AnterchaltuiigsblaLt jum Gietzsnep Anzeigen fGsnepal-Anzeigev^ Dienstag, den 14. August. Gottes Finger. Erzählung von E. von Falkenberg. (Fortsetzung.) Neue, gewaltige Eindrücke bestürmten die Seele des jungen Bildhauers in Italien. Die Alpen entzückten ihn, das Klima, die Kunstschätze des schönen Florenz versetzten ihn in großen Enthusiasmus. Meister Giuseppe Bortruchi nahm den deutschen sinnigen und geschickten Gehilfen mit Freuden auf, besonders als er den warmen Empfehlungsbrief feines Landsmannes Luchesini gelesen. Er bereute es nicht und Erdmann fand hier Gelegenheit, sich merklich zu bilden. Der geschickte Meister vertraute ihm schwierige Arbeiten an, die seine anderen Leute nicht ausführen konnten, und zeichnete den jungen Deutschen besonders aus. Ein Jahr verflog Erdmann wie im Traum und als er eines Tages die Copie eines antiken Fechters in Marmor vollendet hatte, fiel ihm der Italiener um den Hals und sagte in seinem gebrochenen Deutsch: „Sie find ein guter Künstler, lieber Redde, Sie wüsten aber weiter reisen nach Rom, um sich dort vollkommen auszubilden." Mit Empfehlungen seines Meisters ging darauf Erdmann nach der Siebenhügelstadt in das Atelier des berühmten Bildhauers Guido Strazzi ein. Die Briefe, welche er in dieser ganzen Zeit von Rector Wollin erhalten, waren rein geschäftlich; die Mutter schrieb stets sehr zärtlich, aber sehr überspannt, daß ihn das Alles nicht erwärmen konnte; dennoch erwachte nach und nach in ihm die Sehnsucht nach der Heimath. „Es ist ein Land, das heißt Italia, Blüh'n Orangen und Citronen; „Singe, singe!" sprach die Römerin, Und ich sang zum Norden hin: „Nur nach Deutschland, nur nach Deutschland, Da that mein Herz verlangen I" Es war sein Lieblingslied, welches er so im Atelier bei der Arbeit mit glockenheller Stimme sang. Meister Guido Strazzi sah und hörte ihm dann mit Lust zu und als er eines Tages eine Copie von dem berühmten „springenden Hengste des Capitols" in Lebensgröße aus carrarischem Marmor vollendet, da klopfte ihm der Herr auf die Schulter und sagte: „Ihr werdet einmal von Euch reden machen, Signor!" Erdmann war ein schöner Jüngling geworden und manche schöne Römerin sah nach dem jungen, blonden Deutschen mit den Veilchenaugen glühenden Blickes aus, denn das Blut rinnt hier den Menschen so heiß in den Adern, wie der Saft in den Trauben des Weinstockes, aber der junge Künstler blieb unberührt, rein und fromm, denn in seinem Herzen hütete er einen Schatz, ein Palladium, und das war — das Bild Juttas. O, er hätte sie malen können, wie er sie zuletzt gesehen mit den langen, dunklen Zöpfchen und den tiefen, fragenden Augen! Ein Brief aus der Heimath gab ihm den Impuls zu einem raschen Entschluste- Der Brief war von Ebert und lautete: „Lauterthal, den 17. Juli 1863. Mein lieber, lieber Erdmann! Eine Krankheit meines Vaters, die aber Gott sei Dank jetzt gehoben, riß mich mitten aus meinen letzten Studien. Ich werde in den nächsten Tagen mein Examen machen und als Lehrer an irgend einer Schule Anstellung nehmen. In der Heimath fand ich zum Glück Deine Adresse unter des Vaters Papieren und mache mich nun sogleich daran, Dir einige Zeilen zu