isehr von » deshalb tahnung: nehmen." Garnison aren, die wgeflen?" itben mit res Herrn - Fritz ll, wo sie et- besitzer. Nark zur 8esitzer. iermtt ge» orstand. t des re- sison nur ishörde. cd tragen, Lagen ge- mltung. tiefernholz >altung. B. ist ein eitdem in rgeflorben, krebsleer, zu besetzen int waren rahlend zu Förschter, jamm mer das thut nicht mehr denn noch '): „Nein, so alten im Klaffen- n geschickt, c niederge- Delirium jetzt machen -ehr gern , ng): »Lat mittags zu n ich Sie ukennungs- rgen. twas anzu- t könnte?" i Sie mir 4 e, 1894. ——s^ ■» Unikephalt-rngsblat^MNT Giehencv Anzeigen (Geneval-Arrzergev) M. 121 Dienstag, den 16. October. Lola. Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen. ------- (Nachdruck verboten.) I. „Zwanzig Jahre bin ich alt und sehe kaum aus, wie achtzehn. O, ich hab' noch lange Zeit für Vergnügungen und Triumphei" Lola ruft es mit einem übermütigen Lachen. Sie steht vor dem großen Krystallspiegel ihres Boudoirs und bewegt nachlässig graziös ihre schlanke Gestalt hin und her- „Wenn Gott will, solltest Du hinzusügen, meine liebe Lola." „Mama, Du kennst das französische Sprichwort: Ce que femme veut —“ Die Dame im Lehnstuhl hebt abwehrend die Hand. „Ich liebe französische Sprichwörter und ihre Anwendung ebenso wenig, wie französische Sitten." Lola lachte. . „Sie sind ein Zeichen unserer Tage, Mama. Gott sei Dank — die alten philiströsen Zeiten haben aufgehört! Das mag damals ganz idyllisch gewesen sein, aber langweilig — langweilig — puh!" „Du scheinst zu vergessen, mein Kind, daß Du in einem Pfarrhause aufgewachsen bist —" Lola seufzt ein wenig. Dann ruft sie mit komischem Ernst: „Ich glaube nicht, Mama, daß ich das je vergessen werde. Freilich, den Eindruck einer strengen Pastorstochter mache ich nicht, wie?" „Gewiß nicht," entgegnete Frau March leise. Und man weiß nicht, ob sie sich darüber freut oder es bedauert. „O, wie will ich mein Leben genießen!" ruft Lola, sich nachlässig auf eine Chaiselongue werfend. „Du kennst doch den Ausdruck „schäumende Lebensfreude", Mama? Ich will diesen perlenden, prickelnden Wein in tiefen Zügen schlürfen und Anderen die Hefe überlassen." Die Pastorswittwe seufzt. „Dein Seufzer sagt deutlich, daß ich nicht Das geworden bin, was Du aus mir machen wolltest," lacht das übermüthige, junge Geschöpf heiter auf. „In der Thal, mein Kind. Wenn ich bedenke, wie Du erzogen worden bist —" »Ich betrachte meine Lebensjahre bis jetzt als eine ver- lorens Zeit," fährt Lola unbeirrt fort. „Unser Pfarrhof war groß, schön, comfortabel, aber — langweilig. Mein guter Mann, Sir Georgs Medfort, war ein vorzüglicher Mensch, l aber — langweilig.....Ich sage Dir nun, Mama: Von t jetzt ab verbanne ich alle Langeweile aus meiner Nähe. Weg damit! Ich Haffe sie!" Frau March schweigt. Sie liebte ihren verstorbenen Gatten aufrichtig. Die Worte der Tochter verletzten sie. Nach einer kleinen Pause sagte sie sanft: „So denkst Du es Dir, mein Kind, aber —" „So will ich es, Mama," entgegnet die eigenwillige junge Dame, den Kopf in den Nacken werfend. „Und was ich will, führe ich gewöhnlich auch aus." Wieder ein leiser Seufzer der Mutter. „Ich Hoffs zu Gott, daß Dein Schicksal ein gutes fein möge, mein geliebtes Kind," flüstert sie, das Haupt der Tochter an sich ziehend. Zärtlich streichelt sie das volle, kastanienbraune Haar, welches, fein und glänzend wie Seide, in langen Locken über die Schultern fällt. „Hüte Dich vor der Klippe, an der schon manches Mädchen, manche Frau