Unterhalt,ingsbiatt jwm Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger) Samstag, den 17. November. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friese». (Fortsetzung.) Beide schweigen eine Zeit lang — Jede mit ihren Se< danken beschäftigt. „Was würden Sie ihun, wenn Ihren Sohu ein solches Unglück betroffen hätte?" fragt Frau March plötzlich. „Mein Sohn ist ebenso unglücklich, wie Ihre Tochter," erwidert die Baronin wehmükhig; „denn er liebt Ihre Tochter." Und die beiden Mütter blicken einander lange mit Thränen in den Augen an. „Fassen Sie Muth!" sucht die Baronin die fassungslose Pastorswittwe zu trösten. „Wenn es eine Rettung für Ihre Tochter gibt, wird mein Sohn sie ausfindig machen. Ich fetze unbegrenztes Vertrauen in ihn." „Gott segne Ihren Sohn!" sagt die Pastorswittwe einfach, während große Thränen ihr über die Wangen laufen- Nachdem sie alles Nothwendige erfahren hatte, begehrte sie unverzüglich ihre Tochter zu sehen. Als sie das Krankenzimmer betritt, hört sie wirre, unzusammenhängende Sätze, in denen der „Fürst" eine Hauptrolle spielt — der Fürst und seine Schlösser — der Fürst und seine Reichthümer — der Fürst und seine Hochzeit — das Fieber scheint alles Spätere aus ihrem Gedächtniß fortgewischt zu haben. Da liegt sie, ihre ehedem so schöne, glänzende Tochter. Das Gesicht ist roth und aufgedunsen vom Fieber; die tiefumschatteten Augen rollen wild umher. Mit einem durchdringenden Schrei fällt die unglückliche Mutter neben dem Bett auf die Kntee. „O, mein Kind, meine schöne Lola! Mußte es so weit kommen?" . . . Ein Rückfall in dem Befinden der Kranken ist eingetreten, so daß sie selbst die Mutter nicht erkennt. Roch einmal kommen Stunden, in denen die beiden mütterlichen Pflegerinnen fast verzweifeln wollen. Doch auch sie gehen glücklich vorüber. Das Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter ist ein tiefergreifendes. Lange, lange halten sie sich umschlungen. Die Pastorswittwe schluchzt, als wolle ihr das Herz brechen, während Lola ihr die Thränen von den runzeligen Wangen . XXVII. Still und zurückgezogen leben die drei Damen nach Lola- Wiederherstellung in dem alten Schloß. Der Dienerschaft ist Lola nur als Fräulein March bekannt, zu deren Pflege ihre Mutter, eine entfernte Verwandte der Baronin, hergekommen fei. Auf diese Weise ist jeder Möglichkeit, in dem jungen Gast die bekannte Baronin Medfort zu vermuthen, entgegengetreten. Baron Gerald gibt sich inzwischen die größte Mühe, den Aufenthaltsort der beiden Männer, welche Lolas Unglück verschuldet, auszukundschasten. Vergebens. Lord Rawdon war bald nach jenem verhängnißvallen Tage nach Deutschland gereist und von dem „Fürsten Orlowsky" hatte man seit seiner Hochzeit überhaupt nichts mehr gehört. Man wähnte das fürstliche Paar auf der Hochzeitsreise nach Italien oder in stiller Flitterwochen-Zurückgezogenheit auf einem der Schlösser des Fürsten. Dann war plötzlich — Keiner weiß, wer den Anlaß dazu gegeben — das Gerücht aufgetaucht, der Fürst Orlowsky fei gar kein Fürst, sondern ein Abenteurer, der sein letztes bischen Geld daran gesetzt habe, um ein großes Vermögen zu gewinnen. Lord Rawdons Name wurde mit dieser Sache nie in Verbindung gebracht. Die Londoner Gesellschaft interesstrte sich lebhaft für diese mysteriöse Angelegenheit. Täglich liefen Anfragen bei der russischen Botschaft ein; doch diese konnte keine Auskunft geben Man bombardirte die arme Pastorswittwe mit Erkundigungen nach dem Befinden ihrer fürstlichen