Donnerstag, den 17. Mai. 1894. <^S----'M—_________ Untrvhaltungsblatt 511111 Siebener Anzeiger (Generalanzeiger) M M. Die Hexe von Bingenheim. Von Gg. Schäfer. (Fortsetzung.) Vierter Kapitel. Schultheiß Schösser, welcher ebenfalls einen Schlüffel zur Marterkammer besaß, hatte inzwischen den gestrengen Justiz- commissarius mit seinem Schreiber und den Henker mit seinen Knechten aus der unfreiwilligen Hast befreit. „Berichte Er, wie die ganze Sache gekommen ist," herrschte Caspari den Schreiber an; „Er hat ja nichts davon getragen, hat Alles genau beobachten können und muß den Vorgang kennen." „Haltet zu Gnaden, gestrenger Herr Commiffariusl" begann der Schreiber ängstlich. „Schon hatte ich mich erhoben, um auf den Schweinehirten loszustürzen, da vernahm ich in der Höhe ein unheimlich Brammen und Knorren als dasjenige einer großen Hummel. Ich schaute auf und sah deutlich, wie zu dem Zuglochs ein kleines, schwarzes Gethier, gleich einer winzigen Fledermaus, herein huschte und sich hinter dem Rücken des Schweinehirten verbargt Als hätte ich einen Schlag auf Haupt und Glieder bekommen, so ging es mir durch den ganzen Körper; ich wurde steif als ein Ochsenstecken, konnte mich nimmer regen und stürzte ganz todtenähnlich zu Boden. Erst nachdem der Schweinehirt mit dem unheimlichen Gethier auf dem Rücken verschwunden war, empfing ich meine Besinnung wieder und allsogleich machte ich Lärm und rief aus voller Kraft um Hülfe. Jedenfalls habe ich viel Härteres erduldet, als Euer Gnaden." Die Zuhörer schauderten; keiner zweifelte, daß der böse Feind in der Folterkammer gewesen und von dem Schreiber erblickt worden war. „Er hat sich beffer gehalten, als ich vermuthete," sprach Carpari. „Run gilt ee, den bösen Feind von der Folterkammer abzuhalten. Wände, Fußboden und Decke müssen mi Gruppen von je drei Kreuzen versehen werden und vor das Zugloch hänget allsogleich drei Kreuze, wir werden dann vor weiteren Einbrüchen des Satans verschont bleiben. Der Feld- scheer soll die Wunde des Schweinehirten verbinden, wir müssen ihm den Prozeß zu Ende bringen, bevor die Sonne untergeht." Es geschah, wie der Hochmögende befahl. Des Nachmittags verhörte das Gericht den todtwunden jungen Menschen, er gestand Alles, was man von ihm verlangte und wurde zum Tode durch das Schwert verurtheilt. Am anderen Tage begann das Verhör mit den drei alten Frauen: der Printzin, ,er Schmack Anna und der Johann Waasen Frau, alle drei von Echzell. Kaum mehr als eine Stunde war für jede der drei Unglücklichen erforderlich, um ihnen mittelst der Folter ms Geständniß auszupressen: sie feien Hexen, hätten mit den beiden Schweinehirten an Hexentänzen, teuflischen Taufen und Abendmahlzeiten theilgenommen, hätten Mäuse, Kröten und Raupen gemacht und in's Feld gelassen und noch vieles Andere- Dieweil sie nun Alles, zuletzt aus Verzweiflung in Güte, zugestanden, wurde ihnen die Gnade zu Theil, daß sie nicht lebendig verbrannt, sonder« zuerst enthauptet und ihre Körper dann erst zu Asche verbrannt werden sollten. Dre Todesurtheile wurden schon am folgenden Tage an den vier Gefangenen vollstreckt. Aber immer noch gab sich kein Anhaltspunkt dafür, wer das Prinzlein des Landgrafen verzaubert