Donnerstag, den 22. Februar. 1894, w 6S s EjPM SS; -«TV1-1. Der Rosenhof. Novelle von C. Western. (Schluß.) Am frühesten Morgen stand vor dem Lager des noch schlafenden Joseph dessen Mütterchen. Helle Thränen liefen ihr über die runzeligen Wangen, als sie den Geburtstagsstraub leise auf das Bett und die schöne silberbeschlagene Pfeife nebst Tabak auf den Tisch legte. Auf den Strauß band sie dann noch ein gedrucktes Sprüchlein, welches lautete: „Hoffe auf den Herrn, denn er wird's wohl machen I" »Ja, so geschehe es!" seufzte sie dann und schlich hinaus. Die durch das Fenster in die Kammer fallenden Sonnen« strahlen küßten Joseph zur rechten Zeit wach. Als er den Strauß, die Pfeife und das Sprüchlein sah, da sagte er innig und gerührt: „Mein guter, guter Mütterle!" Darauf faltete er die Hände und betete. Dann gedachte Joseph der Auftrages vom Prinzen. — Hurtig warf er sich in die Kleider, begrüßte fein Mütterchen, dankte ihr für die Geburtstagsgeschenke und nahm die Morgensuppe ein. Joseph ivartete dann auf den prinzlichen Wagen. Pünktlich fuhr dieser auch vor, aber der Leibjäger saß allein hinten auf. Joseph stand schon in der Thür, als der Leibjäger rief: „Herr Dornb'au . . . ., nein, Herr Ropp wollte ich sagen, Seine Königliche Hoheit befehlen, daß. Sie gleich mitfahren!" „Ich bin bereit," erwiderte Joseph. „So will ich mich bei den Kutscher auf den Bock setzen!" „Nicht doch, Herr Ropp, Sie sollen im Wagen Platz nehmen!" bemerkte der Leibjäger sehr höflich. „Das paßt sich doch gar nicht für mich!" entgegnete Joseph. „Bitte, steigen Sie nur ein, wir haben Eile I Seine König« liche Hoheit hat es so befohlen!" erklärte der Leibjäger. „Nun, dann muß ich schon gehorchen," meinte Joseph und der Wagen fuhr geradewegs dem Dornhofe zu. Es war ein stattliches Gehöft, wie es sich Joseph wohl gewünscht hätte. Wie freundlich das Herrenhaus dort winkte, und wie schmuck die Scheune und Ställe da standen. Aber was war denn das? — Knechte, Mägde und Tagelöhner des Hofes standen in langer Reihe im Sonntagsstaat da, seidene bunte Bänder an Rechen, Spaten und Karsten, und empfingen den einfahrenden Wagen mit lautem Jauchzen. Vor der Thür des Herrenhauses aber stand ein städtisch gekleideter Mann, der ein große« Buch unter dem Arme trug. Der Leibjäger winkte und sagte zu Joseph: „Gehen Sie nur dort hinein, Herr Ropp, der Prinz ist im Hause!" Und jetzt riefen Alle: „Unser neuer Herr, der Dornbauer Joseph Ropp, lebe hoch!" Joseph war ganz betäubt und wußte noch nicht recht, was das Alles zu bedeuten hatte. Als er nun in's H >us schreiten wollte, verneigte sich der an der Thür stehende Mann mit dem Buche vor ihm und sagte: „Herr Joseph Ropp, hiermit übergebe ich Ihnen das Rechnungsbuch über die seit dem dritten dieses Monats gesührte Wirtschaft des Gutes. Genehmigen Sie gefälligst, das Ganze zu prüfen!" „Sie irren sich gewiß, ich bin nicht Besitzer dieses Hofes, sondern ich wünsche zu Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Adalbert zu kommen, zu dem ich gerufen bin!' erwiderte Joseph abweisend.. „Hier bin ich!" rief plötzlich die wohlbekannte Stimme des Prinzen und gleichzeitig trat er heraus. „Sie finden mich hier durchaus in Ihrem Eigenthum, lieber Ropp! fuhr der Prinz dann lachend fort. „Ich schenke Ihnen oas Gut des Dornbauern und hoffe mit dieser Schenkung Ihr Glück zu begründen!" Sprachlos, ja, wie erstarrt stand der Angeredete da. Er nahm willenlos den Notariatsact, den ihm der Intendant