A"^*chaktrlngsblatt jum Gretzenev AnzeZgev (Gensvcrl Anzergevj 1894. 4to8g||| Mpii Sm] o 4 Donnerstag, den 18. Januar. (Schluß.) So sah Dora denn schweren Herzens einen Tag nach dem andern ungenützt verstreichen, während sie vielleicht nur wenige Meilen von Born getrennt war. a „O, wenn die Tante sich nur zur Weiterreise entschlösse," Dora, „dann wäre ein Zusammentreffen immerhin nicht unmöglich. Aber die Tante blieb diesmal unerschütterlich in ihrem Entschluß. Aergerlich blickte Dora auf die alten, heiteren Damen, die sich soeben wieder zum Nachmittagskaffee mit ihren Strickstrümpfen in einer der Lauben des Gartens niedergelaffen hatten und sich ungemein zu amüsiren schienen. ,. "AWDu Dich nicht zu uns setzen und Deinen Kaffee hier trinken!" rief ihr dre Tante freundlich zu, als Dora mit Hut und Sonnenschirm an der Laube vorüber eilte. „Nein, ich danke, ich will spazieren gehen," antwortete Dora kurz und abweisend und wandte der heiteren Kaffeegesell- schäft den Rücken. „Nur weil sich diese Kaffeeschwestern gerade hier zusammen» gefunden haben, ist man gezwungen, hier zu bleiben. Warum bleiben solche Leute nicht zu Hause? Um Kaffee zu trinken, zu stricken und zu plaudern braucht man, dächte ich, nicht erst große Reisen zu unternehmen!" .Mit diesen unehrerbietigen Worten machte Dora ihrem erbitterten Herzen Luft, während sie rüstig die nächste Höhe erklomm. Sie hatte hier einen einsam gelegenen, schönen Aursichts» punkt ausfindig gemacht, wo sie ungestört ihren trüben Ge» danken nachhängsn konnte. Nur sehr selten war sie hier auf dem dunklen Waldweg Menschen begegnet, je höher man hinauf» Mg, je einsamer und stiller wurde es. Eine kleine Rasenbank oben am Ausgang des Waldes war das gewöhnliche siiel von Doras Wanderung. Wie betroffen war sie aber, als sie sich der Bank näherte und dieselbe von zwei Herren besetzt fand. „Heute scheint sich Alles gegen mich verschworen zu haben," murmelte Dora und setzte sich unmuthig auf das weiche Moos des Waldbodens in der Nähe der Bank, um den Augenblick zu erwarten, wo die beiden Herren das Ruheplätzchen, das sie fast als ihr Eigenthum betrachtet, verlassen würden. Diese schienen aber vorläufig noch nicht daran zu denken, jedenfalls waren sie *• auch erst vor Kurzem hier oben angelangt. „Hoffentlich hast Du Dir nicht zu viel zugemuthet mit I Bekehrt. Novelle von F. S t ö ck e r t. diesem ersten Ausgang," hörte Dora jetzt den einen der Herren sich besorgt an seinen Nachbar wenden. „Durchaus nicht," erwiderte dieser, „ich fühle mich im Gegentheil gestärkt und gekräftigt durch den Ausflug. Man fühlt erst, welch' eine Wohlthat diese Luft ist, wenn man sie einige Tage entbehrt hat." v Dora zuckte zusammen bei dem Klang dieser Stimme, ach, es war ja die eine, die einzige, die sie unter hundert anderen Stimmen würde herausgekannt haben! So nahe war der geliebte Mann ihr nun auf einmal! Lauschend bog das junge Mädchen den Kopf weiter hervor. Sie konnte die beiden Herren nur ein wenig von der Seite sehen. Wie traumverloren blickte sie auf den lockigen Kopf, auf das blasse, edle Profil des Assessors Born, denn er war es wirklich, der Ersehnte, in dessen Nähe sie das Schicksal nun endlich geführt. Wäre nicht der fremde Herr bei ihm gewesen, da hätte sie auch wohl keinen Augenblick gezögert, sich ihm zu erkennen zu geben. Unter den jetzigen Umständen jedoch ver» harrte sie noch auf ihrem