Untevhaltnnssblatt ZUM Giehsnev Zlnzeigev sGeneval-Anzeigev) 1894. Ts$' KLjWdM« AW?W WSVW />' L^8KWÄsM?.N ' »DD« r q ;■ r •■ rir.T Dienstag, den 20. Marz. , r , yr rr | darüber nach, wie ich eigentlich sein müßte — nicht heute erst Die Wallfahrt nach Czenstochau. - und dann * u mir °°r, b« viele b* * ^IV 0 I ) unb ein ordentlicher Mensch zu werden. Denn dann fiel mir Roman von Johanna Berger. I immer ba5 arme Mädel ein, bei dem ich Vaterstelle vertrete, ------ I und welch' elendes Leben es bei mir führt. Aber am Abend (Fortsetzung.) I — immer am Abend — dann war's gerade, als wäre der Kckweia' still oder —" brauste der Alte auf, dann I Satan hinter mir her, und er trieb mich, er hetzte mich so WWWWWMZW' ^^Jch^n ihrer Stelle thäte es gewiß nicht," erwiderte die die Farbe," sagte höhnisch d'- alte Mascha, Ernste hinaus. sxÄ'-SvSürZf'i: S-LLLSMMs sEisEeESS », nützt jetzt Ihr Heulen Md znhmllappkm» Wo« einmal ?°“.J“”2t?nd| |!iebK 96,t™tt sich, beugte du« Antlitz ,ur geschchen ist, wird dadurch schau laugst Nicht wieder Mil I Heilisie ich ' s geballten Faust die nackte Brust. ' Bolle, Ingrimm und Aerger schlug ste nut dem Au«' s-d- UÄS“f^“gtr,g4X „S Smelte In farjen, abgeb-o»-. IM« sa heftig aus du« alle Sopha los, dai der Staub hoch «■» sich hin in die Luft emporwirbelte. u I ” @n neraina der Nachmittag. Durch das offene Fenster „Ach, Du hast Recht, gute Mascha, ächzteder Lieutenant tausendfacher Lärm in das stille Gemach. Die Menschen und zitterte mit dem grauen Kopfe hin und her. „Aber Gott I drang I I Ahlten auf der Straße, der Dudelsack soll mich strafen, wenn ich nur noch einen einzigen Dropsen I lacht n, 18 .. langen noch immer die Kirchenglocken. Branntwein wieder über die Lippen nehme. Und wenn meine I g tsch , J ü[en armseligen Stübchen regte stch nichts arme Jadwiluschka wieder zurückkommt und mir nrzeiht, dann A indem sch - beklommenen «themzüge des alten will ich halten, was ich sage, so wahr ch Karol Wptek herße. werter ms o icy eintönige Tick-Tack der nie- Er richtete sich bei diesen Worten in die Höhe und schlug mit ^mzwachtosfiz e s i u»b unbekümmert um beiden Händen auf den Tisch, daß das Porzellan klirrend an» I m Menschen jede Secunde richtig fallen ließ, einander stieß und die Suppe über den Tellerrand floß- Ä'JgtoÄ sherab. Im Westen däm- „Na, mit dem Spektakel werden Sie auch nichts Gescheid- Endlich senkte ,ch oer b^^^g^Nebelmaffen zogen lang- h«“*sgtSMÄ‘?‘SÄS Bischen über Ihr gottesjämmerliches Leben und Treiben nach- der ^ann wt üblich Ruhe gekommen, denken, das wäre bester für Sie! I „ia.., ben geffrf gesetzt, sein Haupt war in Att 1ÄÄ p ä ÄÄÄÄ ÄÄÄ Simti i ward, mb d.,R-,-nimm°.stst„-, hnah. daß ich ein so miserabler Kerl bin. Schon ost grübelt« ch I strömte. — 130 Weg ein, der an der Rochuscapelle vorbeiführt. Als wir dort angekommen waren, hörten wir ein leises Schluchzen und Wim« mein, wir liefen erschrocken hinzu und fanden hinter einem Mauervorsprung der Capelle ein blutjunges, bildhübsches Weib, das herzbrechend seufzte und ächzte. Es lag auf dem naffen Grafe und neben ihm, sorgfältig in einen großen, seidenen Shawl gewickelt, ein kleines, schlafendes Kind. Die