Tochter, um etwas zu erfahren. Auch dies half nichts. Frau March, die selbst ohne jede Nachricht war, hatte zuerst erklärt, das junge Ehepaar befände sich auf einer Reise durch den Continent. Dann gab sie ausweichende Antworten. Schließlich zeigte sie ganz offen ihre Unruhe. Und dann war sie, die gute, stille Frau, von der die Welt so wenig Notiz genommen, plötzlich auch verschwunden- Die Dienerschaft erzählte auf die vielen neugierigen Fragen hin, Frau March habe einen Brief erhalten, wonach sie sehr erregt gewesen und Tags darauf abgereist sei, wohin, wisse Niemand, auch nicht, wann sie zurückkehre. Bald darnach tauchten jene Gerüchte zuerst auf. Als man die Herzogin von Edenfield fragte, ob sie etwas Näheres wisse, schüttelte sie lachend den Kopf und meinte, sie sei ebensowenig allwissend, wie die übrigen Londoner Be wohner. Die großen Zeitungen nahmen für oder gegen die Gerüchte Partei. In den Clubs fanden sie ebenso Vertheidiger, wie Angreifer. Und obwohl die Meisten nicht daran glaubten 538 —» und den versteckten Anspielungen offen entgegentraten — er war auch eine zu unwahrscheinliche Sache, daß die schönste, reichste Erbin in London durch einen russischen Abenteurer dupirt und entführt sein sollte — so verbreiteten die Gerüchte sich doch mehr und mehr. Auch nach dem stillen Schloß unter den hohen Eichbäumen dringen sie, theils durch die Zeitungen, theils durch die Dienerschaft, die von Anderen darüber gehört. Lola leidet tief; doch ihr hartes Schicksal hat ihren Character gefestigt. Sie überwindet die Schande, welche sie früher zu Boden gestreckt haben würde. Nur das Bestreben wächst immer mehr in ihr, sich vor der Welt zu verstecken, Niemandem ihr Angesicht sehen zu laflen. Die arme Pastorswittwe ist schlimmer daran. In dem Maße, wie ihre Tochter an Leib und Seele erstarkt, erschlaffen bei ihr Geist und Körper. Der Keim zu einem Brustleiden, den sie schon lange in sich trägt, wächst in erschreckender Weise. Sie ist noch viel magerer geworden; ihre Wangen sind eingefallen und zeigen die hektische Röthe der Brustkranken auf den Backenknochen; die Stimme ist matt und heiser. Daß der Name, den sie so hoch verehrt, in unwürdigster Weise auf Jedermanns Lippen schwebt, daß ihre angebetete, schöne Lola für immer an einen Betrüger gebunden, verheira- thet und doch nicht verheirathet ist, — über diese grauenhaften Thatsachen kann die arme Frau nicht hinweg. Die Erkenntniß des gefährlichen Gesundheitszustandes ihrer Mutter reißt Lola vollends aus ihrem Grübeln. Sie berath- schlagt mit der Baronin Hastings, was zu thun sei und diese schlägt vor, den allgemeinen Wohnsitz nach Italien zu verlegen, wo der Kranken, wenn auch nicht Heilung, soHoch Erleichterung geschafft werden könne. Lola begrüßt den Vorschlag mit Freuden. Ja, fort aus England, fort von der Gegend, wo man sie so grausam getäuscht, hin an einen versteckten Ort, wo sie einsam und ver- geffen leben kannl In jedem Gesicht, da» ihr hier begegnet, glaubt sie ihre traurige Geschichte zu lesen. Fort, unter fremde Gesichter, fremde Stimmen, fremde Sitten! Die Baronin nimmt die Reisevorbereitungen unverzüglich in ihre energischen Hände. Sie hat die unglückliche Lola so lieb gewonnen, daß sie sich vornimmt, so lange sie lebt, ihr zur Seite zu stehen. Zudem erhält sie fast täglich einen Brief von ihrem Sohne und die liebende Mutter liest zwischen den Zeilen die versteckte Bitte, die geliebte Frau nicht zu verlassen. — — Als die drei Damen, nur begleitet von