verborgenen Sitze und lauschte weiter auf seine Stimme. „Es ist eigenthümlich," fuhr Born jetzt fort, „wie in den paar Tagen meines Unwohlseins alle neuen schönen Eindrücke der Reise schwanden und die kleine, alterthümliche Stadt I., die Menschen dort und vor Allem ihr Bild in fabelhafter Deutlichkeit vor meine Seele trat." „Denn wo das Herz ist, Sind die Gedanken!" rief Salden, der Reisegefährte Borns, heiter, „und nun er» zahle mir endlich einmal den Roman aus jener kleinen Stadt- Daß Du eine junge Dame mit Gefahr Deines Lebens vom Feuertode gerettet und daß dieselbe eine reiche Erbin ist, so viel weiß ich ja schon! Aber warum nur hast Du das Glück nicht beim Schopfe gefaßt und besagte Dame geheirathet? Aus allen Deinen schüchternen Andeutungen und jener todesverachtenden That habe ich längst ersehen, daß Du sie geliebt haben mußt." . »Eben weil ich sie liebte, ging ich ihr aus dem Wege," sagte Born, „ich war entstellt, verstümmelt, ich konnte nicht mehr auf Gegenliebe hoffen, las auch nichts davon in ihren Augen, als ich sie nach meiner Krankheit wiedersah, nur Schrecken und Entsetzen zeigte sie bei meinem Anblick. Vielleicht war es übertrieben von mir, daß ich sofort die Stadt verließ, ihr meinen Anblick, der ihr jene schreckensvolle Stunde so bitter in's Gedächtniß zurückrief, für immer entzog." „Jedenfalls war es ein übertriebenes Zartgefühl," sagte Salden, „man darf die Ritterlichkeit nicht zu weit treiben, man — 26 und wandten sich nach ihr um- L Born sie an. Dora aber wandte sich zunächst an Salden, und reichte demselben, der ziemlich verblüfft drein schaute, ihre kleine Erregung einige Schritte vorgetreten- Die beiden Herren hatten das leise Geräusch vernommen Hand. . „ , „Sie verstehen sich auf Frauenherzen, mein Herr, auch auf dasjenige einer unbeholfenen Kleinstädterin. Sie haben die Sache eines Ihnen unbekannten Mädchens gut geführt, ich danke Ihnen recht herzlich dafür." Salden war aufgesprungen und entgegnete mit einer Ver beugung: „Ich habe die Ehre, Fräulein Dora Schmidt? „Ja, die bin ich, die kleine Dora, die Ihr großmüthiger Freund mit größter Lebensgefahr aus den Flammen gerettet hat, um sie nachher recht elend und unglücklich werden zu lassen." , , , _ . Mit lieblichem Erröthm blickte sie dabei auf Born, in ' Born und Dora genossen noch einige Wochen feugen Glücks in den schönen Schwarzwaldbergen, dann begleitete aotn let)e Geraufcy vernommen i die beiden Damen heim. Voll Stolz und Genugthuung z g Mit entsetzten Blicken starrte sich Dora mit dem Geliebten in den Straßen bet «einen - - ■) \ Heimathstadt und nahm huldvoll die wohl nicht immer ganz aufrichtigen Glückwünsche ihrer Bekannten entgegen. Die Haide glühte wieder purpurroth, als Dora mit «om an einem Spätsommerabend auf dem grauen Stamm unter oe Haideföhre faß. Kleine blaue Schmetterlinge flatterten wieder in bett letzten Strahlen der Abendsonne und durch die duftige weiche Luft zitterten die fernen Klänge der Abendglocken. „Wie oft habe ich hier allein gesessen und an Dich 9J dacht," sagte Dora, „üch und wie viele bittere Thränenhave ich Dir nachgeweint, als Du gegangen, nachdem-Dumich em Dich hattest erkennen lassen in Deiner edlen Ritter chkeit. Ach, Kurt, das ist etwas, wovor jedes> Weib sich» beugen «m, Stolz und Uebermuth verwandeln sich davor in fanste Demu Y, und glücklich die Frau, die solch' einen Mann gefunden! sonst leicht »»verstanden