senden. — Seit Deinem letzten Auftrage sind viele Monate vergangen. Ich sah Jutta van der Bult schon vor zwei Jahren wieder und hatte erst gestern das Vergnügen, mit ihr zu reden. Sie ist ein hübsches Fräulein geworden, für mich armen zukünftigen Schullehrer eine unerreichbare Blume. Uebrigens hat sie auch einen alten Schulfreund in ihr Herz geschlossen, einen gewissen Erdmann Redde, der jetzt mit den edlen Römerinnen schön thun soll! Jndeß trug sie mir doch Grüße auf, als ich die Absicht bekundete, an den Landstreicher schreiben zu wollen. — Du meißelst wohl jetzt ein Liebesgöttchen mit Pfeil und Bogen? Nimm Dich vor dem Schelm in Acht und behalte lieb Deinen alten Freund Ebert Wollin." Da stand Erdmanns Entschluß fest. „Auf, nach Deutschland!" rief es in seinem Herzen und schnell war Alles geordnet. Meister Strazzi wollte freilich den geschickten Gehilfen nicht ziehen lassen, aber Erdmann war nicht zu halten. Zunächst eilte unser Erdmann von dort nach Neapel, den Vesuv, den Golf Ischia mußte er sehen, und dann ging's zu Schiff nach Marseille und nun per Bahn nach Deutschland. O Land der deutschen Eichen, der braunen Haide, der grünen Wälder, der schwarzen Moore und des ost ärmlichen Sandbodens, du Land der Flüffe und blühenden Menschen, du Land der Treue und Einfalt, wer könnte dich je vergeffen, wenn er deine Luft einmal geathmet hat? So betrat Erdmann den deutschen Boden wieder. Eines Abends im September stand Erdmann plötzlich vor — 374 — seiner Mutter, deren Antlitz die starre Ruhe verlor, als sie mit lautem Schrei den schönen bärtigen Sohn an ihr Herz schloß; war er doch ihr Einziger, ihr Stolz und ihre Freude- Er sollte aber noch mehr werden! Er sollte auch ihr Rächer sein l Aber da hatte sie sich verrechnet! Ehe es noch gänz Lauterthal wußte, daß Erdmann Redde wieder da sei, machte der junge Mann die Runde um das Städtchen. Er ging nicht durch die Hauptstraßen, wo die Stadt ihr bestes Gesicht zeigt, er wanderte um die Hinter« gebäude herum, weil er wohl wußte, daß man auf den Höfen das wahre Gesicht des Stadtgetriebes zu sehen bekommt. Ach, in Lautertha! war noch Alles beim Alten, war noch Alles so einfach und fo ärmlich wie sonst, und besonders für ihn, der Florenz, Rom und Neapel gesehen hatte! Aber nein, es war seine Vaterstadt, seine liebe Heimath, und er wollte nicht spotten! Da schnitt noch Schulzen Johann Häcksel wie einst, dort tränkte Hans die Kühe wie ehedem, knarrte noch des Nachbars Thorflügel wie vormals, als hätte er in den Jahren der Abwesenheit vergeblich nach Einfettung der Angeln geschrieen! So kam er bis an die Höhe, auf der im Abendsonnenstrahl auf dem Stein unter der Eiche eine weibliche Gestalt saß. Wer war es? — Noch ein paar Schritte und sein Herz schlug lauter: es war Jutta, Jutta, die zur herrlichsten Jungfrau emporgeblüht war! O, er brauchte nicht mehr zu fragen, welch' sonderbares Gefühl sich jetzt im Herzen regte, er wußte, daß er sie liebte, daß er sie ewig lieben mußte trotz des Familienhaffes, daß er sie nie vergessen konnte; hatte er sie doch schon als Knabe geliebt! Rasch kletterte er die Stufen hinauf, während sie mit einem leisen Schrei aufgesprungen