de« Prinzen jcht entgegenhielt; regungslos ließ er sich den Ver- kaufsabfchluß und die angehängte Schenkungsurkunde des Prinzen vorlesen. Dann las er selbst und es war ihm, als wäre er es gar nicht, der lese, als handelte es sich um einen ganz Anderen. Plötzlich wurde er kreideweiß und brach zusammen. Die freudige und dankbare Erregung war bei Joseph so groß, daß er, als er nach Worten rang, um seinem Danke und sslutzv-Kreude Ausdruck zu geben, von einer Ohnmacht befallen wurde. Joseph erholte sich aber bald und mit zitternder Stimme sagte er: „Königliche Hoheit, wie soll ich Ihnen danken für die große Gnade, die Sie mir mit diesem großen Geschenke erwiesen. Meine Rede ist zu schwach, um meinem Dank in Worten Ausdruck zu geben. Mein Herz fühlt ewig Dank für Siel" „Ach, lassen Sie das gut sein," meinte der Prinz gerührt und reichte Joseph die Hand. „Sie retteten mir einst das Leben und ich versuche dafür, Ihr Lebensglück zu begründen, wie Sie es schon lange verdienen. Auch ich bin Janen zu Dank verpflichtet!" Allen stanken die Thränen in den Augen, als sich diese herzliche Scene zwischen dem fürstlichen Herrn und dem schlich- ten Joseph Ropp abspielte. „Run soll aber auch mein liebes Mütterchen kommen und 86 mein Glück sehen!" rief nun Joseph. Der Prinz winkte und I anbringen. Alle setzten sich dann nieder zum Frühstück. Loni schon flog der Wagen davon, um Josephs Mutter zu holen- stimmte den Vater äußerst heiter durch ihren Bericht; Brom, Nun trat «ine Maad vor tnirte rücbtia und besann ’ I thkilte sie mit, sei NUN vollständig wohlauf, daß fle, Lom, jetzt Mn trat eine Magd vor, Mixte züchtig unv vegann. Haurwirthschaft wieder vorstehen könne; da« Vieh sei ge- zZ'eht «m mit Gott m Euer Haus, I tuttk jjie Nahrung reichlich vorhanden. So.wurde auch der NnWnndS°rgkun7h°l°e fern, Rosenbauer mittheilsam. Er sprach Über den Bau und ent. Was Ihr da drinnen seht nicht gern!" wickelte seiner Frau den Plan, nach welchem da« neue Han« Sieranf bringt« M der Sroikn-chl in b-n Sorbergrunb |J“ “J* ®te“' "* bem Su-bamente be. alten -rricht-t unb sprach die Worte: I roei g^i« Frau Elisabeth jetzt einen Blick durch da« Fenster „Der neue Herr sei uns willkommen; I roQrf verfärbte sie sich ; sah ste doch die wohlbekannte Gestalt Zu seinem Nutz und seinem Frommen be6 Hochzeiter« sich dem Nothbau nähern. Leise stieß ste den Geb Gott ^ihm h?°r nur frohe Zeit!" Bauern^an, dann fragte sie schüchtern: „Was mag der nur Der Prinz schien in Joseph« Seele zu lesen, denn er raotIenLnen Antrag stellen!" antwortete Vater Martin kalt« flüsterte diesem iu: «Jetzt kommt der zweite Act und will« I { » Wa« sonst? — Kommt aber zu sehr verkehrter Zeit, Gott, so erhalten Sie die Lom noch heute. - Waitsch," - b ' so war der Name de« Leibjägers, — „ist der Hochzeiter da? I Inzwischen trat der Bote ein. Martin Straffer hieß ihn ftagte dann noch der Prinz. niedersitzen und nöthigte zum Zulangen, was Jener sich denn „Er ist im Hause, Königliche Hoheit! , . nicht zweimal sagen ließ. Als das Frühstück beendigt, Der Prinz verschwand, der LeibKger aber meinte ver. I de« Orts der Hausherr sein Gesinde zu- traulich zu Joseph: „Neulich beneideten Sie mich, Herr Nopp, s^en zu welchem sich auch die Arbeiter drängten; der Hoch, beute beneibe Ich Sie, solch *M lammt n«t an Unferemenl- = ?