Nnk«rhatt«ng»blatt $um <5k&eiuy Anzrigev (Srneval-Anzeig«») Wt. 136 1894. ?WW^W Dienstag, den 20. November MESS Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Fries«». (Fortsetzung.) ^rald wendet sich hastig ab. Ihr Festhalten an dem einen Gedanken erregt ihn heftig. v „Denn nur sein Tod kann mich frei machen," fährt sie sinnend fort. „So lange er lebt, bin ich hier eine Gefangene." „Warum?" fragt er leise, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend. „Sie können der Welt frei in's Auge sehen. Sie stehen hoch und rein da." Traurig schüttelt sie das Haupt. „Rein, Gerald. Als Fürstin Orlowsky kann ich nicht zurückkehren; als Baronin Medfort mag ich es nicht. Und dann — selbst wenn ich in meine Hetmath zurückkehrte, was feffelt mich jetzt noch dort? Nur, wenn er tobt wäre —" Sie stockt. Tiefe Röthe bedeckt ihr Antlitz. Verlegen blickt sie zu Boden. „Lola!" Gerald ruft es mit hervorbrechender Leidenschaft. In diesem einen Wort liegt seine ganze zärtliche, treue, unendliche Liebe. Sie bickt mit feuchten Augen zu ihm auf. Er glaubt, in ihrem Blick zu lesen: „Geh' hin und tödte ihn, und sei dann meinl" Seine Augen flammen. Die kräftige Faust ballt sich. Doch nur wenige Minuten - dann hat er die lockende Versuchung überwunden. Er blickt in Lolas Antlitz. Es ist so ruhig, so engelsrein. Wie konnte er nur solch' verwerfliche Gedanken hegen! Sanft, wie abbittrnd, ergreift er ihre Hand und hält sie lange in der seinen. „Gott schütze uns vor jedem Unrecht!" murmelt er tief« bewegt. — XXIX. Zwei Jahre sind vergangen. . . . In dem Leben der beiden Bewohnerinnen der Villa Flora hat sich wenig geändert. Die Tage fließen ruhig dahin — einer wie der andere. Nur Baron Geralds Besuch bringt etwas Abwechselung. Er bleibt stets einige Tage und kehrt dann wieder nach England zurück. Seine Gegenwart bildet für Lola den einzigen Sonnen« blick in ihrem einsamen, gleichmäßigen Leben. Der beständige Verkehr mit einer so hochgebildeten, geistig und seelisch hervorragenden Dame, wie die Baronin Hastings, A, sür sie von günstigstem Einfluß. Das Oberflächliche, Seichte n ihr schwindet allmählig. Der gute Kern, der trotz alledem in ihr verborgen liegt, kommt mehr und mehr zum Vorschein. Es gibt Zeiten, da sie vor sich selbst erschrickt. Mit Entsetzen erkennt sie, was sie früher gewesen, was sie jetzt noch wäre, wenn eine schwere Prüfung ihre Seele nicht l geweckt hätte - eine leichtfertige, kokette, selbstsüchtige Modedame, eine Puppe, ohne Empfindung, ohne das geringste Ge« ; fühl für all' das Schöne und Edle, was die Welt bietet. Sie hat gelernt, die stillen Freuden als die einzig wahren, bleibenden zu betrachten und hat Trost in der Kunst und Literatur gefunden. Durch die Baronin Hastings ist sie in die Tiefen der Meisterwerke unserer großen Dichter eingeweiht worden. Kommen ihr einmal über irgend eine Stelle Zweifel, so ist die lieb nswürdige alte Dame stets bereit, sie aufzuklären. Lolas Schönheit hat fast noch zugenommen. Der jugend- liche Schmelz, der Liebreiz der regelmäßigen Züge ist derselbe wie früher. Doch hat der Blick der großen, blauen Augen an Innerlichkeit gewonnen; der kleine, feine Mund verzieht sich nicht mehr spöttisch wie ehedem- Es ist ein klarer, warmer Sommernachmittag. Lola sitzt auf der Terrasse an dem runden Marmortisch und liest, den goldigfchimmernden Kopf in beide Hände gestützt. Neben dem aufgeschlagenen