damit jetzt in mser-r mate-i-»-» I Also darum darum" dachte Dora, „und ich suchte mir Herr Assessor?" sagte Dora leise, fragend. meine'«eali in alte» Bücher» - m«-l°lt-,Nch-n stch D°-° M Ä7S«Ä»A SÄÄSMffÄ mÄer ^ls wölle er sein edelmüthig s Handeln nicht gar zu harmonischer gegenseitigerLiebe in diesen wenigen Secunden in hochIC Jffi mich geliebt, dannhätte ihre Herzen, und Born rief dann freudetrunken: „Dora, Du WZZWLW -W-XL-WU lichen hatte ich damals noch nutzl. u I Mg Salden dann später wieder nach der Rasenbank seine ™ Ä ’&fiB «Äflen Worten Schritte lenkte, fand er dort ein glückliches Brautpaar. Ä Ä?ii?sü?sie ?nÄ. mußte Wasblieb mir da weiter Endlich hatten sich die beiden Herzen ganz gefunden und übria als »u neben? Ich konnte doch nicht um ihre Liebs mehr I erkannt, und Born und Dora blickten letzt lächelnd zuruck auf erwiderte Salden. „Die nämlich ihre unbesonnene Verfolgung in Berlin, woran sie, seit »3?/, ,bas ut ^ue yeme sacye, . »ind ich I sie erlauscht, daß er sie damals gesehen und sich nicht zu et» JL «. i« % Mm« '» MÄÄe? b‘”«r ihr-, mißgch°»»tm Richt- -ns -«st- »de-r-Icht, aber Ich, SS« sfaasKÄ “«• >. fisaMstäSi... maIS Natürsich Du hattest Dich gänzlich in den Gedanken Born und den Damen. Er schlug einen einsamen Waldweg verrannt, furchtbar klug und dabei auch eitt' .ein bezaubernder entzogst.^Jn einer Art V ja »säÄÄmy SSSMZW TSwfe’ss sä$ä c« preisen, daß sie Born damals nicht erreicht hatte. | schönen Vorhaben^seine Rückreise an. Unwillkürlich hatte sich Dora erhoben und war in ihrer 27 Zärtlich schlang sie die Arme um den Geliebten. „O, Kurt, ich bin unsäglich glücklich," flüsterte sie. „Meine holde, liebliche Haideblume, ich bin auch glücklich in Deinem Besitz," sagte Born voll tiefer Bewegung und küßte Dora herzlich. Die Sonne war untergegangen und der Mond stieg langsam herauf, es war, als lächele der alte Freund aller Liebenden still in sich hinein, als fein bleiches Licht die beiden einsamen Gestalten umwob. Eben solche glückliche selige Menschenkinder hatte er schon vor Jahrhunderten geschaut. — Das Hohelied der Liebe war noch nicht verklungen auf der Erde, auch Dora, das kecke, übermüthige Kind seiner Zeit, hat seinen Klang vernommen und sich belehren lasien, daß Zeit und Menschen nicht flach, wie sie einst voll Uebermuth behauptet, — sie hat erkannt, daß nur in ihren Augen sich einst Alles klein und flach gespiegelt, weil ihr das höchste Glück des Weibes, wahres, tiefes Lieben, noch nicht aufgegangen war- Die Kunst, gesundheitsgemätz zu schlafen. Von Ottomar Beta. ------- (Nachdruck verboten.) Vor mir liegt eine kleine Abhandlung aus dem Jahre 1862 von dem bekannten Reisenden George Catlin, welcher sich jahrelang unter den Indianern Nord- und Südamerikas bewegt und viele Stämme derselben im Ur- und Naturzustande kennen gelernt hat, noch ehe der Rowdy mit dem Feuerwasser und der Feuerwaffe ihnen nahe kam. Eines Tages, so erzählt Mister Catlin, hatte ich einen Streit mit einem solchen Sohne der Prairie; es gelang mir indessen, mich wieder mit ihm auszusöhnen, die Streitaxt wurde begraben, der Zorn verrauchte und im Laufe weiterer Bekanntschaft eröffnete mir mein Gegner, daß ich, Catlin, wenn es zu einem Kampfe zwischen uns gekommen wäre, jedenfalls unterlegen fein würde. Der Grund zu dieser Annahme? „Nun," sagte der Indianer, „ich habe noch nie einen Menschen siegen sehen, der nicht einmal