ttirterchaltungsblatt 311m Gieszenev Anzeigen (Genepcrl-Anzeigev) .....— *15 .- - - — । ■ .i ! ■6''s- •H—@X7T F.WP W wjafc«** M^WWMÄ^KWMM V, F127’- ictfs/7' ‘ y - ' O anr ^MG । 3fr s3w5Ü^a Samstag, den 21. April. Wein Lahnthak. Sei mir gegrüßt, du theures Heimathland, Dein denk' ich sehnsuchtsvoll ost in der Fern! Du liebes Heim, wo meine Wiege stand, Sei mir gegrüßt, möcht' weilen dort so gern! Wie bist du schön, o heimisch Thal der Lahn, Wo ich beglückt einst spielt' auf grüner Flur Und träumend schaukelte im kleinen Kahn; Sei mir gegrüßt, du sel'ger Kindheit Spur! Dich kränzen Wälder stolz und reiche Au'n, Der Rebe Blut gedeiht an deinen Höh'n; Ehrwürd'ge Dome sind dort anzuschau'n, Dort sagumwob'ne hohe Burgen steh'n. Es blühen Ackerbau und frei Gewerb', Aus Berges Schacht ertönt der Fäustelschlag; Es findet Jeder reichlichen Erwerb, Wie irgend er Natur und Fleiß vermag. Mit Perlen bist du Silberband der Lahn Besetzt: von Städten schön und mannigfalt, Großstädte nicht, wo auf der Hetzjagd Bahn Genuß- und Selbstsucht lasien Herzen kalt. Nein, Städte, deren stolzer Ort und Nam' Gegraben ist mit markigfestem Zug Für jed' Geschlecht, das rastlos ging und kam, Für alle Zeit in's Weltgeschtchtenbuch. Nein, Städte, wo die Muse traulich wohnt, Wo froh sich labt am Born der Wissenschaft Alldeutschlands stolze Jugend langgewohnt In frischer, echter deutscher Schaffenskraft. Sei tausendmal gegrüßt, du Heimaththal, Ihr theuren Plätze all' der Lieb' und Lust! Die Sehnsucht weckt der erste Lenzesstrahl Und höher schwillt die hoffnungsvolle Brust. Ludwig Eichler. Vergißmeinnicht. Novelle von H. v. Ziegler. (Fortsetzung.) Am folgenden Morgen, als Thekla, ein übermüthiges Liedchen trällernd, in's Frühstückszimmer trat, fand sie ihren Bruder schon mit finsterer Miene vor. Er erwiderte nur kurz ihren Gruß und entgegnete auf die erstaunte Frage Theklas: „Was hast Du, lieber Bruder? Bist Du krank oder nur ver- stimmt?" „Das letztere eher," entgegnete er düster, „ich warte schon seit einer Weile auf Dich, um mit Dir zu reden." „Hu, das klingt ja sehr drohend," rief sie spöttisch lächelnd; doch der Scherz wollte nicht recht natürlich erscheinen. „Was habe ich Aermste denn verbrochen?" „Thekla," entgegnete Albrecht und blieb erregt vor dem schönen Mädchen stehen, „ich werde nun und nimmer leiden, daß dieses Spiel mit dem Italiener weitergeht und wenn Du nicht Dein Wort gibst, die Koketterie mit ihm zu lasten, so wird die Affaire noch heute sehr ernst zwischen ihm und mir enden." „Bester Bruder, ich muß doch sehr bitten, mich nicht gar zu vormundsmäßig zu behandeln," erwiderte jetzt Thekla ver- letzt. „Ich bin alt genug, um zu bemessen, wie weit meine Handlungsweise gehen darf oder nicht. Eine Verantwortung für dieselbe brauchst Du nicht zu tragen. Die trage ich ganz allein!" , t „Doch der Ruf meines Hauses und unserer Namens ist zugleich auch meine Ehre und mir heilig; wer denselben nicht zu wahren weiß, muß es lernen und zwar in diesem Falle durch furchtbare Strenge." t . Thekla erbebte innerlich bei den Worten des Bruders, so hatte sie ihn noch