und um's Leben gebracht hätte. Besonders verdächtig waren: die Trösters von Echzell, die Gersten Agnes von Echzell, Matthias Schützen Frauen von Gettenau und das Mägdlein von Geiß-Nidda, welches den alten Schweinehirten von Bisses auf seinem letzten Gange verhöhnt hatte. Sie wurden alle vier eingezogen, mittelst der Folter zum Geständnisse gebracht und zum Tode verurtheilt. Matthias Schützen Frauen von Gettenau wurde „lewig" verbrannt. Im Gefängniß saßen noch: Henrich Lobber Frauen von Echzell, Ferber Hüttgen von Echzell, Henrich Benders Frauen von Echzell. „Seyndt im Gefängniß gestorben" steht in dem Verzeichnisse des Schultheißen Hans Görg Schösser. Hiermit waren die Greuel des Jahres 1652 aber noch nicht zu Ende; es folgte eine fünfte Parthie: Georg Mocken Frauen von Sch- zell, Hans Stefans. Frauen von Echzell, Henrich Stoll von Echzell. Auch damit war es noch nicht genug, denn es folgte die secküe Vartbie und zwar der Haubenschneider von Echzell, des Laubenschneiders Weib, denen ein Begräbniß zugestanden wurde. Den Schluß bildete: Heintz Bicken Frauen von Bingenheim, welche verbrannt wurde; wahrscheinlich war sie besonders "^^Dk grauenhaften Thaten des Hexenrichters Caspari werden am besten durch das Verzeichnis des Schultheißen Schösser veranschaulicht. Die Form dieses Verzeichnisses und die Orthographie desselben ist genau beibehalten und lautet folgendermaßen: 9. Brandt. 27. Michil Lotzen Fraue 28. Scheffer Cathrin von Echtzel die Beydte. 29. Die alt Salinesen 30. Die Alt kessil Margreth 31. Die Alt Schusterin, welche die Erst gewest; so Zacheris deß Schreiners Dochter Mann von Lich gericht gehabt, hatte sie dazu Links gericht, aber doch, wohl sein fach verricht, dast kein Mangel gewest. - Nachrichtlich. Nota Diese 3. persohn seindt aus ______Bingenh. gewest,________, Anno 1654. Zu Bingenheimb Ver vrtheilt, Vnd Hingericht wordey: 10. Brandt. 32. Elsbeth Johann Mobsen Fraue, Echtzel. 33. Elsbeth Johann Ludwig Fraue von Bingenheimb, 34. Margreth Alte Wahsin von Bingenheimb, 35. Anna Maria Lob Gela Dochter von Echtzel, wahr vndter der Linden gericht zu Bingenheimb, vndt Vf den kirchhof ahn die Mauer begraben, Nachrichtlich. Den Iten Augusti Anno 1654. Anno 1655. Zu Bingenheimb Vndter der Linden Ver vrtheilt, Vnd Hingericht worden: 12. Brandt. 40. Adam Pefers Fraue Elß 41. Hanß Weilen Fraue Büngat 42. Hartman Wolfen Fraue Elß, Ist gericht, Vndt begraben worden, 43. Michil Hitzbergers Wittb. Elß, Al dise vihr Persohn seindt von Echtzell gewehsen, Den 30. Augusti 1655. Anno 1656. 13. Brandt. 44. Georg Knorr (Sohn von Nr. 22) 45. Gehla Stollin 46. Georg Zimmermann, seindt alle drey Von Echtzell geivest, Zu Bingenh. Vnderm Rathauß ge-- richt, In leicht körber gelegt, Bndt Vf den kirch Hof, am Ende der Mauer begraben worden, zur Nachricht, vnd Exempel daß sich Die Jugent daran, ahn der Verführung stöst, Den 14ten Frb. 1656. Das Kirchenbuch zu Bingenheim weist nach, daß dem Hexenrichter Caspari am 4. December 1653 eine Tochter Sibille Margarethe, am 14. Februar 1655 eine Tochter Toro< thea Sophie geboren wurde, welche am 7. September 1656 mit Tod abging. Am 14. Januar 1657 wurde ihm wieder ein Sohn geboren, der schon am 1. Mai 1657 wieder stack Im landgräflichen Schlöffe erschien nach dem Tode des ersten Söhnleins weiterer Kindersegen. Am 30. Juni 1653 kam eine Prinzessin: Christine Wilhelmine. Dieser folgte am 15- October 1654 ein Söhnlein, welches noch vor seinen Eltern, am 26. Februar 1675, das Zeitliche segnete. Am 5. Septbr. 