AnLeichaltnngsblatt zrriir Giehenee Anzerg-^ (Gsneval-Anzeis-V) UZ MW' H **?;•- . t/? MMM - ' W Donnerstag, dm 19. Juli. Das Geheimniß der Droschke. Von F. Hume. (Fortsetzung.) „Wann haben Sie den Club verlassen?" fragte Doctor Mark den Gefangenen weiter. „Einige Minuten vor ein Uhr." „Dann gingen Sie vermuthlich nach Hause?" „Nein." „Wohin denn?" „Auf und ab." „Das ist etwas ungenau. Wo denn?" „In den Anlagen vor der Votivkirche." „Sie hatten ein Rendezvous?" „Das habe ich nicht gesagt." „Nein — aber man geht doch nicht Nachts ziellos auf und nieder." „Ich wollte Luft schöpfen." „So? — Bei der Votivkirche? — Warum gingen Sie nicht über die Ringstraße nach Hause? Der Weg ist weit genug. Das gefällt mir nicht. Sie hatten mit Jemand eine Verabredung." „Nun denn — jal" „Nun also — Mann oder Frau?" „Das sage ich nicht." „So werde ich es selbst herausbringen." „Das wird Ihnen nicht gelingen." „So — warum nicht?" „Sie werden sie nicht finden." „Sie," rief Mark erfreut, „ich wußte, daß es ein weib- liches Wesen war. Jvanyi biß sich in die Lippen. „Nun, wer war sie?" Keine Antwort. „Antworten Sie, Jvanyi. Ich weiß, daß es Ihnen schwer fällt, aber in diesem Fall gilt keine Rücksicht." „Ich kann es nicht sagen." „Aber Sie kennen ihren Namen?" „Ja." „Und Sie wollen ihn nicht sagen?" „Nein." Doctor Mark hatte nun zwei Dinge herausgebracht. Erstens, daß Desider ein Rendezvous gehabt hatte und dann, daß es mit einer Frau war. Er begann von Neuem: „Wann haben Sie Wolski zuletzt gesehen?" „Ich sah ihn in der Nähe der Votivkirche," ^antwortete Jvanyi zögernd. „Ah, — Sie waren der Herr, der den Fiaker nahm?" „Ja," sagte der Andere befangen. Dem Advocaten kam der Gedanke, daß der Mann vor ihm doch schuldig sein mochte. Er mußte sich gestehen, daß die Sachlage jedenfalls eine sehr dunkle war. „Also waren die Zeitungen doch gut berichtet?" „Theilweise," „So — theilweise," seufzte Mark erleichtert auf. „Doch ein Hoffnungsstrahl! — Sie wußten nicht, daß der Kranke bei der Votivkirche Wolski war?" „Nein. Sonst hätte ich mich seiner nicht angenommen." „Später erkannten Sie ihn?" „Ja — wie die Zeitungen erzählten. Ich ließ ihn fallen und ging davon." „Warum?" Jvanyi sah den Fragesteller erstaunt an. „Weil ich ihn haßte," war die kurze Antwort. „Warum?" Keine Antwort. „War es, weil er Absichten auf Fräulein Weber hatte?" „Ja." „Und nun," sagte Mark, „der wesentliche Punkt, auf den Alles ankommt. Warum sind Sie mit ihm in den Wagen gestiegen?" „Ich bin nicht in den Wagen gestiegen." „Der Fiaker behauptet das Gegentheil." „Er irrt sich. Ich kam nicht zurück, nachdem ich Wolski erkannt hätte." „Wer war also der Mann, der zu Wolski in den Wagen stieg?" „Ich weiß es nicht." „Keine Idee?" „Nicht die geringste." „Sicher nicht?" „Sicher nicht!" „Er scheint genau wie Sie gekleidet gewesen zu sein." „Kann sein. Ich kann wenigstens ein Dutzend junger Leute namhaft machen, die wie ich lichte Ueberzieher über dem Salonrock und weiche Hüte tragen." „Wisien Sie, ob Herr Wolski Feinde hatte?" „Ich weiß es nicht. Ich kenne ihn von Webers her mb weiß nur, daß er die Frechheit hatte, um Margarethe zu werben." „Wo wohnte