Lisette, England den Rücken wenden, hat Lola das Gefühl, als schließe ihr Leben ab. Zwar zieht sie einer schöneren, blühenderen Gegend entgegen, einer reineren, balsamischeren Luft; doch für die Frau, die noch vor Kurzem das ganze elegante London zu ihren Füßen gesehen, die sich bereits Herrscherin über Tausende von Unterthanen gewähnt — für sie bedeutet es immerhin ein Exil. XXVIII. In einiger Entfernung des Dorfes Castelamare liegt eine kleine, ganz im italienischen Styl gehaltene Villa. Der Golf von Neapel spült seine blauen Fluthen bis dicht an ihre Mauern. Ein großer Garten mit Cypressen und Palmen, mit duftenden Rosen und versteckten Veilchen zieht sich tief hinein in's Land. Inmitten des dunklen Laubes schimmern Marmorstatuen, plätschern hohe Springbrunnen. Diesen traulichen Platz hat die Baronin Hastings als ihren zukünftigen Aufenthaltsort auserwählt. Hier hat sie mit ihrem seligen Gatten die Flitterwochen, die glücklichsten Tage ihres Lebens, zugebracht. Hier soll Lola die Ruhe des Gemüths, ihre Mutter Erleichterung in ihrem Leiden finden. Gestern Abend ist die kleine Gesellschaft angekommen. Jede der Damen hat ihre zwei Zimmer, Schlafcabinet nebst Wohnzimmer, bezogen, deren Fenster einen weiten Blick auf das Mittelmeer gewähren. Der gemeinschaftliche Salon mit seinen vier großen Fenstern führt direct zu einer weiten Marmorterraffe, welche alterthümliche Vasen mit buntfarbenen Blumen und Schlinggewächsen schmücken. Von hier aus genießt man einen herrlichen Ausblick auf Neapel und den Vesuv. Das ebenfalls gemeinschaftliche Eßzimmer, ein langer, kühler, schattiger Raum, führt zum Garten mit seinen duftigen Blumen und Orangenhainen, in denen kleine Vögel munter zwitschern. Außer Lisette ist nur italienische Dienerschaft im Hause. Keine englische Zeitung kommt über die Schwelle dieses stillen Asyls. Alles, was die Bewohner an die Vergangenheit gemahnen könnte, ist verbannt. Als Lola hier ihren Einzug hielt, kamen ihr unwillkürlich Cleopatras Worte in den Sinn: „Ach, hier gibt es keine Männer zu besiegen!" Sie lächelt bei dem Gedanken. Ach, sie hegt keinen Wunsch mehr, über Männer zu siegen! Was haben die Männer ihr Anderes gebracht, als Sorge, Verrath, unauslöschlichen Schmerz? ... Alle? . . . Nein, Einer ausgenommen! . . . Und sie senkte traurig das Köpfchen. „Wirst Du unsere neue Heimath ltebgewinnen, Mama?" hatte Lola liebevoll gefragt, als sie sah, wie die trüben Augen ihrer Mutter sehnsüchtig über die blauen Wogen und darauf zum klaren Himmel schweiften. „Meine Heimath wird nicht mehr lange hier auf Erden sein," hatte diese leise geantwortet. „Ja, mein Kind, ich werde hier gern leben." Dabei wanderten ihre Gedanken zurück zu dem Clifdaler Pfarrhof, zu den alten Weidenbäumen, zu dem stillen Kirchhof, wo ihr guter Mann zur ewigen Ruhe gebettet lag. . . . Sie hatte ihr Leben lang nur in ihrer Tochter und für dieselbe gelebt. Jetzt, da für die Zukunft dieser Tochter nichts mehr zu hoffen war, da Lola selbst ihr Leben als abgeschlossen erklärte — jetzt hat ihr Weilen auf Erden keinen Zweck mehr. . . . Bulb haben sich alle Drei in der Villa Flora eingerichtet, und ihr Leben gleicht mehr einem Traum als der Wirklichkeit. Sie erfahren nichts von den Stürmen der großen Welt da draußen; die Ruhe, der Frieden beginnen ihre heilsame Wirkung auszuüben. Lola, die früher nur an sich selbst, an ihre Vergnügungen, an ihren eigenen Vortheil gedacht, fängt jetzt an, für Andere zu leben. Ihre Mutter gesund zu machen, der