nie gesehen, aber ihr Starrsinn und Stolz empörte sich doch auch wieder, sie wollte nicht nachgeben und so hob sie energisch den schönen Kopf und erwiderte: „Oho, lieber Albrecht, Deine Ehre wird es wohl nicht verletzen, wenn fremben ®ei9er« wird - fi-l «b-,cht ihr schneidend in's Wort. »Oder was beabsichtigt denn Herr Bellarino? Er kann doch nicht Luc.e und Dich auch heirathen Lucie," meinte Thekla gedehnt und mitleidig die Achseln ruckend „wer spricht von dem stillen Mädchen." z Der Lerr Italiener sucht sie aber ebenso mit Wort und Blick "ru berücken wie Dich, und die reichste von Euch Beiden möchte er sich jedenfalls aussuchen. Doch lassen wir diese -- 182 = Eines Nachmittags ging Ella ebenfalls wieder in den falle I" roÜrb3Ä schlich mich heim, unsäglich unglücklich und fast ge-. brachen, doch fest entschlossen, wie ich handeln wollte. Als Ella nach fast zwei Stunden wiederkehrte, ließ ich sie zu mir kommen, erklärte ihr, daß ich nun wiffe, wie sie uns hintergangen habe und welches Herzeleid sie uns noch weiterhin bereiten wolle. I war auch ganz besonders zärtlich und aufmerksam für uns. , Ich fühlte das Verlangen, hinter meines Kindes Gehemnißzu kommen, denn daß sie ein solches befaß, war mir völlig außer *| Zweifel, aber doch sträubte sich mein innerstes Empfinden da« und ihr versprechen, die ganze Sache nie wieder zu erwähnem Im Frühjahr bemerkte ich zum ersten Male, daß Ella sehr häufig und zwar gegen ihre sonstige Gewohnheit spazieren Albrecht von Lasiow saß indessen bei der alten Gräfin im Wohnzimmer und lauschte ernst und tieferregt der Erzählung der alten Dame, wodurch ihm die Angst der Gräfin vor b” M ich « M M. Namens Ella hatte," begann die Gräfin- ,,Damals, als die traurigen Begebenheiten spielten, Ahlten Sie erst zehn Jahre und mein Mann war so krank und menschenscheu, daß er jeden Verkehr mit den Nachbarn mied. Erst später habe ich die- K«x *■ •TÄ'Ä SÄ IWL ÄVwSWä' -«« ich I°«l-ich Mch BergenW«, bi« l«d°ch «ch °°- «Ich «uf dm st« ®1« °l. «uf wieder zuruck. I f6ren etnen außerordentlich freute. Sie hatte ein sehr schönes Thekla war verstummt und sehr bleich ge , h I Russin erhalten, es stand ihr vortrefflich und wir Hand zitterte, als sie den Kaffee eingoß und fre ^ahm I P u„b ^ücklich. Am Tage vorher besuchte SäSffl 2* l“6 k»°b?«°h?. - -LL-«L°ft-b«ch st- d.»SnIrUÄ®«# S“Ä«. N.->in m-i««Si»bst bitte, gib » ihmi» b-me-Ii- Mb-echi MM-, gt-tchM« --»«-» bei dem Fortgehen. o . ,« I Qefertlf batte. Auch er war am folgenden Tage als ungari« „Adieu," Tagte sie tonlos, „grüße Lucie! scher Magyar auf dem Balle - und damit begann das Un« Unten verhallten die Hufschläge von Albrechts Pferde, gj @r6^ar der That ein schöner, eleganter Mann und Schritte kamen dann langsam den Corridor entlang und die « daß er Ella zärtlich, hingebend liebte. Sie kam Zimmerthür öffnete sich, aber noch stand bas schöne Mädch V leuchtenden Blicken, athemlos, glückselig vom Balle zurück; wie gelähmt, bis sie endlich beim Klange einer melodisch heimlich an, denn es schien mir, als sei eine schmeichelhaften Männerstimme zusammenzuckte. [ Veränderung mit