er?" „Weit draußen in der Liechtensteinstraße." - 339 „Woher wiffen Sie das?" „Ich erfuhr es — und dank," setzte Defider zögernd hinzu, „habe ich ihn einmal besucht." „Warum?" „Um ihm zu sagen, daß ich mich mit Margarethe verloben werde und daß er von seinen Bewerbungen abstehen möge." „Und was sagte er?" „Er lachte mich aus, der Schurke." „Sie stritten miteinander, wie es scheint?" Jvanyi lachte bitter. „Ja." „Hat Sie Jemand gehört?" „Seine Quartierfrau wahrscheinlich. Ich sah sie im Vorzimmer, als ich fortging." „Man wird sie als Zeugin vorführen." „Wahrscheinlich." „Haben Sie etwas Compromittirendes gesagt?" Jvanyi wendete sich ab. „Ja," sagte er leise, „ich war sehr zornig und habe meine Worte nicht bedacht." „Haben Sie ihm gedroht?" „Ja. Ich sagte ihm, ich werde ihn durchpeitschen, um ihn zum Zweikampfe, den er mir verweigerte, zu zwingen." „Ah — wenn die Quartierfrau schwören kann, daß sie diese Worte hörte, wird das einen schweren Beweis für Ihre Schuld bilden. So viel ich sehe, gibt es für Sie nur eine Vertheidigung, und das ist die Erbringung eines Alibi." Keine Antwort. „Sie sagen, daß Sie nicht zurückgekommen und in Wolkis Wagen gestiegen seien?" „Nein. Es war ein Anderer, der so gekleidet gewesen, wie ich." „Und Sie haben keine Ahnung, wer?" „Nein." „Wohin sind Sie gegangen, nachdem Sie Wolski verlassen ?" „Ich kann es Niemand sagen." „Sie erinnern sich doch, wohin Sie gingen?" „Ja." „Also wohin?" „Ich kann es nicht sagen." „Sie weigern sich?" „Ja." „Ueberlegen Sie sich'r genäu. Diese Weigerung könnte Sie theuer zu stehen kommen." „Kann ich nicht hindern." Er zuckte verächtlich die Achseln. „Und Sie wollen mir wirklich nicht sagen, wo Sie waren?" „Nein." Doctor Mark begann ungeduldig zu werden. „Sie sind nicht klug. Ihr Dasein einer falschen Scham zu opfern! Sie müssen ein Alibi erbringen." Keine Antwort. „Um welche Stunde sind Sie nach Hause gekommen?" „Gegen zwei Uhr Morgens." „Zu Fuß gegangen?" „Ja, über die Ringstraße und durch die Anlagen." „Haben Sie Jemand auf Ihrem Heimweg getroffen?" „Ich weiß nicht. Ich habe nicht aufgemerkt." „Hat Sie Jemand gesehen?" „Ich wüßte nicht." „Also Sie weigern sich, zu sagen, wo Sie von ein bis zwei Uhr Morgens waren?" „Ja." Doctor Mark dachte nach. „Wissen Sie, daß Wolski werthvolle Papiere bei sich trug?" Jvanyi zögerte und erblaßte. „Nein, ich weiß nichts davon." Der Advocat führte einen Meisterstreich. „Also, warum haben Sie ihm dieselben genommen?" „Was? Hatte er es bet sich?" Doctor Mark nahm seinen Vortheil wahr. „Ja," sagte er, „warum haben Sie es ihm genommen?" „Ich nahm es nicht. Ich wußte nicht einmal, daß er es bei sich hatte." „„So- — Wollen Sk. mir gefälligst sagen, was dieses „es" eigentlich ist?" „Nein." „Es waren wohl Werthpapiere?" „Ich weiß es nicht." „Gut. Es waren Papiere. Ich sehe es Ihnen an. Und hatten diese Papiere Werth für Sie?" „Warum fragen Sie?" Doctor Mark richtete seine Augen fest auf Jvanyi. — „Weil," sagte er, „der Mann, für den diese Papiere von solchem Werth waren, Wolski ermordet hat." Jvanyi sprang auf — bleich wie der Tod. „Mein Gott," schrie er auf, „es ist wahr!" Ohnmächtig stürzte