Ä”e® 4 unb begann leinen Spruch: Des Leibjägers weitere Herzensergießungen wurden ab. ieiter IttU,p6U= 1 ** \ 1 . * geschnitten durch das Erscheinen der bekannten Figur des Hoch. S*T» rotow “müfiTet 31 gern? zeiters int Frack und hohen Hut, überall geschmückt mit langen, I ®af f$n i^ mir wohl denken bunten Seidenbändern. Er kam mit dem Prinzen aus dem I und soll mich auch nicht kränken. Hause und ging direct nach dem Rosenhofe. I So hört, was ich zu sagen hab', , 6em“#e bet jääss ” ÄÄ tl5: ^TrnLle, Königliche «eil, JÄÄ W * -■ mein Mütterle muß erst herbei!" I Ob er m's Haus mt freien kann. Der Prinz nickte zustimmend und wie« darauf hin. daß Sein Grundstück, das ist schuldenlos, sein Wagen lorigelahrm wtae, umbie Steffin in Wem W»ch -< Dann traten die Herren in das Haus des Dornhofs, das I Das Anseh'n und die Jahr' zum Frei'n. hübsch restaurirt war. Dort nahm Joseph die Glückwünsche I ($U’r Töchterlein hat ihn entzückt, des Pfarrers, des Notars und des Intendanten des Prinzen, I Seitdem er sie zuerst erblickt, die hier versammelt waren, entgegen. Ihm war dabei noch Darum lenkt sich sein ganzer Sinn immer in Sinne, als fri bas Wies nur ein toaum er to äÖfSÄ qm, die Personen wie durch einen Flor, bis der Wagen wieder I @u-r Kind sei ihm auch wieder gut, vorfuhr und sein Mütterchen brachte. Joseph flog ihr durch I So daß die Ehe, hier geplant, die Reihen des Gesindes entgegen und erzählte der alten Frau I Schon Jedermann als glücklich ahnt, in fliegender Hast all' sein Glück. Der Pfarrer aber meinte: W^bier z?La§sit der Brluch^' „Wer seine Eltern so ehrt, dein muß es hier auf Erden schon I Dämlich meinen guten Herrn wohlergehen!" I Gleich hole, denn er ist nicht fern, Inzwischen stärkten sich die Herren durch ein Glas Wein, I Daß er die Sach' selbst führen kann das man auf das Wohl der neuen Gutsherrn trank. Dem 1 und bring' fein Werbesprüchlein an! Gesinde aber war vorsorglich schon Bier zur Verfügung ge. I ^uttose Stille herrschte im Kreise. Loni war etwa« blaß stellt worden. I geworden, Martin Straffer aber fragte: „Hat der Dornbauer » I seinen Sinn geändert? Will er nicht nach Amerika?" Martin Straffer war heute schon früh auf. Mißmuthig I „Er denkt nicht daran!" versicherte der Hochzeiter. sagte er seinen Leuten guten Morgen und mißmuthig fragte I „Er will also wieder freien? — Er thut Recht daran; er nach Toni; dann ging er hinaus, um die Arbeiter zu con« I die Lebendigen zu den Lebendigen, die Tobten zu den Todten! trolliren, denn die Aufräumungsarbeiten nach dem Brand waren I Wenn meine Tochter ihn heirathen will, so habe tch nix da- im Gange. I gegen! Wie ist'«, Loni?" Es war etwa neun Uhr. Als sich darauf der Rosen. I „Ich will ihn, Vater!" erklärte das junge Mädchen mit bauer im Rosenhofe zum Frühstück niedersetzte, kam Loni mit I zitternden Lippen und ein flüchtiges Roth färbte ihre Wangen, einem Strauß Alpenblumen. I Martin Straffer horchte mißtrauisch hoch auf; fast sah es „Grüß Gott, Vater; ich gratulir' auch schön zu Demem I ftu8 at6 ob er eine andere Antwort erwartet. Geburtstage," sagte das junge Mädchen herzlich. „Möge I ~ HM es gehört, daß meine Tochter den Freier an. Dein fernere« Leben noch gesegneter und freudenreicher sein, I sandte sich der Bauer nun an den Hochzeiter, wo» al« da« bisherige!" I rauf dieser erwiderte: „So hole ich meinen Auftraggeber „Hab' Dank, mein Mädel," entgegnete der Bauer weich, M,« ' „ich hatte ganz vergeffen, daß heute der Tag ist! — Denkst I ^ch einer halben Stunde kam dann des Prinzen Wagen Du auch noch an den Joseph?" vorgefahren, in der Prinz Adalbert, Joseph, Mutter Ropp, „Ja, Vater; denken