet und seine Lippen hatten ein inbrünstige«, aber gar wunderliches Gebet gestam« melt — ein stilles Gelöbniß. Denn nach langem und schwerem Kampfe war es endlich zur Klarheit in seinem Innern gekommen. Die Zweifel, Bedenken und Erwägungen waren geschwunden und die Liebe hatte den Sieg errungen. Mochten auch seine Standergenossen höhnisch die Achseln über ihn zucken und die Mutter zürne» und schelten, er wollte von nun an die Geliebte auf den Platz stellen, der ihr gebührte - auf den sie ein heiliges Recht hatte durch seine große, Alles überwindende Liebe. Jadwiga gehörte zu ihm — untrennbar — auf ewig. Mehr wie je war ei ihm heute in den langen, einsamen Stunden klar geworden, daß für ihn die Welt tobt und leer war ohne sie. Und er wollte kein Feigling mehr sein, um ihretwillen wollte er tapfer einem arbeits- und sorgenvollen Leben entgegengehen und lieber mit Armuth und Dömüthigung kämpfen, als Reichthum, Ehre und Wohlleben mit einer Anderen genießen. Und sie, Jadwiga, das warmherzige, thatkräftige Mädchen, würde sicher mit ganzer Seele an seiner Seite stehen und sein Schicksal muihig mit ihm theilen. Minute nach Minute verrann. Es hatte mit Regnen aus- gehört und leichte, graue Abenddämmerung brach herein, lieber Roman war ein sonderbarer Zustand gekommen, ein fieberhaftes Schlummern und Träumen. — Auch seine Hände bewegten sich in unruhiger, nervöser Hast. Trotz eine» unsäglichen Glücksgesühls in seinem Herzen legte sich die Ahnung kommenden Unheils beängstigend und lähmend auf sein Hirn und bedrängte ihm die Brust wie ein schwerer Alp. Ein Geräusch an der Thür rüttelte ihn auf. Michalina kam in's Zimmer. Sie trug eine Platte mit Tellern und Schüsseln. Pavel folgte ihr mit einer Flasche Wein. „Nun essen und trinken Sie, Pan Roman," bat sie- — „Sehen Sie, die Fische dampfen und vom Rehbraten habe ich auch ein saftiges Stückchen aufgewärmt!" , Pavel hatte den Salon wieder verlassen. Michalina breitete ein Tuch auf den Tisch und setzte die Speisen darauf. — Der junge Edelmann rührte sich nicht. „Wollen Sie nicht essen, Pan Roman?" „Quäle mich nicht, ich habe keinen Hunger!" „Keinen Hunger? Na, das ist schön. Keinen junger, wenn man den lieben ganzen Tag nichts gegessen hat. Ach, Herrgottchen, dann sind Sie krank, Pan Roman!" Er machte eine abweisende Bewegung. „Nur ein wenig Kopfweh, Michalka - sonst nichts. Thu' mir den Gefallen und laß mich allein." , c , Die Alte schüttelte den grauen Kopf. „Na ja, da haben — 135 gnädige rühren, sie Alle - Möch« e Ihnen Ute und »S Esten >ie Alte fiel an'r mit der Garten itscherte. rn Laut, draußen erzenden llang im geritten t Wald« ar Ruhe mgelänte alt sanf« gut vom e Lippen gestam« s endlich ifel, Be« )ie Liebe »genossen c zürnen den Platz echt hatte t gehörte war er .eroorben, Und er er tapfer nd lieber im, Ehre iie, Jad« de sicher Schicksal znen aus' in. Ueber n fieber« Hände be« er unsäg« ! Ahnung fein Hirn Michalina lern und t fie. - habe ich littet drei« arauf. - l Hunger, hat- Ach, ein wenig i Gefallen da haben willig auf. „Verzeihen gnädiger Herr, es ist wahr. Das Bein ist ganz dick, ich habe einen Umschlag darüber gemachtt!" „Es ist gut, Pavel, ich werde zu Fuß gehen. Roman winkte ungeduldig mit der Hand und griff hastig nach seiner Consöderatka. Die alte Köchin hatte unterdesten ein Glas mit Burgun- der gefüllt und reichte es ihm hin mit bittender Geberde. „Pan Roman," sagte sie. „Was auch geschehen sein «ir's! Sie haben sich in dem Regen erkältet und werden eine I mag, alteriren Sie stch nicht so um das Mädchen. - Da tüchtige Grippe bekommen. Da will ich Ihnen gleich den I trinken Sie wenigstens ein Schlückchm Wein. Denn essen und Mederthee zum Schwitzen kochen." trinken muß jeher Mensch, das hält Leib und Seele zusammen! 