ihr vorgegangen, die ich mir doch auch wie« „Weshalb so traurig, Fräulein Thekla? Draußen lacht erklären konnte. Wir blieben noch einige Tage, Ella die Sonne am blauen Himmel und mein Herz sehnt sich nach -T au=gereQtf meinte oftmals heimlich, wenn sie sich un- einem Blick Ihrer Augen." .rmiberte Thekla beobachtet meinte, und konnte dann wieder völlig unmotrvirt „Guten Morgen, Herr Bellarino!" erwiderte Tyekta ?affen Göhlich sein. , , o gepreßt. „, ,, I Ich machte meinen Mann auf diesen eigenthümlichen Zu« „Muß ich denn abermals darum stehen, mich Leo zu I aufmerksam, doch er meinte nur lächelnd: „Laß sie ge« nennen," flüsterte er leidenschaftlich, sich über Thekla neigen . I Kind! In unserem stillen Heim wird sie ihr Gleich« „Wenn Sie wüßten, welche Gluthin meiner Seele erwachte, I zurückerlangen, welches all' die glänzenden Emdrücke seit ich Sie zuerst erblickt, würden Sie mit dem armen Künstler Wt gebracht." Mitleid haben - und ihn erhören." Wir kehrten heim; Ellas Traurigkeit nahm aber zu, sie „Sprechen Sie nicht so, Leo, wenn man ihre göttliche I ^tmat8 in Zimmer ein, nahm, wenn wir zur Kunst hörte," hauchte Thekla, und sie litt es,tzaß er vor ihr I gM^ fuhren, Briefe mit, die sie eigenhändig beförderte und niederkniete und ihre Hände mit Küsten bedeckte. . Dermal selbst in die Post, „um sich Briefmarken zu „Hier möchte ich immer liegen und zu derJWttta »netne« ^len". Später erst brachte ich in Erfahrung, daß sie post« Herzens beten," murmelte er glühend. „O, Thekla, Sre haben b Briefe abholte. . mich zum Glücklichsten und auch Elendesten der Sterblichen « Winter verging, der Frühling kam und unser Kind gemacht. Ich werde Sie nie mein Weib nennen dürfen. Es | ® etenb. magerte ab, klagte über Müdigkeit, steht eine große Kluft zwischen uns." .Appetitmangel und brach häufig mitten im Gespräch m heiße „Mein Bruder beobachtet uns," sagte das schöne Mädchen P? uin diese Zeit warb ein entfernter Vetter um etwas verwirrt, doch Unfalls glücklich, „aber er kann uns I uflb mtr ^tten Beide von Herzen gewünscht, daß Ella Ja nicht trennen — ich bin frei und selbständig. , , f I We. Doch es gab nun eine hestige Scene, wobei sie erklärte, „So soll ich aber doch wohl noch heute mein ruheloses I 0 (ieber be„ Teich stürzen zu wollen, als den Vetter zu Dasein fortsetzen und Dein süßes Antlitz flichen. Geliebte, Kathen. Wir konnten weiter nichts thun, nur fie beruhigen saate er zärtlich und dann hatte er plötzlich den Arm um sie | w# nie wieder zu erwähnen, geschlungen, ihr Haupt sank an seine Schulter, er flüsterte ^NVL7°L« r L » *««*««-1K’Tä G ich liebe Sie ja auch — o, und ich darf es doch nicht, stam« 1 a 1 - <• <- "-‘«i für «ne. nulte fie in abgeriffenen Sätzen. Sie wand fich los aus seinen Armen uA floh wie ein gehetztes Reh, er aber sah ihr mit glühenden Blicken nach. . uuct uviy -.... „Ein herrliches Weib! Kein Vergleich mit dem langweilig I J «e heimlich zu beobachten und erst nach längerem Kampfe ängstlichen, kleinen Vergißmeinnicht. Wenn ich armer Teufel I m(t mir f^bst entschloß ich mich dennoch dazu. nicht den Geldpunkt in Betracht