großmüthigen Baronin Hastings die einsamen Stunden zu versüßen — dar find jetzt ihre Aufgaben. Frau March ist zu schwach, um weite Spaziergänge zu unternehmen. Am liebsten steigt sie hinunter zu der alten Pasflonrkirche. Dort, in dem großen, stillen Kirchgarten, unter einem verwitterten, epheuumrankten Kreuz, welches Passionsblumen und Lilien umblühen, weilt sie oft stundenlang und blickt hinab auf das wogende Meer. Von dort aus sieht sie den Segelschiffen zu, wie sie immer kleiner und kleiner zu werden scheinen und schließlich ganz verschwinden. Dann weint und schluchzt sie still vor sich hin, als solle ihr das Herz brechen. Einmal, als sie wieder auf ihrem Lieblingsplatze sitzt, den rechten Arm um das Kreuz geschlungen, die Stirn an den kühlen Epheu gepreßt, geht eine der Schwestern vom nahen Kloster vorüber. „Hat Ihr Herz Kummer?" fragt eine milde, sanfte Stimme. „Ja, sehr," lautet die leise Antwort. „So seien Sie getrost! Sie haben den besten Ort gewählt, um den Kummer zu heilen." Die Pastorswittwe nickt still mit dem Kopfe. Das milde Antlitz und die sanften Worte der Klosterschwester verlassen sie nicht mehr. . . . Lola liebt es, an die weiße Balustrade der Terrasse gelehnt, die Wolken zu beobachten. Soeben schwebt eine dicht zusammengeballte, dunkle Wolke über ihrem Haupte. Wird sie herniederfallen? Oder wird sie davonflattern, weit, weit weg in den blauen Aether? Gedankenvoll blickt sie empor. Da legt sich eine sanfte, zitternde Hand auf ihren Arm. „Du grübelst, mein Kind?" fragt die matte Stimme ihrer Mutter. „O, ich ängstige mich stets, wenn ich Dich in Grübeleien versunken sehe." - 839 — WL * u a y I Sprachen mächtig, so beginnt sie, Lola für diese Künste zu «Wen ich fürchte, Du erträgst es nicht. Ach, Lola, was I interessiren. wir^ k h r.. , . Es ist nicht leicht. Lola ist zu sehr einer jeden Leitung „Nichts, Mama. Ich werde geduldig warten, was der I entwöhnt. Doch nach und nach findet sie Geschmack an den 5 mmesm2in „nu, rxr x .. Spaziergängen, welche die Baronin stets dorthin unternimmt, »Mein Kind I Mem geliebtes, schönes Kind!" schluchzt dis wo das Auge durch Farbencontraste, durch besonders malerische fann ÖOn Deinem fürchterlichen Vorwürfe gefesselt wird. Die alte Dame fängt an, kleine Schicksal befreien? | Skizzen aufzunehmen. Es dauert nicht lange, so erklärt Unt) Lola antwortet, wie schon so ost vorher, düster: I Lola, es auch versuchen zu wollen- rha Mfs , Wenn sie auch nicht gerade viel Talent und Verständniß aÄ o„ät bte^e au^ | zeigt, so werden ihre Gedanken doch von ihren Sorgen ab- "Weffen Tod, Lola?" gelenkt, und der Zweck ist erfüllt. „Meiner ober Jener - es ist gleich." Auch für Musik sucht die Baronin die junge Freundin m Lola, Dein Ton ist so eigentümlich. Was hast zu begeistern. Das ist freilich schon schwerer, da Letztere Du vor? Bist Du hier zufrieden?" gänzlich unmusikalisch ist. Doch nachdem die alte Dame ein* Ein schmerzliches Lächeln umspielt die feinen Lippen. mal zufällig erwähnte, ihr Sohn liebe bie Musik, giebt Lola „Ich muß wohl, Mama. Ich habe meine Strafe ver* I sich die größte Mühe bei ihren Hebungen. d^ut. m I Gerald ist schon mehrere Mal in Castelamare gewesen. Ein tiefer Seufzer hebt die gequälte Brust der Mutter. Er wohnt stets im Dorf und nimmt nur die Mahlzeiten in Hat sts eine so harte Strafe verdient? der Villa Flora aus Besorgniß für den Ruf der geliebten „Und dann, Mama,' fährt Lola mit sanfter Stimme Frau. Jetzt, da sie unter dem Schutz seiner