6 ,Laß mich in Frieden mit Deinem Thee. Geh' nur, ich I Roman wies Alles zurück und stürmte hinaus. Micha« will allein sein!" rief er ungeduldig aus. lina starrte ihm kopfschüttelnd nach und leerte nun selbst das „Gott im Himmel, ich gehe ja schon." — Sie lief zur verschmähte Glas und dann noch ein zweites. Thür. Dort blieb fie wieder stehen und wandte den Kopf. I „Du liebes Herrgottchen," murmelte fie vor sich hin. „Da sttzen Sie nun und sind krank, Pan Roman, und ,$er gnädige Herr nimmt sich'» ordentlich zu Herzen. Ja, die gnädige Frau hat sich eingeschlosten und schläft. Und nun I et roa6 QUf die Jadwiga, da» sieht man Und fie ist's ist kein Mensch auf der ganzen Gotteswelt da, der dem armen I roeit^ wenngleich sie nur ein ganz armseliges Menschenverhetzten Wurm Helsen kann. Und ich weiß bestimmt, daß sie I finb das der Wind in die Welt geweht hat und Keiner aus purer Desperation in die Wartha rennt nach all' dem I roei^ w0^er p- Schrecklichen, das mit ihr passtrt ist. Ja, gewiß und wahr« I ber ;unge Edelmann in den Flur hinaustrat, hämhastig, sie thut's, wenn sich Niemand ihrer erbarmt. werte ihm so stürmisch das Herz, daß ihm schwindlig wurde. „Von wem ist die Rede und was ist denn Schreckliches 1 Atebel legte sich ihm über die Augen, er mußte unwillkürgeschehen?" I lich einen Halt suchen und nun lehnte er sich fest gegen die „Sie wissen 8 also noch nicht, Pan Roman? Na, mich I gganb Allmälig wurde ihm wieder besser und mit dem Ge« soll'» wundern, ob fie wieder nach Lygotta kommt. Sie schämt I des Wohlseins kam ihm ein neuer Gedanke. Oben in sich gewiß, denn man hat sie doch zu schlecht gemacht. ihrem Cabinet ruhte seine Mutter. Sollte er nicht, ehe er die Roman sprang auf und faßte die alte Köchin rauh am Geliebte aufsuchte, an ihre Thür klopfen und ihr Alle» ge- ?ltm. . stehen? Sollte er ihr nicht sagen: „Ich gehe jetzt zu Jad- „Was meinst Du eigentlich? — Sprichst Du von Jad . Qimen Mißhandelten, und hole sie heim als meine wiga?" stammelte er mit bleichen Lippen. „Wer hat es ge- I sgr(mt, denn ich liebe sie grenzenlos, bi» über den Tod hinaus." wagt, sie zu beleidigen?" I dieses Bekenntniß war er der Mutter schuldig und fie „Jesus," stotterte Michalina, „ich nicht ich wahrhaftig I mürbe ^et yejn Vorhaben billigen, denn sie mußte ja bericht — aber die Marienmädchen, die Auserwählten, haben I -t daß er nicht anders handeln konnte- Und ihrem einer gethan und nachher die anderen Leute. 'S» ist wahr I . Sohne zu Liebe würde sie gewiß das unglückliche Mäh- fie trägt immer den Kopf em Bischen hoch, unsere Panna I $en Q[§ Tochter an ihr Herz nehmen und ihr eine freundliche Jadwiga, und da drängte sie sich heute bei der Processton unter I in ihrem Hause bereiten. Die Mutterliebe ist ja so den goldenen Bethimmel, gerade mitten zwischen die gnädigen * £ ^haben und unerschöpflich in Opfern und Wohl- Edelfräuleins hinein. Und nun — ja nun — da - I tbaten unb auch seine Mutter war stet» voll Zärtlichkeit und „Und da?" fragte ungestüm Roman. Seine Augen hatten I ß(cbe unb trotz ihrer tausendfachen Launen großmüthig sich erweitert und blickten mit angstvoller Frage tn Michalinas l Ufit) ynb hatte sie' nicht Jadwiga von klein auf gepflegt Gesicht. und gehütet wie ihr eigene» Kind? Es war ganz unmöglich, „Und da hals einen greulichen Scandal abgegeben. Ja, I rte b,ere[bc unbarmherzig von ihrer Schwelle weisen und es soll schauderhaft hergegangen fein dabei- Man hat das I rein ganzes Lebensglück dadurch vernichten würde. arme Mädchen gef<^intpft, gePoBen un^^alb tobt flef^taften. ersten Stockwerk 34 war nicht zugegen, aber a s der Pavel mrr Alles erzählte, und öffnete leise Frau v- BielinskaS Zimmerthür- Die fuhr mir der Schreck ordentlich in Glied r hinein - V™ ”■ “ immer auf ihrem Divan Als er hinein- Und die Jadwiga na, wie ich die kenne, die verwindet die JW«» ^ schläfrig die Lider. Schande im Leben nicht- Nein, nie nie! I ' Da bist Du endlich, mein lieber Roman," sagte sie gäß- Der junge «belmann ^be„U9bte nend. „Komm' her, setze Dich da neben mich- Ich habe schon m£*£ÄÄÄwsä ■4’8,'Spb"14“6 cber■** Stürmisch klopfte ihm das Blut gegen die Schläfen- .Deshalb komme ich zu Dir, Matufchka," erwiderte er „Das ist ja entsetzlich, sagte er dumpf- ÄJ? unb küßte ihre Hand. „Ich will Dich um etwas bitten!" man nur so grausam, so erbarmungslos gegen em wehrloses »no "7 •Dlähtßcn fein l'* I f/'öittc, tnetn öOpit i ^Du lieber Gott, sie ist ein Ketzerkind und da fielen die „Ach, Mama!" Er stieß mühsam die Worte hervor. „Es schlechten Menschen wie wilde Thiere über sie her!" I ist nothwendig, daß Du Alles erfährst, Alles weißt. Es be- Eine dunkle Zornesröthe flog jäh Über Romans gebräunte I trifft Jadwiga und — und —" Er stockte. Wangen, er zitterte und bebte am ganzen Körper. Dann I Die Edelfrau verharrte regungslos und sagte im gleichflog er zum Glockenzug und klingelte, daß es laut durch da» gültigen Tone: „Ach so, Jadwiga! Jr, es war ganz abfchen- Haus schallte. , lich und ich bin empört über den Vorfall. Aber das Mädchen „Was wollen Sie thun, Pan Roman?" fragte Michalina. I mu§ e8 nicht so schwer nehmen und sich trösten, und einmal „Mein Pferd bestellen. Ich muß fort, gleich auf der ^ßte sie doch von ihrer Abkunst erfahren, nur ist e» sehr Stelle — zu ihr!" Und als Pavel eintrat, herrschte er ihn I betrübend, daß es öffentlich und in so roher Weise geschah, an: „Rasch den Gawriel wieder satteln, hörst Du! Mach I Doch reden wir nicht mehr davon, mich hat die Geschichte schon schnell, ich warte!" aufgeregt und meine Nerven ertragen das nicht, ändern können Pavel drehte verlegen die Pelzmütze in den Händen herum. I roir ohnehin nichts daran, es ist einmal geschehen!" „Das Thier hinkt stark, gnädiger Herr, es muß sich etwas in ( 3l6er mlt können das arme Mädchen in dieser schweren den Fuß getreten haben." , „ , m I Stunde doch nicht ohne Theilnahme, ohne Hülfe lassen. — „Der Gawriel hinkt? - Unmöglich!" fuhr Roman un- | Du nicht, wo sie jetzt weilt, Mama?" Romans Stimme bebte vor verhaltenem Schmerz. Mein Gott, wie kann ich wissen, wo sie steckt! Sei doch vernünftig und mache nicht solch' verzweifelte» Gesicht, Du bringst mir ordentlich das Blut in Wallung damit und solch Echauffement ist mir sehr gefährlich bet zwanzig Grad Reaumur!" (Fortsetzung folgt.) 