scheiterte, Lola!" „Welche Klippe, Mama?" fragt diese leise. Doch schießt eine dunkle Blutwelle in ihre zarten Wangen. „Gefallsucht, Koketterie," entgegnet Frau March kurz. Lola lächelt ein wenig. „Koketterie! ... Was ist Koketterie eigentlich?" „Das ist leicht gesagt. Kokett sein heißt — Liebe heucheln; heißt — mit dem Heiligsten, was Gott in's Menschenherz gepflanzt hat, spielen; heißt — die Herzen der Männer zu gewinnen suchen, nur um sie gleich wieder wegzuwerfen." Jetzt lachte Lola hell auf. „Aber Mama! .... Ich würde Koketterie die echte Lebenskunst nennen." „Ich fürchte fast, sie wird Dein Verderben werden, mein Kind. Wie manchem Mann hast Du schon den Kopf verdreht." „Nicht Einem," ruft Lola heiter. „Mehr als Einem. Denke nur an den armen Candidaten, den Du batest, Dir Gesangsunterricht zu geben. Es war Dir nicht um den Unterricht zu thun, sondern um das Herz des vortrefflichen jungen Mannes." Verwundert hebt Lola den reizenden Kopf. „Du meinst doch nicht Herrn Temple?" fragt sie lachend. „Der hat ja gar kein Herz." „Er ging Deinetwegen nach Afrika," erwiderte Frau March vorwurfsvoll. „Und wurde da unten irgendwo fcalpirt und aufgegeffen. Tralalalalala!" trällert Jene. „Gott bewahre ihn davor!" Und die Mutter, welche keine Spur von Humor besitzt, faltet erschreckt die Hände- Wieder lacht Lola. „Ich bitte Dich, vorsichtig zu sein," fährt Jene zögernd fori. „Du weißt, Du bist schön und klug und besitzest eine große Macht über die Männer." Ein triumphirender Lächeln fliegt wie ein Blitz über das strahlende Antlitz Lolas. Dann sagt sie leichthin: „Die Männer sind unsere natürlichen Feinde. Mögen sie sich in Acht nehmen, wenn ich ihnen gegenüberstehe I Für mich ist das Herz eines Mannes nur ein Spielzeug!" Mißbilligend schüttelt die Mutter das Haupt. „Glaubst Du, ein Mann kann weder fühlen noch leiden?" „Ich hab' noch nicht darüber nachgedacht, Mama. — Hoffentlich können sie es. Doch wirst Du selbst wiffen, auf einen durch Liebe unglücklichen Mann kommen mindestens drei Dutzend Frauen." Frau March hebt warnend die Hand. „Lola, Lola! Du spielst ein gefährliches Spiel. Nimm Dich in Acht!" „Keine Sorge, Mama!" Und Lola nimmt einen französischen Roman zur Hand und vertift sich in denselben. — Ein lustiges Feuer flackert hinter dem silbernen Gitter des Kamins. Die bunten Lampen scheinen wie riesengroße Perlen und beleuchten matt eines der elegantesten und traulichsten Boudoirs von London — Vorhänge und Portieren aus mattrothem Sammet mit zartgelben Spitzen, Möbel aus Rosenholz und blaßblauer Seide, einen weichen, persischen Teppich in den leuchtendsten Farben, einige werthvolle Gemälde und Marmorstatuetten. Das Ganze durchzogen von dem Duft unzähliger Blumen, die überall in Vasen, Etageren und zierlichen Körben stehen, hängen oder die matte Seidentapete emporklimmen. Die beiden Frauen in diesem kosigen Raum bilden einen wunderbaren Gegensatz zu einander. Frau March ist sehr groß, sehr mager, sehr steif und trägt sich stets schwarz — eine Frau mit engem Gesichtskreis, aber festen Grundsätzen; eine Frau, deren ganzes Leben sich in vorgezeichneten Bahnen bewegte und die niemals straucheln konnte, weil sie nie einer Versuchung gegenüber gestanden; eine Frau, die sich ganz und gar nicht zur Erziehung ihrer lebhaften, eigenwilligen, glänzenden Tochter eignete, zu der sie mit einem gemischten Gefühl von Angst, Bewunderung und Ehrfurcht emporsah und deren Empfindungen sie durchaus nicht verstand. Baronin Lolas glänzende