war. „Jutta!" „Erdmann!" Es klang wie ein einziger Jubellaut aus beider Mund und dann lagen sie Brust an Brust und die Lippen berührten sich im ersten feurigen Kuß. Darauf zog sie ihn schamhaft hinter die Eiche und flüsterte: „Ach, Erdmann, wenn uns Jemand belauscht hätte!" „Was macht'-, Jutta? Laß es die ganze Welt erfahren, daß wir uns lieben, daß wir uns schon als Kinder geliebt!" Er hielt ihre Hand fest und preßte sie an fein klopfender Herz. „Aber der Haß unserer Eltern I" bemerkte sie dann bebend. „Ja," sagte er darauf finster, „ich hatte es im Jubelsturm meines Herzens vergeffen! Komm' weiter mit hinauf, Jutta, nach dem Eichkamp, da können wir uns aussprechen!" Er zog sie, ihren schlanken Leib halb umfaffend, mit sich fort. Der Kamp war ein Complex von Land, das ungefähr sechzig alte Etchstämme umfaßte. Es sollte dort der Rest eines alten Opferhaines sein, zu dem auch die andere Eiche dort gehört hätte, die man verschont, als die anderen ausgerodet wurden, dem Pfluge Platz zu schaffen. „Ach ja!" flüsterte er ihr zu. „Die Eltern wollen da Haß und Rache, wo wir Liebe empfinden. Ich fand meine Mutter fast schlimmer wieder! Sie sinnt nur auf Rache, Rache! O, es ist fürchterlich!" „Und mein Vater ist ebenso wild! O, Du glaubst nicht, was ich oft zu leiden habe!" erwiderte Jutta. „O, ich glaub's! Aber Geduld! Es soll, es muß anders werden! Ich werde sie wieder versöhnen!" „Wenn es Dir nur gelingt!" „Und wenn nicht, ließest Du dann von mir, Jutta?" „In aller Ewigkeit nicht!" Er umfaßte sie und küßte sie wieder und wieder. „Und ich verlaffe auch Dich nicht, Herzliebste! — Wie habe ich nach Dir gesucht, als Du fortkamst! Wo warst Du denn?" „Bei Tante Urfchel in Wahrenfelde." „Da sollte ich wohl suchen! Die erste Kunde von Dir und daß Du mich nicht vergessen, siehe, das ist diese!" Er zeigte ihr Eberts Brief und umfaßte sie wieder. „Da hast Du meiner wohl oft gedacht, Erdmann?" fragte sie nach dem Lesen des Schreibens. „Immer dachte ich an Dich, Du Holde, Einzige!" versicherte er. „Und Du, Schatz?" „Mir ging es ebenso!" gestand sie erröthend. „Immer stand mir Dein Bild vor der Seels und jetzt eben, als ich unter der Eiche saß, dachte ich an Dich!" Das selige Paar verabredete dann, daß es Nachrichten in ein Loch der Eiche legen wolle, sobald eins dem andern etwas mitzutheilen habe. Erdmann sollte aber bald mit Juttas Vater sprechen und das Weitere überließen die Beiden dem lieben Gott. Bald wußte es nun auch ganz Lauterthal, daß der Erdmann wieder da sei und sich als Kunstbildhauer und Steinmetz- meister im Orte niederlassen wolle. Dieses Mal hatte das Gerücht nicht gelogen. Erdmann beabsichtigte dies in der That, da es an den Baarmitteln dazu nicht fehlte. Frau Gertrud und Rector Wollin bewilligten Alles. Im Hinterhause ward die Werkstatt sür gröbere Arbeit, im Garten ein Atelier sür feinere Arbeiten eingerichtet. Sich selbst ließ Erdmann eine hübsche kleine Werkstatt daneben bauen. Dann fuhr er nach der Residenz, wo er sogleich Meister Lucheflni einen Besuch abstattete. Derselbe empfing den jungen Kunstgenossen mit Freuden. Als der alte Herr hörte, daß sich Erdmann in Lauterthal als selbständiger Meister