NnterchalLrrngsblatt zuin Giefzenev Anzeigev lGeneval-Anzeigep) 1894. •H—&ir S'LÄ-EW^ Dienstag, den 20. Februar. Der Rosenhof. Novelle von C. Western. (Fortsetzung.) Mr. Shellock verfolgte gerade in seiner Zeitung mit großem Interesse die Ernennung seiner Vettern Night, Clear und Key zu hohen Staatsbeamten-Posten in „Dlb England", als bte Worte „Rosenbauer, Tont, Kinderraub, Zigeuner" an sein Ohr schlugen. Er horchte daher hinter seiner Zeitung und hörte, wie der Oberjäger Jakob Pfilzer sich beim Gelage mit einem seiner Coltegen erzürnt hatte und diesen heftig anfuhr: „Schweigst Du jetzt?" „Nein, in die Welt will ich'« schreien, daß Du mit dem Schandkerl, dem Gigo, dem Zigeuner, zusammengeseffen hast und den Kinderraub geplant. Meinst Du, ich kenn' den Schlupf nicht bei der Oese, wo er's Kind versteckt hält?" „Schweig'I" gebot Pfilzer von Neuem. „Gib erst das Geld Herl" antwortete der andere Jäger trotzig. Mr. Shellock hörte Geld klingen. „Wenn der da nur nix gehört hat!" flüsterte der Geldempfänger. „Der? — Das ist ein halb verrückter Engländer, der kein Wort deutsch versteht!" bemerkte Pfilzer und lachte heiser. Dann gingen die Jäger auch fort. Mr. Shellock that noch eine Weile, als ob er weiter lese, dann stand er auf und ging mit einem „Gute Nacht" aus sein Zimmer. Von hier aber schlüpfte er, das Licht in der Hand, zu Joseph, der schon längst in seiner Kammer sich zur Ruhe niedergelegt hatte. Mr. Shellock weckte Joseph, setzte stch vor dessen Bett auf einen Stuhl und fragte ganz trocken: „Mister Joseph, was ist ein Schlupf?" ' Joseph mußte über die sonderbare Frage, und die noch zur Nachtzeit an ihn gerichtet wurde, lachen. Aber der Engländer sagte ernst: „Lachen Sie nicht! — Was ist ein Schlupf?" „Ein Schlupf? — Nun, ein Versteck, eine Höhle!" „Gut! — Und was ist die Oese?" „Der bedeckte Weg hier oberhalb des Küchel, der durch den Felsen führt!" „Dann ist das geraubte Kind Toni in der Schlupf bei die Oese!" rief Mr. Shellock mit geheimnißvoller Stimme aus. „Was sagen Sie da, Herr Shellock?" entgegnete Joseph erstaunt. „Ich habe das gehört von die Jäger unten in dem Hots soeben!" gab Mr. Shellock zurück. „Eine Höhle soll bei der Oese sein!" murmelte Joseph vor sich hin. — Er war schon aus dem Bette heraus und fuhr in die Kleider. Er gedachte jetzt auch seines seltsamen Erlebnisses, das ihn neulich in der Oese betroffen, und de» schmalen Einganges, den er entdeckt. Das mutzte also wohl die Höhle sein. Jetzt war Joseph bereit, die Sache zu untersuchen. Er sagte hastig: „Ich eile nun fort und hole Leute, Mister Shellock!" „Gut," erwiderte der Engländer, „machen Sie das so!" Mr. Shellock ging dann auf sein Zimmer, untersuchte seine beiden Revolver und lud sie scharf, setzte seine Laterne in Stand und wartete auf Josephs Rückkehr. Als er Schritte vor dem Gasthause hörte, ging er hinunter. Joseph hielt unten mit zwei Gendarmen, die er in der Sägemühle getroffen, auch waren der Müller, der Wirth und mehrere Arbeiter dabei. So brachen die Mä mer zu der merkwürdigen Suche auf, ohne daß sonst I m mb eme Ahnung davon hatte. Sie hatten stch mit Kienfuckei» v rsehen und drangen ohne Weiteres, als sie vor dem von Joseph