NntevhalLnnSsblatt zrrnr Gieszenev Anzergev (GsNeval-Anzeig-v) 1894. Donnerstag, den 15. Februar. aw-WTi! I —mi 1i1 I—»i rt Der Rosenhof. >< Novelle von C. Western. (Fortsetzung.) Die Jäger kehrten um Mitternacht unverrichteter Sache vom Küchel zurück; sie hatten den Wilderer nicht gefangen und trösteten sich mit dem nächsten Male. Als sie tiefer in den Wald kamen, fahen sie plötzlich ein Feuer und um dasselbe gelagert die game Zigeunerbande, welche am Maifeste in Schwengau war.' Die Alte des Stammes saß auf einem wackeligen Lehnstuhle, den die Zigeuner irgendwo ergattert hatten, und hielt Gericht über ihre Leute. „Nistro, Du blanker Junge, stehe auf I" rief sie mit krächzender Stimme. Alsbald erhob sich ein bildschöner Jüngling, weißer von Farbe als die übrigen Zigeuner, mit schönem Haar und blitzenden Augen. „Du hast gelupft (gestohlen) und Dich tapsen (fassen) lassen; zur Straf' schläfst Du vierzehn Rächte außerhalb des Lagerkreises!" urtheilte die Alte. Der Zigeunerjüngling ging beschämt ab. „Lisiska!" rief dann das Weib. Ein hübsches junges Mädchen, nur durch Schmutz und Lumpen entstellt, trat jetzt vor sie hin. „Reich' dem rothen Zanetti die Hand zur Ehe; ich will's." Das Mädchen stand traurig da; ein rothhaariger Bursche aber trat darauf frech heran, umarmte und küßte das Mädchen und zog es mit sich fort. „Gigo, Du königlicher, tritt vor!" kreischte nun die Alte. Gtgo trat dicht an sie heran, gesenkten Hauptes, wie schuldbewußt. „Du hast Dich von dem blanken Manne auf dem Rosen- Hof beschimpfen und schlagen lassen; Du bist ausgestoßen aus unser'« Stamm, bis Du Rache an Deinem Feinde genommen! Geh'!" Die ganze Gesellschaft griff in den Staub und warf diesen auf den Jüngling, wobei sie mit dumpfer Stimme rief: „Wehe! Wehe!" Der unglückliche Jüngling entfloh, das Feuer erlosch und Dunkel deckte den Wald wie vorher. Die Jäger wollten zwischen das Gesindel fahren, aber einer der Erfahrensten hielt sie davon ab und sagte: „Laßt sie in Frieden, sie sengen uns sonst das ganze schöne Gehege weg; diese» Volk ist tückisch und rachsüchtig!" So gingen die Jäger ihres Weges, schließlich aber ver mißte man Pfilzer. „Wo ist Pfilzer?" hieß es und man rief: „Pfilzer! Pfilzer!" — Aber keine Antwort kam. Endlich ward man ungeduldig und ging heim. — Der Oberjäger war unterdeß bei Gigo, dem ausgestoßenen Zigeuner, geblieben, den er angerufen. Zuerst war der Zigeuner mißtrauisch und zurückhaltend, bald aber saßen die Beiden unter einer Buche beisammen und flüsterten leise. „Du mußt Dich an ihm rächen, Zigeuner!" gab ihm der Jäger teuflich ein; „er ist ein Hund, der die Peitsche verdient!" „Aber wie anfangen das?" meinte Gigo. „Er ist stark wie zehn von Leuten unsrigen." „Steck' ihm das Haus über dem Kopf an; das versteht Ihr Zigeuner ja!" „Rothen Hahn aufsetzen, ja, das machen Gigo Lust; aber Rache muß besser sein, besser!" „So nimm ihm sein Kind; er liebt den Toni mehr als sein Leben!" „Sein Kind rauben? Ja, ja," schrie Gigo, „das sehr gut!" Seine Augen rollten dabei und seine Muskeln zuckten. Plötzlich aber erlosch das Feuer in den Augen des Zigeuners wieder und er sagte kleinlaut: „Aber wo bleiben; Gigo ist verstoßen, bis die Sonn' sich wendet!" „Ein Versteck? — Komm', ich zeig' Dir's!" Sie schritten bis zur Oese zurück. Hier kletterten sie den Hang hinunter, und in einem dichten Kieferngestrüpp zeigte sich bei dem Scheine entflammter Streichhölzchen