niederlaflen wollte, billigte er es sehr und meinte: „Ich werde Ihnen zuweisen viele Arbeiten, die ich nicht mehr machen kann." Erdmann dankte ihm, bestellte dann in der Residenz Leute und Material und wollte dann heim. Er verfehlte nicht, erst noch Signor Luchesini Lebewohl zu sagen. Er traf ihn dieses Mal im Atelier und bemerkte dort einen carrarischen Marmor- block, welchen er bat, ihm als Eigenthum überlassen zu wollen. Meister Luchesini lachte und meinte: „Nehmen Sie ihn als Geschenk, junger Freund." So schieden sie und Erdmann machte sich auf den Heimweg. Unterwegs besuchte er in Malendorf unfern Ebert, der dort als Schulmeister wirkte. Sie hatten sich viel zu erzählen, aber Ebert konnte fast das Necken mit Jutta nicht unterlassen. „Nun höre damit aber auf!" gebot Erdmann zuletzt strenge. „Die Sache ist ernst! Wir lieben uns!" „Haha! Was habe ich stets gesagt?" „Ja, Du hast's getroffen. — Aber nun? — Du kennst diesen tödtlichen Familienhaß, der uns Alle unglücklich macht!" "Wenn der Vater nun Nein sagt?" „So heirathest Du sie gegen seinen Willen." „Nie, Ebert I" entgegnete Erdmann ernst, „denn die Hei- rath gegen den Willen der Eltern brächte uns gewiß keinen Segen. — Ich weiß auch keinen Ausweg. — Nun überlassen wir Alles Gott!" Er nahm Abschied von Ebert und wanderte nach Hause. Sie sollten sich aber früher Wiedersehen, als sie geahnt hatten, denn kurze Zeit darauf erkrankte Rector Wollin schwer und stand nicht wieder von dem Lager auf. Als der erste Schnee kam, betteten sie ihn in die kühle Erde. Beim Leichengefolge war es zum ersten Male, baß sich Erdmann und Jan van der Bult Auge in Auge gegenüberstanden. Erdmann zog den Hut tief, Bult erwiderte den Gruß jedoch nicht, sondern that, als ob er ein Stück Luft vor sich habe. Erdmann bebte vor Zorn und sagte dicht an ihn hinantretend: „Was soll der unsinnige Haß, Herr van der Bult? Jst's noch nicht genug? Wollen Sie mit mir, den Sie oft auf den Kniesn geschaukelt, nicht Frieden schließen?" Aber Gottes Finger hatte dieses starre Herz noch nicht berührt; Jan van der Bult kehrte sich von Erdmann ab und ging davon, ohne ein Wort zu sagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Erdmann stampfte zornig den Boden, aber Ebert nahm ihn bei Seite und flüsterte: „Ich habe viel verloren. Aber hoffnungsloser bist Du. Komm'!" Erdmann folgte ihm fast willenlos, sein Muth war bei- - M nahe gebrochen. Als er von Ebert schied, war es ihm gerade, als habe er Alles verloren. Das Treiben der Mutter gefiel Erdmann durchaus nicht, denn den ganzen Tag murmelte sie: „Auge um Auge, Zahn um Zahn! Mit dem Maße, damit Ihr messet, wird man Euch wieder messen! Wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt!" „Aber Mutter, höre doch damit endlich einmal auf," brauste nun eines Tages Erdmann auf. „Wie redest Du unchristlich. Wir sind doch keine Heiden und Gott ist kein Gott der Rache, sondern ein Gott der Liebe. Schäme Dich doch auch. Der Vater hatte auch wohl schuld, und seinen Tod hat er nicht vom Aerger gehabt, sondern von seinem Geschäfte, da er sich in jungen Jahren unnütze Entbehrungen auferlegte." „Das verstehst Du nicht, Erdmann," entgegnete