bezeichneten Fels- spalt angekommen waren, in die Höhle em. Joseph, Mr. Shellock und die Gendarmen waren die ersten, welche in der Höhle vorsichtig vorwä'ts furitten. Man fand in derselben keine ganze Zigeunergesellschaft, sondern nur den Zigeuner Gigo neben dem schlafenden Toni. Als der erschrocken auffahrende Brandstifter und Kmoerräuber mit dem Messer auf den schlafenden Knaben zusahren wollte, faßte Joseph den Schurken mit starker Hand und entriß ihm das Messer; dann wurde er gefesselt und von den Gendarmen in das Gefängniß gebracht. Im Triumph führte Joseph den Toni mit sich nach dem Küchel und nahm ihn zu sich in seine Kammer, um ihn am hellen Tage nach Schwengau zu seinen Eltern zurückzubringen. Toni hatte natürlich laut aufgejauchzt, als er Joseph, seinen Freund, sah. Weinend erzählte er, wie der Zigeuner ihn geschlagen, gestoßen und mit dem Tode bedroht habe; auch habe er Hunger und Noth gelitten. Für diese Nacht thaten Mr. Shellock und Joseph kaum ein Auge zu, der Engländer aber meinte: „Es ist doch gut, daß ick habe gelernt der deutsche Sprache! Nach einer gute That man ßläft immer süß!" — Dann schlief er frohen Herzens ein. Früh Morgens lief abermals ganz Schwengau zusammen, als der Joseph den Toni brachte. Der Rosenbauer ahnte nicht». Vergrämt, voll Kummer saß er n*en feiner Frau, die fast eriai unter all' dem Gram, in der auf der Stelle de* Wohnhäuser errichteten Rothhütte. De« Rosenbauers Haar hatte einen grauen Schein erhalten und seine Augen lagen tief in den Höhlen. Da hörte man draußen Geräusch; der Pfarrer trat ein. „Martin Straffer," begann er feierlich gegen den ihn fragend Ansehenden, „Gotter Hand hat Euch schwer getroffen, aber er hat Euch auch eine große Freude bereitet; er schlagt wohl, aber er segnet auch mit milder Handl Erschreckt nicht allzu sehr, Toni ist gefunden!" L f „Lebt er?" riefen der Rosenbauer und seine Frau gleich» zeitig. „Gr lebt; seine Rettung dank Ihr diesen Beiden!" Joseph nebst Mr. Shellock traten, Toni an den Händen führend, herein; der Knabe warf sich jubelnd den Eltern und der herbeigeeilten Schwester um den Hals. Als die Freude sich einigermaßen gelegt, nahm der Pfarrer den Rosenbauer nochmals auf die Seite und fragte ihn leise: „Gebt Ihr jetzt die Loni dem braven Burschen?" Martin Straffer ward dunkelroth im Gesichte; er wandte sich ab und sagte verlegen: „Mein Schwur, Herr Pfarrer, — es thut mir leid, — aber — ich kann nicht!" Dann lief er hinaus. Frau Elisabeth stattete den Rettern ihre» Sohnes den heißesten Dank ab. „ „ _ , m Mr. Shellock aber brummte sehr ärgerlich: „Dieser Bauer ist ein deutsches Bär! Ick mag ihn nicht leiden!" Dann sagte er zu Joseph: „Kommen Sie, Joseph, kommen Sie! An diesem Orte herrscht ein Teufel!" Und die beiden Männer gingen ebenfalls fort. VIII. Die Waage gleicht der großen Welt, Das Leichte steigt, das Schwere fällt. Lessing. Am Morgen des 14. Juli sah man abermals die Equi- page des Prinzen Adalbert durch Schwengau fahren. Auch diefe» Mal hielt sie vor dem kleinen Tagelöhnerhäuschen; aber heute war Joseph daheim. , t Das war eine Freude, als er den Prinzen wieder begrüßen konnte und der Prinz war selber sehr gut gelaunt. Er