Frau war krank, zum Sterben krank, ein wildes Fieber schüttelte ihren zarten Körper. Als wir zu ihr traten, da richtete sie ein Paar schöne, doch schon halb gebrochene Augen mit flehendem Aus' druck auf uns hin und zeigte mit der Hand auf das Kindchen. Meine Bona hob dasselbe liebreich empor und bettete es warm an ihre Brust. Da warf ihr die Frau einen Bück zu, so das Gesindel büßen I" „Laß gut fein, Vater, es nutzt zu nichts," entgegnete das Mädchen mit müdem Blick. „Und einmal hätte ich doch Alles erfahren. Aber nun ich so viel weiß, bin ich neugierig auf Plötzlich schreckte er au» seinem Schlummer empor, ein I den Rest- Jedes Kind hat doch einen Vater und eine Mutter Geräusch im Zimmer hatte ihn erweckt. Er blinzelte eine I und irgendwo in der Welt muß es doch auch ein Elternpaar Weile wie geblendet umher, denn der Abend wob gespenstisch I für mich gegeben haben." - Sie lachte bitter auf und ihre graue Schatten um alle Gegenstände. Nun siel sein unsicherer I weißen Zähnchen gruben sich so fest in die Unterlippe, daß sie Blick auf eine dunkle Gestalt, die sich langsam hin und her blutete. „Ja, sag's doch, Vater, rede, jetzt istmir'r Einerlei! bewegte und verschiedene Kleidungsstücke in eine kleine Reise. Habe ich einen ehrlichen Namen, auf dem kein Makel ruht, tasche packte, welche geöffnet auf einem Stuhle stand. Und jetzt oder stamme ich von Landstreichern her, von Vagabunden, die erkannte er Jadwiqa. - Aber, Herr des Himmels, wie sah I bettelnd und stehlend von Land zu Land ziehen? Oder gehöre das Mädchen aus: Das Gesicht war bleich und ohne Leben, ich zu Jenen, die keinen Glauben haben und gottlose Heiden wie versteinert, die blonden Haare hingen feucht und schwer sind, zu den braunen Zigeunern, die aus Ungarn kommen? in wirren Strähnen vom Kopfe herab. Die breite, naffe Du mußt'» ja wissen, Vater. Warum haben sie mich verlassen, Kante des zerknitterten und befleckten Kleides streifte knirschend meine Eltern, und warum muß ich mich ihrer schämen? Sprich den Boden. Die Haltung war matt und die Schritte taumelnd, doch, Vater, ist'» denn so schrecklich, was Du mir sagen mußt?" wie die einer Schwerkranken. Sie blieb zuweilen stehen und Jadwiga hatte hastig, stoßweise gesprochen, mit zuckenden starrte mit den trüben, erloschenen Augen, die sonst mit so Lippen. Ihre Augen schienen angstvoll aus seinen Zügen die sonnigem Glanze in die Welt hinausgeschaut, wie verstört vor Antwort lesen zu woben. . ,, m | Der Alte sank förmlich in sich zusammen, dann fuhr er Des Alten Augen folgten unruhig jeder Bewegung des sich mit der Hand i^s graue Haar. Das Mädchen dauerte Mädchens. Doch nun fuhr er mit einem Ruck von feinem I ihn. Thränen des Mitgefühls drängten sich ihm unter den Sitze empor. „Jadwiga," schrie er auf, „bist Du es wirklich I Wimpern hervor. , oder ist es Dein Geist?" „Jadwilufchka," sagte er weich, „mem Seelchen, wie kann Sie zuckte heftig zusammen, aber sie antwortete nicht- ich Dir auf so viele Fragen Antwort geben, da ich selbst so Nur ein dumpfes Stöhnen entrang sich aus ihrer Brust. Dann I gut wie gar uiehts weisi" _ , sank sie auf einen Stuhl und bedeckte ihr gramdurchwühltes „Du weißt nichts, Du weißt nichts !" fuhr sie auf- „Aber Antlitz mit beiden Händen- Das blonde Goldhaar fluthete über das Eine, das Eine, das mußt Du doch wiffen. Sage mir, die weißen Finaer herab- Der Alte saß wie ein Steinbild I wer meine Mutter war?" da, er wagte nicht, Jadwiga anzusehen, ihr Anblick hatte ihn „Deine Mutter?" Dem Alten kamen die Worte ganz zu gewaltig gepackt. Und wieder wurde es ganz still im Zim- I rauh aus der Kehle. „Deine Mutter? g^us, roas tm mer, nur das einsame Ticken der Uhr und das leise, krampf' I ich Dir von ihr sagen, ich kannte sie nicht. Ich sah sie nm hafte Schluchzen des Mädchens war das einzige Geräusch I einmal und da war sie gerade am Sterben- darin Jadwiga schloß einen Moment die Augen, ein banger, Doch mit einem Male raffte er sich auf, stolperte zu Jad. thränenloses Schluchzen erschütterte ihre Brust. wiga hin und umfaßte leidenfchaftlich ihre Schultern. „Jad- „Mein Gott, ach, mein Gott! murmelte sie vor sich gt wiluschka," stammelte er, „kannst Du mir denn nicht verzeihen? Dann fragte sie wieder: „Wie sah meine Mutter au»? Ge» Kannst mich nicht wieder ein Bischen lieb haben? Hab' doch Hörteste zu - zu - ,enen - zudenHeimathslosen - ober Erbarmen mit Deinem alten Vater. Ich will gewiß auch gut I war sie eine rechtschaffene Frau? fein mit Dir und ich schäre es Dir bei Christi blutigen Wun. „Sie war schön und zung - und hoffentlich auch brav, den, daß ich nicht wieder in die Schänke gehel" Sie kam aus weiter, weiter Ferne, denn sie verstand unsere Das Mädchen hob langsam den Kopf. Es blickte den Sprache nicht." alten Mann verständnißlos an, als müsse es sich erst feine „Und sie hat mich nicht ausgesetzt, nicht mahr, Vater? Worte deuten- Doch dann kam plötzlich die Erinnerung ihr Eine Mge, brave Mutter kann doch ihr kleines Kind nicht zu Hilfe von sich stoßen- Sie verließ mich nur, weil sie starb- Aber Was mir gestern von Dir geschehen ist, habe ich ver. antworte doch, Vater, sprich doch, ich muß mehr wissen - geffen und vergeben," entgegnete sie finster. „Aber das An. mehr, mehr! Aus Barmherzigkeit, sage mir Alles, was Du von bete, das Schlimmere!" Sie sprang auf und stieß ihn zornig meiner Mutter weißt!" von sich fort. Ihre bleichen Wangen färbten sich purpurroth Der Alte ergriff des Mädchens fiebernde Händs und und in den blamn Augen glühte es unheimlich auf. - „Ja, drückte sie. „Du bist furchtbar aufgeregt, Jadwischka, Du bist das Andere," stöhnte sie, „das vergebe ich Dir nie! Du hast krank," sagte er traurig. „Werde etn Bischen ruh g dann mich belogen und betrogen, hast mich aufwachsen lassen, ohne I erzähle ich s Drr. Da fetz Dich hin, armes Mädel, und höre mir die Wahrheit zu sagen- Warum hast Du den elenden I mich vernünftig an!" Wurm damals nicht liegen lassen im Felde? Er wäre gestorben Das Mädchen fetzte sich stumm ihm gegenüber. Sie legte wie feine Mutter hinter dem Zaun." - Sie stockte, nach den müden Kopf gegen die Stuhllehne. Sie faß da wieein Äthern ringend. „Ja, gestorben und verdorben, so wäre es I Marmorbild, so starr und still, nur in den dunkelblauen Augen besser gewesen! - Denn jetzt, jetzt," schrie sie wild auf, „muß lebte ein