im Stande war, seinen Mund geschloffen zu halten. Bei uns heißt es: Erst öffne die Augen, ehe Du die Ohren leihest und knöpfe die Ohren auf, ehe Du den Mund öffnest. Ihr aber redet in's Gelag hinein, geht wie ein Stück Krummholz und schlaft mit offenem Munde." Durch diese Bemerkungen angeregt, begab sich George Gattin an das Studium dieser Sache. Er fand nach umfassenden und genauen Erkundigungen, daß die Indianer in ihrem Urzustände gar keine Kindersterblichkeit aus Krankheitsursachen kennen, während in Europa gegen 50 Procent aller Geborenen vor dem fünften Lebensjahre während des Zahnens eingehen. Er fand, daß die Indianer-Mutter mit großer Sorgfalt den Schlaf ihres Kindes überwacht und ihm nie gestattet, schlafend' mit offenem Munde zu athmen und endlich fand er, daß die eigenthümliche „Windel", auf welcher der Indianer den Säugling befestigt, ganz besonders dazu eingerichtet erschien, das Krummliegen des Säuglings und das Athmen durch den Mund zu verhindern. Die Indianer-Windel ist kein so complizirtes Möbel. Sie besteht aus einem einfachen Brette mit einem Auerholze am Fußende. Auf dieses wird der Säugling in gerader Stellung festgeschnürt, natürlich so, daß seine jungen zarten Gliedmaßen noch einigen Spielraum haben. Ein halbmondförmiges Holzstück, unter dem Hinterkopfe angebracht, gibt dem Kinde eine Steigung nach vorn, so daß das Kinn von der Windel gegen den Oberkiefer gedrückt wird und der Mund sich nicht von selbst im Schlafe öffnen kann. Das Kind erhält die Rückenlage und wird an diese von früh an gewöhnt. Es lernt, ehe es denken kann, in der That die Augen eher öffnen, als den Mund. Mr. Catlin knüpft an diese Vorkehrung des Naturmenschen, die ausgesprochenermaßen dazu dienen soll, das Kind gesund zu erhalten und wie ein Bäumchen in gerader Richtung wachsen zu lassen, eine sehr weitgehende Betrachtung. Uns selbst fällt ein, daß man schon in den Pfahlbauten mondsichelförmige Thongeräthe gefunden hat, welche nach Karl Vogt ausschließlich den Zweck haben können, dem Kopfe des Schlafenden eine Unterlage zu geben; und uns fällt ferner ein, daß das höchst- stehende Culturvolk Ostastens, die Japaner, noch heute sich solcher Unterlagen bedienen und sie mit Seidenpapiere stets reinlich auskletden. Und zwar gaben die jungen Japaner, die wir über dieses Geräth befragten, übereinstimmend an, daß dasselbe aus sanitären Rücksichten seit Urzeiten in Gebrauch wäre. Diese harte und kühle Unterlage halte den Kopf hoch und verhindere böse oder schädliche Träume. Wir sehen also, daß der Urmensch der Pfahlbauten, der Naturmensch der Prairie (auch der Südsee-Jnsulaner) und der Culturmensch Ostasiens übereinstimmend ein und dasselbe Geräihe aus hygieinischen Rücksichten benutzen. Folgen wir nun in Einigem den Ausführungen des Mr- George Catlin, der in seiner 75 Seiten starken Abhandlung „The Breath of Life“ (London 1861, Trübener & Co.) enthalten sind. Er sagt, der Mensch, das vollkommenste, zäheste, weitestwandernde Geschöpf, sei dennoch relativ weniger langlebig, als der Naturmensch — soweit letztere noch nicht von der „Pest der Civilisation" befallen wäre. Es sei nur anzunehmen, daß üble Gewohnheiten und Fahrlässigkeiten, wie die sogenannte Cultur sie mit sich brächte, unsere Gesundheit frühzeitig untergraben und die Mortalitätsziffer Europas zu jener schaudererregenden Höhe emporschraubten, daß von je vier Geborenen nur