holte sich den Joseph als Führer auf die Alm und bat ihn hernach so beiläufig, ihm doch einmal die Loni, feine Geliebte, vorzustellen. Der Bursche hatte anfänglich Bedenken, wieder auf die Alm, wo Loni war, zu gehen, denn er fürchtete dort eine abermalige Begegnung mit dem jähzornigen Bauer. Aber der Prinz hatte eine so liebenswürdige Art, die Bedenken wegzuscherzen, daß Joseph endlich einwilligte. Man schickte also da» Gespann de» Prinzen in den Gasthof zum Avler, deffen Wirth sich auf die hohe Ehre nicht wenig einbildete, und stieg die hohe Alm hinauf- Die Bergtour würzte der Prinz mit allerlei witzigen und unterhaltenden Reden, so daß Joseph verwundert zuhörte und den Prinzen anstaunte. Welch' ein kluger und vornehmer Herr «ar doch sein ehemaliger Lieutenant. Und was war er, Joseph Ropp? Er war nur ein armer Führer. Zum Herbst mußte er jedenfalls fort aus Schwengau und als Knecht einen Dienst bei einem Bauern annehmen; es ging nicht anders. Oben auf der Alm angekommen, musterte der Prinz mit Kennerblicken das schöne Rindvieh des Bauern und lobte es. „Aber," fetzte er hinzu, „wenn nur der Kopf des Rosenbauern nicht ebenso hart wäre, als einer dieser Rindviehschädel!" Ja, es ist traurig, daß der Rosenbauer einen so harter Kopf hat, dachte Joseph. m Loni war in der Almhütte. Da saß sie auf der Ban! und ruhte sich aus nach gethaner Arbeit. Das prachtvolle lichtblonde Haar, welches in zwei dicken Zöpfen über das bunte Mieder fiel, die schönen blauen Augen, das länglich ovale, edelgeformte Gesicht, die feine Nase, alle diese anmuthigen Reize de» jungen Mädchen» konnten wohl einen jungen Burschen bezaubern. Der Prinz sah Loni und lächelte. Er ließ sich dann von Joseph die Loni und die Sennerin Broni vorstellen, besah die Wirthschast, trank ein Gla» Milch, und äußerte schließlich gegen Joseph den Wunsch nach einem Sträußchen Almenrausch und Edelweiß. „Königliche Hoheit," entgegnete Joseph, „diese Pflanzen wachsen höher hinauf." „Es schadet nicht», Joseph, hole mir nur einen Strauß; ich warte hier," sagte der Prinz lächelnd. „Leider bin ich da« Bergsteigen nicht so gewohnt. Ich will unterdeß etwa» ausruhen!" Joseph nahm heimlich Abschied von Loni und kletterte weiter in den Bergen empor. Kaum aber war er fort, so rief der Prinz: „Fräulein Loni, bitte, setzen Sie sich einmal neben mich." Da» junge Mädchen lachte hell auf und erwiderte: „Sagen Sie doch kurzweg Loni zu mir, Königliche Hoheit! Ich bin ein vornehmes Fräulein!" „Aber ich kann Sie, die Tochter de» reichen Rosenbauern, doch nicht kurzweg Loni anreden?" „O doch, sagen'» nur so!" „Gut, ich thu's!" entgegnete der Prinz und fuhr lächelnd fort: „Also, morgen ist Joseph» Geburtstag!" «Ich weiß es, Königliche Hoheit; er hat mit meinem Vater den Geburtstag an einem Tage. Es wird ein trauriger Geburtstag werden!" „Wollen Sie helfen, ihn zu einem freundlichen zu gestalten?" „Ja, Hoheit, und wie gern!" rief das junge Mädchen. „Nun gut, dann richten Sie sich so ein, das Sie morgen früh etwas vor neun Uhr in Ihrem väterlichen Haufe sind. Wenn dort von dem Dornbauer und seinem Heirathrantrag die Rede ist, so sagen Sie nur immer Ja, denn der Dornbauer ist von morgen ab der