todtbanges, leidenschaftliches Fragen. ich's dulden, daß man mich schimpft, mich höhnt und mißhan. „Es sind nun bald zwanzig Jahre her, erzählte der beit wie eine schlechte Dirne, daß man mich zur Verzweiflung Alte, „da ging ich mit meiner Bona, - Gott hab sie selig, treibt - und das ist Deine Schuld — ja, Deine Schuld!" sie ruht nun schon lange Jahre unter dem Kirchhofsrasen, - Der Lieutenant stand bewegungslos mit starren Augen I nach einem benachbarten Edelhof. Es war um die Hetbstzsir, da, als habe ihn der Schlag gerührt. Erst allmälig wurde | es stürmte und regnete. _ Darum schlugen wir btn nächsten ihm die Bedeutung ihrer Worte klar und dann dämmerte auch die Wahrheit in ihm aus. Und nun erfaßte ihn unbändige Erregung. Er murmelte drohende Worte vor sich hin und fuchtelte mit den Händen in der Luft herum, als suche er Je. mand, an dem er seinen Zorn auslaffen konnte. „Die Hallunken, die feigen Hunde!" rief er ungestüm „Zertreten könnte ich sie, zusammenhauen wie Gerstenstroh I — Also sie haben Dir Alles verrathen, sie haben Dir gesagt, daß Du nicht mein rechtes Kind bist! Heilige Barbara, das soll - 181 dafür. Ich war wild, hart und böse und achtete nicht Deinen stillen Gram. Aber von jetzt an soll es anders werden, Du kannst mir'- glauben, Jadwiluschka, ich hab'« geschworen und Wort halte ich — oder der Teufel soll mich holen!" Doch nun versagte dem Alten die Stimme, er war von dem vielen Reden ganz hinfällig geworden. Das junge Mäd- chen kauerte in sich versunken regungslos auf ihrem Stuhl. „Hat denn Niemand erfahren können, aus welcher Gegend meine arme Mutter nach Czenstochau kam?" fragte sie endlich. „Hat sie nichts hinterlassen, was Aufschluß über ihre Person, ihre Verhältnisse geben konnte?" „Du lieber Gott, darum kümmerte sich kein Mensch- — Wer fragt wohl viel nach einem fremden, kranken Weibe, das am Wegrain stirbt! Freilich zuerst, da jammerte der Wojewode über die Kosten, welche dem Stadtsäckel durch den Unterhalt eines fremden Kindes erwachsen würden, und die alten Weiber zeterten auch. Sie warfen die kleine Handtasche mit den Sachen der Unglücklichen in den tiefen See bei der Rochuscapelle, damit sie keinen bösen Hexenspuk in Czenstochau anrichten konnten, und Alles, was die fremde Frau an ihrem Leibe trug, wurde mit ihr begraben. Rur ein kleine», goldenes Herz, das an einer Bernsteinkette befestigt war, nahm meine Bona der Tobten vom Halse, um es für Dich zum Andenken an die nie gekannte Mutter auszuheben. Es ist dasselbe, das ich Dir bei Deiner Firmelung übergab." Jadwiga schnellte von ihrem Sitze empor. „Das Herz, das goldene Herz!" jammerte sie auf. „Jesus Maria, es war von ihr und ich wußte es nicht — ich gab es fort! — Aber Du mußt es mir wieder schaffen — Du mußt zum Propst gehen und ihn bitten, daß er mir dar einzige Andenken an mein todtes Mütterlein wieder gibt — Du mußt, Vater, Du mußt es thun!" „Zum Propst? — Ich verstehe das nicht. Was hat der Propst mit Deinem goldenen Herz zu schaffen?" Das Mädchen senkte erglühend das Köpfchen, sie flüsterte kaum hörbar: „Ich ging heute Morgen auf den Jasnagora zu unserer schwarzen Madonna und klagte ihr meine