unbeugsam Frau Redde. „O doch, Mutter, ich bin jetzt ein Mann!" Dieses Gespräch fand am Fenster statt, an dem in dem» selben Augenblick Jutta vorüberging. Der Anblick regte aber Frau Gertrud auf und zornig begann sie über die Familie Bult zu schelten. Da sprang Erdmann auf und hielt ihr den Mund zu. „Willst Du mich tödten, Mutter, Deinen einzigen Sohn, so verfluche Jutta nicht; sie ist nicht verflucht, sie ist gesegnet, ist mir Licht und Sonnenschein! Hörst Du, Mutter, hörst Du?" Damit stürzte er fort und zum Hause hinaus. Blaß und zitternd stand die alte Frau da und zwei große Thränen fielen auf die Erde. Es waren die ersten feit dem Tode ihres Mannes, denen nun ein ganzer Strom derselben folgte; laut weinend warf sie sich auf das Sopha. Als Frau Redde nach einer Stunde in das Atelier ging, Erdmann aufzusuchen, hatte ihr Gesicht die frühere eisige Ruhe verloren: es war wieder offen und klar wie vor ihres Gatten Tode- In Werkstatt und Atelier wurde von zwölf Arbeitern eilig geschafft, aber den Erdmann traf die Mutter nicht. „Er wird in seinem Cabinet sein, Frau Redde!" meinte der Werkmeister. Auch das Atelier war leer. Aber halt, was war das? In der Mitte lag wie stets der hohe Holzblock, darauf stand ein Marmorstück, welches weiß unter der verhüllenden schwarzen Sammetdecke hervorschaute. Frau Redde hob die Decke herunter und stand erstarrt. „Jutta," rief sie dann, „es ist Jutta van der Bult, wie sie leibt und lebt!" Rasch dem alten Zorne folgend, wollte sie die Statue hinabschleudern, aber da war es, als hörte sie Erdmanns Rufe von vorhin in ihr Ohr schallen: „Willst Du Deinen Sohn tödten, Mutter?" . Sie warf die Decke über den schönen Kopf und murmelte: „Rein, nein, hier soll wieder die Liebe einziehen. Ich habe ihn ja so lieb, meinen Einzigen. Wer hätte wohl einen besseren Sohn?" Dann ließ sie sich in den Sessel nieder und murmelte: „Er hat sie doch nur als Kind gekannt- l Sollte er sie lieben? — Es ist kaum möglich. Aber wehe Dir, Jan van der Bult, wenn Du auch diese Beiden unglücklich machst, das wird Dir von dem da oben das Urtheil sprechen!" Sie ging kopfschüttelnd und zeigte Erdmann ein freundlicheres Gesicht, als er zurückkehrte, erwähnte aber von Allem nichts. Einige Tage hernach — es war nahe vor Weihnacht — sah Frau Redde Jutta über die Straße huschen. „Jutta, Jutta!" rief sie da plötzlich. Das junge Mädchen stand wie verzaubert still, bis Frau Redde kam, sie umfaßte und in's Vorderstübchen zog. Hier flüsterten die Frauen lange Zeit und Jutta rief zuletzt: „Mutter, Mutter! O wie klingt das süß!" „Ja, ja, Du schönes, liebes Kind! Der Haß soll vergessen sein!" flüsterte dagegen die alte Frau. „Hörst Du, das soll sein Weihnachtsgeschenk sein!" Die Mutterliebe war stärker gewesen, als der Haß, denn am Weihnachtsabend, als der Baum brannte und Erdmann seinem Mütterchen bescheert hatte, da führte die alte Mutter — Jutta herein und sagte: „Weil Du sie denn so sehr liebst, Erdmann, so will ich nichts gegen Eure Ehe haben; aber Jan van der Bult ist von hartem Holz." „O Mutter," jubelte dagegen Erdmann, „die eine Hälfte ist besiegt, sollte die andere unerbittlich sein? Rein, Gott wird uns