thu ich schon noch an ihn, aber zürn I bgr -M^dant, der Notar und der Pfarrer saßen. Vor dem Manne nehme ich doch nur Den, den Du mir mit »einem l H^nhof hielt der Wagen; Alle stiegen an» und kamen in den JUfl e SRu? uS das Eis um be« Rosenbauers Herz gebrochen I »Keine Cornödie, Bauer," eMgegnete ernsthast der Prmz. war, konnten auch Frau Elisabeth und Toni ihren Glückwunsch I „Joseph Ropp ist der wirkliche Besitzer des Dornhofes. JY 87 HM Euer Wort dem Dornbauer gegeben und müßt es nun 9 Martin Straffer riß die Augen weit auf, als er diese Botschaft vernahm, und schwieg. Darauf begann der Pfarrer: „Seht Ihr Gottes Fügung nicht, Martin Straffer? Der Mann, dem Ihr das Leben und doppelt dasjenige Eures Sohnes verdankt, ist durch Gotte- Gnade und die Gunst Seiner Königlichen Hoheit Besitzer des schönsten Hofes in ganz Schwengau geworden. Er ist jetzt ein Bauer und Ihr wolltet Euer Wort brechen? ' In des Rosenbauers Gesicht wechselten Röthe und Bläffe schnell ab. Die Sache überrumpelte ihn ordentlich. Ec gedachte des Augenblickes, als Joseph sich den beiden wilden Rappen und dem Stier entgegengeworfen, er sah ihn noch still und bescheiden, den wiedergefundenen Sohn an der Hand, vor sich stehen und fein guter Geist behielt diesmal in ihm die Oberhand. Mit Bewegung nahm er das Wort und sagte: „Königliche Hoheit, Herr Pfarrer und Sie, meine Herren, Sie alle sind Zeugen, daß ich hiermit meine Tochter Loni seierlich mit dem anwesenden Dornbauer Joseph Ropp verspreche in Gottes Namen!" „Vater! Joseph! Loni!" klang es jetzt durch das Zimmer. Die beiden Liebenden lagen sich in den Armen und dankten dann gerührt den Eltern. „Aber," fuhr jetzt der Bauer fort, „wir sind noch nicht ganz fertig; ich mache zur Bedingung, daß die Hochzeit erst nach dem Aufbau meines Hauses in den neuen Räumen stattfinden darf; auch gebe ich meiner Tochter zehntausend Gulden mit als Heirathsgut. Das schreibe der Notar fest! — Ist es nun recht gemacht, Herr Pfarrer?" Da klopfte der Prinz dem Rosenbauer auf die Schulter und sagte: „Bravo, Rosenbauer! Ihr beschämt manchen höheren Mann; so wie Ihr handelt ein rechter Bauer! Glück zu! Und zur Hochzeit bitt' ich mich zu Gast!" Dabei schüttelte er dem Rosenbauer herzlich die Hand. Nachdem nun noch der Notar Alles wie üblich festgestellt hatte und der Contract durch die Anwesenden unterschrieben war, winkte der Prinz. „Waitsch, meinen Wagen!" Und dahin eilten die hohen Gäste, Hoch-Schwengau zu, begleitet von den Segenswünschen Lonis und Josephs. Der Rosenbauer aber reichte seinem zukünftigen Schwiegersöhne die Hand und sagte: „Verzeihe, Joseph, ich könnt' halt nicht anders; aber gern gehabt habe ich Dich stets; das kannst Du mir glauben!" Joseph entgegnete: „Was ist da zu verzeihen? Laßt'« gut sein, Vater!" ♦ ♦ ♦ Seine alte Hütte schenkte der neue Dornbauer Joseph Ropp einem braven Tagelöhner; er selbst wohnte mit der Mutter nun aus dem neuen Besitzthum, das er weise verwaltete. In seinen Freistunden half Joseph fleißig mit auf dem Bauplatz des Rosenhofes, führte Hacke und Karst, daß ihm der Schweiß an den Wangen herabfloß, und fcherzte dabei mit Loni, wenn sie über den Hof kam. So hatte man das Fundament und den Keller, der uralt fein sollte, bloßgelegt, als Joseph plötzlich nach einem tüchtigen Hieb in den Boden einen Wasserstrahl hoch emporspritzen sah. „Herr Gott, der Brunnen läuft wieder!" sagte er und rief voll Freude den Bauern herbei. Der Bauer stand sprachlos, dann