durchschnittlich einer ein Alter von 25 Jahren erlebte. Der Naturmensch wie sein stummes Mitgeschöpf, das Thier, sind frei von chronischen Leiden der Lunge, des Magens und der Sinneswerkzeuge, frei von jener jetzt in Europa verheerend um sich greifenden Selbstmordmanie; er behält seine Zähne bis an das Lebensende, und diese Zähne sind mit wunderbarer Regelmäßigkeit gewachsen. Auch Krüppel und Bucklige kommen bei den Indianern nicht vor. Und alles dies ist nach Mr. Catlins Annahme die Folge der größeren Sorgfalt, die der Naturmensch seinem Sprößling in der Windel angedeihen lasse, während die Uebel der Cultur ebenfalls durch Verweichlichung und Vernachlässigung in der ersten Kindheit entständen, hauptsächlich aber dem Athmen durch den offenen Mund zuzuschreiben sei. Nun ist nicht zu leugnen, daß, wie schon die Bibel lehrt, der Mensch den Odem Gottes durch die Nase empfangen hat, daß also die Nase als der richtige Weg erscheint, um die fernere Aufnahme der himmlischen Luft zu vermitteln. Auch das Thier athmet nur durch die Nüstern. Beim Schlafen liegt es auf dem Kinn — wie dies auch die Naturmenschen im höheren Alter an sich haben. Es legt den Unterkiefer auf den Unterschenkel eines der Vorderbeine und kann also ausschließlich durch die Nüstern athmen. Zweifellos ist die Gesundheit des Luftmagens, wie Dr. Mertens die Lunge nennt, mit der richtigen Luftzuführung verknüpft, und es ist zweifellos, daß eine Reihe von Uebeln mit Vorliebe ihren Einzug in den Organismus durch das geöffnete Portal des Mundes nehmen. Gerade im Schlafe erneuert und verjüngt sich unser Blut; gerade im Schlafe ist der Athmungsprozeß am lebhaftesten und während der Kräfteverbrauch sehr gering ist, sinkt auch die Ausathmung von Kohlensäure aus der Lunge auf ein Mindestmaß, dagegen steigert sich im schlafenden Organismus die Aufnahme an Sauerstoff; kurz, der Schlaf ist so recht eigentlich der Athmung gewidmet. Daraus folgt, daß eine falsche Athmungsweise gerade während des Schlafs, wo der Körper außerdem am unbefangensten sich verhält, auch am ehesten und nachhaltigsten schädlich wirken müsse. Nun spielt, wie leicht ersichtlich ist, die Nase bei der Ath- mung eine naturgemäße Hauptrolle. Sie dient der Lunge und den Schleimhäuten der Kehle und des Rachens als Luftwärmer. Die Luft wird auf dem verhältnißmäßig engen Nasendurchgang filtrirt und temperirt. Wenn nun während des Schlafes eine gewohnheitsgemäße Außerdienstsetzung der Nase stattstndet, wenn die Luft überreichlich und kalt durch das weitgeöffnete Mundthor einströmt, so müssen nothwendigerweise Rachenhöhle, Kehlkopf und die Luftwege der Lunge darunter leiden; vielleicht wird sogar die gehörige Resorption in der Lunge selbst infolge der geringeren Anspannung de« Zwerchfell« und au« anderen Ursachen bei der Mundathmung zum Theil gehindert. Der Culturmensch schläft meist in geschloffenen Räumen, er athmet häufig vorgeathmete, verdorbene, oft thörichterweise auch noch künstlich erhitzte Luft; er schnappt also im Schlafe nach Luft, weil er derselben im Schlafe am meisten bedarf und öffnet zu diesem Behufs unwillkürlich den Mund. Eins greift dabei in'» Andere und es ist daher kaum verwunderlich, wenn das „Mund-Schlaf-Athmen", wie wir weniger euphonisch als kurz sagen wollen, zahllosen Menschen zur Gewohnheit wird, während der Naturmensch, der gleichsam mit dem Kopfe zum Fen« ster hinausschläst, von der