er zu Boden. Als Doctor Mark ihn mit Hilfe des Schließers zu sich gebracht hatte, war er nicht im Stande, zu sprechen. Er stöhnte leise . . . Doctor Mark verließ die Zelle. „Desider Jvanyi," sagte er zu sich selbst. „Du hast Wolski nicht getödtet, Du weißt aber, wer es gethan hat!" XI. Eine gab es, die glaubte fest und unerschütterlich an Jvanyis Unschuld: Margarethe Weber. Sie glaubte mit der Inbrunst eines reinen Herzens, und all' das, was die Welt sprach, das schadenfrohe Mitleid der Gesellschaft, die hämischen Bemerkungen des Neides vermochten nicht ihren Glauben zu erschüttern. Es schmerzte sie wohl tief und sie verbrachte lange Tage unter Thränen in einem wortlosen Jammer, aber in ihrem Innern lebte eine Stimme, die ihr zurief: „Nein, es ist unmöglich — einen Unwürdigen könntest Du nicht lieben mit dieser heißen Liebe — aus den Augen eines Verbrechens konnte keine solche Innigkeit hervorleuchten, keine so zarte, tiefe Empfindung!" Gern hätte sie, mochte die Welt dazu sagen, was sie wollte, ihren Bräutigam im Gefängnisse besucht; da ihr Vater dies aber auf das Strengste verboten hatte, mußte sie sich mit den kargen Nachrichten begnügen, welche ihr Doctor Philipp Mark von Zeit zu Zeit zukommen ließ. Dieser selbst war jetzt fest überzeugt, daß sein Client einem falschem Verdachte zum Opfer gefallen sei, und war ärgerlich, daß er sich zu dem Alibi-Beweis nicht verstehen wollte, dem Einzigen, was ihn entlasten konnte. Dies erschwerte dem Advocaten die Arbeit; er war bereit, mit Aufwendung seiner ganzen Kraft diesen Beweis selbst zu construiren — aber Jvanyi verheimlichte geflissentlich die Gründe seiner Weigerung und ohne dieselben schien es unmöglich, der Sache selbst beizukommen. „Wenn Sie es eines Weibes willen thun, so sind Sie wahnsinnig!" sagte Doctor Mark. „Selbsterhaltung ist die erste Pflicht jedes Menschen, und wahrhaftig, wenn meine Existenz, mein Leben auf dem Spiele stände, ich würde Nie- mand schonen." „Wenn Sie meine Gründe wüßten, lieber Doctor, würden Sie anders sprechen," antwortete Jvanyi auf solche Bemerkungen. „Wenn es sich wirklich um eine Frau handelt," dachte der Advocat, während er in seinem Bureau auf- und abschritt, „dann wundert es mich, daß sie schweigt, während der Mann sich in einer solchen Lage befindet!" Plötzlich hatte er einen guten Gedanken: „Vielleicht vertraut er sich seiner Braut an — Margarethe, die ihn so sehr liebt, deren Thränen er nicht wird widerstehen können!" Sofort fuhr Mark in die Villa Webers, wo ihm Margarethe in höchster Erregung entgegenkam. „Ach, Herr Doctor, warum bleiben Sie so lange fort?" fragte sie. „Wie geht es meinem armen Desider?" „Immer der Alte," brummte der Advocat grimmig, „er weigert sich, sein Leben zu retten. Es ist zum Verzweifeln. — Wo ist Ihr Herr Papa?" „Verreist," erwiderte das Mädchen ungeduldig. „Er kommt erst in acht Tagen. Was heißt das: Weigert sich, fein Leben zu retten?" „Wollen Sie ihn retten?" II II 3 Alles fc k Jr da und das We der er | so schön zwunger abschme! doch sei, gegeben, Er liebes, t »I verlang« Du De! „U „I zu zitter »I De und sie Jv an. E, zu Ihn« bärmlich Fräulei, kommt I Sie erkl De Wangen dafür. „E „A Ml Irgend Vielleich Schweig „A inne, m Wesen i ich kann Mi wieder e dichten < schlagen „V Mädcher lassen. 