Buche steht eine Vase mit frisch abgeschnittenen weißen Hyacinthen. Die Vorliebe für diese süßduftende Blume ist ihr geblieben. Sie ist so völlig vertieft in Goethes „Torquato Taffo", daß sie die nahen Schritte nicht bemerkt. Erst als ein Schatten auf das Buch fällt und Geralds tiefe Stimme ihr „Guten Tag" wünscht, blickt sie auf. Ein tiefes Roth steigt in dis frischen Wangen, während die leuchtenden Augen sich langsam senken- Sie ahnt, wer hinter ihr steht. Ach, es gab eine Zeit, da hätte er fein Leben für einen solch' süßen Willkommengruß gegeben. Jetzt bereitet er ihm fast Schmerz. „Gerald!" ruft sie lebhaft, von ihrem Stuhl empor« springend und ihm die Hand entgegenstreckend. „Wann sind Sie angekommen?" „Vor einer halben Stunde. Ich habe unten mit meiner Mutter Kaffee getrunken — dann mußte ich zuerst Sie auf- fuchen. Wie wohl Sie aussehen, Lola. Ihre Züge sind wieder so klar und jugendfrisch wie früher. Jede Schmerzens« inie ist entschwunden." Sie lächelt. Es geht mir auch ganz gut- Uevrigens — bringen Sie keine neuen Nachrichten aus der Heimath mit?" „Doch, Lola. Kommen Sie mit hinunter an das Ufer. Ich werde Ihnen unterwegs erzählen. Kommen Siel" Langsam schreiten sie zusammen über den blanken Kies dähin. Lolas Züge verrathen ängstliche Spannung. „Wissen Sie schon, daß der Herzog von Edenfield ge» storben ist?" fragte Gerald ernst. „Wirklich?" entgegnet ste bedauernd. „Ein guter Mensch weniger auf der Welt! Und die Herzogin?" wird wohl kaum lange Wittwe bleiben. Wenn Lord Rawdon von seiner Nordpol-Expedition zurückkehrt, so wird der Hauptanziehungspunkt für ihn wohl wieder London sein." „Wohl möglich." Lola's Ton ist gleichgiltig. Die Herzogin war ihr nie sympathisch. Beide schweigen eine Zeit lang. Dann fragt Gerald langsam: „Sie wiffen, daß Orlowsky der Nihilistenpartei angehört?" Schweigend nickt sie mit dem Kopf. „Und daß er sich in Gefahr befindet?" „In Gefahr befindet? Inwiefern?" „Er hat sich nicht nur an verschiedenen politischen Umstürzen betheiligt, sondern ist sogar vielfach das Haupt derselben gewesen. Ein hoher Preis steht auf seinem Kopf. Einmal glaubte man, ihn bereits zu haben, da entwischte er wieder." Lola hat mit großen, starren Augen zugehört. Jetzt ruft sie hastig: „Und wenn sie ihn fangen?" „So wird er entweder nach Sibirien geschickt, oder sein Kopf fällt." Tief ausathrnend bleibt sie stehen. „Sein Kopf fällt!" wiederholt sie erregt. „Ach, Gerald, Gerald, wie schlecht bin ich, daß ich mich darüber freue!" Abwehrend erhebt er die Hand. /,Nein, Lola, Sie irren sich in Ihren Empfindungen. Ihr Herz ist viel zu edel, als daß es sich über den Tod eines Menschen freuen könnte, und wäre er selbst ein Todfeind. Es ist nur das Gefühl der möglichen Freiheit, welches Sie aufathmen läßt." Leise stimmt sie bei. Dann sprechen sie von etwas Anderem. Als sie sich wieder der Villa zuwenden, macht Lola ihren Begleiter auf eine kleine, dunkle Wolke aufmerksam, die sich über dem Vesuv zusammenballt. „Das bedeutet Sturm," sagte ste nachdenklich, mit dem Finger nach jener Stelle deutend. „Paffen Sie auf! Wir bekommen eine böse Nacht." Auch die Baronin Hastings ist nicht wenig über die Nachricht von Orlowsky's Flucht und Verfolgung überrascht. Den ganzen Abend aber bildet der Russe das Hauptgesprächsthema. Während Lola früher feinen Namen auszusprechen vermied, hat sie jetzt, da sie ihn in Gefahr weiß, hundert Fragen