wackere — Joseph Ropp!" „Ach, wie ist das möglich?" rief Loni bestürzt und freu- big erregt. „Ich habe dem Joseph zum Dank für die wackere That, die er einst an mir gethan, das Gut des Dornbauern in aller Stille gekauft und das Gesinde erwartet bereit» den neuen Herrn. Morgen früh werden wir ihn damit überraschen." Der Prinz verabredete noch einige Vorbereitungen für den morgenden Tag mit Loni, bis Joseph mit dem Almenrausch unb Edelweiß zurückkam. Dann stieg der Prinz mit seinem Führer wieder hinab von der Alm. Unterweg» aber sagte er noch zu demselben: „Höre, Joseph, morgen halte Dich um acht Uhr bereit. Mein Wagen holt Dich ab. Ziehe aber Deinen Sonntagsstaat an, denn Du sollst mich zu einem Feste begleiten!" „Ich werde pünktlich sein, Königliche Hoheit!' „Vergiß es aber ja nicht, Joseph!" „Gott bewahre! Was Königliche Hoheit befehlen, behalt' ich wie das liebe Vaterunser!" betheuerte Joseph. Der edle Fürstensohn versank in Gedanken. Hier machte er ein Paar glücklich; aber wie viele Noth gab er noch im Lande zu stillen. Der hochherzige Prinz wünschte lebhaft, daß sich alle Großen und Reichen de» Landes zu einem Bunde vereinigen möchten, um allen Bedrängten beizustehen. Wenn nicht alle Noth. so könnte dadurch doch viel Bedrängniß aus der Welt geschafft werden. Joseph aber dachte voll Wchmuth daran, daß morgen schon sein sechrundzwanzigster Geburtstag sei; schon über ein Vierteljahrhundert hatte er gelebt und noch nicht viel für sein Lebensglück erreicht. Das war schlimm! Wenn Loni nur sein würde; aber das hatte lange Weile, der verstockte Rosenbauer würde seinen Sinn wohl nie ändern. , L Endlich waren der Prinz und sein Führer wieder in Schwengau angelangt. Der Prinz trank im Gasthofe zum Adler ein Glas Bier, bezahlte den Wirth königlich, dann fuhr er davon, Joseph nochmals einschärfend, morgen ja pünktlich zu fein. (Schluß folgt.) * M Per Diamant. (Schluß.) Der Werth der Diamanten richtet sich nach der Farbe, der Reinheit, dem Schnitt und dem Gewicht. Am höchsten tot Preis stehen die farblosen, niedriger die rothen, gelben, grünen, blauen, am niedrigsten die schwärzlichen, bräunlichen, stahlfarbigen und unrein bläulichen. In Bezug auf Durchsichtigkeit und Klarheit theilt man die Diamanten in drei Klassen und nennt vom ersten Wasser die vollkommen wasser- hellen, ohne allen Fehler, vom zweiten Wässer die zwar wasserhellen, jedoch hier und da trübe Stellen, Wolken oder Federn darbietenden, vom dritten Wasser (couleurte) die grauen, braunen, gelben, grünen, blauen oder schwärzlichen oder die zwar wasserhellen, aber sonst beträchtlich fehlerhaften. Steine von bedeutender Größe heißen Parangons oder Nonpareils, auch Solitäre, die kleinen Salzkörner. Während das Karat D. 1550 auf 350 Mk. geschätzt wurde, galt es 1672 nur 180, dagegen 1772 wieder 300 Mk. Nach der Regel von Linscotius multipliziert man zur Ermittelung des Werthes eines Steines die Anzahl seiner Karate mit sich selbst und das Product mit dem Preise eines Karats. Diese für Steine bis 20 Karat anwendbare Regel hat heute alle Gültigkeit verloren. 