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Sie hatte einen dichten Schleier um das schmalgewordene, bleiche Gesicht geschlagen und befand sich wie im Fieber. „Wir nehmen einen Fiaker," sagte der Advocat, als das Mädchen den Auftrag geben wollte, den Wagen vorfahren zu lassen. „Es braucht nicht alle Welt zu wissen, daß Margarethe Weber den Heldenmuth besitzt, ihren Bräutigam zu besuchen." Bald hielten sie vor dem Landesgericht. Als sie in die Zelle traten, saß Destder Jvanyi auf einem Sessel beim Tische, den Kopf in beide Hände vergraben. Das Geräusch machte ihn auffahren. Er erblickte Margarethe und ein Schrei entrang sich seiner Brust. Sie war auf ihn zugestürzt und hatte ihn leidenschaftlich umarmt, während Doctor Mark sich in seine Acten zu vertiefen schien. „Mein Geliebter," sagte sie und strich ihm liebkosend das weiche, blonde Haar aus der Stirn, „wie schlecht siehst Du aus!" „Ja," antwortete er bitter, „die Gefängnißlust macht keine rothen Wangen." „Sprich nicht so," entgegnete sie weinend, „komm', setzen wir uns und sprechen wir ruhig." „Es ist umsonst, Margarethe," meinte er finster. „Natürlich," mischte sich der Advocat in's Gespräch. „Und es wird so lange umsonst sein, bis Sie Vernunft annehmen und uns erzählen, wo Sie in jener verhängnißvollen Nacht gewesen sind." „Das kann ich nicht," sagte Jvanyi schroff. „Mein lieber Desider," bat Margarethe sanft, „Du mußt Alles sagen, was Du weißt." Jvanyi schwieg. Mit zusammengezogenen Brauen saß er da und starrte zu Boden. Vor ihm stand feine geliebte Braut, das Wesen, das ihn mit so rührenden Blicken ansah, sie, nach der er sich gesehnt mit allen Fasern seines Herzens, sie, die so schön, so hold war — und sie weinte. Und er war gezwungen, hart zu sein, sich nicht erbitten, sich keine Antwort abschmeicheln zu lassen. Und dieses eine Wort — es hätte doch seine Ehre wiederhergestellt, hätte ihn einem Leben zurückgegeben, das so schön sein mußte an der Seite Margarethens. Er faßte ihre Hand. „Gretchen," sagte er flehend, „mein liebes, theures Kind, Du weißt nicht, was Du verlangst!" „Ja, ich weiß es wohl," antwortete sie entschieden. „Ich verlange, daß Du den Beweis Deiner Unschuld lieferst, daß Du Dein Leben nicht opferst um . . ." „Um einer Frau willen," ergänzte Mark wüthend. „Ist das wahr? Ist das wahr?" Margarethe begann zu zittern. „Ja," versetzte Jvanyi rauh. Der Ausdruck tiefsten Schmerzes glitt über ihr Gesicht und sie begann bitterlich zu weinen. Jvanyi sah sie mit unbeschreiblich wehmuthsvollen Blicken an. Endlich begann der Advocat: „Jvanyi, wenn ich offen zu Ihnen reden soll, muß ich Ihnen sagen, Sie sind ein erbärmlicher Wicht. — Entschuldigen Sie diesen Ausdruck, mein Fräulein. Dieses Mädchen liebt Sie von ganzem Herzen, kommt hierher — bereit, jedes Opfer für Sie zu bringen und Sie erklären ihr ganz gemüthlich, daß Sie eine Andere lieben!" Desider erhob stolz fein Haupt. „O nein," sagte er laut und wies auf Margarethe, „dort ist das Weib, um dessent- willen ich