helfen!" Und jubelnd umarmte und küßte er Jutta, und bald prangte ihre Statue, die als ein wahres Meisterwerk bezeichnet werden durste, auf der Commode der Wohnstube. (Schluß folgt.) Um schnelles Mästen der Kapaunen und Hühner zu bewirken, nehme man Erbsen und zwar solche, die sich doch nicht zum Kochen eignen, quelle davon so viel, als auf zwei Tage verfüttert werden kann, in Salzwasser ein und gebe dem Geflügel davon sehr reichlich; sobald die gefütterte Portion verdaut ist, beginne man die Fütterung von Reuem. Dem Geflügel muß hierbei stets viel frisches Wasser zur Verfügung stehen; es wird hiervon nicht nur fehr bald fett, sondern das Fleisch gewinnt auch an Wohlgeschmack. Gänse bekommen durch diese Fütterung besonders große und schöne weiße Lebern- Die französischen Geflügelmäster mischen gepulverte Holzkohle unter das Futter, wobei sich das Geflügel ebenfalls sehr schnell mästet. Das Alter der Gänse. Untersucht man einen Gänse- flügel genau, so findet man an dessen äußerem Rücken, dicht an der größten Schwungfeder, zwei kleine, schmale, spitze, sehr harte, ungeheuer feflsttzende Federn. An der größeren derselben kann man das Alter der Gänse erkennen. Nachdem die Gans das erste Lebensjahr zurückgelegt hat, zeigt sich auf der äußeren Seite dieser Feder quer über dieselbe eine Rinne, welche so aussieht, als wäre sie dort mit einer dreikantigen Feile eingeritzt.' Mit Ende des zweiten, dritten, vierten u. s. w. Jahres zeigt sich alljährlich neben der ersten je eine Rinne mehr, so daß man nach der Anzahl dieser Rinnen das Alter der betreffenden Gans stets mit unfehlbarer Sicherheit ablesen kann. Papageien das Schreien abzugewöhnen. Man legt ein dickes, schweres Tuch neben den Käfig und ruft dem Vogel jedes Mal, wenn er zu lärmen anfängt, ein und dasselbe Wort in gleichem Tons zu und bedeckt plötzlich mit dem Tuchs den Käfig. Sobald der Papagei zu schreien aufhört, muß man sofort das Tuch abnehmen und Zuruf und Verdecken jedes Mal wiederholen, sobald er schreit. Der Vogel merkt dadurch, daß die genannte Procedur für ihn eine Strafe ist und wird nach wiederholtem Versuch sicherlich das störende Geschrei einstellen. ♦ Als Mittel gegen den Bandwurm bei Hunden, Schafen u. s. w. empfiehlt Dr. Lentz den Genuß der Früchte der Hundsrose. Die Kerne derselben sind mit scharfen Härchen maffenhaft besetzt; diese stechen den Bandwurm an, halten sich an seinem Körper fest und quälen den Schmarotzer derart, daß er bald darauf.stirbt und sammt Kopf abgeht. Selbstbereitung guten Fleckwaffers für Leinen- zeua. Wein-, Obst-, Kaffee- und dergleichen Flecke entfernt man aus Tischzeug, Schmutz- und Schweißflecke aus Leibwäsche am besten durch folgendes selbstbereitetes Fleckwafler: 1 Kilo Glaubersalz, 1 Kilo Soda und 1 Kilo Chlorkalk werden in einem Steintopf mit 14 Liter Regenwasser sechs bis acht Ta-s lang auf eine mäßig warme Stelle des Herdes gesellt und täglich mit einem hölzernen Stabe umgerührt. Rach dieser 376 Zeit gießt man das Wasser klar ab, füllt es in Flaschen und benützt es bei der Wäsche. * * * Honiglimonade. Ein liebliches, kühlendes, belebendes Getränk bereitet man sich, wenn man auf einen Eimer Wasser 