frischen Luft seiner uneingeengten Wildniß vollauf genug durch die engeren Nasenluftwege in sich aufzunehmen vermag. Der große Königsberger Philosoph Kant besaß eine in Gewissenhaftigkeit geschulte Willenskraft. Er zwang sich, selbst beim ärgsten Schnupfen, durch die Nase zu athmen. Will man einem Säugling das Mundathmen erschweren, so muß man ihm das Nasenathmen dadurch erleichtern, daß man ihm die beste Luft zusührt, die zu haben ist, und das ist immer die freie Luft, wie sie unter'm Himmelsgewölbe dahinweht. Auch um sich als älterer Mensch das Mundathmen im Schlafe abzugewöhnen, ist eine gleiche Versorgung mit frischer Luft erforderlich. Am schädlichsten dürfte auf alle Fälle gelten, wenn Ammen, Mütter, Eheleute und Zimmergenoffen einander die schon entsauerstoffte Luft aus den Lungen gegenseitig zu athmen. Also wohl ventllirte, ungeheizte und sehr geräumige Schlafzimmer sind zweifellos die erste Bedingung, um das Mund- Schlaf-Athmen zu vermeiden. Und gerade gegen die Hauptforderung aller Hygieine wird am gründlichsten in cultivirten Ländern gesündigt, denn ganz unendlich selten haben wir in Privathäusern Ventilationsvorrichtungen in den Fenstern vorgefunden. Die frische Athmungsluft ist für unsere Zwecke jedenfalls wichtiger, als die Kopfunterlage, welche das OeffnM des Mundes verhindern soll. Diese dürfte erst in zweiter Linie erforderlich sein. Man ist im Schlafe keineswegs völlig willenlos, wie Jeder weiß, der rechtzeitig aufwacht, wie er stch's beim Zubettgehen vornahm. Wer sich gewöhnt hat, auch im wachen Zustande seine Gesichtsmuskeln ein wenig straff zu halten, d. h. nicht mit offenem Munde dazusitzen, nicht laut zu lachen und zu röcheln, weder in der Bewegung noch in der Ruhe, wer sich gewöhnt hat, Treppen und Berge mit fcstgeschloffenem Munde zu erklimmen und stets Luftvorrath in der Lunge zu behalten — dies hauptsächlich auch beim Sprechen, Singen u- s. w. — der wird auch wohl im Schlafe dieser Gewohnheit treu bleiben. Daß diese Gewohnheit, abgesehen von sonstigen lobenswerthen, eine im höchsten Grade gesundheitlich wichtige ist, erscheint zweifellos. Der Mundathmer ist immer heiser, der Nasenathmer behält noch nach stundenlangem Reden das Metall seiner Stimme. Wir gehen nicht bis an's Ende mit Mr. Catltn, der alle und jede akute und chronische Krankheit auf die nämliche Quelle zurückführt. Er behauptet sogar, das Athmen mit geschloffenem Munde sei die einzig sichere Vorkehrung gegen epidemische, durch die Luft sich verbreitende Krankheiten, wie Cholera, gelbes Fieber und Diph- theritis, und will hierin aus Erfahrung sprechen. Wohl aber verdient seine Annahme, daß die Zahnleiden der Europäer und die Verwachsenheit der Zähne der angewöhnten Offenmündigkeit zuzuschreiben wären, einige Beachtung. Der Zahn hält sich entschieden nicht so lange in dem offenen, ausgetrockneten Munde, wie im geschloffenen, Beweis, daß gerade die der Luft am meisten ausgesetzten oberen Schneidezähne am frühesten der Carie« zum Opfer fallen. Der mit offenem Munde Schlafende schnarcht überdies leicht, weil das Gaumensegel, welches Nasen- und Mundhöhle trennt, beim offenen Munde leichter in Schwingungen geräth, und ich bin geneigt, in diesem Umstande sogar eine Warnung»- signal-Vorkehrung der gütigen Natur gegen den gerügten Fehler zu erblicken. 