ziehen müßte — noch heute @tne8 Nachmittags ging Ella ebenfalls wieder in den würde ich mit der schönen Thekla fliehen- Aber erst muß ich Waltz und ich folgte ihr in einiger Entfernung, ohne daß sie ergründen, ob Comteßchen wirklich ein Goldfisch rst oder nich^ I eine ^ßnung davon hatte. Da plötzlich blieb sie stehen, mitten Haha, es spielt sich ganz gut mit doppelter Karte, wenn ich {n ber juttgen Tannenschonung drüben am Vorwerk, und gleich nur auch rechtzeitig einen Ausweg finde und nicht Memländ- barQuf trQt eltt schöner, eleganter Mann etwa Mitte der zwan« lichen Othello, genannt Albrecht von Laffow, in die Hände I { Jahre zu ihr. Die innige Begrüßung Beider benahm - " 9 ' mir sogleich jeglichen Zweifel an ihrem Verhältnis zu einander. Es war ein Stelldichein zweier Liebenden, bei dem ich Zeuge wurde. Aus ihren Gesprächen enthüllte sich mir dann auch die ganze Sachlage; sie liebten sich und verabredeten einen Fluchtplan, im Fall wir Eltern unsere Einwilligung versagen - 188 - Zugleich aber theilte ich ihr unumwunden mit, sie habe niemals auf unsere elterliche Einwilligung zu einer Heirath mit Nicol Bellarino zu rechnen, doch stünde es ihr frei, wenn ste nicht von ihm lasten wolle, ihren Ruf und Namen ihm zu opfern, indem sie ihm als fein Weib folge. Wir würden nicht durch eine einzige Handbewegung ihre Flucht hindern, wenn ihre Kindesliebe und Dankesschuld gegen uns ihr erlaubte, solchen Schritt zu thun. Nun folgten ernste, trübe Tage. Ella ging scheu, stumm und verweint umher — bis sie eines Tages von ihrem Spaziergangs nicht mehr hsimkehrte und ich in ihrem Zimmer einen unglücklichen Abschiedsbrief vorfand. „Ich liebe ihn," schrieb ste, „ich kann nicht anders und muß ihm folgen I Vergebt mir und denkt nicht allzu niedrig von Eurer Euch ewig liebenden Ella." Der Schlag traf uns, wenn auch von mir längst erwartet, dennoch furchtbar schwer; meinen Mann warf er sogar aufs Krankenlager, von dem er nie mehr aufstehen sollte. Einige Tage darauf erhielt ich einen Brief mit dem Namen des Absenders darauf: Nicol Bellarino- Ich verweigerte die Annahme des Briefes und bekam auch nie mehr einen zweiten. Nach fast halbjährigem Krankenlager starb mein armer Mann; er war schließlich völlig gelähmt gewesen und ich mußte Gott danken für die endliche Erlösung; nun aber stand ich völlig einsam da. Nähere Verwandte befaß ich nicht- Es fiel mir zuerst auch schwer, unter Menschen zu gehen und so blieb ich mein Wittwenjahr über ganz allein. Als dasselbe vergangen — der Wind strich bereits wieder über die Stoppeln — rollte eines Abends ein Wagen vor die Rampe; ich stutzte und horchte verwundert, als draußen plötzlich schleppende Schritte nahten — Schritte, bei denen ich zusammenzuckte, denn ich erkannte ste wieder, es war meine Tochter. Die Thür ging auf, eine schwarzverhüllte Frauengestalt trat über die Schwelle, im Arme ein kleines, schlummerndes Kind. „Mutter!" schrie eine herzzerreißende Stimme. — Ich hatte mich nicht getäuscht, es war mein armes Kind, meine Ella, die ich wieder in den Armen hielt. Ich hörte nun eine lange, traurige Geschichte