ein Eingang. Die beiden Männer krochen hinein und Pfilzer machte abermals Licht, indem er einen in der Wand steckenden Kienstock anzündete. „Schwöre bei dem guten und bei dem bösen Geist, an den Ihr glaubt, diese Höhle keinem Menschen zu zeigen!" forderte Pfilzer. Der Zigeuner schwor. Run gingen sie weiter und es zeigte sich, daß die Höhle umfangreich genug war, wohl zwanzig Menschen Platz zu bieten. Pfilzer aber sagte: „Hier, Zigeuner, bist Du sicher! Da," — und er gab ihm, was er hatte, — „hast Du Geld; kaufe, was Du brauchst; für Fleisch will ich schon sorgen. Das Andere findet sich." Dann stieg Pfilzer aus der Höhle hinaus. Richt lange hernach knallte sein Stutzen und ein Reh war erlegt. Pfilzer weidete es aus und trug das Wild in die Höhle, wo es ihm der Zigeuner abnahm. Sie flüsterten noch eine Weile zusammen, dann ging Pfilzer heim, während Gigo sich in der Höhle häuslich einrichtete. VI. In dem einzigen Gasthause Schwengaus, im „Adler"' wohnte seit mehreren Tagen ein reicher Engländer, Mr. Shel- lock, der das Geld mit vollen Händen ausstreute. Er hatte Joseph als Führer gedungen und für heute eine Bergfahrt befohlen, auf welcher er die Sennwirthschast kennen lernen wollte. Dir dachte Joseph an die Loni und beschloß, ihr den ersehnten Besuch abzustatten. Früh ging es also vorwärts, bis man gegen zehn Uhr die Almmatten und die Sennhütte zu Gesicht bekam. Seit jener Stunde, wo Joseph von Loni Abschied genommen, waren nun vierzehn Tage vergangen und die erkrankte Vroni war so weit genesen, daß sie vor der Sennhütte sitzen konnte. Auf der weiten Matte grasten gegen sechzig scheckige, wohlgenährte, kräftige Kühe, die sich das duftige Gras und die wohlriechenden Kräuter der Berge wohlschmecken ließen. Auf einem Hügel lag malerisch die Sennhütte von Holz mit drei Gemächern und einem Heuboden, das Dach mit Schindeln bedeckt und mit Felsstücken beschwert. Vroni begrüßte die Ankommenden. „Wo ist Loni?" fragte Joseph. „Es haben sich ein paar Kühe verlaufen, die holt sie zurück!" erwiderte die Sennerin. Der Engländer untersuchte unterdessen die Hütte. „Das Haus is ßähr unbequem!" meinte er, sehr schlecht deutsch sprechend, „kein Platz ßu ßlafen; kein Sopha und kein Stuhl!" „Freilich," lachte Joseph, „hier gibt es nur harte Holzbänke; dafür haben wir aber duftiges Heu. Davon kann man sich ein Lager machen!" „Was, Heu, getrocknet' Gras?" stotterte der Engländer. Joseph nickte. „Packen Sie aus, ick bin hungrig!" würgte der Mann aus England dann hervor. Joseph gehorchte. Für die arme Vroni war es ein Hochgenuß, als Mr. Shellock sie galant zur Theilnahme am Frühstück einlud, das aus Schinken, Rauchfleisch, Wurst, Butter, Eiern, Weißbrod und Rothwein bestand, denn auf der Alm gab es nichts als Milch, Käse und Schwarzbrot» nebst etwas Butter. Der Engländer und Vroni aßen also, jener mit dem Appetit eines Bergsteigers, diese mit der Lust einer Genesenden. Joseph saß traurig dabei, denn ihm fehlte die Eine, an die er Tag und Nacht denken mußte. Wein und Speisen standen unangerührt vor ihm, sein Auge aber schweifte in die Ferne, von woher in uralter Herrlichkeit die Schneegipfel der Berge glänzten. Er gedachte auch der Zeit, in welcher er zu Straßburg int Lazareth gelegen. „Wollen Sie nicht essen, Mister Joseph?" fragte jetzt Mr. Shellock verwundert. „Denken Sie vielleicht an Ihre Liebe?" Joseph war verlegen und langte zu, aber es wollte ihm nicht recht