schweige." „Um meinetwillen?" rief sie erschrocken. „Ach, er ist toll," meinte achselzuckend der Advocat, „ich werde auf Unzurechnungsfähigkeit plaidiren." „Nein, ich bin nicht toll!" schrie Jvanyi und preßte Margarethe in seine Arme. „Meine süße Braut! Meine Geliebte! Um Deinetwillen schweige ich und werde schweigen, und wenn ich darüber zu Grunde gehen muß! Ich könnte mich retten, wenn ich sagte, wo ich um diese Zeit war; aber wenn ich es thäte, erführest Du ein Geheimniß, das Dein Leben zerstören würde. Nein, nein — ich will — ich werde es nie sagen!" Margarethe lächelte unter Thränen. „Denke nicht an mich, denke nur an Dich I — Nichts kann mich so schwer treffen, wie Deine Verurtheilung. — Ich beschwöre Dich," fuhr sie leidenschaftlich fort und warf sich auf die Kniee, „bei Allem, was Dir heilig ist, bei Deiner Liebe zu mir — sprich — sprich endlich — rette Dich, was auch die Folgen für mich sein könnten!" „Margarethe," entgegnete er und hob sie zu sich empor, „ich hätte es früher vielleicht thun können, jetzt ist es zu spät. Es gibt für mein Schweigen noch einen zwingenderen Grund, den ich selbst erst hier entdeckt habe. — Ich weiß wohl, daß ich mir den einzigen Weg der Rettung verschließe, aber, so wahr ein Gott im Himmel ist, ich werde nicht sprechen." Es wurde still in der Zelle. Nur Margarethens Schluchzen war zu vernehmen und selbst der Advocat fühlte, daß seine Augen feucht wurden. Endlich ermannte sich Jvanyi und führte Margarethe zu Doctor Mark. Man konnte bemerken, wie sehr er sich beherrschen mußte. „Führen Sie sie fort," sagte er mit gebrochener Stimme, „ich könnte sonst vergessen, daß ich ein Mann bin." In wilder Verzweiflung warf er sich auf sein Lager. Doctor Mark antwortete nicht; er rief den Schließer und wollte das Mädchen hinausführen. Als sie in der Thüre waren, riß sie sich los, flog zurück und warf sich an des Geliebten Brust. „Mein Theuerster," schluchzte sie, „Du wirst nicht sterben — ich werde Dich retten, trotz alledem und alledem!" Mit diesen Worten stürzte sie fort. Kopfschüttelnd folgte ihr der Advocat. XII. Zitternd, fast wankend hatte die arme Margarethe die Zelle verlassen, in welcher Jvanyi, nun allein und der Verzweiflung preisgegeben, heiße Thränen weinte. Jetzt erst kannte er die ganze Schwere des Opfers, welches er bringen wollte- Dieses Mädchen verlieren für immer! Dieses hochherzige Wesen, das, aller kleinlichen Rücksichten spottend, zu ihm gekommen war, dieses kühne, stolze Mädchen, das so groß vor ihin dastand, verlassen, ohne Hoffnung, sie jemals wieder zu sehen! Der Geächtete durfte seine Augen nicht mehr erheben zu ihr; zu der Schmach, die ihn erwartete, auch dieses Bewußtsein! Es war aus, Alles, Alles war zu Ende! — Margarethe stützte sich auf den Arm des Advocaten, der in ernstem Schweigen neben ihr herging. Die Luft, die in den Corridoren des grauen Hauses herrschte, bedrückte und beklemmte sie, nahm ihr den Athem. Erst draußen konnte sie sich wieder sammeln. Es kam über sie wie eine wilde, verzweifelte Entschlossenheit. Etwas, das sie nie gekannt, nahm von ihr Besitz. Sie, das zarte Weib, fühlte sich mit einem Male in