von Glück und Leid, von Armuth, Elend, Sorge und Tod! „Er lebt nicht mehr, mein Gatte, mein armer Nicol," rief die junge Frau verzweifelnd; „als er sah, wie das Elend immer schlimmer wurde und er mich nicht mehr demselben entreißen konnte, da griff er zur Pistole — und machte seinem Leben ein Endel Ach, Mutter, Mutter, wie soll ich ferner leben ohne ihn! Hier ist unser Kind, unsere Lucie — o, mein Himmel, sie hat seine Augen — nimm unser Kind gnädig auf, denn fein Vater ist tobt l“ Und sie schob mir das arme Würmchen hin, um in trostloses Weinen auszubrechen und fortwährend nach dem Gatten zu rufen, denn sie hatte ihn unsäglich geliebt I Schon in der Nacht trat bei meiner Tochter starkes Fieber ein. Ich ließ den Arzt kommen, welcher bei Ella ein heftiges Nervenfieber feststellte und dann ziemlich bedenklich den Kopf schüttelte. „Es geht auf Leben und Tod, Frau Gräfin," meinte er. „Der Körper Ihrer Tochter ist geschwächt von den verschiedenartigsten Leiden und deshalb nicht mehr widerstandsfähig." Ich nahm das kleine, liebe Kindchen zu mir und theilte mich nun in die Sorge um dasselbe und die Kranke. Sie raste im wildesten Fieber; ich erkannte bereits nach vierundzwanzig Stunden, daß hier keine Hülfe mehr möglich fei. Vielleicht war auch der Tod das Beste, was meiner armen Ella zu Theil werden konnte; hier im Leben hätte sie doch nie mehr Glück und Frieden genoffen, lächelnd sah sie den Tod herannahen, nachdem ich ihr versprochen, die kleine Lucie zu mir zu nehmen und ihr Namen und Rechte einer Enkelin zu geben- Ich hab'» gerhan und bereue es nicht, denn Lucie ist mein Sonnenstrahl, die schönste Freude meines sonst so einsamen Alters. Nachdem wir die arme Ella draußen auf dem grünen Friedhof eingesenkt — sie wollte durchaus nicht im Erbbegräb- niß liegen -, reiste ich für ein volles Jahr mit dem Kinde nach dem Süden und kehrte erst heim, nachdem die Adoption Luciens vollendet und sie Gräfin Lucie Bergen hieß. Von da an ist unser Beider Leben still dahlngefloffen bis auf den Tag, wo nochmals ein Mann jenes unseligen Namens auf taucht. O, Albrecht, glauben Sie mir, ich fürchte mich fast vor dem interessanten Geiger, der genau die Stimme und die Augen Nicols hat; feit dem Maskenball, wo Nicol Bellarino mein unglückliches Kind bethörte, ist gar manches Jahr vergangen, nur fein flammender Blick blieb mir unauslöschlich in Erinnerung — derselbe, mit dem Ihr Gast gestern Lucie betrachtete." Laffow schaute finster vor sich hin. „Er ist ein Schurke," sagte er endlich dumpf, „und es ist hohe Zeit, das Doppelspiel aufzudecken, welches er zu treiben scheint- Nicol Bellarino liebte wenigstens Ihre Tochter, Frau Gräfin; seine Schuld ward dadurch gemindert, aber dieser hier — doch ich will nicht verurtheilen, ehe ich mich von seiner Schuld überzeugte. Wollen Sie mich begleiten, gnädigste Gräfin, damit wir ein — Stelldichein verhindern?" „Ein Stelldichein? Herr von Laffow, Sie gehen zu weit; meine Enkelin würde niemals sich so weit vergessen, einem fremden Manne ein solches zu gewähren!" erwiderte die Gräfin erregt. „Lassen Sie die Comteß