schmecken- „Trinken Sie Wein, Mister Joseph," meinte Mr. Shellock gutmüthig, „er stillt alle Sorgen; trinken Sie Wein." Joseph trank, aber seine Sorgen schwanden doch nicht. Da legten sich plötzlich ein paar weiche Arme um seinen Hals und zarte Hände hielten ihm die Augen zu. „Loni!" lief der junge Mann freudig. „Joseph!" erklang es von dem Munde des hübschen Mädchens schelmisch zurück und sie setzte sich neben ihn. Mr. Shellock hatte mit Verwunderung Messer und Gabel bei Seite gelegt und fragte erstaunt: „Wenn Sie sich lieben, warum thun Sie nicht heirathen?" „Der Vater will es nicht, lieber Herr!" antwortete Loni kleinlaut. „Was? — Warum nicht?" „Weil der Joseph nur ein Knecht ist und kein Bauer!" „Nun, wenn es an Geld fehlt, so will ick geben etwas Geld dazu, daß Joseph ßich kann kaufen eine Farm!" „Sie sind sehr gütig, lieber Herr, aber der Vater sagt doch nein!" erwiderte Loni wehmüthig. „Dann ist er ein — Steinkopf!" schalt der Engländer. Joseph und Loni lachten über das seltsame Wort der Engländers. Dann ging das Frühstück, an welchem auch Loni theil- nehmen mußte, heiter von statten. Als nach demselben Joseph von Loni eben Abschied nehmen wollte, stieg gerade der Rosenbauer den Berg herauf. Kaum sah er das Paar, so schwoll die von feinen Leuten mit Recht so sehr gefürchtete Zornesader au seiner Stirn so hoch auf, wie fast noch nie, und zornig schrie er: „Loni! Was treibst Du hier?" Voll Schreck fuhr das Mädchen zurück und auch Joseph geberdete sich wie ein ertappter Sünder. „Das sage ich Dir, Mädel," begann darauf der Bauer etwas ruhiger, „dieses ist das letzte Mal, daß ich Dich in Güte warne. Ich verbiete Dir ein für alle Mal die Zusammenkünfte mit dem Joseph hinter meinem Rücken! — Und Dir," wandte er sich zu Joseph, „hätte ich etwas Anderes zugetraut, als daß Du Dich gegen meinen Willen an meine Tochter machst! — Meinst Du vielleicht, weil Du mir neulich behilflich warst, den Grünröcken zu entkommen, Du könntest mir jetzt trotzen? Glaube das nicht! Lieber will ich gerichtliche Strafe tragen, als daß ich mein Kind einem Knechte gebe! Was ich geschworen habe, will und muß ich halten! — Mein Kind bekommt nur ein Bauer und damit ein für alle Mal abgemacht!" Joseph schüttelte nur mit dem Kopfe, entgegnete kein Wort, sondern ging still bei Seite. „Was schreien Sie denn so, Sir?" fragte Mr. Shellock, mit dem Kneifer auf der Nase den Bauern scharf fixirend, sehr phlegmatisch. „Was wollen Sie von meinem Führer, wenn ich will sehen die Alm und die Milchkühe?" „Ach, gehen Sie, Sie buntscheckiger Engländer!" erwiderte aber der Rosenbauer im ärgerlichen Tone. „Hier stehen Sie auf meinem Grund und Boden, und haben gar nix drein zu reden, wenn ich etwas befehle. Machen Sie, daß Sie fort» kommen, sonst zeig' ich Ihnen, wer hier der Herr ist?" „Mister Joseph, ist dieser Land hier Eigenthum von dieser großen Gentleman?" frug der die deutsche Sprache nur mühselig radebrechende Engländer in einem Anfluge von Humor. Als Joseph bejahend nickte, fuhr Mr. Shellock fort: „So laßt uns gehen fort, weiter, wo die Leute sind höflicher!" Loni winkte hinter dem Rücken des Vaters Joseph Ab- schiedsgrüße zu, während dieser eiligst seine Hucke packte. Darauf rief Mr. Shellock mit komischer Geberde: „Adieu, Miß Vroni! Adieu, Miß Loni! Leben Sie wohl!',' Er schwenkte den Strohhut und verschwand, von Joseph gefolgt, hinter dem nächsten Vorspmng. Der Engländer