über sein Thun, seine mögliche Gefangennahme und felne geschickten Fluchtversuche. Und Gerald erzählt getreulich Alles, was er aus den Zeitungen weiß. Die Baronin tadelt seine Handlungsweise mit strengen Worten, und Lola stimmt ihr bei. Nur Gerald sucht ihn zu entschuldigen. „Ich fühle Mitleid mit ihm, wie mit einem gehetzten Wild," sagt er sanft. „Ich verstehe die Kämpfe einer verzweifelnden Seele, die nach allen Mitteln greift, um sich aus dem Staub smporzuheben." „Wie gut Sie sind, Gerald," ruft Lola lebhaft, voll Bewunderung zu der hohen, männlichen Gestalt an ihrer Seite ausblickend. „Sie finden eine Entschuldigung für Alles. Ich glaube, es giebt keinen edleren Menschen als Sie auf der ganzen Welt." Lola hat mit auffallender Wärme gesprochen. Ein heißes Roth steigt in sein Antlitz bis unter das gelockte Blondhaar. „Wie wunderbar ist diese Vereinigung von Kraft und Milde in Ihnen," fährt sie begeistert fort- „Die Kraft allein macht den Mann heftig und hart; die Milde allein läßt ihn schwach und weiblich erscheinen. Nur Beides vereinigt bringt Vollkommenheit hervor." Gerald verneigt sich lächelnd. Was ihn diese anscheinende Unbefangenheit kostet, weiß Gott allein. Nur mit größter Willenskraft überwindet er das brennende Verlangen, die Geliebte in seine Arme zu nehmen und ihr den Mund mit seinen Küssen zu verschließen. Und fie? . . . Voll süßer Befangenheit senkt sie plötzlich die Augen. Sie fürchtet, ihr Blick könne ihm mehr sagen, als fie darf — ste, die Gattin eines Anderen. Die Luft wird schwüler; der Horizont verdunkelt sich. Eine unheimliche Stille beherrscht die ganze Natur. Besorgt blickt die Baronin von den sich langsam hebenden Wellen zu dem düsteren Himmel, von welchem der Mond gespenstisch in die Nachtlandschaft hineinleuchtet. Plötzlich ein heftiger Windstoß; dann noch einer und noch einer. Die Bäume biegen sich unter der Wucht der hereinbrechenden Sturmes. Erschauernd verlassen die Drei die Terrasse. Eine Stunde später schläft Alles in der Villa Flora, während der Sturm weiter und weiter tobt und die dunklen Wellen sich schäumend an dem Felsenufer brechen. XXX. Lange nach Mitternacht erwacht Lola durch einen fürchterlichen Donnerschlag. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Mit bebenden Händen kleidet sie sich an und eilt hinunter in das Wohnzimmer. Hier findet sie bereits Gerald vor, der am Fenster steht und in den strömenden Regen hinausblickt. Auch er kann nicht schlafen, während die Natur stchflin vollstem Aufruhr befindet. „Ach, Gerald, wie schrecklich!" ruft sie ängstlich. „Ich kann nicht allein oben fein. Lassen Sie mich bei Ihnen bleiben!" Ehe er antworten kann, erleuchtet ein fürchterlicher Blitz das ganze Zimmer, gefolgt von einem dröhnenden Donnerschlag. Lola erbleicht bis in die Lippen. Angstvoll umklammert sie Geralds Arm. „Ich fürchte mich so sehr," schluchzt sie. „Bleiben Sie bei mir." Eine Zeit lang stehen sie schweigend neben einander am Fenster. Jeder Blitz zeigt ihm ihr angsterfülltes Antlitz, ihre zitternden Lippen. Plötzlich — ein Kanonenschuß. „Ein Schiff ist in Gefahr!" ruft Gerald hastig. Lola horcht auf. „Gott schütze die armen Leute. Sie gehen dem sicheren Tode entgegen," murmelt sie. „Horch, da schießen sie wieder!" Sanft ergreift er die kleine Hand, die noch immer seinen Arm umklammert hält. „Ich will sehen, ob den Armen noch zu helfen ist!" ruft er entschlossen. Doch