28 — I Mr. George Catlin behauptet, daß da« Zahnen den Kindern der Wilden niemals größere Schmerzen verursache. Wer die Heilkraft der Mundwärme ermißt, dem kann die von ihm gegebene Erklärung nur glaubhaft erscheinen. Die Sorgfalt der Judianermutter, ihrem Kinde das Schlafen mit offenem Munde zu verwehren, ist nach Mr. Catlin die Hauptsache dieser Befreiung des Naturkindes von heillosem Zahnweh, insbesondere von den tödtlichen Zufällen des Zahndurchbruchs. Das von der kalten Zugluft des Einathmungsprozefles fortwährend bestrichene Zahnfleisch muß naturgemäß empsindlicher und entzündlicher sein, dem Durchbrechen des Zahnes mehr Widerstand entgegensetzen, als der stets feucht und warm erhaltene Gaumen des geschloffen gehaltenen Mundes. Ob wir rathen können, die Indianer-Windel selbst einzuführen? Nun, neinl Gewiß scheint, daß die Methode, den Kopf hoch gegen die Brust geneigt zu halten, das Wesentliche an dieser Windel ist. Und, wie ich schon hervorhob, gerade dieser wesentlichste Zweck des Apparates läßt sich durch etwas festen Willen, durch Beobachtung des Schläfers ersetzen. Wenn Jemand sehr laut schnarcht und mit offenem Munde athmet, wecke man ihn wieder und wieder. Der Organismus ist so anpaffungsfähig, daß er endlich eine Lage findet, in welcher er ungestört und ohne zu stören der Ruhe zu genießen vermag. Ich selbst helfe mir mit etwas Phantaste über manche Mängel des Willens hinweg. Im Theater bemerke ich, daß die von der Gallerie Herablickenden stets den Mund geschloffen haben; ste beugen aber den Kopf gegen die Brust. Mit diesem Gedanken einschlafend — ich blicke in der Phantaste vom Schiffsbord in das wogende Meer, oder vom Berg hinab in ein wogendes Kornfeld — bin ich sicher, den Mund geschloffen zu halten und bald einzuschlafen. Ich hoffe auch ohne Hilfe der Maschine das ersehnte Ziel hygieinischen Schlafes zu erreichen. Vermischtes. Hohe Jagd. Fürst: „Nun, Herr Förster, ist das Wild schon in Sicht?" — Försier: „Unterthänigst aufzuwarten, Durchlaucht, es macht sich eben schußfertig." ♦ * ♦ Lange Trennung. „Also, liebes Weibchen, Du gehst nun in den Modebazar? Dann gib mir vorher noch einen recht schönen Kuß!" — „Was fällt Dir ein, aus offener Straße!" — „Aber, Elise, vor einer Reise oder vor einer sonstigen längeren Trennung nimmt man doch mit größerer Zärtlichkeit Abschied!" Befolgter Rath. Bettler (in einen Schlächterladen tretend): „Können Se nich eenen armen Mann en bisken helfen?" — Schlächter (mürrisch): „Ach was, helfen Sie sich doch selbst!" — Bettler: „Wenn Se gesiatten, bin ick so frei!" — Nimmt zwei Würste und verschwindet damit. * ♦ Veränderte Situation. „Ihr Portrait, Herr Bankier, werde ich in einigen Tagen fertig haben!" — „Werfen Se's weg und machen Se e' neu's! Ich bin heute geworden Baron!" ♦ • Recht tröstlich. Student: „Sie sind heute gerade der dreizehnte Gläubiger, der mich besucht! Das bedeutet nichts Gutes für Sie!" — Schneider: „Da gibt'« wohl wieder kein Geld?" — Student: „Allerdings nicht; aber Ste können sich beruhigen, die anderen zwölf haben nämlich auch nichts gekriegt!" ♦ * Mißverstanden. Lehrerin (dictirend): „Die Erde bedeckt sich wieder mit frischem Grün — untermischt mit lieblich duftenden Blumen!" — Schülerin (die Tochter eines Gutsbesitzer») schreibt: „Die Erde bedeckt sich wieder mit frischem Grün — und der Mist mit lieblich duftenden Blumen!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der ^rü hl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.