1655 erschien ein weiteres Knäblein, welches aber an dem- selben Tage verschied. Ein Jahr später, am 13. August 1656, erschien ein Knäblein, welches schon drei Wochen später, am 4. September 1656, wieder starb. Die fürstlichen Eltern waren tief gebeugt ob dieser schweren Schicksalsschläge. Wie kann nur solches zugehen? fragte man sich in allen Kreisen. Es ist nicht anders zu denken, als daß die landgräfliche Familie durch Hexen, Zauberer und Unholde verfolgt und geplagt werde, denn die Herrschaft war so herzensgut, milde und leutselig gegen Jedermann, daß sich die Sage davon bis auf den heutigen Tag, nach mehr denn zweihundert Jahren, unter dem Volke erhalten bat. Dazu waren der Landgraf und seine Gemahlin von trefflicher Gesundheit und wohlgebildet an Leib und Geist, also konnte nur der böse Feind und sein Gelichter all' dieses Unheil stiften und weiter bringen. Auch Caspari sah seine Kinder in r Grab sinken. War es da nicht Pflicht der Beamten und Behörden, den Unholden, Hexen und Zauberern nachzuspüren «n — 222 @ Anno 1652: Vf fürstlichen Befehl, Seindt ahm Peinlichen Halß Gericht alhier zu Bingenheim Ver- vrtheilt, vnd Hingericht worden: Alß volgt: 1. Brandt. 1, Der Schweinhirt von Bisses, welchem der Böß feindt den Halß zerbrochen im Gefäng- niß, damit sein Verhalten nit weiter möcht an tag kommen, Vf einer Schlaufe vf den Breulle geschlesft, verbrannt worden. Im 9br 1652. 2. Brandt. 2. Deß Schweinehirdts Sohn von Bisses, 3. Die Printzin von Echtzel. 4. Schmack Anna von Echtzel. 5. Johann Wahsen Frauen von Echtzel. 3. Brandt. 6. Die Trösters von Echtzel. 7. Gersten Agnes von Echtzel. 8. Mathias Schützen Frauen von Gettenau, Lewig Verbrant worden. 9. Daß Mägdtlein von Geisent Nidda. ___________________ 4. Brandt. NB! Seindt im Ges. gestorben 10. Henrich Lobben Frauen von Echtzel. 11. Ferber Hüttgen von Echtzel. 12. Henrich BendersFraue, Echtzel Lat: 12 P:son, Weiter zu Bingenheimb Ver- vrtheilt vnd Hingericht worden Anno 1652: 5. Brandt. 13. Georg Mocken Frauen von Echtzel, 14. Hans Stefans Frauen von Echtzel, 15. Henrich Stoll von Echtzel, 6. Brandt. 16. Der Haubenschneydter von Echtzel, 17. Deß Haubenschneydters Weib, seindt alle Beydte begraben worden. 18. Heinz Bicken Fraue von Bin- genheimb verbrannt worden. Summa 1652: Seindt auß Bingenheimb, Echtzel, Gettenaue, Bisses vndt GeissentNidda, Hingericht worden, wegen begangener Hexenstücken 18 Personen. Anno 1654. Zu Bingenheim Ver Vhrtheilt Vnd Hingericht. 8. Brandt. 22. Johann Knorr (ältester Gerichtsschöffe) 23. Michil Lotz 24. Die Alt Heppin 25. Ihr Dochter der Heppin, so Henrich Giesenern Verheyrath gewest, Anna. 26. Eichelmann, Johanns Fraue Margreth alle aus Echtzel obbenannt fünf persohn, Hingericht worden den 24. January 1654. Anno: 1655. 11. Brandt. 