ihrem Glauben an die Unschuld ves Geliebten heldenhaft stark. „Fahren wir in Desiders Wohnung," sagte sie fest, nachdem sie den Wagen bestiegen hatten- Der Advocat sah sie erstaunt an. „Warum?" fragte er überrascht. „Nein — erst in den Junge Herren-Club," antwortete sie, ohne der Frage zu achten. „Er muß nicht weit von hier sein." „Zum Kuckuck," brummte der Advocat, dem Kutscher den Auftrag gebend, „zum Kuckuck, was hat die vor?" Der Ton, 332 - in dem sie gesprochen, hatte ihm so imponirt, daß er keine Widerrede wagte. „Was gedenken Sie dort zu thun?" forschte er neugierig, während er ein ironisches Lächeln unterdrückte. „Wie?" gab sie zurück, als begriffe sie die Frage nicht, jetzt, da sie ihren Entschluß bereits gefaßt- «Ich will Desider retten!" setzte sie in bestimmtem Tone hinzu- (Fortsetzung folgt.) GEsinnütziges. Einfaches Mittel, um das Schimmligwerden der Schinken, Würste und des Rauchsteisches zu verhüten. Sehr oft tritt der Fall ein, daß Rauchfleisch, Schinken und Würste schimmlig werden, wenn sie auch nur kurze Zeit in einem etwas feuchten Lokale aufbewahrt werden- Um diesen Uebclstand zu vermeiden, bringt man Kochsalz in eine tiefe Schüffel und übergießt dasselbe mit so viel Wasser, daß ein dünner Brei entsteht; mit diesem Brei streicht man dann die Schinken und Würste mittels eines Pinsels an. Die so behandelten Fleischarten überziehen sich mit feinen Salz- krystallen, die jede Schimmelbtldung verhindern. — Die „Fundgrube" empfiehlt dieses Mittel auch dazu, um den zeitweilig in den Gelenken der Schinken auftretenden Schimmel zu beseitigen. ♦ * ♦ Wasserdichte Kleider oder Zeuge herzustellen. Man nimmt zwei Pfund Alaun, die man in einem Eimer s Wasser auflöst; in einem anderen Eimer löst man zwei Pfund Bletessig- Beide Flüssigkeiten werden dann gemischt und eine Zeitlang in Ruhe gelassen, wobei sich schwefelsaures Bleioxyd niederschlägt. Dann wird die Flüssigkeit behutsam abgegossen, so daß der Bodensatz ganz zurückbleibt. Diese Flüssigkeit dient zum Wasserdichtmachen der betreffenden Kleidungsstücke oder Zeuge, indem man solche darin einweicht. Man nimmt hierauf den Stoff heraus, durchknetet ihn einigemale und hängt ihn dann zum Trocknen, womöglich in freier Luft, auf. Anstrich für Hausgeräthe aus Eisen. Wasserblei (Pottlot, Ofenschwarz), mit etwas Wasser zu einem dickflüssigen Brei angerührt, wird mit einem Bürstchen, wie man solche zum Aufstreichen der Wichse auf die Stiefel benutzt, auf verrostete Eisensachen, wie Plättöfen, Kohleneisen rc., aufgetragen und vollständig trocknen gelassen. Mit einer anderen nicht zu steifen Bürste werden dann die Gegenstände tüchtig gebürstet, wodurch dieselben einen prächtigen Glanz erhalten. Dieses Verfahren, obwohl das erste Mal etwas mühsam, schützt lange Zeit vor Rost. Auch Petroleum-Kochherde erhält man auf diese Art glänzend und wie neu. ♦ ♦ * Ersatz für einen Eisschrauk. In Ermangelung eines wirklichen Eisschrankes kann man leicht einen solchen im- provistren, wenn man dazu einen Fliegenschrank benutzt und in dessen unterstes Gefach ein Stück Eis auf einen Teller, welcher von einem Stück Flanell bedeckt ist, legt. Die