ließ sich heute nach Fissen geleiten, wo er beim Wirth im „Schwarzen Bären" einige Tage bleiben und Joseph, der ihm die nächsten Ausflüge zeigen sollte, bei sich behalten wollte. ♦ Der Rosenbauer ging Abend« oerftinimt von der Alm wieder heim, nachdem er noch heftig mit Loni gezankt und sie auch wiederholt mit schweren Strafen bedroht hatte, sofern sie noch einmal mit Joseph zusammenkäme. In der Nähe von Schwengau traf der Rosenbauer, tief in Gedanken versunken, mit dem Dornbauer zusammen. Der Hof desselben, von hohen Dornhecken umgeben, war der schönste im ganzen Orte, schöner noch als der Rosenhof. Dennoch kam er dem armen Manne jetzt verödet vor, denn der schönste Schatz, den die Dornhecke umschlossen, seine junge Frau, die er sich aus der Nähe der Königsstadt geholt, hatte dem Dornbauer der unerbittliche Tod sammt dem neugeborenen Kinde geraubt. Voll Gram, sich immer wieder an sein Leid erinnernd, hatte der Dornbauer nun beschlossen, seinen Hof zu verkaufen, um den Ort seines Unglückes verlassen zu können. Ernstlich sah er sich deshalb nach einem Käufer um. Kopfschüttelnd hörte ihm nun der Rosenbauer zu und er* Härte dem verzweifelten Manne: „Ihr habt halt einen jämmer- — 73 lichen Begriff von dem Stand eines echten Bauersmannes; wer's von Herzen und durch und durch ist, hält fest an seinen Rechten und Pflichten wie an seiner Scholle! Ich könnt' das nicht thun und meinen Hof wegen solchen Unglücks verkaufen. Nehmt wieher eine Frau und neues Glück kann Euch erblühen." „Die Ansichten sind eben sehr verschieden, Nachbar!" erwiderte der weichherzige Dornbauer. „Ja, aber ich bleibe bei der meinigen!" sagte der Rosen- bauer und trat verstimmt in sein Haus. Er fand dort einen ehrwürdigen Gast, den Pfarrer von Schwengau, um deffentwillen Frau Elisabeth mit Besorgniß die Zornesader an der Stirn des Gatten sah. Jndeß, der Bauer bemeisterte sich, hieß den Pfarrer willkommen und fragte nach seinem Begehr. „Ich habe ein Anliegen an Euch, Martin Straffer!" erwiderte freundlich der geistliche Herr. „Was ist's, Herr Pfarrer? Schießen's los, die krummen Wege lieb' ich einmal nicht!" „So hört! Ich habe da ein Schreiben bekommen," — dabei zog der Pfarrer den Brief aus der Brusttasche, — „von einem hohen Herrn, nämlich von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Adalbert!" „Ei was! — Aber was geht das mich an?" „Hört nur zu! — Der Prinz hat Anna 70 bei dem Werder'schen Corps als Lieutenant gestanden mit Eurem früheren Knechte Joseph Ropp zusammen. In der Schlacht ist der Prinz verwundet worden und ohnmächtig liegen geblieben. Da hat ihn Joseph mitten im Kugelregen aus dem Feuer getragen, ist aber selbst dabei verwundet worden. Der Prinz hat nach seiner Genesung .durch die Zeitungen seinen Retter aufgefordert, sich zu melden, damals hat aber Joseph selbst noch im Lazareth gelegen und nichts von der Aufforderung des Prinzen erfahren. Jetzt hat der Prinz den Joseph aber in Hoch-Schwengau wiedergesehen und er will den Joseph für seine brave That belohnen und zu seinem Beamten auf einem seiner Güter machen. Der Prinz ersucht mich nun, in seinem Namen und Auftrage für den Joseph um die Hand Eurer Tochter Loni zu bitten!" „Hätte es nicht gedacht, daß dem Joseph so ein Glück passiren könnte!" meinte der Rosenbauer kopfschüttelnd. „Aber sagen Sie dem Prinzen, Herr Pfarrer, daß, wenn er auch selbst käme und um die Hand meiner Tochter für Joseph