36. Catharine Johann Winters Weib, 37. Henrich Bendter, 38. Elsbeth Johann Wasen Dochter 39. Ferber Chathringen, seindt alle Vihr auß Echtzel Bürdig gewest, den 18. May 1655. Diese Aufzeichnungen füllen die erste Blattseite des Schöffer'schen Verzeichnisses. Sie bedeuten: ein Meer voll Blut und Thränen; eine Centner- und Bergeslast von Schmerzen, Qual und Pein; eine wüste Einöde voll Seufzer, Kummer und Sorgen; eine Hölle voll Wahnsinn und Verzweiflung; ein Schänd- und Brandmal für Alle, welche bei dem Teufelswerk mithalfen; ein Kainszeichen für jene Weltanschauung und jenes Menschenalter. Wenn nun 18 unschuldige Personen binnen zwei Monaten unter Henkershand eines grausamen Todes sterben, sollte man meinen, das sei der Höhepunkt der Barbarei gewesen. Die zweite Seite des Schöffer'schen Verzeichnisses enthält jedoch einige Zeilen, welche die Greuel in einem ganz neuen Lichte erscheinen lassen, denn das Morden wird jetzt, im Jahre 1653, auf unmündige Kinder ausgedehnt. Das Herz krampft sich zusammen, wenn man diese Zeilen liest, welche hierher gesetzt werden. Außerdem lassen wir die Aufzeichnungen' aus den Jahren 1654 und 1655 in ihrer Form und der ursprünglichen Orthographie folgen: Anno 1653: Zu Bingenhm Vnderm Rathhauß hingericht worden, Vndt Neben ahn die kirch Mauer Vfm kirchhoff, In leichkörber fein bey gesetzt, weil sie kindter, vndt kleinerheit zur Vbelthat verführt worden, NB 7. Gericht. 19. Johann Gottwaltzen kindt 20. Johannes Fauerbacher kindt 21. Henn Reuhls kindt feindt 3. Mägdtlein gewest, zwey von Echtzel, und Eins von Gettenau. Summa Ao. 1653. seindt nit mehr alß beigeietzte drey kinder hingericht worden/ Alzeit Vermeint, sie füllen noch zue Bekehrung kommen, aber kein Hos- nung zu Spühren gewest, biß daß sie Ihr Endt genohmen, zweifelt man nit wegen fleissiges gebetts Vndt abschidt, Vnd fleissiges Ermahnen der Geistlichen sie sollen kinder deß Ewigen Lebens worden sein. allen St Stumpf i So drei Kind haben: C Das Söhnlein schöffen i anderen < Heppin, 5 Eichelmai wurden, des Verz Gerichts^ auch unti Uebi das Proi Gec seines Ebert ®i jhr eine betahn? gat er e hekommei fragt: V gemeint, Bieren x er in ihi jhme get auch in auch nie gehalten, ruhter Kn, Ebert E der Mw „Du ha „daß ist „vom $ „geben.' abgebw Pleibt c Vater j jagens i geläutet oben, r und Eb dann fe El Selbige gegeben (wahrst Magen sagt: < eßen ge Biern c Confro zu erin nahmt, darbey. C; Baltzer ins Ge Lc toten $ stücke e Alter r über H 11. Brandt. Johann Winters toter, arm Wasen Doch- hringen, rch Echtzel Bürdiq Nay 1655. ntb Vndicr der lt, Vnd Hingericht 12. Brandt, i Franc Elß k l Fraue Büngat ilfen Franc Elß, Vndt begraben cgcrs Wittb. Elß, ersohn feintot von ti 1655. 13. Brandt. rr (Sohn von n ermann, on Echtzell geweft, ernt Rathauß gerbet gelegt, Mi f, am Ende der >orden, zur Rachal daß sich Die t der Verführung i. 1656. ach, daß bem eine Tochter Tochter Loro> Ptember 1656 de ihm wieder ' wieder starb, dem Tode des 3. Juni 1653 eser folgte am : seinen Eltern, Ilm 5. Septbr. aber an dem- . August 1656, en später, am ugt ob dieser !che» zugehen? cht anders zu Hexen, Zau- denn die Herren Jedermann, iag, nach mehr ten bat. Dazu trefflicher Ge- ;fo konnte nur Unheil stiften > Kinder inr mten und Be- rchzufpüren in Novelle von Carl Cassau. ■ Leider bricht