vom Eis ausstrahlende Kühle wird sich alsbald dem ganzen Schrank und den darin aufbewahrten Eßwaaren mittheilen. Man muß jedoch Acht haben, die Eßwaaren nie warm in den Schrank zu stellen, da die sich entwickelnden Dünste eine ungünstige Wirkung auf die übrigen vorhandenen Lebensmittel haben. Damit die Kühle recht lange in dem Schranke verbleibt und nicht ausströmt, empfiehlt es sich, die Gaze- oder Drahtwände des Fliegenschrankes mit Flanell oder grobem Tuch fest und dicht anliegend zu behängen. Das Stück Eis im Fliegenschrank hält sich ebensolange als in einem Eisschranke. Vermischtes. Mißverstandenes Benefiz. Dienstmädchen, (welches die Tochter des Hauses vom Theater abgeholt): „Fräulein, wie war das heutige Stück?" - Fräulein: „Traurig. Am Schlüsse starben sechs Personen!" — Dienstmädchen: „Das dacht' ich mir gleich, well so viele Kränze ins Theater geschleppt wurden!" ♦ » ♦ „Herr Pastor, ick will mir scheiden lassen!" — „Warum denn?" — „Ja, meine Alte trinkt zu viel Schnaps." — ,Zu viel Schnaps? Und darüber beklagen Sie sich, der Sie doch täglich betrunken sind?" — „Ra, jrade drum! Eens muß doch in de Familie sein, das nüchtern ist." ♦ ♦ Schwer!)ch. Der kleine Franz will beim Mittagstisch absolut keinen Spargel essen. „Warte nur," sagt die Mama, „wenn Du Soldat wirst — in der Kaserne lernen sie Dir schon das Spargeleffen!" Lahnthalfagen. Von Ludwig Eichler. 3. Burg Ardeck. Wenn der Frühling wieder in die Lande zieht Und sich Wald und Flur mit zartem Grün bedeckt - Wenn aus Klüften und aus dunklen Höhlen flieht, Was des Lenzes Hauch aus langem Schlaf geweckt: Dann aus Ardecks altersgrauer Burg hernieder Tönt ein ferner, fremder Klang um Mitternacht- Thurm und Mauern krönen Dach und Zinnen wieder, Aus den Fenstern strömet reicher Lichter Pracht. Die Pokale klingen hell im Rittersaale, Lauter Zechgesang urmarkig niederrauscht - Schmetternder Fanfarengruß erschallt beim Mahle, Thaten kühner Recken werden ausgetauscht. Schlanke Schatten schweben dort im Lichterglanze, Frauen, edel, schön, im Schmucke reich von Gold, Hohe Minne sinnend bei dem Festestanze, Denn von Herzen ganz sind sie den Männern hold. Knarrend öffnet sich des alten Bürgthors Gitter, Und ein fürstlich Prachtgespann fährt rasch zu Thal, Weil noch fehlen einige der wackren Ritter, Die von Limburg sind geladen zu dem Mahl. Wo einst Konrad Kurzbold lang mit mark'gem Arm Seine Feinde niederschlug im Reckenstreite, Reicher Dienertroß, verkappter Landknechtschwarm In die Fehde zog, dem Herren treu zur Seite: Schauet heute öd verlassen Limburgs „Beste" Auf das nun so fremde Prach tgespann herab - Die im Ritterschmuck einst fuhren hin zum Feste, Birget schon manch hundert Jahr' das stille Grab. Wie von überird'schen Mächten fortgetragen Windesschnell nach Ardecks hohem Mauerthor, Eilt das Viergespann aus Mittelalters Tagen, Und im Schlosse nun verstummt der Ritterchor. Dunkel wird es Plötzlich rings in Ardecks Mauern, Dach und Zinnen — eben glänzend — sind nicht mehr - Tiefe Nacht erfüllt von mächtig eis'gem Schauern, Wo nun alles wieder traurig, öd' und leer. — Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.