500 bis 750 Gramm Honig nimmt, beides miteinander erhitzt, darauf im offenen Eimer angähren läßt — was man durch Zusatz von etwas Bierhefe schnell erreicht, — und gleich am ersten Tage nach eingetretener Gährung die Masse auf Mineral- Wasserflaschen füllt, diese gut verkorkt, verbindet und dann in einen kühlen Keller stellt. Nach acht Tagen ist das vorzügliche Getränk genießbar. * ♦ • ♦ Limonade für Kranke (bei Fieber). Zu anderthalb Liter kochendem Wasser gebe man den Saft (nicht die Schale) einer guten Citrone und entferne alle Kerne. Dies wird in eine Flasche gefüllt und dem Kranken mit etwas Zucker vermischt zum Trinken gegeben. Blumenkohl ans eine künstliche Art zu schneiden. Diese Kunst soll nach Angaben eines englischen Gärtners darin bestehen, daß man nicht, wie gewöhnlich, den ganzen Kopf abschneidet, sondern ein etwa haselnußgroßes Stück nebst allen Blättern stehen läßt, wodurch sich zwei bis drei Mal ein neuer Kopf bildet und ein und dieselbe Pflanze zwei bis drei Monate lang Blumenkohl geben soll. Das Verfahren, den ganzen Sommer, Herbst und Winter Kohlrabi zn ernten, ist sehr einfach. Man pflanzt auf gut zubereitetem, im Herbst gedüngten Boden im Frühjahr Kohlrabipflanzen aus. Sobald dieselben für die Küche gebraucht werden können, werden sie nicht ausgezogen, sondern man schneidet den oberen Theil des oberen Kopfes ab, da der untere Theil doch nicht zart ist. Man läßt nun die Pflanzen ruhig weiter wachsen. Nach kurzer Zeit wächst aus fast jedem Auge eine neue Knolle, oft sechs bis acht, ebenso gut und oft noch besser, als die erste war- Mancher Gartenbesitzer pflanzt Kohlrabi im Sommer zum zweiten und dritten Mal, aber oft kann man dann keine Pflanzen bekommen, oder die Witterung ist zum Anwachsen ungünstig. Für Jeden, der nur Kohlrabi für die eigene Küche pflanzt, ist deshalb obige Methode recht nützlich. e ♦ ♦ Blumen knospen aufzubewahren. Man schneide die reifsten Knospen mit der Scheere ab, lasse ihnen aber einen Stiel von wenigstens drei Zoll- Das abgeschnittene Ende siegle man sorgfältig mit Siegellack zu, drücke etwas auf die Knospen, wickle eine jede einzeln in ein reines, recht trockenes Papier. Auf diese Art kann man sie ein Jahr lang aufbewahren. Sollen sie im Winter oder in einer anderen Jahreszeit blühen, so schneide man Abends das zugesiegelte Stück des Stengels ab und setze die Knospen ins Wasser, in welchem man etwas Salz oder Salpeter aufgelöst hat. Am andern Morgen sind die Blumen aufgebrochen und riechen ebenso schön wie frisch. Um Bänder zu waschen, nimmt man 60 g Honig, 60 g schwarze Seife und 90 g Weingeist, rührt dieses gut zusammen, bestreicht mittels eines Schwämmchens den Stoff damit, spült ihn mit Wasser und überfährt ihn mit einem ganz heißen Bügeleisen, worauf die Bänder wieder Glanz und Seife erhalten. Um den Geruch der schwarzen Seife zu tilgen, kann man in das zweite Spülwasser etwas Wohlriechendes thun. * * ♦ Gelbe Streifen in der Wäsche zu verhindern. Manche Stoffe bekommen, trotz des sorgfältigsten Spülens beim Trocknen gelbe Streifen. Ein sicheres und dabei einfaches und billiges Mittel dagegen ist, den Stoff vor dem Aufhängen kurze Zeit in