faltete er die Hände und betete leise; zu Joseph aber sagte er: „Es scheint, als ob ich Dir Alles danken sollt'; nun auch den Brunnen! Die alte Zigeunerin hat damals auf dem Massest ganz recht gehabt!" Man spürte nun der Quelle nach und fand leicht die Ursache ihres Versiegens. Durch die Hitze und Dürre war das Erdreich so zerspalten, daß der Brunnen nicht nach oben konnte, vielmehr hatte er das Erdreich durchwühlt. Dabei gerieth man an eine Vermauerung, die abgerissen werden mußte, weil sie nicht mehr sicher war. Da fand denn Martin Straffer dar, was Andere so lange vergeblich gesucht hatten und was die alte Familienchronik andeutete: den Familienschatz. Einen hohen Kasten voll Gold» und Silbermünze» enthielt die Höhlung nebst einem Pergament, „daß Martin Straffer, Ort»- fchulz von Schwengau, diese» für seine Nachkommen wegen der schwedischen und kaiserlichen Reiterrknechte, welche wie die Raben stehlen, im dreißigjährigen Kriege hier vermauert habe." Nun ward der Bau rasch gefördert und zur Weinernte stand der Hof fix und fertig da. Den Felsenbrunnen halte der Bauer nun fo fassen lassen, daß er vor dem neuen Hause sprudelte zum ewigen Andenken an diese seltsamen Begebenheiten. Acht Tage nach der Einweihung de» Hauses fand die überaus glänzend gefeierte Hochzeit Josephs und Lonis statt. Der. Prinz hielt sein Wort und beehrte das Fest mit seiner Gegenwart. Loni und Joseph wurden glücklich. Heißt e» auch bei dem Dichter: „ . „O Menschenherz, was ist Dein Glück? Ein räthselhaft gebor'ner Und, kaum gegrüßt, verlorener, Unwiederholter Augenblick!" so durfte man doch hier sagen: „Ihr Glück war ohne Ende." Der Rosenhof florirt noch heute, und seitdem Toni auf der landwirthschaftlichen Schule ist und Vater Martin zuweilen seine Enkel auf den Knieen fchaukelt, ist er viel milder geworden, zumal auch der Ausübung feiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, nichts mehr im Wege liegt; der Prinz hat dem Rosenbauer auf Josephs Ansuchen eine Jagdgerechtigkeit in den Schwengauer Forsten abgetreten. Zwei Fliegen aus einen Schlag. Eine amerikanische Geschichte. Nach dem Dänischen von Friedrich von Känel. (Nachdruck verboten.) „Entschuldigen Sie, Herr Forster! Darf ich Sie für einen Augenblick um eine Unterredung unter vier Augen bitten?" „Treten Sie näher!" Und gleich darauf befanden sich die Beiden im Privat- Comptoir de» Handelshauses Forster. „Was wünschen Sie?" fragte der Chef. „Ich nahm an, unsere gegenseitige Rechnung sei in Ordnung gebracht." „Das ist sie, Herr Forster, das ist ste, und wie Sie selbst zu äußern beliebten, zu Ihrer vollständigen Zufriedenheit." „Aber was wünschen Sie denn noch?" „Ich möchte Sie um die Hand Ihrer Tochter ersuchen." „Was beliebt? Die Hand meiner Tochter? Habe ich Sie recht verstanden? Ist das Ihre Meinung, junger Mann? — Gut! Ich kann nicht leugnen, daß Ihr Wunsch etwas Großartiges an sich hat. Der jüngste Comptoirist des Hauses Behrens in Chicago kommt in geheimer Sendung nach London, führt — das muß ich einräumen — seine Aufgabe mit einer nicht gewöhnlichen Geschicklichkeit aus, weshalb ich ihm auch ohne Vorbehalt meine Zufriedenheit ausspreche, und führe ihn gegen meine sonstige Gewohnheit in meine Famflte ein; er speist bei mir, musizirt mit meiner Tochter, fährt am Nachmittag mit uns aus'» Land, nimmt für immer Abschied und — steht einen Tag darauf vor mir und ersucht mich um die Hand meiner Tochter. . . . Wissen Sie denn eigentlich schon, daß meine