das Protokoll hier ab, der Schluß ist verloren gegangen. Er läßt sich aber sehr wohl aus dem Bruchstücke erkennen, wie herzlos man mit Kindern in dem zarten Alter von zehn Jahren umging, in der Absicht: Geständnisse über Hexen und Zauberer zu erlangen. ' b@r griff nach dem Hute, lief zur Hinterthür hinaus, sprang über die Planke, eilte auf die schneebedeckte Wiese und auf den Osterhagen zu. Unter der großen Eiche, wo er Hector erschossen, warf er sich in den Schnee und rief verzweifelt: Großer Gott, einem Paul geopfert? Schändlich! schändlich! „Und später?" . , . Er fragte es mit hohler Stimme wie ein Irrsinniger. „Als sie uns zum zweiten Male von Jrenenstem ab- holten, hatte ich Paul gesprochen und unsere Verbindung wurde zu Weihnachten beschlossen!" , Er stöhnte leise: „Also geopfert, Paul Busch geopfert? - 223 — Mn Ständen und Lebensaltern und sie auszurotten mit I Das Verbrechen der Hexerei und Zauberey wurde nach Stumpf und Stiel, wo sie sich fanden? I Karls des Fünften peinlicher Halsgerichtsordnung mit dem So kam es, daß zu Anfang des Jahres 1656 wieder I Feuertode bestraft. Nur in einigen wenigen Fällen kam die drei Kinder in Verdacht geriethen, Hexenstücke begangen zu I Feuerstrafe zur Anwendung. Die Verurtheilten oder deren haben: Georg Knorr, Gehla Stollin und Georg Zimmermann. I Angehörigen, z. B. diejenigen der alten Heppin und deren Das erste der genannten Kinder, Georg Knorr, war das I Tochter Anna, verehelichte Gießener, richteten Bittgesuchs an Söhnlein des Johann Knorr des alten, gewesenen Gerichts- I den Landgrafen, des Inhaltes: es möchte die Hinrichtung ohne schössen zu Echzell, welcher am 24. Januar 1654 mit vier I Brauchung des Feuers vollzogen werden. Andere, wie z. B. anderen Einwohnern aus Echzell, nämlich: Michil Lotz, alte I Johann Eichelmann, baten: es möchte gestattet werden, daß Heppin, Anna Giefener (Tochter der alten Heppin), Margreth I nach beschehener Justification der Leichnam seiner Frau zur Eichelmann (Frau des Johannes Eichelmann), hingerichtet I Erden bestattet werden dürfte. wurden. Diese Personen sind unter Ordnungs-Nr. 22 bis 26 | (Fortsetzung folgt.) der Verzeichnisses aufgeführt. Da Johann Knorr der alte, I _______ Gerichtsschöffe war, ergibt sich, daß die Hexen und Zauberer I auch unter den angesehenen Bürgern gesucht worden sind. ^<4^4-4-*^ Ueber das Verhör mit dem Knaben Georg Knorr besagt I ÖUJUUvlL das Protokoll: George, Knorr Johann Sohn von Echtzell, wie er sagt seines alters 10 jahr, in CanceUaria, befragt: Ob er , ^.nrtfehun. Ebert Gersten und deßen Döchterlein Kenne? Sagt nem. Ob I . T ex k . .. ihr eine Biern geben, wo er Sie bekommen, waß er darin I Die Mge Dame stand erschreckt und verwirrt da; mit betahn? negavit omnia. — Alß jhme hart zugeredet worden, I der einen Hand hielt sie sich, um nicht mederzusinken, am gat er endlich gestanden, daß im Stracken Hauße er Bieren I Clavizimbel fest; mit der andern bedeckte sie die thränenden bekommen, und davon dem Megdlein eine geben hatte. — Ge« I Augen. , , fragt: Worum ers vorhin» leugnen wollen? Sagt, hette nicht I Da sprang Weither auf und frug bestürzt: gemeint, daß diese were. Hierauf examinirt, Waß er in die I »Sie, weinen, theuerste