rufen, Frau Gräfin," entgegnete Albrecht von Laflow fest, „Sie werden dann erkennen, ob ich in meiner Vermuthung zu weit ging." Die alte Dame drückte auf die electrische Klingel und als die Kammerfrau eintrat, befahl sie derselben, Comteß Lucie herbeizurufen. „Comteß ist bereits spazieren gegangen," meldete die Zofe und Lassow meinte ein ironisches Lächeln um die Lippen der Zofe spielen zu sehen, „Comteß hatte zum Spaziergang Toilette gemacht und gesagt, wenn Frau Gräfin früge, sollte ich dies ausrichten." „Schon gut," erwiderte die Gräfin. „Wohin Comteß ging, wissen Sie wohl nicht. Ich will sie auffuchen." „Nein, das weiß ich nicht- Comteß gehen meist nach dem Waldrande zu," berichtete die Zofe. Als das Mädchen gegangen, erhob sich die Gräfin erregt und griff nach Hut und Shawl. „Wenn Sie Recht hätten, Albrecht!" sagte sie. „O, mein Gott, sollte dasselbe Leid zweimal über mich kommen?" „Nur Muth, Frau Gräfin, noch ist es nicht zu spät," antwortete Lassow. „Darf ich Sie führen? Ich glaube allerdings auch, daß die Begegnung am Waldrande stattfindet." „Laffow, ich weiß Alles — Lucie hat Sie abgewiesen. Sie tragen Ihr Leid wie ein Held und ich bewundere Sie von Herzen." „Vielleicht habe ich den rechten Augenblick nicht abgewartet," seufzte der ernste Mann. „Ich sah die Gefahr herannahen und wollte mir das Recht sichern, das tijeure Wesen in meinen Armen vor Unglück zu bewahren. Aber Lucie hat im Uebrl- gen auch wahr gesprochen: Ohne Siebe sollte nie ein Weib zum Mare treten!" „Laffow, Sie sind ein edler, treuer Mann, der nicht aufhört, zu lieben, auch wenn er schwer gekränkt ist. Wie glücklich wäre ich gewesen, wenn Lucie —" „Gnädige Gräfin, lassen wir diese Möglichkeit ruhen, sie ist ja nun ausgeschlossen. Wenn Herr Bellarino um die Hand der Comteß anhält, was werden Sie antworten?" „Daß ich meine Einwilligung versage," entgegnete die Gräfin hart, „jetzt und immerdar; ein Mann dieses Namens darf nicht mehr eindringen in meine Familie und ich will mem Enkelkind lassen schützen vor ihrer Thorheit, wie emstmals meine Tochter Ella. Sagen Sie Bellarino, daß ich Lucie — enterbe, wenn ste unter ihrem Stande heirathet; es ist besser, Bellarino hält mich für hochmüthig, als daß namenloses Leid über uns wiederum hereinbricht." Ich meine, diese Drohung wird bei dem Herrn helfen; seine ganze Liebe für Comteß baflrt doch allein auf schnöder Berechnung." Gut, dann wird er bald von seinen Nachstellungen ab. sehen. Wenn er dann fort ist, will ich mit Lucie reifen, “■ 184 vielleicht nach Wiesbaden oder Homburg, damit sie auf andere Gedanken kommt und ihrem Kummer nicht nachhängen kann." „Das wäre ein gutes Mittel; die Jugend ist ja allen neue« Eindrücken geneigt und hoffentlich sitzt diese Liebe noch nicht allzu fest in Comteß Luciens Herzchen." „Woher stammten jene Vergißmeinnicht, die Lucie gestern den ganzen Tag trug? Doch nicht von Ihnen?" „Nein, Frau Gräfin," sagte Albrecht von Laffow in seiner treuherzigen Weise, „dann hätte ich die Blumen vor Ihren Augen der jungen Dame übergeben." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Krankenpflege im Hause. Da dem weiblichen Theil doch überwiegend die Pflege eines Kranken obliegt, hat die Hausfrau vor Allem die schwierige Aufgabe, sich in lebem Krankheitsfalle die Besonnenheit zu bewahren. Nicht nur bet besonderen Unglücksfällen, sondern auch bei Symptomen einer Krankheit sollte sofort der Arzt gerufen, nicht erst alle erdenk- lichen Mittel probirt werden; wie oft hätte der Arzt 12 oder 24 Stunden früher den Kranken retten können, und nun kommt die Hülfe zu spät. Zeit und Stunde waren um, sagt man. Wohl denen, die ein theures Glied verloren, wenn sie das Bewußtsein trösten kann, alles gethan zu haben, was in ihren Kräften stand. Wenn die ganze Pflege nur im Em- geben der Medizin besteht, ist es geradezu ein Wunder, wenn der Kranke wieder gefund wird. Selbst beim günstigsten Verlauf kostet eine Krankheit viel Geld, auch der sparsamste Mensch ist gezwungen, in solchen Tagen den Kostenpunkt unberücksichtigt zu lasten. Erkrankt der Hausherr oder ein Kind, so ist es in den meisten Fällen die liebende Gattin und Mutter, welche die Pflege übernimmt. Was ihr an Ver- ständniß fehlt, thut die Angst; das Gefühl sagt ihr, was sie zu thun hat. Sie kommt mit peinlichster Genauigkeit den Verordnungen des Arztes nach, sie beobachtet den Athem, mißt die Fiebergrade, sorgt für regelmäßige Zimmertemperatur, im Sommer für Kühlung durch Aufstellen von Eis und Auf- Hängen naster Tücher und bereitet ein gutes Lager, glättet die Kopfkissen, ist überhaupt bemüht, dem lieben Kranken zede Erleichterung zu verschaffen, wie durch kühlende Getränke zur Stillung des Fieberdurstes und auch das Fernhalten jeder Aufregung «ach Möglichkeit. Wie anders aber ist es bei einer plötzlichen Erkrankung der Hausfrau selbst, wenn nur ein junges unerfahrene» Mädchen da ist. Schon in einer kinderlosen Familie ist es traurig, sind aber noch kleine Kinder da, ist es das reine Chaos. Handelt es sich um eine kleine leichte Erkrankung, so genügt hier schon absolute Ruhe, um den schwachen Kräften wieder aufzuhelfen und es mag ein paar Tage so gehen, aber wie geht es. — Bei ernstlicher Krankheit muß deshalb sofort für eine gute Wärterin gesorgt werden, wenn Niemand von der Familie der Patientin die Pflege übernehmen kann. Ist die eigentliche Krankheit über- wunden, muß die Wärterin noch für kurze Zeit bei der Kranken bleiben, damit sie sich recht schonen und kräftigen kann; sie kommt sonst zu leicht in Versuchung, da und dort zuzugreifen, wenn sie merkt, daß es fehlt. Ein Rückfall ist ja so häufig gefährlicher als die eben überstandene Krankheit. • • * Wattirte Bettdecken zu waschen. Eine wattirte Decke weicht man einen Tag in kaltem Wasser, welches man zuweilen erneuert, ein und reinigt dieselbe, wenn der Staub ausgi zogen ist, auf einem Tisch mit der Bürste und kalter, recht fetter Seifenlauge. Ist die Decke allenthalben gründlich abgeseift, so taucht man sie in ein Faß mit Wasser, spült sie in frischem Wasser, dar man mehrmals erneuert, recht klar, läßt die Decke von zwei Personen recht trocken auswringen und dann auch glatt ausschlagen. Letzteres läßt man