an- hielte, das doch nix an der Sache änderte. Meine Loni dürfte nur einen Bauer heirathen! Art bleibe bei Art! So ist es gewesen und dabei bleibt es! Nehmt es halt nicht für ungut, Herr Pfarrer!" Der neugierige Rosenbauer nahm dann noch den Brief aus des Geistlichen Hand, las ihn und sagte dann kurz: „Es bleibt doch dabei! Ich mag den Joseph nicht als Schwiegersohn!" „Das thut mir leid, Martin; die jungen Leute lieben sich! Ueberlegt Euch die Sache noch einmal, Rosenbauer!" bat der Pfarrer vor. „Kann es nicht ändern! Mein Mädel kennt meinen Willen und wird sich darnach richten!" erklärte der störrische Bauer. „Es ist gut, Rosenbauerl Nun habe ich aber noch eine ernste Sache! Versprecht Ihr mir auch, dabei ruhig zu bleiben?" „Gewiß, Herr Pfarrer!" „Die Leute sagen, Ihr wildert!" „Man sagt viel, Herr Pfarrer!" meinte Straffer in gleich- giltigem Tone. „Es scheint aber mehr als bloßes Gerede zu sein, Rosen- bauer! Ihr hattet neulich Euren Trauring im Walde verloren. Holzknechte brachten mir den Ring und ich erkannte ihn gleich. Hier ist er!" Der Bauer erschrak jetzt doch heftig. Es war ganz richtig mit dem Ringe. Nur Sonntags trug er den ihm theuren Schmuck, hatte ihn aber bei einer seiner heimlichen Jagdpartieen vergessen, abzuziehen und so verloren. Er stand beschämt da. „Laßt nur dar Wildern, Martin!" mahnte der Pfarrer. „Ich — wildere nicht mehr, das ist vorbei!" „Gott sei Dank! — So lebt den« wohl!" „Adieu, Herr Pfarrer!" Der Geistliche ging in's Dorf hinunter. Der Rosenbauer aber machte es sich bequem vor der Thür seines stattlichen Hauses. In dem einzigen alten Theile des Hofer, der Kelter hatte er vor Zeiten in einem Wandspinde ein alter geschriebenes Buch entdeckt, das allerlei Aufzeichnungen von seinen Vorfahren enthielt; in diesem las er, während Frau Elisabeth geschäftig den Tisch deckte. Da las er plötzlich, daß ihm ordent- lich dar Herz stille zu stehen drohte: „Anno 1652 nach der Weinernte hat mein Vater selig nach den vor den Kaiserlichen und Schwedischen von dem Großvater vergrabenen Schätzen gesucht und dabei den Felsenborn entdeckt." „Hm, hm," lachte der Bauer, „der Brunnen ist auch ein Schatz, ist besser als manche Schätze der Welt!" Dann las er weiter: „Er hat aber nichts gefunden; der Schatz muß noch in dem Keller des Hauses stecken. Gebe Gott, daß ihn meine Nachkommen finden, zu Ehren des Hofes und Geschlechts. ' Rosenhof, den 14. des Maimonds 1701. Valentin Strasser." „Na, da sucht nur!" lachte Martin Strasser vor sich hin „Das neue Wohnhaus, welches ich habe aufführen lassen, steht noch auf den alten Kellern, die sehr gut und fest waren und damals gründlich untersucht worden sind. Wir haben zu jener Zeit nichts von einem Schatz entdeckt, also wird auch keiner mehr unter dem Hause vergraben liegen." Als Frau.Elisabeth darauf schon zum zweiten Mal zum Abendbrod rief, stand der Rosenbauer auf und ging brummend in das Haus. (Fortsetzung folgt.) (tzeMernnütziges. Schuhleder vor dem Brechen zu bewahren. Wenn bei nassem Wetter oder im Schnee die Schuhe sehr naß werden und später in der warmen Stube hart austrocknen, so bricht das Leder sehr leicht. In der „Leipz. Ztg." wird gegen dieses Brechen des Leders folgendes Mittel empfohlen: Alle 14 Tage läßt man die Schuhe oder Stiefel mittels Wasser von der Wichse befreien und reibt das Schuhwerk dann tüchtig mit Rwinusöl ein, da letzteres die Wichse am besten wieder annimmt. Zu verwerfen