1865 zahlte man 450 Mk. für das Karat, seit der Entdeckung der Kapdiamanten (1867) ist aber der Preis außerordentlich und noch stärker gesunken als bei der Entdeckung der brasilischen Diamanten 1727. Brasilien lieferte 1850—70 jährlich gegen 170,000 Karat im Werthe von 7 Mill. Mark. In neuester Zeit ist die Produktion sehr bedeutend zurückgegangen. Die Hauptstapelplätze sind Rio de Janeiro und Bahia, in Südafrika Port Elizabeth. Hier wurde Anfang der 70er Jahre die Diamantwäscherei ungemein lebhaft betrieben, in Kimberley waren 1876 außer den eingeborenen Arbeitern 20,000 Gräber und 4000 Händler angesiedelt. Seitdem man aber in größere Tiefen dringen mußte und der Preis der Diamanten stark gesunken ist, ging die Production von 25 Mill. Mk. auf etwa 9 Mill. Mk. herab. Der Großhandel mit Diamanten hat gegenwärtig seinen Sitz in London. Die Diamantschletferei wird fast ausschließlich in Amsterdam ausgeführt, es bestehen dort fünf großartige Etablissements mit 872 Mühlen und 3000 Arbeitern (fast nur Juden). Betrügereien im Diamanthandel sind verhältnißmäßig leicht zu entdecken. Es werden Dou- bletten und andere farblose Edelsteine untergeschoben, welche aber sämmtlich dem Diamanten an Härte, Glanz und Farbenspiel weit nachstehen. Sehr häufig geht Bergkristall als D. (böhmischer, rheinischer, occidentalischer, Marmoroser D., Paphos-D., Arkansas-D., braun: Alentzon-D.), viel seltener Hyacinth (Matura-D.), Zirkon, Phenakit, weißer Saphir, Tobas, Aquamarin. Sehr schöne Effecte erreicht man mit künstlichen Diamanten, dem bleireichen Glas (s. Edelsteine), welches wenigstens bei künstlicher Beleuchtung an Glanz und Farbenspiel dem Diamanten nahe kommt, aber sehr weich ist und bei häufigem Gebrauch bald von seiner Schönheit verliert. Die vollkommenste Nachbildung bieten die sogenannten Simili- brillanten. Die technische Benutzung des Diamanten wird immer ausgedehnter. Der Glaser schneidet mit den beilförmig gebogenen Kristallkanten des Diamanten das Glas,- in der Lithographie graviert man die feine englische Schrift auf Visiten- und Adreßkarten, auf Wechseln, Rechnungen rc. mit einem scharfen spitzen Diamanten. Die Kupfer- und Stahlstecher ziehen mit Diamanten die feinen Luftlinien auf der Platte. In der Glaskunstindustrie dient der D. zum Gravieren. In den Achatschleifereien werden die Löcher in die Steine mit Diamantstücken gebohrt, auch andre harte Steine und Porzellan bearbeitet man in dieser Weise. Festes Gestein bohrt man mit einem Röhrenbohrer, welcher vorn mit Diamanten besetzt ist. Eine andere Verwendung findet der D. zum Abdrehen harter Stahlzapfen an astronomischen Instrumenten, wobei der Stahl mittels eines scharfkantigen Diamanten seine genauere Nachdrehung erhält, nachdem er mittels des Drehstahls vorher rund abgedreht worden. Die feinen Theilungen auf glatten Silber- und Messingrädern und auf Glas zu den Messungen bei mikroskopischen Untersuchungen werden ebenfalls mit spitzen Diamanten gemacht. Der schwarze (fälschlich amorphe) D. (Carbonado, Karbonat, Karbon), ein feinkörniges, kristallinisches, etwas poröses Aggregat, findet sich hauptsächlich tot Seifengebirge des Distrikts La Chapada (Provinz Bahia). Die begleitenden' Gesteine sind shenitischer und granitischer Natur, Turmalin, Zirkon, Staurolith, Rutil, Granat. Auch