Schönheit kommt durch die strenge Einfachheit im Aeußeren ihrer Mutter noch mehr zur Geltung. Kein Maler, kein Dichter hätte an dieser Gestalt etwas aussetzen, sie irgendwie idealistren können. Unübertrefflich ist das herrliche Gleichmaß der Glieder, die zarte Fülle der Gestalt, die Reinheit der Gesichtsfarbe, der goldene Schein des vollen, kastanienbraunen Haares, die graziöse Haltung des zierlichen Kopfes, die Linie vom schlanken Hals bis zur sanft gerundeten Schulter. Was in dem lieblichen Antlitz am meisten auffält, sind die großen leuchtenden, tiefdunkelblauen, von langen, dichten Wimpern beschatteten Augen. Die Brauen find feingezeichnet, gerade und schwarz. Wie sie so dasteht, hoch und schlank gewachsen, gleich einer jungen Palme, im bequemen Hauskleid aus duftigem, mattblauem indischen Mouffelin, ein golddurchwirkter, Spitzen- shawl nachlässig um die weißen Schultern geworfen, die kleinen Füße in orientalischen gold- und perlengestickten Pantöffelchen — bietet sie einen Anblick, der jedes Männerherz höher schlagen lassen muß. II. Clifdale, wo Pastor March lange Jahre hindurch das Seelsorgeramt verwaltet hatte, ist eine ruhige, ernste Stadt, welche niemals vom Fortschritt auch nur gestreift worden war. Jede Fröhlichkeit, jedes moderne Leben sind ein für allemal daraus verbannt. Die Bewohner, fast lauter wohlhabende Leute, leben streng ihren Grundsätzen. Als der Pastor „eine Verbindung schloß" — wie die Damen von Clifdale sich mit Vorliebe ausdrückten, — fiel feine Wahl auf die Tochter eines benachbarten Dorspfarrers, ein gesundes, wohlerzogenes, häusliches Mädchen. Dort in dem düstern Pfarrhaus, unter dichten, alten Weidenbäumen, lebten die Beiden acht Jahre zufrieden und in ihrer Art glücklich, wenn auch äußerst zurückgezogen. Dann wurde ihnen eine Tochter geboren. Die lebhafte Kleine brachte Sonnenschein in die düsteren Räume. Weder der Pastor noch seine würdige Gattin hatten sich jemals durch äußere Vorzüge ausgezeichnet. Die wunderbare Schönheit des kleinen Mädchens erschien Jedermann wie ein Räthsel. Die Pastorin that ihr Bestes, die kleine, eigenwillige Lola zu erziehen. Sie lehrte sie die verschiedensten Gebete, den Katechismus, die biblische Geschichte; sie führte sie dreimal jeden Sonntag in die Kirche — aber das Kind war eine geborene kleine Kokette. Jeder junge Chorsänger im Kirchenchor, jeder Primaner des alten, düstern Gymnasiums auf dem Hügel dort oben, jeder schüchterne Candidat, welcher einmal ihres Vaters Kanzel betreten, schwärmte für sie. Ein Blick jener wunderbaren dunkelblauen Augen, ein eigenthümlicher, theils verschleierter, theils auffordernder Blick — und es war um die Ruhe des armen Jünglings geschehen. Der Pastor kannte die Gefallsucht seiner Tochter wohl. Nach Kräften bemühte er sich, dieselbe zu unterdrücken. Bevor er irgend einen Erfolg erzielt hatte, starb er. Da die Wittwe das Pfarrhaus verlassen mußte, zog sie mit ihrer Tochter zu Verwandten nach London. Hier lernte die siebzehniährige Lola den reichen Baron George Medfort kennen. Nach wenig Monaten schon heirathete sie ihn. Daß er alt war, kümmerte sie wenig — besaß er doch große Reichthümer. Als der Baron ihr zum ersten Mal seine Hand angeboten, hatte sie dieselbe ausgeschlagen mit der lachenden Bemerkung: „Nein, Sie sind mir zu alt!" Doch er war wahnsinnig in das reizende Mädchen verliebt. Er versprach ihr, daß sie die einzige Erbin seines bedeutenden Vermögens sein solle. Außerdem besaß er ein großes Haus in London. Ein paar