Laura? Bieren getahn, Ob er Schmack Anna gekennt, wie viel mahl I „Ach za, gab sie zuruck, „ich meine, daß ich der Freundes er in ihrem Hauße gewest, Was Sie jhme gelernt, Ob Sie I Herz verwunden muß, denn glauben Sie, Weither, Sie sind jhme getaufft? Sagt, habe Schmack Annan zwar gekennt, were I uns allen als em Bruder theuer und lieb! auch in ihrem Hauße gemeßen, hette jhm aber „naut" gelernt, I «Wie deute ich ^hre Worte? fragte er bebend und trat ÄÄÄÄ uTM “Ä. bl« »b «»'«‘««I» «•«•%. 0,1 M, 8-ut«, ich b-,ch-°-- «r rostmeriaie. ■ „ . Knorr Georgen aber^len P Da faßte sich Laura und entgegnete fest: „Zürnen Sie Ebert Gersten Kmd zhme vorgestellt, Sagt solch Medgen, so I j Weither, daß ich Ihnen nicht angehören, nicht die der Mutter Bericht nach 4. zahr alt und Cathgen Herst: „Er TL f^n!" «Du hust mir eine Biern geben und Tobak darein getahn, I reicht werden kann?" fragte er entsetzt. Dabei hielt er „daß ich krank davon worden, hast mich auch mit einer Brern I , Lehnstuhle gegenüber fest und wankte bei dem Ge- „vom Baum herunter geworffen, und darnach wieder Blumen I ' 7. f{2 J er6ö“t kiffen. „geben." JHe aber sagte: Du hast die Blumen Dir selbst I ^be ich recht gehört?" schrie er dann auf. „Es kann, abgebrochen, Ich habe Dir auch nichts in die Btzrn getahn. darf nicht fein'" 8 9 Pleibt also darbey und leugnet nochmalß, daß de» Medgens Und doch ist's so!" erklärte Laura fest. „Seit vier Vater jhm deßwegen besprochen. Weil nun Ebert wegen des " 6in mit Zustimmung des Vater» dem Amtmann jagens nicht erscheinen können, auch der Sonmagß Feyer em- I öer[0^t[» geläutet worden, und der Bube sonst alle anderen Fragen, wie 45 „ ^uschschrie er nun in ungeheurem Weh laut oben, negirt, habe ihn den Büttel wieder befohlen, I , teKnie. und Ebert Gersten aufm Montag umb 8. uhr beschieden, So- I 1 ^ann Fräulein," stöhnte er — „vergebe es Ihnen — dann ferner fortzufahren.. Gott,"- daß Sie - mit meinem Herzen — ein so schänd- Luna den 8. August. (1655.) I liches Spiel — getrieben haben! — Sie mußten — wissen, Ebert Gerst von Echtzell, an Eydesstatt angelobt, deponirt: I ja Sie über alles liebte!" Selbigen tagß, alß Knorr George seinem Megdlein die Biern I aber fiel Sophie, die wieder eingetreten war, gegeben und es sich darauf fo sehr übergeben und geklagt I sjgertner jn die Rede. (wahrscheinlich hatte fich das Kind durch Wassertrinken den I „Da gehen Sie doch zu weit, Herr Helbig!" sagte sie Magen verdorben), hatte er wieder den gedachten Buben ge- I entschlossen. „Hätten Sie sich eher erklärt, wer weiß, was sagt: Hörest Du George, Du darfst meinem Kinde nichts zu I geschehen wäre. Was hatten Sie für Rechte?" eßen geben, ich Kanns selber, waß hast Du jhme vor eine I ' Auch Laura erklärte abwehrend: Biern gegeben? Der Bube aber hette jhm nichts geantwortet. I „Herr Helbig, schon damals, al» ich Sie in Jrenenstein Confrontato cum puero. Sagt der Bub, Er wisse sich nicht» I roar sch bereits heimlich mit Paul verlobt!" zu erinnern, ohnangesehen Deponent jhme Zeit und ohrt be- I n«k 9« nahmt. Betrohet, jhn virgio castigiren zu lassen: pleibt darbey. Martia den 9. Augusti. Cyriaci Hirtzbergers, des Schmids zu Echtzell buben, Baltzer genant, mit