nur um so fester umklammern ihre Hände seinen Arm. „Nein, nein," ruft sie angstvoll. „Sie dürfen mich nicht verlassen«" „Die Leute sterben vielleicht, Lola, während ich hier müßig stehe. Lassen Sie mich gehen!" „So will ich wenigstens mit Ihnen gehen." „In diesem Unwetter? Es würde Sie tödten." „Besser, als allein hier bleiben." „Unmöglich, Lola. Ich bleibe nicht lange. Inzwischen werde ich meine Mutter zu Ihnen rufen." „Nein, nein. Ich will lieber allein sein, wenn Sie mich verlassen müssen." Ein neuer Blitzstrahl beleuchtet ihre geisterbleichen Züge, $rc töbtlicher Angst auf ihn gehefteten Augen. Voll herzlichen Mitleidens beugt er sich herab und küßt sanft ihre klare Stirn. „Gott schütze Sie, Lola," flüstert er. Im nächsten Augenblick ist er draußen. - 842 — Opit Pftttttt, thränenlosen Augen blickt sie ihm nach. Sie « Da ruckt ein greller Blitzsirabk auf Einen Auaenbttck Hkn des 9Be?t,en'b l^lcht, feuekrl das Schiff seine I Lola hört nichts mehr. Mit einem leisen Wehruf schließt Er steht, daß es gerade auf einen Felsen. I sie die Augen und gleitet zu Boden. dep Sturm es wie ein Spielzeug Eine Ohnmacht hat sie von ihrer Todesangst befreit. 6 SE fiS fnÄ" Uob ? "mH sinken Als Lola die Augen wieder ausschlägt, beginnt bereits Tbeil ^ sL ? ei? ManÄr^sö2 flSÄeute'^um. größten der Morgen zu dämmern. Eine Fischersfrau ist um sie be- Thetl Fischer, ein. Man berathschlagt, was zu thun sei, ohne I schäftigt; sie reibt ihr die Schläfen mit kaltem Wasser und ab e t(Sfv> «e kommen. Das Rettungsboot liegt weit I haucht in ihre starren Hände. s^st^rk.mk-nSi? S' roirb bM Schiff und seine Mann« Hastig blickt Lola um sich. Sie sieht mehrere fremde «l I Menschen in ihrer Nähe. Einige gehen auf und ab: Andere Schreien und ertönt schauerlich das I haben sich erschöpft auf den Sand niedergestreckt, mljrfdieirt* @^ m„ TA?S-bt.,;?Sff6r?(5f9em lich sind es die Geretteten- . . . Aber wo ist er? ®ehÄti^f^a ßbLur^r @Slb' x W cn I Ein Jubelruf löst sich von ihren Lippen. Dort steht er, hJJbSäJ*?JÖÄ W bur4 bie Reihen der Männer, ein wenig bleich, aber unversehrt. Dank Dir, Gott! R.r^in^Ä!ühnheit? I Sie springt empor und will ihm entgegeneilen; doch ihre hMltrixei EU das nahe Schiff I Glieder versagen ihr den Dienst. Sie sind fast steif von dem deutlich. Die Mannschaft hat sich auf der Commandobrucke j langen Liegen im nassen Sand. zusammengehrängt und ringt in stummer Verzweiflung die Langsam wankt sie der Stelle zu, wo Gerald steht. Sie M ua» tx c t« ,« L I ffeht ihn mit einem robusten Mann in CapitänS'Uniform «..b bindet sich das rasch herbeigeschaffte Tau um den I reden. Der Mann spricht eindringlich, lebhaft gesticulirend, Leib und nähert sich dem Wasser. I als ob er ihn von etwas abhalten wolle. Gerald schüttelt » a n an . £ , ! ernst das Haupt und deutet nach dem hin« und herschwanken« „.^'ueweiße Frauengestalt stürzt auf ihn zu. Sanft er« | den Schiff, von dem ein Theil bereits den Wellen zum Opfer greift er ihre vom Regen feuchten Hände. | gefallen ist. ~ "Das hätten Sie nicht thun sollen," sagt er vorwurfs. I Jetzt bemerkt er Lola. Mit einem Ausruf des Erstau- öoU' Dod sein. j nens eilt er auf sie zu und ergreift besorgt ihre kalte Hand. „So sterb i$ mit Ihnen! entgegnet sie hastig. I „Bist Du während der ganzen Zeit hier gewesen, Lola?" , .