Freundinnen deuteten zart an, daß der alte Mann nicht mehr allzulange leben könne. Lola gab den stürmischen Bitten nach und wurde Baronin Medfort. Sogleich nach der Hochzeit führte der Baron seine schöne Gemahlin nach dem Continent. Er freute sich nicht lange seines jungen Glückes. Nach einem halben Jahre schon starb er in Rom am Fieber. Lolas Herz wurde wenig durch den Tod ihres Gatten berührt. Auf ihren Wunsch eilte Frau March sofort herbei. Der Baron erhielt ein prunkvolles Leichenbegängniß und einen kostbaren Marmorstein. Dann begaben die beiden Frauen sich nach Venedig. Lola trug die schwärzesten Cropeschleier und die kleidsamsten Wittwenhauben, in denen manch' hilfloses Opfer sich verfing. Während des Trauerjahres lebte ste auffallend zurückgezogen und wahrte durchaus das Decorum. Ein oder zwei venetianische Fürsten, eine Anzahl einfacher Edelleute, ein italienischer Oberst und ein „Mylord" auf Reisen fühlten sich allerdings kurze Zeit ihretwegen sehr unglücklich. Doch das bedeutete nichts. Dergleichen kleine Vorfälle begegnen weit weniger schönen Frauen als Lola Medfort. Frau March hatte während der kurzen Ehe ihrer Tochter in einer hübschen Villa in Clifdale gelebt. Jetzt zog ste ganz zu ihr. Das Haus, welches Baron Medfort seiner Gattin hinterlassen, war eines der vornehmsten und geräumigsten von London. Hier hielt nun Lola mit ihrer Mutter Einzug. Als sie die prunkvollen Räume, die aufgehäuften Kostbarkeiten sah, kam ihr ein neuer Gedanke. „Wir haben die schönsten Ballsäle der Welt!" rief sie und klatschte vor Freude in die Hände. „Ich werde glänzende Feste geben und bald zur Königin der Saison avanciren!" „Zu einer glänzenden Festlichkeit gehört mehr als ein i Ballsaal, mein Kind," wandte Frau March ein. Lola lachte triumphirenb. „Alles Andere wird mir gar bald zugeflogen kommen, Mama. In ganz kurzer Zeit schon werden die Leute sich ebenso um meine Einladung bemühen, wie um diejenige der Gräfin Colvyn. Die Gräfin ist meine Rivalin. Weißt Du Mama —, eine Rivalin muß man haben, will man Mode- Königin sein." Frau March blickte erstaunt auf. „Woher weißt Du das Alles?" fragte sie verwundert. ,.Jm Pfarrhaus hast Du das doch nicht gelernt?" „Gewiß nicht, Mama. Dort lernt ich außer Bibel- sprüchen nur den Unterschied zwischen einem Pastor mit großem Einkommen und einem Pastor mit kleinen Einkommen." „Aber Lola!" Frau March war entsetzt. „Es ist doch wahr," fuhr Lola harmlos fort. „Du hast mir selbst hundert Mal gesagt, ich solle niemals vor der Wahrheit zurückschrecken. Also!" „Aber es giebt verschiedene Arten von Wahrheiten, mein Kind —" „In Deinem System vielleicht, Mama — nicht in dem meinen." Frau March schwieg. Sie hielt es für bsffer, das Feld zu räumen, so lange sie sich noch sicher fühlte. Der Ruf von Lolas ungewöhnlicher Schönheit und ihrem bedeutenden Vermögen war ihr vorausgeeilt. Die tonangebende Gesellschaft hatte entschieden, daß eine schöne Frau — ohne Gatten, der sie controlliren, ohne Kind, das sie in Anspruch nehmen könne — eine wünschenswerthe Erwerbung sei. Zwar bemerkten die Damen, es wäre vielleicht bester, wenn sie nicht gar so schön wäre; aber das ließe sich nun einmal nicht ändern. Die Gräfin Colvyn war einigermaßen in Sorge um ihre Ballkönigin-Würde. Sie hatte während zweier Jahre ohne Rivalin regiert. Doch besaß die Gräfin nicht nur einen Gatten, sondern dieses Jahr sogar einen kleinen neuen Weltbürger daheim in der Wiege. Ihre Chancen verringerten sich bedeutend. Am nächsten