Knorr Georgen examinirt: Sagt jhme in» Gesicht: Du Knorr hast SS 224 B «r. 5< i Ihr ei Brauch zu will T dieser ti lichen! Gnade mein g Ew. Fi meinem wörtlich: «9 Ew Armer 0. undt mit In Unte Pei anererbt« und Uno Lügen-G armen 9 berey ve demniru lichen R ordnung gebracht bevorab alß auc Landesv undt uni eß imtni Um Tauben an den Schlag zu gewöhnen, gibt es folgendes, sich sehr bewährendes Mittel: Man nimmt Backofenlehm, groben Sand, Anis, Wicken, Honig, Menschen- harn und Häringslake, mischt Alles wohl durcheinander, läßt diese Masse sieden, erkalten und setzt sie den Tauben einige Tage vor, bevor sie ausgelasien werden. Sie lieben diesen Geschmack so sehr, daß sie stets an den Ort zurückkehren, roo ihnen solcher Genuß in Aussicht steht. e ♦ ♦ Die Mäuse und Erdratten werden schädlich durch Abfreffen und Abnagen der Wurzeln. Man fängt sie, außer durch Fallen, durch inwendig glasirte Töpfe weg, die man bis an den Rand in den Boden eingräbt. Die Mäuse fallen hinein und können an den glatten Wänden nicht wieder entschlüpfen. „ , ♦ Ziegenkäse. Im Riesengebirge bereitet man Weichkäse aus Ziegenmilch in der Weise, daß man die Milch erwärmt und Lab zusetzt, um sie zum Gerinnen zu bringen; sodann I trennt man die Molken von dem Bruch und bringt letzteren in Formnäpse, welche man 24 Stunden hindurch an einen warmen Ofen setzt, wiederholt wendet und mit Salz bestreut. Dann trocknet man die Käse zwei bis drei Tage und bringt sie in den Keller zum Reifen. 100 Ktlogr. Milch geben etwa 18 Kilogr. Käse. GenrsinirÄtz!ges« Um die Hühner vor dem Fliegen über den Garten- zaun, was sie namentlich im Frühjahre gern thun, abzuhalten, empfiehlt es sich, gut eine Handbreit oberhalb der Zaunspitzen einen Draht zu ziehen, so dünn, daß ihn die Hühner von unten nicht sehen. Derselbe wird an beiden Enden, bei sehr langen Zäunen auch in der Mitte ein oder einige Mal an eigens hierfür angebrachte Ständer befestigt und straff gezogen. Letz- tere müssen oben etwas nach derjenigen Seite geneigt sein, von welcher die Hühner kommen, damit diese, bevor sie mit den Klauen die Zaunspitze ergreifen können, gegen den Draht fliegen. Die Hühner haben nämlich die Gewohnheit, nicht in einem Fluge von unten über den Zaun hinweg zu fliegen, sondern sich erst auf den Zaun zu setzen und dann mit einem zweiten Satz von dort nach der anderen Seite hinunter zu fliegen. Der Draht verhindert dies. VI. Als Weither nach langer Krankheit zu einem neuen Leben erwachte, saßen Reißner und die Mutter an seinem Bette und begrüßten beide mit Rührung seine Genesung. Der Kranke sah bleich und abgezehrt aus, fast wie ein I Todter. Matt reichte er Beiden die Hand und sagte: „Ich lebe und wollte doch so gern sterben! Da fing Reißner an, ihn zu trösten: „Fasse Dich, Werther, armer Junge! Giebt es doch der schönen Mädchen 1 Er nickte und setzte hinzu: „Aber nur eine Laura ! Hast Du bei Sophie Glück gehabt? Ich vermuthe es, weil "" ^Reißne/rief: „Ja, ich bin Sophiens Verlobter! Wollte Gott, ich sähe Dich auch so!" „Ja, Reißner, gab er darauf zuruck, „wenn ich nicht Werther wäre, ich habe fo etwas von der Hundetreue in meinem Charakter, ich kann Laura nie, nie vergeßen!" O, ich könnte ihr