in Kimberley ist Carbonado aufgesunden worden. Er dient zum Bohren und Schleifen anderer harter Steine. Die Kenntniß der Diamanten reicht hoch in das Alter- thum hinauf. Schon in der Bibel wird er unter dem Namen Schamir bei Jeremias als Graviergriffel, bei Hesekiel und Zacharias als Bild der israelitischen Hartnäckigkeit angeführt. Adamas (der Unbezwingliche) hieß der D. bei Griechen und Römern. Plinius führt ihn als das Werthvollste unter allen menschlichen Gütern auf. Der D. zeige vor allem die Erscheinung der Antipathie und Sympathie. Der unbezwingliche D., welcher zwei der heftigsten Dinge in der Natur, Eisen und Feuer, nicht achte, werde durch Bocksblut gesprengt. In frischem warmen Blut maceriert, lasse er sich auf dem Amboß zu Theilchen zersprengen, mit welchen der Steinschneider in jede Materie, so hart sie auch sei, graviere. Mit dem Magnet liege er in solchem Streit, daß er ihm selbst das Eisen entreiße. Er entkräfte das Gift, vertreibe den Wahnsinn rc. Fig. 3. Diamant Orlow, links Seitenansicht, rechts von oben. Größere Verbreitung nach dem Westen haben die Diamanten erst seit den Einfällen der Ghasnawiden nach Indien gefunden, und bis 1728 kamen sämmtliche Diamanten von dort. Die Verbrennlichkeit des Diamanten, obwohl schon früher bekannt, wurde 1694 von Averami und Taglioni mit Hilfe von Brenngläsern erwiesen, und 1773 zeigte Lavoisier, daß der D. zu Kohlensäure verbrennt. Viele der durch Schönheit oder Größe ausgezeichneten Diamanten haben ihre Geschichte. Der ursprünglich größte und der berühmteste unter allen Diamanten ist der Kohinur, d. h. Lichtberg. Die Sage der Inder läßt ihn schon vor 5000 Jahren von dem Helden Karna, den das Epos „Mahabharata" besingt, im Kriege getragen werden. Geschichtlich tritt er auf, seit ihn der Herrscher von Malwa, Alaed bin Khilji zu Anfang des 14. Jahrh. auf seinen Raubzügen nach Nordkarnatik erbeutete und nach Dehli mitnahm. Er soll 672, nach andern 793 Karat gewogen haben. Als der Großmogul ihn 1665 Tavernier zeigte, wog er, durch das Ungeschick eines venezianischen Steinschleifers zertheilt, nur noch 280 Karat (Tafel, Fig. 8). Den Kohinur entführte Nadir Schah 1739 bei der Plünderung Dehlis nach Afghanistan, von wo er in den Besitz des Maharadscha Rundschit Singh und nach dem Untergang des Reiches der Sikh in den der Oftindischen Compagnie kam, die ihn 84 1850 dem englischen Kronschatz übergab. Durch Schleifen in Brillantform hat sich sein Gewicht bis lOß1/^ Karat verringert (Tafel, Fig. 10). Der größte genauer bekannte D. ist der D. an der Spitze des russischen Kaiserzepters, der Orlow (Textfig. 3), von 194^ Karat, von unvortheilhaftem Schliff, aber von ausgezeichnetstem Wasser. Sein größter Durchmesser beträgt 3,378 cm, seine Höhe 2,18 cm. Er stammt aus dem Thronsesstl Nadir Schahs und wurde nach dessen Ermordung dmch einen armenischen Kaufmann angekauft, von dem er 1772 für 450,000 Silberrubel und einen russischen Adelsbrief in den Besitz der Kaiserin Katharina II. überging. Im Besitz des Sultans von Mantan ans Borneo befindet sich ein D. vom reinsten Wasser und von 367 Karat- er hat eine eiförmige Gestalt mit einer einspringenden Höhlung am