Mutter steht, ist ort, „weißt Du, was ich thue, wenn es mir manchmal allzu sie ihm doppelt heilig. Niemals fordert er sie zu einem schwer wird, zufrieden zu sein?" | Spaziergang mit ihm auf oder zu einer Segelfahrt die felsigen j Ufer entlang. Niemals steht er mit ihr im Mondenschein „Ich bete. Ich glaube, wenn ich früher mehr gebetet, allein auf der Terrasse. Weil er sie liebt, sie liebt mit allen wenn ich mehr an Gott als an die Menschen gedacht hätte, I Fasern seines Herzens, vermeidet er jede Versuchung. Er ver* wäre Alles anders gekommen." gißt nie, daß sie die Gattin eines Anderen ist - gleichviel Die Pastorswittwe faltet die Hände und blickt stumm voll I unter welch' traurigen Umständen. inniger Dankbarkeit gen Himmel. Ihre Furcht, Lola könnte Lola vermeidet fast jedes Zusammensein mit ihm. Sie einst einen verzweifelten Schritt unternehmen, schwindet. I spricht wenig in seiner Gegenwart und zeigt eine Schüchtern- Eine erlösende Ruhe kommt über die arme, schwergeprüfte heit und Zurückhaltung im Verkehr mit ihm, die merkwürdig Frau. Sie weiß, daß ihr Leiden langsam, aber unheilbar gegen ihre frühere Vertraulichkeit absticht. forschreitet. Still und gottergeben steht sie ihrem Ende ent» | Soeben hat die Baronin sie bitten lassen, herunter auf gegen. Jeden Tag fragt sie ihre Tochter: „Was wirst Du die Terrasse zu kommen. Ihr Sohn sei unerwartet ein* anfangen, Lola?" und nickt befriedigt, wenn diese mit einem | getroffen. freundlichen Lächeln antwortet: „Ich werde geduldig warten, Schüchtern betritt Lola den Salon. Helle Röths steigt was der Himmel mir schickt, Mama." j in ihre Wangen bis zu den goldigschimmernden Stirnlöckchen, An einem milden Novsmberabend, zur Zeit des Sonnen* I als Gerald ihr freudig erregt die Hand reicht. Unterganges, den sie so oft mit Wehmuth betrachtet, löscht I „Wir wollen vom Strand aus den Sonnenuntergang be» das matte Lebenslicht endlich ganz aus. Frau March stirbt obachten," sagt die Baronin freundlich. „Wollen Sie uns ruhig, bei vollem Bewußtsein. Bis zuletzt beschäftigt sie der I begleiten?" Gedanke, ob ihr guter Pastor auf sie böse sei, weil sie ihr I Lola nickt schweigend. Geralds unerwartete Ankunft hat Kind nicht besser gehütet habe. Schließlich findet sie Trost I sie erregt. in dem Bewußtsein, ihr Bestes gethan zu haben. Sie faltet l So wandern alle Drei am Seeufer auf und ab, im An* die Hände Über der Brust und murmelt immer wieder: „Ja, I blick des wunderbaren Naturschauspiels versunken. Lichte, ich habe mein Bestes gethan." I rosenfarbene Wolken hängen lose über den Bergen. Die Die Worte werden leiser, unverständlicher. Dann hören l Sonne gleicht einem glühenden Riesenball und scheint den sie ganz auf. Wasserspiegel zu berühren, dessen tiefe Bläue sich dunkelroth Frau March hat ausgelitten. ! färbt- --------- -- ---------| Die Baronin Hastings fühlt sich ein wenig ermüdet. Doch Auf dem kleinen Kirchhof von Castelamare ruht die gute | will sie das Seeufer nicht verlassen, bevor sie nicht die Pastorswittwe von all' ihren Leiden, ihren Sorgen aus. Ein I glühende Scheibe der Sonne in den Wassern hat versinken einfaches Marmorkreuz schmückt den myrthenumwachsen Hügel. I sehen. Sie setzt sich auf das Wrack eines kleinen Fischer- Liebevoll hatte Lola die Mutter kurz vor ihrem Tode | bootes, während die beiden Anderen in ihrer Nähe weiter gefragt, ob sie an ihres Pastors Seite zur ewigen Ruhe gs* | promeniren. bettet sein wolle. Einige Minuten lang hatte bie Sterbende $ Sie