Tochter drei Millionen Dollar werth ist, während Sie kaum etwas Anderes besitzen, als Ihre Keckheit und Ihr frisches Gesicht? Na, ich verzeihe Ihnen den Scherz. Grüßen Sie mir Herrn Behrens! Glückliche Reife!" „Wollen Sie mir noch ein paar Worte erlauben, bevor wir uns trennen? Würden Sie mir wohl die gleiche Antwort gegeben haben, wenn ich nicht ein unbemittelter Comptoirist gewesen wäre? Würden Sie wohl, so frage ich noch einmal, mir die gleiche Antwort gegeben haben, wenn ich die Ehre gehabt hätte, mich Ihnen al» Aflocie de» Hauses Behrens, da» 15 Millionen Dollar werth ist, vorzustellen?" — 88 „Hm, ja — na, in diesem Falle könnte man über die I Sache sprechen, klebrigem» wäre es wohl nicht mehr als billig, | wenn meine Tochter sich auch ein Wort dabei erlauben dürfte. | Aber Sie sind ja nicht Associe des Hauses und . . „Nein, noch nicht, aber ich kann es werden. Wollen Sie e» mir schriftlich geben, daß ich der Hand Ihrer Tochter sicher bin, sobald ich als Mitglied der Firma Behrens auftrete? Die Zustimmung der jungen Dame — das darf ich nicht vergessen, Ihnen mitzutheilen — habe ich mir bereits gesichert. Ich erlaube mir nun blos noch, Sie darauf aufmerksam zu machen, welch' ungeheurer Vortheil daraus erwachsen würde, wenn die beiden Häuser stets im gemeinschaftlichen Jnteresie arbeiten würden. Doch ist dies übrigens Ihre Sache, die Sie beffer verstehen als ich." „Gut, Sie sollen es schriftlich haben! Sind Sie das Eine, dann sollen Sie auch das Andere werden!" „Entschuldigen Sie, Herr Behrens! Noch einen Augen» blick unter vier Augen! Ich habe ausgeführt, was mir auferlegt wurde; Sie haben meine Arbeit als gut anerkannt und nun habe ich blos noch ein Verlangen an Sie zu stellen." „Und das ist? Ach, ich verstehe .... vermuthlich eine Erhöhung Ihres Salairs — die ist schon bewilligt." „Nein, nein — ich wünsche Affoeie Ihres Geschäftes zu werden." „Was beliebt? Ich verstehe Sie gewiß nicht recht? Oder sollte es ein wenig rappeln bei Ihnen, armer Kerl? .... Ha, ha, ha! Der jüngste Comptoirist in meinem Geschäft! Ich habe nie was Aehnliches gehört, auf Ehre nicht!" „Erlauben Sie mir blos noch eine Frage, Herr Behrens, bevor ich gehe. Würden Sie die gleiche Antwort ertheilt haben, wenn Derjenige, der Ihnen einen, solchen Vorschlag zu machen wagte, nicht einer von Ihren Comptoiristen wäre, der nichts Anderes zu bieten hat, als den Beweis, daß seine Geschäfts- tüchtigkeit genügt, um ihn über Wasser halten zu können — würden Sie, so frage ich nochmals, die gleiche Antwort geben, wenn der Mann, der vor Ihnen steht, der Schwiegersohn des Herrn Forster in London wäre?" „Sind Sie das?" „Das sollte ich meinen! Kann es in jedem Falle werden! Darf ich Sie bitten, dieses hier zu lesen?" „Ha, ha, ha! Kapital! Pfisfig! Sehr schlau! Wenn nur — na, das läßt sich hören! Sie werden jedenfalls ein großer Vortheil für unser Geschäft sein." „Sie gehen also auf mein Verlangen ein, Herr Behrens? Ich habe unter dem Eindruck gehandelt, daß es Ihr Wunsch sei, in genauere Verbindung mit dem Hause Forster zu treten und ich war dabei auch bestrebt, meinen persönlichen Jntereflen zu dienen, indem ich der jungen Dame aufrichtig ergeben bin. Mein Sachführer, der draußen im Vorzimmer wartet, ist bereit, wenn es Ihnen beliebt, die Sache auf der Stelle in Ordnung zu bringen." „Gut, junger Mann, einverstanden! Aber eine Bedingung : etwas weniger Dreistigkeit in der Zukunft — und mehr Mäßigung!" ♦ * • Ein Jahr später war