Seelen« noth, ich bat um ihre Hülfe und Gnade und schenkte ihr mein Herz. Ach, ich wußte ja nicht, von wem dasselbe stammt! Doch jetzt erzählst Du dem Prior, wie theuer mir das Kleinod ist, nicht wahr, Vater? Und dann versprich ihm ein anderes, besseres Geschenk für die Madonna. Ich will Tag und Nacht dafür arbeiten, ich will Alles geben, was der Prior haben will!" — Und nun barg sie das Gesicht in beide Hände und schluchzte. „Ach, daß tidj auch so arm bin, so bettelarm, und nicht gleich etwas Anderes für die heilige Jungfrau habe!" „Jadwiga!" rief voller Entsetzen der Alte. „Das geht nicht an; was Du Maria geschenkt hast, muß ihr verbleiben. Das Wiedernehmen ist Sünde und Dich trifft ihr Zorn!" Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, Vater, nein, unsere heilige Mutter von Czenstochau ist gut und milde. Und ich werde ihr Alles anvertrauen — auch daß ich ihr gern mein Herzblut opfern möchte — Tropfen um Tropfen — für das goldene Herz, das meine arme Mutter mir hinterlassen hat!" vi „Ich will's versuchen, Jadwiga, ich will zum Prior gehen und Fürbitte für Dich thun, aber lass' nur das schreckliche Weinen!" Jadwiga stürzte zu dem Alten hin, ergriff seine Hände und preßte sie zärtlich an seine Brust. „Ack, Du lieber Vater," sagte sie, „wie soll ich Dir das vergelten? Wie soll ich Dir Alles vergelten, was Du einst an mir armem verlassenen Wurm gethan? Du gutes Väterchen, Du!" Und nun beugte sie sich noch tiefer herab und küßte die rauhe Faust, die sich so ost zum Schlage gegen sie erhoben halte. Dann raffte sie sich empor und eilte in das kleine Cabinet, das ihr Schlafkämmerchen war. Sie legte rasch ein anderes Kleid an und ordnete ihr schönes, wirres Haar. Dann band sie sich ihr Mäntelchen um und knüpfte einen blauen Schleier über den blonden Kopf- Wie weißer Marmor leuchtete dar schöne, bleiche Gesicht au» der duftigen Umhüllung hervor. (Fortsetzung folgt.) rührend, so flehend, so dankbar — ach, Seelchen, den Blick vergess' ich int Leben nicht. Und dann murmelte sie ohne Unterlaß Worte vor sich hin, die wir nicht begriffen, denn sie sprach deutsch. Aber auf unsere Fragen gab sie keine Antwort, sie verstand offenbar unsere Sprache nicht. Zuletzt, als es mit ihr an's Sterben ging, da faltete sie die Hände über der Brust und betete. Meine Bona beugte sich mitleidig über sie und reichte ihr noch einmal das Kind an die Lippen zum letzten Kuß. Und bald darauf hatte das arme Geschöpf seinen Geist ausgehaucht. Da saßen wir Beide nun wie versteinert bei der Leiche und meine Bona hielt einen kleinen, zappelnden Säugling auf dem Schooß, der vor Kälte und Hunger schrie. Aber sie war stets ein resolutes Weib gewesen und hatte das Herz auf dem rechten Fleck. So wußte sie auch hier bald Rath. Sie kramte aus ihrer Tasche ein Stückchen Zucker hervor, ließ den Regen darauf fallen und machte aus dem Zipfel ihres Tuches einen kleinen Säuger, den stopfte sie dem Schreihals in den Mund und nun wurde er ruhig und still. Und ich lief nach Czen« ßochau hin und holte den Doctor und den Pfarrer. Der Doctor konnte freilich nicht mehr helfen. Die Frau war und blieb tobt. Der Pfarrer sprach den Segen über die