136 - Msmsrnnntzigss. Färben der Ostereier. Den Hausfrauen dürften einige Winke hinsichtlich des Färbens von Ostereiern nicht unwillkommen sein. Die poröse Schale der Eier nimmt leicht jede in Wasier lösliche Farbe an; da aber durch Springen der Schale Farbe in das Innere des Eies gelangen kann, so muß man bei der Wahl der ersteren vorsichtig sein. Für jede Farbe stelle man zuerst durch fünf Minuten langes Kochen mit dem nur in kleiner Menge anzuwendenden Färbemittel eine Färbebrühe her, in welcher die Eier acht bis zehn Minuten lang gekocht werden. Man färbt grün mit einer Hand voll frischem Salat, dunkelgrün mit getrockneten Malvenblüthen, besonders dunkler Art, gelb mit Gelbholz oder Safran,- goldgelb mit den äußeren Zwiebelschalen, strohgelb mit Mandelschale, citronengelb mit Brenneffelwurzel, braun mit krapp. Eine Brühe sür rothe Eier erhält man aus Pernambukholz. Legt man Blätter von Petersilie, Schafgarbe oder dergl. auf das Ei, bindet diese mittelst Leinenlappen fest und kocht sie in der genannten Brühe, so erhält man rothe Eier mit weißen Blättern; Herze, Steine, Thierbilder aus Zwiebelschale geschnitten und auf Eier befestigt, geben rothe Eier mit gelben Figuren. Zartes Rosa bis Purpurroth erhält man aus mehr oder weniger gepulverter Cochenille. Marmorirt färbt man mit gezupften Seidenflöckchen, welche am Ei festgebunden und im Wasier gekocht werden. Blau färbt man mit Lackmus, wozu ein Körnchen Soda gefügt werden kann. Auf so gefärbte Eier lassen sich mit verdünntem Essig rothe Zeichnungen anbringen. • Das Pillzigwerden der Radieschen und Rettige zu vermeiden. Die Zeit, in der die Aussaat der Radieschen in die Freilandbeete zu erfolgen pflegt, benutzen wir, um unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß sie irgendwelche der allbekannten Mittel anwenden, um zu verhindern, daß ihre Radieschen und Rettiche pilzig oder gar hohl werden. Die Ursache für diese Erscheinung ist in einem ungleichmäßigen, namentlich durch Trockenheit oder zu festen Boden verursachten Wachsthum zu suchen. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, empfiehlt es sich, die Oberfläche der zugerichteten Beete zu bedecken, und zwar eignen sich sür diesen Zweck am besten Sägespähne. * * * Obstbau. Von späten Sorten sind noch Pfropfreiser zu schneiden: das Zweigen ist in vollem Gange. Eingebundene Bäume sind zu enthüllen, die gesprungene äußere Rinde wird abgeschabt; die Wildlingbeete werden besäet, Nüsse, Mandeln und Haselnüsie werden gelegt und junge Wildlinge versetzt. Gartenbau. Umarbeiten und Vorbereiten des Bodens; Salat, Spinat, Petersilie und Sauerampfer werden in kalte Kasten und in das Freie und Melonen und Gurken in Mistbeete verpflanzt; Zwiebel, Rothrüben, Schnittkohl, Gurkensaat, Senf, Dill und Boretsch find zu säen, Spargel- und Erdbeerbeete werden behackt. • Richtiger Heckenschnitt. Man schneide die Hecken Nie, wie es meist noch üblich, senkrecht viereckig, sondern konisch z.: ungefähr so, daß, wenn die Hecke am Boden 50 Zentimeter breit, dieselbe oben bloß eine Breite von 35 Gentimeter besitzt. Infolge dieses Schnittes, der schon lange Jahre in Amerika angewendet wird, erhalten auch die untersten Zweige Licht, Luft und Regen und bleiben grün, es entstehen keine Lücken. Bei älteren Hecken ist, wenn dieselben verjüngt werden sollen, mit Ausnahme lückenhafter Tannenhecken, dieser Schnitt gleichfalls zu empfehlen. Vertraut Eueren