Dienstag sollte die Saison feierlichst durch eine Hoffestlichkeit eröffnet werden. Eine entfernte Verwandte des verstorbenen Baron Medfort, die Marquise von Rosedale, hatte sich erboten, Lola bei Hofe vorzustellen und sie so in die Gesellschaft einzuftthren. Frau March ängstigte sich ein wenig vor diesem Debüt ihres Lieblings; doch die junge Schönheit lachte siegesbewußt. III. Ein vollständiger Erfolg! . . . Er ist bereits entschieden, als Lola die Reihe neugieriger Blicke entlang durch den Saal schreitet. Sie schreckt nicht zurück vor diesen bewundernden Blicken. Sie betrachtet sie als etwas Selbstverständliches und lächelt nur ein wenig — ein Lächeln, so süß und bestrickend. Lola kennt die Vortheile ihrer Stellung und rechnet mit ihnen. Ihre Wittwenschaft sichert ihr eine gewiffe Unabhängigkeit. Sie kann Manches sagen und thun, was für ein Mädchen unschicklich wäre. Ruhig und mit vollkommener Ueber- legerheit überblickt sie das Kampffeld. Als sie Ihrer Majestät vorgestellt wird und deren Hand küßt, fragt sie sich, ob sie vielleicht gar einen königlichen Prinzen zu ihren Füßen sehen würde. Die Marquise von Rosedale ist äußerst zufrieden. Sie führt selten junge Debütantinnen in die Höchsts Gesellschaft ein. Es ist zu unsicher, ob sie gefallen. Lolas außergewöhnliche Schönheit hatte sie eine Ausnahme machen lassen und sie bereut es nicht. „Sie erscheinen doch heute Abend zu meinem Ball, liebe Baronin?" fragt sie eindringlich beim Abschied. „Die elegantesten Cavaliere werden anwesend sein." Und Lola sagte zu. Das Aufsehen, welches die junge Frau Vormittags bei Hofe erregt, verdoppelt sich am Abend. Es gibt Leute, die heute nur aus dem Grunde den Ball der Marquise besuchen, um die berühmte Schönheit zu sehen. Das Gerücht war verbreitet, die Gräfin Colvyn sei geisterbleich geworden, als die Baronin Medfort eingetreten, und Fräulein von Hamilton — bis dahin die einzige „Kastanienbraune" — habe vor Erregung mehrere Minuten lang nicht sprechen können. Lola ist mit anscheinender Einfachheit gekleidet. Ein silbergesticktes weißes Atlaskleid mit langer Schleppe fließt in schlichten Falten an den herrlichen Formen herab. Die kost- barsten Brüsseler Spitzen verdecken zum Thsil Nacken und Büste, während Schultern und Arme in vollster SSönheit prangen. Alls Augen folgten der blendenden Erscheinung- Der Goldschein ihres Haares, das Feuer ihrer Diamanten, das leuchtende Weiß ihres Gewandes scheinen die Blicks magnetisch an sich zu ziehen. Die Männer sind in Extase, während die Frauen ihr bittere Feindschaft schwören. Zwei Herren stehen etwas abseits. Der eine, soeben erst angekommen, lehnt nachlässig an dem Sockel, welcher die lebensgroße Venus von Milo trägt. Baron Gerald Hastings ist groß und kräftig gebaut. Starkes dunkelblondes Haar lockt sich über einer hohen, weißen Stirn. Der Mund ist weich und von einem kurzen Vollbart umgeben. Die großen, lachenden blauen Augen blicken frei und offen. Sein Freund, Lord Arno Rawdon, ist ein wenig kleiner und schlanker.