^^wischen hat ein Fischer einen groben Gummimantel „Ja," sagt sie einfach. „Wie konnte ich Dich verlassen!" herbeigeholt und ihn um die nasse Gestalt gelegt. | Zärtlich blickt er in ihre glückstrahlenden Augen, aus „Was wollen Sie thun? fragt sie von Neuem. Ihre j denen ihm so viel Liebe, so viel Hingebung entgegenleuchtet. Stimme zittert so sehr, daß sie kaum sprechen kann. „Ich muß noch einmal fort, Lola." „Ich will jene Armen dort retten, Lola," entgegnet er I „Noch einmal?" "nst- "Suchen Sie mich nicht abzuhalten! Es wäre umsonst. „Ich höre, daß sich noch Jemand an Bord des Wracks Ein Boot hält diesen Wellen nicht Stand. Vielleicht bringt | befindet — ein armer, schwer verwundeter Mann. Die Feig« chnen mein Tau Rettung. I linge hatten es so eilig mit ihrer eigenen Rettung, daß sie den „Gerald, Sre gehen in den Tod! I armen Teufel dort ließen, als sie das Rettungsboot bestiegen, In ihrer Todesangst umschlingt sie ihn fest. Sanft | welches sie an einem Tau befestigt hatten." macht er sich aus ihren Armen los und sagt hastig: „Es geht I „Und Du?" nicht anders, Lola! Leben Sie wohl!" „Ich will ihn retten, wenn es noch möglich ist." m Damit wendet er sich dem Meere zu. Mit einem wilden | „Bedenke, er ist krank, schwer verwundet. Willst Du Angstschrei sinkt sie in die Kniee. I Dein eigen Leben aufs Spiel setzen um ein Leben, das kaum „O, ich weiß es, die grausamen Wellen werden Dich mir | des Lebens werth ist?" wiederbringen, aber tobt - tobt!" schluchzt sie auf. „Ach, Ernst schüttelt Gerald das Haupt. Gerald, bevor Du in den Tod gehst, laß mich Dir danken I „Wer kann den Werth eines Lebens ermessen," sagt er !x an mrlr gOan, laß mich Dir sagen, daß sanft. „Das meinige hat in Deinen Augen am meisten ich Dich liebe — unaussprechlich, grenzenlos liebe, daß mir I Werth. Doch wer weiß, wie viel treue Herzen um jenes das Leben ohne Dich nichts ist!" j bangen!" „Lola!" Er ist auf sie zugeeilt und hat sie zu sich empor« | „Es nützt nichts, Dich abhalten zu wollen," sagt sie mit gezogen- i einem tiefen Seufzer. „Nun denn, so geh'! Aber Eins vsr« „Lola!" wiederholt er innig. „Ich danke Dir für diese I sprich mir: Halte Dich nicht länger auf, als unbedingt nöthig! Worte. . . . Bete für mich!" Ich vergehe vor Angst." Ein einziger heißer Kuß, ein leidenschaftliches Aneinander« I „Ich verspreche es. Auch ist weniger Gefahr, als vor« pressen — dann ist er im Dunkel verschwunden. I hin, da es schon dämmert. In kurzer Zeit bin ich mit dem Einige Minuten lang steht sie wie betäubt da und starrt I armen Verwundeten zurück. Leb' wohl, Lola!" m die Finsterniß — dorthin, woher vor Kurzem ein Rauschen | Diesmal schluchzt und weint sie nicht.' Etwas von kam, als ob ein Mensch in'S Wasser springe. Dann sinkt sie I Geralds ruhiger Energie, von seiner Hoffnungsfreudigkeit ist abermals in die Kniee. I über sie gekommen. Ruhig sieht sie zu, wie er das Tau aber« Sie betet — betet heiß und inbrünstig, wie sie es noch | mals um seinen Leib befestigt. Doch als er in die brausenden nie vorher gethan, für das Leben des Mannes, den sie liebt, I Wellen springt, wendet sie sich ab- Sie kann sein Ringen mit den sie — sie fühlt es jetzt deutlich — vom ersten Augenblick I den Wogen nicht mit ansehen. Aus den Ausrufen der Um« an geliebt hat. ... I stehenden weiß sie, wie weit sein Rettungswerk vorgeschritten Die Menschengruppen vergrößern sich. Auch Frauen > ist. . . . Jetzt erreicht er das Schiff. . . . Jetzt klettert er eiten herzu. Unruhig eilt man hin und her. Alles späht in i empor. . . . Jetzt langes, athemloses Stillschweigen. . . . Jetzt die Dunkelheit in der Richtung, wo das Schiff liegt. Nichts I erscheint er wieder . . . allein . . . nein, er hält Jemand in ist zu erkennen. I den Armen. „Hurrah! Hurrah! Hurrah!" — 544 - Lola versucht, in der Dämmerung etwas zu erkenne«. ! Vergebens. Ihr Auge ist ungeübter, al» das der Küsten» j bewohner. Sie sieht nur graues Halbdunkel und einen schwarzen | Punkt — das Wrack. Die Leute fahren fort, Hurrah zu schreien. Sie nennen Gerald einen Helden, einen großen Helden. Aber Niemand fällt es ein, ihm zu Hilfe zu kommen. Mit starken Armen die Wellen zertheilend, manchmal über dem Wafler schwebend, manchmal in demselben verschwindend — so naht Gerald langsam dem Ufer. Doch plötzlich läßt seine Kraft nach- Der leblose Körper in seinen Armen erschwert das Schwimmen. Mit Aufbietung seiner letzten Kräfte gibt er sich einen Stoß und fliegt auf das felsige Ufer. (Schluß folgt.) Geineinniltziges. Bienenhonig für Kinder. Kinder, welche schnell wachsen und infolgedesien blaß und schwächlich aussehen, haben zumeist großes Verlangen nach Süßigkeiten. Dieser Trieb beruht auf dem Bedürfnis, dem Körper Stoffe zuzu- führen, welche rasch und unmittelbar ins Blut gelangen und so den intensiven Lebensproceß vermitteln. Hierher gehört vornehmlich der Zuckerstoff, welcher im Körper sozusagen als Heizstoff Verwendung findet. Nun bietet uns aber die Natur einen reinen Süßstoff, der durch seinen hohen Gehalt an Traubenzucker und durch fast gänzlichen Mangel an Stickstoff am leichtesten ins Blut übergeführt wird, das ist der Honig. Man gebe den Kindern deshalb ausgiebig Honig, und so oft wie möglich. Besonders empfiehlt sich zum Frühstück warme, mit Honig versüßte Milch mit gutem Hausbrot. Das ist das gesündeste, schmackhafteste und verdaulichste Frühstück; besonders im Winter kann nichts zum Gedeihen der Kinder mehr beitragen, als solche Nahrung. Während Milch und kräftiges Brot die Kinder gut nährt, erwärmt der Honig den Körper und stärkt die Athmungsorgane. Die Reinigung von allerhand Lederfachen. Die Hellen Lederschuhe und Gürtel können am einfachsten und leichtesten gereinigt werden, indem man zunächst den Staub abbürstet und sie dann mit ganz weichem Bürstchen mit lauwarmem Waffer und weißer Kernseife abseist, mit einem Schwamm nachspült und ruhig trocknen läßt. Doch gilt dies nur für Helle Ledersachen, die dunkelfarbigen Schuhe und Gürtel reinigt man mit Salmiakgeist, den man gut mit Waffer verdünnt. Reisetaschen, Handarbeitskasten, glatte Ledereinbände von Büchern und Albums, auch gute Schreibmappen erhalten wieder ein neues Ansehen, wenn man sie mit weichem Tuch mit geschlagenem Eiweiß abreibt, doch müffen zuvor etwaige sich vorfindende Flecken entfernt sein. Auch diese gelingt es der Hausfrau zu vertreiben, wenn sie nicht zu alt sind. Fettflecken werden mit Hirschhornsalz entfernt. Man löst es mit heißem Waffer auf, läßt die Lösung lauwarm werden und reibt mit derselben die Ledersachen so lange, bis sich Schaum bildet. Dann reibt man das Leder trocken und hernach mit geschlagenem Eiweiß. Tintenflecken laffen sich nur in frischem Zustande entfernen und dann, ohne daß man schon vorher Waffer an die Sachen gebracht hat. Man feuchtet die betreffenden Stellen mit ganz wenig Waffer leicht an, und verreibt auf der feuchten Stelle einige Körnchen