Leiche und ordnete das Begräbniß an. Dort oben auf dem kleinen Gottesacker bei der Rochuscapelle liegt sie begraben- Meine Bona schmückte den Sarg mit Blumen und ließ drei Seelenmessen in der Kirche für das fremde Weib lesen. Und daun pflegte sie den einsamen Grabhügel bis an ihr Ende. Und alle Jahre am Allerseelentage wanderte sie nach der Rochus- capelle. Sie steckte eine geweihte brennende Wachskerze auf bas Grab, legte einen frischen Blumenkranz daneben und betete ein stilles Vaterunser für die Unglückliche." Der Alte verstummte. Er holte tief Athem und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Draußen klatschte der Regen auf das Pflaster, im Zimmer war nichts zu hören, als das unaufhörliche Tick-Tack der Uhr, sonst blieb Alles still. „Und das Kind, Vater!" schrie Jadwiga plötzlich auf. „Wo blieb das Kind?" „Wo denn sonst, als bei uns," erwiderte er, den Faden seiner Erzählung wieder aufnehmend. „Meine Bona hatte es lieb gewonnen, sie nahm das arme, hülflofe Wesen, das, wie sie sagte, die Madonna ihr sandte, mütterlich an ihr Herz. Sie ließ ihm sofort die heilige Taufe geben und wir zogen es auf wie unser leibliches Kind. Viele Sorge und Mühe machte es ja nicht und das bischen Futter, was solch' ein kleines Ding braucht, hatten wir reichlich. Um alle Schätze der Welt hätten wir es nicht wieder von uns gelassen, denn je älter es wurde, je lieber hatten wir es. Es war auch ein süßes Geschöpf, blond, zart und fein, schön wie ein Engel, eine Augenweide für die ganze Stadt. Die Edelfrau auf Lygotta war völlig vernarrt darin; sie kam jeden Tag, um es zu sehen, zu Herzen und zu küssen, sie spielte mit ihm und fütterte es mit Kuchen und Zuckerwerk. — Und das Kind — das warst Du! Da, als Du gerade acht Jahre alt geworden, da kam ein Tag, ein furchtbarer Tag. Meine Bona starb und ließ uns Beide allein. Das war ein Schmerz, zu groß für mich, denn ich liebte mein Weib. Ich schrie, ich tobte, ich klagte Gott an, ich fand weder Ruhe noch Trost und wünschte mir den Tod. Es jagte mich aus dem verödeten Haus und ich suchte Betäubung und Zerstreuung in der Schänke; ich trank Wein und Schnaps und vergaß alles Elend dabei. Aber es war ein Leben, das kein Leben war! — Und eines andern Tages holte die Edelfrau von Lygotta auch Dich von mir fort, um Dich besser pflegen und erziehen zu können. Nun war ich ganz allein, aber es rührte mich kaum noch. Mein Herz war tobt und leer, wie ausgebrannt. — Nun wurde die Kneipe meine wirkliche Heirnath. Die Wirthschast ging indeß zurück und dis Noth grinste herein. Niemand kümmerte sich darum. — So lebte ich weiter, Tage, Monate und Jahre. Was Wunder, wenn ich immer mehr Branntwein trank, wenn ich roh wurde und schlecht! — Später, als Du erwachsen warst, suchtest Du bei mir nach Kräften Ordnung zu schaffen, aber ich lohnte Dir schlecht Vorschlag zur Güte. wird — wenn er in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Summe zurückgelegt hat. Dies mein Vorschlag. (Um Nachdruck wird gebeten.) Oevnrischtes Düster ist das Düster. „Aber sagen Sie, Herr Huber, Sie find doch mit unferm Pfarrer so gut, er kommt ja alle Abend in Ihre Wtrthschast — warum beichten Sie