^ Er hat etwas von der Schönheit der spanischen Könige an sich. Dunkles, welliges Haar, nachtschwarze melancholische Augen, eine schwach gebogene Rase, darüber fast zusammengewachsene, dichte Brauen, ein energisch geschlossener Mund mit langem, schwarzem Schnurrbart und eine nachlässige Vornehmheit in Sprache und Haltung machen ihn zu der interessantesten Erscheinung im ganzen Saal. „Hast Du schon die junge Baronin Medfort, von der alle Welt spricht, gesehen?' fragt Baron Gerald. Lord Rawdon nickt schweigend. „Ist sie wirklich so schön?" „Vollendet." „Was für einen Eindruck machte sie? Den einer trauernden Wittwe?" „Nichts dergleichen." „Nun, wie ist sie denn?" Lord Rawdon blickt auf. Seine dunklen Augen flammen. „Wie sie ist?" ruft er feurig. „Wie eine Königin, eine Zauberin, eine Hexe! ... Sie ist Alles, was ein Weib sein soll und auch wieder nicht sein soll. Ha, Gerald, frage mich, was die Wellen rauschen, was die Vögel singen — ich könnte Dir eher darauf antworten, als auf die Frage: Wie ist Lola Medfort!" „Sie scheint Dich ja ganz poetisch gemacht zu haben," neckte Baron Gerald. „Du willst sagen „verrückt". Nein das gelingt keinem Weibe. Auch bin ich ihr noch gar nicht vorgestellt. Die Sache war so: Sie ging an Fürst Lartnski's Arm bei mir vorüber. Gerade neben mir löste sich aus ihrem Strauß eine weiße Hyacinthe. Ich hob sie auf und reichte sie ihr mit einer Verbeugung. Sie blickte mich an mit einem Lächeln. — einem Lächeln, welches meine Pupillen festbannte. Viele Frauen haben mich angesehen, viele haben mir zugelächett — aber so etwas habe ich noch nie empfunden. Ich bin ein anderer Mensch seitdem." Baron Gerald lacht. „Du bist verliebt, mein Freund." „Ich bin nicht verliebt," erwidert Lord Rawdon mit einer ungeduldigen Bewegung des Kopfes. „Ich denke nicht daran. Du weißt, ich bin ein Feind der Ehe. Ich habe zu viel unglückliche Ehen gesehen-" „Nun denn?" „Ich weiß nicht, was die Frau mir mit ihren Augen angethan hat." „Ich noch weniger," lacht Baron Gerald. Auf Lord Rawdons Zügen ruht tiefer Ernst. Ä- — 484 - „Ich wünschte, ich hätte sie nie gesehen, murmelt finster. „Unstnn, Arno I Komm', laß uns sehen, ob wir ihr vorgestellt werdens können." „Da ist fiel" rüst Lord Rawdon lebhaft. (Fortsetzung folgt.) GsMernnNtzigss. Hafertrank. Man nimmt l*/2 Pund guten, sauber ausgelesenen Hafer, den man mit frischem Waffer tüchtig in einem Siebe wäscht. Dann wird er in einem offenen, gla- flrten Topfe mit zwölf Liter bis auf die Hälfte eingekocht. Die 6 Liter gieße man durch ein reines Tuch, ohne sehr aus- ; zudrücken, versüße den Trank nach Belieben mit Zucker und Honig, lasse ihn noch einmal kurze Zeit auskochen und hieraus 24 Stunden lang in einem zugedeckten irdenen Gefäße im Keller stehen. Zuletzt gieße man den Trank vorsichtig, um den Bodensatz nicht auszurühren, in Krüge oder Flaschen, die man gut verschließt. Vor dem Genüsse kann man etwas Citronen- saft zusetzen. * , • Maßregel« gegen den Mißbrauch bei dem Verkaufe des »Kunstkäses". In dem Bestreben der „Landwirthschaftlichen Vereine", den echten Milchproducten einen entsprechenden Preis zu erhalten, ist eine polizeiliche Maßregel sehr beachtenswerth. Der Polizeipräfident von Berlin hat folgende Bekanntmachung erlassen: „Nachdem zu meiner Kenntniß gekommen ist, daß von auswärtigen Firmen ein Kunstproduct von Fettkäse aus Magermilch, unter Zusatz von Fetten, welche der Milch fremd find, hergestellt, hierorts häufiger in den Verkehr gebracht wird, mache ich das handeltreibende Publikum darauf aufmerksam, daß derartige Zubereitungen nur unter dem Namen „Margarinekäse," „Kunstkäse" oder unter ähnlichen, keinen Jrrthum erregenden Namen verkauft oder feilgehalten werden dürfen. Zuwiderhandlungen werden auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere des Gesetzes vom 14. Mat 1879 bestraft." Man sollte auch in anderen Städten öfters prüfen, ob stch unter dem echten Käse kein „Kunstkäse" befindet, und dieses famose Product