spitzeren Ende. Man fand ihn um 1740 bei Landak, und er gilt seitdem als der Talisman des Radschas und seiner Dynastie. Zu den schönsten Diamanten gehören noch der „Florentiner" oder „Großherzog von Toscana" (Tafel, Figur 3 und 5) von ISS1/^ Karat, etwas gelblicher Farbe und als reich facettierter Briolett geschliffen. Er gilt für den größten Diamanten Karls des Kühnen, wurde von diesem 1476 in der Schlacht bei Granson verloren, gelangte aus Privathänden in den mailändischen Schatz, dann an Papst Julius II. und findet sich jetzt im Schatz des Kaisers von Oesterreich. Auch der Sancy (Tafel, Fig. 6) von nur 53,5 Karat, aber erstem Wasser, stammt von Karl dem Kühnen, welcher ihn 1477 in der Schlacht bei Nancy verlor. Durch viele Hände gelangte der Stein an den hugenottischen Edelmann Sancy. Als dieser nach Solothurn als Gesandter ging, erhielt er von Heinrich III. den Befehl, ihm als Pfand jenen Diamanten zu schicken. Der Diener, welcher ihn überbringen sollte, wurde aber unterwegs angesallen und ermordet , nachdem er den Diamanten verschluckt hatte. Sancy ließ den Leichnam öffnen und sand den Edelstein im Magen. Jacob II. besaß denselben, als er 1688 nach Frankreich kam. Später war er im Besitz Ludwigs VIV. und Ludwigs XV., der ihn bei seiner Krönung trug. 1835 wurde er um 500,000 Rubel für den russischen Kaiser angekauft. Für den vollkommensten und schönsten Brillanten gilt allgemein der Regent oder Pitt (Tafel, Fig. 2 und 11) bon 136,75 Karat, reinstem Wasser und vollendetstem Brillantschliff. Er stammt aus Ostindien, wurde von einem Matrosen an den Gouverneur des Forts St. George, Namens Pitt, verkauft und gelangte von diesem an den Herzog von Orleans. Zur Zeit der französischen Revolution war er in Berlin beim Kaufmann Treskow verpfändet. Später zierte er den Degenknopf Napoleons I., und noch jetzt befindet er sich im französischen Kronschatz. Der größie in Brasilien gefundene D., ein Brillant von reinstem Wasser wog 254 Karat, wurde 1853 gefunden, wi-gt nach dem Schnckt nur noch 125 Karat und ist als „Stern des Südens" bekannt. Er b findet sich in Privatbesitz (Tafel, Fig. 4 und 12). Einen schönen blauen Diamanten von 44*/< Karat besitzt der Bankier Hope in Amsterdam (Tafel, Fig. 9), einen grünen D. zeigt Tafelfig. 7, Außer den genannten haben indische Reisende noch andere große Diamanten beschrieben und abgebildet, zu welchen z. B. der Großmogul (Tafel, Fig. 1) von 279 Ka.nt gehört. Den größten Diamanten (Excelsior) lieferte 1893 die Jagersfon- tein-Mine in Südafrika/ er wiegt 9713/4 Karat und ist bläulichweiß. __ Den vorstehenden Artikel, für welchen wir bei unseren Lesern ein besonderes Interesse voraussetzen dürfen, veröffentlichen wir mit Genehmigung der Verlagshandlung aus der neuen, fünften Auflage von Weyers Asnversations-Aerilion. Das Neuerscheinen dieses in her gesammten Wcltlitteratur einzig dastehenden monumentalen Werkes, welches in vier Auflagen eine Verbreitung von weit über einer halben Million Exemplaren gefunden hat, ist geradezu eiu Symptom für einen neuen Fortschritt unserer Cultur. Mustergültige Bearbeitung aller Wissensfächer, sorgfältige Berücksichtigung des neuesten Standes auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit, erschöpfende, doch niemals das erforderliche Maß überschreitende Beleuchtung jeder Wissensfrage, von rein ob« jectiven Standpunkt, sind die unübertroffenen Vorzüge des Meyer'fchen Konversations-Lexikons, welche sich vornehmlich auch in dem gegenwärtigen Aufsatze widerspiegeln. Red. Gemeinnütziges. Ein farbloser Firniß zum Lackiren von Kupferstichen und anderen Bildern wird wie folgt bereitet: 166 Gr. Sandarack, 66 Gramm Mastix und 8>/z Gramm Kampfer werden in einer Flasche mit 3^ Liter 90procentigem Weingeist übergoffen, häufig geschüttelt und zur Klärung an einen warmen Ort gestellt. • * ♦ Dauerhafte Lederfohlen. Ledersohlen werden dauerhaft gemacht durch Tränken oder Bestreichen mit einer Mischung von 50 Theilen Leinölfirniß, 10 Theilen Wasserglas und 40 Theilen Naxosschmirgel. ♦ Verfahren, Rindfleisch zu räuchern. Man bringt das Rindfleisch von frisch geschlachtetem Vieh, wenn es noch warm ist, in eine Mischung von einem Theil gepulvertem Salpeter und 32 Theilen Kochsalz, arbeitet das Fleisch gehörig mit der Mischung durch und bestreut das Fleisch schließlich mit so viel Roggenkleie, als daran hängen bleibt. Hierauf hängt man da» Fleisch entweder ohne oder mit Papierumschlag in den Rauch. Die Kleie hält die brenzlichen Bestandtheile des Rauchs ab und mäßigt so die starke Austrocknung des Fleisches, wodurch dasselbe einen guten, reinen Geschmack und das Ansehen stark geräucherten Lachses erhält. Hülsen-Früchte. Bohnen, Erbsen, Linsen. Abends wird das Eine oder Andere in Wasser gelegt und Morgens in Salzwasser gekocht, eins Anröste gemacht und darin noch eine Stunde kochen lassen. Wer es liebt, kann Essig oder Wein hinzugießen. Vermischtes. Er weiß Bescheid. Gast (in ein Restaurant tretend): „Ist der Studiosus Süffel vielleicht hier?" — Kellner: „Jawohl, mein Herr, er befindet sich in dem kleinen Nebenzimmer." — Gast (geht in das Nebenzimmer und kommt nach wenig Augenblicken mit den Worten zurück): „Kellner, der Studiosus Süffel ist ja nicht drin!" — Kellner: „Ja, mein Herr, Sie haben gewiß noch nicht unter dem Tische nachgesehen I" ♦ Mißverstanden. Lehrer: „Wir haben jetzt den Satz gelesen: Die Kartoffeln kommen sowohl im Thal, als auch auf den Bergen fort! Kannst Du dies nicht auch anders ausdrücken?" — Pepi: „Die Kartoffeln werden sowohl im Thal, als auch auf den Bergen gestohlen I" * » ♦ Jndireete Zustimmung. Herr (die Weinrechnung prüfend): „Donnerwetter, so viel Wein habe ich gebraucht? I Da müßt' ich ja eigentlich jeden Tag betrunken gewesen sein, Jean l" — Diener (bescheiden): „Einer von uns Beiden war'r aber auch immer, gnä' Herr!" ♦ * ♦ Der neue Anzug. A.: „Mensch, Du hast aber einen feinen Anzug anl Was hat denn der gekostet?" — B.: „Der kostet noch." • * ♦ Ballgespräch. Herr: „Sie kennen gewiß Thorwaldsen?" — Dame: „Nein! Das ist wohl ein ganz neuer Walzer?" ♦ ♦ Steigerung. „Sind *Sie bei dem Theaterdirector ständig engagirt?" — „Sogar rückständig!" Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. R « schla ihr leise Tab noch Heri straf Str< und Hurt dan» fuppi lich auf. „He, Sein bei t nehm Jose, liche und gewü und was Hofei bunti den ( gellet