ein glückliches Ehepaar mehr in der Welt. Herr John, Affocie von Behrens u. <5omp. in Chicago, war mit seiner Frau auf der Reise nach der neuen Welt. GEernnÄtziges. Hammelsfütze au gratin. Ein Dutzend Hammelssüße säubert man und kocht sie fünf Stunden, entfernt die Knochen, schneidet sie in zwei Theile, bringt sie mit etwas Butter und geriebenem Parmesankäse in eine Kasserole und ♦ wendet sie einige Minuteri über dem Feuer, ohne ste Farbe annehmen zu lassen. Dann hackt man Champignons, Petersilie, Zwiebeln und Schalotten fein, vermischt sie mit in kalter Fleischbrühe geweichter Brodkruste, salzt und pfeffert und knetet ein Stück Butter darunter. Hierauf bedeckt man den Boden einer flachen Bratschüssel mit der Hälfte dieser Mischung, legt hierauf die Hammelsfüße und auf diese den Rest der Mischung, gießt zwei Eßlöffel recht starke Auflösung von Liebigs Fleischextract darüber, streut etwas geriebenen Parmesankäse und Brodrinde darauf, begießt das Ganze mit geschmolzener Butter und läßt es 15 Minuten im Backofen. * ♦ Wasserdichte Leinwand zu Gartenzetten. Um Leinwand, welche zum Ueberspannen für Gartenzelte verwendet werden soll, auch gegen Regen wasserdicht zu machen, verwendet man Bleiglätte, Umbra und Leinöl, und zwar braucht man davon für Zelte von gewöhnlicher Größe etwa 130 Gramm Bleiglätte, 130 Gramm Umbra und 11 Liter Leinöl. Das Ganze thut man in ein Gefäß, kocht es unter wiederholtem Umrühren 24 Stunden lang, doch nicht über offenem Feuer, und bestreicht mit der noch warmen Masse die ausgespannte Leinwand. Aber diese Arbeit muß möglichst früh gemacht werden, damit der Anstrich bis zum Abend trocken werden kann. Bei dem Aufkochen bedient man sich eines genügend großen Gefäße«, damit die Masse nicht überkochen kann- Vevinischtes. Auch ein Vergnügen. „Schön war's gestern auf dem Heimweg von der Landpartie! Unser Peperl hat sich heiser g'schrie'n, ich hab' mich krank g'lacht und mei' Frau hat sich krumm g'ärgert!" ♦ Warum — darum. „Mama, ich weiß schon, weshalb im Winter die Störche nach dem Süden ziehen." — „Nun, weshalb denn?" — „Weil die Leute dort unten auch Kinder haben wollen!" ♦ In der Theaterkanzlei. „Jetzt ist es schon vier Wochen her, daß ich mein neues Lustspiel dem Director einschickte; die Sache ist wohl eingeschlafen?" — „Die Sache nicht, aber der Director!" * ♦ • Auf der Jagd. „Nun, Herr Referendar, haben Sie mehr Glück gehabt als ich? Geschossen habe ich verschiedentlich, leider aber nichts getroffen." — „Da war ich wirklich glücklicher, Herr Calculator, zwei Hasen brachte ich zur Strecke. Leider lief der letzte kurz vor seinem Ende auf fremdes Jagdgebiet und im ersten Aerger darüber ließ ich dem zuvor Geschossenen ebenfalls die Freiheit." ♦ Nicht abzuschrecken. „Also wieder ein Weinreisender! Drei Ihrer Collegen habe ich bereits heute die Treppe hinuntergeworfen!" — „Sehr erfreut! Also hatten Euer Wohlgeboren die Güte, mir Ihre werthen Aufträge aufzuheben!" ♦ ♦ ♦ Noch schlimmer. Chef: „Sie wünschen Vorschuß, mein Lieber? Haben Sie denn Ihr ganzes letztes Vierteljahrsgehalt schon an den Mann gebracht?" — Angestellter (schüchtern): „Verzeihung, ich pflege es immer an meine Frau zu bringen." ♦ ♦ ♦ Ein amerikanisches Blatt spricht von dem Reich- thum eines seiner „Industriellen", einem seif made man, und thut dabei die unantastbare Aeußerung: „Er wurde ohne einen Pfennig in der Tasche geboren!" Nedacüon; A. Scheyda. -- Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.