polizeilich bekämpfen oder mit der Marke „Kunstkäse" verkaufen lassen. * , Schimmel von eingelegten Früchten zu entfernen. Der Schimmel muß von den Pflaumen behutsam abgenommen werden. Dann kocht man den Essig tüchtig, falls er zu wenig süß ist, noch mit Zucker auf und gießt ihn kochend über die Pflaumen. Sollte sich nach einigen Tagen wieder Schimmel zeigen, dann muß das Aufkochen des Efstgs wiederholt werden. * * Ein einfaches Mittel, um Gewebe wafser- dicht zu machen. Um Gewebe aller Art wasserdicht zu machen, tauche man sie in eine Lösung von essigsaurer Thonerde und lasse sie trocknen. Für Wollstoffe genügt diese Behandlung; Baumwollen-und Leinenstoffs erfordern eine Nachbehandlung in einem Seifenbads. Die auf diese Weise getränkten Stoffe sollen selbst nach wiederholter Wäsche wasserdicht bleiben und vor den mit Kautschuk und Firniß behandelten Geweben den Vorzug der Durchlässigkeit für die Hautausdünstung besitzen. * * . Häekerle zu bereiten. Zwei Salzhäringe werden von Früh bis Abend gewässert, alsdann gut ausgenommen, von fämmtlichen Gräten befreit und mit einem halben Pfund geräuchertem Speck, einigen Zwiebeln und 3 bis 4 Aepfeln recht fein gewiegt, und mit etwas Pfeffer gewürzt. Falsche Anwendung. Eine Frau begibt stch zuck Arzte und verlangt ein Augenwasser für ihren Mann, dessen Sehkraft sehr Leschwächt ist. Der Arzt verordnet eine Waschung mit Franzbranntwein jeden Morgen. — „Wie geht es Ihrem Manne?" fragte der Arzt nach einiger Zeit die Frau. — „Oh, nicht gut", lautete die Antwort. — „Er hat sein Möglichstes gethan, aber er hat das Glas niemals höher als bis zu seinem Munde bringen können!" * e * Deutlich. An der Table d'hote eines Hotels in einem bekannten Bade wurden Forellen gereicht. Ein Rücksichtsloser nahm so viel, daß nicht anzunehmen war, sie würden für die ganze Tafel ausreichen. Berthold Auerbach, welcher mit zu den Gästen zählte, fixirte den Mann scharf und fragte endlich: „Wissen Sie auch, was das ist, mein Herr, wovon Sie da nehmen?" — „Das ist Forelle", war die Antwort. — „Nein, mein Herr", sagte Auerbach, „das ist for alle!" » ♦ * Vorsichtig. Jagdpächter (bei einer Treibjagd auf Rothwild, welcher eine Unmasse von Schützen beiwohnen): „Meine Herren, mit der Kugel wird unter keinen Umständen ins Treiben geschossen!" — Banquier Silberstein: „Gott sei Dank! Werd ich mich also stellen lassen recht tief hinein ins Treiben!" * ♦ * Verschnappt. Bäron (zum neuen Diener): „Wenn meine Gemahlin etwas befiehlt, dann haben Sie ebenso schnell und unbedingt zu gehorchen, wie ich!" Kerbst. Verstummt ist nun der Vögel Lied, Die B!älter fallen von den Bäumen; Der Storch, die Schwalbe südlich zieht, In der Natur ringsum ein Träumen. Dis vielen munt'ren Sänger all' In Wald und Feld, hoch in den Klüften, Dis Lerchs, Amsel, Nachtigall, Sie trillern nicht mehr in den Lüften. Nur auf dem Felds weit und breit Herrscht frohes Treiben, munt'res Leben. Der Herbst ist da! Dis Erntezeit! Die Traube pflückt man von den Reben. Der Landmann schaut mit frohem Blick Auf seiner Saaten reiche Ernten; In Gottes Hand lag all sein Glück, D'rum will er dankend Lob ihm spenden. Und fröhlich zieht zum grünen Wald Der Jägersmann, um dort zu jagen; Hirsch, Fuchs und Härlein, ach, wie bald Hat eure Scheidestund' geschlagen! Willkommen, schöne Erntezeit, Mit deinen Früchten, deinen Garben! Du bist's, die jedes Herz erfreut, Und uns bewahrst vor Roth und Darben. L. Roloff. Siedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen,