AneevhaltttngLblcrtt )um Giehenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev) Hl SÄ-Ei Samstag, Le« 15. December. —i——■i|7”K "■l!"."BS™B.■'"■■■■l J!H " ■ ■■ 1 !■■'!»■ XBL1!!Bfa Rechte Liebe. Novelle von H. Limpurg. (Schluß.) Ada saß tief versunken in einen Brief ihrer Freundin, Marie von Pohl, die ihr enihustastisch über ihre Verlobung mit Rittmeister Werder schrieb. „Du glaubst gar nicht, wie selig ich bin," schrieb die junge Dame, die noch immer in Wiesbaden sich befand, „alle Tage ist eine andere Gesellschaft zu Ehren unserer Verlobung und ich habe so viele hübsche Toiletten dazu, daß mein Bräutigam ganz erstaunt darüber ist. Wir werden im Frühjahr heirathen und bann eine schöne Reise machen, auch viel Geselligkeit, Theater und Concerte besuchen, das ist meine größte Seligkeit und Werder thut Alles, was ich will. Ec ist wirklich nett und ganz anders, als damals jener langweilige Husarenmajor aus dem Manöver, wie hieß er doch gleich." Ada ließ den Brief sinken; der Name jenes „langweiligen" Mannes stand ja in Feuerlettern tief drin in ihrer Brust gegraben; sie konnte nur bedauernd die Achseln zucken über die Freundin, welche so himmelweit von ihr selbst verschieden war! Am nächsten Morgen erhielt sie eine entzückende Weih- nachtskarte, aus der unter Christrosen und Eiszapfen mit festen, eleganten Zügen rin Name hervorblickte: „Albrecht Sendrach, Major und Schwadronschef im . - • ten Husarenregiment." Strahlend und erröthend zeigte das junge Mädchen ihr Geschenk der Mutter und flog dann hinauf, um es auf dem Herzen zu bergen. Der Wagen rollte gegen Mittag zur Bahn mit dem Echloßherrn und Ada, um Graf Traunstein abzuholen. Er war ein munterer, jovialer Mann Ende der Dreißiger, welcher grüßend sich aus dem Coup6e bog. „Willkommen," rief er heiter, als er den Zug verließ und schüttelte kräftig des Schwagers Rechte» „nun, alter Knabe, sehen wir uns nach so langen Jahren endlich wieder? Ja, solch' unglücklicher Majoratsherr wie unsereins hat wenig Zeit zum Reisen und muß an seiner hochgeborenen Scholle kleben. Wenn'» nur auf dem Traunstein nicht so einsam wärel Ah, und hier ist mein Nichtchen Ada! Tausend, welch'schöne junge Dame bist Du geworden; da darf solch' alter Onkel wohl gar nicht mehr eine Umarmung wagen?" Aber er schloß dennoch das schöne Mädchen in die Arme, daß sie lachend beinahe in seinem Pelz versank. „Nun komm', Onkel Eduard," rief sie endlich athemlos sich losmachend, „wir wollen heim, denn es ist etwa» kühl, hier sich zu begrüßen. Mama wartet mit der Suppe." Im Stillen freilich dachte die treulose Nichte, wie sehr viel schöner es wäre, wenn Jemand anders neben ihr im Schlitten säße, als der heitere Onkel, aber sie fühlte das Weihnachtsbild auf dem Herzen und lächelte. Sie hatte ja eine so felsenfeste Hoffnung, daß die Christrosen auch ihr erblühen würden und deshalb leuchteten die blauen Augen auch so selig und lächelten die rothen Lippen. Onkel Traunstein aber konnte keinen Blick von der lieblichen Nichte verwenden — und in sein einsames Herz schlich sich leise, ganz leise ein Hoffnungsstrahl für künftige Tage. Armer Onkel Eduard! Frau von Bärfeld begrüßte gleichfalls jubelnd den langersehnten Bruder, aber sie winkte auch ihrem Gemahl geheim- nißvoll lächelnd zu. „W r werden ein wunderschönes Fest feiern," flüsterte sie im Vorbeigehen, „es soll Alles sehr gut gelingen." Am nächsten Morgen schmückten Onkel und Nichte den Baum unter allerlei Scherz und Neckereien. „Mädchen!" rief der Graf bewundernd, als unter den emsigen, schlanken Fingern das Tannenbäumchen sich feenhaft verwandelte. „Dich könnte ich auf dem Traunstein brauchen. Willst Du nicht meine Frau werden?" ME „Und meine eigene Tante!" Ada knixte schelmisch. „Ich danke für den Heirathsantrag ex abrupto und warne Dich, mich nochmals in Versuchung zu führen." „Du bist eine Mamsell Uebermuth," drohte der Graf, „ich bin ja viel zu alt für solch' Backfischchen, welches fich eben erst in der Welt umsteht" Eine glühende Röths färbte das Antlitz des jungen Mädchens und sie sagte etwas unüberlegt hastig: „O nein, Onkel, ich heirathe gewiß nur einen älteren Mann und keinen faden Lieutenant." „Das wird Papas Geldbeutel sehr angenehm sein," brummte der Oheim, „denn die Portemonnaies der Herren sind meist so fade und leer, als sie selbst." „Da ruft die Mama." fiel Ada rasch ein, „ich komme gleich wieder; bitte, mache doch die Lichter an den Zweigen fest. Ich bringe Dir auch zur Belohnung etwas Marzipan mit." „Sie ist allerliebst," brummte Traunstein, „aber ich weiß doch nicht recht, ob sie mich nehmen würde. Es steckt irgend etwas in dem Blondköpfchen bei aller Unbefangenheit!" Die Glocken läuteten feierlich, die Christnacht war zu Ende und die Schloßherrschaft schritt heim- Die Eltern gingen voran und Onkel Eduard führte seine Nichte, deren ganze 586 in die A' gellop*' sprühende Heiterkei' tiefen Niederges^ der Weihnaä- ■ traurig, Kind?" frug Graf Traunstein Zimmel hängt Dir voll goldener Farben, Du aunge des Lebens; was sollte dann ein einsamer -em Male vorbei war und einer tz gemacht hatte. Beim Glanz Kirche waren ihr die Thränen ..o das Herz hatte heiß sehnsüchtig wie ich sagen?" .mnen im großen Saale bauten der Baron und seine .ahlin die Christbescheerung aus, es klang mitunter ein ^anz eigenthümlich klirrender Ton heraus, dazwischen unterdrücktes Lachen. Im Wohnzimmer aber saß der Graf und feine Nichte im munteren Gespräch, denn sie hatten Beide sich wieder beherrscht. „2ßir Jüngsten dürfen nicht hinein," meinte der Onkel, „wer weiß, was sie uns da drinnen aufbauen. Bist Du nicht neugierig, Kleine?" „O nein!" Ada schüttelte gleichmüihig das blonde Köpfchen. „Wahrscheinlich ein Kleid, ein Buch, ein Schmuckstück oder etwas Sehnliches." „Höre, liebes Kind, das klingt denn doch zu philosophisch für Deine Jahre; ich komme auf ganz eigene Gedanken „Laß das, Onkel, man soll nicht Empfindungen nachforschen, die im Herzen ruhen." Ada war sehr bleich geworden und der Blick, den sie auf den Oheim richtete, schimmerte feucht. „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus," citirts der Graf. „Uebrigens fehlt solch' einsamem Junggesellen wie mir auch die Gelegenheit, Gedanken auszutauschen." „Trägst Du so schwer an dem Alleinsein, Onkel Eduard, in letzter Zeit war mir nichts lieber als das." «Ich sag' es ja, Fräulein Nichte, auch wenn Du es nicht Wort haben willst: Hangend und bangend in schwebender Pein „Still, Onkel l" Jetzt fuhr Ada krampfhaft in die Höhe und lauschte nach der Thür. „War das eben nacht Sporengeklirr ?" „O bewahre, wie käme das hierher? Es müßte sich denn der Weihnachtsmann für unsere liebe Ada in Uniform gesteckt haben." „Nein, Du hast recht, ich irrte mich wohl." Sie sank entmuthigt in den Stuhl zurück und seufzte schwer. Wie thöricht, zu denken, daß Er hier sein könne! Da klang hell und lockend von drinnen her das Glöckchen, die Dienstboten traten ein, die Thüeen flogen auf und — da stand neben dem flimmernden Tannenbaum eine hohe, stattliche Gestalt mit leuchcendem Antlitz! Weit, weit breitete Albrecht Sendrach seine Arme aus und Ada flog mit einem einzigen jubelnden Schrei hinein, um das glühende Gesichtchen zu bergen am Herzen des geliebtesten Mannes. Einen Augenblick wurde es still im Saale, kein Auge blieb trocken und erst Onkel Traunstein löste den Bann. „Was blasen die Trompeten Husaren heraus," declamirte er mit Pathos, aber tief drinnen in der lustigen Stimme klang ein fast wehmuthsvoller Ton, „das war also der sparen- Kirrende Weihnachtsmann, der das Herzchen der kleinen Nichte besetzt hielt. Alle Wetter, ein stattlicher Mann — und nimmt mir gleich meine zukünftige Gräfin vom Traunstein fort." „Eduard," sagte die Baronin, sich an den Bruder lehnend, „wie freue ich mich, daß Du diesen Moment des Glückes mit uns erlebst! Ich muß mein Kind bald von mir geben, aber ich thu's von Herzen gern, denn Major Sendrach ist ihrer werth. Es ist ein edler, goldtreuer Mann." „Nun denn: Vivat hoch, ich gratulire, Frau Majorin," lachte Traunstein, das erröihende Bräutchen umarmend, „ich hoffe, mein sehr verehrter Herr, Sie werden nichts dagegen haben, wenn ein alter Oheim Ihr Kleinod auf die Stirn küßt!" Das war ein seliger, fröhlicher Weihnachtstag! Ada wußte nicht recht, ob sie wache oder träume, sie blickte immer wieder auf Albrechts stattliche Gestalt, ihre Hand^, stahl sich in die seine und der leuchtende Blick frug immer wieder zu j ihm auf: „Jst's denn wahr, Du liebst mich? Du hast mich 5 an Dein Herr genommen von nun an bis in alle Ewigkeit?" „Mein Lieb," sagte Major Sendrach nach dem Abend- effen, als er neben Ada unter'm Christbaum stand, „ich habe Dir auch noch etwas mitgebracht." „O, zeig' her, wenn's von Dir kommt, lieb' ich's schon jetzt." Und der ernste Mann zog eine goldene Kapsel hervor, um sie der Geliebten zu geben. Aus derselben schaute eilt süßes, herziges Kindergesichtchen heraus und Ada jubelte entzückt: „Dein Kind, mein Albrecht, unser süßes Kleinchen. Gott behüte es und helfe mir, daß ich ihm eine treue Mutter werden möge." „Ich wußte es, Liebling, und deshalb begann ich damals Dich zu lieben. Ja, wir werden sehr, sehr glücklich sein — die Sternschnuppe hat mir's damals verheißen und die Apfel« blüthe, die ich auf dem Herzen getragen seit jenem Ballabend, wiederholte es mir, so oft ich sie an die Lippen zog, um sie zu küssen." „Weißt Du noch, Albrecht, wie Du mir einst gesagt: Wenn Menschen auseinandergeh'n, dann sagen sie: Ans Wieder- seh'n! — Und doch hätte ich nimmermehr gedacht, daß er so wunderherrlich sein könnte!" „Mein Lieb und mein Stern!" flüsterte Sendrach, die । weiße Stirn Adas küssend. „Ich will's zu verdienen suchen, dies selige Glück. Dein Glück soll meines Lebens ganzer Inhalt fein." - Drüben schauten zwei ernste Männeraugen nach der Gruppe unter'm Tannenbaum; Onkel Eouard fuhr leicht mit der Hand über die Stirn und sagte bitter zu feiner Schwester: „Ich Thor, daß ich zu tief in Deines Kindes Märchenaugen geschaut und gehofft, mein einsames Leben sollte noch glücklich werden! Hm, es muß überwunden werden und doch läßt auch der reife Mann nur ungern von einer schönen Hoffnung. Wie glücklich Ada ist!" Die Pariserin und ihre Schneider. Von Olga Wohlbrück. Die Pariserin, d. h. die reiche oder wenigstens die aufwandtreibende „chike", elegante Pariserin hat meist vier bis fünf Schneider. Im Ganzen weist Paris nenn Schneider allerersten \ Ranges auf, deren Namen allbekannt sind und aus deren | Ateliers jährlich Toiletten im Gesammtwerthe von etwa z5 Millionen Francs heroorgehen. Die Pariserin läßt sich ihre Staatsrobe bei dem Einen machen, der einen jährlichen Umsatz von sechs Millionen hat, ihre Promenadentoiletten bei dem Anderen (Umsatz vier Millionen), ihre „chiken einfacheren Kleidchen" (Petites rohes) bei einem Dritten (Umsatz zwei Millionen) und ihre Reit- und Sportcostüme wieder bei einem Specialisten, dessen jährlicher Umsatz sich ebenfalls auf zwei Milionen beläuft. Das Budget aller Pariser Modesalons, der großen wie l der kleinen, beträgt beiläufig dreißig Millionen. Freilich sind l. es nicht die Pariserinnen allein, welche dieses Geld für die l Toiletten ausgeben; die Frauen aller Länder und besonder» 8 dis Amerikanerinnen tragen mit bei zu dem kolossalen Umsatz. । Sie bilden sich eben ein, daß die „Pariser Toilette" die l Toiletten aller übrigen Städte an Eleganz übertrifft und be« | zahlen eben diese Einbildung. Der eingebildete Werth ist ja I bekanntlich der größte. Die Pariser Schneider wissen da» und sind raffinirt ? genug, um aus diesem Umstand Nutzen zu ziehen. Manchem x Ehemann, der seine Güter verkaufen muß, um die Totietten- | schulden seiner Frau zu bezahlen und die Einkünfte ihres | „Faiseurs" zu vermehren, sagen die Herren Schneider lächelnd : „Sie dürfen sich eigentlich über die nur scheinbar hohen s Rechnungen nicht wundern. Sie zahlen nicht nur für mich, - sondern auch für die Vielen, die — gar nicht zahlen." 587 Man glaubt es gar nicht, wie viele elegante Frauen es in Paris gibt, die sich die kosibarsten Roben bestellen, eine verhältnißmäßig geringe Anzahlung leisten und dann plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwinden- s' Es gibt auck Andere, die außer Stande sind, Paris zu verlaflen, keinen Credit mehr bei einem Schneider finden und sich dann — vor Verzweiflung das Leben nehmen So hängte sich vor einigen Wochen eine Pariser Schönheit an der . der einen oder anderen Dame sagen: „Ihre sJu. schon eine beträchtliche Höhe erreicht und wir haben noch die kleinste Anzahlung erhalten. Statt dessen bestellen Sie immer neue Sachen. W>r müssen Ihnen erklären, daß Ihr Credit erschöpft ist " Das sind doch recht unliebenswürdige Worte, nicht wahr? Worte, die jede feinfühlige Frau verletzen müßten! Aber die eitlen, putzsüchtigen Frauen, die nur Toiletten und immer wieder Toiletten haben wollen, sind nicht feinfühlig. Sie bitten, sie demüthigen sich mit Thiänen im Auge ... und wenn sie sehen, daß wir bei unserer Weigerung beharren, ihnen Neues anzuschaffen, bevor nicht wenigstens ein Theil der fälligen Rechnung beglichen ist, dann schlagen sie plötzlich um, werden impertinent, ja sogar grob, je nach dem Grad ihres Temperaments und ihrer Erziehung. Hier, diesen Morgen, erhielt ich von einer Dame aus der besten Gesellschaft als Antwort auf eins Rechnung von mehreren Taufend Francs, die schon seit Monaten fällig, folgende Zeilen: „Wenn ich meine Rechnung haben will, dann werde ich sie schon selbst verlangen." „Es kommen aber auch Briefe von Frauen, die ganz den Kopf verloren haben, die einen in den dsmüthigsten Ausdrücken um Geduld bitten, die einen beschwören, die Zihlung nicht auf einmal zu verlangen. . - - „Aber doch wird es uns leichter, als Sie glauben mögen, uns gegen diese Bitten zu wappnen. Wir lieben die Frau im Allgemeinen — das bringt so unser Beruf mit sich, — weit weniger aber diejenigen, die bei uns ein« und ausgehsn. Wir sehen sie ebenso ungern, wenn sie ihre Wahl treffen, ihre Roben anprobiren, wie wenn sie am Spieltisch in Monte Carlo stehen und auf rouge ober noir lauern." So weit die Bekenntnisse des großen Pariser Schneiders, der aus ihnen — man mag sagen, was man will — beinahe als ein Frauenfeind hervorgeht- Um aber die Damen mit den Pariser Schneidern auszusöhnen, möchte ich noch eine kleine Episode mittheilen, die einen characteristischen Beitrag zur Auffassung von Pflicht und Ehre eines großen Couturiers bildet. In Havre sollte ein großer Ball stattfinden, zu dem-ein großer Schneider einer vornehmen Dame ein Kleid versprochen mit der Zusage, es ihr selbst zu bringen. Die Robe wird im letzten Augenblick fertig. In rasendem Tempo führt das Coupe — jeder große Schneider hat natürlich fein Coups — den Couturier und den mit einem umfangreichen Carton be» \ ladenen Diener zum Bahnhof. Vor wenigen Minuten ist der Zug abgedampft. Tableau- Vatel stieß sich, als seine Kochehre engagirt war, den Bratenspieß in's Herz; nun müßte man annehmen, daß sich. der Schneider mit seiner Scheere das Leben nimmt. Weit gefehlt! Er bestellt einen Extrazug, der ihm 2500 Francs kostet, und trifft mit der Robe pünktlich zur festgesetzten Zeit, zwei Stunden vor Beginn des Balles, in Havre ein. Etwas nun hätte ich sehen mögen: Die Rechnung für die Balltoileite! ______________ GsMsiMiMtziges« Auf die Gemüse in den Ueberwinterungsgruben und in den Kellern muß man jetzt große Sorgfalt verwenden, eifrig lüften und alle faulenden Blätter entfernen. Gemüse, welches im Sand eingeschlagen ist und welk werden will, 588 wird leicht begossen. Wintersalat, überhaupt Wintergemüse. | wird bei herrschender schneelose' teilte bedeckt, am besten mit I Fichtenreisig. Wo solches ‘ NN anderes grobes Reistg | oder Stroh verwendet man durch aufgelegte Latten, Baumpfähl- »schwert, damit es vom Winde nicht en' e ? L v . . im Zimmer. Wenn man ein ^mzelball n in einen Topf oder Kübel . ... .»en Weihnachten in ein geheiztes Zimmer udtt sich bei 14 bis 16 Grad E. die Blüthen L bis 4 Wochen. Den Strauch muß man von M an täglich 2 bis 3 mal mit lauwarmem Wasser übet» ,-Ätzen und die Eide hinreichend feucht halten. — Auch Fliederzweige mit starken Blüthenknospen können, nur in Wasser gestellt, zur Blüthe gebracht werden, doch bleiben die Blüthen dann nur klein. Zur gefälligen Notiznahme für stark Vermummle und leicht Besohlte. Eine alte, viel zu wenig beachtete Gesundheilsregel für die herrschende und «och mehr sür die kommende winterliche Jahreszeit sagt: Kopf srei, Füße warm! Wie ost wird dagegen gesündigt! Häufig sieht man schon bei einigen Grad Kälte Erwachsene nnd Kinder des schönen Geschlechts mit einer Umwickelung von Shawls und Tüchern eine Extra»Schwitztour erfahren, als gelte es Schutz gegen russische Kälte. Solche „Einmummelei" ist thörlcht. Sehr wichtig ist es dagegen, auf warme und trockene Füße zu achten. E tern und Erzieher mögen nicht nur genau darauf achten, daß die Stief.lsohlen und das Oberleder des Schuhwerks heil und ganz sind, sie mögen auch ihr Augenmerk darauf lenken, daß das Schubzeug der Jahreszeit entsprechend ist; der Eleganz ist im Winter Festiakeit vorzuziehen. Ein ungemein einfaches M-ttel, in trockenem und heilem Schuhzeug warme Füße zu bekommen, das auch der Aermste sich leisten kann, können wir noch empfehlen. Es besteht darin, daß man ein mehrsach zusammengefaltetes Stück Zeitungs- oder sonstiges Papier in den Stiefel oder Schuh legt. Der Erfolg ist ein ganz überraschender, selbst Fuße, die vorher kalt waren, werden bei Anwendung des Mittels stets warm bleiben. Warme Füße gehören aber unbedingt zum allgemeinen Wohlbefinden, zu vermeiden ist dagegen „warmer Kopf." Der Zucker und die Kinder. Mütter klagen häufig darüber, daß ihre Kinder an einem sauren Magen leiden. Wissen die Mütter wohl, wie man Essig macht? Man braucht nur Zucker mit Wasser zu mischen und die Mischung warm zu erhalten. Emen sauren Geschmack im Munde nach dem Genüsse von Süßigkeiten kann man sehr häufig an sich selbst bemerken. Es ist die Säure, welche durch die Gährung des Zuckers gebildet ist, und die im Munds gelassen, sich mit dem Speichel vereint, um die Zähnchen der Kleinen zu verderben. Stückchen Zucker oder Kandis, welche man zwischen den Zähnen gähren läßt, zehren das Email den Zähnchen gerade so aut weg, wie sauer eingemachte Pckles. Em Kmd, welches mit Süßiakeiten versehen wird, verlangt gerade nach sauer Eingemachtem oder einem ähnlichen Gegenmittel. Aber vollständig und gut genährte Kinder sind mit emfacher, gut zubereiteter und abwechselnder Kost zufrieden, bleiben gesund, von Zahnschmerzen bewahrt und behalten ihre ZWrchen, um die genossenen Speisen gut verarbeitet in den Magen gelangen lassen zu können. Durchsichtige Spiegel. Das Glas ist das Mittel, wodurch ein wesentliches Lebensbedürfniß, das Licht, in unsere geschützten Wohnräume Zutritt hat; wrr empfinden aber ost den llebelstand, daß mit dem Licht auch das Auge Dritter in Räume eindringen kann, wo wir es nicht wünschen- Diesem Uebelstande wird nun durch eine Erfindung abgeholfen, welche einen großartigen Fortschritt in unserer Spiegel'Jndustrie bedeutet. Herrn Rost inHalberstadt ist es gelungen, einen Spiegel zu erfinden, welcher auf der einen Seite alb s wiederspiegelt, aber durcisichtlg ist, wie gewöhnliches Glas. Wen« man sich dieses Rost'sche Spiegelglas in einer Corridortbür denkt, so ist also dem im Corridor Befindlichen die Möglich, feit gegeben, ohne selbst gesehen zu werden, den draußen Stehenden ohne irgend welchen St t-Berlust zu beobachten, während der Letztere lediglich einen Spiegel vor sich hat, wobei es ihm aber selbst unmöglich ist, den dahinter Stehenden zu sehen. Es bedarf kaum der Erläuterung, wie vielfach diese werthvolle Erfindung Anwendung finden kann. ♦ ♦ ♦ Ein beliebtes Weihnachtsgebäck sind Zimmt- sterne. 9 Eiweiß zu Schnee, 1 Plund feing,siebter Zucker mit einander verrührt, den Saft einer C'trone und 30 Gramm feinster Zmirnt dazu Stunde gerührt. Eine Kaffeetasse davon zur Glasur abgenommen. Unter die übrige Masse mengt man 1 Psund gewiegte und gebrannte Mandeln, rollt den Teia fingerdick aus, stickt Sterne aus und legt sie auf ein mit Wachs bestrichenes Blech. Sind die Sterne übertrocknet, trägt man die Glasur auf und bäckt sie bei sehr mäßiger Hitze. Vermischtes. Verschiedene Kenntnisse. Ein echtes Berliner Kind erzählt Folgendes: „Wie ick noch 'n janz kleener Junge war, da sagte ick 'mal zu meinen Ollen: Vater, sage ick, ick will rudern lernen. Js jut, sagt er, lerne Du man rudern. Ick lernte also rudern. Nu' wie ick nu' rudern konnte, da ruderte ick immer oben bei Stralau die Leute in einen Kahn über de Spree. Eines Tages kommt och een janz feiner Herr, der winkt mir un fragt: Junge, kanuste rudern? Jawoll, sage ick, ick kann rudern. Nr, denn rudere mir 'mal 'rüder an bet jenseitige Gestade. Js jut, sage ick; setzen Sie sich man rin in die Jondel, un denn ruderte ick also los. Der Herr kuckt mir 'ne Weile an, un denn fragt er: Junge, kannste lesen? Nee, sage ick. Denn hast Du ein Viertel Deines Abens umsonst jelebt, sagt er. Et wird windig, sage ick un kucke in de Höhe. Denn fragt er mir: Junge, kannste schreiben? Nee? Denn hast Du die Hälfte Deines Lebens umsonst jelebt, sagt er. Ick sage: Et wird sehr windig. Nu' fragt er nochmal: Junge, kannste rechnen! Nee! sage ick. Denn hast Du drei Viertel Deines Lebens umsonst jelebt, sagt er. Et wird ungeheuer windig, sage ick, un kucke wieder in de Höhe. Uff eenmat kippt die Jondel um, un wir liegen alle Beede int Wasser. Ick sage: Können Sie schwimmen? Nee! sagt er. Tenn haben Sie Ihr janzes Leben umsonst jelebt, sage ick. Adje! Se haben ihn aber trotzdem un dennoch unjeachtet noch lebendig raurftfischt." ♦ * ♦ Kindliche Logik- „Papa, bin ich wirklich ein kleinst Sünder?" — (Salbungsvoll): „Jawohl, mein Sohn, das bist Du." — „Papa, sagt die heilige Schrift nicht, der Teufel ist der Vater aller Sünder." — „Jawohl, mein Kmd, es steht fo geschrieben." — „Dann bist Du ja der Teufel, Papa!" * * * Weggeworfenes Selb. Ein Candidat predigte zur größten Langeweile seiner Gemeinde, nur eine alte Frau weinte bitterlich. Dadurch geschmeichelt, fragte er, warum sie fo gerührt sei? — „Ach," schluchzte sie, „mein Sohn studirt auch, und wenn er keine bessere Predigt halten lernt, so ist mein Geld weggeworfen." SRcbnction: 21. Sch-qda. - Druck und Verlag der Brühl'sch-n Druckerei (Fr. «hr. Pietsch) in Meßen.