Kindern die Wartung des Geflügels an. Läßt man die Kinder auf dem Hühnerhof selbst mitwirken an der Wartung und Pflege der Thiere, so liegt der materielle Nutzen, der au» der Uebergabe eine» großen Theiles der Arbeit erfolgt, auf klarer Hand. Nicht zu unterschätzen jedoch ist noch ein anderer idealer Gewinn, der au» der Mitarbeiterschaft unserer Kinder in dieser Beziehung erzielt wird. Denn der tägliche Umgang mit dem Geflügel, die treue Fürsorge bei der Fütterung und Pflege der Alten und besonders bei der Aufzucht der Jungen, ferner die fortgesetzte Beobachtung ihres Wesens und Treibens — man braucht hier nur an die Beweise der Mutterliebe der Glucke den Küchlein gegenüber zu denken — das Alles kann nur einen veredelnden Einfluß auf Herz und Gemüth der Kleinen ausüben. Die praktischen Amerikaner lassen ihre Kinder sich sogar an dem aus der Geflügelzucht erzielten Gewinn betheiligen. Das weckt in denselben Lust und Liebe zur Arbeit und fördert die Sparsamkeit. Wer probirt's und gibt uns über den Erfolg Nachricht? ♦ • ♦ • Sauerkraut, welches zu verderben droht, indem sich die Oberfläche mit Schimmel überzieht, der sich immer wieder erneuert und einen schlechten Geschmack verursacht, kann man dadurch vor dem Verderben schützen, daß man auf die obenauf stehende Flüssigkeit langsam etwas Branntwein gießt und dies jedesmal rrfiederholt, wenn Sauerkraut aus dem Fasse genommen wird. In der Regel genügt es aber, wenn dies drei bis vier Mal geschieht, und das Sauerkraut soll darnach einen angenehmen, »weinsauren Geschmack bekommen. Ochsenhir« mit pikanter Sanee. Das im allgemeinen geringwerthige Ochsenhirn läßt sich auf folgende Weise recht schmackhaft zubereiten. Man zieht von dem Hirne sorgfältig die dünne Haut ab, kocht es 20 Minuten in gesäuertem und gesalzenem Wasser, dem man einige Zwiebeln, ganzen Pfeffer, Petersilie und Nägelchen beigegeben hatte und richtet es mit folgender Sauce an: In einer Kasserole macht man aus Butter und Mehl eine helle Sauce, bringt in dieselbe 2 gehackte Zwiebeln, eine Karotte, Thymian, Lorbeer, Schalotten, Nägelchen, Petersilie und ein Stückchen Knoblauch, mischt etwas Wasser und Weinessig darunter, läßt die Sauce Über stillem Feuer kochen, pfeffert und salzt, fügt ein wenig Liebig'r Fleischextract hinzu, schlägt die Sauce durch ein Sieb und mischt im Momeme des Anrichten» einige klein gehackte Essiggurken darunter. Vermischtes. Prinzen-Unterricht. Hofmeister: „Wir kommen nun zu dem Kaiser Caligula. Was wissen Euere Hoheit von ihm zu sagen?" — (Prinz schweigt) — Hofmeister (nach längerer Pause: „Sehr richtig I Hoheit I Je weniger man von diesem Kaiser spricht, desto besser ist es!" » * • Nicht zu Hause. Gläubiger (mit der Rechnung): „Ist Herr Flott vielleicht zu Hause?" — Studiosus (Stuben- genösse von Flott): „Nein!" Gläubiger: „Aber ich sah ihn doch selbst ins Haus hineingehen.!" Student: „Ja — er Sie aber auch." • * • Stürmische Heimfahrt. Bruder Studio, nachdem er das zehnte Mal über den Schatten einer Laterne gestolpert: „Donnerwetter, was muß das 'n Sturm gewesen sein, alle Laternen hat er umgeschmissen." • • Der kranke Protz. Arzt: „Ich werde Ihnen einige Tropfen verschreiben.." Protz: „Nur koa Notherei, Herr Doktor, verschreiben S' ruhig a Halbi!" Siebaction: A. Scheqd«, — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei $r. Ehr. Pietsch) in Gießen.