denn nicht bei ihm, sondern immer nur venu jvupiuu ? — „3a, sehen Sie, das hat seinen guten Grund. Wenn der Herr Pfarrer hört, wie ich beim Karten- Unteroffizier: „ . . . Also Knubbe, was pflanzt der Posten, wenn er was läuft? ' — Knubbe (schweigt) — - ' : „Esel, der Posten pflanzt das Seitengewehr er Gefahr läuft!" Fächle fächelnd Fächelwind, Flüst're Schilfgeflüster, Minne minnend Diinnekind, Man schreibt uns: Vor allen Dingen werde ich mich hüten, jetzt schon zu verrathen, was ich zur Güte vorschlagen will, da sonst ein großer Theil der Leser von vornherein abspringt und somit mein Vorschlag nur von wenigen gelesen würde. Auf jeden Fall muß das Folgende etwas Außerordentliches bringen, etwas, das Alte und Junge, Reichs und Arme, Gebildete und Ungebildete, Hohe und Niedrige, ®ute i Gesche Reisende pflegen die Konsuln ihres Lander und Böse, Glückliche und Unglückliche interessirt, nut emem ^unglaublichsten Ansinnen zu belästigen,-und sie werden Worte: Etwas, das noch nicht dagewesen ist- U rot immer so pünktlich bedient, wie jener Englishman, der schwer fallen, einen Artikel glücklich durchzuführen, bet we ch Qn ben britischen Consul in Messtna mit der Frage es in der Hauptsache darauf ankommt, in spannender Weise . sicher Weg ist der nächste zum Aetna?" — die Leser oder Zuhörer allmählich erst mit dem Thema »et gonfu[ antwortete sehr höflich: „Bitte sehr, da hinaus traut zu machen, so daß die Gegner des Vocschlages, oder --fragen Sie gefälligst weiter." vielmehr in erster Reihe die Gleichgilttgen ohne ihren eigenen »et ™ Willen mit den Gründen vertraut werden, die zur Veröffent- * lichuna dieser Vorschlages beitrugen. Um den Leser nicht UN- Die schlesischen Weine sind berühmt wegen ihrer Säure, geduldig zu machen, theile ich mit, daß auch ihm mem Vor« Friedrich der Große fragte einst einen schlesischen Pater: ob scklaa auf jeden Fall Nutzen bringen wird. Dieser Nutzen tm Softer auch Wein vom eigenen Zuwachs getrunken werde, wird allen Gesellschaftsklaflen zu Gute kommen, denn es gibt f/gn der Marterwoche, Ew. Majestät!" war die Antwort, dabei für jede etwas. Für die Reichen gibt es Gelegenheit, • # » sich verdient zu machen, und für die Atmen, viel zu gewinnen. Der Mittelstand wird wieder in seinen Grundfesten aus- oebeffert und gestärkt werden, ebenso die Stützen der Beamten- welt. Zu diesem Zwecke sind nun aber keine neuen Vereine, — warum beichten Sie keine neuen Stiftungen, keine neuen Verfügungen, keine neuen I nur beim Kaplan? Gesetze nötbia- Es sollen vielmehr alle bestehenden vorhan« I Grund. Wenn der 6e . denen Einrichtungen, welche in irgend einer Weise der Wohl« spiel mogle, spielt er nicht mehr mit that zur Förderung dienen, benutzt werden- Außerdem gibt • es ja eine große Menge wohlhabender, beschäftigungsloser I g[n englischer Schulknabe — so erzählt man uns — Menschen, die sich willig einen guten Namen machen wollen einen Aussatz über die Quäker zu schreiben: er schilderte und die gern eine leichte Arbeit übernehmen. Diese Arbeit - Q[g eing Sekte, welche sich niemals zanke, sich niemals besteht in der Hauptsache darin: wieder und immer wieder, » . niemals betrüge, und