Weinstein, der allerdings zu Anfang den Fleck roth färbt. Durch mehrmaliges Nachspülen mit klarem Waffer verschwindet die Farbe und der Fleck mit ihr. Nach dem Trockenreiben des Leders erfolgt hierauf, wie bei den anderen Sachen, ein Einreiben mit geschlagenem Eiweiß. Auf der Polizei. Polizeibeamter: „Ihr Name?" — Schauspieler: „Carl Meyer." — Polizeibeamter: „Ihr Stand?" — Schauspieler: „Acteur." — Polizeibeamter: „Sprechen Sie gefälligst deutsch, wenn Sie mit königlichen Behörden verkehren, hier zu Lande sagt man Actuar." * ♦ * Falsch verstanden. Offizier: „Sagen Sie mir, Kadett Müller, warum soll der Offizier im Felde mit guten Karten versehen sein?" — Kadett: „Weil das Kartenspielen im Bivouak oft das einzige Vergnügen ist." * ♦ ♦ Ein Geschäftsgeheimniß- Der Schul-Jnspsctor besucht die Abendstunde der Gewerbeschule und legt einem Knaben die Frage vor: „Welchem Stande gehörst Du an, mein Sohn?" — „Ich bin Buchdruckerlehrling." — „Schön, kannst Du mir wohl sagen, wer die Buchdruckerkunst erfunden hat?" — Lehrling (nach einer Pause): „Nein, da« geht nicht, der Meister hat mir verboten, über's Geschäft zu sprechen." Weihnachts-Epistel. Das Weihnachtsfest, es stehet vor der Thür, Wunschzettel hat gar Mancher schon geschrieben, Das ist fürwahr am besten die Manier, Wie man bekundet seinen Wunsch den Lieben. Nun wird manch' Schatz, der wohlverwahrt geruht In einer Büchse tiefem, dunklem Grunds, Und manch' vom Wirthschastsgeld gespartes Gut An s Tageslicht gebracht zu dieser Stunde. Und wenn nun sestgestellt, daß dies und jenes mag Bescheeret sein, den Großen und den Kleinen, Dann kommt für Alle wohl die Frag' — Wo man ersteht die Schätze für die Seinen! Nun herrscht der Glaube, daß je weiter her Die Gabe, die den Weihnachtstisch Dir zieret, Je besser auch; — allein bei meiner Ehr, Davon hab ich bis jetzt noch nichts gespüret. Einbildung ist's, ich sag es frank und frei, Und geb es schriftlich einem Jeden gerne, Wenn es da heißt, daß dieses schlechter sei Am Platze hier, als Jenes aus der Ferne. Das Geld ist Geld, und Waare — Waare bleibt, Ob sie daheim, ob auswärts ist erstanden, Und Handel Niemand doch zu seinem Schaden treibt. Der Kaufmann bleibt sich gleich in allen Landen. Nun frag ich Euch: „Könnt Ihr dasselbe Stück, Das Ihr nach Rennen, Auf- und Abwärtstraben Bringt aus der großen Stadt in Euer Heim zurück, Nicht ebenso bei uns am Platze haben?" Ich denke doch! Und wahrlich, in dem Preis Der Waare werdet Ihr nicht übertheuert, Denn auch bei uns ein jeder Kaufmann weiß, Daß den Besuch Ihr nie sonst mehr erneuert. Und was die Auswahl anbetrifft — ich meine, Daß man erst sehen muß, eh man ein Urtheil spricht, Und daß die Herrlichkeiten all im Kerzenscheine Euch nicht gefallen, — ei, das glaub ich nicht. Denkt doch daran, daß sich das ganze Jahr Der Kaufmann redlich plagt, und nun zum Weihnachtsfeste, Das auch für ihn voll rosiger Hoffnung war, Da nehmt Ihr ihm gerad das allerbeste; Denn glaubt doch nicht, daß es so sehr pläsirlich Zu schauen selbst nur all die Sachen an, Die er da aufgebaut so hübsch und zierlich, Wie in der großen Stadt man's nimmer besser kann. Drum nehmt zu Herzen Euch die Worte mein. Dann seid zum Weihnachtsfest Ihr doppelt auch zufrieden, „Am Wohnort kaufen!" soll die Losung sein, Und Allen sei ein gut' Geschäft beschieden! Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei Gr. Lhr. Pietsch) in Gicßeu,