ist das neuerdings zum Conferviren des Schuhleders empfohlene „Mineral-Lederfett", denn dieses zerstört mit der Zeit das Leder. Nie verdünne man, wie es oft geschieht, eingetrocknete Wichse mit Essig, sondern mit eini- gen Tropfen schwarzen Kaffees. Recht empfehlenswerth ist die Benutzung der sogenannten „Graphit-Wichse", da bei deren Verwendung ein Brechen des Schuhleders fast gänzlich aus- geschloffen. ♦ * Wie man gute Butter macht. Reinlichkeit ist die Grundbedingung bei der Butterbereitung. Diese muß herrschen n allen Geschirren, womit Milch und Butter in Berührung Kommen, vom Kleinsten bis zum Großen. Der kleinste Rück- tand in der kleinsten Ecke des kleinsten Gefäßes kann den Keim der Verderbniß der ganzen Milch mittheilen. * * ♦ Die Vorbereitung der Saatkartoffel« zur Frühjahrssaat. Man legt die Saatkartoffeln sorgfältig auf Holzhurden nebeneinander. Diese Hürden werden in einer rodenen Kammer so übereinander gelegt, daß fortwährend die Lust durchzieht. Die Saatkartoffeln welken infolge dessen zu- ammen und bilden gesunde, kurze, kräftige Keime. Diese Mühe bezahlt sich durch größere und frühere Erträge reichlich. stehenden Wasser. Vevinifchtes Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Vögel in Käfigen werden gesund erhalten durch Einlegen von einigen Safranfäden in ihr Trinkwasser. Eine große Anzahl von Vögeln stirbt in der Zeit des Mau- serns, wenn ein Eiterbläschen, das sich unter dem Schwänze bildet, nicht aufgeht oder aus Unwissenheit der Verpfleger nicht mit einer Nadel geöffnet wird. Safran befördert das Aufgehen der Blase. * Goldfische werden am Leben erhalten durch Einlegung von einigen Dutzend Pflänzchen von Wasserbinsen in die Glasbehälter. Man findet diese Pflänzlein auf jedem Kindermund. „Jetzt wirst Du bald mein kleiner Schwager werden. Deine Schwester und ich sind schon »et, lobt." — Fritzchen: „Uijel Die Schwester war schon so oft verlobt I" » ♦ * Das richtige Wort. Offizier: „O, mein Fräulein, sprechen Sie doch das eine Wort aus, welches mich beglücken würde, nach welchem ich mich so sehne ..." — Reiche Erbin: „Kaution!" * « * Aus Kindermund. Der Vater fragt seinen sieben- jäbrigen Sohn: „Wer war Columbus, Gustav?" — „Ich weiß es nicht," erwiderte dieser. — „Junge, wer hat denn Amerika entdeckt?" - „Ich nicht," antwortete der Kleine ängstlich. Alte Tuchkleider reinigt man auf sehr einfache | Zahnstochern! — Kellner: „Entschuldigen Sie, das ist Weise mit folgender Brühe: 16 Gramm Tabak und ein Liter | Stangenspargel! — Gast: „Ach so! Wasser werden einmal miteinander abgekocht. In diese Brühe \ • ■ taucht man eine steife Bürste und bürstet das Tuch nach dem j Strich. Der Erfolg ist ein vorzüglicher. Sammelt den Rntz! Viele Jahrhunderte lang wurde | Frau A.: „Denken Sie, mein Mann wollte zuerst gar der Ofen- und Schornsteinruß als eine unnütze Masse von den I nichts von dem Maskenball wissen — er sagte mir, es koste Landwirthen auf die Straße oder hinter den Zaun geworfen, zuviel." — Frau L.: „Und was versetzten sie darauf? - weil man dessen Werth nicht kannte. Zunächst enthält der- Stimme der kleinen Minna aus dem Hintergründe: „Die selbe düngende Bestandtheile, insbesondere Ammoniak, also silbernen Löffel." Stickstoff. Man hat in dem Steinkohlenruß 2,5-5', Procent * * * Ammoniak nachgewiesen, während in dem Holzruß sich, 1 bis ! Schreiber (zum Fenster hinausschauend): „Jetzt seh' 2 Procent nachweisen