niemals empfangene Be- von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, von Jahr zu ^jbiqungen erwidere. Diese Entwickelung hielt er sich oer« Iaht durch die gelesensteni Zeitschriften das Loosungswort zu p^Ätet/ durch ein Beispiel zu erläutern, und fo fügt er hinzu : verbreiten: Sparet in der Zeit, fo habt Ihr in der Roth. Mpa ist ein Quäker, aber meine Mama ist es nicht.' Es muß dies mit einer Beharrlichkeit geschehen, rote man sie » iotif leider nur bei Geschästsleuten findet, die eine wenig be- • „ , , altete Waats an den Mann bringen wollen- Es werden Fluch der Wissenschaft- Im VermiethungS'Bureau stch wohl auch noch wohlhabende Menschen finden, die die erzählt Karline, eine junge Köchin: „Bei meine letzte Herr- Mttel schaffen zu sortwährender Reelame in bestimmten schäft wär' et ja so weit ganz jut gewesen — aber leider Zwischenräumen und in der verschiedensten Form zum mahnen« war der Herr een Photojraph- - „Wie konnten Sie öm Andenken an das Wort: Sparet in der Zeit, habt Ihr daran Anstoß nehmen?" - „Sobald die Herrschaft lejeffen in der Noth- Berufene Schriftgewandte werden sich finden hatte, photojraphirte sie alle Speisereste und dann erscht durfte lasten, die in gewandten kurzen Beispielen die großen Vor- ick abdecken." theile der wahren Sparsamkeit schildern- Die Wirkung einer systematisch durchgeführten ^Sparsamkeit ist für die einzelne Person, für Familie, Gemeinde, Kirche und Staat eine fo WKHll fegensreiche, daß sie als eine der glücklrchstenLöfungen der Jnteroffijiet: socialen Fragen angesehen werden darf. Es wird nun ohne , meim er Zweifel die Rede kommen: Kunststück zu sparen, roo «Ws '• vorbanden ist. Dem ist aber leicht abzuhelfen. Wie viel Tausende unserer bester gestellten Mitmenschen möchten sich Boshafte Motivirung. „Wünschen Herr Lander- aerne einen guten Namen machen, möchten gern einen kleinen gerichtsrath vielleicht, daß ich meine Forderung an die Hmter- Tbeil ihres Einkommens opfern, wenn sich nur eine ganz laffenschast des Herrn Müller beeide?" - „O, das ist durch- außerordentliche Gelegenheit dazu böte! Diese soll hiermit au8 nicht nöthig, Herr Doctor, der Tod des Herrn Müller aeaeben sein. Man wende sich am Orte an alle die bestehen- I beweist zur Genüge Ihren ärztlichen Beistand-" den Vereine, die in irgend einer Weise dem Wohlthun hul« I * • diaen: man tbeile ihnen mit, daß man gesonnen ist, im Inter« effe der Förderung des Sparsinnes eine bestimmte Summe zu I Romantische Musterpoesie. ovsern. Die betreffenden Vorstände weiden dann öffeut« I Murmelnd fließt der Murmelbach, r;» fiojrtnnt macken, daß für die und die Zwecke von I Mit Geschäume schäumend, dem und dem "Mittel vorhanden sind, um unbemittelten Unter schatt'gem Schattendach dem unv oem f.r' ’ re» .-„rr „»A Maü. I Traum risch Traume träumend. Sparlustigen den Anfang zu ermöglichen. Es soll nach Matz« i --------- - ■ ----- stab der vorhandenen Mittel Jedem, der sich meldet (natürlich unter genügender Legitimation), eilte bestimmte Summe zu- geschrieben werden, die Eigenthum des betreffenden Sparers Siedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei l.Fr. Shr. Pietsch) in Gießen.