lauwarmes Salzwasser zu legen- Damit beugt man dem Jneinanderlaufen von Farben vor. Eine Hand voll Salz genügt für ein Kleid. ♦ ♦ Zur Vertilgung der Fliegen im Stalle ließ ein Gutspächter die Säulenköpfe mit Zeitungspapier umhüllen, welches mittels eines Bindfadens festgebunden wurde. Dieses Papier wurde nunmehr mit Vogelleim, der, warmgemacht, dünnflüssig ist, bestrichen. In derselben Weise ließ er mehrere große Bogen Packpapier an eine Holzleiste nageln, auf beiden Seiten mit dem Leim bestreichen und an verschiedenen Stellen des Ställes, wo die Fliegen am meisten auftraten, aufhängen. Der Erfolg war ein durchschlagender, die Papiere waren in einem Tage mit unzähligen Fliegen besetzt. Unter drei Pfund Fliegenleim ließ er zum Anlocken stets ein Pfund Syrup für 20 Pfennig mischen. — Diese Verttlgungsweise dürfte sich jedenfalls auch für Küchen eignen. — Ein anderes Recept, welche sich gegen dieselbe Plage richtet, besteht in Fol« gendem: Alle Arten Fliegen, namentlich aber die Stechfliegen in den Ställen, werden in einer Nacht total vertrieben, wenn Chlorkalk auf einem Brett int Stalle aufgestreut und ein Fenster etwas offen gelassen wird. Der Geruch treibt alle Fliegen zum Fenster hinaus. Dem Vieh aber ist dieser Geruch nicht schädlich. Vermischtes. Der Neugierige. Präsident: „Sie bitten, die Sache auf acht Tage vertagt zu haben, weil Ihr Anwalt erkrankt ist." — Angeklagter: „Jawohl, Herr Präsident I" — Präsident: „Sie sind ja aber auf frischer That ertappt worden. War wird da Ihr Anwalt zu Ihrer Verteidigung sagen können?" — Angeklagter: „Ja, Herr Richter, darauf bin ich eben selber sehr neugierig."-- ♦ * • Mißverständnis Braut: „Hast Du Dich jetzt definitiv entschlossen, wohin wir die Hochzeitsreise machen, Karl?" — Bräutigam: „Wie ich Dir schon sagte, nach Italien . . . eben habe ich den „Bädeker" bestellt!" — Braut (verschämt): „Ach, Karl, wollen wir nicht lieber allein fahren?" * ♦ * Seine Antwort. Gattin: „Aber, Theodor, schäme Dich, jetzt um Mitternacht kommst Du erst aus dem Wirths« hause heim! Ich habe bis jetzt noch kein Auge zugemacht!" — Gatte (lächelnd): „Aber liebes Kind, denkst Du denn, ich hätte eines zugemacht?"-- * * ♦ Er kennt sie. Frau (morgens): „Was wartest Du noch?" — Mann: „Ich möchte das neue Dienstmädchen sehen, von dem Du solche Wunderdinge erzählt hast, es wird ja wohl gleich eintreffen ?" — Frau: „Damit hat's doch Zeit b!s Mittag!" — Mann: „Hm, wenn sie dann noch da ist!"-- ♦ ♦ e Boshaft- Sonntagsjäger, den erlegten Hasen triumphierend in die Höhe haltend: „Der erste Hase, den ich in dieser Saison erlegt habe! Aus Freude darüber möchte ich etwas Wohlthätiges ins Werk setzen." — Förster: „Gründen Sie doch ein Krankenhaus für angeschossene Treiber." • ♦ ♦ Eheliche Schädellehre. Phrenologe: „Wir sehen an diesem interessanten Kopf zunächst eine charakteristische Erhöhung, das Merkmal der Gattenliebe." — Bauer: „Jo, jo, da hat mir gestern meine Alte mit dem Besenstiel eini aufi g'haut." * * ♦ Käsernenhofblüthe. Feldwebel beim Einexerziren der Rekruten: „Kerls, Ihr seid so dumm, daß ich nicht mal Eure Namen behalten kann." Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.