wiederholen, bevor ste trocken ist. O Mittel, um Obst- und Rothweinflecken aus Wäsche zn entfernen. Man wäscht dar befleckte Stück zuerst in reinem Wasser, alsdann mit Seife und schlägt es über die Seine. Hierauf bildet man aus Carton eine Art Trichter, zündet darunter etwas Schwefel an und hält einen Fleck nach dem andern an die obere kleine Oeffnung der Trichters. Das ganze Stück wird darauf nochmals gewaschen und in sehr klarem Wasser gespült. Hat man bei diesem Verfahren die gehörige Sorgfalt beobachtet, so kann man darauf rechnen, daß alle Flecken verschwunden sind. • ♦ % ♦ Gedämpfte Kartoffeln sind weit nahrhafter und von besserem Geschmacks, als solche in Wasser gekochte, da bei ersteren der Wassergehalt der Kartoffeln vermindert und deren Nährsalze erhalten bleiben, während beim Kochen in Wasser der Wassergehalt noch vermehrt wird und die Nährsalze größtenteils verloren gehen. ♦ Senssauce zu Suppenfleisch. Ein Theelöffel voll Mehl, 2 Eidotter, 1 Eßlöffel Zucker, 2 Löffel Sens, Vt Liter Wasser, Essig nach Geschmack und 4 Deka Butter. Dies Alles wird unter beständigem Rühren eben durchgekocht. Vermietest Ein berühmter Schriftsteller vermochte, wenn ihm ein boshafter Witz oder eine schlagfertige Antwort einfiel, solche nicht zn unterdrücken, selbst wenn es ans Kosten seiner besten Freunde ging. Eines Tages veröffentlichte er in seinem Blatte ein Epigramm auf ein zanksüchtiges Weib Die Verse fanden großen Beifall und wurden viel belacht. Bald daraus begegnete ihm ein hochstehender Gönner, der von dem Epigramm hatte erzählen hören, und bat ihn um ein Exemplar der betreffenden Nummer- — „Wozu wollen Sie die Schilderung erst lesen," war die Antwort, „Sie besitzen ja dar Original." — Natürlich war nun die Freundschaft für immer aus. * * * Als der Dorfgeistliche einer großen Gemeinde vor der Schule vorbeiging, kam gerade die fröhliche Kinderschaar heraus. Allen Anderen voran eilte ein niedliches Mädchen, die Schultasche unter dem Arm. Als die Kleine den geistlichen Herrn erblickte, machte sie einen Knix, eilte auf ihn zu und küßte ihm die Hand. — „Wie heißt Du, mein Kind?" fragte der Prediger freundlich. — „Röschen Gellert," antwortete die Kleine. — „Ei, das freut mich, daß Du ein so artiges Kind geworden bist; ich habe Dich getauft" — „Ach, Hochwürden,' antwortete das Kind treuherzig, „ich hätte Sie beinahe nicht wiedererkannt!" ♦ * ♦ Ein Reifender aus Breslau, der kürzlich in Tost zur Nacht blieb, hatte in dem polizeilichen Fremden-Meldezettel die Rubrik „Besondere Bemerkungen" mit der Versicherung „Ein guter Mensch" ausgesüllt. Daraufhin ist jetzt gegen denselben Strafantrag wegen Beleidigung bezw. Verhöhnung der Taster Polizei gestellt worden. ♦ Der kleine Musikfreund. Lehrer: „Hänschen, wenn Du drei von zehn wegnimmst, wieviel bleiben dann?" — Hänschen schweigt. — „Wieviel Finger hast Du an beiden Händen zusammen?" — „Zehn!" — „Richtig! Und wenn drei davan fehlen, was hast Du dann?" — Hänschen (freudig lächelnd): „Keine Clavierstunde!" Redaction: A. Sch-Yda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Khr. Pietsch) in Gießen.