sind zum ersten Mal allein seit jenem schreckens* ste mit großen, sehnsüchtigen Augen schweigend angeblickt. I schweren Tage. Es war stets ihr Wunsch gewesen, an der Seite ihres Gatten | Ein eigentümliches Gefühl beschleicht Lola, halb Freude, in Clifdale beerdigt zu sein. Dann hatte sie die Augen ge* I halb Verlegenheit. Massen und leise gemurmelt: „Nein, mein Kind. Ich möchte i „Haben Sie etwas erfahren, Baron Gerald?" fragt sts hier unter den Myrthen und Cypressen schlafen." | hastig. Es war das größte und letzte Opfer, das sie ihrem i Er blickt sie ernst an. „Ja, Lola." Kinde brachte .... I „Was? Was?" Ihrs Wangen glühen; ihre Augen Der Verlust der geliebten Mutter führt Lola erst so i leuchten. Jeder Zug ihres lieblichen Antlitzes verräth ihre recht zum Bewußtsein, was dis Verstorbene ihr gewesen. | tödtliche Spannung- Erst jetzt erkennt sie ganz den selbstlosen, aufopfernden Cha« | „Lord Rawdon hat sich einer Nordpol-Expedition an- raeter derselben. i geschlossen und wird sobald wohl nicht nach-England zurück* Sie ist die ersten Tage nach dem Begräbniß fast apathisch, j kehren." Kaum, daß sie ißt und trinkt. Da verfällt die Baronin j Lola zieht ein wenig die Oberlippe in die Höhe. „Das Hastings auf eins neue Ides. Da sie selber eine hochge* | intereffirt mich wenig." bildete Dame ist mit musikalischem Talent begabt, als Ma* I „Ich habe auch etwas über Orlowsky erfahren," fährt «rin weit über die Mittelmäßigkeit hinausragend und mehrerer ’ et mit gedämpfter Stimme fort. 540 Nr.1 Un GsMeZnnNtziges R ii gut paffen und fo'aufgefetzt werden, daß die Lust nicht feit» wärts an die Flamme gelangen kann. 4. Der Brsnnrina muß fest aufsitzen. 5. Der Docht soll weich und nicht so dicht sein und eine solche Breite haben, daß er leicht einqe- zogen werden kann. 6. Der Oelbehälter ist vor dem Gebrauch der Lampe ganz zu füllen, und bei der Füllung darf nicht eine brennende Lampe in der Nähe sein. 7. Die Lampe ist stets rein zu halten. 8. Das Auslöschen hat nach Hinabdrehen des Dochtes bis zur Höhe der Brenners durch Blasen über den Cylinder hinweg zu erfolgen. 9. Die brennende Lampe ist nicht der Zugluft auszusetzen, also vermeide man mit ihr zu gehen. „Woher wiffen Sie das Alles, Gerald?" „Vom Prinzen G- Sie entsinnen sich, er bewunderte Sie stets, Lola. Bitte, wenden Sie sich nicht ab l fJch muß diese Bemerkung machen, da der Prinz sonst schwerlich so viel Jntereffe an Ihrer Geschichte genommen hätte, um in Peters- bürg an maßgebender Stelle Erkundigungen einzuziehen." „Er hat Erkundigungen eingezogen?' !!• fte nicht umfalle. 2. Die Oelbehälter aus Metall sind denen I heirathen wollte — »°° Glas oder Porzellan 3. D-° -Md.- , “ ! SXÄ ist! G< einen 6 y „2 sinnend zwingen! stehen h Tr »N zmückkel dann — feffelt w Si blickt sic „L Ge diesem e Liebe. Si, in ihren dann m< Sei Doch nu suchung Er rein. $ Sa sie lange , „G bewegt. Zw In Flora h dahin — bringt el kehrt dar Sei blick in Der und seeli Lampe muß "einenschwerenund Fußten'/damit soraen^^saut-°,,@ie «ur für sich zu fte nickt nmfflUt*. 9 D!-> a..» nLL I eine Wittwe zu einem Manne, den sie gern Das mag sein", antwortete er, „aber R-daction- A. Sch-yda. - Druck und »erlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Zur Rettung ungebrannter Speisen. Auch der umsichtigsten Köchin kann es einmal passiren, daß ihr die eine oder andere Speise anbrennt. Ist dies nicht zu weit vorgeschritten und die Speise noch nicht ganz verdorben, so 3«. U«b 6,1 erfahren, daß O-l°m.I, schon w,-d-rh°ll I Tata 5*1^°stl »>-»-» »olstisch-r Umtriebe «folgt mürbe, daß et aber stets S « „ö™ ™„,LV Ut ?)