fluchen!" fiel nun die Mutter heftig ein "..Sie ist es, die mir den Sohn raubt!" Da richtete sich der Kranke rasch auf: "Mutter, beste Mutter, sage das nie wieder, fluche ihr nicht! Dein Fluch träfe nur mich! Ich wünsche Gottes Segen aus sie herab, Dan? übermannte ihn die Schwäche. Er Zehnte sich zurück und murmelte: „Wer kann dasür, Mütterchen! Es war mein Verhängniß! ES mußte so kommen! Ich bin.so müde io müde' Ach! wer — doch — ewig schlafen konnteI Er lchnte'sich zurück und regelmäßige Athemzüge ver- kündeten seine Genesung. „ , . , ... „Gerettet!" triumphirte Doctor Kugler, der eben eintrat. — (Fortsetzung folgt.) Sagte ich er nicht, daß es schwer halten würde, ein so treues | d.-chs den Wald. | Die Kälte trieb ihn wieder empor. A. „Hui," schauderte er zusammen, da er ohne Oberrock I war, „selbst meine Thränen gefrieren! O, unseliger Tag! I Nomen est einen! ich heiße ja Werther und mir wird- gehen wie dem armen Veilchen: Und sterb' ich dann, so sterb' ich doch Durch sie, durch sie, Zu ihren Füßen doch!" Er declamirte es mit hohlem Pathos und stürzte dann bewuMo ihn Gröhlmann und der Amtmann Busch. Sophie war nämlich gleich zu Frau Helbrg geeilt und hatte ihr den Vorsall mitgetheilt. Da ihr Gatte aus dem Rath- hause war, sandte die erschrockene Frau gleich Gröhlmann binter Wertster her. Auch der eben angekommene Amtmann W «"■ dm» b°Id°M>d»-n °h»tm SLlimmes. In Pauls Schooß barg der Bewußtlose jetzt das Haupt, während Gröhlmann Leute mit einer Trage herbeihalte. Paul war ein guter Mensch. Heiße Thränen fielen aus den armen bewußtlosen Freund hernieder und seine Lippen mein Gott, laß es nur ein gutes Ende nehmen!" Endlich war der Transport des Ohnmächtigen besorgt. Werther lag in einem erwärmten Bette, an dem die betrübten Eltern Platz genommen; auch der alte Hausarzt, Doctor Kugler, ein erfahrener Herr, war längst bei der Hand. „Ein harter Starrkrampf!" meinte er. „Wir müssen b6S Während'der Nacht kam der Kranke zu sich, aber nur um in ein heftiges Delirium zu verfallen. Ost rief er im verzweiflungsvollen Tone: Doctor'Kugler constatirte ein starkes Nervenfieber. Vermischtes. Ein selbstloser Freund. Lean: „Mir ist die Wahl gestellt, entweder ein armes Mädchen zu heirathen, welches ich liebe, ober eine reiche Frau, die ich nicht liebe. Was wurdest Du thun?" — Alfred: „Die Liebe ist das Salz des Lebens, mein Freund. Ohne sie ist Alles eitel. Die Liebe, die wahre Liebe, schafft Reichthum aus der Armuth, Freude aus Schmerz, den Himmel aus dem irdischen Jammerthal." -Jean. „Genug, ich werbe das arme Mädchen nehmen, welches ich liebe." — Alfred: „Brav gesprochen und wie etn Mann! Apropos, möchtest Du mir vielleicht die Adresse der reichen Frau geben, die Du nicht liebst?"* Heiliger Hubertus. Erster Sonntagsjäger (dessen Pulver alle geworden): „Hast Du noch Munition» Zweiter: „Schnaps habe ich noch, aber keine Wurst mehr! . * • Schmeichelhaft. Berliner (zu seinem Verwandten, der ihn besucht hat): „Willst Du heute Abend nich! mal in den Zoologischen Garten gehen?" - Besuch: "Wozu? M I fühle mich bei Euch zu Hause ja gerade so wohl! Siebaction: A. Scheydg. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei Er. Thr. Pietsch) in Gießen,