lassen; dieser enthält dagegen ziemlich | ^em g%aurer da drüben schon drei Stunden zu, aber auch viel Kali und Kalksalze. keinen Stein hat der Kerl bisher angefaßt. Jetzt möcht' ich * * * I nur wissen, wofür solche Leute alle Sonnabend ihr Geld ein- Sanee zn Häringen nnd Kartoffeln. Ein streichen." — Maurer: „Jetzt guckt der Schreiberknecht scho' Tassenkopf saure Sahne wird mit einem ganzen Ei, einem drei g'schlagene Stund' zu mir 'rüber und hat in dera ganze Theelöffel Senf, einer Prise Pfeffer und etwas geriebener Zeit noch koi Feder a'g'recht- Jetzt möcht i nur wissa, für Zwiebel gequirlt, eventuell wird auch die Häringsmilch dazu was so Tagdiev' ihr' B'soldung ei'nemmet." genommen und über zwei bis drei gut entwässerte und ent- I * * grätete Häringe gegossen. Beides zusammen muß einige Stun- Eine fertige Sache. Ein Heirathsvermittler schlug den stehen; es schmeckt sehr sein zu Kartoffeln beim Abendbrod. jungen Manne vor, ein Mädchen zu heirathen, welches __________ er als hübsch, gebildet und reich schilderte. Auf das Andringen des jungen Mannes, ihm nun auch die Schattenseiten, die Fehler des so sehr berühmten Mädchens zu sagen, gestand er endlich, daß sie hinke. — „Niemals," so antwortete der junge Mann, „werde ich ein Mädchen heirathen, welches hinkt." - , , , r . r . Seien Sie kein Thor," erwiderte der Heirathsvermittler. Fatales Versprechen. Em junger Schauspieler "Mgn @ie w daß Sie ein Mädchen ohne diesen Fehler tritt als Diener in einem größeren Stuck auf. Im letzten ^^athen, daß Sie mit ihr auf der Pferdebahn fahren, daß Act hat er nur die Worte zu sagen: „Mit diesem Dolche er- Ne beim Absteigen ausgleitet, den Fuß bricht, schlecht kurirt rette ich Dich." Der junge Mime, welcher noch nie auf einer ib unb schließlich auch hinkt. Dabei haben Sie Unruhe und Bühne gestanden, wird kurz vor seinem Auftritt von einem M das Alles sparen Sie, wenn Sie die Dame heirathen, furchtbaren Lampenfieber gepackt. Er murmelt fieberhaft 1 .- ’ c,bnen Vorschlags — da haben Sie gleich eine fertige immer die Worte vor sich hin: „Mit diesem Dolch errette ich I ß 8 Dich" — da endlich gibt der Regisseur das Zeichen- Wild 00(961 » » stürzt der Mime heraus, umfaßt feine Partnerin, erhebt den • Donnerwetter dar Dolch und ruft mit vollem Pathos: „Mit diesem Rettig er- I & a fe r n en gofblulh^"- Sergeant.„D - dolche ich Dich!" - Unter donnernden Beifallsrufen fällt der wär mir das Wahre,daß ein Einjähriger. pa^ülmrt M „ . fla[,!eK°Le; Ä!"mch "U dm «Srp?(mußfichÄ «“* d-- » i; b-i ««« U»a„,-u-hm- Wendung. B«°n: .Ich bi» d-- * I Baron Tajo — mein Sohn läßt bei Ihnen arbeiten, und da Der galante Ungar. „Mainen Baifall, (gnädige wö$te — Schneider: „Bitte, Herr Baron, keine Frau, zu Ihrer Frajndin, sie ist bizony jung, schön und gajst- Umstände. Es pressirt durchaus nicht mit der Bezahlung.. •' rajch." - „Gewiß, aber finden Sie nicht, daß sie ein wenig Baron: „Das weiß ich! Mein Sohn hat mir geschrieben, eingebildet ist?" - „Ober, gnädige Frau, versetzen Sie sich ba6 Sie ihm schon drei Jahre kreditirt haben. Ich habe die in ihre Lage — wären Sie nicht auch ajngebildet? 1 Absicht— Schneider: „O bitte, bitte, Herr Baron.. • * * * - Baron: „Ich habe daher die Absicht, da mein Schneider Boshaft. Gast (zum Kellner, der eine Schüssel vorbei- nicht gern kredidirt, von nun an auch bei Ihnen arbeiten zu trägt): „Sie, Kellner, geben Sie mir mal den Teller mit den I lassen!"