! Ä' Ä reinem Waffer an, decke es über das Gefäß, streue Salz darauf und laffe es eine Weile so stehen. „Von Orlowsky?" wiederholt sie mit bebenden Lippen. „Ist er tobt?" " „Nein." Lola läßt das Haupt auf die Brust sinken. Beide betrachten eine Zeit lang schweigend das Meer; doch weilen ihre Gedanken ganz wo anders. „Ich dachte, ec .märe tobt," flüstert sie dann leise, wie zu sich selbst. „Nein, er ist nicht tobt. Er ist unter die Nihilisten gegangen und man sagt, er sei einer der verwegensten und der schlimmsten." 3« Wem S«Äaff?ÄÄ" JÄXÄ LTÄÄÄ di« Wurzelkrone knapp das Waffer berührt. Ein Mehrauf- RR gießen ist verwerflich, da sonst leicht die Zwiebel von Fäul- bäcktden 'Kuchmundbesiebtibn reLlickmitL.?» 5?^ "iß ergriffen wird. Die Gläser finden am besten im Keller er aus dem O en kommt Oder 2 h?« mit' ÄS Mt &« 8gm Ä b-»t>chen°t, Äit «etieben« » wfiÄÄ S mitten, welch) Ä “ «ÄS ÄJfiFfi ®"™Zb‘125 ®«mm SXS Erwarten das Waffer in den Hyacinthen-Gläsern in Fäul- bevor maniß» in hm nÄÄ ® 34 trüber, niß übergehen, so ist die Zwiebel aus dem Glase zu nehmen T ttt ben Ofen Wt und sind die Wurzeln einzeln sehr behutsam zu reinigen. I ----------— Nachdem auch das Glas gründlich gereinigt und mit frischem I Waffer, am besten Brunnenwaffer, versehen ist, wird die I PeVttttfcBieSu Zwiebel vorsichtig wieder auf das Glas gesetzt. Vielfach ge- V _ / z Weht auch das Treiben der Hyacinthen in feuchtem Moos. Beareiflick 6err- Mi- fnmmt sa6 c«. ®S ** W “* W« S'UPP-Ä fcXÄft »S bi, • • j «nen so lieben, heiteren Eindruck machen?" — Photograph: s zk t-i, wz . * «x . z »Ganz einfach, — weil im Augenblick der Aufnahme der __ -Das Explodieren von Petroleumlampen. Die I Herr Lieutenant eingetreten ist!'' 9 h-tufig vorkommenden Explosionen von Petroleumlampen j • • »erben vielfach hauptsächlich dem Ausblasen der Lampe von j Auch ein Beruf. Herr: „Mir scheint, Ihr Sohn be- oben zugeschrieben. Dies trifft jedoch nach dem Ergebniß | sucht alle Semester eine andere Universität!" — Brauerei- a .der kaiserlichen Normataichungscommission birector: „Das bringt das Geschäft 'mal so mit sich!" — ^A^«^a"»bEhördlichen Ermittelungen nicht zu. Es hat sich I Herr: „Was stubirt er denn?" — „Stubiren? Gar nichts! herausgestellt, baß die Explosionen, die durch das Ausblasen I Er führt nur unser Bier ein!" der Lampe von oben infolge plötzlicher Verbrennung von! • * F^^em^e« im .Bassin entstehen, sehr selten sind und I Auch eine Kritik. Erster Schauspieler: „Denken S?» ÖÄ»6?rn»äne mei£en Sxplk" I Sie, heute Nacht träumte mir, ich spiette den Hamlet." - ' klu'werfen, schnelle Be- I Zweiter Schauspieler: „Dem Himmel sei Dank, daß mir nicht wegung oder Schiefhalten der Lampe u. s. w., ober auch auf j träumte, ich hätte das mit ansehen müssen" eine Ueberhitzung der Lampe zuruckzusühren, wodurch sehr I * • ' Ui^t eine_Entzündung der Dämpfe im Innern des Brenners I Zimmermädchen szum*Bedienten'»- ^obann warum und Oelbchälters hervorgerufen wird. Nach den Feststellungen | macht denn der Herr Baran an seine Visitenkarten ' die er ber ^>"°kaichungscommisfton übersteigt schon unter normalen I abgiebt, immer ein Eselsohr?" — Bedienter- Lum Leichen, Verhältnissen die Temperatur des Dampfgemischs im Brenner I daß er selbst dagewesen" W und Oelbehälter die Zimmertemperatur bedeutend. Um Ex- I * • plosionen vorzubeugen, sind folgende Regeln zu beachten: 1. Die